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Full text of "Zentralblatt Für Stoffwechsel Und Verdauungs Krankheiten 3.1902 California"

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DR. F. W. VüWINCKtL. 


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r /f / n is, : w 


v? ßentralblatt 

für 

Stoffwechsel- und Verdauungs- 
Krankheiten 


herausgegeben von 

Professor Dr. CARL VON NOORDEN in Frankfurt a. M. 

redigiert von 

Dr. med. ERNST SCHREIBER, Privatdozent an der Univ. Qöttingen. 

r" 

3. Jahrgang 

Januar—Dezember 1902. 



6ottingtn 

Vandenboedt und Ruprecht 

1902 . 


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Original-HrtlhtL 

]. Waldvogel: Der Stoffwechsel im Gichtanfall. S. 1. 

Z Orlowski, Witold: Ein Beitrag zur Frage über die Blutalkalescenz. 
S. 31. 

3. Ritter v. Korczynski, L: Zwei Stoffwechselversuche bei Osteomalacie. 
S. 31. 

4. Czerny, Ad.: Rohe Milch als Säuglingsnahrung S. 93. 

5. Orlowski, Witold: Ueber die Autointoxikation des Oiganirmus mit 
Säuren, als ätiologisches Moment in der Pathologie der inneren Krank¬ 
heiten mit besonderer Berücksichtigung der Urämie. S. 123. 

& Bendix, Ernst: Ueber alimentäre Olykosurie nach Narkosen. S. 149. 

7. Bickel, A. u. Fraenckel, P.: Beiträge zur elektrischen Leitfähigkeit 
des Blutes. S. 171. 

8. Mohr, L u. Loeb, A.: Beiträge zur Frage der diabetischen Acidosis. 
S. 193. 

9. Zypkin, S. M.: Ueber Bluterbrechen bei Appendidtis. S. 217. 

10. Kaufmann, Martin: Ein Beitrag zur Frage der Fleischmast. S. 239. 

11. Schilling, Fr.: Elektrische Behandlung der habituellen Obstipation. 
S. 327. 

1Z Cordes, W.: Zur Lehre vom Aderlass und der Kochsalzinfusion. S. 379. 

13. Trinkler, N. P.: Ueber einen seltenen Fall von tuberkulöser Striktur 
des Jejunums. S. 403. 

14. Schreiber, E. u. Dreger, K.: Zur Chemie der Frauen- und Kuhmilch. 
S. 431. 

15. Ebstein, Erich: Ueber den Pentosengehalt der Oigane unter physio¬ 
logischen und pathologischen Verhältnissen. S. 503. 

16. Bickel, A. u. Kokubo, K.: Zur Biochemie des Blutes S. 575. 


if- L? ö 


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Damen-Register, 


A. 

AbW 124, 133 
Abramowitsch 165 
Achard, Ch. 145 , 231, 
425 

— ii. Laubry 314, 318, 
451, 468 

— — u. Thomas 452, 
471 

— u. Loeper 314 , 323, 
469 

-u. Orcnet 594 

— u. Thomas 471 
Adam 396 
Adamkiewicz 416 
Adamson, O. 8 
Addison 109 
Adler, O. 106 
Aglron 532 
Aichel 115, 116 
Albert, E. 541 
Albn 24, 43 

v. Aldor, L. 24 
Alenar 591 

Alexander u. Hirschfeld 
295 

Alexandrow 297 
Alexeew, M. T. 104 
v. Alfthan 507 
Allingham 140 
Andre, Ch. 564 
Angas-Iohnson, E. 57 
Anglade u. Chareaux 320 
Apelt 317 

Arapow, A. 290, 390 
Arcangeli u. Cimoroni 
400 

Arep 473 
Arndt, j. 56 
Aron, E. 546 
Aronheim 485, 539 
Aronsohn, E. 496 
Arthus 227 
v. Arx 563 
Ascoli 421, 575 
Asher 396 
Askanazy 515 


Aubertin u. Minitrier 
316, 361 

Audard u. Mouchet 419 
Audibert u. Oddo 390 
Auerbach 515 
Aufrecht 110, 422 


B. 

Babes 375 

Babonneux 77, 179, 207 

— u. Mlry 317 
Baccarani Solimei 458 
Backhaus 544, 545 
Bäumler 439 
Baginsky 389, 585 
Baldassari, L u. Oardini, 

A. 590 

Balvay u. Roget 132, 133 
Band 50, 164, 313, 317, 
368, 561 
Barbary 247 
Bardesco 460, 466 
Bardet, G. 244, 254, 255, 
256 

— u. Robin, A. 228, 253 
Barker 280 

Barlow 96 
Barsikow 535 
Bartenstein 93, 347 
Basedow 232, 233, 250, 
251,296,317,369,370, 
466, 494 
Bassini 77, 419 
Batelli 594 

Bätsch 16, 102, 290, 538 
Baum 263 

Baumann 19, 215, 272, 
333,372, 418,424,425, 
520, 571 

v. Baumgarten 375, 377 
Baylac, J. 230, 323, 324 
Beaufuml u.Foumier 592 
v. Beck 422 
Blco 164 

Beddies, A. u. Tischer, 
W. 560 


Bednarski, Wroblewslri 
u. Wajczynski 253 
Beeckmann-Delatour 511 
Belin 458 

Bence-Jones 147, 371 
Benderski 16, 230 
Bendix, E. 149, 166, 503, 
504, 507 

— u. Bickel, A. 114, 
438 

Benedict 45, 447 

— u. Snell 452 
Benedikt 328 
Beneke 375 
Bensen, W. 542 
Benvenuti 57 
Berger, E. 461 

v. Bergmann 100 
Bemard 72, 569, 592 

— u. Bigart 141 
Bemdt, F. 162 
Bernert 230 
Bernhard 462 
Bertherand, L 253 
Bertrand 425, 587 
Blsard u. Vignard 393 
Bezancon u. Philibert 161 
Bial, M. 331, 384, 464 

— u. Blumenthal 37 

— u. Huber, O. 464 
Bickel, A. 151 

— u. Bendix, E. 114, 438 

— u. Fraenckel, P. 172 

— u. Kokubo, K. 575 
Biedermann 235 
Biedert 351, 431 

Biedl u. Winterberg 446 
v. Bielau, F. 597 
Bielka 315 

Biemacld, E. 124, 131, 
133 

Bierstein, A. 286 
Biffi 400 

Bigart u. Bemard 141 
Binder 315 

Binet, M., Robin. A. u. 

Dupasquier 270 
Binz, K. 45 


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IV 


Biondi 575 
Bjeloussow, A. 291 
Blad u. Videbeck 168 
Bleibtreu 236 
Bloch 185 
Bios 182 

Blum 36. 48, 203, 542 
Blumentnal 166 
—, F. u. Bial 37 

— u. Neuberg. C. 322 
Boas 66, 75, 77, 87, 137, 

205, 248, 327, 332 

— u. Kochmann, A. 582 
Bobrow, A. A. 405 
Boehm 418 
Bönniger 531 

Boeri 367 
Boetzelen, E. 189 
Boinet 142, 324 
Bokelmann, W. 55 
Bokomy 449 
Boldyrew 567 
Bolognesi, A. 279 
Bonjour 206 
Bonnamour 318 

— u. Pinatelle 494 
Bonnani 400 
Bonne 89 

Bonney, W. F. V. 564 
Bontius 440 

Bordet428,431,468,557, 
566 

Bornhaupt 509, 511 
Bornstein 212 
Borszlky 72, 78 
Bose 311 
Botesco 460 
Bottazzi u. Orefid 400, 
424 

Bouchard 461, 552 
Bouloumil, P. 69 
Boulud u. Lupine, R. 572 
Bourcet, P. 19 
Bourdillon, Ph. 286 
Bourget 28, 270, 500 
Boumigault 234, 235 
Bourret u. Sabrazfes, J. 
114 

Bouveret 437 
Boy 214 
Boye, B. 513 
Braatz 388 
Bradshaw, T. R. 146 
Brandenbuig 124, 133, 
186 

Brat, H. 167 
Brauer 204, 295 
Braun 88, 155, 234, 419, 
448 

Brlcy, M. u. Brissaud, 
• E. 97 

Briggs, C. E. 140 


Brinton 437 
Briot 210 

Brissaud, E. u. Br6cy, 
M. 97 

— u. Londe. P. 552 
Brooks Brigham 138 
Brown-Slquard 522 
Brücke 569 
Brüning 397, 474 
Brunner 66, 126, 133, 

153, 211 
Bruno, J. 109 
Bruns, H. u. Levy, E. 
350 

Buch, M. 16, 554 
Büchner 376 
Bucquoy 389 
Büdmger, C. 310 
Bürker 79 
Büsing 439 

Bugarszky 172, 175. 178 
Buist, R. C. u. Crow, 
W. J. 484 
Bundschuh 77 
Bunge 425, 426 
Burghart 256 
Bunan, R. 415 

— u. Schur, H. 497 
Burow 106 
Busquet 586 

— u. V6ron 586 
Buxbaum 565 
Bychowsk, Z. 146, 156 


G 

Cabellero, B. 141 
Caffiero 367 
Cahen, F. 178 
Calv6 298 
Caminiti, R. 100 
Camus 210 

—^ Launois u. Pagniez 
Cao 277 

Carles 217, 219, 220, 223 
Carnot 323 
Carrien 324 
Caspari 236 
Castaigne 231 
— u. Gilbert 313 
Caubet, H. und Judet, 
H. 104 
Cautru 48 
Caziot, P. 

E. 292 
Cervello 251 
Cetti 401 

Chanocau 110, 111 
Chantemesse 181, 182 
Charcot 295 


, 49, 254. 255 
u. Woirhaye, 


Chareaux u. Anglade 320 
Chariot 217, 219, 220, 
223, 226 
Charrin 322 
Chassel, L. 140 
Chauffard 250 
Chlumsky 413, 415, 457 
Christiani 215 
Cimoroni u. Arcangeli 
400 

Cionini 58 
Cipollina, A. 27 
Ciuti 393 

Ci vatte u. de Massaiy 507 
Claude 247 

— u. Mantl 470 
Claytor, T. M. 141 
Clemens 451 
Clemm, W. N. 8 
Clerc 425 
Cloetta, M. 531 
Clopatt 545 
Cnopf 189 
Coaldy-Byron 144 
Coftan, A. C. 494 
Cohn 166, 318, 490, 544 
Cohnheim 310, 464,518, 

568 

Cohnstein 85, 396 
Comby 317 
Concetti 534 
Condamin, M. R. 152 
Gonradi 45 

— u. Vogt, H. 590 
Copland 404 
Coranda 131, 133 
Cordes, W. 379, 380 
Da Costa 66 
Coste 588 

Courcoux u. Le Noir 164 
Courmont, P. 182 
Coville 164 
Crämer 396 

Cramer, H. 86, 346, 348, 
596 

Cremer 528 
Crenstow 532 
Croftan 140, 227 
Crow, W. J. u. Buist, 
R C. 484 
Cruveilhier 420 
Curschmann, H. 12, 268, 
540, 588 

v. Cyon, E. u. Oswald, 

Czapek* F. 521 
Czerny 77, 93, 133, 419, 
476 

— u. Keller 28, 347 

— u. Petersen 155 
Czygan, P. 98 


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V 


D. 

Dalchl, P. 229, 250 

— u. L^pinois, E. 297 
Dapper 241 

Daremberg,0. u. Moricz, 
F. 591 

Debove 231, 232 
Decker 533 
van Deen 582 
Deetz 363 
Degenhardt, C 57 
Dehio 137, 385 
Delbet, P. 247 
Dtilage 324 
Dällarde u. Hautefeuille 
256 

Delherm u. Laquerri&re 
188, 486 

Denigfes, O. u. Sabrazfcs, 

Deppe 404. 405, 414 
Dercas u. Nicolas 486 
Derjushinsky, S. 286 
Desaiin 443 
de Nettes 251 
D €v6 489 

Devic u. Oallavardin, L. 
561 

Dicke u. Kohlmetz 523 
Dieckhoff 71 
Diesterweg 375 
Dietrich, A. 376, 377, 
522 

Dieulafoy 68, 183, 217, 
218, 219,220,223,224, 
225,226,227,392,436, 
448, 490, 587 
Diaischenko 538, 560 
Dlusld 426 
Doering 19, 420 
Dollinger, S. 266 
Donat^J.u. Landsteiner, 

Donoghue, F. D. 143 
Dopter 307 

— u. Ferner 164 
Dräne, C F. u. Price, 

T. M. 111 

Dreger, K. u. Schreiber, 
E. 431 

Ducamp 322, 323 
Duchenne 328 
Dunschmann 71 
Dufour 162 
Dugge, C. 479 
v. Düngern 349 
Dunlop 131, 133 
Dupasquier, Robin, A. 

u. Binet, M. 276 
Duplay 398 

Durando Durante 418 


Durham 467 
Dutoit 367 


L 


Ebstein, E. 503 
- W. 13, 53, 79, 149, 
151, 187,237, 440, 486, 
548 

Eck 315, 446 
Eckardt, T. 540 
Edinger, A. u. Treupel, 
O. 256 
Eggel 46 

Ehret u. Stolz 143 , 421 
Ehrhardt 423, 565 
Ehrich 463 

Ehrlich 108, 245 , 295, 
376, 428, 451, 468, 566 
Eichhorst 68, 226, 528 
Einhorn 66, 86, 98, 135, 
556, 573 

v. Eiseisberg 413, 415, 


Eisenhardt 406, 414 
Eisenmenger 312, 445 
Ekgren, E. 344 
Elfstrand 468 


Ellinger 396 

— u. Seelig 528 
Elsner, H. 39, 40, 385 
Elter 463 

Embden, O. 461 

— u. Knoop, F. 518 
Emden u. Glaessner 215 
Emerson 416 
Emmerich 376, 377 
Enderlen u. Justi 485 
Engel 34, 35, 127 
Engländer 366 
Eppinger 208 
Epstein, D. 134 

Erb, W. 45, 328 
Erdmann 328 
Erdt 541 
Escherich 585 
Ettlinger 396 
Ewald 66, 68 , 75, 79, 
99, 437, 486 


F. 

Faber, K. 583 
Federschmidt 275 
Feinberg, N. M. 141 
Feltz im 
Fenton 595 
Fdrd, Cli. 553 
Femet 211 
Ferranini 75, 508 


Ferreini 397 
Ferrier 250 

— u. Dopter 164 
Finizio 531 
Fink, F. 514 
Fischer 74. 513 
Fischler, r. 546 
Fleiner, W. 76, 306, 327, 

359, 360, 455, 522 
de Fleury, M. 254 
Florange 438 
Follet 510 
Ford, W. 44 
Foster. M. O. 140 
Fourmer, A. 12. 313 

— u. Beaufume 592 
Fraenckel, P. 357 

— u. Bickel, A. 171 
Fraenkel 331, 405, 414, 

586 

Francine, A. P. u. Steele, 
J. D. 555 
Frank 66, 230, 476 
Franke 69, 492 
Frdmont 75, 233, 244, 
252, 276 

Frentzel u. Reach 211, 
212 

Frerichs 14 

Freund, E. 86, 303, 346, 

Frieben 249 
Friedeberg 518 
Friedenthal 575, 576 
Friedleben 82 
Friedmann 147, 429,520, 
571 

Friedreich 343 
Frohmann, J. 483 
Froussard 66, 67, 68 
Frucht 87 
Ffirbringer 596 
Fuhrmann, E. 537 


a 


Gabritschewsky 429, 450 
Oähtgens 131, 133 
Oärber 298 
Oaertner 17, 490 
Oaleotti u. Todde 472 
Oallavardin, L u. Devic 
561 

Oalvagni 58 
Oandi u. Oouraud 465 
Oarda y Hutardo 138 
Oardini, A. u. Baldassari, 
L 590 


Gm^er, M. u. Roger, H. 
Oarrod 1, 4, 6, 496 


L 


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VI 


Oarwitz 345 
Oastau 325 

Gaucher u. Lacapfere 284 
Gaus, Fr. 348 
Gautier, A. 19, 20 
Gautrelet 49 
Gavioli 279 
Gebele, H. 539 
v. Gebhardt, Fr. 572 
Geelmuyden 198, 264 
Gehle 393 
Geigel 249 
Gelpke 273 

Gemelli, E. u. Polacco, 
R. 485 

Georgewski 557 
Glraudel 445 
— u. Rlnon 473 
Gerber 384 

Gerhardt 197, 304, 320, 
447 

Oerota 415 
Oersuny 455 
Oieseier 472 


Gilbert 313, 323, 561 

— u. Castaigne 313 

— u. Herscher 312, 514 

— A. u. Lereboullet, P. 
96, 103, 185, 446, 447, 
465, 509, 512 

Girard 273 
Giuranna 367 
Glaessner 187, 188, 209, 
210, 211, 416, 434, 5l4 

— u. Emden 215 
Olax 596 


Gllnard 66, 325 
Gley 210 
Glintschikow 566 
Gluzinsld 362 


Goebel, W. 296 
Goetzl 232 


Goldbeig 495. 517 
Goldenberg, A. F. 473 
Ooldscheiaer, A. 45 
— u. Jakob, P. 573 
Golubow 224 
Gonzalez Alvarez 593 
Gorjanski 491 
Gostling 595 
Gottstem 72 
Gouraud u. Oandi 465 
Gourod 253 
Gower 127 
Graser 288 
Grassmann 540 
Grawitz, E. 113, 596 
Orenet 307 

—, Achard u. Loeper 594 
Oribinjuk, E. S. 184 
Gross, P. 376 
Qrosz 519 


Oroth, A. 183 
Oruber 467, 468 
Grünbaum 575, 576 
Grünwald, L. u. May, 
R. 517 

Orützner 187, 188, 360, 
593 

Guagenti 251 
Oueaea y Calvo 107 
Oünzburg 233 
Oulrin 207 
Ouihal 250 
Ouillain u. Marie 184 
Guillot, M. 273 
Oumprecht 13, 519, 596 
Oumring 214 
Ouyotfl^ 219,220, 223, 
225, 226 


H. 

Habertson, S. H. 517 
Habs 489 

v. Hacker 96, 154, 155, 
286, 553 

Hagenbeig u. Schreiber 
379, 380, 381, 382 
— u. Waldvogel 196 
Hagen-Tom, J. 271 
Hagopoff 389 
Hahn 124, 133 
Haig, A. 351, 497 
Hallervorden 131, 133 
Hamburger 32 
Hamilton, O. O. 510 
Hammer 81 
Hammerschlag 585 
Hampeln 290 
Hanot 250,313, 421, 561, 
562 

Hartenstein 584 
Hartmann 66, 376 
Hartung 544 
Hauser 375 

Hautefeuille u. Dlllarde 
256 

Hawkins, F. 44 
Hawthorne, C. O. 14 
Hay 514 
Haycraft 107 
Hayem 75, 233,245,250, 
265, 276, 512 
Head 554 
Hldin 112 
Hehner 234 

Heidenhain 80, 187, 189, 
210, 396 
Heinecke 364 
Heineke 206 
Heinemann 212 
Heinrich, E. 567 


Heinz, R. 491 
Helfenberger 538 
Helferich 541 
Helly, C. 399 
Helman, D. 521 
Hemmeter 581, 593 
— u. Stokes, W. R. 204, 
305 


Hemptenmacher 475 
Henle 184, 397 
Henoch 331 
Henschen, S. E. 559 
Herczel 417 
Hergenhahn 449 
Hering 54 
Herman 133 
Herschell, O. 136 
Herscher u. Gilbert 312, 
514 


Herter, C. A. u. Wake- 
man, A. J. 479 
Herz, M. 307 
Herzen 21, 22, 394, 395 
Herzfeld, A. 588 
Herzog 132, 133, 283 
Hess 311, 476, 527 
Hesse, A. 138 
Heubner 189, 346, 348 
Heuck 387 

Hildebrand, H. 15, 116 
Hilgenreiner 394 
Hippius, A. 20 
Hirsch 66 
Hirschfeld 71, 578 

— u. Alexander 295 
Hirtz 307 

— u. Salomon 164 


His 1, 4, 6, 70, 173, 178, 
242, 596 
Hochenegg 154 
Hochhaus 596 
Höher 84 
Hödlmoser 20 
Hölscher 376 
van Hoesen, L. 310 
v. Hösslin, H. 53, 147, 
299, 417 

Hofbauer, L. 417 
Hoffa 596 


Hoffmann, F. A. 163 
Hofmann, C. 488 
Hofmeister, F. 89, 90, 
210,331,404,405, 413, 
414, 416, 518 
Holländer, E. 345 
Holzknecht 15 
Hondo 301 
Honigmann 290 
Hoppe, J. 213 
Hoppe-Seyler 187, 210, 


Horbaczewsld 214, 300 


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VII 


Horstmann 506 
Howard, H. 82 
I Huber 180 

0. u. Bial, M. 464 
- u. Lichtenstein 415 
| Huchard 438 
I Hueppe 596 
fturthle 17, 18» 514 
Huismans, L. 451, 483 
Huizenga u. Wibbens 213 
Huppert 51 
Husemann 506 
Hutine) 561 


I. 

Moway 581 
JngeJraus 561 
Isaak 68 

Israel 232, 344, 345, 413 
7/o, M. 425 


J. 

Jadassohn 596 
Jäger 500 
Jaffa 03 
fafft 3J9, 510 
lakob, P. u.Goldscheider, 
A. 573 

K Jakseh 32, 33, 123, 
124,133, 196, 214,301, 
543, 557, 573 
arcfio 261 

egunow u. Werigo 108 
ochmann u. Schümm 146 
xi in 78 

ohnsohn 404, 414 
töchi FaJcanuni 278 
dies 24, 25, 52, 543 
mnesco 466 
mkovsky, W. P. 363, 
366 

ralie 48, 49, 255, 256 
wssot 231 

idet, H. u. Caubet, H. 
104 

tagst 391 
inen 337 

bg, F. A. R. 580 
rasz 500 

btewiaL O. A. 271 
ttd u. Enderl en 485 


K. 


M. 55 



n. Orgler, 


Kakeis, M. S. 230 
Kalinczuk 357 
Karewski 341 
Kassowitz, M. 54 
Käst 358 

Katsudara, F. 547 
Katunsld, E J. 365 
Katz 273 

Kaufmann 230, 436 
Kawetzld, E. L 435 
Kehr, H. 116, 143 , 461, 
563 

Keiler, A. 268 
Kekull 113 
Keller, A. 348 

— u. Czerny, A. 28, 347 
Kelling, O. 37, 39 
Kempf, F. 57 

Kernig 307 

— u. Ucke, A. 584 
Killian 530 
Kimminger 83 
Kionka, H. 350 
Kirikow, N. N. 512 
Kirmisson 217, 210, 220 
Kirste 541 

Kischensky 418, 546 
Kissel, A. 276, 288, 207 
Kitawaga 66 
Kittel 474 
Kittsteiner 68 
Kiwull 304, 511 
Kieldahl 110, 543 567 
Kladnitzki 560 
Klapp 366 
Klein 560, 503, 506 
Kleinwächter 133 
Klemperer 54, 133 , 450 
Klimmer 426 
Klopstock 535 
Knapp 434, 498, 510 
Knauthe 235 
Knöpfelmacher 167 
Knop 435, 543 
Knorre 520 

Knoop, F. u. Embden, G. 
518 

Kobert 468, 538 
Koch 215, 340, 342, 486, 
580 

Kocher 77, 360, 410, 414, 
419 

Kochmann, A. u. Boas, J. 
582 

Kolbing 272 
König 100,343, 405, 414, 
484,400,501,516,530, 
534 

Koppen 475 
Körmöczi, F. 108 
Körte 476 

Kohimetz u. Dicke 523 


Kohlrausch 171,172,173, 
174, 177 

Kokubo, K. u. Bickel, A. 
575 

Kolisch 14 
Kolomenldn 82 
Koposi 420 
v. Korczynski 61 
Korn, G. 581 
Korsch 529 
Korschan 593 
v. Kössa, J. 20 
Kossel 513 
Kostin 186 
Kowarski, A. 26 
v. Koziczowsky, E. 433, 
531 

Krajewski 413 
Kramm 506 

Kraus 133, 289, 467, 468 
Krauss 227 
Krebs 81 
Kretz, R. 315 
Krewel 113 
Kriege 450 

Krieger u. Soetbeer 423 
Kröber 504, 505 
Kroenig 534 
Krogius 404, 405, 414 
Kruse 450, 536 
Krysinsld 66 
Kuhn, A. 451, 481, 586 
Kühne 371,466,467, 568 
Kühnemann, G. 506 
Külz 203, 440, 507, 560 
Kümmel 115, 116 
Kümmeli 344 
Küttner 163, 588 
Kuhn 72 

Kukula, O. 183, 206 
Kun, R. 405 
Kunkel 187 
Kurth 10 
Kuschel 373 
Kuskow, P. W. 388 
Kuss, O. 233 
Kussmaul 77, 548 
Kutscher 485 
Kuttner 40 


L 

Labte 74 

Laboulais, A. u.Mathieu, 
A. 76, 265 

Lacapfere u.Oaucher 284 
Lacour. P. 277 
Ladyscnensld, M. A. 338 
Laennec 294, 368, 421 
Lambette 532 
Lancereaux, M. 41, 445 

11 


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VIII 


Landard 80 
Landau 444 
Landi 58 

Landois 32, 33, 34, 467, 
468 

Landsteiner, K.u.Donath, 
J. 592 

v. Langenbeck 184 
Langenhagen 68 
Langerhans 71, 283, 480 
Langowoy, A. P. 256 
Langstein, L 212, 319, 
340 543 

Lanz 296, 488, 542 
Lapicque 516 
Laquer, B, 42, 328 
Laquerrifere u. Delherm 
188, 486 
Laqueur, A. 19 
— e. u. Sackur, O. 570 
Laubry u. Achard 314, 
318. 451, 468 
—, Achard u. Thomas 
452, 471 

Laumonier, J. 251, 279 
Launois, Camus u. Pag- 
niez 314 


Lazarus, P. 208 
Lebbin 350 
Ledere 166 


Leftwich, R W. 568 
Ldgal 214, 320 
Le Oendre 75, 162, 255 
Legrain 426 
Lehmann 373. 571 
Lemierre u. Ldvi 246 


Lengemann 285 
Lennander 404, 414, 422 
Lenoble 495 
Le Noir 250 
— u. Courcaux 164 


Lenzmann, R. 339 
Leo 109, 400 
Llpine 114,132,133,227, 
251, 356, 383, 552, 578 

- Boulud 572 
Ldpinois, C. 49 

- u. Dalchd, P. 297 
Lereboullet, P. 11, 107, 

313 

- u. Gilbert, A. 96, 
103,185,446,447,465, 
509, 512 

Lesage 510 
Lesguillon 278 
Lessage 541 

Letulle u. Nattan-Larrier 
487 


v. Leube 359, 360 
Leubuscher 328 
Levanschoff 268 
Leven 593 


Levison 4, 6 

Ldvi u. Lemierre 246 

Lev^, E. u. Bruns, H. 

Lewaschow, S. W. 293 
Lewin 256, 319 
Lexer 43 

v. Leyden 295. 350, 573 
Lichtenstein u. Huber415 
Lichtwitz 529 
Lieben 214, 320 
Lieberkühn 211 
Lieblein 43, 78, 291 
Liebreich 350 
v. Umbeck 83, 124, 131, 
133 

Undemann 47, 514 
Undner 207 
Unk 384 

Unossier, O. 234, 254, 
255, 331 

Untwarew 51, 188 
Uon 459 

Lippmann, A. 249 

— u. Triboulet 165 
Utten 490 
Lochbihler, J. 495 
Loeb, A. 198 

— u. Mohr, L. 193 
Loeper u. Achard 314, 

323, 469 

— u. Orenet 594 

Löw 166, 167 , 376, 377 
Loewenthal, W. 345 
Loewi 5, 6 
Löwit 83, 185 
Löwy 31, 32, 33, 34, 124, 
133, 251 

Logan Turner, A. 178 
Lohnstein 331, 578 
Lommel, F. 162 
Londe, P. u. Brissaud, 
E. 552 
Lop 386 

Lotheissen u. Schlesinger 
589 

Lubarsch 521 
Lübcke, O. 296 
Lucksch 304 
Ludwig 89, 450 
Lüthje, H. 528 
Lyon, O. 305 


M. 

Mac Burnay 183 
Mac Ewen 77 
Machol u. Petersen 335 
Magnus-Levy 1,4,6,132, 
133,193,194, 198, 199, 
202, 203, 321 


Mahler. P. 348 
Malkoff 468 
Manasse 139 
Manger, N. 267 
Manjkowski, A. Th. 270 
Mankowski, A. F. 158 
Mannaberg 67, 207 
Mansbach 341, 350 
Mantl u. "Claude 470 
Marchand 67, 343 

— u. Tuffier 459 
Mardnowsld 318 
Marckwald 252 
Marfan 39, 77, 425 , 585 
Marie 233 

— u. Guillain 184 
Mario Flamini 427 
Marischier, J. 232 
Mark-Schnorf 22 
Marshall, C. R 486 
Marwedel 101, 421 

de Massaiy u. Civatte 507 
Massen 124, 133 
Matanowitsch 419 
Matthaei 21 

Mathieu 67, 247, 255, 
384, 506 

— u. Laboulais, A. 76, 
265 

— u. Roux 153 
Mathis u. Sarrab&s 233 
Mau, A. 315, 475 
Mauclaire 309 

Maurel 142, 181 
Maury 456 

May, R. u. Grünwald, 
L. 517 
Maydl 206 
Mayer 166, 319, 536 
Maylard, E. 515 
Medern, A. S. 141 
Medwedew 85 
Meinel, A. 152, 266 
Meinert 136, 137 
Melnikow 184 
Memmi, G. 75 
Mendel, F. 82 
Mdnltrier u. Auberdn 
316, 361 
Mercadante 251 
v. Mering, J. 304, 474 
Merk 369 
Mertens 288 

M&y u. Babonneux 317 
du Mesnil 529, 536 
Messedaglia 558 
Messina 251 

Metschnikoff 159, 160. 

268, 592 
Metzger, L 204 
Meyer 26, 372, 476, 527 


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IX 


v. Meyer 991 
Michaelis 84 
Michailow, N. 436 
Michalsld 470 
Midieli 466 
Micke 24 

v. Mieczkowsld 160 
v. Mikulicz 74, 155, 184, 
206,247,272,405, 413, 
415 

Mflhiet 398 
Milian 251 
Miller, H. T. 511 
Minkowski 527 
Minovid 575 
Mintz 233 

Mircoli u. Solerl 545 
Mittelbach 424 
Modiizudd, J. 144, 187 
Moebius 274, 296, 328 
Möller 96, 376 
Mönckeberg 489 
Möraer 26, 424, 544 
Mohr 201 

—, L u. Loeb, A. 193 

-u. Salomon 372 

Mottrecht 535 
Monrad 93, 95, 96 
Monro, T. K. 8 
Moore 578 
Moreigne, H. 473 
Morem, Th. 587 
Morgan, W. G. 582 
Morgen roth 593 
Monez, F. il Darembeig, 
O. 591 
Morison 404 
Moritz 235 
Moro 345 
Moser, E. 532 
Mossl, A. 551 
v. Mosetig-Moorhof, R. 

340, 368 
Moty 309 

Mouchet u. Audard 419 
Moutard-Martin 315 
Moyneham, O. A. 510 
Mutter 133,166,167,194, 
235,321,305,475,530, 
567 

Münch 269 
Mundt 375 
Munk 401 
Munter, S. 7 
Muratet u. Sabrazfes, J. 
516 

Murray, L 231, 515 
Murri 35, 355 
Mya 397 


N. 

Naab, J. P. 292 
Nagano 156 
Nagelschmidt 134 
Napalkow 395 
Nasilow 284 
Nasse 146 

Nattan-Larrier u. Letulle 
487 

Naunyn 36, 476 
Nebefthau, E. 356, 400 
Nehrkorn A. 102, 423 
Neisser 19, 134 
Nenckil24,133, 179,346 
Neiidngll3,212,449,569 
Neuberg, C. 499 

— u. Blumenthal, F. 322 

— u. Strauss, H. 595 
Neudörffer, K. 518 
Neumann 596 

— O. 570 
Neumayer 27 
Neumeister 519 
Neusser 109 
Newton Heinemann 110, 

211 

Nicolas u. Dercas 486 
Noblcourt u. Levin 425 
Nohn, R, 499 
v. Noorden 8, 24, 36, 62, 
144, 257, 258, 424, 452 
v. Nothnagel 66, 67, 68, 
224,225,227,410,415, 
417, 483 


0 . 

Obalinski 271 
Obermayer 450, 575 
F. u. Pick. E. P. 374 
Obrastzow, W. P. 481 
Ochsner, A. J. 45, 161 
Oddo u. Audibert 390 
Oeder, O. 8 
Öfter 196, 356 
Ogarkow, A. 304 
Oker-Blom, M. 112, 172, 
175, 178 

Oppenheim, A. 342 
Öppenheimer 351 
Orefid u. Bottazzi 400, 
424 

Orgien A. 214, 299 

— u. Kaiserling, C. 299 
Orlow, W. N. 405 
Orlowski, W. 31,123,133 
Oser 81 

Ostermaier, P. 539 
Oswald 466, 493, 559 

— u. v. Cyon, E. 84 


Otsuka 387 
Ott 401, 449 


P. 

Pagenstecher 399 
Pagniez, Launoi s u. 

Camus 314 
Pal. J. 560, 589 
Pallaske 106 
Paltauf 468 
Pappenheim 168 
Pariser, C. 15 , 66, 68, 
359 

Paschen 383 
Patel. M. 271 
Paucnet 105 
Paul 173, 178 
Pauli 595 
Paulsen. J. 584 
Pavy 509 

Pawlow 21, 124, 133, 
188, 38? 

Pecquet 591 
Peiper 124, 133 
Penkert, M. 487 
Penzoldt 137, 385 , 455 
Pepeve, A. 524 
Pemot E. 106 
Perondi 44 
Perujo 101 
Perutz 83 

Petersen u. Czerny 155 

- u. Machot 335 
Petit 420 
Petren 6 

v. Pettenkofer 514 
Pfaundler 162, 346 
Pfeiffer 1, 4, 5, 6 
Pfeuffer 113 
Pfister 270 

Pflüger 113,212,236, 569 
Phänomenoff 363 
Philibert u. Bezancon 
161 

Philippsohn 14, 202 
Pichler 247 

Pick 134, 179, 332, 467, 
476, 477, 569, 575 

— E. P. u. Obermayer, 

F. 374 J 

Picot 324 
Pieracdni 400 
Pinatelle u. Bonnamour 
494 

Pitini 251 
Plehn, A. 11 
Plitek, V. 593 
Polacco, R. u. Oemelli, 
E. 485 
Pollak 86 

11 * 


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X 


Porak u. Theuveny 394 
Porges, R. 154 
Posner 168, 383 
Postolowski, W. F. 142, 
297 

Potain 66 
Pouzet 405, 414 
Praussnitz 449 
Preindlsberger, J.463,578 
Price, T. M. u. Dräne, 
C. F. 111 
Prochownik 55 
Profeta 297 
Pron 266 
Proust, R. 78, 101 
Przewoski, E. 285 
Puppe 596 
Pusmelli 327 


Q. 

Quadflieg 16 
Queirolo 57, 58, 446 
de Quervin 462 
Quincke 399, 419 
Quintard, E. 98 
Quizeme u. Vaquez 491 


R. 

Rabinowitsch, L. 376 
Rabot 318 
Rachmaninow 223 
Racoviceano-Pitesti 460 
Radsiewski 294 
Radzikowski 22 
Raimann 242, 330, 331 
Ranke, K. E. 300 
Räuber 523 
Rau-Picd 275 
Rauzier 458 
Ravot u. Widal 307 
Ravod, Widal u. Sicard 
207 

Raynaud 510 
Reach, F. 508 
— u. Frentzel 211, 212 
Reale, E. 276, 277 
v. Recklinghausen 375. 
578 

Reclus 396 
Redlich 596 
Reichard 223 
Reichert 543 
Reichmann 265, 444 
Reimann, E. 16 
Reinecke 358 
Reizenstein 364 
Remlinger, P.9,287, 558 
Renaut 164 


Rendd, R. 152 
Rendu 233 

Rlnon u. Olraudel 473 
Renvers, R. 316 
de Renzi, E. 243, 367 
Reynold 214 
Ribbert 224, 596 
Ribierre u. Sauques 161 
Richelot 443 
Richer 291 

Richet u. Toulouse 213 
Riedel 81, 563 
Rieder 23 
Riegel 359, 573 
Riegler, E. 434 
Rindfleisch 420 
Ring 548 
Ringel 115 
Ritter 88 

Roberts, F. T. 46, 578 
Robin, A. 38, 233, 234, 
235,249,254,255,262, 
264, 508 

— u. Bardet, Q. 228, 253 
—, Binet, M. u. Dupas- 

quier 276 
— W. 98 
Rocque 331 

Roder u. Sommerfeld 427 
Rogaz 102* 

Roger, H. 557 

— u. Qamier, M. 293 
Roget u. Balvay 132,133 
Rohden, B. 592 
Rohnstein u.Strauss 117 
Romberg 364, 596 
Roos 419 

Rosanow, W. N. 103 
Rose 339, 476 
Rosenbaum, A. 435 
Rosenben? 51 
Rosenfeld 53 , 214 , 289, 
495 

Rosenheim 68, 596 
Rosenthal 263 
Rosin 433, 450, 507 
Rossbach 371 
Rost, E. 108 
Rostoski 575 
Roth 175, 178 
Rothe 184, 272, 341 
Rothmann, O. M. 69 
Rotschild 42, 47 
Rotter, E. 453 
Roux 459 

— u. Mathieu 153 
Roy u. Variot 232 
Rubner 51, 53, 147, 253, 

280, 281, 300, 346 
Rubritius 391 
Rühl, W. 143, 162 
I Rütimeyer, L 99 


Rüge 11 

Runemann 168, 429, 450 
Rumpel 98, 136 
Rumpf 201, 202 
Rumjanzew, F. D. 276 
Rüssel Burton-Opitz 18 


S. 

Sabourin 561 
Sabrazfes, J. u. Bourret 
114 

— u. Denigfes, O. 28 

— u. Muratet 516 
Sache Stephanesco 456 
Sachs 14, 257 

Sackur, O. u. Laqueur, E. 
570 

Sahli 138, 160, 224, 360, 
384, 416, 433, 531, 532 
Salaslh'n 568 

04 0 

Salkowski, E. 23, 107, 
320,372,418,450,489, 
490 

Salomon 144 

— u. Hirtz 164 

— u. Mohr 372 
Samoiloff 51 
Sanfelice 350 
Saquet 231 

Sarrab&s u. Mathis 233 
Savoca 251 
Sawjalow 448 
Saxer 292, 537 
Scarpinato 251 
Sedee, A. O. 363 
S6t 75 
Seegen 569 

Seeßg u. Ellinger 528 
Seemann 166, 234 
Seiler 384. 416 
Seliwanoff 595 
Seil, E. 501 

Senator, H. 50, 344, 345, 
371 

Sendler 392 
Serenin 394, 395 
Sevin u. Nob&ourt 425 
Shamlangh, H. 135 
Shepherd, j. 557 
Shibayama 593 
Shiga, K. 10 
Shukovski, A. 102 
Shukowski, W. P. 444 
Sicard u. Widal 206, 231 
—, Widal u. Ravoa 207 
Sick 475 
Siegert 252, 349 
Sievers 292, 559 
Sigwart, W. 376 


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XI 


Simmonds 244, 316, 476, 
533, 557 
Simon 462 

— O. u. Zemer, Th. 210 
Simonin 160 

Singer 110, 531 
Siredey 66 
Sjoquist 434 
Sldodowsky 410, 411, 
414, 415 

Slatowjerow, G. F. 107 
Smoler 163, 280 
Snell u. Benedict 452 
Sobotta 538 
Sölner 56 
Soetbeer 544 

— a. Krieger 423 
v. Sohlem 537 
Solen u. Mircoli 545 
Soltau, F. W. 101 
Sommer 480, 523 
Sommerfeld u. Röder427 
Sonnenburg 116 
Sonques 314 
Soupault, M. 265, 386 
Sonques u. Ribierre 161 
Speck 86, 111 
Spenger, W. O. 12 
Spiegel, L. 26, 284 
Spiegelberg H. 352 
Spiethoff 494 
Spillmann, L. 56 
Spineanu, G. D. 321 
Spohrerini 425, 565 
Springer, C. 275 
Ssobolew 71, 283 
Subkow, L. N. 300 
Sndeck 116 

Suter 571 
Swenzizky, W. 291 


Sch. 

Schaefer, F. 53 
Schandelbauer, B. 458 
Scheele 490 
Scherenberg 537 
Scheuer 315 
Sdriefferdecker 211 
Schiff 21, 22 
Schiller 391, 413, 415 
Schilling, Fr. 51, 65, 87, 
327, 522, 572 
Schilowzew, J. J. 104 
Schklarewitsch 566 
Schlange 404, 414 
Schiatter 138 
Schlesinger 56, 197 
_ u. Lotheissen 589 
Schloff er 43, 154 
Schlossmann 252 


Schmid-Monnard 584 
Schmidt, A. 53, 66, 67, 
70, 88, 139, 533, 583 
— u. Strassburger 388 
Schmidt-Nielsen, S. 571 
Schmiedecke 350 
Schmitt 274 


Schmoll 4, 6 
Schnitzler, J. 287 
Schöndorf 86 
Schönlein 339 
Scholz 116 
Schottelius 187 
Schottmüller, H. 535 
Schreiber, E. 6, 545 

— u. Dreger, K. 431 

— u. Hagenberg, J. 379, 
380, 381, 382 

Schröder 428 
Schücking, A. 521 
Schüder 9 


Schüle 28, 138, 385 
Schüler 39 
Schüller 42 
Schümann 156 


Schütz 40, 51, 66, 159 
Schütze 431, 575 
v. Schüler 536 
Schuttes 296 
Schulz 190, 215 

— u. Zsigmondy 520 
Schumann 570 
Schumann-Lederq 214 
Schümm, O. 594 

— u. Jochmann 146 
Schupfer 528 
Schur, H. 415 

— H. u. Burian, R. 497 
Schwabach 596 
Schwalbe, J. 596 
Schwarz 193, 198, 199, 

201, 202, 214, 552 
Schwiening 569 


Si 

Stadelmann 486 
Staehelin, R. 416, 544 
v. Stalewsky 349 
Starck, H. 135, 560 
Starkow, A. 284 
v. Statzer, M. 485 
Steele. J. D. u. Frandne, 
A. P. 555 
Steinthal 417 
Steksen, A. 375 
Stengel 283 
Stepnanis, F. A. 415 
Sterling 396 
Stern 575 
Stettiner 596 


Steudel 115 
Stewart 172, 175, 178 
Stich 401 

Stiller 39, 40, 136, 137, 
435, 444 
Stoeltzner 82 
Stokes, W. R. u. Hem- 
meter, J. C. 204, 305 
Stolz 213 

— u. Ehret 143, 421 
Strasburger, J. 536, 584 
Strassburger 22 

— u. Schmidt 388 
Strasser, A. 285, 334, 

356 

Strauss, H. 13, 36, 119, 
202,233,397, 450,534, 
572, 573, 582 

— u. Neuberg, C. 595 

— u. Rohnstein 117 
Strehl 405, 414 
Struch 88 
Struppler, Th. 367 
Stube 575 
Stuparich 580 
Stursberg, H. 295 


T. 


Talamon 586 
Talke 184 

Tallquist, F.W. 166, 190 
Talma, S. 36, 75, 220, 
274, 309, 315,344,488, 
541, 582 
Tandler 136 
Tangl 172, 175, 178 
Tappeiner 235 
Tarassevitch 593 
Tamowski, W. N. 297 
Taylor 513 

Teixeira de Mattos 349 
Tereg 175, 178 
Teschemacher 262 
Theuveny u. Brak 394 
ThSvenot 440 
Thiry 156, 568 
Thoenes 116 
Thomas, A. 12 
— u. Achard 471 

-u. Laubry 452, 471 

Thorei 590, 591 
Thure-Brandt 184 
Tiegel, M. 556 
Tigerstedt 545 
Tischer, W. u. Beddies, 
A. 560 
Titow, J. 99 
Todde u. Galeotti 472 
Töpfer 86. 233 
Tofiens 490, 504, 505 


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XI! 


Toulouse u. Riebet 213 
Tourlet M. R. 437 
Tranquilli, E. 370 
Trautenroth 286 
Treupel, O. u. Edinger,A. 

Treves 404, 405. 414 
Triboulet u. Lippmann 
165 

Trinkler 403 
Trojanow 387, 393 
Troje 404, 414 
Troller 75 
Trousseau 248 
Trzebidd 43 
Tschemow 276 
Tschirjew 49 
Tschirichwitz 116 
Türk 83, 185 
Tuffier 251. 405, 414 
— u. Marcnand, R. 459 

U. 

Ucke, A. u. Kernig, W. 
584 

Uhlenhuth 27, 575 
Ulrid 415 

Umber 134, 428, 544 
Ungar, E. 400 
Unger, E. 45 
Unterberg, E. 311 
Urena 144 
Uiy, H. 23 


V. 

Vaillement, A. 105 
v. Vätnossy, Z. 311 
Vanini 66 

van der Velden 416 
Vaquez 315 

— u. Quizeme 491 
Variot, O. 114, 245, 307, 

qiQ 

- u. Roy 232 
Verdelet 398 

Ver Eecke 322, 323 
Vergely, P. 7 
Veron u. Busquet 586 
Verworn 151 
Videbeck u. Blad 168 
Vierordt 596 
Vignard u. Blsard 393 
Vignon 472 
Villard, E. 456 
Viola 175, 178, 460 
Viollet 109 

v. Virchow 212, 316,375, 
493 


Virchow, C. 373 
Voemel 349 
Vogel 1, 4, 5, 6, 507 
Vogt 4, 6, 415 
— Conradi, H. 590 
Voit 23, 53, 147, 300 
Volhard 416 
Volkow 425 
Voliand 39 
Voss 515 

Voumassos, A. Ch. 179 


W. 

Wagner 435,543,559,596 
Wahl 271 
Wainman, F. 1. 7 
Wajczynslri, Wroblewsld 
u. Bednarski 253 
Wakeman, A.J.U. Herter, 
C. A. 479 
Walbaum 515 
Waldenström 560 
Waldvogel, R, 1, 6, 46, 
132, 133, 198, 351 " 

— u. Hagenberg, 1. 198 
Walker, H. J. 487 
Wallerstein 397 
Walter 131, 132, 133 
Walz, K. 274, 377 
Warda 168 

Wassermann, M. 268, 
431, 575 

Wassiliew, S. A. 445 
Wassmann 187 
Watanabe, R. 99 
Weber, 341, 540, 582 
Wechsberg 246, 248, 440 
Wegele, C. 8 
Weichselbaum 283 
Weidenbaum, J. 434 
Weidert 456 
Weigert 84 
Weif 540, 590 
Weinberger, M. 578 
Weintraud 144, 197,202, 
573 

Weiss, O. 547 
Weismann 522, 523 
Weispfennig 541 
Weissbein, 8. 168 
Weisswange 463 
Weljaminof 101 
Wendlowsld, P. J. 394 
Werigo u.Jeiunow 108 
Werth ei mer 565 
Westenhoeffer 488 
Westphal 522 
Westphalen, H. 68, 159 
Wetzel 54 


Wharton, H. R. 140 
Wibbens u. Huizenga 
213 

Widal 181, 307, 315,389, 
467 

— u. Ravod 307 

— u. Sicard 206, 231 

-u. Ravod 207 

Wiener 214, 490 
Wiesinger 206, 398 
Wieting 116 
Wilms 155, 208. 249 
Winogradow 184 
Winter 233, 256, 276 
Winterberg 132, 133 

— u. BiecU 446 
Winternitz 86, 428 
Winterstein 151 
Witte 404, 414 
Witzei 488 
Woelfler 291, 394 
Woirhaye, E. u. Caziot, 

P. 292 

Wolff 375, 376 
Wolpert 237, 496 
Wright, F. T. 69 
Wroblewski, Bednarski 
u. Wajczynsld 253 
Wurth v. Wurthenau 422 
Wuhrmann 494 
Wulffert 374 


Z. 


Zabel, E. 556 
Zahradnidd 246, 441 
Zaudy 356, 357, 433 
Zeidler, O. F. 270 
v. Zeissl, M. 337, 338 
Zeller 346 

Zemer, Th. u. Simon, O. 
210 

Ziemke, E. 27 
v. Ziemssen 328 
Zimmermann 25 
Zirulsld, M. D. 142 
Zorn 419 
Zsigmondy 521 
— u. Schulz 520 
Zuckerkandl 494 
Zuelzer. O. 36 
v. Zumbusch, E. 497 
Zuntz, N. 53, 110, 111, 
212 

Zunz, E. 466, 467 
Zupnik 9, 540 
Zusch 455 


Zweig, W. 136, 137, 138 
Zyplon, S. M. 217 


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$ad>-R*gi$ter, 


A. 


Abkohlung und Stoffwechsel 86 

Abführmittel 79, 311, 417, 486 

Abscess, subphrenischer bei Appen- 
didtis 364 

-nach Trauma 490 

Acetessigsäure 193, 429, 433 

— Nachweis der 320 

Aceton 193, 433 

— Bildung desselben aus Gelatine 322 

— Nachweis desselben 214, 320 

Acetonämie 39 

Acetonurie 424 (bei Diphtherie), 213 
(bei Gravidität), 230 (bei Typhus ab¬ 
dominalis) 

Achylia gastnca 87, 98, 204, 264,581,582 

Addose 193 ff. 

Addison’sche Krankheit s. Morbus 
Addison. 


Aderlass 275, 379 

— bei Urämie 275 
Adipositas s. Fettleibigkeit 
Adrenalin 10(L 278, 451 

— toxische Wirkung desselben 594 
Adrenalinglykosurie 479 
Aerophagie bei Dyspepsie 508 
Aetherschwefelsäuren 215 

After s. Anus 
Agglutination 467 

— oei Typhus 468 

— der Blutkörperchen 468 
Agglutinine u. Immunsubstanzen 467 
Agurin 311 

Akromegalie, Organtherapie der 451 
Akroparasthesie 552. 554 
Aktinomykose des Appendix 440 

-der Bauchwand 440 

Albumen s. Eiweiss 

Albuminurie 146,164, 249, 371, 425, 591 

— arktische 164 

— Einfluss der Ernährung auf die 249 

— Ham bei 591 

— orthostatische 164 

Albumosen in der Darmwand und im 
Blut 518 

Albumosenspaltendes Ferment im Darm¬ 
saft 566 


Albumosurie 146, 371 
Aleuronat 373 

Alexine der Milch und des Blutserums 
345 

Alizarinsulfonsaures Natron, Färbung 
von Hamsedimenten mit denselben 
519 

Alkalien, Einfluss derselben auf den 
Harnsäurestoffwechsel 300 
Alkalimeter 34, 35 

Alkaptonurie 372, 424, 496 (kongenital) 
Alkohol, Einfluss auf den Stoffwechsel 
545 

— Einfluss auf die Leber 541 
-auf die Magensaftsekretion 22 

— eiweisssparende Wirkung dess. 544 

— Ersatz für 4M 

— physiologische Wirkung dess. 374,523 
Alkoholbehandlung 21 
Alkoholismus, chronisch. 54,168,446,523 

— bei Neurosen 168 

— Leberverfettung bei 446 

Alkohol, Wirkung auf Tiere und Pflanzen 
523 

Alkoholvergiftung 54, 168, 446, 523 
Allantoin 28 
Alloxanthin 429 
Amidosäuren 25 
Aminosäuren 513 

Amöben bei Dannerkrankungen 419 
Amöbendysenterie s. Dysenterie 
Amöbenenteritis 419, 584 
Ampulle, Vaterische s. u. Vater 
Amylase im Blut 425 
Anaddität 139 
Anadenia gastnca 387 
Anämie 190, 317 

— bei Magendarmkrankheiten 458 

— Blutalkalescenz bei 34 

— Blut bei 108, 117 

— durch Parasiten 117 

— enterogene 83, 534' 

— nach Malaria 118 

— pemidöse 118, 458 

— splenische 50, 466 
Anasarka bei Dysenterie 558 
Analfistel s. Rectumfistel 
Anchylostomiasis 141 


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XIV 


Angina und Appendicitis 161, 287 

— und Typhus 438 

Anilinfarben als Eiweissfällungsmittel 
189 

Anorexie 358 
Antial-Theebolzen 453 
Antidiarrhoica 42, 279, 560 
Antiperistaltik 567, 568, 593 
Antipyrin, Wirkung auf den Stoffwechsel 
228, 253 

Antipyrylharnstoff 519 
AntisepticazurNahrungsmittelkonservie- 
rung 253, 350, 373 

Antithyreoidinbehandlung des Morbus 
Basedowii 296 
Anurie 232 

— mit Ikterus 420 

Anus praeternaturalis 102, 246 
Aorta, Aneurysma der 105 
Apepsia gastrica 513 
Appendicitis 12, 44, 45, 116, 156, 160, 
161, 206, 207, 268, 269, 270, 287, 288, 
309, 339, 389, 391, 392, 439. 440, 459, 
500, 511, 538, 559, 587, 588, 589 

— Abscess bei 309 

— Behandlung 12 , 45, 183 , 270, 288, 
392, 439, 500, 511, 536 (mit Ter¬ 
pentinöl) 

— Blut bei 12, 268, 586, 588 

— Blutbrechen bei 217 ff. 

— Dämpfung bei 511 

— Diagnose 339 

— Helminthen bei 391 

— Hernien bei 103 

— im Bruchsack 182, 269 
Leberabscess bei 589 

— Peritonitis bei 45 

— subphrenischer Abscess bei 364 

— traumatische 391 

— tuberculosa 182 

— und Angina 161, 287 

— und Gravidität 268 

— und Infektionskrankheiten 160 

— und Peritonitis 182, 422, 535 
Appendix, Aktinomykose des 440 

— Divertikel des 288 

— Einklemmung des 340 

— im Bruchsack 367, 393 
Appetitlosigkeit 358 
Arachnolysin 257 

Arsenik, Vorkommen dess. im Körper 
19, 20 

Arsenwasser, Einfluss auf den Stoff¬ 
wechsel 545 

Arteria mesenterica, Embolie der s. u. 

Mesenterialgefässe 
Arthritis dysenterica 558, 587 
Arthritismus 69, 70 
Arthritis urica s. Gicht 
Arthrotyphus 438 
Ascariden 397 

— Reflexkrämpfe bei 292 


Asdtes 50, 344 

— chylosus 231, 314, 324, 399, 515 (bei 
Cardnoma peritonei), 591 
operative Behandlung desselben 344 

Asparagin 24, 25, 28 
Asparaginsäure 24, 25, 513 
Aspergillus bei Diabetes 304 
Aspirin 110 

Asplenie s. u. Milzexstirpation 
Athyreoidismus s. Myxödem 
Atrepsia Parrot 388 

Atrophie der Kinder s. u. Paedatrophie 
Atropin bei Ileus s. u. Ileus 

— bei Obstipation 341 
Atropinvergirtung 118 
Autointoxikation 113, 123, 298 
Autodigestion 320 
Autolyse 320, 321 

— des Fiscbfleisches 574 


B. 

Badllus bremensis febris gastricae 10 
Backhausmilch 544 
Bader bei Typhus 45, 46 

— Respirationsversuche bei denselben 
428 

Bakterien im Darmkanal 187, 569 
Bakteriurie nach Oonorrhoe 517 
Balantidium coli 560 
Bandwurmkuren 538 
Banti’ sehe Krankheit 50, 317, 367, 466, 
561 

Barlow’sche Krankheit s. Möller- 
Barlo w’sehe Krankheit 
Basedow’sche Krankheit s. Morbus 
Basedowii 

Bauchdeckennarbe, Festigkeit der 247 
Bauchdeckentumor 559, 560 
Bauchfellentzündung s. Peritonitis 
Bauchfellresorption 366 
Bauchhöhle, Corpus liberum der 463 

— Sensibilität der 421 
Bauchhöhlenschmerzen 421 
Bauchmassage 231 
Bauchspeicheldrüse s. Pankreas 
Bauchverletzung 82, 144, 247, 273, 422, 

462, 516, 540 

Bauchwand, Aktinomykose der 440 
Belladonnapräparate bei Ileus s. u. 
Atropin u. Ileus 

Bence-Jones’scher Eiweisskörper 146, 
147, 371 

Benzoesäure 25, 28 

Besonnung, Einfluss auf d. Gaswechsel 
496 

Bind^ewebsverdauung, Insuffidenz der 

Biologischer Nachweis der Ei weisskörper 
374, 575 ff. 

Bismutose 42, 139, 560 
Blasenlähmung und Diabetes mellitus 
383 


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XV 


Bleivergiftung 113, 114, 115, 277, 278, 
318, 472 

Blinddarmentzündung s. Appendicitis 
Blut, Albumosen im 518 

— ätherlösliche Substanzen im 84 

— bei Anämie 108, 117 

— bei Appendicitis 12, 268, 586, 588 

— bei Chirurg. Eiterungen 586 

— bei Cholelithiasis 586 

— bei Echinokokkenkrankheit 251 

— bei Empyem 586 

— bei Helminthiasis 400 

— bei Influenza 34 

— bei Miliartuberkulose 586 

— bei Osteomyelitis 586 

— bei Phlegmone 586 

— bei Rheumatismus 34 

— bei Typhus abdominalis 34, 177, 586 

— Bestimmung der Eiweisskörper im 

— Biochemie desselben 577 ff. 

— Fermente im 145 

— Fettbestimmung im 356 

— Hydroxyiion 84 

— Leitfähigkeit des 112, 171 

— Zusammensetzung desselben bei 
Krankheiten 12, 31, 34, 152, 177, 232, 
233, 251, 268, 400, 586, 588 

-nach Milzexstirpation 516 

— Typhusbacillen im 182, 535 

— zuckerspaltendes Ferment in dem¬ 
selben bei Diabetes 237 

Blutalkalescenz 31 ff., 84, 124, 186 

— bei Bronchitis putrida 34 

— bei Cholelithiasis 34 

— bei Cyanose 491 

— bei Diabetes 34 

— bei Gicht 34 

— bei Herzkrankheiten 34 

— bei Pneumonie 34 

— bei Urämie 8, 34, 186 

— Bestimmung der 31 ff. 

Blutbildung und Knochenmark 106 
Blutbrechen 41 

— bei Appendicitis 217ff. 

Bluteiweiss, Kohlenhydrate im 544 
Blutfärbungen 517 

Blutdruck bei Morbus Basedowii 494 
Blutgiftanämie 190 

Blutkörperchen, körnige Degeneration 
der 345 

— -Gifte, Uebergang derselben auf den 
Foetus 491 

— osmot Widerstandsfähigkeit der 541 
Bhitnachweis, biologischer 27 
Blutreaktion n. Pyocyaneusinfektion 594 
Blutserum, Alexine desselben 345 

— amylolytisches Ferment im 425 

— Kohlenhydrate des 212 

— und Pepsinwirkung 210 

— Veränderungen der hämolytischen 
Kraft desselben 566 


Blutung in die Bursa omentalis 540 
Blutuntersuchungen 186 
Blutveränderungen bei Chloroformnar¬ 
kose 251 

— bei Syphilis 232 

— nach Milzexstirpation 516 

— nach Muskelthätigkeit 54 
Blutviscosität 17, 18, 19, 379 
Borsäure und Stoffwechsel 253 

— zur Fleischkonservierung 373 
Brom- und Chlorsubstituierung 301 
Bronzediabetes 35, 36, 355, 578 
Bronchitis putrida, Blutalkalescenz bei 34 
Brüche s. Hernien 

Bruchsack, Appendicitis im 182, 269 

— Appendix im 367, 393 

— Ovarium im 510 

Brunner’sche Drüsen, Funktion der211 
Brusdrüsenkrebs, Cancroin bei 416 
Bursa omentalis, Blutung in die 540 
Butter, Verdaulichkeit der 213 
Buttermilch als Säuglingsnahrung 349 
Buttersäure 28 

C. (s. auch unter K.) 

Cancroin bei Krebs 416 
Carcinom s. u. Krebs bei den einzelnen 
Organen 

— Einfluss desselben auf die Verdauung 
416 

Cascara sagrada bei Obstipation der 
Kinder 363 
Casein 52 

Cellulose-Verdauung im Dann 235 
Cephaelin 538 

Cetrarine s. Lichen islandicus 
Chinasäure 415 
Chinin bei Typhus 45, 46 
Chlor- und Bromsubstituierung 301 
Chlorretention bei Nephritis 469 
Chloride, Verhalten derselben bei Pneu¬ 
monie 323 

-bei akuten Krankheiten 451, 

452, 468 

— Bestimmung ders. im Ham 471, 521 
Chioroformnarkose, Glykosurie nach 

149 ff. 

— und Blutveränderungen 251 

— und Ikterus 248 
Chlorose 118, 592 
Chlorurie, alimentäre 469, 470 
Cholämie 119, 138, 185, 312 (renale), 

509,512 (Gallenfluss bei), 514 (Schild¬ 
drüsentherapie bei) 

Cholagoga 245 
Cholangitis 249, 315, 564 

— Simplex 143 
Cholecystektomie 489, 564 
Cholecystenterostomie 294, 396 
Cholecystitis 249, 369 

— Simplex 143 

Cholecystostomie 369, 456, 489 


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XV! 


Cholecystotomie 398 
Choledochotomie 156, 369, 456, 564 
Choledochus, Sondierung des 489 

— Verschluss des 80, 315, 561, 562, 
563, 564 

Cholelithiasis 15,16,143, 248, 285, 315, 
316, 336, 339, 343, 369, 398, 421, 447, 
448, 489, 514, 563 

— Behandlung der 15 

— Blut bei 586 

— Blutalkalescenz bei 34 

— Fettge websnekrosen bei 316 

— Reflexfieber bei 285 

— und Ren mobilis 421 
-Trauma 461 

Cholera asiatica, Behandlung der 363 
Cholera infantum 207 

— und Fliegen 584 
Chondroitinschwefelsäure 544 
Chylurie 86 

Chymosin 531 

Coecum, Invagination des 457 
Coecumtuberkulose 393 
Colica mucosa 65, 305 
Colibadllen, Typhus- und Ruhrbacillen, 
Differenzierung der 535 
Colitis membranacea 44, 140, 305 
Colon s. a. u. Dickdarm 
Colon, Cardnom des 484 
Colotyphus 286 
Coma s. Koma 
Constipation s. Obstipation 
Corpus liberum der Bauchöhle 463 
Costa fluctuans dedma 136, 137 
Costalzeichen bei Enteroptose 444 
Ciyoskopie s. u.Gefrierpunlcsbestimmung 
Cyanose, Polyglobulie bei 491 
Cyiindrurie bei Oallenstauung 397 
Cystektomie 156, 369, 564 
Cystendyse 564 
Cystein 571 
Cystenleber 513 
Cystenniere 513 

Cystema chyii, Erweiterung der 591 
Cysticercosis der Haut 184 
Cystikotomie 156, 369, 564 
Cystin, Konstitution des 520 
Cystinurie 26, 425 
Cystitis bei Typhus 246 
Cystostomie 564 
Cystotomie 156 

Cystitis und Pyelitis, Differentialdiagnose 
von 495 


D. 

Darm, Achsendrehung desselben s. Vol- 
vulus 

— -Adenom 483 

— -Angiom 483 

— -Atonie 539 


Darm-Ausschaltung 420, 485 

— Bakterien im 187, 569 (physiologische 
Bedeutung der) 

— -Bewegung 567, 568 

— -Blutungen 305, 366, 483, 537 
-bei Typhus 247 

-Gelatine bei 537, 559 

-neuropathische 41 

— Cardnom desselben s. Darmkrebs 

— -Divertikel 288 

— Durchgängigkeit desselben für Bak¬ 
terien 486 

— -Dyspepsie 583 

— Einklemmung desselben (s. a. u. Ileus) 
290, 310, 391, 393 

— Einfluss der Elektrizität auf den 486 

— Eiweissresorption im 518 

— Fäulnis im 160. 418 

— Fettresorption Im 418, 546 

— -Fibrom 483 

— -Fistel 51 

— Fremdkörper im 485, 559 

— -Funktion 156, 568 

— Funktionsprüfung desselben 22, 23 
-Ganglien bei Peritonitis 515 

— Geschwür desselben 183, 204 

— Orenzbestimmung des 16, 17 

— -Ories 324, 363 

— -Invagination und Intussusception 
309, 457, 538 

Darmkanal, Atrophie desselben bei 
Pädatrophie 388 

— Autointoxikation vom 298 

— Bakterien im 568 

— Pathologie des 585 
Darmkatarrh 183, 583 ff. 

— lithogener 324 

— Tanmgen bei 458 
Darmkrankheiten 88, 139 

— Hygiene und Diätetik der 522 

— Honthin bei 279 
Darmkrebs 42, 116, 396, 484 
Darmlähmung 538 
Darmmissbildung 394, 419 
Darmmyom 483 

Darmobstruktion s. Darmverschluss 
Darmparalyse 538 
Darmperforation 154, 267, 516, 557 
Darmplexus s. Darmganglien 
Darmresektion 43, 246, 441 

— -Resorption 144, 417, 518 
Darmruptur 273, 340 
Darmsanl56, 160, 210, 568 (albumosen- 

spaltendes Ferment im) 

Darmsarkom 483 
Darmsteifung 484 

Darmstenose 12, 16, 57, 183, 271, 310, 
376, 394, 403 ff., 589 
Darmsyphilis 11, 12, 338, 394 
Därmtuberkulose 204 , 376, 393, 403 ff., 
589 f. 

Dannverdauung 210, 211, 235 


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XVI! 


Darmverietzung 273 
Dannverschluss s. u. Ileus 
Dannwand, Albumosen in der 518 
Darmvolvulus 246, 393, 394, 440, 457, 
511, 538 

Defäkation, Handgriff bei der 13 
Dermatol bei Ulcus ventriculi 532 
Desinfektion, gastrointestinale 159, 207 
Diabetes azoturicus 507 
Diabetes insipidus 72, 507, 529 

-u. Syphilis 284 

Diabetes mellitus 7, 8, 14, 24, 35, 36, 
37, 72, 96, 97, 145, 167, 193 ff., 203, 
204, 227, 228 , 262, 263, 283, 303, 
304, 313, 355, 356, 357, 382, 433, 
479, 505, 507, 508, 527, 528, 578 

— Addosis bei 193 

— Behandlung des 96, 227, 228, 263, 
356 

— bei Schwangeren 133 

— Blasenlähmung bei 383 

— Blutalkalescenz bei 34 

— dyspeptischer 262 

— Ernährung bei 36 

— Kohlenhydrate als Nahrungsmittel 
bei 551 (Kartoffeln) 

— Leberdrrhose bei 314 

— Lipämie 57, 356 

— Mykosen bei 304 

— Neuritis bei 7 

— Pankreasveränderungen bei 283 

— pankreatogener s. Pankreasdiabetes 

— Stoffwechsel bei 133 

— traumatischer 7, 479 

— u. Syphilis 475 

— u. Tuberkulose 8 

— Zuckerbildung bei 356 

— zuckerspaltenaes Ferment im Blute 
bei 237 

Diät, vegetarische 24 

Diagnostik innerer Krankheiten 16,17,596 

Diarrhoe 40, 42 

— Balantidium coli bei 560 
Diathesis uratica s. hams. Diathese 
Diazoreaktion bei Tuberkulose 168, 256, 

472 


— bei Typhus 256 

Dickdarm, Cardnom desselben 314, 396, 
484 

— Einwirkung elektrischer Ströme auf 
denselben 188 


— -Katarrh und Phosphaturie 423 
Dimethylamidobenzalaehydreaktion 451 
Diphtherie, Stoffwechsel bei 424 
Divertikel, Meckel’sches 394 
Douglasfichte, Vergiftung durch 518 
Ductus choleaochus, Krebs des 561 ff. 

— cysticus, Krebs des 561, 562 

— hepaticus, Krebs des 561, 562, 563 
Dünndarm s. a. u. Darm 

— Syphilis desselben 289 

— Geschwüre derselben bei Urämie 153 


Dünndarm-Stenose, syphilitische 289 

— -Verschluss, angeborener 419 
Duodenal-Oeschwur 101, 335, 535, 537, 

582 

— -Krebs 101 

— -Stenose 310, 335, 436 
Dysenterie 10, 11, 42, 247, 419, 440, 

459, 510, 536, 558 (Komplikationen), 
584, 587 

— -Badllen, Typhus- und Colibadllen, 
Differenzierung der 535 

— Behandlung der 11, 102, 310, 536, 
538 (mit Ipecacuanha), 588 

— Epididymitis bei 558 

— Leberabscess bei 398, 541 

— Milzabscess bei 558 

— Nephritis bei 558 

— Phlebitis bei 558 

— Polyarthritis bd 247 

— Protargol bei 310 

— u. Typhus 287 

Dys^epsSy», 42, 75, 228, 244, 254,531, 

— Aerophagie bei 508 

— bei Öenitalerkrankung 480 

— Diabetes bei 262 

— hyperpeptische 509 

— h^ersthenische 38, 39,228,262, 264, 

— hyposthenische 38, 39, 228, 509 

— nervöse 39, 135, 138 

— Phosphaturie bei 38, 39 

— Zucker in der Diät bei 582 


E. 

Echinokokkus, Blut bei 251 

— der Uber 249, 445 

— Eosinophilie bei 400 

— Wirkung von Sublimat und Formol 
auf 489 

Eiereiweiss, Chemie des 374 
Eiseneier 108 
Eisentherapie 592 
Eisenwässer 108 

Eiter, eiweissspaltende Wirkung 498 
Eiterungen, Blut bei chirurgischen 586 
Eiweiss 51, 428 

— -Ausnutzung 448 

— -Aussscheioung nach kalten Bädern 
275 

— -Bedarf 570 

— -Bestimmung im Blute 543 

— -Bildung der Schimmelpilze 521 

— biologischer Nachweis desselben 26, 
374, 575 ff. 

— -Cystin 429 

— Entstehung von Fett aus 546 

— -Derivate, schwefelhaltige 520 

— -Ferment im Pankreas 51 

— -Fettverbindungen 212 


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XVIII 


Eiweiss, Ooldzahl des 520 

— -Resorption 518 (im Darm) 

— -Nachweis 146, 189, 401 

— -spaltende Wirkung des Eiters 498 

— -Spaltung bei Leberdegeneration 513 

— -Stoffwechsel 166, 236 
-bei Muskelarbeit 236 

— Verhalten gegen Elektrolyten 595 

— Zuckerbildung aus 166, 543, 547 
Eiweisskörper, durch Essigsäure fäll¬ 
barer des Harns u. der Exsudate 544 

— gerinnungshemmende im Ham bei 
Pneumonie 495 

— Kohlenhydrate der im Blute 543 
Eiweissspaltung 187, 209, 466 
Eiweisssparenoe Wirkung des Akohols 

Eiweissverdauung 187, 209,319, 466, 567 
—, Insuffidenz der 584 
Eklampsie 86 

Elektrotherapie der chron. Obstipation 
327 ff. 

Emetin 181, 538 
Emodin 79 

Empyem, Blut bei 586 
Emulsionsalbuminurie 86 
Endocarditis, Blut bet 177 
Enteritis durch Amöben 419, 584 

— follicularis 458 

— membranacea s. a. u. Colitis 65 ff. 
Enterocolitis muco-membranacea s. u. 

Colitis membranacea 
Enterolithiasis 324 
Enteroptose 231, 305, 444, 573, 580 
Enterorrhagie s. Darmblutung 
Entfettungskuren 53, 304 
Enzyme, gegenseitige Beeinflussung 253 

— und Protoplasma 449 
Eosinophilie bei Echinokokkus 400 
Epididymitis dysenterica 558 
Epilepsie, Diätetik der 213 

— und Autointoxikation 554 

— und Diabetes insipidus 529 
Epinephrin s. Nebennierensubstanz 
Epityphlitis s. u. Appendidtis 
Erbrechen 39 

— nervöses 230 

— unstillbares 152, 386 
Erdeessen 397 
Erepsin 518, 568 
Ernährung 88 

— Bedeutung der Darmbakterien für 
die 187 

— der Schwangeren 55 

— des Säuglings 56, 93, 167, 189, 245, 
252, 279, 349 (Buttermilch), 350, 425, 
426, 474, 534, 544 

— Einfluss derselben auf das Nerven¬ 
system 266 

Ernährungsstörungen 28, 29 
Ernährungstherapie 28, 29 
Eiysipel, Leber bei demselben 293 


Erytheme bei Gastroenteritis 557 
Erythromelalgie 552 
Essigessenzvergiftung 318 
Eventratio diaphragmatica 420 


F. 

Fäces, Glykuronsäure in den 464 

— Nachweis von Kohlenhydraten in 
den 22 

-von Tuberkelbadllen in den 320 

-von Typhusbadllen in den 485 

— Untersuchung der 23, 24, 464, 583 

— Salze in den 56 

Fermente im Magen s. u. Magen 
Ferment, glykogenbildendes in der Leber 
569 

Ferrometer 189 
Fersan 251 

Fettbestimmung im Blut 356 
Fett, Biologie desselben 53 

— -EiWeissverbindungen 212 

— Entstehung desselben aus Eiweiss 546 

— Resorption im Darm 418, 546 

— Zuckerbildung aus 528 
Fettgehalt der Thymusdrüse 299 
Fettgewebsnekrose bei Cholelithiasis 316 
Fettige Degeneration 546 

Fettleber s. unter Leber 
Fettleibigkeit 167, 280, 304 

— Behandlung der 167, 304 

— Glykosurie bei 357 

— Stoffwechsel bei 280 
Fettmast und Stoffwechsel 236 
Fettmetamorphose, Beziehungen des 

Myelin zu derselben 299 
Fettspaltendes Ferment im Magen 531 
Fettstühle s. Steatorrhoe 
Fettverdauung 298 

— Insuffidenz der 584 
Fibrin 52 

— Spaltung des 467 

Heber, Ort der Wärmebildung bei 
künstlichem 496 
Fischfleisch, Autolyse des 571 
Fischvergiftung 278, 472 
Fleischmast 239 ff. 

Fleischkonservierung 253, 350, 373 

Fleischuntersuchung 27 

Flexura sigmoidea, Divertikel der 288 

— Volvulus der 394, 511 
Fliegen und Cholera infantum 584 
Foetor ex ore 88 

Foetus, Uebergang von Blutkörperchen¬ 
giften auf den 491 
FortoTn 42 

Formaldehyd, Einfluss auf den Ham 319 
Formol, Wirkung desselben auf Echino¬ 
kokken 489 

Frauenmilch 147, 425, 431 (Lactoserum) 
Fremdkörper im Magen u. Darm 485,559 

— im Oesophagus 16, 74, 155 


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XIX 


Frachtzucker in den Körpersaften 595 
Funktionsprüfung des Magens s. unter 
Magen 


0 . 


Gämngsdyspepsie 388, 584 
Oalle, Uebergang derselben in den 
Darm 569 

Gallenabsonderung und lymphagoge 
Wirkung 396 

Qallenblase, Dilatation der 510 

— Krebs der 398, 489 

— Perforation der 590 

— Ruptur der 343, 368,369,540,563, 590 
Gallenblasendannfistel s. Cholecyst- 

enterostomie 

Gallenblasenmagenanastomose s.Chole- 
cystogastrostomie 
Gaüenfarbstoff 184 
Gallenfluss bei Cholämie 512 
Galiengänge, Anomalie der 143 

— Krebs der 561 

— Operation an denselben 143 
Gallenkapillaren bei Leberkrankheiten 

487 

Gallensauren 140 
Gallensekretion 25, 80 
Gallenstauung 397 (Cylindrurie bei) 
Gallensteine s. u. Cholelithiasis 

— Chirurgie der 489 (Recidive), 514, 
563 

— Verschluss des Darms durch 341 
Gallensteinileus 341, 368 
Gallensteinkolik s. u. Cholelithiasis 
Gallensteinkrankheit s. u. Cholelithiasis 
Gallenwege, Chirurgie der 162, 315 
Oangrän bei Typhus 458 

— foudroyante 488 
Gastralgie 28, 75. 185, 554 
Gastrelrtasie s. Magenerweiterung 
Gastritis s. auch Magenkatarrh 

— adda 582 

— anadda 582 

— atrophica 264 

— chronica mucosa 582 

— phlegmonosa 285,533 (metastatische) 

— sklerosierende 305 

— subadda 582 

— syphilitica 204 

— toxica 98, 99 

— tuberculosa 285 
Gastroaddimeter 321 
Gastroenteritis 179, 207, 557, 560 (Bis- 

mutose bei), 585 

— Erythem bei 557 
Gastroenterostomie (Oastroenteroanasto- 

mose) 180, 266, 336, 387, 396, 417 
Gastro lysis 180 
Gastroneurosen s. u. Magen 
Gastroptose 39, 40, 1387180, 555, 580 


Oastroptose, Plätschergeräusch bei 40, 
137, 385, 435 

Oastrorrhagie s. Magenblutung 
Gastrospasmus chronicus bei Magen¬ 
krebs 99, 100 
Oastrostomie 101 
Oastroskopie 37 

Oaswechsel, Wirkung von Bädern auf 
den 428 

-der Besonnung auf den 496 

Oastrosucorrhoe s.u. Magensaftsekretion 
Gebiss im Oesophagus 16 
Oefrierpunktsbestimmung des Blutes und 
Harns 2 , 3 , 46, 47, 120, 186, 324, 
427 (bei Säuglingen), 544, 592 
Oelatine 167 

— bei Dysenterie 588 

— Blutstillung durch 83 

— bei Melaena neonatorum 537, 559 

— Bildung von Isovaleraldehyd und 
Aceton aus 322 

— Einspritzungen derselben bei Nieren¬ 
blutungen 295 

— Tetanusbadlien in der 350 
Gelbsucht s. Ikterus 
Gelenkerkrankungen bei Typhus 438 
Gelenkrheumatismus bei Dysenterie 247 
Oenitalleiden, Dyspepsie bei 480 
Oenussmittel 50i 

Oeophagie s. Erdeessen 
Oetreide-Ausnutzung 570 
Gicht 1 ff., 7, 54, 69, 70, 237, 242, 243, 
261, 303, 474, 552, 572 

— Behandlung der 243, 244, 415 

— Blutalkalescenz bei 34 

— nach Influenza 69 

— u. Leukämie 383 

— Phosphorsäureausscheidung bei 5 

— Stoffwechsel bei 1 ff., 415, 508 
Gluton 167 

Olycerin, Zuckerbildung aus 528 
Olykocyamidin 28 
Olykocyamin 28 
Olykogen 22,113, 449, 547, 578 

— als Heilmittel 251 

— Bestimmung desselben 113 

— -bildendes Ferment der Leber 569 

— in Tumoren 521 

Glykogenie der Leber 449, 460, 569 
Olykokoll 25, 499 
Glykolyse 114 

d-Glykonsäure 193 ff., 319, 320, 331 
Olykosurie 24, 72, 184, 330, 425, 479 
(Adrenalin) 

— alimentäre 14, 36, 71, 149, 242, 322. 
323, 330, 397, 508, 552 

— bei Fettleibigkeit 357 

— bei Geisteskranken 242, 330, 476, 527 
(bei Tabes) 

— bei Leberkrankheiten 397, 508 

— nach Narkosen 149 ff. 

— und Psoriasis 134 


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XX 


Glykuronsäure 256, 461, 464 

— in den Faces 464, 467 
Ooldzahl der Eiweisskörper 520 
Gonorrhoe, Bakteriurie nach 517 
Gravidität, Acetonurie bei 213 

— Hämoglobinurie bei 295 

— Ikterus bei 447, 465 

— u. Appendicitis 268 

— Stoffwechsel in der 24 

Qruber - Widal’sche Reaktion bei 
Weil’scher Krankheit 540 
Ouanidin 28 


H. 

Hämatemesis s. Blutbrechen 
Hämatom, retroperitoneales 105 
Hämaturie 38, 254 

Hämochromatosis 36, 487 (bei Leber- 
drrhose), 578 

Hämoglobinbestimmung 17, 490 
Hämoglobinurie bei Gravidität 295 

— paroxysmale 295, 315 
Hämoglobinveränderungen durch 

Schwermetalle 251 
Hämol 113 

Hämolyse 314 (bei Malaria und Leber- 
cirrhose) 

Hämolytische Kraft des Blutserums 
während der Verdauung 566 
Hämophotograph 17, 490 

— und Hämoglobinometer 490 
Hämoprotometer 543 
Hämorrhagieen, neuropathische 41 
Hämorrhoiden 184, 291, 463 
Haloidsalze, mikrochemische Bestim¬ 
mungen der 521 

Ham bei Albuminurie 591 
Harn-Acidität 48, 254, 255, 256 

— -Analyse bei Säuglingen 427 

— bei Neurasthenie 254 

— bei Pneumonie 495 

— bei Syphilis 107 

— durch Essigsäure gerinnbarer Ei weiss¬ 
körper desselben 544 

— gerinnungshemmende Körper bei 
Pneumonie im 495 

— Fibringerinnsel im 47 

— Kohlenhydrate im diabetischen 14 
397 (Lävulose) 

— Lävulose im 14, 36, 323, 397, 508 

— Tuberkelbadllen im 592 
Harnblase, Oeschwur derselben und 

Magengeschwür 435 
Hamchlonde, Bestimmung der 471 
Harninfektion, enterogene 495 
Hamkonkremente, Konservierung der 
319, 519 

— Färbung der 519 

Harnsäure 1 ff., 25, 54, 242, 300, 319, 351 

— Ausscheidung der 110,213, 297, 300, 
497 


Harnsäure, Bestimmung der 168, 429, 
450 

— Bildung der 214 

— -Konkremente 70 

Harnsäure Diatbese (s. a. u. Gicht) 261, 

Harnstoff 25, 319. 429 

— Bestimmung desselben 86 
Harntoxidtät 592 

Hautrespiration nach Einfettung 237 
Hauthyperästhesieen bei Visceralerkran¬ 
kungen 554 
Hautjucken s. Pruritus 
HaycrafEsche Qaliensäureprobe 107 
Hefe, Protein der 428 
Heilmethoden, physikalische 87 
Helminthen bei Appendidtis 391 
Helmintfaiasis, Blut bei 400 
Hepaticusdrainage 489, 563, 564 
Hepatismus 325, 517 
Hepatitis s. u. Leber 
Hepatolysin 323 

Hepatoptosis (s. auch u. Leber) 323 
Hepatotoxin 323 
Hemia cruralis 269 

— diaphragmatica 367, 420, 541 

— fumculi umbilicalis 184, 443 

— inguinalis 393, 419, 510, 516 

— obturatoria 88, 272 

— perinealis 395 

Hernien u. Fremdkörper 485 

— eingeklemmte 12, 77, 246, 272, 420, 
441, 516, 538, 539 

— gangränöse 290, 510 
Herzkrankheiten, Blutalkalescenz bei 34 
Heterochylie 581 
Hinterdammschutz 13 

Hippursaure 25 

Höhenklima und Stoffwechsel 279, 300 
Höllensteinlösung, Ausspülung des 
Magens mit 245 
Homogentisinsaure 372, 424 
Honthm 279, 560 
Humussäure 521 
Hungertod 211 

Hydrastis canadensis, Vergiftung durch 
518 

Hydronephrose 165, 470 
Hydrotherapie und Stoffwechsel 428 
Hyperadditat 139, 436, 480, 581, 583 
Hyperchlorhydrie 38, 75, 98, 228, 229, 

Hyperglykämie 552 

Hypemephrome und Nierengeschwülste, 
chemische Differentialdiagnose 494 
Hyperphosphaturie 452 
Hypersekretion 76, 582 
Hyperthermie 593 
Hypoaddität 48, 139, 581 

— Phosphorsäuretherapie der 48 
Hypoazoturie bei Leberinsuffidenz 323, 

461 


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XXI 


Hypochlorhydrie 75, 228, 512, 581 
Hypochlorurie 451, 468 
Hypohepatie 323 
Hypopepsie 512 
Hypophosphaturie 452 
Hypophrenische Schmerzen 163 
Hysterie, Anorexie bei 358 


Ikterus 140, 162, 248, 418, 421, 447 

— acholurischer 185 

— Anurie bei 420 

— chronischer 207, 208 

— durch Gallensteine 421 

— gravidarum 447, 465 

— gravis 292 

— infectiosus s. Weil’sehe Krankheit 

— neonatorum 107 

— Pathogenese des 208 

— renaler 312 

— Schilddrüsentherapie bei 514 
Ueocoecalklappe. Anatomie der 289 

* — Insuffidenz der 307 
Ileus 78, 140, 156, 207, 271, 341, 366, 
389, 394, 457, 511, 540 
Ileus u. Atropin 102, 141, 290, 341, 538, 
539, 560, 589 
Inanition 211 
Indikan im Ham 39, 320 

— -Bestimmung 450 
Indigestion 553 
Indol“ 298 (Vergiftung) 

Indoxyl 256, 319 

Infektionskrankheiten, Appendidtis bei 
160 

— Blut bei 177 
Influenza, Blut bei 34 

— Gicht nach 69 

Inulin, Einfluss auf die Pepsinbildung 22 
Invagination s. unter Darm 

— des Colons 270 

Ipecacuanha bei Dysenterie 536, 538 
Isodynamiegesetz 53, 147, 299 
Isolyse 314 

Isovaleraldehyd, Bildung desselben aus 
Oelatine 322 


Jejunostomie 387 

Jod, Nachweis desselben 28, 565, 566 
- in der Milch 427 
lodiniektionen!, endovenöse 565 
Jodipm zur Bestimmung der Magen- 
motilitat 28, 531 
Jodophile Reaktion 516 
Jodothyrin 84 


K. 

(s. auch u. C). 

Kalkstahlbrunnen, Lippspringer 592 
Kalkstoffwechsel beim Saugung 56 

— bei Phthise 401 
Karbolsäurevergiftung 473 
Kardiakrebs 100, 534, 557 
Kardialgie 583 
Kardiastriktur 557 
Kardiospasmus 74, 178, 530 
Kartoffeln bei Diabetes 551 
Kasein der Milch 167, 431, 570 
Kehlkopfcardnom, Cancroin bei 416 
Kieselsäure in den Oeweben 190, 215 
Kinderernährung 87, 89, 280 
Knochenerkrankungen bei Typhus 45, 

438 

Knochenmark und Blutbildung 108 
Kochsalzinjektionen 144, 145, 318, 379 
Kölioskopie 37 

Körpertemperatur, Messung der 452 
Kohlenhydrate als Diabetikernahrung 551 

— des Bluteiweisses 543 
Kohlenoxydnachweis im Blut 186 
Kohlensäure, Wirkung der 456 
Kohlensäurebäder und Oaswechsel 428 
Kolostomie 102 

Kolon-Atrophie, kongenitale 419 

— -Krebs 515 

Koma diabeticum 8, 145, 193, 356 
Konservierung von Sedimenten 519 

— der Nahrungsmittel 253, 350, 373 
Konstipation s. Obstipation 
Koprostase s. Obstipation 

Kreatin 429 

Kreatinin 27, 28, 319 

Krebs s. a. unter den betr. Organen 

— Blutalkalescenz bei 34 

— Cancroin bei 416 

— Stoffwechsel bei 26 
Kreuzspinnengift 257 
Kropf s. Struma 

Kryoskopie s. Oefrierpunktsbestimmung 
Kuhmilch, Analyse der 431 ff. 

— Laktoserum der 431 ff. 


L 

Labferment, Bildung 416 
Lävulose im Ham 14, 36, 323, 397, 508 
Lävolosurie 14, 36, 323, 397, 508 
Laktophenin bei Typhus 530 
Laktoserum der Milch 431 ff. 
Langerhans’sche Inseln beim Diabetes 
mellitus 283 
Laparotomienarbe 247 
Laparotomie, Technik der 423 
Leber, Abscess 80,249, 273,398,460,541, 
564 

-bei Appendidtis 589 


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XXI! 


Leber-Abscess bei Dysenterie 398, 541 

-Blutalkalescenz bei 34 

-nach Pneumonie 541 

— Adenom der 524, 540 

— akute gelbe Atrophie 104,292,322,343, 
513 

— Autolyse der 321 

— Cardnom 14, 46, 249, 314, 315, 475, 
487 540 561 

— Cirrhosel03, 104, 273,293, 312,313, 

314, 315, 324, 367, 420, 445, 448, 487, 
516, 524, 540, 560, 561, 562 

-bei Malaria 445 

-biliare 313 

-Magenverdauung bei hyper¬ 
trophischer 512 

-operative Behandlung der 274, 

315, 344, 488, 541 

— Cystadenom der 488 

— Cysten der 488. 513 

— Echinokokkus der 249, 445 

— -Entzündung, chronische 476 

— -Degeneration (cystische) 488 

-Epitheliom der 524 

-Eiweisspaltung bei 513 

— -Erkrankungen, öallenkapillaren bei 
487 

-alimentäre Glykosurie bei 397, 508 

— Fermente in der 321 

— -Funktion 322, 446 (entgiftende), 460 

— -Funktionsprüfung 13, 14 

— -Olykogen 449, 460, 569, 578 

— Glykogenie der 449, 460, 569 

— Hydaudencyste der 80, 104, 460 

— Hyperplasie, knotige der 344 

— -Hypertrophie, akute 292 

— -Insuffidenz 322, 323, 324, 461, 514 

— -Kolik 101 

— -Krankheiten 46 

-Hyperleukocytose bei 142, 143 

— -Krebs s. u. Cardnom 

— -Massage 103, 104, 274 

— Physiologie der 79 

— Ptosis der 142, 322 

— -Ruptur 444 

— -Resektion 184 

— -Sarkom 524 

— Schaum- 488 

— -Stauung 476, 487 

— -Syphilis 324 

— -Tuberkulose 230 
-u. Diabetes 36 

— -Veränderungen bei Nephritis 141, 
142 

-Erysipel 293 

-Pocken 311 

-Scharlach 293 

— -Streptokokkeninfektion 293 

— -Verfettung bei Phosphorvergiftung 
-bei Alkoholismus 446 

— -Vergrösserung 142 

— -Verletzung 81 


Leber, Wander- 104 
Ledthin, Zuckerbildung aus 528 
Leim in der Ernährung 167 
Leudn 499, 513 

Leukämie 83, 118, 165, 185, 295, 491, 
492 

— Stoffwechsel bei 400 

— und Oicht 383 
Leukocyten 400, 586 
Leukocytose bei Pneumonie 324 

— Einfluss der Schilddrüsenexstirpation 
auf die 165 

— Verdauungs- 152, 418 
Leukolytisches Serum 492 
Leukomaine, diabetogene 383 
Levicowasser, Einfluss desselben auf 

den Stoffwechsel 545 
Lichtbäder, Einfluss derselben auf den 
Stoffwechsel 86, 496 
Liebig’sche Suppe 87 
Linitis plastica 437 
Lipämie bei Diabetes 57, 356 
Lipomatosis universalis s. Fettleibigkeit 
Lippspringer Kalkstahlbrunnen 592 
Lipune 86 
Lithiasis 578 

Luftbäder, Einfluss derselben auf den 
Stoffwechsel 86, 496 
Luft, Einfluss verdichteter und ver¬ 
dünnter auf Tiere 546 
Lungentuberkulose, Diazoreaktion bei 
168, 256 

— Blut bei 177 

Lymphagoge Wirkung und Oallen- 
absonderung 396 
Lymphcyste, mesenteriale 163 

M. 

Magen, Atonie desselben 39, 40, 137, 

179, 229, 332, 335, 385, 435 

-Plätschergeräusch bei 40, 137, 

138, 385, 435 

— -Blutungen 154 , 335, 337, 436, 451, 
532, (parenchymatöse), 556, 582 (ok¬ 
kulte) 

— -Cardnom 99, 100,113, 115, 152,156, 

180, 204, 205, 266, 286, 324, 361, 362, 
387 , 416, 417 , 451, 534 (u. Uterus¬ 
cardnom), 556 (Megastoma bei), 581, 
583 

-Blutuntersuchung bei 152 

-Cancroin bei 416 

-Diagnose des 152 

-Oastrospasmus bei 99 

— -Chemismus 244 

— -Chirurgie 180, 266, 336, 387, 396, 
417 

— -Darmkrankheiten, Behandlung der 
139 

-Erblichkeit und familiäres Auf¬ 
treten 580 


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XXII! 


Magen-Darmkrankheiten, Protargol bei 

-und nervöse Störungen 553 

-und perniciöse Anämie 534 

-Einfluss derselben auf das Zen¬ 
tralnervensystem 266 
-Einfluss der Elektrizität auf die 58 

— -Ektasie s. Magenerweiterung 

— elastisches Oewebe desselben 152 

— -Elektrode 8 

— -Erosion 98 

— -Erweiterung 310, 332 

— -Exstirpation s. Magenresektion 

— Fermente des 416, 434 (Profermente), 
531 

— Fettspaltung im 531 

— Fremdkörper im 485 

— Funktionsprüfung 384, 416, 433, 531 

— -Geschwür 8, 28, 42, 75, 76, 77, 98, 
99, 113, 138, 154, 155, 156, 180, 266, 
285, 310, 334, 335, 336, 337, 339,359, 
360,362,435 (u. Hamblasengeschwür), 
436, 483, 509, 532, 533 (chronisches), 
556, 564, 581 f. 

-bei Urämie 153 

-Blutuntersuchung bei 152 

-Dermatol bei 

-Reflexfieber bei 285, 334 

— -Geschwülste 99, 416 

— -Grenzen, Bestimmung der 16, 17, 

— Histologie des 416 

— -Ileus 388 

— -Inhalt, Untersuchung desselben 384, 
416, 433, 434, 531 

— -Insuffizienz 58, 137, 435, 581 

— -Katarrh 98, 581 
-chronischer 264 

— -Milchsäurebestimmung 179, 180 

— -Motilität 384 

-Bestimmung der 384, 416 

-Einfluss der Somatose auf die 531 

— Neurosen desselben 581 

— -Perforation 8, 153,181, 206, 361, 510 

— -Peritonitis 153 

— Pflanzenkeime im 481 

— -Plätschern 40, 137, 138, 385, 435 

— -Resektion 138, 156, 266, 286, 417 

— -Saftuntersuchung 233, 234 

— Salzsäurebestimmung im 321, 434 

— Salzsäuresekretion 531 

— Sanduhrform desselben 155,305, 437, 
510, 530, 533 

— -Sarkom 87 

— -Scirrhus 266, 305, 437 

— -Schlauch, Einführung desselben 532 

— -Schleimhaut, Profermente der 187, 
188 

— -Schrumpfung 305, 386 

— -Sonde bei Ulcus ventricuü 76 , 77, 
359 

— -Sondierung 8, 156 


Magen-Spülungen im Kindesalter 77, 

— -Syphilis 87, 204, 337, 556 

— -Thätigkeit, Einfluss der Körperlage 
auf die 304, 384 

— -Tuberkulose 87, 204 

— -Verätzung 335 

— -Verdauung 209, 210, 319, 385, 512 
(bei Lebertirrhose) 

— - der Fette 298 
-des Eiweiss 567 

— Verweilen von Flüssigkeiten im 593 

— -Krankheiten 28,75, 87,115,154, 335 
-Blut bei 34 

-in der Menopause 229 

— - physikalisch-diätetische Behand¬ 
lung aer 28 

— — Plätscheigeräusch bei 40,137,138, 
385, 435 

-Sensibilitätsstörungen der Haut 

bei 554 

Magenptosis 39 

Magensaft, Bestimmung desselben 434 

— desinficierende Wirkung des 384 
Magensaftsekretion, Einfluss d. Alkohols 

auf die 22 

-der Kohlensäure auf die 456 

-Nahrungsmittel auf die 21, 

22, 252, 385 

— kontinuierliche 265, 436 

Magnesiastofiwechsel bei Phthise 401 
Makrocytose 592 
Malaria 593 

— Hämolyse bei 315 

— Leberarrhose bei 445 

— Milzabscess bei 541 
Malariamilz 107 
Manie bei Taenien 141 
Margarine, Verdaulichkeit der 213 
Mastdarm s. Rektum 

Meckel’sches Divertikel s. Divertikel 
Medizin, Jahrbuch der praktischen 596 
Megastoma bei Magenkrebs 556 
Melaena neonatorum 366, 438, 537, 559 
(Oelatine bei) 

Melanine 521 
Melanodermie 465 
Melanogen 521 
Mellin’s food 87, 136 
Melliturie 433 
Meningitis typhosa 307 
Meningotyphus 307 
Merkaptursäuren 520 
Meryasmus s. u. Wiederkäuer 
Mesenterialgefässe, Embolie der 78,292, 
422, 591 

Mesenterialvenen, Thrombose der 272 
Mesenteriitis, retrahierende 515 
Mesenterium, Tumoren des 366 
Metallwirkung auf den Stoffwechsel 472 
Meteorismus 342 


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XXIV 


Methylpentose aus Eiweiss 547 
Milch, Alexine der 345 

— Analyse der 431 ff. 

— Jod in der 427 

— -Kontrolle 426 

— -Säure 28 

--Bestimmung 179 

— Sterilisieren der 20, 21 

— Tuberkelbacillen in der 426 

— -Verdauung 111, 252 
Miliartuberkulose, Blut bei 586 
Millon’sches Reagens 146 

Milz, Abscess derselben bei Dysenterie 
558 

-— bei Malaria 541 

— Anatomie und Funktion der 399 

— bei Malaria 107 

— bei Typhus 390 

— -Exstirpation 50, 107, 164, 208, 448, 
462, 516 

-Blut nach 516 

— hämolytische Funktion der 516 

— -Sarkom 462 

— und Trypsinbildung 22 

— -Vergrösserung 14 

— -Zerreissung, subkutane 164, 208, 
448, 462 

Mineralwasserbehandlung bei Dyspepsie 
506 

Möller-Barlow’sche Krankheit 96 
Morbus Addisonii 109, 451, 465 

— Basedowii 49, 166, 232, 250, 296, 
317, 369, 466, 494, 565 

— Werlhofii 83 
Mundkrankheiten 352 
Mundspeichel s. Speichel 
Murpnyknopf 39o, 417 
Muskelarbeit u. Stoffwechsel 110 
Muskelkraft, Quelle der 110, 211, 212 
Muskelthätigkeit, Blutveränderungen bei 

— und Ei weissmast 212 

— und Eiweissstoffwechsel 236 
Myelin, Auftreten desselben in Zellen 

299 

Mykosen bei Diabetes mellitus 304 
Myxödem 20, 451 


N. 

Nabelschnurbruch 184 
Nährpräparate 167, 166, 213, 318 
Nährstoffe als Quelle der Muskelkraft 
212 

Nährzucker 87 

Nahrungsbedarf des Menschen 570 
Nahrungsmittel 501 

— Konservierung der 253, 350, 373 

— Verdaulichkeit der 51, 373 (Zube¬ 
reitung u. V.) 

Narkose, Glykosurie nach 149 ff. 


Natriumsalze, Ausscheidung derselben 
bei Carcinom und Phthise 26 
Nebennierenbehandlung 109, 278, 451 

— der Rachitis 82 

— des M. Addisonii 451 
Nebennierendiabetes 36, 203, 204 
Nebennierenkrankheiten 564, 565 
Nebennierenveränderungen durch Bact 

coli 279 

Nephritis s. Nierenentzündung 
Nephropexie 421 
Nephroptose 564 • 

Nephrospasis 565 

Nervensystem, Einfluss der Verdauung 
auf clas 266 
Netzblutung 247 
Netz s. auch Epiploltis 

— Teratom derselben 366 
Neugeborene, Nahrungsausnutzung der- 

— Stoffwechsel bei denselben 346 
Neuritis bei Diabetes 7 
Neurosen, Alkoholgenuss bei 166 
Neusidonal 415 

Niere bei Tuberkulose 250 
Nierencysten 513 
Nierenblutung 344, 345 
Nierendegeneration 316 (kleincystische) 
Nierendiabetes s. D. renalis 
Nierendiagnostik 46 

Nierenentzündung 231, 232, 257, 275, 
312, 316, 344, 345, 528 

— bei Dysenterie 558 

— Blut bei 34, 118 

— Chlorausscheidung bei 470 

— Chlorretentjon bei 469 

— Gefrierpunktsbestimmung bei 48 

— Gelatineeinspritzungen bei 295 : 

— Leberveränderungen bei 143 

— Perikarditis bei 164 

— Therapie der 106 
Nierenfunktion 232, 592 
Nierengeschwülste und Hypemephrome 

494 

Niereninfarkte, Fettgehalt der 546 
Nierenkolik 344, 345 
Nierenschädigung, Einfluss derselben 
auf den Pankreasdiabetes 528 
Nierensteine 16 
Nierentuberkulose 463 
Nierenveränderungen bei Schilddrüsen¬ 
exstirpation 48 

Nikotin, Einfluss auf den Darm 396 
Nitropropioltabletten z. Zuckernachweis 
572 

Noma 228, 529 
Nukleinsäure 544 
Nutrose 212 


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XXV 


0 . 

Obstipation 139, 159, 327ff., 363, 417, 

e^o 1 > t t 

— Atropin bei 341 
Obstipatio chronica 581 

— spastica 537 
Odda 474 

Oedem, malignes 489 

— ohne Albuminurie 276 
Oeleinlauf 522 
Oesophagitis 244, 456 
Oesophagoskopie 37, 72, 73, 74, 135, 

530 

Oesophagotomie 74 
Oesophagus, Atonie des 74, 456 

— Cardnom des 73, 284, 530 
-CancroTn bei 416 

— Dilatation des 74, 135, 456 

— Divertikel des 15, 74, 98, 135, 263 

— Fremdkörper im 16, 74, 155 

— Gebiss im 16 

— künstlicher 284 

— -Missbildungen 456 

— -Perforation 530 

— !?£ no * e , des ». 72, 73, 156, 386, 

— Striktur des 74, 178, 552 

— Tumoren des 16 

— Verätzung des 387, 530, 552 
Olivenöl bei Pylorus- und Duodenal¬ 
stenose 310 

Organ, parasympathisches 494 

— -Therapie 297 (Ovar.), 451 

— -Veränderungen nach Schilddrüsen¬ 
exstirpation 542 

Osmotischer Druck s. u. Gefrierpunkts¬ 
bestimmung 
Osteomalade 345 

— beim Kinde 297 

— Stoffwechsel bei 61 ff. 

Osteomyelitis, Blut bei 586 

— typhosa 438 

Ovanen, innere Sekretion der 250 
Ovanum im Bruchsack 510 
Oxalsäure 372 
Oxahirie 450 

£Oxybuttersaure 193, 433 
Oxydative Fähigkeit der Gewebe 85, 86 

P. 

Pädatrophie 279, 534 
r" Darmkanal bei 388 

F ft a 5(^5ä n0m dCS 81 ’ 23 °’ 56,1 

— Chirurgie des 105 

— Cysten des 208, 594 

— Erkrankungen des 116 
-Fices bei 144 

Fettgewebsnekrose bei 316 


Pankreas, Ferment des 51, 188 
— Histologie desselben bei Diabetes 283 

— innere Sekretion des 283 
— Nekrosen des 490 

— -Sekret 594 

— Verletzung des 163 

— -Diabetes 70, 262, 479, 527, 528 

Einfluss von Nierenschädigung auf 
den 528 

— -Proteldpentose 498 
Pankreatitis 105, 490 
Pankreon 144 
Parahepatie 323 
Paralyse, allgemeine 554 
Parasympathisches Organ Zucker- 

kandl’s 494 
Paratyphus 458 
Pentose aus Eiweiss 547 
Pentosengehalt der Organe 503ff. 
Pentosereaktion 320 
Pentosurie 37, 331 
Pepsinbestimmung 51 
Pepsinbildung 22, 416 
Pepsinurie 370 
Pepsinverdauung 210 
Peptische Wirkung, Bestimmung der¬ 
selben 434 

Peptonurie bei Pneumonie 425 
Peracidität s. Hyperacidität 
Perforationsperitonitis 206, 275 340 
|43, 364, 368, 422, 535, 3, sg 

Periappendidtis 207, 459 
Perigastritis 337 
Periostitis typhosa 45 
Peritoneale Adhäsionen 365 
Peritoneum, Resorption desselben 366 

— Sensibilität des 422 
Peritonitis 391 

— bei Typhus 586 

— Blut bei 177 

— cardnomatosa 231, 515 

— Darmganglien bei 515 

— gonorrhoica 82 

— perforatrva 140 

— pneumococdca 462 

— septische 182, 422 

“ tSS" r “L 0Sa 106 > 116 > 274, 324, 391 
463, 475 

Perityphlitis s. Appendidtis 
Petroleumvergiftung 518 
Pfortaderthrombose 292 
Pharyngitis bei Typhus 247 
Phenol 319 

— -Bildung 256 

Phenolphthalein als Abführmittel 311 
Phenylhydrazin, Uebeigang auf den 
Fötus 491 ' 

Phlebitis bei Dysenterie 558 
Phlegmone, Blut bei 586 
Phloridzindiabetes 24, 256, 319 
Phosphaturie 38, 254, 423, 452, 544 


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XXVI 


Phosphorbehandlung der Rachitis 400 
Phosphorsäureausscheidung5(beiGicht), 
253 (bei Pneumonie und Typhus) 
Phosphorsäuretherapie bei Hypoacidi- 
tät 48 

Phosphorstoffwechsel bei akuten Krank¬ 
heiten 452 


Phosphorvergiftung 322, 400 
Phthise, Kalk- u. Magnesiastoffwechsel 


bei 401 


Piperazin 244, 415 

Plätscheigeräusch bei Magenerkrankun¬ 
gen 40, 137, 138, 387, 435 
Plasmolyse 113 
Plasmon 167 

Plexus coeliacus, Neurose des 163 
Pleuritis bei Leberleiden 447 

— typhosa 557 

Pneumokokken, Peritonitis durch 462 
Pneumonie, Blutalkalescenz bei 34 

— Blut bei 177, 186, 324 

— Chloride bei 323 

— gerinnungshemmende Eiweisskörper 
im Ham bei 495 

— Leberabscess bei 541 

— Peptonurie bei 425 

— Phosphatausscheidung bei 253 
Pneumotyphus 586 

Pocken, Leberveränderungen bei 311 
Polyarthritis s. Gelenkrheumatismus 
Polyglobulie bei Cyanose 491 
Präservesalz 350 

Processus vermiformis s. u. Appendix 
Profermente in der Magenschleimhaut 
187, 188, 434 
Propepsin 187, 188 

Protargol bei Magendarmkrankheiten 
310 

Proteolyse s. unter Magenverdauung 
Protoplasma und Enzym 449 
Pruritus, Schilddrusentherapie bei 514 
Pseudopepsin 187 
Psoriasis, Stoffwechsel bei 497 

— und Olykosurie 134 
Ptyalin 188 

Purgatin 79, 311, 417, 486 
Purgatol 79 
Purgen 311 
Purmstoffwechsel 497 
Puro 53, 593 

Purpura, Blutalkalescenz bei 34 
Pyelitis und Cystitis, Differentialdiag¬ 
nose 495 
Pyloroplastik 180 

Pylorospasmus 87,285,310,436, 482, 582 
Pyloruscarcinom 138, 286, 416, 456, 483, 
557 

Pylorushypertrophie 266 
Pylorusinsufficienz 58, 59 
Pylorusmyom 100 
Pylorus, Palpation des 481 
Pylorusresektion 206 


Pylorusstenose 98, 100, 155, 180, 205, 
206, 266, 286, 310, 335, 337, 387, 437, 
438, 456, 532, 582 

Pyocyaneusinfektion, Reaktion des Blutes 
nach 594 

Pyocynase 377, 378 
Pyramidon 519 
— und Stoffwechsel 228, 253 
Pyrodin-Anämie 118 


R. 


Rachitis 56, 82 

— Behandlung der 110, 400 
Rachitol 82 

Raynaud’sche Krankheit bei Typhus 
510 

Rectitis s. Proctitis 
Rectum, Adenom des 78 

— Angiom des 291 

— Cardnom des 291, 342, 463 
-und Tuberkulose 158, 270 

— Fremdkörper im 463, 537 

— -Operationen 183 

— -Polyp 485 

— Prolaps des 140, 184, 394 

— Resektion des 184, 394 

— Stenose des 43, 78, 183, 484 (syphi¬ 
litische) 

— -Syphilis 338, 484 

— -Tumor 463 

— Untersuchung des 13 
Reduzierende Substanzen im Körper, 

Probe auf dieselben 429 
Reflexfieber bei Cholelithiasis 285 

— bei Ulcus ventriculi 285, 334 
Reflexkrämpfe bei Ascariden 292 
Rejchmann’sche Krankheit 265 

Ren mobilis (s. a. Wanderniere) 89,94,555 
Resorption s. u. den betr. Organen 
Respirationsversuche bei Bädern 428 
Rhachitis s. Rachitis 
Rheumatismus, Blut bei 34 
Rhodanverbindungen, Einfluss derselben 
auf den Stoffwechsel 256 
Roborat 213, 318 

Röntgenstrahlen in der inneren Medi¬ 
zin 15, 16 
Rubazonsäure 519 
Ruhr s. Dysenterie 


S. 


Säugling, Oastroenteritis beim 346, 351, 
474, 585 

— Magenspülung beim 77 

— Nahrungsausnutzung desselben 348 

— Stoffwechsel beim 56, 346, 348 

— Stoffwechsel bei Gastroenteritis des¬ 
selben 346 


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XXVII 


Säugling, Verdauungsstörungen des¬ 
selben 346, 351, 474 
Säuglingsernährung 56, 93, 167, 189, 
245, 252, 279,349 (Buttermilch), 350, 
425, 426, 474. 534, 544 
Säuglingsharn, Analyse d. 427 
Salzsäuresekretion s. unter Magen 
Salzsaurebestimmung im Magen 321,434 
Sana, Verdaulichkeit der 213 
Sandbader und Gaswechsel 428 


Sanduhrmagen 155, 305, 437, 510, 530, 
533 

Sauerstoff und Stoffwechsel 111 
Scatol und Stoffwechsel 111 
— Vergiftung durch 298 
Scoibutus infantum 317 


Sehnenreflexe bei Typhus 9 
Sepiasaure 521 

Sensibilitätsstörungen der Haut bei 
Magenkrankheiten 554 
Sepsis, Blut bei 177 
Serumglobulinlösung. Drehungsvermö¬ 
gen den. nach der Verdauung 548 
Sialorrhoe 97 
Sidonal 54, 244, 415 
SigmoTditis 558 
Somatose 167 

— Einfluss derselben auf die Magen- 
motilität 531 

Soolbäder und Gaswechsel 428 
Speichelgangsfistel 134 
Speisen, Verdaulichkeit der 51, 373 
(Einfluss der Zubereitung) 
Speiseröhre s. Oesophagus 
Splenomegalie 14 
Subaddität s. Hypoacidität 
Sublimat bd Echinokokken 489 
Subphrenischer Abscess 564 
Sulfaturie 471 

Superadditas s. Hyperaddität 
Suprarenaltabletten s. unter Nebennieren 
Syphilis s. unter den betr. Organen 

— Blutbefund bei 233 

— d. Kinder 297 

— Ham bei 107 

— Jodinjektionen bei 565 

— und Diabetes insipidus 284, 475 


Sch. 

Scharlach, Krankhdten der Verdauungs¬ 
organe bdm 331 

— Leber beim 293 
Schaumleber 488, 590 
Schaumorgane 488 
Schilddrüsencystadenom 280 
Schilddrusenexstirpation 48, 423 

— Einfluss derselben auf die Leukocy- 
tose 165 

— Einfluss derselben auf die Organe 

542 


Schilddrüsen-Globulin 466 
Schilddrüse, Kenntnis der 296 
— Physiologie der 19, 20, 84 
Schilddrüsenbehandlung des Morbus 
Basedowii 296 

Schilddrüsentherapie des Proritus bei 
Ikterus 514 

Schimmelpilze, Eiweissbildung der 521 
Schlund, Divertikel desselben 263 
Schmerzempfindung in der Bauchhöhle 
421 

Schrampfmagen s. unter Magen 
Schwangerschaft, Ernährung 1. d. 55 
Schwangerschaftsikteros 447 
Schwefelstoffwechsel 26 
Schwefelsäurevergiftung 350 
Schwefelsäure, Verätzung des Oeso¬ 
phagus durch 552 

St 


Steatorrhoe 144 
Stoffwechsel 26, 166 

— bei Diabetes 134 

— bei Diphtherie 424 

— bei Gicht 1 ff. 

— bei Gravidität 24 

— bei Krebs 26 

— bei Leukämie 400 

— bei Neugeborenen 346 

— bei Osteomalade 61 ff. 

— bei Psoriasis 497 

— bei Tuberkulose 26, 401, 526, 545 

— bei Typhus 452 

— bei vegetarianischer Diät 24 

— Einfluss von Luft- und Lichtbädern 
auf den 86, 496, 546 

— — des Levicowassers auf den 545 
-der Metalle auf den 472 

— und Alkohol 545 

— und Höhenklima 276, 300 

— und Hydrotherapie 428 

— und Muskelarbeit 110, 111 

— und Pyramidon 228, 253 

— und Rnodanverbindungen 256 

— und Sauerstoff 111 

— und Skatol 111 

— und Traubenkur 473 
Stoffwechselkrankheiten, Hygiene und 

Diätetik 572, 573 
Stoffwechselpathologie 303 
Stoffwechselstörangen bei magendarm¬ 
kranken Säuglingen 346 
Stomatitis gangranosa 228 
Stomatorrhagie 41 

Streptokokkeninfektionen. Leber bei 293 
Streptokokkenoesophagitis 244 
Stuhlentnehmer 464 
Stroma 565 (maligna) 

— Physiologie der 493 


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XXVIII 


T. 


Tabes und Glykosurie 476, 527 
Taenienkur s. Bandwurmkur 
Taenien, Manie bei 141 
Tannigen bei Darmkatarrhen 458 
Taurocholsaure 544 
Temperaturmessungen 452 
Tetania thyreopriva 423 
Tetanie 552 

Tetanuskeime in Gelatine 350 
Terpentin-Oel bei Appendidtis 536 
Therapie, Handbuch d. physikalischen 
573 

Thiomilchsäure 571 
Thrombose 145 

Thymusbehandlung der Rachitis 82 

— -Drüse, Fettgehalt der 299 
Thyreoidea, Behandlung mit 296. 513 
Thyreoglobulin 84, 466, 493 
Thyreoidektomie s. u. Schilddrusenex¬ 
stirpation 

Toxidtät des Harns s. Hamtoxidtät 
Transsudat s. u. Exsudat 
Traubenkur, Einfluss auf den Stoff¬ 
wechsel 473 

Trauma u. Basedow 317 

— und Tumorbildung 57 
Trombophlebitis mesaraica s. u. Mesen- 

terialgefässe 

Trypsinbildung und Milz 22 
Try^umiverdauung d. Eiweiss 187, 188, 

Tuberkelbadlien. Durchgang durch die 
Darmschleimhaut 486 

— im Ham 592 

— in den Fäces 320 

— in der Milch 426 
Tuberkulose bei Diabetes 8 

— Blutalkalescenz bei 34 

— Diazoreaktion bei 168, 256, 472 

— endovenöse lodinjektionen bei 566 

— Kalk- und Magnesiastoffwechsel bei 
401 

— Stoffwechsel bei 26, 401, 526, 545 
Tumoren, Glykogen in 521 

— traumatische Entstehung derselben 57 
Tympanitis 309 

Typhus 9, 10, 42, 161, 162, 181, 182, 
206, 246, 247, 286, 287, 307, 338, 
389, 390, 438, 439, 458, 459, 485, 
510, 535, 536, 557 

— Acetonurie bei 230 * 

— -ähnliche Erkrankungen 10, 458 

— -Agglutination 9, 10 

— -Agglutine 9, 10 

— Angina bei 438 

— -Badllen im Ham 9, 246, 439 

— Biderbehandlung bei 45, 46 

— -Bakterien, Coiibadllen und Dysen- 
teriebadllen (Differentialdiagnose) 
535 


Typhus-Bakterien im Blut 182, 535 
-in den Rices 485 

— Bakteriurie bei 9, 246, 439 

— Behandlung desselben mit Chinin 
45, 46 

-mit Klysmen 230 

-Lactophenin 536 

— Blut bei 34, 177, 586 

— Cystitis bei 246 

— Darmblutungen bei 247, 451 

— Darmperforation bei 140, 267, 389, 
557 

— Diätetik bei 338, 458 

— -Diagnose 9, 10, 161, 162, 182, 485 
—- Diazoreaktion bei 256 

— Eiterungen bei 206, 307, 390 

— Gangrän bei 458 

— Gelenkerkrankungen bei 438 

— Oruber-Widarsche Reaktion bei 
9, 10, 161, 162, 535 

— immunisierende Substanzen im Blute 
bei 557 

— Knochenerkrankungen bei 45 

— Meningitis bei 307 

— Milzabscess bei 390 

— Osteomyelitis bei 438 

— Peritonitis bei 586 

— Pharyngitis bei 247 

— Phosphatausscheidung bei 253 

— Pleuritis bei 557 

— Pneumonie bei 586 

— Pulsdikrotie bei 390 

— Raynaud’sche Krankheit bei 510 

— -Reddiv 78, 101 

— Rhinophaiyngitis bei 586 

— Sehnenreflexe bei 9 

— Serumtherapie des 181, 536 

— Stoffwechsel bei 452 

— und Dysenterie 287 
Tyrosin 424 


U. 

Ulcus duodeni s. u. Duodenum 

— ventriculi s. Magengeschwür 
Unfall und Diabetes 7, 479 
Urämie 19, 86, 123ff. 469, 592 

— Aderlass bei 275 

— Blutalkalescenz bei 34, 186 

— Magendarmgeschwüre bei 153 
Urate s. u. Harnsäure 
Urethrogene Haminfektion 495 
Uropepsm 370 

Urosin 54 

Uteruscardnom u. Magencardnom 534 


V. 


Variola, Leberveränderungen bd 311,312 
Vaterische Ampulle, Krebs derselben 
456 


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XXIX 


Vegetarische Diät s. u. Diät 

- — Stoffwechsel bei derselben 24 
Vena hepatica, Verschluss der 487 

- portarum s. u. Pfortader 
Verdaulichkeit der Speisen 51, 373 
Verdauung 21, 22 

Blutserum Veränderung während der* 
selben 566 


— Einfluss des Cardnoms auf die 416 

— und Nervensystem 266 
V^aunngskrankheiten bei Scharlach 

'Ul 

Verdauungsleukocytose 152, 418 

Ver^ung *!^™" 8 beim Saug,ing 351 
Vergiftung durch Douglasfichte 518 

-Extr. Hydrast. canad. 518 

-Petroleum 518 

Verstopfung s. Obstipation 
Visceralericrankungen, Hauthyperästhe- 
sieen bei 554 

Volvuhrs 246, 392, 394, 440, 457, 511, 


W. 

Wanderiebe"?})^ der 496 
Wanderniere und Cholelithiasis 421 
Wasserkrebs s. Noma 
eil sehe ICrankheit, Aetiologie der* 
selben 590 

— Gruber-Wi da Ische Reaktion bei 
derselben 540 


Werlhofsehe Krankheit s. Morbus 
Werlhofii 

Widal’sche Reaktion bei Weil’scher 
Krankheit 540 
Wiederkäuer 530 


Y. 


Yohimbin 311 


Z. 


Zähne, Krankheiten der 352 
Zelle, Chemie der 89 

Zinn, hygienische Bedeutung desselben 
571 


Zucker als Nahrung bei Dyspepsie 582 
Zuckerbildung 166, 528 

— aus Eiweiss 166. 543 

— aus Fett 528 

— aus Glycerin 528 

— aus Lecithin 528 

Zuckerproben 27, 28, 276, 401, 572, 578, 
505 

Zuckervergiftung 29 

Zungencarcinom 416 (Cancroln bei), 456 

Zungenfibrom 580 

Zungensarkom 135 

Zunge, schwarze 358 

Zymogen 51 


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Nr. 1. 


Erstes Januar-Heft 1902. 


3. Jahrgang. 


trnfralblaff 

rar 

Stoffwechsel- & Uerfauungs-KranKheifen 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck ft Rnprecht in Oöttingen. 


Monsdfdi 2 Nrn. von lVs— 2 Bogen Umfang. Prell des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Math bei 
halbjähriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Postanstalten des In- und Auslandes, Nr. 1409 der Zeitungs-Preisliste f. d. Deutsche Reich. (Postbezug 
in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausserhalb Europas 1 Mark 20 Pf. jährlich mehr.) 


Original-Hrtikel. 

Aus der Göttinger med. Klinik (Dir.: Geh. Rat Ebstein). 

Der Stoffoscbftl im €id>tanfall» 

Von 

Privat-Dozent Oberarzt Dr. Waldvogel. 

Es ist ohne weiteres begreiflich, dass uns nur das exakte Studium 
der Stoffwechselvorgänge im akuten Gichtanfall über den Pessimismus hin¬ 
weghelfen kann, mit dem die meisten zur Zeit der ätiologischen Bedeutung 
der Harnsäure für das Zustandekommen der Qicht gegenüberstehen. Die 
exakte Untersuchungstechnik hat alle die Angaben über typische Hamsäure- 
ausscheidung in den Zeiten, in denen kein Anfall stattfindet, über den Haufen 
geworfen. In neuerer Zeit aber sind durch Arbeiten von Vogel 1 ), Peiffer*), 
His 8 ), Magnus-Levy 4 ) unsere Ansichten über die Hamsäureausscheidung 
im akuten Gichtanfall dahin geklärt, dass dieselbe eine typische ist, dass 
wir im stände sein werden, nachdem das stolze Gebäude der Garrod’sehen 
Theorie immer mehr ins Wanken geraten war, ganz allmählich an der 
Hand exakter Untersuchung wieder neue Grundmauern zu errichten. Wenn 
ich dazu mit meinen Untersuchungsergebnissen, welche vom 1. Tage eines 
ersten akuten Gichtanfalls bis zum 11. Tage danach reichen und nach ^tägi¬ 
ger Unterbrechung an 2 Tagen vor dem 2. Anfalle gewonnen sind, einen 
Stein zu getragen habe, so ist der Zweck dieser Mitteilung erreicht; es scheint 
i nicht unberechtigt, bei der relativ geringen Zahl genau studierter Gichtanfälle 
Untersuchungsergebnisse zu veröffentlichen, welche vielleicht Resultate 
anderer stützen und Einwendungen anderer zu widerlegen vermögen. 

Nr. 1. 


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2 


Ich gebe zunächst das klinisch Wichtige! Ein 37jähriger Wein¬ 
reisender litt vor 8 Jahren an Gallensteinen, die abgingen, und seitdem traten 
nur selten kurze Schmerzanfälle in der Leber auf, die in einer halben Stunde 
zu vetgehen pflegten. In der Nacht vom 8. auf den 9. September trat ein 
heftiger Anfall auf, am 13. Magenschmerzen und Erbrechen, erstere verloren 
sich bald. Seit diesem Tage will Patient bis zur Aufnahme am 2. Oktober 
29 Pfund verloren haben. Er giebt reichlichen Alkoholgenuss zu. Familie 
gesund. 

Bei der Aufnahme am 2. Oktober findet man einen blassen, aber noch 
gut genährten Mann mit ziemlich reichlichem Fettpolster. Das Herz reicht 
gut Fingerbreit über die Mamillarlinie, der erste Ton ist unrein, die Arterien 
sind weich. Die Leber ist besonders im linken Lappen stark vergrössert, 
glatt, die Milz ist fühlbar, der Urin enthält eine Spur Eiweiss und einige 
hyaline Zylinder bei niedriger Harnmenge; es besteht massige Kotstauung. 
Gewicht 137 Pfund. Temperatur zwischen 36 und 37°. Die Medialseite 
des Grosszehenballens r. ist leicht gerötet und etwas druckempfindlich. 

In der ersten Woche seines Aufenthalts in der Klinik erholt sich 
Patient, er nimmt 8 Pfund an Gewicht zu, die Urinmenge wird grösser, 
das Eiweiss ist verschwunden. 

Vom 8. bis zum 15. isst der Kranke schlecht, er nimmt 7 Pfund ab, 
bei gutem Allgemeinbefinden, aber geringer Nahrungsaufnahme. Nach 
grösster Urinmenge am 9. (1500) sinkt die Wasserausscheidung wieder. 
Am 15. abends Temperatur 38,2° ohne Aenderung des Befundes. 

Am 17. abends 39°, am 18. 38,6°. Nasenbluten, in der Nacht plötz¬ 
lich heftige Schmerzen im r. Metatarsophalangelenk, die Innenseite desselben 
ist genau an derselben Stelle wie bei der Aufnahme lebhaft gerötet, es 
besteht Oedem und sehr starke Empfindlichkeit Am 19. mittags, also mitten 
im Anfall, wird dem Patienten Blut entnommen und <f und Ur-Menge fest¬ 
gestellt Zum Vergleich habe ich am 31. X., als der Anfall völlig vorüber 
war, <1 noch einmal bestimmt und zwar beide Male mit dem schon früher 
von mir benutzten Apparat und dem Friedenthal’s: die Resultate stimmten 
überein. 

Das Blut enthielt am l.Tage des Anfalls 0,023 g p. m. Ur, die Methode, 
deren ich mich bediente, war die Petren’s 6 ). Die Hamsäuremenge ist 
wie auch nach den Untersuchungen der neueren Zeit feststeht, erhöht Was 
aber bislang nicht bekannt ist ist dass auch der Wert für <t im Gichtanfall — 
ich habe dies leider allerdings erst in diesem einen Falle feststellen können — 
erhöht ist und zwar so sehr, wie es bislang nur bei ausgesprochenen 
Urämieen gefunden ist: er betrug 0,82°; am 31. dagegen 0,56°. 

Ist diese Gefrierpunktserhöhung des Blutes im Anfall durch Nieren¬ 
insuffizienz oder durch starke Aufnahme von Harnsäure aus den Geweben 
bedingt? Die Urinmenge betrug am 19., dem Tage der Blutentnahme, 1200, 
am Tage vorher 760, Eiweiss war nicht im Urin, und der Gefrierpunkt war 
1,36°, am Tage vorher 1,43°. Eine Niereninsuffizienz ist also nicht wahr¬ 
scheinlich, man ist danach geneigt anzunehmen, dass eine Mehraufnahme 
aus den Geweben, z. B. wie wir ja fanden, an Harnsäure zur Erhöhung des 


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- 3 


Blutgefrierpunkts fuhrt; dass die Nierenthitigkeit eine auch speziell für die 
Or-Ausscheidung nicht gestörte ist, findet in der Urintabelle seine Bestätigung. 
Leider ist eine Alkalescenzbestimmung des Blutes unterblieben. 

Vom 18., also vom Tage des Anhills gehen die Urinuntersuchungen 
bis zum 29. Der Kranke hatte in diesen Tagen wieder 4 Pfund abgenom¬ 
men, er ass aber vom 24. ab wieder besser. Die Darreichung einer konstanten 
Diät liess sich bei dem schlechten und wechselnden Appetit des Patienten nicht 
durchführen, die Nahrungsaufnahme war sicher bis zum 24. ungenügend, 
hob sich von da ab sehr, aber ohne dass das Gewicht zunahm; erst in der 
Woche vom 29. X. bis 5. XL stieg das Gewicht von 154 auf 155 Pfund, in 
der nächsten auf 156. Die Temperatur wurde erst vom 26. ab normal. 
Oie Schmerzen im Gelenk haben am 21. bereits nachgelassen, Rötung be¬ 
steht noch. Am 23. nur noch geringe Druckempfindlichkeit Am 29. be¬ 
stehen auch beim Auftreten keine Schmerzen mehr. Urin stets frei von 
Eiweiss. 




























4 


Was geht aus diesen Zahlen hervor? Zunächst, dass die Werte 
für 4 nicht derartig sind, wie wir sie bei ungenügender Nierenfunktion zu 
finden erwarten. Es müsste doch eine akute Störung des sezemierenden Nieren¬ 
parenchyms vorliegen, welche, wie Levison 8 ) meint, zur Ueberladung des Blutes 
mit Harnsäure und Ausscheidung in die Gelenke führen soll. Die Bestim¬ 
mung von /t erweist eine solche Insuffizienz des Paremchyms nicht, doch 
das braucht sie auch nicht Ich 7 ) habe in vielen Fällen von akuter Nephritis 
beim Typhus keine auffällig niedrigen Zahlen für J gefunden; doch 
auch Zylinder und Eiweiss fehlen im Anfall: nichts berechtigt uns danach, 
die gefundene Hamsäuremenge im Blute und den hohen Wert für 4 auf 
Nierenläsion zurückzuführen. 

Zur Erklärung der gleich im Anfall auftretenden hohen, d. h. natürlich 
relativ hohen Ur-Werte im Urin bedarf es des Studiums des N-Zerfalls, speziell 
des der Nukleine. Da müssen zunächst die durchgehends niedrigen Werte 
für den Gesamt-N auffallen. Trotz der Unterernährung mit Eiweiss bei un¬ 
genügender Kalorieenzufuhr sind die N-Mengen im Urin auffallend niedrig, 
mit grosser Zähigkeit wird der N-Zerfall angehalten. Die Zahlen schwanken 
nur von 3,4 bis 4,8 g. Auch vom 24. ab, dem Tage der grössten N-Menge, 
wo die Emähung eine genügende wird, immer noch dieselben niedrigen 
Werte für N. 

Wenn man auch geneigt sein sollte, die N-Retention bei genügender 
Nahrungszufuhr auf die Rekonvalescenz nach dem Anfall zu schieben, wie 
wird sie bei ungenügender Nahrung vom 18. bis 24. erklärt? Gewiss fehlen 
die N-Bestimmungen im Kot und der Nahrung, um die Verhältnisse klar 
übersehen zu können, aber auffallend bleibt die Konstanz der niedrigen 
Zahlen für N, und sicher entspricht der N-Retention nicht die Zunahme des 
Körpergewichts. Vogel 1 ), Schmoll 8 ) undMagnus-Levy 4 ) haben schlechte 
N-Resorption bei lange erkrankten Gichtikem festgestellt, in meinem Falle 
lagen keine dyspeptischen Beschwerden vor, der Anfall war der erste. 

Nach dem Versuch Vogt’s 8 ) ist der retinierteN auf den des Nukleins 
zurückzuführen, das Nahrungs-Nuklein soll in toto zur Aufnahme gelangt, 
im Organismus gespalten sein, der Phosphor desselben wurde wie beim Ge¬ 
sunden ausgeschieden, der Stickstoff dagegen zurückbehalten und zwar der 
Harnsäure-Stickstoff. Der Versuch Vogt’s 3 ) ist im freien Intervall gemacht, 
und es fragt sich, ob auch in meinem Versuch dies Verhalten der Ur zu be¬ 
obachten war. Pfeiffer 2 ), iiis 3 ) und Magnus-Levy *) haben die Ansicht 
Garrod’s, dass im Anfall die Ur-Ausscheidung vermindert sei, widerlegt, 
bei Pfeiffer finden sich 4 Fälle, in denen schon am ersten Tage des Anfalls 
die Ur-Ausscheidung vermehrt war; auch His ist dieser Anschauung. 

Nach meinem Versuch stimme ich den Befunden der Autoren zu, die 
LJr-Zahl vom 1. Tage des Anfalls von 0,769 ist hoch, erreicht das Maximum im 
ganzen Versuch am 3. Tage und hält sich hoch etwa 7 Tage lang, aber niedriger 
als am 3. Tage. Den niedrigsten Wert für Ür aber fand ich 2 Tage vor dem 
2.Anfall mit 0,479. Wie Magnus-Levy 4 ) betone auch ich, dass dieAende- 
rungen der Ur-Werte zu denen des N-Umsatzes in keiner Beziehung stehen. 


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5 


Gegenüber der Ur-Vermehrung im Urin nach oder bei dem Anfall finde ich 
aber auch eine Retention der Harnsäure wie Vogt 9 ) und zwar im Intervall 
vor dem Anfall. 

Der Ausscheidung der Phosphorsäure ist bislang nicht die Aufmerk¬ 
samkeit geschenkt worden, die sie als Produkt des NukleTnzerfalls verdient 
Loewi 10 ) hat gefunden, dass derGichtiker im Verhältnis zur Phosphorsäure 
zu wenig Ur ausscheidet V ogt 9 ) stellte im Intervall fest, dass die Phosphor¬ 
säureausscheidung wie beim Gesunden abläuft Pfeiffer 9 ) stellte fest, dass 
betreffe der Phosphorsäure kein bestimmtes Gesetz aus den Analysen sich 
ableiten lässt, in einzelnen Fällen war dieselbe während des Anfalls gegen 
die Zeit ausserhalb der Anfälle vermehrt Entgegen Pfeiffer konnte ich in 
meinem Falle feststellen, dass eine auffallende Aenderung der Phosphorsäure 
im Anfall eintritt, dass die Menge der Phosphorsäure vom 1. Tage des An¬ 
falls ab stark vermindert ist dass die Ausscheidung in den nächsten Tagen lang¬ 
sam ansteigt und ihr Maximum später erreicht als die Harnsäure; erst wenn 
die Menge der Harnsäure schon wieder abnimmt, tritt das Maximum der 
Phosphorsäure auf. Am 2. Tage vor dem nächsten Anteil ist noch keine Verän¬ 
derung der Phosphorsäure festzustellen. Warum in den Fällen Pfeiffer’s 
diese doch auffallende Aenderung der Phosphorsäureausscheidung nicht so 
hervortrat vermag ich nicht zu sagen. Die Inanition in den Tagen des An¬ 
fells kann natürlich für die niedrigen Phosphorsäurewerte nicht in Betracht 
kommen. Aus den Zahlen des zweifach sauren Phosphats lassen sich keine 
Schlüsse ziehen, die Acidität des Urins schwankt innerhalb normaler Ver¬ 
hältnisse. 

Der Gichtanfall lässt sich also so charakterisieren: Die 
auch zwischen zwei Anfällen bestehende Stickstoffretention do¬ 
kumentiert sich als eine Verlangsamung in der Ausscheidung 
der Zerfallsprodukte des Nukleins, indem sowohl die Werte der 
ausgeschiedenen Harnsäure wie die der Phosphorsäure klein 
werden, ohne dass eine nachweissbare Niereninsuffizienz vor- 
liegt 

Während aber die Phosphate langsam ansteigend noch 
längere Zeit vom verminderten Nukleinumsatz zeugen, steigt die 
Ausscheidung der Harnsäure vom 1. Tage des Anfalls an akut in 
die Höhe, auch im Blut ist sie vermehrt und trägt zur Erhöhung 
von J bei, ohne das Niereninsuffizienz in Erscheinung tritt Die 
Harnsäure wird also wohl aus den ins Gelenk abgeschiedenen 
Harnsäuremengen stammen, die Lösung derselben durch das al¬ 
kalische Blut geht so schnell vor sich, dass die Nierensekretion 
der Nachlieferung von Harnsäure ins Blut nicht sofort nach- 
kommen kann. 

Auch vor dem Anfall ist das Verhalten der P,0 6 und der 
Ür im Urin ein verschiedenes; am 2. Tage vor dem Anfall ist die 
Harnsäuremenge schon gesunken, die Phosphorsäure aber ist 
noch nicht vermindert Am Tage vor dem Anfall sinkt erst der 


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— 6 — 

Wert für die Phosphorsäure, während die Harnsäure nicht mehr 
vermindert erscheint 

Ich würde mich in Hypothesen verlieren, wollte ich schon jetzt 
für dies Verhalten nach einer Erklärung suchen. Soviel aber scheint fest¬ 
zustehen, dass die Erklärung Oarrod’s für die Anhäufung der Dr im 
Blut durch Störung der Nierenfunktion in Bezug auf die Hamsäureaus- 
scheidung allein nicht zu halten ist Auch der Gesamt-N ist vermindert 
und zwar um mehr, als auf die Alloxurkörper kommt, und die Phos¬ 
phorsäure kann vermindert sein, auch für sie würde die Annahme einer 
spezifisch gestörten Nierenfunktion notwendig. Die Funktionsprüfung der 
Niere mittels der Bestimmung von * giebt keinen Anhaltspunkt für eine 
Störung der Sekretion. Die Annahme einer lokalen Störung des Nuklein¬ 
umsatzes aber steht den gefundenen Thatsachen nicht im Wege. Die 
dabei ausgefallene Harnsäure wird vom alkalischen Blut bei Beginn der Ent¬ 
zündungserscheinungen leicht und schnell gelöst, die Phosphorsäure sehr 
langsam. 

Man hat nun daran gedacht, die im Stoffwechsel des Gichtikers nach 
dem Anfall zu Tage tretenden Eigentümlichkeiten als Erscheinungen der Re- 
konvalescenz zu deuten. Ganz abgesehen davon, dass der Patient dieses 
Falles in den Tagen, wo N, Ur und P,O s die besprochenen Aenderungen 
zeigten, auch klinisch kein Rekonvalescent war — er fieberte lebhaft, hatte 
noch Schmerzen, ass schlecht — ist es doch auch unmöglich, nach dem 
Hambefund von Rekonvalescenz zu reden. Die Wasserausscheidung nahm 
nicht zu, der Oesamt-N blieb niedrig, der Menge des retinierten N ent¬ 
sprach keine Gewichtszunahme, aber die Ür-Menge wuchs, und die Phosphor¬ 
säurewerte waren auffallend niedrig. Nun haben aber Schreiber und ich 11 ) 
viele Rekonvalescenten untersucht z. B. nach Typhus, Blutungen, bei ihnen 
war die Menge der ausgeschiedenen Harnsäure sehr gering, während die 
Werte für P,0 5 nicht wesentlich, jedenfalls nicht in diesem hohen Grade 
hinter der'Norm zurückblieben. 

So bietet doch der Gichtanfall typische Aenderungen in der Aus¬ 
scheidung und wohl auch in der Umsetzung der Nukleinzerfallsprodukte; es 
ist zu hoffen, dass wir auf diesem Wege der Erkenntnis seiner Entstehung 
näher kommen werden. 

Herrn Geh. Rat Ebstein danke ich für die Anregung zu der Arbeit 
und für das Interesse, das er den Ergebnissen bezeigte. 

Litteratur. 

1) Vogel, Zeitschr. für klin. Med., 1894, Bd. 24. 

2) Pfeiffer, Berliner klin. Wochenschr., 1896, S. 319. 

3) His, Deutsches Archiv für klin. Med., 1900, Bd. 65. 

4) Magnus-Levy, Zeitschr. für klin. Med., 1899, Bd. 36. 

5) Petren, Archiv für exp. Path. u. Pharm., Bd. 41. 

6) Levison, Zeitschr. für klin. Med., 1894, Bd. 26. 

7) Waldvogel, Archiv für exp. Path. u. Pharm., 1901, Bd. 46. 

8) Schmoll, Zeitschr. für klin. Med., 1896, Bd. 29. 

9) Vogt, Deutsches Archiv für klin. Med., 1901, Bd. 71. 

10) Loewi, Archiv für exp. Path. u. Pharm., 1900, Bd. 44. 

11) Schreiber und Waldvogel, Deutsche med. Wochenschr., 1897, Nr. 41. 


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7 


Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1901 zu ergänzen.) 

Munter, S«: Die Hydrotherapie der Gicht (Veröffentlichungen der Hufeland’schen 

Gesellschaft, Berlin.) 

Die Therapie der Oicht beruht immer noch auf blosser Empirie. Trotz¬ 
dem ist die therapeutische Beeinflussung der Oicht kein undankbares Beginnen, 
und die Hydrotherapie nimmt hierbei einen wichtigen Platz ein. 

Als Aufgabe der Hydrotherapie bezeichnet Munter: 

1. Die Bildung der Harnsäure und der sonstigen intermediären Stickstoff¬ 
substanzen zu verhindern; 

2. ihren Zerfall zu erleichtern, d. h. die innere Oxydation zu erhöhen und 
damit verbunden: 

3. ihre Löslichkeit im Blut und in den Oewebssäften zu bewirken, und 

4. ihre Eliminierung zu veranlassen. 

Durch welche sehr mannigfaltigen Methoden er das erreichen möchte, 
lasst sich in einem kurzen Referat nicht wiedergeben. Hesse (Kissingen). 

Vcrgdy, Paul (Bordeaux): Diabtte traumatique r£v616 par des symptömes angineux 
arec quelques rtflexions sur les diabttes traumatiques. (Revue de m£d., Nr. 1.) 

V. teilt einen Fall von Diabetes mellitus mit, der »höchst wahrscheinlich« 
einem Trauma seine Entstehung verdankt. 

Eine 68jährige Frau, bisher stets gesund, kam auf der Strasse zu Falle, 
wobei sie mit Brust und Leib auf die Erde schlug. Zunächst keine besonderen 
Erscheinungen, nicht einmal Schmerzhaftigkeit, so dass die Patientin ihren Spazier¬ 
gang weiter fortsetzte. 10 Stunden nach dem Unfall plötzlich auftretende Zeichen 
von Angina pectoris (Oppressionsgefühl, Schmerzen auf der Brust etc.), die in 
der Folgezeit nur bei absoluter Ruhe schwanden. 5 Monate darauf (!) ergab die 
gelegentlich einer akuten fieberhaften Erkrankung der Patientin vorgenommene 
Harnuntersuchung eine Glukosurie von 6,65%. Eine entsprechende Regelung 
der Diät hatte zur Folge, dass der Zucker bald verschwand und mit ihm die Er¬ 
scheinungen der Angina pectoris. Diese stellten sich selbst dann nicht wieder ein, 
als nach einer kurzen zuckerfreien Periode der Ham wieder mässig viel Zucker 
— doch beträchtlich weniger als vorher — enthielt. 

Das gleichzeitige Verschwinden der Angina pectoris und der Glukosurie 
sowie das Fehlen irgend welcher auf einen Diabetes hinweisenden Symptome 
vor dem Trauma Hessen den Verf. an einen traumatischen Diabetes denken, ln 
dem Trauma sieht auch Verf. nur eine Gelegenheitsursache des Diabetes, die bei 
dazu disponierten Individuen zum Ausbruch des Leidens führt. 

Schade (Göttingen). 

Waraman, Findlay John: Change« in the peripheral nerve« in a case of diabetes 
mellitus. (Glasgow Medical Journal, Okt.) 

Periphere Neuritis als Begleiterscheinung des Diabetes ist wohlbekannt 
und vielfach klinisch erforscht worden, in wehigen Fällen jedoch nur ist eine ein¬ 
gehende pathologisch-anatomische Untersuchung der peripheren Nerven vorge¬ 
nommen worden. 

Im Vagus, im Sympathicus und im vorderen Cruralnerv sind zahlreiche 
Fasern degeneriert, d. h. das Myelin der Fasern ist segmentiert und giebt nur 
mangelhafte Färbung mit Osmiumsaure, Hesse (Kissingen), 


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8 


Monro, T. K.: Case of diabetes in which threatcult coma was averted ander treatment 
by intravenoos saline ipjections. (Glasgow Medical Journal, Sept.). 

Beschreibung eines Falles von diabetischem Koma, in dem subkutane und 
intravenöse Injektionen einer Lösung von Kochsalz und doppeltkohlensaurem 
Natron lebensrettend wirkten. Hesse (Kissingen). 


Oeder, 0.: Wie lange kann dn Mensch leben, der zum Diabetes dne Lungentuberkulose 
bekommen hat? Aus dem Dr. Kadner’schen Sanatorium in Niederlössnitz bei 
Dresden. (Deutsche med. Wochenschr., Nr. 40.) 

Die Angabe v. Noorden’s, dass ein Diabetiker, der an Lungentuberkulose 
erkrankt, schnell daran zu Grunde geht, hat O. veranlasst, einen Krankheitsfall mit¬ 
zuteilen, der zeigt, dass dieser Satz seine Ausnahmen hat. Ein an Diabetes mitt¬ 
leren Orades leidender Mann erkrankte vor 5 Jahren im Anschluss an eine In¬ 
fluenza an Lungentuberkulose. Zur Zeit befindet sich der Kranke noch wohl und 
geht seinen Berufsgeschäften nach. Der tuberkulöse Prozess ist dabei keineswegs 
ausgeheilt, und der Zuckergehalt hat eher zu- als abgenommen. 

Hagenberg (Göttingen). 


Adamson, 0.: Observations on perforated gastric ulcer. (Glasgow Medical Journal, 

Nov.) 

Symptome und Behandlung der Perforation eines Magengeschwürs werden 
kurz beschrieben. Bei ersteren unterscheidet Verf. die sich gleich an den Durch¬ 
bruch anschliessenden und die der späteren Peritonitis. 

Die Diagnose der Ulcus-Perforation indiziert sofortige Operation. 

Die Aussicht auf Erfolg ist klein. Hesse (Kissingen). 

Wegele, Carl: Eine einfache Magenelektrode. (Veröffentlichungen der Hufeland’- 

sehen Gesellschaft, Berlin.) 

Die von Wegele angegebene Elektrode ermöglicht es, Magenspülung 
und intragastrische Elektrisation vorzunehmen, ohne dass es nötig ist, dem Pa¬ 
tienten zweimal den Schlauch einzuführen. 

Die Elektrode wird von Reiniger, Gebbert und Schall hergestellt. 

Hesse (Kissingen). 


Clemm, Walther Nie. (Darmstadt): Ein Führnngsdraht für den Magenschlaudi mit 
Vorrichtung znr Freihaltung and Reinigung der Sondenfenster von verstopfenden 
Nahrungsmitteln. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 50.) 

Der dem oben angegebenen Zwecke dienende Kupferdraht wird durch 
einen seitlichen Arm des die Verbindung zwischen Magenschlauch und Trichter¬ 
schlauch herstellenden Glasrohrs eingeführt und zwar entweder schon vor der 
Einführung der Sonde in den Magen oder während sich diese bereits im Magen 
befindet und wegen Verstopfung der Sondenfenster sich Mageninhalt nicht ent¬ 
leert Die Entfernung der verstopfenden Massen geschieht nun mittels eines am 
unteren Ende des Kupferdrahts befindlichen metallenen Körbchens, durch dessen 
nach oben vorspringende Messerzacken beim Hin- und Herbewegen des Drahtes 
etwaige die Sondenfenster verschliessende Speisebrocken zerkleinert werden. Dem 
Verf. hat sich diese Einrichtung vortrefflich bewährt. Das kleine Instrument wird 
von der Firma Fr. Dröll in Mannheim hergestellt Schade (Göttingen). 


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- 0 


Remlinger, Paul: Contribation k l’&ude des rätiexes tcndifieux dam la flirre ty- 
phoTde. (Revue de m&L, Nr. 1.) 

R. fand in 100 Fällen von Typhus 32 mal eine Steigerung der Sehnen¬ 
reflexe; in 22 Fallen waren sie normal, in 17 Fällen abgeschwächt und in den 
übrigen 29 ganz erloschen. Das Verhalten der Reflexe gestattet im allgemeinen 
keinen Rückschluss auf den Verlauf der Erkrankung, doch glaubt R., bei den 
schweren Formen des Typhus, den ataxischen und ataxo-dynamischen, relativ 
häufig eine Erhöhung der Sehnenreflexe beobachtet zu haben. Die Hautreflexe 
zeigten keine Besonderheiten. 

Von einer ausführlichen Besprechung der inhaltsreichen, besonders für den 
Neurologen manches Interessante bietenden Arbeit muss hier abgesehen werden, 
da sich bezüglich des Verhaltens der Sehnenreflexe beim Typhus keinerlei Schlüsse 
von allgemeiner Oültigkeit daraus ergeben. Schade (Göttingen). 


Schfider: Zur Ausscheidung der Typhusbadllen durch den Harn. (Deutsche med. 

Wochenschr., Nr. 44.) 

In 22,7% der untersuchten Fälle konnten Typhusbadllen im Urin nach¬ 
gewiesen werden, und zwar findet diese Ausscheidung während der Erkrankung 
und noch mehr während der Rekonvalescenz statt. Die dabei gefundenen Zahlen 
erreichten schätzungsweise viele Millionen im Cubikcentimeter Urin. Die Aus¬ 
scheidung der Typhusbadllen scheint in schweren Fällen mit gleichzeitiger Stö¬ 
rung der Nierenfunktion häufiger aufzutreten als bei leichteren Typhusfällen. Am 
Schluss stellt Sch. die schon mehrfach gestellte Forderung auf, dass eine gründ¬ 
liche Desinfektion des Harnes von Typhuskranken bis wochenlang in die Rekon¬ 
valescenz hinein ein dringendes Erfordernis ist. Nicht minder ist auf die Des¬ 
infektion von Badewasser, welches die Kranken benutzt haben, zu achten. 

Hagenberg (Göttingen). 


Znpnik: Erfahrungen über die Gruber-Widal’sche Reaktion und Autoagglutination bei 

Typbus abdominalis. (Zeitschr. f. Heilkunde, Bd. 22, N. F., Bd. 2., Hft 11.) 

Die Ansichten über den Wert der Gruber-Widal’schen Reaktion bei dem 
Abdominaltyphus gehn noch zur Zeit aus einander. Von der Technik des Ver¬ 
fahrens hängt nicht unwesentlich das Resultat ab, ferner ist das Agglutinations¬ 
vermögen der verwendeten Typhusbacillen von Einfluss, indem verschiedene 
Stämme sich in dieser Beziehung verschieden verhalten und monatelang im Laba- 
ratorium fortgezüchtete Bacillen gewöhnlich durch dasselbe Typhusserum bedeu¬ 
tend rascher agglutiniert werden; einzelne Stämme werden überhaupt nicht 
agglutiniert. 8 Stunden sind für die Beobachtungszeit erforderlich, die makrosko¬ 
pische Reaktion muss sich mit der mikroskopischen decken. 

Zupnik fasst das Resultat der an 203 Patienten in den letzten beiden 
Jahren an der deutschen Universitätsklinik zu Prag vorgenommenen Unter¬ 
suchungen in folgende Sätze zusammen: 

1. Eine positive Reaktion weist mit voller Sicherheit, wenn ein früher über¬ 
standener Typhus abdominalis bestimmt ausgeschlossen werden kann und 
kein Ikterus vorhanden ist, darauf hin, dass im untersuchten Falle that- 
sächlich Abdominaltyphus vorliegt. 

2. Eine zu Anfang der Erkrankung negative Reaktion spricht nicht gegen 
Typhus abdominalis, wogegen sie in denjenigen Fällen, welche durch 
längere Zeit unter hohem Fieber damiederliegen, diese Affektion mit Be¬ 
stimmtheit auszuschliessen erlaubt. 

3. Fälle von abortivem Typhus scheinen in der Regel keine positive Reaktion 

Nr. 1. 


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zu geben, was als Beweis dafür anzusehen wäre, dass der Zeitpunkt, in 
welchem sich eine positive Reaktion einstellt, doch mit der Schwere der 
Erkrankung zusammenhängt. 

4. Von anderweitigen Erkrankungen geben nur diejenigen, die mit Ikterus 
einhergehen, eine positive Reaktion. 

Als Autoagglutination bezeichnet man die Oruber-Widal’sche Re¬ 
aktion, wenn Serum und Typhusbacillen dem Körper desselben Patienten ent¬ 
stammen. Die Versuche, welche mit solchem Serum angestellt wurden, gingen 
von der Voraussetzung aus, dass ein den eignen Bacillen gegenüber vielleicht im 
höheren Masse zukommendes Agglutinationsvermögen von praktischer Bedeutung 
sei. Das Resultat der nach dieser Richtung angestellten Versuche in 8 Fällen 
ergab, dass das Blutserum dem eigenen Bacillus gegenüber keinen höheren Agglu¬ 
tinationswert besitzt Auch ein Fall von Typhus, dessen Serum Colibacillus ent¬ 
hält, agglutinierte viel intensiver. Schilling (Leipzig). 


Kurth: Ueber typhusähnliche, durch einen bisher nicht beschriebenen Bacillus (Bacillus 
bremensis febris gastricae) bedingte Erkrankungen. Aus dem bakteriol. Inst, in Bremen. 

(Deutsche med. Wochenschr., Nr. 31.) 

Während des Jahres 1900 kamen in* Bremen neben zahlreichen Typhus¬ 
fällen eine Anzahl Fälle zur Beobachtung, bei denen der klinische Verlauf den 
Verdacht auf Typhus anregte, bei denen aber die Gruber-Widal’sche Serum¬ 
reaktion negativ ausfiel. In 3 Fällen wurde aus dem Stuhl ein dem Bacillus ente- 
ritidis Gärtner ähnlicher Bacillus gezüchtet, welcher bei starker Verdünnung — 
einmal 1:8000 — eine ausserordentlich starke Serumreaktion ergab. Dieser neue 
Bacillus wächst in scharfrandigen, kreisrunden Kulturen, verflüssigt Gelatine nicht. 
Er stellt ein lebhaft bewegliches, mit sehr langen Geissein versehenes Stäbchen 
dar. ln glukosehaltigen Nährboden ruft er reichliche Gasbildung hervor und er¬ 
zeugt deutlich Säure; er wächst auf Agar und auf Löffler’s Serum ähnlich wie 
auf Gelatine. Nach der Gram’sehen Methode ist der Bacillus nicht färbbar. 

Der Beschreibung dieses neuen Bacillus folgt die Mitteilung von 5 
Krankengeschichten, aus denen zu entnehmen ist, dass es sich um einen durchweg 
gutartigen Verlauf handelt. Von Nebenerkrankungen wurde in dem einen Falle 
eine vorübergehende Psychose beobachtet; Nierenerkrankungen traten nicht auf. 
Der Fieberverlauf charakterisiert sich durch den kritischen Abfall und widerspricht 
sowohl in seinem ganzen Bilde wie besonders durch das letztere Moment der 
Typhuskurve. Die Serumreaktion tritt verhältnismässig kräftiger als beim Typhus 
auf, zumeist in einer Verdünnung von 1:250 bis 1:500. 

Hagenberg (Göttingen). 


Shiga, K.: Studien über die epidemische Dysenterie in Japan, unter besonderer Be¬ 
rücksichtigung des Bacillus dysenteriae. Aus dem Inst. f. Infektionskrankheiten in 
Tokio (Dir.: Prof. Dr. Kitasato). (Deutsche med. Wochenschr., Nr. 43. 44. 45.) 

Sh. gieht eine eingehende Schilderung der in Japan herrschenden Dysen¬ 
terie, als deren Erreger er den von ihm gefundenen Bacillus dysenteriae anspricht. 
Dieser Bacillus stimmt in allen Eigenschaften mit den von Flexner und von 
Kruse gefundenen Bacillen überein; der Kruse’sche zeigt nur eine grössere Be¬ 
weglichkeit als die beiden anderen. Uebereinstimmend zeigen sie folgende Eigen¬ 
schaften: Trübung in Bouillon; Bildung oberflächlicher, ausgebreiteter und tiefer 
kleiner, rundlicher Kolonieen auf Gelatine; auf Zuckeragar keine Gasbildung; mit 
Peptonwasser geben sie keine Indolreaktion; Milch wird nicht koaguliert; deut¬ 
liche Agglutination sowohl mit Immunserum als mit Serum von Kranken. 


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11 


In den schleimigen, blutigen Ausleerungen der Kranken wird der Bacillus 
in der letzten Hälfte der ersten Krankheitswoche gefunden; seine Zahl nimmt ab, 
wenn die Dejektionen eitrig werden. In den tieferen Schichten des Darmes wird 
er fast rein gefunden, in alten geschwfirigen Heerden und auf der Oberfläche des 
Darmes trifft man ihn nur vereinzelt an und meist von Koliarten überwuchert. 
Urin, Blut und Milch haben sich immer als steril erwiesen. 

Die Agglutination tritt bei den Dysenteriekranken erst in der 2. und 3. 
Woche auf, erreicht in der Rekonvalescenz den höchsten Punkt und fällt dann 
wieder allmählich ab. Die Agglutinationskraft geht dabei parallel zu dem Krank¬ 
heitsprozesse; sie steigt schnell an und fällt langsam. Die subkutane Injektion 
abgestorbener Dysenteriebacillen eszeugt an Ort und Stelle beim Oesunden eine 
stark entzündliche Infiltration, die bei Ruhrkranken viel geringer auftritt und auch 
rascher zur Resorption gelangt. 

Die Infektion im Darm erfolgt per os. Da Verstopfung die Ansiedlung 
begünstigt, so sind das S romanum, das Rectum u. s. w. der erste Angriffspunkt. 
Während wie beim Typhus eine starke Schwellung der Mesenteriallymphdrüsen ein- 
tritt, bleibt die Milz unverändert. Die Bacillen dringen wahrscheinlich nicht in die 
Blutbahn ein, daher fehlen Roseolen, Pneunomie, Osteomyelitis u. s. w. 

Nach der Lokalisation hat man in Colo- und Enterodysenterie zu unter¬ 
scheiden; nach dem Krankheitsprocesse in eine ascendierende und eine descen- 
dierende Form. 

Die Amöbendysenterie ist ätiologisch, klinisch und anatomisch von der 
Bacillendysenterie zu trennen: sie verläuft chronischer; es kommen bei ihr nicht 
Vergiftungserscheinungen vor, dagegen sehr häufig Leberabscess. Der Prozess 
spielt sich nur im Rektum und Colon descendens ab, nie im Dünndarm. 

Hagenberg (Göttingen). 


Plehn, A.: Zar Dysenteriebehandlung. Von der Kolonialabt. des aus wärt. Amts zur 
Verfügung gestellt. (Deutsche med. Wochenschr., Nr. 35.) 

P. wendet sich gegen einen von Rüge gemachten Einwand, dass er die 
von ihm empfohlene Dysenteriebehandlung mit kleinen Calomeldosen in seinen 
Pallen als wirkungslos erkannt habe, und teilt sein Verfahren eingehend unter 
Beifügung von 22 Krankengeschichten mit. 

Er giebt zunächst nach Feststellung der Diagnose 30 g Ricinusöl, um den 
Darm leer zu machen, und verordnet dann an den 3 folgenden Tagen stündlich 
ein Tablette Calomel von 0,03. Calomel wird wegen der leichteren Möglichkeit, 
eine Stomatitis mercurialis, zu vermeiden in Tablettenform gegeben. Der Pflege des 
Mundes ist aber trotzdem ganz peinliche Fürsorge zuzuwenden. Auf diese 
Calomeldosen hat die Darreichung von Bismutum subnitricum 12 mal 0,5 pro die 
so lange zu erfolgen, bis der Stuhlgang geformt ist und jede pathologische Bei¬ 
mengung fehlt Die Nahrung muss auch während dieser Periode noch eine rein 
flüssige sein, an deren Stelle erst allmählich nach 10 weiteren Tagen eine feste 
leichte Nahrung zu setzen ist. 

Die direkte Wirkung des Calomels ist als eine rein desinfizierende auf¬ 
zufassen. Die Erreger der Dysenterie (vielleicht der Kruse’sehe Bacillus) ent¬ 
wickeln sich nicht an den Stellen der Oewebsläsionen allein, sondern im ganzen 
Dickdarm. Erst bei längerer Einwirkung dieser Schädlichkeiten kommt es zu 
tiefergehenden geschwürigen Prozessen, die vielleicht wieder erst durch eine 
sekundäre Infektion bedingt werden (Amöbe?) Hagenberg (Göttingen). 

Lereboullet: Note sur an cas de Syphilis de l’intestin. (Bull, de l’acad. de m£d., 

1900, tome 44, p. 68.) 

L teilt einen Fall von Darmsyphilis bei einem 34 jährigen Manne mit, der 

Nr. 1*. 


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sich 15 Jahre vorher syphilitisch infiziert hatte. Nachdem er damals eine anti¬ 
syphilitische Kur durchgemacht, blieb er gesund, bis er vor 18 Monaten an hef¬ 
tigen, häufig mit Darmblutungen einhergehenden Durchfällen erkrankte, die jeder 
TTierapie trotzten. Daneben litt er an Koliken, in letzter Zeit auch an Tenesmus. 
Die syphilitische Natur des Leidens wurde erst durch den prompten Erfolg einer 
antisyphilitischen Behandlung klar, der sich der Patient auf L.’s Veranlassung 
unterziehen musste. Es erfolgte vollständige Wiederherstellung. 

Im Anschluss an die Mitteilung L’s teilt Fournier seine Erfahrungen 
über syphilitische Darmaffektionen mit, die immerhin zu den Seltenheiten zu 
zählen sind, wenn man bedenkt, dass F. während seiner ärztlichen Thätigkeit 
kaum mehr als ein Dutzend Fälle gesehen hat Da sich seine Ausführungen 
fast wörtlich mit denen decken, die er auch zum Gegenstand einer Publikation 
in deutscher Sprache gemacht hat, so braucht hier nur auf das Referat dieser 
Arbeit verwiesen zu werden (dies. Centralbl., 1900, S. 264). 

Schade (Oöttingen). 


Thomson, Alexis: Stenosis of the small intestine after strangnlated hernia. (Edin¬ 
burgh Medical Journal, May.) 

Bespricht die Darmstenosen, die bei incarcerierten Hernien vor oder nach 
ev. Operation, auch noch lange Zeit nachher, eintreten können. 

Hesse (Kissingen). 

Cnrschmann, H.: Znr diagnostischen Beurteilung der vom Blinddarm und Wurmfort¬ 
satz ausgehenden entzündlichen Prozesse. Aus der med. Klinik in Leipzig. (Münch, 
med. Wochenschr., Nr. 48. 49.) 

Durch eine grössere Reihe von Beobachtungen hat sich Verf. von der 
hervorragenden Wichtigkeit der Blutuntersuchung bei Appendicitis überzeugt 
Seine Erfahrungen, an 60 Krankheitsfällen gewonnen, führen zu dem Ergebnis, 
dass wir in dem Blutbefunde bei Appendicitis ein besseres Kriterium für eine 
Abscessbildung besitzen als in dem Verhalten der Körpertemperatur. Nimmt man 
die Normalzahl der Leukocyten im Kubikmillimeter zu 8000—10000 an, so findet 
sich weitaus in der Mehrzahl von Appendicitiserkrankungen eine Steigerung dieser 
Ziffer im Beginne der Affektion. Während nun bei den Fällen ohne Abscess¬ 
bildung diese anfängliche Steigerung bald wieder zur Norm zurückkehrt, erreicht 
sie bei den mit Abscessbildung verlaufenden Entzündungen entweder gleich im 
Anfang der Exudatbildung aussergewöhnlich hohe Werte, oder es kommt im 
weiteren Verlaufe des Prozesses zu einer dauernd hohen Steigerung der Leuko- 
cytenzahl. Die höchsten Leukocytenzahlen, die im Beginn der nicht abscedie- 
renden Fälle beobachtet werden, sind 20—22000. Wird nur ein- oder zweimal 
eine Ziffer von 25000—30000 gefunden, so ist eine Abscessbildung so gut 
wie sicher — vorausgesetzt, dass keine komplizierende, Leukocytose bedingende 
Erkrankung, wie Pneumonie etc., vorliegt. Nach der operativen resp. spontanen 
Entleerung des Abscesses stellt sich die normale Leukocytenzahl bald wieder her. 

Schade (Oöttingen). 

Spenger, Walter 0.: Indications for surgical interference in appendicitis. (Edinburgh 

Medical Journal, August.) 

Die Indikationen, die Sp. für den operativen Eingriff bei Appendicitis auf¬ 
stellt, entsprechen den bei uns üblichen. Sehr grosse Bedeutung misst er der 
Pulsfrequenz bei und hält 110 Pulse für die Grenze, jenseits welcher eine Opera¬ 
tion stets indiziert ist. Hesse (Kissingen). 


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Ebstein, W.: Die Untersuchung des Mastdarms von aussen und deren therapeutische 
Verwendung. Aus der med. Univ.-Klinik in Oöttingen. (Deutche med. Wochen¬ 
schr., Nr. 30.) 

Bei stark durch Kot ausgedehntem Mastdarni kann man das Rektum durch 
die dasselbe bedeckenden Weichteile palpieren, und zwar fühlt man linkerseits 
in der Oesässspalte dasselbe als einen reichlich daumendicken, bisweilen noch 
dickeren Wulst, welcher lateral von der Steissbeinspitze sich bis zum Anus er¬ 
streckt Diesen Befund hat E. in zweifacher Weise therapeutisch mit Erfolg ver¬ 
wertet, nämlich erstens diesen Darmabschnitt von seinem Inhalt dadurch zu 
befreien, dass man den fühlbaren Wulst in der Richtung von vom nach hinten 
streicht, zweitens durch Massage dieses unteren Teiles des Mastdarmes, der sich 
eben in der Oesässspalte palpieren lässt, die austreibende Kraft des betreffenden 
Darmteiles zu kräftigen und seine Leistungsfähigkeit zu heben. Dies Verhalten 
des unteren Mastdarmabschnittes erklärt sich aus seinem anatomischen Verhalten, 
indem nämlich die Ausbuchtungen des Rektums so angeordnet sind, dass bei 
starker Füllung des Rektums der unterste Abschnitt desselben von aussen, von 
der Oegend der linken Fossa ischiorectalis aus gefühlt wird. 

Hagenberg (Oöttingen). 

Gumprecht: Ein äusserer Handgriff zur Erleichterung der Defäkation (»Hinterdamm¬ 
schutz«). (Deutsche med. Wochenschr., Nr. 43.) 

Dieser, ein dem von Ebstein angegebenen ähnlicher Handgriff bezweckt 
weniger, den Mastdarm überhaupt zu entleeren, als die Entleerung schmerzlos zu 
machen. O. giebt folgende Vorschrift: »In dem Moment vor der Defäkation legt 
der Patient die flache Hand auf das Kreuzbein, so dass die Fingerspitzen'-über 
das untere Ende des Kreuz- und Steissbeines noch um etwas überragen. Wenn 
nun der Kot durch das Rektum andrängt, so fühlt man unter den Fingerspitzen, 
wie die Weichteile hinter dem After sich vorwölben, und sucht durch einen all¬ 
mählich zunehmenden Druck diese Vorwölbung auszugleichen. Dann krümmen 
sich die Fingerspitzen hakenförmig um das Steissbeinende herum, schneiden da¬ 
durch den vorderen Teil der Kotsäule von dem hinteren ab und drängen ihn zum 
Anus hinaus. Dann gehen die Finger in die Anfangsstellung zurück und üben 
nun während der ganzen Defäkation einen genügenden Oegendruck, um jede 
Weichteilspannung zu verhindern; sie bleiben bei der ganzen Prozedur unbe¬ 
schmutzt«. 

O. vergleicht diesen Handgriff mit dem Dammschutz bei der Oeburt, wie 
überhaupt die Verhältnisse bei der Defäkation dem Oeburtsmechanismus ähnlich 
sind, und weist ferner durch Analysierung der einzelnen bei der Defäkation in 
Betracht kommenden Kräfte nach, dass durch diese in Verbindung mit den ana¬ 
tomischen Verhältnissen des Rektums die der Konvexität der Krümmung ent¬ 
sprechende hintere Beckenwand einem starken Druck ausgesetzt ist. Bei Hämor¬ 
rhoiden oder anderen Mastdarmaffektionen werden dieser Druck und namentlich die 
Spannung der Weichteile des Hinterdammes oft als sehr erheblicher Schmerz em¬ 
pfunden. Dieser Spannung wird durch den Hinterdammschutz entgegengearbeitet, 
und damit auch den Schmerzen. Hagenberg (Oöttingen). 

Strati», H.: Zur Fnnktionsprflfung der Leber. Aus der 111. med. Klinik in Berlin 
(Dir.: Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Senator). (Deutsche med. Wochenschr., Nr.44.45.) 

Nach dem Vorgehen früherer Forscher sind von St. die Beziehungen der 

Leber 

1. zu Entgiftungsvorgängen, 

2. zum Eiweissstoffwechsel, 

3. zum Kohlenhydratstoffwechsel 

geprüft. 


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1. Aus früheren von St. und Philippsohn angestellten Versuchen ergiebt sich, 
dass bei Leberkranken eine Erhöhung der Fettsäureausscheidung im Urin 
eintritt. In 6 unter 8 Fällen von Lebererkrankungen zeigte sich bei kon¬ 
stanter Diät nach Zufuhr von täglich 20 g buttersaurem Natron eine Ver¬ 
mehrung der Fettsäureausscheidung. Mehr als »beachtenswert« ist dieser 
Befund, wie Verf. sich ausdrückt, allerdings nicht, da er auch bei anderen 
Krankheitszuständen erhoben werden konnte. 

2. Bei der Untersuchung der Beziehung der Leberfunktion zum Eiweissstoff¬ 
stoffwechsel leitete ihn die Angabe von Kolisch, dass bei Leberkranken 
im Gegensatz zu Lebergesunden bei einer plötzlichen Ueberschwemmung 
der Leber mit N-haltigem Material unter Umständen ein Teil des zuge¬ 
führten N ohne eine Beziehung zu einer eventuellen Oewebssäuerung der 
Umwandlung in Harnstoff entgehen und als Ammoniak im Urin erscheinen 
kann. Bei 5 Fällen von Lebererkrankung wurde diese Angabe kontrolliert, 
indem den Patienten neben einer konstanten Diät 50 g Plasmon verabreicht 
wurden; aus den Resultaten betreffs der Ammoniakausscheidung lässt sich 
über die Bedeutung der Leber für die Hamstoffbildung kein Urteil fällen. 

3. Nach Sachs besteht bei Leberkranken eine herabgesetzte Toleranz für 
Lävulose. Vergleichende Untersuchungen über alimentäre Lävulosurie bei 
Lebergesunden und Leberkranken zeigten nun, dass von 29 Leberkranken 
90 %, von 58 Nichtleberkranken 10 % eine alimentäre Lävuloseausscheidung 
zeigten. Hieraus ist zu folgern, »dass wir in der Lävulose ein Mittel be¬ 
besitzen, um eine bestimmte Funktion der Leber in einer besseren Weise 
zu prüfen, als es bisher möglich war«. Für diese Auffassung spricht auch 
die Beobachtung, dass in 2 Fällen von Diabetes mit gleichzeitiger Erkrankung 
der Leber in dem leichteren Falle auf die Zufuhr von 100 g Lävulose 
nur 1 g einer fast nur aus Lävulose bestehenden reduzierenden Substanz 
ausgeschieden wurde, während in dem schwereren Falle V« der ausge¬ 
schiedenen Zuckermenge in Form von Lävulose auftrat. Der lebergesunde 
Diabetiker dagegen antwortet auf Lävulosezufuhr nur mit Dextrose. 

Was die Behauptung besonders französischer Autoren über das Auftreten 
alimentärer Olukosurie bei Leberkranken anbetrifft, so steht diese mit den Er¬ 
fahrungen St.’s und anderer deutscher Forscher im Widerspruch, welcher sich 
wohl durch die Versuchsanordnung erklärt, da von jener Seite Rohrzucker ge¬ 
geben wurde, welcher im Darm in Dextrose und Lävulose gespalten wird. Dass 
der Organismus bei Erkrankung der Leber die Dextrose ausnutzen kann, die Lä¬ 
vulose dagegen nicht, bedingt, dass ausser in der Leber noch an anderen Stellen 
im Organismus aus der Dextrose Olukogen gebildet werden kann, aus der Lävulose 
dagegen nur in dieser. 

Die »hepatische« Form des Diabetes und den »Alkoholdiabetes« als die 
Folge einer Hepatitis kann Verf. als solche nach seinen und von anderer Seite in 
dieser Richtung angestellten Untersuchungen nicht anerkennen. 

Hagenberg (Göttingen). 

Hawthorne, C. 0.: On enlargement of the spieen in cancer of the liver. (Edinburgh 

Medical Journal, Juny.) 

Im allgemeinen gilt die Annahme, dass eine Vergrösserung der Milz die 
Diagnose Leberkrebs ausschliesse. Nach Frerichs ist das Zusammentreffen 
dieser beiden Dinge jedenfalls selten, unter 103 Fällen 12 mal. 

Verf. mahnt, dass man nicht zu vergessen habe, dass die Milz selbst durch 
carcinomatöse Erkrankung vergrössert sein könne, und dass man sich anderseits 
nicht durch Magentumoren zur Annahme eines Milztumors und damit zum Aus¬ 
schuss eines Leberkrebses verleiten lassen solle, Hesse (Kissingen). 


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Pariser, Curt: Das praktische Problem der internen Behandlung der Gallensteinkrank¬ 
heit. (Veröffentlichungen d. Hufeland'sehen Oeselisch., Berlin.) 

Bespricht eingehend die Gesichtspunkte, nach welchen eine innere Behand¬ 
lung der Cholelithiasis zu leiten ist (nicht des Kolikanfalls) bei denjenigen Fällen, 
bei welchen interne Behandlung in Betracht kommt 

Oegen die Annahme, dass mit der vollendeten Austreibung aller Gallen¬ 
steine die Beschwerden aufhören wie auch die Entzündung der Oallenwege aus¬ 
heile, spricht zweierlei: einmal kommen gar nicht so selten Fälle vor von Chole¬ 
cystitis, die das Bild der Oallensteinkrankheit Vortäuschen, ohne dass Gallensteine 
vorhanden sind ; und zweitens ist zu bedenken, dass die Entzündung der Bildung 
von Steinen vorausgeht, also auch nach Entfernung der letzteren fortbestehen würde. 

Zudem ist in praxi die Austreibung aller Steine fast immer unmöglich 
oder mit zu grossen Oefahren verknüpft. Eine teilweise Austreibung aber ist eine 
Bruchstückarbeit, die weder die Mühe noch die Schmerzen verlohnt, ganz abge¬ 
sehen von den auch hiermit stets verbundenen, gar nicht abzuschätzenden Gefahren. 

Steinwanderung schadet, da doch keine völlige Entleerung erreicht wird, 
bezüglich des Katarrhs mehr, als die durch Cholagoga verursachte Anregung des 
Gallenstroms nützt. Bei Abwägung aller Faktoren ist es nach P. besser, von der 
Anwendung der Cholagoga in irgend stärkerem Orade abzusehen, um so mehr 
als alle sog. gallentreibenden Mittel nicht sicher in ihrer Wirkung sind. 

Das ganze Streben der internen Therapie muss vielmehr dar¬ 
auf gerichtet sein, die Cholelithiasis im Stadium der Latenz zu er¬ 
halten und, wo sie aus dieser Latenz hervorgetreten, wieder in die¬ 
selbe zurückzuführen. 

Als bestes Mittel hierfür empfiehlt Pariser die Ruhe, und zwar lässt er 
seine Patienten eine Kur durchmachen, die in schwereren Fällen mit einer 8—10—14 
Tage dauernden Bettruhe beginnt. Dann tritt bei Nachlassen oder Verschwinden 
der akuten Beschwerden, bei leichteren Fällen von Anfang an, an die Stelle der 
Bettruhe Liegen auf weichen, bequemen Fauteuils in leichter, nicht beengender 
Kleidung. Noch später kommen Verordnungen von Ruhe für je ca. 3 Stunden vor¬ 
mittags und nachmittags, in der Zwischenzeit mit leichten körperlichen Be¬ 
wegungen. Als Unterstützungsmittel dieser Ruhekur kommen warme Kataplasmen, 
Trinkkuren, Diät und einige andere Massnahmen hinzu. Der Brunnen soll keines¬ 
wegs in laxierender Menge gegeben werden; die Diät soll leicht, wenig gewürzt 
sein, Alkohol und starker Kaffee sind zu meiden. Massige Mahlzeiten sind nicht 
zu empfehlen. Oallensteinkranken Frauen ist das Korsett zu untersagen, korpu¬ 
lenten Steinleidenden sind wirklich stützende und hebende Bauchbinden zu ver¬ 
ordnen. Gerade mit letzterer Verordnung war P. stets sehr zufrieden. 

Hesse (Kissingen). 

Hildebrand, Heinrich: Ueber den diagnostischen Wert der Röntgenstrahlen in der 
inneren Medidn. Aus dem allg. Krankenhaus Hambuig-Eppendorf. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 49. 50.) 

Verf. legt seinen Ausführungen die seit 4 Jahren auf der inneren Abteilung 
des Eppendorfer Krankenhauses mit der Anwendung der Röntgenstrahlen ge¬ 
machten Erfahrungen zu Orunde. Ohne den Wert der Röntgenstrahlen für die 
Diagnosestellung zu unterschätzen, warnt er vor dem allzu grossen Enthusiasmus, 
der von dem Röntgen verfahren überall Auskunft erwartet, wo die anderen dia¬ 
gnostischen Hilfsmittel im Stiche lassen. Aus der Reihe der vom Verf. aufge¬ 
zählten Erkrankungen, bei denen das Röntgenverfahren angewandt wurde, seien 
nur diejenigen herausgegriffen, die dem Gebiet dieses Centralbl. angehören. 

Von den Erkrankungen des Oesophagus lassen sich die Divertikel 
und Stenosen auf dem Röntgenbilde dadurch sichtbar machen, dass man Sonden 
einführt oder schattengebende Flüssigkeiten (Wismut) eingiesst. Auch bedarf es 
dazu der von Holzknecht angegebenen schrägen Durchleuchtung (von links 


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hinten nach rechts vorn). Was die Tumoren der Speiseröhre betrifft, so geben 
kleinere überhaupt keinen Schatten; sichtbar werden sie erst, wenn sie eine 
gewisse Orösse erreicht haben und im oberen Abschnitt sitzen. Eine grössere 
Bedeutung gewinnt die Radiographie bei Fremdkörpern im Oesophagus. Der 
Ansicht von Quadflieg und Bätsch, »dass der Nutzen des Röntgenverfahrens 
bei Fremdkörpern im Oesophagus gering, bei künstlichen Oebissen aber mit 
Kautschukplatten gleich Null sei«, kann Verf. nicht zustimmen; auch von Ge¬ 
bissen mit Kautschukplatten erhielt er einen deutlichen Schatten. 

Für die Krankheiten des Abdomens haben die Röntgenstrahlen im 
allgemeinen geringen diagnostischen Wert, da die Bauchorgane sich auf dem 
Röntgenbilde nicht genügend von einander differenzieren. Wie beim Oesophagus, 
so hat man auch beim Magen versucht, durch Einführung von mit Schrot ge¬ 
füllten Sonden oder von Wismutlösung ein deutliches Bild zu gewinnen, und auf 
diese Weise Orösse und Lage des Organs bestimmt. Ob sich ein ähnliches Ver¬ 
fahren mit Vorteil auch für den Darm in Anwendung bringen lässt, um auf diese 
Weise den Sitz von Stenosen zu bestimmen, sollen erst weitere Versuche zeigen. 

Von geradezu unschätzbarem Werte erweisen sich die Röntgenstrahlen 
für die Diagnostik der Nierensteine. Zur Erkennung von Gallensteinen 
dagegen sind sie ganz ungeeignet, da die Gallensteine für die Röntgenstrahlen 
so durchgängig sind, dass sie nur unter ganz bestimmten Bedingungen einen 
erkennbaren Schatten geben, deren wesentlichste ist, dass sie kohlensauren Kalk 
enthalten. Nach H.’s Erfahrungen ist daher der Nachweis von Gallensteinen am 
Lebenden mittels des Röntgenverfahrens in der Mehrzahl der Fälle unmöglich. 

Schade (Oöttingen). 


Reichmann, Ed.: Zur Grössenbestimnwng innerer Organe. Aus dem St. Marien- 
krankenhause in Berlin. (Deutsche med. Wochenschr., Nr. 46.) 

Auf das zu untersuchende Organ wird das Stethoskop aufgesetzt und in 
der Nähe desselben, aber noch im Bereiche der zu untersuchenden Organe ein 
etwa 7 cm langes Stäbchen, welches seitlich durch rund herum laufende Einker¬ 
bungen gerippt ist. Während man auskultiert, wird mit der Fingerkuppe über die 
Einkerbungen hingestrichen. Sobald man nun das Stäbchen aus dem Bereiche 
des betreffenden Organs bringt, wird der Charakter des Oeräusches sofort ver¬ 
ändert Auf diese Weise lassen sich die Orösse und die Ausdehnung eines 
Organs festsstellen. 

Physikalisch erklärt sich dies Verhalten dadurch, dass die in dem Stäbchen 
durch die Streichungen hervorgerufenen Schwingungen sich auf die Körperober¬ 
fläche und auf das unmittelbar darunter liegende Organ fortpflanzen, welch letz¬ 
teres als Resonanzboden verstärkend wirkt. Ein Uebergreifen auf die benach¬ 
barten Organe findet nicht statt. Hagenberg (Göttingen). 


Buch, M.: Die Grenzbestimmung der Organe der Brust- und Bauchhöhle, insbesondere 
auch des Magens und Dickdarms, durch perkussorische Auskultation oder Transsonanz. 

(Deutsche med. Wochenschr., Nr. 38.) 

Die von Benderski erfundene Methode der Grenzbestimmungen des 
Magens und des Dickdarms beruht auf folgendem Prinzip: »Durch schwache Per¬ 
kussion eines Hohlraums z. B. des Magens, wird nur die im Hohlraum befind¬ 
liche Luftsäule in Schwingung versetzt. Der so entstehende Laut kann mit blossem 
Ohre nicht wahrgenommen werden, wohl aber, wenn man ihn mittels eines Stetho¬ 
skops auskultiert. Man wird also, wenn man das Stethoskop auf das zu unter¬ 
suchende Organ stellt und zum Rande desselben hin perkutiert, seine Orenze fest¬ 
stellen können.« 

Diese Methode hat M. nachgeprüft und hat mit derselben in Bezug auf 


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die Lagerung der einzelnen Organe des Bauches und der Brust glänzende Resultate 
erzielt. Nicht allein die Magengrenzen lassen sich hierdurch auf das genaueste 
feststellen, sondern es gelingt auch, das Duodenum eine Strecke weit zu verfolgen. 
Bei vorsichtigem Perkutieren lässt sich auch unter anderem der linke vom rechten 
Leberlappen abgrenzen. M. bediente sich bei seinen Untersuchungen eines mit 
Schlauch und Olive versehenen Stethoskops. Hagenberg (Göttingen). 

Gaertner, Gustav (Wien): (Jeher einen neuen Apparat zur Bestimmung des Hämoglo- 
bingehattes im Blute. Vortrag, gehalten auf der 72. Versammlung deutscher Natur¬ 
forscher und Aerzte zu Hamburg. (Munch, med. Wochenschr., Nr. 50.) 

Das Prinzip des von G. zur Hämoglobinbestimmung konstruierten und als 
Hämophotograph< bezeichneten Apparates beruht auf der Thatsache, dass 
Blut- resp. Hämoglobinlösungen die chemisch wirksamen Lichtstrahlen absorbieren 
und zwar um so vollständiger, je konzentrierter die Lösung ist. Bringt man 
daher die zu untersuchende Blutprobe, nachdem man sie in einem bestimmten Ver¬ 
hältnis mit Wasser verdünnt hat, in eine planparallele Olaskammer und legt diese 
auf eine lichtempfindliche Unterlage — gewöhnliches photographisches Kopier¬ 
papier —, so erhält man nach genügender Expositionszeit einen deutlich erkenn¬ 
baren Abdruck von der Olaskammer. Enthält nun das zu prüfende Blut beispiels¬ 
weise weniger Hämoglobin als normales, so würde der auf dem Papier erzeugte 
Abdruck ceteris paribus (gleiche Expositionszeit, gleiche Helligkeit der einwir- 
den Strahlen etc) dunkler ausfallen als der vom Normalblut gewonnene Abdruck. 
Ein Vergleich der von dem zu untersuchenden Blut erhaltenen Kopie mit einer 
grossen Reihe empirisch festgestellter und einen bestimmten Hämoglobingehalt 
anzeigender Abdrücke, die in ihrer Oesamtheit den sog. »photographischen Keil- 
darstellen, ergiebt den Hämoglobingehalt (mit Hilfe einer beigefügten Tabelle). 
G. rühmt der Methode nach, dass sich mit ihr sonst nicht nachweisbare Unter¬ 
schiede im Hämoglobingehalt des Blutes feststellen lassen. Der Hauptvorzug 
des Hämophotographen vor den übrigen gebräuchlichen Instrumenten zur Hämo- 
globinbestimmung besteht nach G. darin, dass man bei ersterem nur die Unter¬ 
schiede in der Helligkeit resp. Sättigung einer Farbe zu beurteilen hat, nicht, 
wie bei jenen, verschiedenen Nüanzierungen. Da ersteres viel leichter ist, so 
können die mit dem Hämophotographen gewonnenen Bestimmungen Anspruch 
auf grössere Genauigkeit machen. 

Die Anwendungsweise des Apparats ist eine sehr einfache, der Apparat 
selbst sehr kompendiös (nur bestehend aus einem Kopierrahmen, dem photo¬ 
graphischen Keil«, der Glaskammer und den Instrumenten zur Herstellung der 
Blutlösung), daher der geringe Preis von 30 Mark. (Bezugsquellen: Siebert- 
Wien und Hugershoff-Leipzig). Schade (Göttingen). 

Hfirthle: Ueber eine Methode znr Bestimmung der Viskosität des lebenden Blutes und 
ihre Ergebnisse. (Pflüger’s Archiv, Bd. 82, S. 415.) 

Die verschiedene Geschwindigkeit, mit der verschiedene Flüssigkeiten bei 
gleichem Druck und gleicher Temperatur durch gleiche Kapillarröhren fliessen, 
hängt ab von der jeder Flüssigkeit eigentümlichen inneren Reibung oder Viskosität. 
Als Massstab für die Viskosität kann die Ausflusszeit gelten, wenn man diese zu 
den anderen Faktoren: Dimension der Röhre, Druck und Ausflussmenge in Be¬ 
ziehung setzt, wie dies nach dem Poiseuille’schen Oesetz geschieht. Es lässt 
sich also für jede Flüssigkeit ein Viskositätskoeffizient ermitteln. Viskositäts¬ 
prüfungen am Blut hat man bisher nur nach vorheriger Defibrinierung angestellt; 
die Entfernung des Fibrins jedoch, sowie die danach auftretenden Senkungs¬ 
erscheinungen bedingten verschiedene Werte. Verf. arbeitete also eine Methodik 
aus, vermittels welcher eine Bestimmung des lebenden Blutes ermöglicht wurde. 
Zur Registrierung sind 2 Kymographien nötig, das eine zur Blutdruckmessung 


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in der gewöhnlichen Weise, das andere zur graphischen Darstellung der Ausfluss¬ 
zeit durch Jaquet’sches Chronoskop. Auf beiden wird der Moment der Ein- 
und Ausschaltung der Viskositätskapiilare durch pneumatische Uebertragung mar¬ 
kiert. Die zur Messung dienende und mit einem Wassermantel umgebene Kapillare 
wird durch eine Kanüle mit der zweiten Karotis verbunden. 

Das Blut fliesst vom Augenblick des Einschaltens bis zur Ausschaltung in 
ein Wägegläschen. Die Schaltung wird durch einen einfachen Handgriff bewirkt. 
Aus den gewonnenen Kurven wird also mittlerer Druck und Ausflusszeit ersehen, 
und die ausgeflossene Blutmenge durch Wägung bestimmt. Genauere Prüfungen, 
an Tabellen erläutert, ergaben, dass die Methodik wesentliche Fehler nicht bedingt. 
Nach Versuchen mit diesem Apparat verhält sich die Viskosität des Blutes zu der 
des destillierten Wassers von gleicher Temperatur beim Hund wie 4,7:1, bei der 
Katze wie 4,2:1, beim Kaninchen wie 3,3:1. — Der Apparat wird an der Hand 
mehrerer Abbildungen und Tafeln eingehend erläutert. 

Szubinski (Göttingen). 


Rüssel Barton-Opitz: Ueber die Veränderung der Viskosität des Blutes unter dem Ein¬ 
fluss verschiedener Ernährung und experimenteller Eingriffe. (Pflüger’s Archiv, 

Bd. 82, S. 447.) 

Nach der von Hürthle angegebenen Methode wurden der Einfluss der 
Narkose, der Blutentziehung und der verschiedenen Nahrung bezw. des Hungers 
auf die Blutviskosität untersucht. Durch die Narkose (kombinierte Narkose mit 
Morphin- und Chloroform-Aethergemisch) wurde am Kaninchen eine Aenderung 
der Durchflussgeschwindigkeit durch die Kapillare nicht erzielt. Einen deutlichen 
Einfluss hatte die Blutentziehung: Es trat jedesmal eine Abnahme der Viskosität 
ein, ohne dass sich eine Proportionalität zur Grösse der Blutentziehung oder zur 
Aenderung des spez. Gewichts finden liess. Bezüglich des Einflusses der Ernäh¬ 
rung zeigte sich: 1) beim Hunde: Nach 3tägigem Hungern ist der Viskositätsgrad 
ein sehr niedriger; den höchsten Orad erreicht er bei überwiegender Fleisch¬ 
fütterung, einen geringeren bei Fettdarreichung und einen noch niedrigeren bei 
Kohlenhydratdarreichung. Die Untersuchung des Serums ergab folgende auf¬ 
steigende Reihe: Hunger, Kohlenhydrat - Fleisch - Fettfütterung. Bei Fleisch- und 
Fettfütterung stehen also Blut und Serum in umgekehrtem Verhältnis, eine That- 
sache, die auf die Beteiligung der geformten Blutelemente bei der Entstehung der 
inneren Reibung des Blutes hinweist; 2) beim Kaninchen: Während der Viskosi¬ 
tätsgrad beim Hunger und bei Haferfütterung gleich ist, ist er bedeutend erniedrigt 
bei Mohrrübenfütterung. — Auch bei diesen Versuchen liess sich eine Proportio¬ 
nalität mit dem spez. Oe wicht nicht finden. Szubinski (Göttingen). 

Rüssel Burton-Opitz: Vergleich der Viskosität des normalen Blotes mit der des Oxalat¬ 
blutes, des defibrinierten Blutes und des Blutserums bei verschiedener Temperatur. 

(Pflügers Archiv, Bd. 82, S. 464.) 

Die Versuche wurden so angestellt, dass erst die Viskosität des lebenden 
Blutes geprüft, dann das Tier durch Verblutung getötet und das Blut unter den 
angegebenen Gesichtspunkten weiter geprüft wurde. Es ergab sich folgendes: 

1. Blut, mit 2:100 2%iger Lösung von Kaliumoxalatlösung versetzt, zeigt 
geringe Erhöhung der Viskosität und des spez. Oewichts. 

2. Defibrinierung des Blutes hat eine ziemlich beträchtliche Abnahme der 
Viskosität zur Folge. Nach 24 Stunden nähert sich der Koeffizient 
wieder dem des lebenden Blutes. 

3. Mit der Erhöhung der Temperatur sinkt die Viskosität des Blutes, und 
zwar ist die Aenderung derselben für gleiche Temperaturunterschiede 
innerhalb der untersuchten Temperaturen von 15°—40° C. konstant. 


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4. Auch das Serum zeigt eine Abnahme der Viskosität mit Steigerung 
der Temperatur. Diese Abnahme ist jedoch für dasselbe Temperatur¬ 
intervall bei verschiedener Temperatur nicht gleich, sondern grösser bei 
höherer Temperatur. Die unter 3 genannten gleichmässigen Aende- 
rungen beim Gesamtblut sind also durch die geformten Elemente ver¬ 
anlasst. Szubinski (Göttingen). 


Laqneur, A.: Zur Kenntnis urämischer Zustände. Aus der hydrotherapeutischen 
Anstalt der Universität Berlin (Leiter: Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Brieger). (Deutsche 

med. Wochenschr., Nr. 43.) 

Aus den Arbeiten von Ne iss er und Do e ring geht hervor, dass bei der 
hämolytischen Wirkung des menschlichen Serums fremden Blutkörperchen gegen¬ 
über zwei Körper wirksam sind: 1. das durch Erhitzen auf 55° leicht zerstörbare 
thermolabile Komplement, und 2. der gegen diese Temperatur widerstandsfähige 
thermostabile Immun- oder Zwischenkörper. Die Autoren stellten ferner fest, dass 
ein seines aktiven Komplements beraubtes, inaktiviertes Serum durch die Gegen¬ 
wart von nicht verändertem Serum wieder aktiviert wird. Eine Ausnahme macht 
aber das Blut Urämischer. 

Letztere Beobachtung konnte L. bei zwei Nierenkranken im urämischen 
Stadium bestätigen. Es zeigte sich, dass nicht die Agglutination der roten Blut¬ 
körperchen durch das Serum beeinträchtigt war, sondern nur die vom thermo¬ 
labilen Komplement abhängige Hämolyse. In dem einen Falle vollzog sich 
unter den Augen des Beobachters die Umwandlung der normalen hämolytischen 
Eigenschaften des Blutes mit dem Eintritt der urämischen Symptome. 

Untersuchungen mit dem Gärtner 1 sehen Tonometer zeigten bei beiden an 
urämischen Symptomen leidenden Nierenkranken eine Steigerung des Blutdruckes. 
Besonders bei einem der Patienten stieg der Blutdruck mit der Verschlimmerung 
des Zustandes. Durch feuchte Oanzpackungen Hessen sich die Symptome be¬ 
ginnender Urämie in beiden Fällen erfolgreich lange Zeit hindurch bekämpfen. 

Hagenberg (Oöttingen). 


Gautier, Armand: La fonction menstruelle et le rut des animaux; röle de l’arsenic 

dans r&onomie. (Bull, de l’acad. de m6d., 1900, tome 44, p. 190.) 

Neben dem von Bau mann entdeckten Jod soll die Schilddrüse nach den 
Untersuchungen von O. unter normalen Verhältnissen stets eine gewisse Quan¬ 
tität Arsen enthalten. Weiterhin fand O. das Arsen in allen denjenigen Organen, 
in denen Bourcet (vgl. Ref. dies. Centralbl., S. 112) Jod nachgewiesen hatte, 
also vorzugsweise in der Haut und deren Anhangsgebilden, den Haaren und 
Nägeln. Nächst der Schilddrüse weist also die Haut (incl. Haare und Nägel) den 
grössten Jod- und Arsengehalt auf. Das Blut ist nach O. frei von Arsen, wenig¬ 
stens von bestimmbaren Mengen, dagegen zeichnet sich das Menstrualblut durch 
einen relativ hohen Arsengehalt aus (0,28 gr pro Kilo). Das auf die Schilddrüse, 
die Haut und das Menstrualblut beschränkte Vorkommen beider Elemente führt 
nun O. zu der Annahme einer innigen Wechselwirkung zwischen der Schild¬ 
drüsenfunktion, den Funktionen der Haut und denen der Geschlechtsorgane. Die Art 
dieses Zusammenhangs denkt sich G. folgendermassen. Das in der Nahrung 
eingeführte Jod und Arsen wird in der Schilddrüse, an die spezifischen Proteide 
dieses Organs gebunden, aufgespeichert. Wie die Nukleoproteide im allgemeinen 
die Lebensthätigkeit der Zellen anregen, so unterhalten die P-, J- und As-haltigen 
Nukleoproteide der Schilddrüse vorzugsweise das Wachstum der vom Ektoderm 
stammenden Organe, des Gehirns und der Haut mit ihren Anhängen (auch im Oehim 
wies O. Arsen nach, wenn auch nicht konstant). Der beständig vor sich gehende 


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Uebergang der jod- und arsenhaltigen Thyreoidproteide von der Schilddrüse nach 
der Haut erfahrt beim weiblichen Geschlecht allmonatlich eine Unterbrechung 
durch die Menstruation, indem jene Substanzen sich nun den Geschlechtsorganen 
zuwenden, um im Falle einer Befruchtung den neuen Organismus mit aufbauen 
zu helfen, andernfalls mit dem Menstrualblut ausgeschieden zu werden. Der 
Verlust an Arsen durch eine einzige Menstruation beläuft sich nach G. auf fast 
den Gesamtvorrat der Thyreoidea (0,12—0,14 g). Beim männlichen Individuum 
kommt dieser Verlust noch der Haut und ihren Appendices zu gute; an die Stelle 
der Menstruation tritt hier stärkeres Haarwachstum, stärkere Hautabschilferung etc. 

Das eigentümliche Verhalten des Jods und des Arsens im Organismus 
zieht nun G. zur Erklärung einer Reihe von schon lange bekannten, aber bisher 
schwer zu deutenden, physiologischen wie pathologischen Thatsachen heran, 
welche einen zwischen der Schilddrüse, der Haut und den Oenitalorganen be¬ 
stehenden innigen Zusammenhang vermuten lassen. Er erinnert u. a. an die Er¬ 
scheinungen des Myxoedems, bei dem sich infolge einer Degeneration der 
Schilddrüse neben einer allgemeinen Wachstumshemmung schwere Ernährungs¬ 
störungen der Haut und eine Atrophie der Genitalorgane einstellen; er erwähnt 
ferner das Vorkommen der verschiedensten Hautaffektionen bei Schwangeren und 
weist auf den günstigen Einfluss hin, den Arsen- und Jodpräparate auf Haut¬ 
krankheiten und Menstruationsstörungen ausüben. Die Gautier’sche Theorie 
verleiht der Menstruation eine ganz andere Bedeutung, als man ihr bisher zu¬ 
geschrieben hatte. Die volle Ausbildung der Schilddrüse fällt in die Zeit der 
Pubertät, während bis dahin die von ihr gelieferten spezifischen Substanzen bei 
beiden Geschlechtern der Ernährung der Haut und ihrer Anhänge gedient haben, 
nimmt beim weiblichen Oeschlecht die nun einsetzende Menstruation einen 
grossen Teil der jod- und arsenhaltigen SchilddrüsenproteTde für sich in Anspruch, 
der beim männlichen Individuum auch noch weiterhin in der gleichen Weise wie 
bisher verwandt wird: daher beim männlichen Individuum die Zeit der Pubertät 
den Beginn eines üppigen Haarwachstums bedeutet, der beim weiblichen Ge¬ 
schlecht mit dem Eintritt der Geschlechtsreife im grossen und ganzen bereits 
seinen Abschluss gefunden hat. Aehnlich liegen die Verhältnisse bei den Tieren. 
Die stark behaarten Tiere verwenden die ihnen zur Verfügung stehenden arsen¬ 
haltigen Schilddrüsenprodukte vollständig auf die Ernährung ihrer Tegumente, 
ihre Geschlechtsthätigkeit vollzieht sich daher in langen Intervallen; mit dem 
Eintritt der Brunst wird der Haut ein zu ihrer Ernährung notwendiger Faktor 
entzogen, indem die jod- und arsenhaltigen Thyreoidproteide nunmehr den Fort¬ 
pflanzungsorganen Zuströmen; daher die Veränderungen der Tegumente zur 
Brunstzeit, die sich bei manchen Tieren in einem vollständigen Hautwechsel 
äussern. 

Die Ausführungen G.’s, so interessant sie im einzelnen auch sein mögen 
— es sei nur an die Beobachtungen von Menstruationsanomalieen im Anschluss 
an das Abschneiden der Kopfhaare erinnert —, dürften wohl kaum allgemeine 
Zustimmung finden, da sie vielfach die Orenze des Phantastischen streifen und 
ihnen die eigentlich wissenschaftliche Beweiskraft mangelt. Dazu kommt, dass 
das Vorkommen von Arsen im normalen Organismus selbst noch weiterer Be¬ 
stätigung bedarf, die bisher noch nicht erfolgt ist; die neuesten Untersuchungen 
über diesen Gegenstand haben im Gegenteil zu einem negativen Resultate ge¬ 
führt (vgl. Hödlmoser: Enthalten gewisse Organe des Körpers physiologischer 
Weise Arsen? Zeitschr. f. physiol. Chemie, Bd. 33, H. 3. 4). 

Schade (Göttingen). 


Hippius, A.: Ein Apparat zum Pasteurisieren der Milch im Hause. Aus dem chem,- 
bakteriolog. Institut von Dr. Ph. Blumenthal in Moskau. (Deutsche med. 

Wochenschr., Nr. 29. 30.) 

H. hat einen Apparat konstruiert, mit dem in billiger und bequemer Weise 


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die Milch pasteurisiert werden und bei Thermophorentemperatur aufbewahrt 
werden kann. Der Chemismus der Milch erleidet nach angestellten Versuchen 
keine Aenderung, wenn man die Milchflaschen nicht länger als 6 Stunden bei 
00—65° im Apparat verweilen lässt Das Verhalten der so behandelten Milch 
gegenüber dem Labferment ist ein derartiges, dass nach Erhitzung von 2—3 
Stunden eine Verlangsamung der Gerinnbarkeit eintritt, dass dieselbe aber wieder 
eine Beschleunigung erfährt, wenn noch weitere 6 Stunden erhitzt wird. Der Keim¬ 
gehalt der Milch, welcher in der rohen 89892 pro ccm betrug, wurde nach 2 Stunden 
Pasteurisierung auf Null herabgedrückt besonders bei fraktionierter Pasteurisierung. 
Versuche mit Tuberkelbazillen, Diphtheriebazillen und Streptokokken, welche in 
die Milch hineingetragen wurden, zeigten, dass die ersteren beiden nach Erhitzung 
auf 65° C. zwei Stunden hindurch nach 15 Minuten, die letzteren nach 30 Minuten 
zu Grunde gingen. Hagenberg (Oöttingen). 

Matthad: Ueber den Alkohol als Stärkungsmittel. Nach einem Vortrage vor den 
Sanitätsoffizieren der Oamison Leipzig. (Deutsche med. Wochen sehr., Nr. 31.) 

M. zieht gegen den Alkohol als Stärkungsmittel, sei er dass er als Genuss¬ 
mittel, sei es dass er als Medikament gegeben, unter Zitierung einer grossen An¬ 
zahl Autoren heftig zu Felde. Wird man ihm auch durchaus Recht geben, wenn 
er auf die schädigenden Wirkungen des Alkohols hinweist und Enthaltsamkeit 
predigt, so ist doch der ablehnende Standpunkt in der Anwendung des Alkohols 
bei Infektionskrankheiten (Typhus, Sepsis, Pneumonie) ein ganz unberechtigter. 

Hagenberg (Göttingen). 


Beiträge zur Physiologie der Verdauung. 

1. Herzen: Einfluss einiger Nahrungsmittel und Stoffe auf die 
Quantität und Qualität des Magensaftes. (Pflüger’s Archiv, 

Bd. 84, S. 101.) 

Schiff lehrte uns vor einer Reihe von Jahren Stoffe kennen, welchen bei 
Darreichung per os oder per rectum pepsintreibende [»pepsinogene«] Eigen¬ 
schaften zukommen. Nach Pawlow wirken fast dieselben Stoffe safttreibend, 
nicht jedoch bei rektaler Einverleibung. Deutete schon die Verschiedenheit be¬ 
züglich der Darreichung per rectum darauf hin, dass es sich auch um zwei ver¬ 
schiedene Eigenschaften handelt, so erwiesen dies die Versuche des Verf.’s, der 
die wichtigste pepsinogene Substanz Schiffs, das Dextrin, und den wichtigsten 
safttreibenden Körper Pawlow’s, das Liebig’sche Fleischextrakt, nach beiden 
Richtungen untersuchte, recht deutlich. Verfahren wurde folgendermassen: dem 
nach Pawlow operierten Magenfistel-Hunde wurde etwa 15 Stunden vor dem 
Versuch ein vorbereitendes Mahl aus gekochtem und ausgewaschenem Fleisch 
gegeben, welches den Zweck hat, alles während der Verdauung gebildete Pepsin 
auch zur Abscheidung zu bringen, sodass bei der Darreichung des Experimental- 
Mahles das Tier sich im sogenannten »apeptischen« Zustand befand. Die zu 
prüfenden Stoffe wurden dem weder safttreibenden noch pepsinbildenden Ex¬ 
perimentalmahl zugesetzt oder per rectum gegeben. Der aus der Fistel fliessende 
Saft wurde gemessen und auf seine eiweissverdauende Kraft geprüft, indem das 
nach 24ständiger Verdauung im Brutofen zurückgebliebene Eiweiss gemessen 
wurde. Es fand sich so beim Dextrin 

1. per os gegeben: viel Saft, sehr viel Pepsin; 

2. per rectum: wenig Saft, noch mehr Pepsin; 
beim Fleischextrakt Liebig: 

1. per os: sehr viel Saft mit mässigem Pepsingehalt; 

2. per rectum: wenig Saft mit mässigem Pepsingehalt. 

Beide Substanzen sind also pepsinogen und safttreibend, jedoch ist die 
erstere vorwiegend pepsinogen, die letztere vorwiegend safttreibend. 


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II. Herzen: Aelteres, Neueres und Zukünftiges über die Rolle 
der Milz bei der Trypsinbildung. (Pflüger’s Archiv., Bd. 84, S. 115.) 

Verf. stellt die zu der in der Ueberschrift genannten und als Schiff- 
Herzen’sehe Theorie bekannt gewordenen Ansicht führenden experimentell 
gefundenen Thatsachen nochmals zusammen und präzisiert seinen Standpunkt 
durch den Satz: »Die Milz erzeugt durch innere Absonderung eine unbekannte 
Substanz, welche die Eigenschaft besitzt, das Protrypsin in Trypsin umzuwandeln». 
Die wichtigsten dieser Ergebnisse, in kurzen Sätzen zusammengestellt, sind etwa 
folgende: 

1. Es besteht ein deutlicher Parallelismus zwischen der Trypsinbildung und 
der kongestiven Milzschwellung während der Verdauung. Der Beginn 
beider Erscheinungen fällt in die 7., der Höhepunkt in die 9. Stunde nach 
der Mahlzeit. 

2. Nach Entfernung der Milz hört die Trypsinbildungr auf. 

3. Ein unthätiges (in Bezug auf Eiweissverdauung) Pankreasinfus entfaltet seine 
verdauende Wirkung, sobald es mit einem Infus von einer kongestionierten 
Milz, mit Blut eines auf der Höhe der Verdauung befindlichen Tieres oder 
mit dem Venenblut aus einer kongestionierten Milz versetzt wird. 

ln einem Schlussteil bespricht Verf. die Aussichten, welche die in seinem 
Labarotorium unausführbaren Versuche an einem Hunde mit Pankreasfistel bieten 
würden. 

III. Radzikowski: Ein rein safttreibender Stoff. (Pflüger’s Ar¬ 

chiv, Bd. 84, S. 513.) 

Nach dem Vorgänge von Herzen wurde an demselben Hunde der Ein¬ 
fluss des Alkohols geprüft. Es wurden bis zu 50 ccm 45% Alkohols in Milch 
oder Zucker gegeben, welche letzteren nicht safttreibend oder nur geringfügig 
pepsinogen (Milch) wirken. Es zeigte sich, dass der Alkohol rein safttreibend 
wirkt, und zwar bei Darreichung per rectum etwas geringer als per os. Bei rek¬ 
taler Anwendungsweise, welche rascher zum Erfolge verhilft, als gleichartige 
Pilocarpindarreichung, liess sich Alkohol im Magensaft auch nicht in Spuren nach- 
weisen. Verf. kommt zu folgenden Schlüssen: 

1. Alkohol wirkt nicht pepsinbildend im Sinne Schiff’s. 

2. Alkohol ist mächtig safttreibend, wirkt aber nicht nur vom Magen aus, 
sondern auch, obschon schwächer, vom Rektum aus. 

3. Alkohol hat auf die Magendrüsen eine elektive Wirkung und treibt nicht 
nur sauren, sondern auch peptischen Saft, wenn Pepsin vorhanden ist. 

4. Kleine Mengen von Alkohol im Blute verhindern nicht die Umwandlung 
von Propepsin in Pepsin unter dem Einfluss der Schiff’sehen Peptogene. 

IV. Mark-Schnorf. Zwei pepsinbildende Stoffe. (Pflüger’s Ar¬ 

chiv, Bd. 85, S. 143.) 

Versuche mit weissem, sog. reinem Dextrin, mit Inulin und Leberglu- 
kogen, in der gleichen Weise angestellt, ergaben: 

1. Das weisse Dextrin ist weder safttreibend noch pepsinbildend. 

2. Das Inulin und Olukogen (chemisch rein angewandt) sind ausschliesslich 
pepsinbildende Stoffe, ohne eine Spur von safttreibender Wirkung. 

Szubinski (Göttingen). 


Strassburger: Ueber den quantitativen Nachweis der leicht angreifbaren Kohlen¬ 
hydrate (Stärke und ihrer Abkömmlinge) in menschlichen Fäces. (Pflüger’s Archiv, 

Bd. 84, S. 173.) 

Zur Feststellung der Leistungsfähigkeit des gesunden und kranken Darms 
in Bezug auf die Verdauung der Kohlenhydrate ist es nötig, den in den Fäces 


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vorhandenen Rest derselben zu bestimmen. Solche Untersuchungen liegen bisher 
nur in geringer Zahl vor ; vergleichende Untersuchungen ütfer die Brauchbarkeit 
der in Betracht kommenden Methoden fehlen gänzlich. Verf. unterzog deshalb 
die ihm am besten scheinende Methode einer genauen Prüfung. Er schlug fol¬ 
genden Weg ein: 

1. Invertierung der in den Fäces vorhandenen Stärke durch Kochen mit ver¬ 
dünnter (2°/ 0 ) Salzsäure nach dem Vorgänge von Allika. 

2. Zuckerbestimmung nach der von Pflüger ausgearbeiteten Volhard’schen 
Kupferrhodanürmethode, deren Prinzip darin besteht, das in Lösung be¬ 
findliche Kupfer bei Gegenwart von schwefliger Säure durch Via-Normal- 
lösung von Rhodanammonium als Kupferrhodanür zu fällen und im Filtrat 
den Ueberschuss an Rhodanammonium mit '/^-Silberlösung zu bestimmen. 

Bei den sehr geringen Stärkemengen, um die es sich bei diesen Unter¬ 
suchungen handelt, liefert die Methode zu kleine Werte. Es zeigte sich jedoch, 
dass den Fäces zugesetzte bekannte Zuckermengen nicht nur völlig wiedergefunden 
wurden, sondern auch der fehlende Rest der ursprünglich vorhandenen Stärke 
nachgewiesen werden konnte. 'Verf. empfiehlt also, jedesmal eine bestimmte 
Zuckermenge zuzusetzen, wenn es sich um die Bestimmung sehr kleiner Mengen 
handelt. Dass auch das Invertierungsverfahren kleine Fehler bedingt, beweist der 
Ausfall dreier Doppelversuche, von denen nur einer eine kleine Differenz ergab. 

Szubinski (Oöttingen). 

Uiy, H.: Zur Methodik der Fäkaluntersuchungen. Aus dem ehern. Lab. des pathol. 
Instituts der Univ. Berlin. (Vorst: Prof. Dr. E. Salkowski.) (Deutsche med. 

Wochenschr., Nr. 41.) 

Bei der Bestimmung und Trennung von Sekretionsprodukten und Nah- 
rungsresten im Kot wandte U. ein von Salkowski angewandtes Verfahren an, 
welches in der gründlichen Extraktion der frischen Fäces mit Wasser besteht, 
wodurch die Sekrete des Darmes im wesentlichen in das wässrige Extrakt 
übergehen. 

Es gehen nach U/s Untersuchungen von den anorganischen Bestandteilen 
in das wässrige Extrakt über: in deutlich nachweisbarer Menge Salzsäure, Phos¬ 
phorsäure, Calcium, Magnesium, Kalium, Natrium, Ammoniak; in geringer Menge 
Schwefelsäure und Eisen; nicht in das Extrakt gehen über: die Aetherschwefel- 
säuren und die Kieselsäure. 

Von dem im Kot vorhandenen quantitativ bestimmten Stickstoff bei ge¬ 
mischter Kost fanden sich 24% in dem wässrigen Extrakt vor, ein Wert, der mit 
dem von Rieder angegebenen ungefähr übereinstimmt. Zur Feststellung des 
Verhältnisses von Sekret- zu Nahrungsresten wurde nachgesehen, wie viel von 
der Aschensubstanz und von der Trockensubstanz in das wässrige Extrakt über¬ 
geht, und hierbei fanden sich von der ersteren 27,36% und von der letzteren 
14,63% in demselben vor. Von den im Kot enthaltenen Oesamt-Stickstoff gingen 
in ein alkalisches Filtrat 34% über, welche Zahl auf den in den Darmentleerungen 
enthaltenen Stickstoff der Nuklemsubstanzen zu beziehen ist 

Bei gemischter Nahrung geht nur eine geringe Menge Kalk in das 
wässrige Extrakt über, die Zahlen schwanken zwischen 4,3 %—HM)8 %; dieser 
Befund stimmt mit dem Untersuchungsresultat von F. Voit überein. 

Bei der Untersuchung des Verhältnisses der täglich entleerten Mineral¬ 
bestandteile und des Stickstoffes im Urin zu denen im wässrigen Fäcesextrakt 
und in den Gesamtfäces fand sich folgendes Resultat: 

Der Stickstoff wird nur zum kleinen Teil in den Darm ausgeschieden 
(3%), zum grössten durch den Urin. 

Chlor- und Schwefelsäure werden fast gänzlich durch den Urin 
ausgeschieden, nur unter pathologischen Verhältnissen nimmt die letztere 
in den Fäces zu. 


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Der grösste Teil des zugeführten Kalkes geht unresorbiert mit den 
Fäces fort. 

Von der Magnesia ging in den Versuchen ein erheblicher Teil der 
in den Faces enthaltenen Oesamtmenge in das wässrige Extrakt über; 
59,7% wurden mit dem Urin ausgeschieden. 

26,2 7« der Oesamtphosphormenge der Faces fanden sich im wässri¬ 
gen Extrakt vor; 89,6 7« wurden mit dem Urin ausgeschieden. 

Was die Extraktion der Fäces mit alkalischen Flüssigkeiten zur Bestimmung 
des NukleTnphosphors in den Fäces anbelangt, so lässt sich bei Bestimmung des¬ 
selben mittels Extraktion durch 7«7<4ge Natronlauge nicht abstreiten, dass nicht 
auch anorganischer Phosphor mit übergeht. Ein von Micko angegebenes Ver¬ 
fahren, durch Extraktion mit einer schwächeren alkalischen Flüssigkeit (1 0 «ige 
Sodalösung) das Ziel zu erreichen, hat dagegen sichere Resultate gebracht 

Hagenberg (Oöttingen). 

Aldor, L v.: Ueber Kohlenhydratstoffwechsel im Oreisenalter and in Verbindung da¬ 
mit Untersachnngen über Phloridzindiabetes. Aus dem hauptstädt rechtsseit. Armen¬ 
hospitale zu Budapest (Ordin.-Arzt: Priv.-Doz. Dr. Franz Tauszk). (Centralblatt 

f. innere Med., Nr. 21.) 

Die Assimilationsgrenze für Traubenzucker für den normalen, gesunden 
Organismus beträgt nach v. Noorden 180—250 g. A. prüfte an einer grossen Zahl 
von Oreisen (zwischen 64 und 92 Jahren), ob diese Fähigkeit, Zucker zu assimi¬ 
lieren, auch noch im Oreisenalter unverändert bleibt Nach Einführung von 
130—150 g chemisch reiner Dextrose bei 30 Individuen, bei denen spontane Glu¬ 
kosurie Alkoholismus, Nervensystemerkrankungen u. s. w. auszuschliessen waren, 
zeigte sich in 24 Fällen Auftreten von Olukosurie. Während aber die alimentäre 
Olykosurie innerhalb der ersten Stunde auftritt, konnte in diesem Falle eine auf¬ 
fallende Verspätung konstatiert werden. Es ist also die Assimilationsgrenze für 
Traubenzucker im Alter herabgesetzt; die Olukosurie tritt aber verspätet auf. 

Den Grund, weshalb im Oreisenalter die Olukosurie so verspätet auftritt, 
sucht A. in den mehr oder weniger geschädigten Nierenfunktionen infolge seniler 
Veränderungen. Dass diese Annahme eine begründete war, zeigte sich in dem 
verspäteten Auftreten von Zucker nach subkutan in Oaben von 0,5—1,0 bei¬ 
gebrachtem Phloridzin. Hagenberg (Oöttingen). 

Alba: Der Stoffwechsel bei vegetarischer Kost. Aus d. physiolog. Inst d. Univ. 

Berlin. (Zeitschrift f. klin. Med., Bd. 43.) 

Eine Versuchsperson genass bei einem Körpergewicht von 37,5 kg und 
einer Grösse von 1,30 täglich 5,46 g N (pro Kilo 0.9 g), dabei bestand keine Luxus- 
konsumption von Kohlenhydraten, wohl aber ein Plus in der Fettzufuhr. Trotz 
dieser minimalen Eiweisszufuhr blieb das Stickstoffgleichgewicht erhalten, und A. 
schliesst hieraus, dass dies infolge des Ueberschusses des Fettes möglich war. 
Diese Versuchsperson lebte schon seit 6 Jahren bei streng vegetarianischer Diät 
und war dabei vollständig wohl und arbeitsfähig. Man kann daher die vegetaria- 
nische Lebensweise durchaus nicht als unzulänglich betrachten, da das pflanzliche 
Eiweiss das tierische ersetzen kann. 

A. warnt aber vor vegetarianischer Diät, die wohl das Leben und den Stoff¬ 
wechsel aufrecht erhalten kann, die aber wegen der mannigfachen grossen Nach¬ 
teile, die dieselbe hat, für den gesunden Menschen durchaus unzweckmässig ist 

Hagenberg (Oöttingen). 

Jolles: Beiträge zur Kenntnis der Asparaginsäure and des Asparagins. (Pflüger’s 

Archiv, Bd. 84, S. 446.) 

Bei der Oxydation der Asparaginsäure durch Permanganat wird der Stick- 


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stoff glatt als Ammoniak abgespalten. Die Vermehrung der Hamstoffausschei- 
dung nach Darreichung der Asparaginsäure wäre demnach als synthetischer Vor¬ 
gang aufzufassen. Bei der Oxydation des Asparagins wird die Hälfte des 
Stickstoffs als Harnstoff, die andere Hälfte als Ammoniak abgespalten. Verf. 
zieht für diese Hamstoffbildung drei Möglichkeiten in Betracht: entweder entsteht 
er aus der CONH^Oruppe, oder aus der CHNH a -Oruppe. Für letztere Ent¬ 
stehungsart wäre die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass die Asparaginsäure 
in statu nascendi Harnstoff zu liefern vermag, wie dies ähnlich Verf. in einer 
früheren (im Centralblatt refer.) Arbeit für Olykokoll annahm. Als dritte Möglich¬ 
keit der Hamstoffbildung nennt Verf. den Zerfall von Ammoniak und Kohlen¬ 
säure mit folgendem Aufbau zu Harnstoff. Szubinski (Qöttingen). 

Zimmermajin, 0.: (Jeher künstlich beim Menschen erzeugte Glykokollverarmung des 
Organismus und die Abhängigkeit des Glykokollgehaltes von der Gallensekretion. Aus 
der inneren Abt d. Augusta-Hospitals (Oeh. Med.-Rat Prof. Dr. Ewald). (Central¬ 
blatt f. innere Med., Nr. 22.) 

Wir kennen bislang als den einzig sicheren Glykokollträger die Oalle, und 
wenn ausser dieser sich Olykokoll nirgends im Körper bildet, so müsste bei einer 
Gallenfistel, durch die alle Oalle nach aussen abgeleitet wurde, in den Körper 
eingeführte Benzoesäure als solche und zwar in derselben Menge wieder den 
Körper verlassen, da Benzoesäure sich mit dem Glykokoll zur Hippursäure paart, 
die dann mit dem Urin ausgeschieden wird. 

Von dieser Ueberiegung ausgehend, gab Z. einer Patientin, bei welcher 
wegen ausgiebiger Drainage der Oallenwege sich erwarten Hess, dass sämtliche 
Galle nach aussen abgeleitet wurde, an 2 Tagen je 5 g Sidonal, dessen Anteil an 
Chinasäure im Organismus zum grössten Teil in Benzoesäure umgewandelt wird. 
An diesen beiden Tagen Hess sich keine Hippursäure im Urin nachweisen, wohl 
aber reichlich Benzoesäure. Es war also kein Olykokoll im Organismus, welches 
sich mit der Benzoesäure hätte paaren können. 

Aus diesem Versuche geht hervor, dass 

1. in der Oalle resp. Leber als gallenbereitendem Organ die einzige Glykokoll- 
quelle des Organismus zu suchen ist, und dass 

2. der negative Benzoesäureversuch eine völlige Acholie beweist. 

Hagenberg (Göttingen). 

Jolles: Beiträge zur Kenntnis der Hippursänre. (Pflügeris Archiv, Bd. 82, S. 553.) 

Der genetische Zusammenhang zwischen Hippursäure einerseits und Harn¬ 
stoff und Harnsäure anderseits ebenso wie die Wechselbeziehungen, nach 
welchen Einführung von Benzoesäure einen Teil des N als Hippursäure erscheinen 
lässt, Einführung von Olykokoll Mehrausscheidung von Harnstoff bewirkt, blieben 
bis jetzt unaufgeklärt. Olykokoll nun ist in saurer Lösung nicht oxydabel; es ist 
also zu vermuten, dass das Auftreten von Benzoesäure im Organismus das Oly¬ 
kokoll vor weiterem Zerfall schützt Die Oxydation des Glykokolls im Organismus 
geschieht im Moment der Spaltung grösserer Komplexe, also in statu nascendi. 
Diesen Vorgang suchte Verf. in genau angegebener Weise nachzuahmen, indem 
er Hippursäure in schwefelsaurer Lösung unter langsamem Permanganatnisatz 
kochte. In der That Hess sich der Oesamtstickstoff als Harnstoff wiederfinden. 
Verf. schliesst daraus: ein Körper, der Olykokoll abzuspalten vermag, kann bei 
gleichzeitiger Oxydation Harnstoff liefern. Vorhandensein von Benzoesäure schützt 
den weiteren Zerfall des Olykokolls, sodass es zur Hippursäurebildung kommt, 
d. h. also, bei der Oxydation von Eiweisskörpem zu Harnstoff treten als Zwlschen- 
stadium z. T. Glykokoll und eventuell andere Amidosäuren auf, die im weiteren 
Verlauf des Oxydationsprozesses in Harnstoff übergehen. 

7 r Szubinski (Qöttingen). 


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Spiegel, L: Beiträge zur Kenntnis des Schwefelstoffwechsels heim Menschen. (Vir- 
chow’s Archiv, Bd. 166, H. 2.) 

Sp. hat schwefelhaltige Nierenkonkremente und Ham von einem Fall 
familiärer Cystinurie genauer untersucht und kommt, allerdings mit dem nötigen 
Vorbehalt, dabei zu folgenden Schlüssen: -Unter den Zwischenprodukten beim 
oxydativen Abbau der Eiweisskörper tritt nicht nur Cystin, sondern als nächstes 
Oxydationsprodukt desselben auch unterschweflige Säure regelmässig auf. Unter 
den normalen Verhältnissen des menschlichen Stoffwechsels werden beide weiter 
oxydiert, ehe sie den Körper verlassen, bei herabgesetztem Oxydationsvermögen 
kann bald das eine, bald das andere dieser intermediären Produkte, können auch 
beide neben einander den Körper unverändert verlassen oder zum Auftreten von 
Zersetzungsprodukten, wie Schwefel, Anlass geben. Es liegt demnach bei Cystin¬ 
urie oder Hyposulfiturie eine Herabsetzung des Oxydationsvermögens gegen¬ 
über den Schwefelverbindungen, wie beim Diabetiker gegenüber den Kohlen¬ 
hydraten vor«. Zu dieser Parallele kommt Sp. mit der Begründung, dass nach den 
Mörner’schen Untersuchungen Cystin aus manchen eiweissartigen Substanzen 
ebenso normal durch Hydrolyse erhalten werden kann, wie Traubenzucker aus 
den komplizierten Kohlenhydraten. 

Im Cystinham wurde ein in Nadelform kristallisierbarer nahezu farbloser 
stark schwefelhaltiger Riechstoff isoliert, der beim Uebergang von Cystin zu 
unterschwefliger Säure als ein sehr labiles Nebenprodukt entstehen soll, dessen 
Natur aber noch nicht aufgeklärt ist Auch experimentell hat Sp. durch Oxy¬ 
dation mittels konzentrierten Wasserstoffsuperoxyds, das in der Art seiner Wir¬ 
kung den im Organismus wirksamen Oxydationskräften vielfach ähnelt, unter- 
schweflige Säure aus Cystin dargestellt. Zieler (Göttingen). 

Meyer, R.: Das Ausscheidungsverhlltnis der Kalium- und Natriumsalze bei Cardnom- 
kachexie und Phthise. Aus der II. med. Univ.-Kl. in Berlin (Dir. Geh. Med.-Rat 
Prof. Dr. Gerhard). (Deutsche med. Wochenschr., Nr. 37.) 

ln der Norm werden doppelt so viel und mehr Natriumsalze wie Kalium¬ 
salze ausgeschieden (6—7,5 :3 pro die). Eine Aenderung dieser Verhältnisse, 
eine Versdiiebung zu Gunsten des Kaliums tritt bei kachektiscnen Krankheiten 
auf, und zwar beruht dies gewiss auf dem reichlichen Zerfall von Muskelsubstanz. 
Die Nachprüfung dieser Angaben in 3 Fällen von vorgeschrittenen Cardnomfällen 
und 2 Phthisen ergab die Richtigkeit derselben, so dass das Verhältnis von Na¬ 
trium zu Kalium jetzt 2:1 bis 3,5:1 lautete, ln 2 Fällen von Phthise im An¬ 
fangsstadium zeigte sich noch das normale Verhältnis. 

Hagenberg (Göttingen). 

Kowarski, Alb.: Ueber den Nachwds von pflanzlichem Eiweiss auf biologischem Wege. 
Aus dem Inst. f. med. Diagnostik in Berlin. (Deutsche med. Wochenschr., Nr. 27.) 

Wie der tierische Organismus nach Injektion von animalischem Eiweiss 
spezifische Antikörper zu bilden im stände ist, so vermag er dies auch, wie K. 
zeigt, nach Injektion pflanzlichen Eiweisses. Es wurden zu diesem Zweck 
Kaninchen zur Zeit 8—10 ccm einer aus reinem Weizenmehl hergestellten 
0,5%igen Albumosenlösung in die Ohrvene injiziert; die Immunisierung dauerte 
4—5 Wochen. 

Bei der Prüfung, wie sich das erhaltene Serum nach Injektion von Weizen- 
albumose gegen die Albumosen anderer Getreidearten verhält, geben die Roggen- 
und Gersten-Lösungen ein positives Resultat, Erbsen geben eine ganz schwach 
ausgesprochene Trübung; mit Hafer erzielte man kein positives Resultat. 

Nach diesen Befunden ist es wahrscheinlich, dass die pflanzlichen Eiweiss¬ 
körper nicht so verschiedenartig sind wie die animalischen. 

Hagenberg (Göttingen). 


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Ziemte, E.: Weitere Mitteilungen Ober die Unterscheidung von Menschen- und Tier¬ 
blut mit Hilfe eines spezifischen Serums. Aus der Unterrichtsanstalt für Staats¬ 
arzneikunde der Universität Berlin (Dir.: Prof. Dr. F. Strass mann). (Deutsche 
med. Wochenschr., Nr. 42.) 

In der Beschaffung von stets frischem Menschenblut zur Vorbehandlung 
der Kaninchen liegt eine gewisse Schwierigkeit. Dieser sind wir durch die That- 
sache enthoben, dass auch das Blut von 3—4 Tage alten Leichen dazu geeignet 
ist. Bei nicht ganz sterilem Injektionsmaterial ist anstatt der intraperitonealen die 
subkutane Applikation zu verwenden. 

Die von Uhlenhuth vorgeschlagene Konservierungsmethode durch Zusatz 
von Chloroform setzt die Wirkungsintensität des Serums herab, und derselbe Vor¬ 
wurf trifft das sogenannte »trockene Serum«. Da nämlich das wirksame Prinzip 
an die Serumglobuline gebunden ist, so hat man diese durch Ammoniumsulfat 
ausgefallt, über Schwefelsäure getrocknet und versucht, so ein Dauerpräparat zu 
erhalten. Für die Beurteilung des Resultates ist besonders Wert auf die Flocken¬ 
bildung zu legen. Die Anwesenheit einer anderen Blutart neben derjenigen, für 
welche das Serum spezifisch ist, wirkt nicht störend auf die Reaktion ein. 

In manchen Fällen gelingt es nicht, mit den üblichen Extraktionsflüssig¬ 
keiten bei alten Blutflecken das Blut in Lösung zu bringen. Hier hat sich ein 
Auszug der Blutspuren mit Cyankaliumlösung bewährt, wobei aber durch Hinzu¬ 
fügen einiger Körnchen Weinsäure aufs peinlichste darauf zu achten ist, dass die 
Reaktion stets schwach alkalisch bleibt und nicht sauer wird. 

Hagenberg (Göttingen). 

Uhlenhuth: Die Unterscheidung des Fleisches verschiedener Tiere mit Hilfe spezifischer 
Sera und die praktische Anwendung der Methode in der Fleischbeschau. Aus dem 

hyg. Inst der Universität Greifswald (Dir.: Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Loeffler). 

(Deutsche med. Wochenschr., Nr. 45.) 

Es gelingt durch Anwendung spezifischer durch Bluteinspritzungen bei 
Kaninchen erzeugter Antisera die betreffenden Fleischsorten zu erkennen. Wie 
bei der eigentlichen Blutreaktion lässt sich auch hier die Verwandtschaft gewisser 
Tiere erkennen. Für die praktische Fleischbeschau hat die Methode insofern Wert, 
als durch sie bei Räucherwaren (nicht gekochtem Fleisch) die Anwesenheit minder¬ 
wertiger Fleischsorten (Hund, Katze) nachgewiesen werden kann. 

Die Reaktion stellt man folgendermassen an: Von dem betreffenden Fleische 
wird etwas abgeschabt und dies mit physiologischer Kochsalzlösung versetzt. Durch 
längeres Stehenlassen geht dann ein Teil der Eiweisskörper in die Flüssigkeit über, 
was man durch Zusatz von einigen Tropfen Chloroform so beschleunigen kann, 
dass die Reaktion schon nach einigen Minuten gemacht werden kann. Die Lösung 
ist zu filtrieren und mit noch so viel physiologischer Kochsalzlösung zu versetzen, 
dass sie eine schwach gelbliche Flüssigkeit darstellt. 

Hagenberg (Göttingen). 

dpofllna, A.: Ueber den Einfluss einiger Substanzen auf die Trommerische Probe. 
Aus dem ehern. Lab. des pathol. Institut der Univ. Berlin (Vorst. Prof. Dr. Sal- 
kowski). (Deutsche med. Wochenschr., Nr. 27.) 

Die von Neumayer gefundene Thatsache, dass bei Anstellung der Trom- 
mer’sehen Probe bei Gegenwart von Kreatinin das gelbe Kupferoxydulhydrat 
an Stelle des charakteristischen roten Niederschlages von Kupferoxydul ausfällt, 
konnte C. bestätigen, wenn auch immerhin die Beweisführung, dass nach Vor¬ 
nahme gewisser Operationen zur Entfernung des Kreatinins (langes Kochen mit 
15 0 /oiger Natronlauge, Ausfällung mit Quecksilberchlorid) kein gelber Niederschlag 
mehr entsteht, durchaus nicht ganz ein wandsfrei ist, da auch noch andere Körper 


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durch diese Verfahren mit beseitigt werden können, die ebenfalls neben dem 
Kreatinin noch einen Niederschlag von Kupferoxydulhydrat hervorrufen könnten. 

Beim Suchen nach anderen Körpern fanden sich folgende, die ebenfalls 
wie das Kreatinin einen gelben Niederschlag erzeugen: Fleischmilchsaare in 
4°/ 0 iger Lösung, 1 °/ 0 ige Allantoinlösung, Gärungsmilchsaure und Asparagin in 
2 %iger Lösung, die Isobuttersaure, Benzoesäure und das Thymol in konzentrierter 
Lösung, ferner der Alkohol, wenn er das halbe Volumen der Mischung ausmacht 
Während das Kreatinin in ganz verdünnter Lösung diese Erscheinung hervorruft, 
tritt bei den genannten Körpern dieselbe erst in relativ konzentrierter Lösung auf, 
und ausserdem stört bei ihnen ein geringes Zuviel zugefügter Natronlauge. 

Auch ähnlich konstituierte Verbindungen wie das Glykocyamin, das Guanidin, 
das Glykocyamidin verhalten sich in dieser Hinsicht wie das Kreatinin. 

Es haftet dieser Kreatininreaktion trotzdem infolge der grossen Verdün¬ 
nung, bei welcher sie noch auftritt, und der ziemlich erheblichen Resistenz 
gegen Lauge ein für die Erkennung des Körpers charakteristisches Merkmal an. 

Hagenberg (Göttingen). 

Denigäs, 0. n. Sabrazts, J. (Bordeaux): Reagenzpapier zum Nachweis von Jod bei 
klinischen Untersuchungen. Soc. de pharmade de Bordeaux, fdvr. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 51.) 

Zum bequemen Nachweis von Jod in Körperflüssigkeiten (z. B. im Speichel 
und Ham bei der Jodipinprobe) empfehlen Verff. nach dem Beispiel von Bourget 
ein Reagenzpapier, welches vor dem Bourget’schen den Vorzug besitzt, sich, 
ohne im Dunkeln aufbewahrt zu werden, lange Zeit brauchbar zu erhalten. Die 
Herstellung des Papiers geschieht in folgender Weise: 1 gr Stärkemehl wird in 
10 ccm kalten Wassers gelöst; nach Hinzufügung von 40 ccm kochenden Wassers 
wird das Ganze 1—2 Minuten gekocht und, nachdem es abgekühlt, 0,5 gr sal¬ 
petrigsaures Natron in ihm aufgelöst. Das Reagens wird auf Papier gepinselt 
und letzteres in Streifchen geschnitten. Mit jodhaltiger Flüssigkeit befeuchtet, 
giebt das Papier, nach Hinzufügung eines Tropfens einer 10°/ o igen Schwefelsäure, 
die charakteristische Stärke-Jod reaktion (noch bei 1 Tausendstel eines Milligramms 
Jodkali). Schade (Göttingen). 


Besprechungen. 

Schüfe: Ueber die diätetische Behandlung der chronischen Magenkrankheiten. München, 
1901, Seitz & Schauer. 11 S. gr. 8°. 0,60 Mk. 

Nach ganz kursorischer Uebersicht der ärztlichen Aufgaben bei Magen¬ 
kranken findet man eine Tageseinteilung für derartige Leidende, wie sie im Frei¬ 
burger Diakonissenhause üblich ist. Daran schliessen sich praktisch befundene 
und therapeutischer Indikation entsprechende Küchenzettel, so bei inveterierten 
Leiden von Ulcus, Gastralgie, nervöser Dyspepsie. Der Zusammenstellung liegt 
zweifellos eine lange Erprobung zu Grunde, die sich der Individualität des Kranken, 
als auch der Leistungsfähigkeit eines Krankenhauses anschmiegt. Dem Kranken¬ 
hausarzt und dem Praktiker kann diese kurze, gewissenhafte Kostaufstellung sehr 
nutzvoll sein. von Noorden (München). 

Czerny, Ad., und Keller, A.: Des Kindes Ernährung, Ernährungsstörungen und Er¬ 
nährungstherapie. Leipzig und Wien, Fr. Deuticke, 2. Abt., 160 S. 4,50 Mk. 
Von dem bereits in Nummer 16 d. C. v. J. besprochenem Werk liegt 


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heute die zweite Abteilung vor. Sie umfasst den Stoffwechsel des Kindes z. Zt. 
der Abnabelung und des ersten Lebensjahres (Ham, Fäces, Resorption, Schicksal 
der Nahrung, Körperansatz und Wachstum und die Grenzen der Assimilation und 
Oxydation der Nahrungsbestandteile des kindlichen Organismus). Angenehm be¬ 
rührt auch in diesem Abschnitt die ruhige und sachliche Kritik der Verfasser. Die 
scharfe kritische Sichtung des an sich grossen Materials an einzelnen Beobach¬ 
tungen führt uns wiederum recht deutlich vor Augen, wie lückenhaft unsere Kennt¬ 
nisse von der Physiologie des Kindesalters sind, man braucht kaum auf-einzelne 
Kapitel besonders hinzuweisen. Auch für den sich nicht speziell mit Kinderheil¬ 
kunde beschäftigenden Stoffwechselpathologen bringt diese Abteilung einzelne 
interessante Kapitel, z. B. über den Hamsäureinfarkt und die Assimilations- und 
Oxydationskraft des kindlichen Organismus, ln dem Kapitel über das Schicksal 
der Nahrungsmittel im Darmkanal (S. 283 ff.) besprechen die Autoren die Arbeit 
von v. Kössa, über die ich vor kurzem (s. d. C. Nr. 19 v. J., S. 495) berichtet habe, 
sie kommen dabei zu demselben Resultat wie ich, dass nämlich von einer Zucker- 
Vergiftung« keine Rede sein könne. Ich wiederhole auch an dieser Stelle noch¬ 
mals die schon früher ausgesprochene dringende Empfehlung des Werkes. 

Schreiber (Göttingen). 


'Jnbaltsverjeicbnts. 


Original-Artikel: Waldvogel: Der Stoffwechsel im Gichtanfall S. 1. — 
Referate: Munter, S.: Die Hydrotherapie der Gicht S. 7. — Vergely, Paul: 
Diabete traumatique rövöl£ par des symptömes angineux avec quelques reflexions 
sur les diabetes traumatiques S. 7. — Weinman, Findlay lohn: Changes in the 
peripheral nerves in a case of diabetes mellitus S. 7. — Monro, T. K.: Gase of 
diabetes in which threatcult coma was averted under treatment by intravenous 
saline injections S. 8. — Oeder, G.: Wie lange kann ein Mensch leben, der zum 
Diabetes eine Lungentuberkulose bekommen hat? S. 8. — Adamson. O.: Obser- 
vations on perforated gastric ulcer S. 8. — Wegele, Carl: Eine einfache Magen¬ 
elektrode S. 8. — Clemm, Walther Nie. (Darmstadt): Ein Führungsdraht für den 
Magenschlauch mit Vorrichtung zur Freihaltung und Reinigung der Sondenfenster 
von verstopfenden Nahrungsmitteln S. 8. — Remlinger, Paul: Contribution ä 
S’etude des reflexes tendineux dans la fievre typhoide S. 9. — Schüder: Zur 
Ausscheidung der Typhusbacillen durch den Harn S. 9. — Zupnik: Erfahrungen 
über die Gruber-WidaFsche Reaktion und Autoagglutination bei Typhus abdomi¬ 
nalis S. 9. — Kurth: Lieber typhusähnliche, durch einen bisher nicht beschrie¬ 
benen Bacillus (Bacillus bremensis febris gastricae) bedingte Erkrankungen S. 10. — 
Shiga, K.: Studien über die epidemische Dysenterie in Japan, unter besonderer 
Berücksichtigung des Bacillus aysenteriae S. 10. — Plehn, A.: Zur Dysenterie¬ 
behandlung S. 11. — Lereboullet: Note sur un cas de Syphilis de Fintestin S. 11. 
— Thomson, Alexis: Stenosis of the small intestine after strangulated hemia 
S. 12. — Curschmann, H.: Zur diagnostischen Beurteilung der vom Blinddarm 
und Wurmfortsatz ausgehenden entzündlichen Prozesse S. 12. — Spenger. Walter 
0.: Indications for surgical interference in appendicitis S. 12. — Ebstein, W.: Die 
Untersuchung des Mastdarms von aussen und deren therapeutische Verwendung 
S. 13. — Gumprecht: Ein äusserer Handgriff zur Erleichterung der Defäkation 
(»Hinterdammscnutz«) S. 13. — Strauss. Zur Funktionsprüfung der Leber S. 13. - 
Hawthome, C. O.: On enlargement of the spieen in cancer of the liver S. 14. — 
Pariser, Gurt: Das praktische Problem der internen Behandlung der Gallenstein- 
knuikheit S. 15. — Hildebrand, Heinrich: Ueber den diagnostischen Wert der 
i Röntgenstrahlen in der inneren Medicin S. 15. — Reichmann, Ed.: Zur Grössen- 
! bestimmung innerer Organe S. 16. — Buch, M.: Die Grenzbestimmung der Or- 
I gane der Brust- und Bauchhöhle, insbesondere auch des Magens und Dickdarms, 


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durch perkussorische Auskultation oder Transsonanz S. 16. — Oaertner, Gustav: 
Ueber einen neuen Apparat zur Bestimmung des Hämoglobingehaltes im Blute 
S. 17. — Hürthle: Ueber eine Methode zur Bestimmung der Viskosität des le¬ 
benden Blutes und ihre Ergebnisse S. 17. — Rüssel Burton-Opitz: Ueber die 
Veränderung der Viskosität des Blutes unter dem Einfluss verschiedener Ernäh¬ 
rung und experimenteller Eingriffe S. 18. — Rüssel Burton-Opitz: Vergleich der 
Viskosität des normalen Blutes mit der des Oxalalblutes, des defibrinierten Blutes 
und des Blutserums bei verschiedener Temperatur S. 18. — Laqueur, A.: Zur 
Kenntnis urämischer Zustände S. 19. — Gautier, Armand: La fonction menstruelle 
et le rat des animaux; röle de l’arsenic dans Pdconomie S. 19. — Hippius, A.: 
Ein Apparat zum Pasteurisieren der Milch im Hause S. 20. — Matthaei: Ueber 
den Alkohol als Stärkungsmittel S. 21. — Beiträge zur Physiologie der Ver¬ 
dauung S. 21. — Strassburger: Ueber den quantitativen Nachweis der leicht 
angreifbaren Kohlenhydrate (Stärke und ihrer Abkömmlinge) in menschlichen 
Fäces S. 22. — Uiy, H.: Zur Methodik der Fäkaluntersuchungen S. 23. — Aldor, 
L. v.: Ueber Kohlenhydratstoffwechsel im Oreisenalter und in Verbindung damit 
Untersuchungen über Phloridzindiabetes S. 24. — Albu: Der Stoffwechsel bei 
vegetarischer Kost S. 24. — Jolles: Beiträge zur Kenntnis der Asparaginsäure und 
des Asparagins S. 24. — Zimmermann, O.: Ueber künstlich beim Menschen er¬ 
zeugte Glykokollverarmung des Organismus und die Abhängigkeit des Glykokoll- 

f ehaltes von der Gallensekretion S. 25. — Jolles: Beiträge zur Kenntnis der 
lippursäure S. 25. — Spiegel, L: Beiträge zur Kenntnis des Schwefelstoffwechsels 
beim Menschen S. 26. — Meyer, R.: Das Ausscheidungsverhältnis der Kalium- 
und Natriumsalze bei Cardnomkachexie und Phthise S. 26. — Kowarsld, Alb.: 
Ueber den Nachweis von pflanzlichem Eiweiss auf biologischem Wege S. 26. — 
Ziemke, E.: Weitere Mitteilungen über die Unterscheidung von Menschen- und Tier¬ 
blut mit Hilfe eines spezifischen Serams S. 27. — Uhlenhutti: Die Unterscheidung 
des Fleisches verschiedener Tiere mit Hilfe spezifischer Sera und die praktische 
Anwendung der Methode in der Fleischbeschau S.27. — Cipollina, A.: Ueber den 
Einfluss einiger Substanzen auf die Trommer’sche Probe S. 27. — Denig&s, G. u. 
Sabrag&s, J.: Reagenzpapier zum Nachweis von Jod bei klinischen Untersuchungen 
S. 28. — Besprechungen: Schüle: Ueber die diätetische Behandlung der chroni¬ 
schen Magenkrankheiten S. 28. — Czerny, Ad., und Keller, A.: Des Kindes Ernäh¬ 
rung, Ernährungsstörungen und Emährangstherapie S. 28. 


Hlpbabetifcb geordnetes JnhsltsverfeMntis. 

Alkaliausscheidung bei Carcinomkachexie und Phthise S. 26. — Alkohol 
als Stärkungsmittel S. 21. — Appendicitis S. 12. — Arsenikstoffwechsel S. 19. — 
Asparagin und Asparaginsäure 5. 24. — Biologischer Nachweis von Eiweiss, Blut 
und Fleisch S. 26. 27. — Darmstenosen S. 12. — Darmsyphilis S. 11. — Defä- 
kation, Erleichterung der S. 13. — Diabetes mellitus S.7. 8. — Dysenterie S. 10.11. 

— Fäcesuntersuchung S. 22. 23. — Gallensteinkrankheit S. 15. — Gicht S. 1—7. — 
Olykokoll und Gallensekretion S. 25. — Grenzbestimmung der Organe S. 15. 16. 

— Graber-WidaPsche Reaktion S. 9. — Hämoglobinbestimmung S. 17. — Hernien, 
incarcerierte S. 12. — Hippursäure S. 25. — Jodnachweis S. 28. — Kohlenhydrat¬ 
stoffwechsel S. 24. — Koma diabeticum S. 8. — Leber, Funktionsprüfung der 
S. 13. — Leberkrebs S. 14. — Magenelektrode S. 8. — Magengeschwür S. 8. — 
Magenschlauch S. 8. — Mastdarmuntersuchung S. 13. — Milch, Pasteurisieren der 
S. 20. — Phloridzindiabetes S. 24. — Schwefelstoffwechsel S. 26. — Stoffwechsel 
S. 19. 24. 26. — Trommer’sche Probe S. 27. — Typhus S. 9. — Typhusähnliche 
Erkrankungen S. 10. — Untersuchungsmethoden S. 15. 16. — Urämie S. 19. — 
Vegetarische Kost S. 24. — Verdauung S. 21. — Viskosität des Blutes S. 17. 18. 


Original-Mitteilungen, Monographieen und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen, Alleestr. 6, einsenden. 


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I 


6ine erste Stelle unter den 

Genussmitteln der Gegenwart 

nimmt unbedingt „Maggi zum Würzen“ ein. Suppen, Saucen, Gemüse etc. 
erhalten durch einen geringen Zusatz dieser Würze einen überraschenden, 
kräftigen Wohlgeschmack, wie er so billig durch kein anderes Mittel 
za erreichen ist. „Maggi zum Würzen“ ist eine Appetit und Verdauung be¬ 
fördernde reizlose Würze, die keine unangenehmen Nebenwirkungen auf 
Magen oder Darm, auf Nieren oder Blase hervorruft; es leistet deshalb 
in der Krankenernährung hervorragende Dienste. 

Litteratur u. Analysen aufWunsch durch MAGGI G. m. b. H. y Berlin W.57. 






Das Beste 


wm 


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I Aaalyse und fachmännische Berichte erhältlich in den Mineralwasser-Handlungen etc. 


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I = ehinasaurer Harnstoff = 1 


D. R. PATENT. 

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in Wasser zu nehmen gegen Gicht, Harn- und Nierengries 
(harn sau re Diathese). 

Das Urol kommt in Glasröhren ä 10,0g in den Handel. 
Fünf dieser Glasröhren befinden sich in einer Schachtel. Eine 
solche Schachtel mit 50,0 Gramm Urol kostet 12.50 Mk., die 
einzelne Glasröhre« 10,0Gramm = 2.50Mk. in den Apotheken 
und Drogenhandlungen. 

Dr. Schütz & Dallmann 


I 


chemische Fabrik 

Schierstein a. Rhein 

bei Wiesbaden. 




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Eine vergleichende Zusammenstellung der zur Zeit in Europa, 
Nordamerika und Japan gültigen Pharmakopöen. 

Von 

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gütigen Pharmakopöen fast ausnahmslos stark verändert sind. Der zweite 
und letzte Band liegt im Manuskript vollständig vor und wird in kurzer Zelt 
erscheinen. 

Die Anschaffung der neuen, mehr kondensierten Auflage wird 
etwa 10 Mark billiger als die der ersten zu stehdn zu kommen. "WB 


Bei dem gesteigerten internationalen Verkehr werden jedem Arzt, 
jedem Apotheker Recepte aus fremden Ländern zur Beurtheilung oder 
zur Anfertigung und Wiederholung übergeben. Welchen misslichen 
Folgen ist er aber ausgesetzt, wenn er die verordneten Mittel nicht kennt 
oder nicht weise, wie sie im Ursprungslands gesetzlich beschälten sind. 
Die „Universal-Pharmakopöe“ spart dem Apotheker viel Zeit und Gold und 
schützt ihn vor Missverständnissen und Fehlern. 

Das Erscheinen einer neuen Auflage des umfangreichen Werkes 
beweist, dass die ihm beim ersten Erscheinen zu Teil gewordene An¬ 
erkennung berechtigt war. Hier seien nur einige kurze wörtliche Aus¬ 
züge aus hervorragenden Blättern verschiedener Länder wieder¬ 
gegeben : 

„Eines Nachschlagewerkes dieser Gattung dürfte sich die Phannade keines 
zweiten Landes rühmen können.“ (Archiv der Pharmaolo.) 

„The author presente a work which is a monument to his knowledge and 
zeal, and of inestimable value to the pharmacists of all dvilized 
oountries.“ (American Journal of Pharmaey 1889.) 

„Dieses für den praktischen Apotheker geradezu unentbehr¬ 
liche Werk . . . sollte auch in den Vereinigten Staaten eine wdte Verbrei¬ 
tung finden.“ (Pharmaoeutisohe Rundschau, Now-York.) 

„Das ausgezeichnete Werk, auf das die deutsche Litteratur stolz sein kann, 
sollte in kdner Apotheke fehlen. Die Anschaffungskosten stehen in 
gar keinem Verhältnisse zu seinem eminent praktischen Werthe.“ 

(Rundsohau der pharm. Presse, Wien. 1891.) 

„Dit standaardwerk, dat onontbeerlyk moet genoemd worden voor iederen 
apotheker die recepten uit vreemde landen gereed maakt, en in geene pharma- 
ceutische bibliotheek mag ontbreken,...“ (Pharmacout Weekblad 1891, Nr. 10.) 

„Die Anschaffung und Benutzung sei allen Apothekern ebenso warm em¬ 
pfohlen, wie allen denen, welche einstig berufen sind, an der Ausarbdtung 
neuer Pharmakopöen sich zu betheiligen.“ 

(Jahresbericht üb. d. Forteohr. der Pharmaoognosle etc.) 

NT Ausführlicher Prospekt kostenfrei . Wl v 

Böttingen. 'Vandenboeck I Ruprecht. 


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Nr. 2. 


Zweites Januar-Heft 1902. 3. Jahrgang. 


tenfralblaff 

für 

Stoffwechsel- & Veröauungs-Ki’anRheiUn 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 


redigiert von Dr. med. Ernst Sdirelber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck ft Ruprecht in Oöttingen. 


Moiuilidi 2 Nrn. von IV»—2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
haJbjihriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Postanstalten des In- und Auslandes, Nr. 1489 der Zeitungs-Preisliste f. d. Deutsche Reich. (Postbezug 
in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausserhalb Europas 1 Mark 20 Pf. jihrlich mehr.) 


Origiual-Hrtihel. 

Aus dem Laboratorium der I. therapeut Klinik der Militär-med. Akademie 
zu St Petersburg (Direktor: Prof. Dr. Pasternatzky). 

Bin Beitrag ;ur frage über die Blutalkalescen|. 

(Vorläufige Mitteilung). 

Von 

Dr. med. Witold Orlowski, Ordinator der Klinik. 

Obgleich die Physiologen und Pathologen dieses Jahrhunderts sich 
eingehend mit der Frage über die Alkalescenz des Blutes beschäftigt haben, 
ist man doch zu keinem einheitlichen Ergebnis gekommen. Einen Fort¬ 
schritt haben unsere Kenntnisse auf diesem Gebiet nur im Laufe des letzten 
Jahrzehnts gemacht, dank den Untersuchungen von Dr Löwy. Seine Unter¬ 
suchungen haben vor allem dadurch unser Wissen in Bezug auf die Blut- 
alkaleszenz vermehrt, dass sie uns zeigen, dass Alkalien nicht nur im Blut¬ 
plasma enthalten sind, sondern hauptsächlich gerade in den Erythrocyten. 
Ausserdem verdanken wir ihm auch eine neue Methode zur Bestimmung der 
Blutalkalescenz, die viel exakter ist als die bisher gebräuchlichen: lackfarbiges 
Blut, das man mittels lOfacher Verdünnung normalen Bluts durch eine Lö¬ 
sung von Ammonium oxaiicum (0,2%) erhält, wird durch eine V M normale 
Weinsteinsäurelösung titriert Endlich muss man es ihm auch zum Verdienst 
anrechnen, dass er unsere Hypothesen über die Alkalescenz des Blutes bei den 
verschiedenen Krankheiten einer Kritik unterworfen hat Leider hat er, 
ebenso wie auch die späteren Forscher auf diesem Oebiet, sich nur darauf 

Nr. 2. 


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32 


beschränkt, dieThatsache zu konstatieren, dass die Alkalescenz des Blutes bei 
derselben Krankheit sowohl erhöht, als auch herabgesetzt, als auch normal 
sein kann. Sie haben uns aber nicht die Ursache einer solchen Unbeständig¬ 
keit der Blutalkalescenz klar zu machen gesucht: eine solche Unbeständigkeit 
der Blutalkalescenz hätte doch zur Folge gehabt, dass die Bedeutung, die 
dem Grade der Blutalkalescenz zugemessen wurde, vergrössert wurde. Und 
doch wären Untersuchungen gerade in dieser Richtung besonders wünschens¬ 
wert: einerseits könnten sie die Aufgabe der Blutalkalescenz ins rechte Licht 
setzen, anderseits könnten sie uns gewissermassen den Schlüssel zur Erklä¬ 
rung vieler pathologischer Prozesse geben, die schon lange ihrer Erledigung 
harren, z. B. der Lehre von der Säureautointoxikation des Organismus und 
viele andere. 

In dieser Arbeit habe ich es mir gerade darum vor allem zum Ziel 
gesetzt, die Ursache des Schwankens der Blutalkalescenz bei einer und der¬ 
selben Krankheit zu finden. Doch bevor ich zu Versuchen in dieser Richtung 
schritt, hielt ich es für notwendig, an Tieren experimentell mich von der 
Richtigkeit der Angaben von Dr. Löwy zu überzeugen, dass nämlich die 
auch noch jetzt gebräuchlichen Methoden der Bestimmung der Blutalkalescenz 
von v. Jaksch undLandois ungenaue und unbeständige Resultate ergäben, 
während die Bestimmung der Blutalkalescenz im lackfarbigen Blut nach 
seiner Methode genaue Ziffern gäbe. Meine Versuche in dieser Richtung 
haben vollkommen die Behauptungen v. Löwy’s bestätigt, infolgedessen 
führe ich sie hier nicht an. 

Die Unbeständigkeit der Ziffern bei der Bestimmung der Blutalkalescenz 
nachLandois-Jaksch’scherMethodesuchtLöwy dadurch zu erklären, dass 
im deckfarbigen Blut die Erythrocyten einem allmählichen progressiven Zer¬ 
fall unterliegen, wodurch ihre Alkalien frei werden: indem er nämlich die 
Alkalescenz des Blutplasmas und des aus Erythrocyten bestehenden Boden¬ 
satzes einzeln bestimmte, bekam er in summa dieselben Resultate, die er 
auch bei der Bestimmung der Alkalescenz des Blutes selbst bekam. 

Meine Versuche, durch die ich die Veränderlichkeit der Ziffern der 
Blutalkalescenz, welche man bei der Bestimmung nach Landois-Jaksch er¬ 
hält, zu erklären suchte, habe ich nun auf andere Weise angestellt. Da ich 
mich davon überzeugt hatte, dass die Blutalkalescenz beim Defibrinieren keiner 
Aenderung unterliegt, nahm ich defibriniertes Hundeblut, bestimmte die Al¬ 
kalescenz in gewissen Zeiträumen zuerst nach Löwy, dann aber nach 
Landois-Jaksch. Da die Alkalescenz des Serums mir bekannt war, so 
konnte ich leicht berechnen, einen welchen Teil seiner Alkalescenz in jedem 
gegebenen Moment das Blut den Alkalien der zerfallenen Erythrocyten zu 
verdanken hat Vor jedem Versuch bestimmte ich bei den Tieren die Zahl der 
Erythrocyten im Kubikmillimeter Blut und ihre Resistenz nach der Methode 
von Hamburger. Auf diese Bestimmungen legte ich besonderen Nachdruck 
auf Grund folgender Ueberlegung: gesetzt, dass die Behauptung von Löwy, 
dass die Veränderlichkeit der Grösse der Blutalkalescenz nach Jaksch vom 
Zerteil der Erythrocyten abhängig sei, richtig ist, so müssen natürlich die 
Schwankungen um so geringer sein, je resistenter gegebenen Falls das Blut 
ist; anderseits müssen die Schwankungen der Blutalkalescenz bei gleicher 


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Resistenz der Blutkörperchen in zwei Portionen Blut, in jener Portion grösser 
sein, die an roten Blutkörperchen reicher ist Wenn wir also in 2 Blut¬ 
portionen von 2 verschiedenen Versuchstieren den Grad der Blutalkalescenz, 
der im gegebenen Fall auf den Teil der Erythrocyten kommt, berechnen, 
und wenn wir die erhaltenen Grössen auf den gleichen Gehalt der roten 
Blutkörperchen der beiden Blutportionen zurückführen, so bekommen wir 
Zahlen, die zu einander in demselben Verhältnis stehen, wie die Resistenz 
der Erythrocyten in beiden Blutportionen. Eine Reihe von Versuchen hat 
wirklich diese Annahme bestätigt Aus der Zahl der Versuche will ich nur 
2 hier anführen. 

Versuch I: Zahl der Erythrocyten in 1 mm 8 : 5,342,000. Ihre Resistenz 
= 0,49% NaCl. Alkalescenz des Blutes nach Löwy — 336 mg, des Serums 
- 160 mg NaOH (%). 


Blutalkalescenz nach Landois-Jaksch: 


1. 

nach 10 

198 

mg, also vom Zerfall der Erythrocyten 38 

mg 

1 

» 15' 

240 

» » » 

» » 

» 

80 

» 

3. 

* 30 

297,5 

» » » 

» » 

» 

137,5 

» 

4. 

» 60 

302 

» » » 

» » 

» 

142 

» 

5. 

» 6 Stunden 334 

» » » 

» » 

» 

174 

» 


Versuch II: Zahl der Erythrocyten in 1 mm 8 5,210,000. Resistenz 
= 0,57 % NaCI. Alkalescenz des gesamten Blutes nach Löwy — 369,2 mg 
NaOH, des Serums — 203 mg. 


Nach Landois-Jaksch: 


i. 

nach 

10 

246 mg, also auf den Zerfall von Erythrocyten 

42 mg 

2 

» 

15' 

294 » » » » » 

» 

» 

91 » 

3. 

» 

30 

361 • » » » » » 


» 

158 » 

4. 

» 

60 

363 » » » » » 

» 

» 

160 » 

5 

» 

6 Stund. 364,5 » » » » » 

» 

» 

161,5 » 


Indem 

wir beide Versuche vergleichen, 

finden 

wir, dass 

die Re- 


sistenz des Blutes im Versuch II 1,16 mal geringer ist, als im Versuch I. 
Wenn wir nun berechnen, welcher Teil der Blutalkalescenz auf die Alkalien 
der roten Blutkörperchen im Versuch II zurückzuführen ist bei demselben 
Gehalt an roten Blutkörperchen, wie im Versuch I, so finden wir, dass es 
in jedem Moment 1,16 mal grösser ist als im Versuch I. Dieses Verhalten 
zeigen wirklich folgende Ziffern: nach 10 — 1,13, nach 15' — 1,166, nach 
30 — 1,18, nach 60 — 1,15, nach 6 Stunden — 0,95. 

Auf solche Weise sehen wir, dass in der That die allmähliche Steige¬ 
rung der Blutalkalescenz, wie sie bei der Bestimmung nach Landois- 
Jaksch spontan vor sich geht, in einem gewissen Zusammenhang mit der 
Resistenz des Blutes steht Da die letztere nicht nur bei verschiedenen pa¬ 
thologischen Zuständen in keinem gleichen Grade vorhanden ist, sondern 
auch eine beträchtliche Verschiedenheit derselben bei gesunden Personen 
beobachtet wird, so kann die Methode von Landois-Jaksch keine ver¬ 
gleichbaren Resultate geben und muss daher gänzlich verworfen werden. 


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34 


Die Versuche, wie ich sie angestellt habe, unterscheiden sich auf 
solche Weise bedeutend von der Methodik von Löwy und anderen Autoren. 
Trotzdem sie recht kompliziert sind, entsprechen sie viel mehr unseren 
Zwecken, da man ja bei meinen Versuchen jeden Augenblick die Verände¬ 
rung der Höhe der Blutalkalescenz nach der Methode von Landois-Jaksch 
verfolgen kann, ebenso auch die Abhängigkeit derselben von der Resistenz 
des Blutes und von seinem Gehalt an roten Blutkörperchen. 

Zu dierer Untersuchungsmethode führte mich das eingehendere Stu¬ 
dium einiger Abschnitte aus der Hämatologie. In der That fillt es sofort 
in die Augen, wenn man die Litteratur über die Blutalkalescenz verfolgt, 
dass die Verminderung der Blutalkalescenz von den meisten Autoren gerade 
bei denjenigen Krankheiten hervorgerufen wurde, bei denen die Resistenz 
des Blutes, wie es neuere Untersuchungen zeigten, erhöht ist. Da die 
Autoren hauptsächlich nach Landois-Jaksch und ähnlichen Methoden 
arbeiteten, so ist diese Thalsache dank meinen oben «wähnten Unter¬ 
suchungen leicht erklärlich. 

Nach diesen Versuchen ging ich zur Untersuchung der Blutalkales¬ 
cenz sowohl bei physiologischem als auch pathologischem Zustande des 
Körpers Aber. Diese Untersuchungen habe ich an Gesunden als auch an 
Kranken ausgefQhrt, einige aber auch an Hunden. Hier habe ich zur 
Bestimmung der Blutalkalescenz das Alkalimeter von Engel benutzt, der nach 
dem Prinzip des Mischers ffir rote Blutkörperchen konstruiert ist: in diesem 
Alkalimeter werden 0,05 ccm Blut, das aus der Fingerbeere genommen wird, 
lOOfach durch destilliertes Wasser verdünnt; das auf solche Weise ge¬ 
wonnene lackfarbige Blut wird durch V» normale Weinsteinsäurelösung bis 1 
zur neutralen Reaktion titriert; nach der Zahl der verbrauchten ccm dieser 
Lösung ist es nicht schwierig, die Blutalkalescenz in mg NaOH auf 100 ccm 
Blut zu berechnen. Ich begnügte mich jedoch nicht mit der Bestimmung 
der Blutalkalescenz allein. Aehnliche Untersuchungen giebt es schon sehr 
viel in der Litteratur, und, wie ich es oben zeigte, bewiesen sie nicht mehr, 
als dass die Blutalkalescenz bei einer und derselben Krankheit bei ver¬ 
schiedenen Personen verschieden ist, sie gaben also durchaus keine Anhalts¬ 
punkte zur näheren Erklärung dieser Erscheinung. Ich hielt es für not¬ 
wendig, in jedem Fall ausser der Blutalkalescenz auch noch den Gehalt 
an Hämoglobin (nach Go wer'scher Methode), an roten und weissen Blut¬ 
körperchen zu bestimmen, indem ich annahm, dass ich vielleicht auf solche 
Weise Daten gewinnen könnte, welche die mich interessierende Frage näher 
beleuchten könnten. 

Meine Erwartungen, die ich an diese Untersuchungsart knüpfte, 
wurden vollständig erfüllt Im ganzen habe ich 138 Untersuchungen an 
63 Kranken gemacht, nämlich 8 Fälle von Pneumonia crouposa, 2 von 
Tuberculosis pulmonum, 1 Bronchitis putrida, 5 Vitium cordis, 1 Cor lassum, 

2 Cirrhosis hepatis atroph., 1 Ciirh. hepat hypertroph., 10 Nierenerkrankun- 
gen (Nephritis, Pyelitis), 7 Magenkrankheiten, 4 Ileotyphus, 2 Influenza, 

1 Rheumatismus artic. acutus, 3 Anämie (Chlorosis), 3 Diabetes mellitus, 

3 Diathesis urica, 3 Cholelithiasis, 1 Purpura hämorrhagica, 6 Cancer von 
verschiedenen Organen und 3 Uraemia (bei 3 von Nephritikem). 


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35 


Ich gehe hier in der vorläufigen Mitteilung nicht auf die ausführliche 
Beschreibung meiner Untersuchungen ein. Ich beschränkte mich hier 
nur darauf, die Ergebnisse anzuführen, zu denen ich durch meine Unter¬ 
suchungen kam. 

1. Das Alkalimeter von Engel giebt Resultate, welche die ^tatsächlichen 
Ziffern um 106,6 mg NaOH (%) übertreffen, wenn man Lackmus 
als Indikator benutzt; wenn man aber LackmoTd als Indikator be¬ 
nutzt, daun beträgt die Differenz 19 mg NaOH. 

2 . Die Blutalkalescenz gesunder Personen beträgt 240—267 mg NaOH 
auf 100 ccm Blut bei Benutzung von Lackmus, 269—289 bei 
Lackmold als Indikator. 

3. Bei den verschiedenen Krankheiten ist die Blutalkalescenz pro¬ 
portional dem Gehalt an Erythrocyten: sie wird geringer bei ver¬ 
mindertem Gehalt an roten Blutkörperchen, bleibt normal bei nor¬ 
malem Gehall 

4. Die Alkalescenz des Blutplasmas ist nur bei der Krebskachexie, bei 
schwerem Diabetes mellitus und in dem letzten Stadium der Urämie 
sehr herabgesetzt 

5. Bei allen anderen Krankheiten ist die Alkalescenz des Blutplasmas 
normal oder, wenn sie von der Norm abweicht, so sehr unbe¬ 
deutend; die Ausnahmen sind sehr selten. 

6. Geringe lauwarme (30° R.) alkalische Klysmen (250,0) erhöhen in 
stärkerem Grade die Blutalkalescenz als der innerliche Gebrauch 
von Alkalien sowohl bei Gesunden als auch bei Kranken (Dia¬ 
betikern). 

7. Die Erhöhung der Blutalkalescenz, durch inneren Gebrauch von 
Alkalien oder durch alkalische Klysmen hervorgerufen , dauert nur 
kurze Zeit an. 

Die eingehendere Beschreibung dieser meiner Versuche ebenso auch 
der ganzen diesbezüglichen Arbeit mit den Versuchsprotokollen und klini¬ 
schen Untersuchungen folgt baldigst in einer ausführlicheren Abhandlung. 


Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1901 zu ergänzen.) 

Muri: Del diabete bronzino. (Ueber den Bronzediabetes.) (Riv. Crit. di Clin. Med., 
Nr. 11—12, nach Riv. Ven. di sdenze med., fase. VI, S. 284.) 

Diabetes und Bronzefarbung der Haut können ohne Lebercirrhose Zustande¬ 
kommen. — Das klinische Bild des Bronzediabetes wird von einer pigmentierten 
Hepatitis gegeben, da durch letztere schwere Folgezustande entstehen, wie der 


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Asdtes, Ikterus, Milztumor, Verdauungsbeschwerden, allgemeiner Kräfteveriall, 
endlich der Exitus. — Es sind selten Falle bekannt, wo der Bronzediabetes ohne 
Hepatitis sich entwickelte und wo die Heilung nicht zu den Unmöglichkeiten 
zählt Die häufige Vereinigung der drei Hauptphänomene (Diabetes, Hämo- 
chromatosis, Lebercirrhosis) ist bedingt durch gewisse allen gemeinsame Be¬ 
dingungen, die teils biologischer, hygienischer, teils toxischer Natur sind, und die 
alle dahin zielen, den Stoffwechsel in seinen Grundfesten zu untergraben. — Bei 
der grossen Häufigkeit, bei der das Pankreas in diesen Fällen sich verändert zeigt, 
kann man ohne weiteres annehmen, dass die Glykosurie auch von einer solchen 
Verletzung herrühren dürfte. Untersucht man den Ursprung der 3 mit einander 
verbundenen krankhaften Elemente, so kommt man als zur einzig rationellen Er¬ 
klärung zur Hypothese einer allgemeinen Dystrophie der zelligen Elemente des 
Körpers, bewirkt durch das längere Einwirken von den den Stoffwechsel schädigen¬ 
den Ursachen, die sich vornehmlich darthun durch eine Verminderung einer nor¬ 
malen Eigenschaft (Kohlenhydratverbrauch) und durch das Vortreten zweier ab¬ 
normer Eigentümlichkeiten, welche teils sich charakterisieren durch Fixieren des 
Blutfarbstoffes, teils durch Neigung zur Bindegewebsvermehrung, die namentlich 
in der Leber die Charaktere einer interstitiellen Entzündung annehmen. 

Der bis jetzt dem Bronzediabetes zugeschriebene absolut ungünstige Ver¬ 
lauf wird zweifelsohne nach M. durch die pigmentierte Hepatitis hervorgerufen. 

Plitek (Triest). 


Zfilzer: Zur Frage des Nebennierendiabetes. (Bert. klin. Wochenschr., Nr. 48.) 

Bei der nach Blum durch Einspritzung von Nebennierensaft — also einem 
quasi physiologischen Produkt — selbst nach längerer Karenz eintretenden Gly¬ 
kosurie, welche die Injektion um 24—48 Stunden überdauert, ist bei Katzen und 
Hunden der Oehalt des Blutes an Zucker gesteigert. Es kann sich also nicht, 
wie bei der Phloridzinwirkung, um einen rein renalen Vorgang handeln. Um 
über den Ort der Störung im Kohlenhydratstoffwechsel Aufschluss zu erhalten, 
hat Z. nach der Injektion Lävulose verfüttert, weil nach Strauss bei Lebererkran¬ 
kungen häufig Lävulosurie gefunden wird, jedoch unter vielen Versuchen nur 
dreimal Lävulose im Ham erhalten. Nach Dextrosefütterung stieg die Glykosurie 
meist bedeutend; nach Milchzucker trat sehr häufig Laktosurie auf. 

Verf. schliesst sich der Blum’sehen Auffassung der »durch dauernde 
Injektion dauernd zu gestaltenden Glykosurie« als einer Form von Diabetes an. 

(Anm. des Ref.: Diese Auffassung dürfte auf Widerspruch stossen, da es 
sich hier doch nur um ein einziges einem gewaltsamen Eingriff jeweils folgendes 
Symptom des Diabetes handelt und nicht um: (von Noorden) »eine Krank¬ 
heit, bei welcher die Fähigkeit des Organismus, Traubenzucker zu verbrennen, 
krankhaft herabgesetzt ist«.) Pickardt (Berlin). 


Talma, S.: Zur Ernährung der Diabetiker. (Therapie der Gegenwart, Nr. 9.) 

Der Kalorieenwert der Nahrung darf für die Ernährung des Diabetikers 
nicht das Massgebende sein, erstens, da wir überhaupt nur ungenau wissen, wie 
viel von den einzelnen Speisen im Darme zur Resorption gelangt, und da zweitens 
bei vielen Diabetikern sehr viel von der zugeführten Nahrung unbenutzt den 
Darm per anum verlässt. Eine unerlässliche Bedingung ist, dass man einen 
richtigen Einblick in den N-Haushalt des Diabetikers gewinnt, wozu meistenteils 
die Bestimmung des Hamstickstoffes genügt. Im Gegensatz zu v. Noorden und 
Naunyn giebt T. seinen Diabetikern genügend Eiweiss, jedenfalls so viel, dass 
die Ausgabe die Einnahme nicht übertrifft, und dies ist zu erreichen, wenn das 
tägliche N-Quantum die von v. Noorden angegebene Zahl ± 16 erreicht ln 
solchen Fällen, in denen Qicht mit Diabetes kompliziert ist, ist das Minimum von 


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37 


N festzustellen, bei welchem noch Gleichgewicht besteht Was die Frage betrifft, 
ob durch Einführung von reichlich Eiweiss infolge Abspaltung von Kohlenhydrat¬ 
gruppen die Glykosurie verstärkt werden kann, so ist dies nicht recht wahr¬ 
scheinlich. Aber eine andere Möglichkeit ist nicht aus dem Auge zu verlieren, 
dass die Glykosurie durch Nierenleiden (Gicht) infolge der Ausscheidung von zu 
viel N-haltigem Material verstärkt werden kann; es läge dann eine »Kombination 
hyperglykämischer und renaler Glykosurie« vor. Wir haben also nur dann in der 
grossen Eiweisszufuhr eine Schädlichkeit zu erblicken, wenn Albuminurie auftritt. 

An Stelle der für den Diabetiker nicht oxydierbaren Kohlenhydrate ist Fett 
zu geben; doch zu vermeiden ist, dass dadurch Dyspepsie auftritt Ferner ist zu 
bedenken, dass im Magen und Darm frei gewordene Fettsäuren die Menge der 
Oxybuttersäure, Acetessigsäure und des Acetons vergrössem können. Um die 
Dyspepsieen zu bekämpfen, leisten die im Organismus oxydierbaren Pflanzen¬ 
säuren gute Dienste. Hagenberg (Göttingen). 


Bial u. Blnmenthal: Beobachtungen und Versuche bei chronischer Pentosurie. Aus 
d. Lab. d. I. med. Univ.-Klinik in Berlin (Dir. Geh. Med.-Rat Prof. Dr. v. Leyden). 

(Deutsche med. Wochenschr. ; Nr. 22.) 

Die Untersuchungen wurden an einem an chronischer Pentosurie leidenden 
Kranken angestellt, bei denen sich zunächst zeigte, dass diese Stoffwechselanomalie 
in keinerlei Beziehung zum Diabetes mellitus steht; denn der Kranke zeigte ein 
durchaus normales Oxydationsvermögen gegenüber Traubenzucker, Lävulose, 
Galaktose. Ferner liess sich nachweisen, dass bei dem Patienten auch in nor¬ 
maler Weise und Menge aus dem Leberglykogen durch das diastatische Blut- resp. 
Lymphferment Traubenzucker gebildet wird. 

Dass in den zugeführten Kohlehydraten nicht die Quelle liegt für die Pen- 
tose, zeigten diese Versuche auch; ebenso riefen Nudelne, aus deren Kohlenhydrat- 
gruppe sich Pentosen abspalten lassen, keinerlei Vermehrung der ausgeschiedenen 
Pentosenmenge hervor. 

Es drängt also alles dazu, die Quelle im Organismus selbst zu suchen. Dass 
es die Niere nicht sein kann, lehrt der positive Ausfall der Orcinprobe mit dem Blute 
des Kranken. Wenn wir den Ursprung in dem inneren Stoffwechsel zu suchen 
hätten und normalerweise die hier auf irgend eine Weise gebildeten Pentosen 
vom gesunden Organismus verbrannt würden, so müsste bei einem Pentosuriker 
eine zugeführte Menge von Pentose im Urin unverbraucht erscheinen. Von 50 g 
zugeführter Pentose fanden sich aber nur 6 g wieder, so dass auch diese An¬ 
nahme nicht richtig sein kann. Die Frage nach der Quelle der Pentosen im 
Organismus ist also noch offen. Hagenberg (Göttingen). 


Kdfing, Georg (Dresden): Ueber Oesophagoskopie, Gastroskopie and Kölioskopie. 
Vortrag, gehalten auf der 73. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in 
Hamburg am 23. Sept. (Münch, med. Wochenschr., 1902, Nr. 1.) 

K. weist die Einwände zurück, die vielfach gegen die Brauchbarkeit der 
Oesophagoskopie erhoben werden, und sieht in letzterer ein notwendiges 
diagnostisches Hilfsmittel, ohne das sich in manchen Fällen eine sichere Diagnose 
überhaupt nicht stellen lässt Zur Entfernung von Fremdkörpern in der Speise¬ 
röhre ist die Oesophagoskopie von geradezu unschätzbarem Werte. 

Zur Gastroskopie benutzt K. das von ihm angegebene gegliederte 
Oesophagoskop, an dessen unterem Ende ein etwa 10 cm langes nicht gegliedertes 
Stück unter einem stumpfen Winkel fest angebracht ist Sehprisma und Olühlampe 
und drehbar in diesem Schnabel eingefügt; das Linsensystem befindet sich in 
oncr Röhre, die nach Einführung und Qeradestreckung des Oesophagoskops von vom 


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38 


eingeschoben wird. Ausserdem istmitdem Apparat eineVorrichtungzurLuftaufblähung 
des Magens verbunden. Der praktische Nutzen, den die Oastroskopie gewährt, 
besteht darin, dass sie eine frühzeitige sichere Diagnose zu stellen ermöglicht 
Das ist in erster Linie beim Cardnom von vitaler Bedeutung, welches sich dem 
Nachweise durch die gewöhnlichen Mittel der klinischen Diagnostik oft lange ent¬ 
zieht. Ferner giebt die Gastroskopie genaue Auskunft über die Operabilität eines 
Tumors. So ist die Gastroskopie berufen, an die Stelle der Probelaparotomie 
zu treten, zumal sie in der Hand des vorsichtigen und geübten Untersuchers 
keinerlei Nachteile für den Patienten in sich schliesst 

Der Besichtigung der Umgebung des Magens, sowie überhaupt der Organe 
der Bauchhöhle dient die von K. angegebene Methode der Kölioskopie, deren 
Ausbildung den Verf. noch weiter beschäftigt. Das Prinzip dieser Methode ist, 
die Bauchhöhle in ähnlicher Weise, wie es K. zur Stillung intraabdominaler 
Blutungen kürzlich (Münch, med. Wochenschr., Nr. 38. 39, Ref. dies. Centralbl., 1901, 
Nr. 20, S. 528) empfohlen hatte, mit Luft zu füllen und durch einen Trokar ein 
feines Nitze’sches Cystoskop einzuführen. Vorläufig hat Verf. diese Methode 
nur bei Tieren geübt, hofft aber, sie so weit ausbilden zu können, dass sie sich 
bald auch beim Menschen ohne jede Oefahr in Anwendung bringen lässt 

Schade (Oöttingen). 


Robln, Albert: La phosphaturie terreuse des dyspeptiqnes. — Emissions d’nrine lattease. 
Cystite, pydüte et hlmaturie d’origine gastrique. — Diagnostic et traitement (Bull, 
de l’acad. de möd., 1900, tome 44, S. 681.) 

Patienten, die einen durch Phosphatsalze milchig getrübten Urin entleeren, 
hat man bisher mit Unrecht als Neurastheniker behandelt; allerdings ist die Phos¬ 
phaturie eine sekundäre Erscheinung, aber sie hängt nicht ab von einer zu 
Grunde liegenden Neurasthenie, sondern einer Dyspepsie, und zwar trifft man sie 
vorwiegend bei derjenigen Form der Dyspepsie, die R. als hypersthenische 
Dyspepsie bezeichnet, einer Form, welche im grossen und ganzen dem Krank¬ 
heitsbilde der Hyperchlorhydrie entspricht. Als Symptom von untergeordneter 
Bedeutung und intermittierendem Auftreten findet sich Phosphaturie in der Mehr¬ 
zahl aller Fälle von Hyperchlorhydrie, ohne besondere Erscheinungen zu machen; 
in einer anderen Gruppe von Fällen nimmt sie solche Grade an, dass durch sie 
das ganze Krankheitsbild beherrscht wird, und das sind gerade die Fälle, die der 
Diagnose der Hyperchlorhydrie die grössten Schwierigkeiten bereiten, da sich der 
Verdacht entweder auf ein selbständiges Leiden der Hamwege lenkt, zumal die 
oft mit äusserst schmerzhaften Krisen einhergehenden Entleerungen von Phosphat¬ 
massen häufig genug das einzigste Symptom bilden; oder wenn gleichzeitig, wie 
meist der Fall, nervöse Erscheinungen bestehen, eine Phosphaturie auf nervöser 
Grundlage angenommen wird. R. macht es daher dem Arzt zur Pflicht, in jedem 
Falle von Phosphaturie eine sorgfältige Prüfung der Magenfunktion vommehmen. 
Bei 21 Patienten mit Phosphaturie ergab die Untersuchung des Mageninhalts 
eine Hyperchlorhydrie. Ausser diesem häufigen Nebeneinandervorkommen von 
Phosphaturie und Hyperchlorhydrie spricht besonders die Thatsache für eine Ab¬ 
hängigkeit ersterer von letzterer, dass eine gegen die Hyperchlorhydrie gerichtete 
Behandlung auch die Phosphaturie heilt resp. bessert, während alle anderen, ins¬ 
besondere gegen die Phosphaturie selbst oder gegen die Neurasthenie gerichteten 
Behandlungsmethoden erfolglos bleiben. 

Die bei der Hyperchlorhydrie auftretende Phosphaturie ist keine Phosphat¬ 
urie im eigentlichen Sinne des Wortes, d. h. es ist weder die Ausscheidung der 
Phosphorsäure, pro Kilo Körpergewicht berechnet, vermehrt, noch das Verhältnis 
der Gesamtphosphorsäure zum Gesamtstickstoff im Ham. Wenigstens bildet 
dieses Verhalten die Ausnahme (23%); in der Regel ist bei der Hyperchlorhydrie 
nur die absolute Menge der Erdphosphate vermehrt: während normalerweise 


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die au Ca und Mg gebundene Phosphorsäure 23 %—25% der Oesamtphosphor- 
säure ausmacht, fand R. Werte von 26,1—51 °/o* 

Zu dieser Vermehrung der Erdphosphate kommt nun als ein das Ausfallen 
derselben begünstigendes Moment die infolge der Hyperchlorhydrie verminderte 
Acidität des Harns hinzu. Dieselbe hat zur Folge, dass die nur als saure Salze 
löslichen Erdalkaliphosphate im Ham ausfallen. Dadurch wird auf die Hamwege 
ein ständiger Reiz ausgeübt, der, wenn er, wie in den schwereren Fällen, dauernd 
und intensiv einwirkt, zur Katarrhbildung führt (Cystitis, Pyelitis, Pyelo-Nephritis 
und Hämaturie). Bei allen Cystitiden unbekannten Ursprungs soll man daher der 
Prüfung der Magenthätigkeit besondere Aufmerksamkeit zuwenden! Als weitere 
Komplikationen erwähnt R. Albuminurie, die sich jedoch stets in mässigen Grenzen 
hält, Auftreten von Urohämatin im Ham — daraus erklärt er die so häufige sekun¬ 
däre Anämie —, Indikanurie und — seltener — Urobilinurie. 

Der Behandlung der die Hyperchlorhydrie begleitenden Phosphaturie 
liegen drei Aufgaben ob: 1. die Behandlung der Hyperchlorhydrie; 2. die Behand¬ 
lung der Komplikationen (Cystitis etc.) und 3. die Behandlung der mit der Harn¬ 
entleerung oft verbundenen Krisen. Eine zweckmässige, gegen die Hyperchlor- 
bydrie gerichtete Therapie macht eine besondere Behandlung der Komplikationen 
meist unnötig; eine solche ist auch in der Regel ohne Erfolg; der Katheterismus 
ist durchaus zu verwerfen, da er die Katarrhbildung noch begünstigt. Zur Zeit 
der Krisen lässt man den Patienten absolute Ruhe innehalten und reichlich Wasser 
oder leicht diuretisch wirkende Thees trinken. Bei sehr heftigen Schmerzen Brom 
oder Opium. Schade (Göttingen). 


Marfan: Les vomissements avec ac&onämie chez les enfants. (Archives de mödedne 
des enfants. 4. Band. 1901, S. 641.) 

Bei Kindern im Alter von einem bis zu zehn Jahren kommt eine akute 
Affektion, welche ausschliesslich durch Erbrechen und vermehrte Acetonaus¬ 
scheidung charakterisiert ist, zur Beobachtung. Verdauungsstörungen sind nicht 
nachweisbar, die Temperatur überschreitet selten 38°, die Respiration ist häufig 
unregelmässig. Dauert die Erkrankung länger als 3 oder 4 Tage, so treten die 
Zeichen hochgradiger Ernährungsstörung hervor. Ebenso plötzlich, wie die Er¬ 
krankung auffritt, verschwindet sie, und die Kinder erholen sich zumeist sehr 
schnell; nur die Hyperacetonurie ist noch einige Zeit nachweisbar. Reddive sind 
nicht selten, aber sind nicht das charakteristische Merkmal der Erkrankung, die 
übrigens nie im Hospital, sondern nur in der Privatpraxis zur Beobachtung kommt. 
Verf. führt die Krankheit ätiologisch auf eine Intoxikation zurück, deren Natur 
allerdings vorläufig vollständig unbekannt ist Keller (Breslau). 


Stiller: Noch ein Wort über Magenatonie. (Berliner klin. Wochenschr., Nr. 49. 50.) 

Stiller kommt noch einmal auf die von Elsner ihm in dessen letzter 
Entgegnung gemachten Ein- und Vorwürfe zurück. Er glaubt sich mit seinen 
Ansichten alleinstehend (d. dagegen u. a. Schüler, Volland, Kelling) und 
führt aus: Die Magenatonie ist das früheste und konstanteste Zeichen der Entero- 
ptose. Sie beruht auf einer angeborenen asthenischen Grundlage — Fälle musku¬ 
lärer oder lokaler Natur bilden die Ausnahme. — Die einfache Atonie ist nur 
Schwäche des neuromuskulären Tonus, die zur temporären Insuffizienz disponiert, 
aber nur in der Minderzahl der Fälle zur stabilen Schädigung der Peristaltik, 
noch seltener der zur Stagnation gedeiht. Ptose, Atonie und nervöse Dyspepsie 
sind im ganzen identisch. Der morphologische Ausdruck derjenigen Funktions¬ 
störung, die wir Atonie nennen, ist die Ptose, und ihr untrügliches klinisches 
Zeichen ist eben die Ptose und deren Produkt, das Plätschern. Auf der Höhe 
der Verdauung und leicht auslösbar, spricht dieses für peristaltische Atonie, nach 

Nr. 2. 


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40 


der Verdauungszeit für motorische Insuffizienz oder peristaltische Atonie, bei nüch¬ 
ternem Magen für Stagnation oder atonische Ektasie, Stadien eines Krankheits¬ 
zustandes, welche unmerklich in einander übergehen. Pickardt (Berlin). 


Kuttner: Plfttscfaergerftlisch, Atonie und Gastroptose. (Berliner klin. Wochenschr., 

Nr. 50.) 

Zu dem durch die Kontroversen Elsner-Stiller (s. mehrfach im vorigen 
Jahrgang dieses Centralblattes) aufs neue entfachten Streit der Anschauungen 
über die diagnostische Bedeutung des Plätschergeräusches äussert sich K. in einer 
Abhandlung, aus deren Resumä folgendes hervorgehoben sein möge: 

Das lebhafte, schon bei oberflächlicher Berührung entstehende Platscher- 
geräusch des Magens ist ein pathologisches Phänomen. Das Auftreten des 
Plätschergeräusches bei gegebenem Füllungszustand des Magens ist im wesent¬ 
lichen abhängig von dem Tonus der Magenmuskulatur und der Bauchdecken. 
Die Lage des Magens kommt erst in zweiter Linie in Frage. Das Plätscher¬ 
geräusch spricht für Atonia ventriculi, wenn es während der Zeit der Verdauung 
hervorzurufen ist; abnorm lange Zeit nach dieser weist es auf motorische Insuffizienz 
hin. Die Atonie des Magens bedeutet eine Schlaffheit seiner Muskulatur; sie 
beruht häufig auf konstitutioneller Grundlage. Aus der Atonie entwickelt sich 
öfter die Gastroptose; der gesunkene Magen kann normal funktionieren, ist aber 
ebenso wie der atonische nur geringeren Ansprüchen gewachsen; bei Mehrfor¬ 
derungen an die Leistungsfähigkeit treten leicht motorische Störungen ein. 

Pickardt (Berlin). 


Schütz, R.: Ueber chronische dyspeptische Diarrhoeen und ihre Behandlung. (Samm¬ 
lung klin. Vorträge, N. F., Nr. 318.) 

Die hier beschriebene Form von Diarrhoeen zeigt kurz folgendes Symptomen- 
bild: oft bieten die diarrhoeischen Stühle (1—2, 3—4 oder auch 6—8 mal täglich) 
die einzige Klage des Patienten. Das Leiden kann seit vielen Jahren (in einem 
Falle seit 27 Jahren) bestehen und tritt oft nur periodenweise auf. Meistens 
wird aber ferner über Unruhe im Leibe, Kollern vor den Entleerungen, vermehrte 
Flatulenz und Kolikschmerzen von wechselnder Intensität geklagt. Magen¬ 
beschwerden gaben die Pat in der Regel nicht an. Der Ernährungszustand ist 
je nach Dauer und Intensität der Krankheit verschieden: in einem sehr schweren 
Falle war der Hämoglobingehalt nur 40—45%» und es trat während der Behand¬ 
lung Skorbut als Komplikation auf. Eine Reihe neurasthenischer Symptome ent¬ 
wickelt sich häufig im Anschluss an die chronische dyspeptische Diarrhoe. 

Die Stühle, von dickbreiiger bis wässriger Konsistenz, fallen meist durch 
den stechend sauren, nicht fäkulenten Geruch auf, und S. giebt an, beim Um¬ 
rühren der Stühle mit einem Glasstab, ganz das Oefühl von Schlagrahm, infolge 
der Durchsetzung des Kots mit unzähligen kleinsten Gasbläschen, gehabt zu 
haben. Im Stuhl ist die reichliche Menge ganz unverdauter Speisen auffällig. 
Häufig bestehen starke Schleimbeimengungen. 

Dieses Krankheitsbild ist bisher fast ausnahmslos nur als in Verbindung 
mit Achyiia gastrica unter mehr minder vollständiger Latenz des Magenleidens 
zur Beobachtung gekommen. S. fand unter seinen 14 Fällen nur 1 mal sichere 
Achyiia; 4 mal Herabsetzung der Salzsäuresekretion, 5 mal letztere mit Atonie, 
3 mal dieselbe mit gleichzeitiger Steigerung der Motilität Die Zahlen für die 
Gesamtaddität des Magensaftes waren hingegen meist auffällig hoch (132—178). 

Gemeinsam ist allen jenen Fällen also eine ungenügende Magenverdauung; 
dennoch kann nach S. der Grund der chronischen Diarrhoeen nur im Zustande 
des Darmes selbst gesucht werden, da doch in der grossen Mehrzahl derartiger 
Funktionsstörungen des Magens der Stuhl normal gefunden wird. 


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41 


ftri ungenügender Magenverdauung ist der Darm abnormen Reizen, me¬ 
chanischen und chronischen (besonders infolge abnormer Gärungsvorgänge) aus¬ 
gesetzt; es hängt dann wai von der individuellen Leistungs- und Widerstandsfähig¬ 
keit des Darmes ab, ob und wann Diarrhoeen auftreten. Die chronischen Diar- 
rhoeen sind demgemäss nur der Ausdruck einer Insuffizienz der Dünn- 
darmverdaung. Sekundär schliesst sich an die Diarrhoeen dann oft der Darm¬ 
katarrh (Scheint im Stuhl) an, der bei der Behandlung oft überraschend schnell 
zurückgeht 

Zur Feststellung der Diagnose hält es S. nach obigem für wesentlich, sich 
nicht mit der Stuhluntersuchung zu begnügen, sondern auch die Magenverdauung 
zu prüfen. Differentialdiagnostisch müssen Darmtuberkulose und Cardnom einer¬ 
seits, sowie primärer Darmkatarrh und nervöse Diarrhoeen anderseits ausge¬ 
schlossen werden. 

Die Prognose richtet sich nach dem Charakter des zu Grunde liegenden 
Magenleidens, sowie darnach, ob derPat gewillt resp. im stände ist, die Diätkur 
längere Zeit durchzuführen. S. selbst hat recht gute Erfolge aufzuweisen. 

Die Therapie hat als Hauptaufgabe, die starken Magen- und Darmgärungs¬ 
vorgänge zu bekämpfen. Dazu dienen Magen- resp. Dickdarmausspülungen (ev. 
hohe Einläufe mit 2 1 /*—3 Liter körperwarmen Wasser). Diätetisch wird die Fleisch¬ 
nahrung beschränkt und hauptsächlich feine Mehle in verschiedenster Zubereitung 
(Schleimsuppen, Breie, Grütze, Kartoffelbrei, Mehlspeisen, Aufläufe etc) gegeben. 
Milch und Gemüse sind ganz zu vermeiden. 

Die dauernde Stuhluntersuchung muss darüber im speziellen Falle Auf¬ 
schluss geben, welche Speisen vertragen werden resp. unverdaut abgehen, d. h. 
den Darm unnütz reizen. O. Zuelzer (Berlin). 


Laaeereaux: H&norragies nävropathiqnes des voies digestives (stomatorragies, hämat- 
ämäses, entärorragies). (Bull, de l’acad. de m£d., 1900, tome 44, S. 676.) 

Das Vorkommen neuropathischer Blutungen des Verdauungstraktus ist 
nach L, der mehrere unzweideutige Fälle dieser Art beobachtet hat, über jedem 
Zweifel erhaben. Die Blutungen können alle Teile des Verdauungsapparates 
betreffen: Mund, Magen und Darm. Ihr Auftreten schliesst sich häufig an heftige 
Erregungen an; so sah L. wiederholte Oastrorrhagieen bei Gicht und chroni¬ 
schem Rheumatismus im Anschluss an Erregungszustände sich einstellen. Die 
nervöse Hämatemesis tritt zuweilen gleichzeitig oder alternierend mit anderen 
Hämorrhagieen nervösen Ursprungs auf (z. B. Hämathidrosis). Gewöhnlich gehen 
den Blutungen Prodromalerscheinungen voraus, den Oastrorrhagieen Druckgefühl 
oder Schmerzen im Epigastrium, den Enterorrhagieen Schmerzen in der Lenden- 
und besonders in der Kreuzbeingegend, am After und an den Oenitalien, Gefühl 
von Abgeschlagenheit in den unteren Extremitäten etc Durch diese Vorboten 
unterscheiden sie sich vorzugsweise von den auf organischer Grundlage ent¬ 
stehenden Blutungen (bei Ulcus, Cardnom), die plötzlich auftreten, um sich nach 
kuizer Zeit zu wiederholen, während sich jene bisweilen erst nach einem sehr 
langen Zeiträume wieder zeigen. Die neuropathischen Visceralblutungen führen 
selten zum Tode; gefahrvoll können sie nur bei wiederholtem Auftreten werden. 
Therapeutisch hat sich L. bei den neuropathischen Magen- und Darmblutungen 
dts Chinin (1—1,5 g pro die) vorzüglich bewährt; daneben empfiehlt sich zur 
Ruhigstellung des Darms Opium und Applikation von Eis aufs Abdomen; ferner 
Ergotininjektionen. Die zu Grunde liegende Nervosität verlangt eine entsprechende 
Behandlung. Schade (Oöttingen). 


Nr. 2*. 


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Rotschild, D.: Ueber die Anwendbarkeit des FortoTn als Antidianiioicnin. (Therapie 

der Oegenwart, Nr. 8.) 

FortoTn ist ein FormaldehydcotoTn und wirkt wie das Cotoin antidiarrhoisch. 
Da beide Präparate aber eine Hyperämie der Darmschleimhaut hervorrufen, so 
ist ihre Darreichung bei akutem Darmkatarrh, bei passiven Hyperämieen infolge Pfort¬ 
aderstauungen und beim Typhus am Ende der 2. Woche und am Anfänge der 
3. kontraindiziert. Ein wertvolles Mittel ist es aber zur Bekämpfung der Diar¬ 
rhöen bei Darmtuberkulose. Hier finden sich die Blut- und Lymphgefässe häufig 
obliteriert, und dieser Verschluss wirkt seinerseits wieder begünstigend durch die 
Ernährungsstörung für die Bildung katarrhalischer Geschwüre, auf welchen sich 
durch Sekundärinfektion tuberkulöse Ulcerationen bilden können. Der zirkulations- 
fördemde Einfluss des FortoTn kann in solchen Fällen dann die Ursache besei¬ 
tigen helfen. Bei Oaben von 0,25—0,5 dreimal tägl. sieht man gute Erfolge. 

Bei chronischem Katarrh auf nicht tuberkulöser Basis erweist sich die 
Verbindung mit Tannin als günstig und besonders in Form des Catechu, Ratanhia- 
und Tormentillwurzelextraktes, da aus diesen die Oerbsäure nur allmählich aus¬ 
gelaugt wird. 

Rp. Catechu 0,5 
FortoTn. 0,25 
dreimal tägl. 1 Pulver. 

Die Behandlung ist durch eine entsprechende Diät zu unterstützen. 

Hagenberg (Göttingen). 


Laquer, B.: Ueber Blsmutose, eine Wismut-ProteTnverbindnng. (Therapie der Oe¬ 
genwart, Nr. 7.) 

Die Bismutose (Bismutum proteTnicum) stellt eine Wismuteiweissverbindung 
dar. Dem Wismut kommt eine adstringierende und eine protektive Wirkung zu; 
letztere soll noch durch die Verbindung mit Eiweiss verstärkt werden, indem hier 
neben der mechanischen deckenden Eigenschaft noch die säurebindende Fähigkeit 
des Eiweisses hinzutritt, sodass das Präparat in Fällen von Hyperacidität und 
Ulcus rotundum seine Anwendung zu finden hat L’s und anderer Kliniker Er¬ 
fahrungen mit diesem Mittel sprechen für seinen grossen therapeutischen Wert 
Seine Indikationen sind: 

1. Bei Magendarmerkrankungen infektiösen Charakters, Brechdurchfall der 
Kinder (adstringierende Wirkung). 

II. Bei geschwürigen und Reizprozessen des Verdauungstraktus, Ulcus ventri- 
culi, Ulcera intestini, Hyperacidität, Dyspepsie, nervöse Magenerkrankungen, 
Typhus, Ruhr, Tuberkulose (reizmildemde und protektive Wirkung). 

Verordnung ist folgende: 

für Säuglinge tägl. 1,0 g; 

für Kinder 3 bis 4 mal tägl. 2—4 g; 

für Erwachsene entsprechend mehr. 

Hagenberg (Oöttingen). 

Schüller: Zur Kasuistik und Chirurgie des primären Cardnoms der Papilla Vateri. 

(Beiträge zur klin. Chirurgie, Bd. 31, H. 3.) 

Zu den bisher in der Litteratur beschriebenen 41 Fällen von Cardnom der 
Vater’sehen Papille fügt Verf. 2 auf der Heidelberger Klinik beobachtete hinzu. 
Beide Fälle waren nicht diagnostiziert. In dem einen wurde bei der Laparotomie 
die Diagnose gestellt und die sehr komplizierte und schwierige Exstirpation aus¬ 
geführt, jedoch starb der Patient an Peritonitis; es fanden sich bei der Obduktion 
zahlreiche Metastasen. Der zweite Fall konnte erst bei der Obduktion aufgeklärt 
werden. Es war wegen des behinderten Oallenabflusses eine Cholecystenterostomie 
gemacht worden und der Patient am 12. Tage an Darmblutungen gestorben. 


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43 


Es handelt sich bei den Carcinomen der Papille zumeist um Zylinderzellen¬ 
epitheliome, welche sich als umschriebene Knoten bis zu Bohnengrösse ent¬ 
wickeln und nur innerhalb des Darms einige Neigung zur Exulceration zeigen. 
Die Metastasenbildung ist wahrscheinlich weit häufiger als die Autoren bisher an- 
n&hmen. Gallenwege und Gallenblase zeigen die bei hochgradiger Stauung, ins¬ 
besondere durch Tumorverschluss eintretenden Veränderungen. Die Leber ist 
stets veigrössert, dabei glatt und derb; das Pankreas offenbar nur selten direkt 
miteigriffen, doch oft im Zustande chronischer Entzündung. Steine der Gallen¬ 
blase sind nur in 15% der Fälle beobachtet; Männer scheinen häufiger befallen 
zu werden als Frauen. 

Das klinische Bild ist so vielgestaltig, dass sich ein bestimmter Typus 
nicht aufstellen lässt Ikterus und unaufhaltsame Abmagerung sind stets vorhanden, 
Kolikschmerz und Fieber nicht häufig. Leber und Excretionen zeigen die Zeichen 
derGallenstauung. Die Diagnose ist bei der Fülle der konkurrierenden Affektionen 
sehr schwierig und selbst bei manifesten Symptomen nie mit Sicherheit zu stellen. 
Aufklärung vermag nur die Laparotomie zu bringen, doch selbst in diesem Falle 
wird der schwer zu findende Tumor leicht übersehen, wenn sich noch eine andere 
plausible Erklärung für die Gallenstauung findet Ja selbst der Tumor als solcher 
ist schwer seiner Natur nach zu bestimmen. 

Die chirurgische Therapie hat bisher bei diesen Fällen nichts Befriedigendes 
leisten können, teils wegen der ungeheuren technischen Schwierigkeiten, teils weil 
es fast immer zu spät ist und schon frühzeitig Metastasen gebildet werden. 
Palliativoperationen haben bisher keinerlei Nutzen gebracht, und auch die im vor¬ 
liegenden Falle zum ersten Male versuchte Radikaloperation hatte keinen Erfolg. 
Je mehr aber bei Erkrankungen der Gallenwege operiert werden wird, um so 
mehr derartige Cardnome wird man vielleicht in einem relativ frühen Stadium zu 
Oesicht bekommen. B. Oppler (Breslau). 


Alba: Ueber die Grenzen der Zulässigkeit ausgedehnter Dannresektionen. (Berliner 

klin. Wochenschr., Nr. 50.) 

A. hatte Gelegenheit, an einem 41 jährigen, 61 kg schweren Mann, welchem 
Lex er zwei Jahre vorher bei der Operation eines Mesenterialfibroms nahezu zwei 
Meter — also fast ein Drittel des ganzen — Dünndarms reseziert hatte, einen 
fünftägigen Stoffwechselversuch zu machen. Die rund 17 g N, 88 g Fett und 
328 g Kohlenhydrate enthaltende Nahrung wurde — nur die letzten drei Tage 
konnten verwertet werden — zu ungefähr 90% pro N und Fett ausgenutzt; die 
Resorptionsverhältnisse sind also günstige, nahezu normale gewesen, und dieser 
Umstand, sowie das subjektive Wohlbefinden ohne Verdauungsstörungen beweisen, 
dass »mehr als ein Drittel der im Verhältnis zur Körpergrösse berechneten Länge 
des Dünndarms nicht ohne Gefährdung des Ernährungszustandes entfernt werden 
darf«. 

Auf die Frage, ob es einen Unterschied für die Prognose bedingt, welche 
Teile des Dünndarms entfernt werden, geben sowohl Tierversuche (Trzebicki) 
als auch die Thatsachen der menschlichen Physiologie die Antwort, dass am 
ehesten der untere Ileumteii entbehrt werden kann. 

Der durch die Ausschaltung eines so grossen Teiles der Darmoberfläche 
entstehende Verlust resorptiver Funktionen wird am wahrscheinlichsten gedeckt 
durch eine kompensierende Hypertrophie der Schleimhaut des zurückbleibenden 
Stückes. Pickardt (Berlin). 


Schloff er: Zar operativen Ausschaltung entzündlicher Mastdarmstrikturen. (Beiträge 
zur klinischen Chirurgie, Bd. 31, H. 3.) 

Sch. war genötigt, in dem von Lieblein geschilderten Falle (siehe Referat), 


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da spater aus äusseren Oründen die Bougierungen nicht fortgesetzt werden konnten, 
operativ einzugreifen und die Sigmoido-Rectostomie zu machen. 

Zahlreiche während und nach der Operation sich ergebende Schwierig¬ 
keiten hatten verschiedene Modifikationen und besondere Eingriffe zur Folge, die, 
von hauptsächlich chirurgischem Interesse, im Original nachzulesen sind. Es trat 
leidliche Heilung ein. B. Oppler (Breslau). 


Hawldns, Francis: On mucous diseases of the intestfnes. (Edinburgh Medical 

Journal, Nov.) 

Bespricht eingehend die Colitis membranacea. Je nach der Gestalt und 
den übrigen Eigenschaften der abgehenden Schleimfetzen unterscheidet er drei 
Grade der Krankheit: Erstens den cylindrischen Typus (die Membranen gleichen 
dem Askaris oder Segmenten der Taenia solium); zweitens das röhrenförmige 
oder tubuläre Stadium, und drittens endlich das häutchenförmige oder hämorrha¬ 
gische Stadium mit häufigen Blutungen. 

Verf. glaubt auch in der Symptomatologie und Behandlung diese drei 
Formen unterscheiden zu müssen. Hesse (Kissingen). 

Perondi: Ricerche anatomiche sul deco e sulla sua appendice. (Anatomische Unter¬ 
suchungen am Blinddärme und seinem Appendix.) (Polidinico nach Riv. Veneta di 
sdenze med., Nr. XI, S. 536.) 

Perondi hat einige wichtige topographische Daten des Blinddarmes und 
Wurmfortsatzes vorgenommen. — Nach einer fleissigen Litteraturübersicht, durch 
die er klariegt, dass auch noch gegenwärtig Meinungsverschiedenheiten bezüglich 
des Sitzes und der Ausbreitung des peritonealen Ueberzuges dieser Organe bestehen, 
schildert er die Ergebnisse seiner Untersuchung. Der häufige Sitz des Blind¬ 
darmes ist in 45,83% dieFossa iliaca inferior, dann kommt in 14,58% die Fossailiaca 
media superior. — ln 25% der Fälle befand sich das Coecum ausserhalb der 
Fossa iliaca. — Die Richtung ist gewöhnlich schief von links nach rechts, von 
unten nach oben, von vorne nach hinten. Was den Peritoneal-Ueberzug anbelangt, 
so prevaliert die vollständige Einhüllung des Organes. — Im Mittel ist der Blind¬ 
darm 3,1 cm breit, 6,1 cm lang; beim Manne etwas grösser als beim Weibe; mit 
dem Alter nimmt das Organ entsprechend an Volumen zu. — Die Form des 
Wurmfortsatzes ist meistens cylindrisch, konisch, endlich rosenkranzartig. Unter 
50 Fällen wurde er 5 mal subperitoneal vorgefunden, 42 mal intraperitoneal, teils sub-, 
teils intraperitoneal 2 mal. — Die mittlere Länge 75 cm, mittlere Breite 63 cm. — 
Die Plica ileo-appendicularis inseriert sich tief am Appendix in dessen Nähe. — 
P. beschreibt einige noch von niemandem registrierte Varietäten der Fossa ileo- 
appendicularis. Nie fand er retrocoecale Oruben, stets retrocolische. 

Plitek (Triest). 

Ford, Willi: Medical aspects of appendidtis. (International medical Magazine, 

November.) 

F. behandelt zuerst die Frage der Prophylaxe, der in New York eine 
grosse Bedeutung zukommt, da grobe unverdauliche Kost und hastiges Herunter¬ 
schlingen derselben nach seinen Erfahrungen häufig die Ursache der Appendidtis 
bilden; ferner muss gewarnt werden vor dem zu dauernden Gebrauch von Ab¬ 
führmitteln, welcher schliesslich stets zu chronischer, zur Appendidtis disponierender 
Obstipation führt; ausserdem sind starke Leibesübungen nach dem Essen zu 
meiden. 

Treten die ersten verdächtigen Symptome für Appendidtis auf, so hält F. 
Opiate nicht für schädlich, als etwa das Krankheitsbild verschleiernd; er ver¬ 
ordnet am liebsten eine Morphiuminjektion. F, ist entschiedener Oegner der 


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sofortigen Operation. Ist nach 24 Stunden Puls und Temperatur normal, so solle 
man noch 24 Stunden abwarten, ehe man die Operation in Erwägung zieht 
Puls, Temperatur, vor allem aber der lokale Befund geben dann die Indikation 
ab. Selbst bei leichter, aber andauernder Sepsis rat F. wegen der allgemeinen 
Folgen auf Herz, Leber u. s. w. zu der Operation. 

Bei der retidivierenden sog. katarrhalischen Appendidtis ist die Operation 
in der anfallsfreien Zeit meist indiziert Bei den ganz leichten Formen nur rat er, 
schon 2—3 Tage nach dem Anfall eine kompakte, die Peristaltik anregende Kost 
zu geben, um Verwachsungen zu verhindern; ebenso empfiehlt er hier Massage 
und Elektrizität G. Zuelzer (Berlin). 

Benedict, A. L (Buffalo): The differential diagnosis of appendidtis (scoledtis). (In¬ 
ternational Medical Magazine, November.) 

B. giebt einen, zum Referat sich nicht eignenden Ueberblick über die 
differential-diagnostisch wichtigeren Punkte, der aber nur Bekanntes enthält Am 
Schlüsse der Arbeit ist die einschlägige amerikanische Litteratur der letzten 4 Jahre 
zusammengestellt. G. Zuelzer (Berlin). 

Odmer, A. T. (Chicago): Some practical points in the treatment of appendidtis. 

(International Medical Magazine, November.) 

O. stellt, gestützt auf eine eigene, sehr grosse Erfahrung, strenge Indikationen 
für die Operation bei Appendidtis auf. Er operiert bei den schweren Formen 
dieser Erkrankung nur, wenn er die Sicherheit hat, dass noch keine Perforation, 
noch keine Ausbreitung der Infektionserreger über die Grenzen des Appendix 
hinaus stattgefunden hat, wenn also durch die Operation selbst keine Ausbreitung 
der Infektion zu befürchten ist 

Besteht hingegen schon eine lokale Peritonitis, so bildet die Begrenzung 
derselben die Hauptindikation; er erreicht dieses durch äusserste Ruhigstellung 
des Darmes. Er ernährt deshalb die Patienten anfänglich nur rektal, bis die akute 
Gefahr vorüber ist Ja, O. geht sogar soweit, eine Magenausspülung, nach vor¬ 
heriger Kokainisierung des Pharynx, vorzunehmen, falls die Patienten, bevor sie 
ins Krankenhaus eingeliefert wurden, etwas gegessen hatten. 

Ein drcumscripter Abscess, der sich etwa schon gebildet, muss natürlich 
eröffnet und drainiert werden; ob gleichzeitig oder erst später der Appendix ent¬ 
fernt werden soll, muss nach den obigen Grundsätzen beurteilt werden. 

Zum Schluss giebt O. eine tabellarische Uebersicht von 22 in einem 
Monat behandelten Appendicitis-Fällen. O. Zuelzer (Berlin). 


Uoger, E.: Beitrag zu den posttyphösen Knochenefteningen. Aus der chir. Poliklinik 
des jüdischen Krankenhauses in Berlin. (Deutsche med. Wochenschr., Nr. 31.) 

Bei einem 20jährigen Mann traten 4 Monate nach Ablauf eines Typhus 
abdominalis eine Ostitis typhosa ulnae und eine Periostitis typhosa radii auf. 
Auffällig ist der Sitz des Prozesses, denn die meisten Knochenerkrankungen nach 
Typhus finden sich am Schädel, den Rippen und den Tibien. Aus dem Eiter 
Hessen sich Typhusbadllen züchten; das Blut des Kranken gab aber keine Agglu¬ 
tination mehr. Es scheint also auch dieser Fall für die von Conradi vertretene 
Ansicht eine Stütze zu geben, dass der Typhusbadllus nur dann lokale Eiterung 
hervorruft, wenn er seiner Spezifität entkleidet ist Hagenberg (Oöttingen). 

Goldschdder, A.: Zur Chininbehandlung des Unterleibstyphus. (Therapie der Gegen¬ 
wart, Nr. 7.) 

Auf die von Erb und Binz mitgeteilten Erfahrungen über die Chinin* 


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behandlung bei Typhus abdominalis weist O. auf eine vor 17 Jahren im Archiv 
f. ldin. Medizin, Bd. 36 verfasste Arbeit über den gleichen Gegenstand hin und 
betont, dass er sich auch von der günstigen Wirkung dieses Antipyreticums beim 
Typhus überzeugt habe, dass er aber doch nicht in allem den oben genannten 
Autoren beipflichten könne. 

Mittels einzelner, abendlicher Chinindosen kann man eine herabsetzende 
Wirkung auf die nächste Morgen- und Abendtemperatur ausüben, ja noch sogar 
auf die Morgen- und Abendtemperatur des zweitfolgenden Tages, sie vertieft 
nicht blos die Fuss- und Gipfelpunkte der Kurve, sondern verschmälert auch die 
Breite der Temperaturerhebungen. Es lässt sich diese Wirkung als eine »kata- 
pyretische« bezeichnen. Eine Abkürzung erzielt man wohl nicht; tritt sie ein, so 
ist sie nur eine scheinbare, denn thatsächlich bestehen infolge von Verschiebung 
der Fieberfluktuation noch Nachtgipfel, von denen man sich durch nächtliche 
Messungen überzeugen kann. In der Continua continens und subcontinua sind 
grosse Dosen, 2,0 resp. 1,5 zu geben. In der Continua remittens tritt die Wir¬ 
kung deutlicher hervor als in der Continua continens. Nach einer guten Chinin¬ 
wirkung ist ein Tag mit dem Mittel zu pausieren, da sonst Gewöhnung eintritt. 
ln der Remissionstiefe und in der Remissionsbreite liegt auch ein prognostischer 
Hinweis für den einzelnen Fall. 

Die Wasserbehandlung wird durch die Chinintherapie keineswegs über¬ 
flüssig; sie, wie die Ernährung sind die wichtigsten Faktoren bei derselben. 

Hagenberg (Göttingen). 

Roberts, Frederick T.: The rational and comprehensive study of the hepaiic System 
• (Edinburgh Medical Journal, Juny.) 

Eine klinische Darstellung der Leberkrankheiten. Wendet sich gegen ver¬ 
kehrte Anschauungen englischer Aerzte und Laien, die das »liver ont of Order« 
stets im Munde führen. Hesse (Kissingen). 

Eggel: Ueber das primäre Cardnom der Leber. (Beiträge zur pathologischen Ana¬ 
tomie und zur allgemeinen Pathologie, Bd. 30, H. 3.) 

163 Fälle von primärem Leberkrebs hat Verf. aus der Litteratur gesammelt, 
tabellarisch zusammengestellt und in der vorliegenden ausführlichen Arbeit nach 
den verschiedensten Richtungen hin verwertet und unter mancherlei Gesichts¬ 
punkten verglichen. Auch eine eigene Beobachtung und der genaue mikroskopi¬ 
sche Befund bei derselben werden mitgeteilt. 

Wegen der vielfachen Einzelheiten muss auf das Original verwiesen werden, 
hervorgehoben sei nur, dass E. der Ansicht ist, dass das Cardnom durch wuchernde 
Epithelzellen entsteht, welche aus ihrer normalen Verbindung durch entzündliche 
oder auch traumatische und in der Entwickelung begründete Prozesse heraus¬ 
gerissen und in das Bindegewebe verpflanzt sind. 

Hinsichtlich des häufigen Zusammenvorkommens von atrophischer Cirrhose 
und Cardnom der Leber ist der Verf. der Meinung, dass man die Cirrhose als 
den primären Prozess zu betrachten habe. B. Oppler (Breslau). 


Waldvogel: Klinisches und Experimentelles zur Nierendiagnostik. Aus dem Lab. d. 
Oöttinger med. Klinik (Dir.: Oeh. Rat Ebstein) und der chir. Klinik der Charitl 
(Dir.: Geh. Rat König). (Archiv f. exper. Path. u. Pharm., Nr. 46.) 

W. prüft in dieser Arbeit die Gefrierpunktsbestimmung im Harn und Blut 
auf ihre praktische Verwertbarkeit in bestimmten klinischen Fragen. Die Bestimmun¬ 
gen, mit dem von Beckmann konstruierten Apparat ausgeführt, machen wegen Un¬ 
handlichkeit desselben grosse Schwierigkeiten, die durch Benutzung des von W. schon 
früher angegebenen (Deutsche med. Wochenschr., 1900, Nr. 46) gehoben werden. 


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Die normalen Grenzen der Werte für für und ^ schwanken 

in ziemlich weiten Grenzen; für // zwischen 0,87 und 2,28. Das spezifische Ge¬ 
wicht und der Gefrierpunkt gehen nicht zusammen. Die Urinmenge spielt für die 
Grösse von d eine grosse Rolle, und der Faktor d. Menge ist von grosser Be¬ 
deutung. Dieselbe Bedeutung, welche dem Verhältnis von - zukommt, kommt 

NaCl 

auch ^ zu. Alle diese Punkte müssen in einer Tabelle über Gefrierpunkts- 
N 

bestimmungen erörtert sein. 

Betreffs der Frage, ob wir für diese Werte / 1 , J, Menge . . und ~ bei 

NaCl N 

der Nephritis typische Werte finden, kommt W. zu einem negativen Resultate: die 
Werte sind inkonstant und finden sich auch bei Inanition und vikariierender 
Hypertrophie nach Exstirpation einer Niere. Dass die Angabe von Linde mann, 
man könne durch die Gefrierpunktsbestimmung die Albuminurie ohne Schädigung 
des Nierenfilters von der Nephritis abgrenzen, nicht in allen Fällen zutrtrifft, zeigt 
ein genau in dieser Richtung von W. untersuchter Fall. 

Bei der Urämie erfahren diese Werte für den Urin keine ins Auge sprin¬ 
gende Aenderung, und ebensowenig ist die Erhöhung für den Blutgefrierpunkt 
typisch; dieser letztere Wert lässt sich auch nicht durch Blutentziehung und In¬ 
fusion von Kochsalzlösung resp. destilliertem Wasser ändern. 

Was die praktische Verwertung der Oefrierpunksbestimmung für die Nieren¬ 
chirurgie anbelangt, so konnte W. hier positivere und für die Praxis wesentlichere 
Thatsachen feststellen. 

Bei einer wenig sezemierenden, in einen Eitersack verwandelten Niere 
lässt sich bei einem Wert des Oesamturins von J über 1,0° ein günstiger Rück¬ 
schluss auf die normale Funktion der anderen Niere machen und lässt so die 
Exstirpation als angängig erscheinen. Ferner kann man sich, wenn auch nicht 
gleich, so doch einige Tage nach der Operation durch Feststellung von //, Menge 
u. s. w. ein Urteil über die Funktionstüchtigkeit der zurückgebliebenen Niere bilden. 
Im Falle, dass die zweite Niere gesund ist, bemerkt man, dass die Werte für 

hohe sind, die für — sinken, d. h. die den Körper verlassende Kochsalz¬ 
menge nimmt ab, die N-haltigen Moleküle werden in vermehrter Menge durchge¬ 
lassen; die Harnmenge ist dabei vermehrt, der Wert für J nicht hoch. 

Am Schlüsse der Arbeit unterzieht W. die Theorie des Austausches der 
G-haltigen und Cl-freien Moleküle in den Harnkanälchen einer Kritik und kommt 
auf Grund seiner Gefrierpunktsbestimmungen zu dem Schlüsse, dass die Zeit des 
Aufenthaltes in den geraden Kanälchen nicht massgebend für die Verteilung der 
Cl-haltigen und Cl-freien Moleküle sein kann. Hagenberg (Göttingen). 


Rotscfaild, A.: Beitrag zur Kenntnis gerinnselartiger Gebilde im Urin. (Deutsche med. 

Wodienschr., Nr. 50.) 

Bei einem Patienten fanden sich im Urin nach voraufgegangener Hämat¬ 
urie gerinnselartige, strukturlose Gebilde, die sich auf Grund ihrer tinktorielle 
und chemischen Eigenschaften als aus einem Eiweisskörper bestehend erwiesen. 
Besonders der Mangel jeglicher Struktur liess nicht an die Möglichkeit eines 
malignen Tumors der Hamwege denken. Es zeigte sich aber doch einige Zeit 
i nach diesem Befunde, dass ein grosser linksseitiger Nierentumor bestand, der sich 
bei der Operation als ein Sarkom auswies. Als Lehre aus dieser Beobachtung 
geht hervor, dass man, wenn mit dem Urin nicht fibrinöse Gebilde entleert werden, 
j die eine strukturlose Masse zeigen, hieraus nicht den Schluss ziehen darf, dass das 


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Gebilde von keiner Neubildung stammt, besonders dann nicht, wenn Hämaturieen 
voraufgegangen sind. Ha genberg (Oöttingen). 


Bim, F.: Ueber Nierenverinderungen bei Ausfall der Schilddrfiseathltigkeit (Ne¬ 
phritis interstitialis anto-intoxicatoria). (Virchow’s Archiv, Bd. 166, H. 3.) 

B. hat in einer früheren Arbeit (Virchow’s Archiv, Bd. 162) genauer aus¬ 
geführt, dass bei thyreoectomierten Hunden, sowohl beim akut wie beim langsam 
verstorbenen Tier niemals eigenartige, der thyreopriven Tetanie und Kachexie 
typisch zukommende Degenerationen am Zentralnervensystem fehlen. Jetzt be¬ 
richtet er über weitere Untersuchungen, nach denen er regelmässig das Vorhan¬ 
densein einer herdweise beginnenden oder bereits diffusen Nephritis bei allen erst 
nach längerem Kranksein verstorbenen Tieren bei gleichzeitigem normalen Aus¬ 
sehen (makroskopisch und mikroskopisch) der übrigen Organe festgestellt haben 
will. Es sei also hier die interstitielle Nephritis die sichere spezifische Folge 
einer Autointoxikation, die zudem zweifellos mit Darmvorgängen in innigster 
Berührung stehe. Die schon öfter ausgesprochene Vermutung, gewisse Formen 
interstitieller Nephritis seien auf enterogene Autointoxikation zurückzuführen, 
würde dadurch gestützt werden. Für das Tierexperiment schliesst B. daher: 
»Erlischt die Thätigkeit eines entgiftenden Organes, welches, wie die Schild¬ 
drüse, Enterotoxine zu vernichten hat, dann kann es zu krankhaften Pro¬ 
zessen am Nierengewebe kommen«. Wie weit hieraus etwa Analogieschlüsse 
auf die menschliche Pathologie zulässig sind, möchte er nicht entscheiden, da 
vielleicht mehrere Gifte durch die Schilddrüse gefesselt werden und auch das 
gleiche Oift nicht stets die gleiche unabänderliche Form bei Anhäufung im Körper 
zu behalten braucht. Als feststehend aber betrachtet er, dass es eine jederzeit 
experimentell erzeugbare Nephritis giebt, die einer enterogenen Autointoxikation 
ihre Entstehung verdankt 

ln einem angeschlossenen anatomischen Teil werden an der Hand der 
beigegebenen Tafeln die Nierenveränderungen, teils interstitieller, teils paren¬ 
chymatöser Art, genauer geschildert Zieler (Oöttingen). 


Cantru: Do röle de l’aciditl urinaire en pathologie. Traitement de Hiypoadditl par 
Fächle phosphoriqne. (Bull. gln. de th£r., 1900, tome 139, S. 732.) 

Zur Bestimmung der Harnacidität nach Joulie verfährt man in folgender 
Weise. Man ermittelt zunächst die im ersten Morgenham, als der am wenigsten 
durch die Nahrungsaufnahme beeinflussten Portion, und zwar in 1 Liter enthaltene 
Menge saurer Salze, also vorzugsweise des sauren Natriumphosphats durch Titra¬ 
tion mit einer Kalklösung von bestimmtem Titre, wobei als Indikator die nach 
Sättigung der sauren Salze entstehende Trübung durch neutralen phosphorsauren 
Kalk dient. Der so gefundene Wert A (= Acidität des Harns, auf 1 Liter bezogen) 
ist indes für Vergleichszwecke nicht brauchbar, weil er von der innerhalb weiter 
Grenzen schwankenden Konzentration des Harns abhängig ist; dagegen muss das 
Verhältnis der sauren Salze zu der Oesamtsumme der festen Bestandteile für den 
normalen Ham ein annähernd konstantes sein. Da die Gesamtsumme der im 
Ham gelösten Stoffe wiederum der Dichte des Harns proportional ist, so muss, 
wenn E die Differenz zwischen der Dichte des Harns und der des Wassers be- 
A 

zeichnet, der Quotient -g- für den normalen Ham eine ebenfalls nahezu konstante 
Grösse sein. Um nicht mit zu kleinen Ziffern zu operieren, multipliziert Joulie diesen 
Quotienten noch mit 100 Unter normalen Verhältnissen fand Joulie für 

^g— einen Wert von 4,55. Aus der Gleichung = 4,55 ergiebt sich dem- 


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nach, dass die normale Addität des Harns 4,55 V« von der Differenz zwischen der 
Dichte des Harns und der des Wassers betragt Werte unter 4 zeigen Hypo¬ 
acidität, solche über 5 Hyperacidität an. 

Mit Hilfe dieser Methode fand Joulie Hypoaddität bei den meisten akuten 
und chronischen Erkrankungen, besonders den der grossen Familie des »Arthritis- 
mus« angehörigen (Gicht, Diabetes, rheumatische Erkrankungen, Hautkrank¬ 
heiten etc.). Wie bereits vor ihm Oautrelet, bringt er alle Affektionen, denen 
man eine besondere krankhafte Diathese zu Grunde gelegt hat, deren Zahl eine 
immer grössere geworden ist, in die beiden Oruppen der hyperaciden und der 
bypoaciden Diathese, deren krankhafte Erscheinungen sich je nach der Ur¬ 
sache der Hyper- resp. Hypoadditat und je nach der individuellen Disposition in 
der mannigfaltigsten Weise manifestieren können. Die hypoadde Diathese über¬ 
wiegt an Häufigkeit die hyperadde bei weitem; anfangs oft nur geringfügig, wird 
sie nicht selten durch eine verkehrte Behandlungsweise, durch die Behandlung mit 
Alkalien, noch unterhalten und zuweilen bis zu einem Grade gesteigert, den man 
als Alkalikachexie bezeichnen kann. 

Die vorstehend kurz skizzierte Theorie Joulie’s, die der Pathogenese ganz 
neue Bahnen vorzeichnet, findet in Cautru einen eifrigen Verfechter. Sich der 
von J. angegebenen Methode der Hamadditätsbestimmung bedienend, begegnete 
auch C. der Hypoaddität so häufig, dass er unter 300 Harnanalysen nur etwa 
10 mal Hyperaciditat konstatieren konnte. Ausser bei den schon von J. bezeichneten 
Krankheitszuständen beobachtete er Hypoaddität bei Tuberkulose und Carcinom, 
um so ausgeprägter, je weiter die Krankheit vorgeschritten war. Chloroanämie 
und intermittierende Albuminurie sah er ebenfalls häufig mit Hypoaddität ver¬ 
gesellschaftet Die nach manchen Krankheiten, wie Influenza und Typhus, zurück- 
bldbende Disposition zu anderen Erkrankungen, besonders Tuberkulose, erklärt er 
als eine Folge der während der Rekonvalescenz von jenen Erkrankungen oft be- 
beobachteten Hypoaddität, welche den Organismus gegen Infektionen aller Art 
weniger widerstandsfähig macht. Wenn in Zeiten von Epidemieen diejenigen Indivi¬ 
duen, die sich im Zustande psychischer Erregung befinden, der Ansteckung leichter 
ausgesetzt sind, so ist nach C. auch hier die Hypoaddität das Bindeglied, da 
psychische Vorgänge auf die Harnacidität einen unverkennbaren Einfluss ausüben. 
Schliesslich erwähnt C. noch die Störungen, die er während der Gravidität infolge 
von Hypoaddität auftreten sah und die bei geeigneter Behandlung ausblieben (Früh¬ 
geburt, unstillbares Erbrechen etc.). 

Therapeutisch empfiehlt C., wie bereits Joulie gethan, die Phosphorsäure, 
die er in grossen Dosen (4—5 g pro die) monate- und jahrelang mit bestem Er¬ 
folg bei den verschiedensten Erkrankungen angewandt hat. Ausführlichere Mit¬ 
teilungen stellt C. in einer späteren Publikation in Aussicht. 

Während in der anschliessenden Diskussion von verschiedenen Seiten noch 
weitere Beweise für die Richtigkeit der Joulie’sehen Theorie beigebracht werden, 
zieht Läpinois die Brauchbarkeit des Joulie’sehen Verfahrens in Zweifel, indem 

er ausführt, dass der Joulie’sehe Koeffizient für den normalen Ham —g— 

keine konstante Grösse sei, da man z. B. die Dichte des Harns verändern könne, 
ohne dass die Acidität dadurch beeinflusst werde. Schade (Göttingen). 

Tschiijew: Zur Behandlung der Basedow’schen Krankheit (Monatsschr. f. Psychiatrie 
u. Neurologie. Bd. X, H. 6.) 

Verf. hat von folgender Behandlung »entweder vollständige Heilung der 
Krankheit oder, in den schon vorgerückten Fällen, eine wesentliche und andauernde 
Besserung« gesehen: Bepinselung des Halses mit Jodtinktur, Priessnitz-Umschlag 
für die Nacht, jeden zweiten Tag Faradisation der Drüsen. Ferner Jodkalium 
mit Jodnatrium 0,25—0,5 g dreimal pro Tag in Milch und Brompräparate; am 
Anfang gegen die Kopfschmerzen Migränin, Zur Regulierung der Herzthätigkeit 


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wird Tinct Convallariac majalis angewendet und ausserdem jeden zweiten Tag 
oder täglich ein Bad von 35° C. des Abends. Schliesslich wird noch Solutio 
Fowleri 2—7 Tropfen nach dem Essen angewendet, heftige Bewegungen und von 
Speisen rohes Fleisch sowie erregende Oetränke verboten. 

Diese »Methode« führt nach Angabe des Verf.’s nach 6 Wochen bereits oft 
zu erheblicher Besserung und muss konsequent fortgesetzt werden. Jodothyrin und 
Organpräparate sind vollkommen zu verwerfen. T. führt zum Beweise für seine 
Behauptungen 2 Fälle auszugsweise an. B. Oppler (Breslau). 


Senator, H.: Ueber Anämla splenica mit Ascites (BantFsche Krankheit). (Bert. klin. 

Wochenschr., Nr. 46.) 

Eine ausserhalb Italiens wenig als solche beachtete Affektion stellt die 
von Banti (Florenz) 1894 und in den folgenden Jahren als Splenomegalie und 
Lebercirrhose beschriebene, später in seinem Heimatlande nach ihm benannte 
Krankheit dar. Sie entwickelt sich in — von ihm für selbständige Leiden ge¬ 
haltenen — folgenden drei Stadien: 1. Anämie mit vorhergehender Milzschwel¬ 
lung, Dauer gewöhnlich 3—5, bisweilen aber auch 10—11 Jahre. 2. Uebergangs- 
stadium: der Ham wird spärlicher, reich an Uraten; Auftreten von Urobilin, 
bisweilen Gallenpigment. Dauer einige Monate. 3. Asdtisches Stadium: Lang¬ 
same Entwicklung des Ascites, Zunahme der Anämie; Abendtemperaturen; pro¬ 
gressive Abnahme der roten Blutkörperchen und des Hämoglobins, leichte 
Leukocytose. Dauer 5—7 Monate, selten 1 Jahr. Exitus. 

Nach Banti ist die Milz der primäre locus morbi und der Lebertumor, 
welcher selten die Milz an Grösse erreicht, sekundär. Das Wesen der Milz¬ 
erkrankung ist eine »Flbroadenie«, eine Atheromatose der V. lienalis und der V. 
portae von der Einmündung der Milzvene bis zur Leber. In der Milz werden 
giftige Substanzen erzeugt, welche zunächst Anämie machen und bei ihrem 
stetigen Durchgang durch die Leber, analog dem Alkohol, die Cirrhose bewirken. 
Die Krankheit ist — trotz bisheriger negativer Resultate der bakteriologischen 
Untersuchungen — nach B. infektiösen Ursprungs. 

Nach S. ist allerdings auch der Verdauungskanal möglicherweise als Ein¬ 
gangspforte der Noxe anzusehen, weil häufig im Beginn und selbst vor der 
Milzschwellung Verdauungsstörungen, besonders Diarrhöen, auftreten. Der Ascites 
ist jedenfalls nicht immer die Folge der Leberveränderung, da er zuweilen auf 
Arsen etc. teilweise oder vollständig zurückgeht, ebensowenig aber der Milz¬ 
schwellung (Stauung), da er abnehmen kann, ohne das letztere sich vermindert 
Eher schon kann sie eine Folge der Anämie sein. Bei den im dritten Stadium 
beobachteten Blutungen aus Nase und lntestinaltraktus fand Banti im Blut nur 
Zeichen einer einfachen Anämie, S. jedoch unverhältnismässig grosse Vermin¬ 
derung des Hämoglobins und in drei I%IIen deutliche Abnahme der Leukocyten: 
Leukopenie. Möglicherweise sei hierin etwas für die Krankheit Charakteristisches 
zu sehen. 

Differentialdiagnostisch kommen in Betracht u. a.: Malaria, Leukämie, 
Lebercirrhose. 

Therapeutisch hat Banti gemäss seiner Auffassung, dass die Milz der 
ursprüngliche Sitz der Erkrankung sei, deren Exstirpation empfohlen, welche auch 
in einer Reihe von Fällen zur Heilung geführt haben soll. Neben dieser Behand¬ 
lung, welche naturgemäss (Blutungen) ihre Gefahren hat, kommt das bei Anä- 
mieen und Leukämieen übliche Rdgime in Betracht d. h. Herbeiführung möglichst 
günstiger hygienischer und diätetischer Verhältnisse, ferner Arsen, Eisen, Jod 
P, s. w, # Pickardt (Berlin). 


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Uutwarew, I. I.: Heber den Zustand des Efwetesferments im Pankreassafte unter ver¬ 
schiedenen physiologischen Verhältnissen. (Wratsch, Nr. 42.) 

Von der Thatsache ausgehend, dass der Darmsaft die Fähigkeit besitzt, 
das Ferment des Pankreassaftes aus latentem Zustande in aktiven zu versetzen, 
suchte L. festzustellen, worin die Ursache der Erscheinung liegt, dass unter 
manchen Verhältnissen der Pankreassaft wenig aktiv ist. Der aus dem Ductus 
pancreaticus gesammelte Saft verdaute ein Stückchen Faserstoff in 3—5 Stunden, 
nach Zusatz von Darmsaft (bis 4%) in 5—9 Minuten. Die Anlegung einer Fistel 
auf den Ductus pancreaticus bewirkt die Absonderung eines Eiweissferments in 
Form von Zymogen. Interessant waren ferner die Versuche über den Einfluss 
der Nahrung auf die Beschaffenheit des Saftes. Die Versuche mit Zusatz von 
Darmsaft zum Pankreassaft zeigten, dass bei Fleischnahrung das Ferment des 
Pankreas bereits in seiner Oesamtmasse fertig war; bei Nahrung, die aus Milch 
und Brot bestand, ging die Produktion des Pankreassaftes energisch vor sich. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Rosenberg: Eine Methode zur Anlegung einer selbstschliessenden Darmfistel. (Pflü- 
ger’s Archiv, Bd. 85, S. 149.) 

Nach Vemähung der in die Wunde gezogenen Pars pylorica mit der mit 
Peritoneum umsäumten Haut werden durch einen Schnitt nur die Serosa und Mus- 
cularis der Pylorusgegend gespalten und durch 2 Seroso - Muscularislappen die 
Schleimhaut freigelegt Nach Durchtrennung derselben und Einlegung eines ver¬ 
schlossenen Gummidrains werden beide Seroso-Muscularislappen wieder vernäht 
und die Wunde geschlossen. Nach Ausstossung des Draines wild noch eine Zeit 
lang sondiert Der Vorteil ist der, dass die Fistel angeblich immer, selbst bei 
gefülltem Magen verschlossen ist Zum Gebrauch derselben hat man nur eine 
Kanüle einzuführen. Szubinski (Oöttingen). 

Samojfoff: Einige Bemerkungen zu der Methode von Mett (Pflüger’s Archiv, 

Bd. 85, S. 86.) 

Verf. wendet sich gegen die von Huppert in einer in Nr.23 d. Centralbl. 
referierten Arbeit gegebene Erklärung, die Mett’sche Methode sei ungeeignet zur 
genauen Bestimmung der relativen Pepsinmengen; einmal wäre das von Schütz 
und Huppert aufgestellte Gesetz von der »Quadratwurzel« noch nicht als zweifel¬ 
los anerkannt dann aber auch hätte das Verfahren von Mett, das bekanntlich die 
Länge verdauter kleiner Eiweissqrlinder als Massstab für die Pepsinmenge benutzt 
auch in Bezug auf das Huppert’sche Gesetz genügende Uebereinstimmungen in 
gefundenen und berechneten Zahlen gegeben. Es werden einzelne Belege dafür 
angeführt Szubinski (Göttingen). 

Schilling, F.: Die Verdaulichkeit der Speisen. (Fortschr. d. Med., Nr. 35.) 

Die Bekömmlichkeit die Vertragbarkeit (Rubner) ist kein Massstab für 
die Verdaulichkeit. Hierfür kommt objektiv allein die Löslichkeit oder die Um¬ 
wandlungsfähigkeit der dargereichten Nahrungsmittel durch Fermente in resorbier- 
und assimilierbare Stoffe in Betracht Von der Resorbierbarkeit der Nahrungs¬ 
mittel hängt die Ausnutzung ab. 

Was verdaulich oder unverdaulich ist, lässt einzig und allein aus den 
fäcalen Rückständen sich erkennen. Die chemische Kotanalyse sieht als resor¬ 
biert an, was aus der Aufnahme in der Nahrung minus Abgang im Urin und Stuhl 
sich ergiebt, lässt aber den Darmstuhlbestandteil, welcher nicht unerheblich, aber 
als Dannsekret extrahierbar ist, unberücksichtigt. Ein zutreffendes Resultat über 
die Ausnutzung giebt nur die makro- und mikroskopische Untersuchung der 
fäcalen Residuen. Diese physikalische Untersuchungsmethode unterrichtet uns 


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nicht nur über Menge, sondern auch Beschaffenheit, über veränderte und nicht 
veränderte Gestalt und Form der einzelnen ingerierten Substanzen. Das Verfahren 
setzt nur voraus, dass die Fäces in toto Tag für Tag erweicht und besichtigt werden, 
dass die Defäcation spontan, ohne diätetische Purgation erfolgt. 

Von den Untersuchungsergebnissen sei nur einzelnes wiedergegeben. Den 
grössten Teil der fäcalen Residuen liefern die Vegetabilien, nicht der Darmkot 
Sämtliche animalischen Nahrungsmittel tragen reichlich dazu bei. Ein reichlicher 
Zusatz von Vegetabilien hindert die Verdauung der animalischen Substanzen nicht 
nur durch Steigerung der Peristaltik, sondern, weil die animalischen, fein ver¬ 
teilten Partikel mechanisch von Hülsen und Schalen umschlossen werden. Alle 
Fleischsorten hinterlassen bei gemischter Kost neben mikroskopischen Zerfalls¬ 
produkten grobe, mit blossem Auge sichtbare Reste in mehr weniger grosser 
Menge. Vermisst wurden sie bei fein gewiegtem Filet mit dünner Weissbrot- 
schnitte. Von kaltem Braten oder Kochfleisch gehen mehr Ueberreste ab, als von 
warm zubereitetem. Oeflügel bietet wenig Unterschied in der Ausnutzung. Wild 
hinterlässt mehr Muskelfibrillen als das Geflügel der Haustiere; das Fleisch ist 
fettarm, die Muskelfaser dicht aneinander gefügt. Fischfleisch liefert keine groben 
Fetzen, aber zahlreiche mikroskopische Fibrillen. Nur kalter Fischsalat wird 
schlecht ausgenutzt 

Ueber die geniessbaren Weichteile der Tiere herrschen auffallende Diffe¬ 
renzen. Eine grosse Rolle spielt die wechselnde Präparation in der Küche. Je 
feiner zerschnitten und zerdrückt, desto weniger grobe Reste eigeben sich. Bei 
Milch und Ei bedingt die genossene Menge das Rückstandsquantum. 

In den Vegetabilien finden sich Krustenreste, Frucht- und Samenschalen¬ 
fragmente mit allen charakteristischen Zeichen wieder. Kleberzellen sind deutlich 
verdaut, so bald die derbe Zellenwand bei dem Mahlprozess zerrissen ist Kleber 
ist sehr wohl verdaulich. Auch nach Oenuss aufgeschlossener Stärke sah Verf. 
gut erhaltene Kleisterzellen, nach Maizenasuppe sogar unveränderte Stärkekömer. 
Kartoffelstückchen fehlen nie, wenn ganze oder Stückkartoffel verzehrt werden, 
ebenso Schalenreste und Stärkezellen. Leguminosen gehen als ganze Exemplare 
oder in Bruchstücken ab, selbst Puräes bringen noch Schalenreste. Junge pflanz¬ 
liche Gewebe zerfallen bis auf die Oefässbündel und anstossendes Parenchym. 
Je mehr Puräeform überwiegt, desto geringer sind die Residuen. Cellulose wird 
in jugendlichem Zustande voll verdaut Bakterien tragen viel zum Zerfall bei, 
wenn die Enzyme nicht ausreichen. Grobe Qemüse, deren Reichtum an Eiweiss 
und Stärke gering, an Säuren, Zucker, Salzen, Oel, Riech- und Bitterstoffen gross 
ist, unterliegen im geringsten Teil digestiven Veränderungen. Pilze gehen unver¬ 
ändert ab, zählen nicht zum Fleisch, sondern zu den wohlschmeckenden Oemüsen. 
Die meisten Gemüsearten besitzen noch insofern einen hohen Wert, als sie die 
Einförmigkeit der Kost verhüten, den Appetit steigern, unentbehrliche Salze und 
Säuren dem Organismus zuführen und Kotbildner oder natürliche Kottreiber 
sind. Die mikroskopischen Fäcesuntersuchungen sprechen dagegen, dass der 
Mensch von Oemüsen und Nüssen leben könne. v. Boltenstern (Leipzig). 


Jolles: Einiges über die EiweisskArper. (Hygienische Rundschau, 1. Dezember.) 

Verf. hat mit Casein und Fibrin am Menschen Ernährungsversuche an¬ 
gestellt. Das Casein, das bei der Oxydation 73% Stickstoff als Harnstoff giebt, 
wird weit besser ausgenutzt, der ungenutzt abgehende Stickstoff beträgt nur 
19,7 %. Das Fibrin, das bei der Oxydation nur 45 % Stickstoff als Harnstoff er- 
giebt, geht mit 34% zu Verlust Die hamstoffbildenden Gruppen sind also von 
grosser Wichtigkeit für die Ernährung, die anderen gehen zwar nicht ganz ver¬ 
loren, werden aber weit schlechter ausgenutzt 

Wenn man aus diesen Versuchen Schlüsse auf die praktische Verwendbar¬ 
keit der Eiweisskörper ziehen will, so muss man bedenken, dass die einfache 
kalorimetrische Ermittelung des Verbrennungswertes niemals den Energiebetrag 


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wiedergiebt, der be! der Verarbeitung im Organismus auftritt, da es sehr auf die 
Spaltungsprodukte ankommt, die zum Teil nicht weiter verarbeitet wurden. 

B. Oppler (Breslau). 


Schiefer» Friedrich: Weitere Versuche Aber Pur©, angesteilt in der Spitalabteilung 
des Zuchthauses Mfinchen. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 51.) 

Auf Orund seiner Erfahrungen empfiehlt Verf. den Fleischsaft Puro in 
allen Fallen von Unterernährung und Anämie und rühmt besonders seine appetit¬ 
erregende Eigenschaft bei Magendarmerkrankungen. Schade (Göttingen). 


Roaenfeld, Georg (Breslau): Die Biologie des Fettes. Nach einem Vortrage, gehalten 
in der vereinigten Sitzung der med. und der zool.-bot. Sektion d. schles. Gesell¬ 
schaft f. vaterl. Kultur am 14. Juni. (Münch, med. Wochenschr., 1902, Nr. 1.) 

Gestützt auf eigne Untersuchungen und eine grosse Anzahl fremder, auf 
zahlreiche Tiergattungen sich erstreckender Beobachtungen, führt R. den Nachweis, 
dass keine einzige Erscheinung im gesamten Tierreich für die Bildung von Fett 
aus Eiweiss im Tierkörper spreche. Schade (Göttingen). 


v. Hössiin, H. (Bergzabern): Das Isodynamiegesetz. (Münch, med. Wochenschr., 

Nr. 53.) 

Verf. macht gegenüber Rubner seine Prioritätsansprüche betreffs des sog. 
Isodynamiegesetzes geltend, wonach die Hauptnährstoffe (Eiweiss, Fett, Kohlen¬ 
hydrate) sich nach dem Verhältnis ihrer Verbrennungswärmen im Tierkörper vertreten. 
Nachdem dieser Satz u. a. schon 1846 von C. Schmidt ausgesprochen, aber 
wieder in Veigessenheit geraten sei, habe Verf. vor Rubner in seiner Arbeit 
über den Einfluss der Nahrungszufuhr auf Stoff- und Kraftwechsel (Virchow’s 
Archiv, Bd. 89, 1882, S. 333) ausführliche Beweise für das Isodynamiegesetz beige¬ 
bracht Schade (Oöttingen). 

Zuntz, N.: Sind kalorisch äquivalente Mengen von Kohlenhydraten und Fetten für Mast 
und Entfettung gleichwertig? (Therapie der Gegenwart, Nr. 7.) 

Z. setzt sich zu einer Reihe von Autoren in Gegensatz, welche bei der Ent¬ 
fettung resp. Mästung von dem Satze ausgehen, dass die Kohlenhydrate bei der 
Entfettung als schädlich und als den Fettansatz begünstigend anzusehen sind, und 
welche daher bei den Entfettungskuren grössere Mengen Fett mit der Nah¬ 
rung unter starker Einschränkung der Kohlenhydrate zuführen. Zum Beweise 
seiner gegenteiligen Ansicht, dass nämlich die Kohlenhydrate da, wo es sich 
darum handelt, Fettansatz zu vermeiden, entschieden vorzuziehen sind, führt er aus, 
dass ein erheblicher Teil des Kohlenstoffes von den zugeführten Kohlenhydraten 
der Fettbildung entgeht, und zwar geschieht dies einmal dadurch, dass die Ver¬ 
dauungsarbeit bei den Kohlenhydraten grösser als bei den Fetten ist, — es 
werden 2 1 /, °/ 0 der Oesamtenergie des Fettes gegen 10 % bei den Kohlenhydraten 
für die Verdauungsarbeit verwendet — und ferner dadurch, dass bei der Umwand¬ 
lung von Kohlenhydraten in Fett ein Teil des Kohlenstoffes abfällt und als Kohlen¬ 
säure ausgeatmet wird, während das Fett als solches im Organismus abgelagert 
wird. 

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Kohlenhydrate in viel höherem 
Masse eiweisssparend wirken als die Fette, wie sich dies aus den Untersuchungen 
von Voit, Rubner und seinen eigenen ergiebi Die von den Klinikern be¬ 
obachtete Abnahme des Körpergewichts bei Beobachtung der Fettdiät (Ebstein’- 
sches Regime) wird nie so sinnenfällig und rasch vor sieb gehen, wenn nicht eine 
Unterernährung, die zugleich Eiweissschwund bewirkt, statthat (100 g Muskel- 


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Substanz haben dieselbe Verbrennungswärme wie 10 g Fett). Bei einer Diät, die 
nach den Ergebnissen eines Stoffwechselversuches zeigt, dass nur Fett in Verlust 
geht, wird sich nie eine solche rapide Gewichtsabnahme erzielen lassen, wie sie 
von mancher Seite bei der Fettdiät proklamiert ist. 

Bezüglich der Frage, ob es nur eine Mastverfettung giebt oder auch eine 
Fettsucht, die angeboren ist, die also auf einer Stoffwechselanomalie beruht, ver¬ 
neint er das Vorhandensein der letzteren. Respirationsversuche an einem abnorm 
schweren Knaben (102 kg) haben gezeigt, dass der Stoffwechsel reichlich normal 
hoch in diesem Falle war, und trotzdem diese enorme Mästung. Ob Fettansatz 
oder Fettverlust auftritt, hängt von der Grösse des Verbrauches und von der durch 
diese angeregten Nahrungsaufnahme ab. Wird die letztere gegenüber der ersteren 
gesteigert und greift die Willkür dann nicht ein, so kommt es zur Mast 

Hagenberg (Göttingen). 

Klemperer, 0«: Lösung und Zerstörung der Harnsäure im Blut Gesunder und Gicht¬ 
kranker. Ein Beitrag zur Bewertung der Gichtheilmittel. (Therapie der Gegen¬ 
wart, Nr. 8.) 

Wenn es K. auch vom theoretischen Standpunkte nicht möglich erscheint, selbst 
für den Fall, dass man die Gicht auf Hamsäurestauung zurückführt, die Behand¬ 
lung der Gicht mit Benzoesäurederivaten (Urosin, Sidonal) zu rechtfertigen, so 
hat K. dennoch einige Versuche angestellt, die den therapeutischen Wert dieser 
Mittel in ein klares Licht stellen sollen. Es zeigte sich nämlich bei vergleichen¬ 
den Versuchen über die harnsäurelösende Wirkung des Blutes Gesunder und 
Gichtkranker — es wurde Aderlassblut sofort in 100 ccm chloroformhaltige wäss¬ 
rige Lösung von Natriumbiurat gebracht —, dass die urolytische Wirkung des 
Blutes Oichtkranker durchaus nicht gegenüber der Gesunder vermindert ist Ist 
daher das Blut selbst schon imstande die Bildung eines schädlichen Stoffes 
zu verhindern, so ist die Darreichung von Mitteln, die derartiges bewirken sollen, 
wohl überflüssig. Hagenberg (Göttingen). 

Kassowitz, Max: Alkoholismus im Kindesalter. (Jahrbuch für ( Kinderheilkunde, 

Bd. 54.) 

Im Gegensatz zu der Thatsache, dass die schädlichen Wirkungen des 
Alkohols auf den Organismus des Kindes allgemein anerkannt werden, steht die 
Erfahrung, dass die Aerzte selbst mit Ausnahme einer kleinen Minorität eher zur 
Verbreitung als zur Einschränkung des Alkoholgenusses im Kindesalter beitragen, 
und zwar dadurch, dass die Alkoholica immer wieder in der Diätetik und Therapie 
verschiedener Krankheiten empfohlen werden. Die angeblichen Indikationen für 
die Verwendung der Alkoholica unterzieht Verf. einer kritischen Erörterung und 
kommt zu der Anschauung, welche er auch in einem Vortrag auf dem VIII. inter¬ 
nationalen Kongress gegen den Alkoholismus in Wien vertreten hat, dass die dem 
Alkohol von verschiedenen Seiten nachgerühmten Vorteile zum grössten Teil sicher 
illusorisch, im übrigen aber zum mindesten im hohen Grade zweifelhaft sind, dass 
also dem tausendfältigen Unglück, welches der Alkohol verschuldet, keinerlei 
Nutzen in hygienischer und therapeutischer Hinsicht gegenübersteht 

Keller (Breslau). 

Wetzet: lieber Veränderungen des Blutes durch Muskelthätigkeit, ein Beitrag zu Studien 
an überlebenden Organen. (Pflüger’s Archiv, Bd. 82, S. 505.) 

Verf. befasste sich damit, nach einer von Hering angegebenen Methode 
der Isolierung des Herz-Lungenkreislaufes eine Methode auszuarbeiten, welche auf 
dieser Grundlage die gleichzeitige Isolierung von Organen oder Oigankomplexen 
ermöglicht Er giebt kurz seine dabei gemachten Erfahrungen wieder. — Ueber 
die Methodik selbst ist im Original nachzulesen. Bei den angestellten Versuchen 


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hatte er sich zur Aufgabe gemacht, in den isolierten Herz-Lungenkreislauf die 
hinteren Extremitäten einzuschalten und durch anhaltende Tetanisierung dieses 
bei Unterhaltung künstlicher Atmung Stunden lang funktionsfähigen Präparates 
den Einfluss der Muskelarbeit auf das Blut zu verfolgen. Es zeigte sich, dass die 
Gerinnbarkeit des Blutes stark herabgesetzt, aber nicht gänzlich aufgehoben wurde; 
die Zahl der roten Blutkörperchen änderte sich nicht, während die Zahl der weissen 
Blutkörperchen auf die Hälfte der ursprünglichen Zahl herabging oder noch mehr 
abnahm. Die Blutalkalescenz zeigte gleichfalls eine Abnahme, aber nicht im ent¬ 
ferntesten so stark, wie sie nach Muskelarbeit des lebenden Tieres gefunden wird. 

Szubinski (Göttingen). 

Bokehnann, W.: Wie weit können wir durch spezielle Ernährung während der 
Schwangerschaft zur Erleichterung der Geburt beitragen? (Therapie der Gegen¬ 
wart, Nr. 6.) 

B. hat mit der von Prochownik inaugurierten Diät gute Erfolge beob¬ 
achtet und spricht sich auf Grund seiner Erfahrungen dahin aus, dass man durch 
eine zweckentsprechende Diät gegen Ende der Schwangerschaft einen erleichterten 
Geburtsverlauf zwar nicht garantieren, dass man in vielen Fällen doch einen 
solchen mit einiger Wahrscheinlichkeit in Aussicht stellen kann. Der Effekt dieser 
Diät liegt einmal darin, dass die Kinder sich durch Fettarmut auszeichnen, die 
auch wohl die Ursache der leichteren Verschieblichkeit der Kopfknochen abgeben 
dürfte, und ferner, dass die so genährten Frauen über einen energischer arbei¬ 
tenden Uterus verfügen. 

Nach Prochownik’s Vorschrift sind alle Arten Fleisch, Ei, Fisch mit 
wenig Sauce, grünes Gemüse, Salat, Käse, Brot in geringen Quantitäten, Butter 
nach Belieben erlaubt Als Getränk werden 300—400 g Rot- oder Moselwein 
gestattet Gänzlich verboten sind Wasser, Suppen, Kartoffeln, Mehlspeisen, 
Zucker und Bier. 

B. empfiehlt, mit der Diät nicht erst in den letzten beiden Schwanger¬ 
schaftsmonaten zu beginnen, sondern schon allmählich bei Beginn des letzten 
Drittels der Gravidität. Hagenberg (Göttingen). 


Besprechungen. 

Kahane, Max (Wien): Grundriss der inneren Medizin für Studierende und praktische 
Aerzte. Franz Deuticke, Leipzigu. Wien. 810S. 12,00Mk. Mit 65 Abbildungen. 

Eine Prüfung des uns vorliegenden Werkes zeigt, dass der Verf. seiner 
Aufgabe, den Studierenden und praktischen Aerzten einen Grundriss der inneren 
Medizin zu bieten, in jeder Weise gerecht geworden ist Die übersichtliche Ein¬ 
teilung des Stoffes und die leicht fassliche Darstellungsweise gewähren schon 
dem angehenden Internisten die Möglichkeit, sich die nötigen Kenntnisse auf dem 
Gebiete der inneren Medizin anzueignen, anderseits wird auch der in der Praxis 
stehende Arzt aus dem vorwiegend vom praktischen Standpunkte aus geschriebe¬ 
nen Buche sein Wissen wieder auffrischen und neu ergänzen können. Als ein ganz 
besonderer Vorzug verdient hervorgehoben zu werden, dass, obgleich das Haupt¬ 
gewicht auf die Darstellung der Symptome und der Therapie gelegt ist, jedem 
grösseren Abschnitt die zum Verständnis der pathologischen Erscheinungen nötigen 
anatomischen und physiologischen Daten vorausgeschickt sind. In der Therapie 
ist auch die physikalisch-diätetische Seite derselben in gebührender Weise berück¬ 
sichtigt Schade (Göttingen), 


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Arndt, Johannes: Das Verhalten der Kalksalze in den Fäees und Im Harn von Säug¬ 
lingen bei Darreichung gekochter und ungekochter Milch. Inaug.-Dissert. Breslau 1901. 

Von den Veränderungen, welche die chemische Zusammensetzung der 
Milch durch das Kochen erleidet, ist wohl noch am besten das Verhalten der in 
der Milch enthaltenen Salze und ihre Beziehung zur Labgerinnung bekannt Aus 
Untersuchungen von Söldner wissen wir, dass keim Kochen der Milch der Ge¬ 
halt derselben an den für die Labwirkung notwendigen gelösten Kalksalzen ver¬ 
ringert, der an unlöslichem Calciumphosphat vermehrt wird. Verf. beschäftigt sich 
mit der Frage, inwiefern die Resorption und Retention der Kalksalze durch das 
Kochen der Nahrung beeinflusst wird, und vergleicht in Stoffwechselversuchen bei 
drei an Ernährungsstörungen leidenden Säuglingen Zufuhr und Ausscheidung von 
Kalksalzen bei Darreichung gekochter und ungekochter Milch. 

Aus den Versuchen scheint hervorzugehen, dass während der Zufuhr von 
roher Milch an Stelle der gekochten eine Zunahme der Kalkausscheidung durch 
den Kot statthat; gleichzeitig wird das Volumen des Kots und die Zahl der 
Stühle vermindert. Diese scheinbare Obstipation zusammen mit dem Auftreten 
stark alkalischer Reaktion der Fäces bei der Zufuhr ungekochter Ziegenmilch 
stellt einen bemerkenswerten Befund dar. In zwei Fällen war in den Versuchen 
mit roher Milch auch die Kalkausscheidung im Ham vermehrt 

Die Untersuchungen sind nicht ausreichend, die Frage nach dem Einfluss 
des Kochens der Milch auf die Ausnutzung der Kalksalze aufzuklären, aber sie 
liefern einen brauchbaren Beitrag zur Kenntnis des Kalkstoffwechsels, der beim 
Säugling bisher nur sehr wenig studiert ist. Keller (Breslau). 

Spillmann, Louis: Le rachitisine. Paris 1900, George Carrd et C. Naud. 337 
Seiten. Mit einem Atlas von 30 Tafeln. 

In der vorliegenden Arbeit werden eine Reihe von Untersuchungen zu¬ 
sammengestellt, welche Verf. an der Haushälterischen Klinik in Nancy aus¬ 
geführt und über welche er im besonderen schon an anderer Stelle (internationaler 
Kongress in Paris 1900. Rev. mens, des malad, de Penf. Janv. 1901. Archives de 
mdd. des enf. Mai 1901) berichtet hat Verf. versucht, die Rachitis des Kindes, 
der Tiere und die experimentelle Rachitis im Zusammenhang darzustellen, und 
bespricht in den 4 Hauptteilen der Arbeit nach einer historischen Einleitung die 
klinischen Erscheinungen, die pathologische Anatomie, die Aetiologie und schliess¬ 
lich die Pathogenese der Krankheit. Die wesentlichsten und notwendigen Be¬ 
dingungen für das Zustandekommen der Rachitis sind nach Ansicht Sp.’s fehler¬ 
hafte Ernährung und infolge derselben auftretende Verdauungsstörungen. Als Ur¬ 
sache der Erkrankung sieht Verf. eine spezifische Intoxikation an, welche vom 
Magendarmtraktus ausgeht und typische Veränderungen im Bereich des Skeletts 
(Osteitis) hervorruft Uebrigens wird hervorgehoben, dass die Kalkarmut rachiti¬ 
scher Knochen stets eine sekundäre Erscheinung ist 

Es wird in der umfangreichen Arbeit zwar eine Fülle von Material vor¬ 
gelegt: klinische Beobachtungen, histologische und anatomische Skelettunter¬ 
suchungen an Leichen von 44 Kindern sowie ausserdem an einigten Tieren, bei 
denen spontane Rachitis konstatiert wurde, und schliesslich 127 Tierversuche. Aber 
die Ergebnisse der Arbeit, wenn sie auch für die weitere Forschung nicht ohne 
Wert sind, sind doch im wesentlichen negativ und bringen uns in der Erkenntnis 
vom Wesen der Rachitis nur wenig vorwärts. Keller (Breslau). 

Schlesinger: Wie ernähren wir am besten den Säugling mit der Flasche? Berlin 1901, 

Hugo Steinitz. 1,00 Mk. 

Im wesentlichen handelt es sich um eine Empfehlung der unverdünnten 
Kuhmilch zur Ernährung des Säuglings. Die theoretische Begründung weist viel¬ 
fach Lücken auf, und die »Beispiele aus der Praxisc sind wenig zahlreich. Da 
die kleine Schrift eine allgemeinverständliche Besprechung bezweckt, erübrigt es 
sich, näher auf Einzelheiten einzugehen. Keller (Breslau). 


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Degeokanlt, Carl: Lipämie bei Diabetes mdHtus. Inaug.-Dissert. Oöttingen 1899. 

Verf. berichtet hauptsächlich vom anatomischen Standpunkt aus über einen 
Fall von Lipämie bei schwerem Diabetes mellitus, der im Koma diabeticum starb. 

Aus dem Sektionsbefund ist hervorzuheben, dass Patientin sich eines reich¬ 
lichen Fettpolsters erfreute. Im Blute selbst war das Fett nicht gleichmässig ver¬ 
teilt, die Farbe des Blutes war an manchen Stellen hellrot, an anderen dunkelrot, 
an [noch anderen wie mit Milch gemischt. Lungen und Nieren zeigten äusserst 
starke Anfüllung der Capillaren mit grossen und kleinen Fetttropfen (Fettembolie), 
ebenso das Gehirn. 

Aus der Höhe der Fettschicht, welche über dem bei der Sektion ge¬ 
sammelten Blute stand, Hess sich ein Fettgehalt des Blutes von ca. 10% be¬ 
rechnen, doch nimmt Verf. das wirkliche Vorhandensein eines noch weit höheren 
Gehaltes an, da ein Teil des Fettes in den Gerinnseln eingeschlossen zu Boden sank. 

Verf. erklärt die Lipämie in seinem Falle aus der mangelnden Fähigkeit 
der Gewebe, Fett zu verbrennen. Den massenhaften Fettembolieen schreibt er 
einen wesentlichen Anteil an dem Verlauf des Falles zu. 

Salomon (Frankfurt a. M.). 


Angas-Johnson, E.: Ein Beitrag zu den klinischen und therapeutischen Erfahrungen 
über die multiple tuberkulöse Darmstriktur. (Inaugural-Dissertation, Göttingen 1900.) 

Verf. bringt 4 hierhergehörige Krankengeschichten aus der Göttinger chirur¬ 
gischen Klinik. Eine derselben ist besonders interessant: Bei der Laparotomie des 
von heftigsten Schmerzen gepeinigten Mannes fanden sich multiple Stenosen vor, 
von denen keine sich vor den anderen durch besondere Enge auszeichnete. Daher 
wurde ohne weitere Operation die Bauchhöhle wieder geschlossen. Patient ver- 
liess die Klinik mit noch sehr heftigen Beschwerden, stellte sich jedoch V 4 Jahr 
später als völlig schmerzfrei wieder vor und war noch 4 Jahre später völlig 
gesund. Verf. stellt dieses Resultat in Parallele mit den Heilerfolgen der Laparo¬ 
tomie bei Bauchfelltuberkulose. In einem 2. Falle wurde eine Enteroanastomose 
vorgenommen mit gutem augenblicklichen Erfolg; der Patient starb 2 Jahre später 
an Perforationsperitonitis. Die beiden anderen Fälle endeten kurz nach der 
Operation letal. M. Kaufmann (Frankfurt a. M.). 


Keapf, Fr.: Zur traumatischen Aetiologie maligner Tumoren. (Inaugural-Dissertation, 

Göttingen 1900.) 

Verf. hat die Krankengeschichten der Göttinger chirurgischen Klinik aus 
den letzten 20 Jahren in Hinblick auf obige Frage durchgesehen. Von 1767 
während dieser Zeit beobachteten malignen Tumoren wurde bei 45 = 2,5 % 
das Leiden von den Patienten auf ein einmaliges Trauma zurückgeführt, nämlich 
bei 20 Cardnemen, 23 Sarkomen und 2 Enchondromen. 18 Fälle betrafen die 
Extremitäten, 14 die Weichteile des Kopfes, nur 3 ein inneres Oigan (den Hoden). 
Bei genauer Analyse der Fälle kommt Verf. zu der Ansicht, dass bei 21 Fällen 
der Zusammenhang mit dem Trauma wenig wahrscheinlich ist, so dass also nur 
24 Fälle, bei denen dieser Zusammenhang grössere Wahrscheinlichkeit hat, übrig 
bleiben, eine Zahl, die gegenüber anderen Statistiken sehr klein ist. 

M. Kaufmann (Frankfurt a. M.). 


Qadroio: Lerioni diniche e lavori sperimentali. (Anni 1898—1900.) Pisa 1901, 
Tipografia successori fratelli Nistri. 186 S. 

Im voriiegenden Buche hat Benvenuti, Assistent Queirolo’s, die in 
den Jahren 1898—1900 an der Pisaner medizinischen Klinik vom Professor Quei« 


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rolo gehaltenen Vorlesungen gesammelt. Aus der grossen Anzahl von Original, 
arbeiten will Ref. auf die unser Fach tangierenden hinweisen: 

Eine Arbeit befasst sich mit dem Einflüsse der Faradisation auf die moto¬ 
rische Thätigkeit des Magens. — Auf Q/s Anregung studierte Cionini diese 
Frage und kam zu folgenden Schlussfolgerungen: 

1) Die glatten Muskelfasern des Magens werden vom faradischen Strome 

(Applikation auf die Bauchwand) direkt nicht beeinflusst 

2) Folglich ist diese, schon seit langem empfohlene Behandlungsmethode 

unnütz, vorausgesetzt dass man damit eine Zusammenziehung der 

Magenwände zu erreichen wünscht 

3) Höchst wahrscheinlich dürfte das gleiche vom galvanischen Strom gelten. 

4) Der faradische Strom beeinflusst bloss die Bauchwand; deren Zusammen¬ 

ziehung übt auf den Magen eine Art Massage aus. 

5) Folglich sind die dadurch erzielten Heilungen bei nervösen Zustanden 

des Magens oder bei Dilatationen lediglich der Suggestion und der 

Massage gutzuschreiben. 

Ueber die Bedeutung des Pepsins bei Magenkrankheiten und bei einigen 
allgemeinen pathologischen Zuständen. 

Cionini und Landi, die sich damit beschäftigten, kommen zu folgenden 
Schlussfolgerungen: Die Pepsinausscheidung unterliegt, genau so wie die der HCl, 
grossen Schwankungen. — Das Pepsin und dessen Zymogen verschwinden nie 
aus dem Magen. — Bloss beim Cardnom wurde der von einigen Autoren be¬ 
obachtete Parallelismus zwischen HCl und Pepsin beobachtet — Wenn besagter 
Parallelismus bei primären Magenaffektionen wirklich vorkommt fehlt er z. B. bei 
Anämie, bei Fieberzuständen u. s. w., bei denen man ein umgekehrtes Verhältnis 
zu beobachten in die Lage kommt. — Bei Anämie, dem Magenkatarrh und der 
-Dilatation werden die grössten Pepsinwerte ausgeschieden; die geringsten beim 
Cardnom, den hysterischen Neurosen und im Fieberzustande. 

Plitek (Triest). 


La Clinica Medica Italiana per il glubfleo dinieo del prof. E. Galvagni. Milano, casa 
editrice dottor Francesco Vallardi. 215 S. 4 Lire. 

Anlässlich des 25jährigen Dozentenjubiläums Galvagni’s in derModeneser 
medizinischen Klinik haben dessen Kollegen, Freunde und Schüler die wichtigsten 
Arbeiten gesammelt die auf dessen Klinik erdacht und ausgeführt worden, und 
sie in einem eleganten Buche erscheinen lassen. 

Erprobte Kliniker fügten eigene Beobachtungen hinzu, so zwar, dass das 
Buch ausser dem engeren Kollegenkreise auch dem weiteren Aerztepublikum ob 
seinen wissenschaftlichen Essays nicht unlieb erscheinen dürfte. — Hier möge 
nur eine Arbeit Queirolo’s Erwähnung finden, die wegen des Inhaltes in unseren 
Rahmen hineinpasst: sie behandelt das Thema der Diagnose bei Pyiorusinsuffizienz. | 

Queirolo unterscheidet zwischen der absoluten — permanenten — ln- ; 
suffizienz und der relativen, die nach mässiger Druckzunahme im allgemeinen 
aufzutreten pflegt 

Zur Kenntnis der Abnormität bedient er sich einer von ihm ersonnenen 
Methode, die bereits in diesem Centralblatt Jahrg. 1, Nr. 6, S. 142 referiert wurde. 

Was geschieht nun bei der Pylorusinsuffizienz ? 

Nach Einführung der mit dem Gummibläschen armierten Sonde in den 
Magen und nach Aufblähung der Blase mit Luft wird man keine Zunahme des 
intraventrikulären Druckes wahmehmen können, weil die im Magen befindliche 
vor der sich blähenden Blase zurückweichende Luft durch den insuffizient ge* 


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wordenen Pylorus in den Darm entweicht und auf diese Weise die Bildung des 
luftkissenartig geblähten Magens verhindert Es entfällt auf diese Weise der Druck 
auf die Gummiblase, mi.hin das Fortpflanzungsvermögen der Schwingungen von 
Magenwand auf Bläschenwand, und von hier auf die registrierende Feder. 

Dies gilt bei der absoluten, permanenten Insuffizienz. — Doch konnten Q. 
und mit ihm andere, die dessen Methode nachprüften, mit besagter Methode auch 
eine relative Insuffizienz erkennen: bei einem und demselben Individuum funktio¬ 
nierte einige tyale der Apparat gar nicht, während es später zweimal gelang, die 
Magengrenzen, welche mit der CO t -Methode nie fixiert werden konnten, mit der 
neuen Methode zu bestimmen. Es ist evident, dass in diesen Augenblicken der 
Pylorus suffizient war. 

Nach Q. ist seine Methode frei von jeder Fehlerquelle: bei dessen An¬ 
wendung findet keine brüske Ausdehnung der Magenwände statt, die man durch 
die plötzliche Bildung von Kohlensäure nach Einnahme von NaHCO g +C 4 H 6 O a 
beobachten kann, ferner wird auf die Mageninnervation kein nennenswerter Reiz 
ausgeübt; das eventuelle Bestehen einer Hyperaesthesie der Schleimhaut oder einer 
erhöhten Motilität der Magenmuscularis ist ebenfalls belanglos. — Die Methode 
hat vor ähnlichen den Vorzug, auch eine relative Insuffizienz diagnostizieren zu 
lassen, die sonst mit den üblichen Hilfsmitteln (CO*) nicht erkannt werden 
könnte. Plitek (Triest). 


3nbaltswr|«id>tils. 

Original-Artikel: Orlowski, Witold: Ein Beitrag zur Frage über 
dieBlutalkalescenz S. 31. — Referate: Murri: Del diabete oronzino. (Ueber 
den Bronzediabete§) S. 35. — Zülzer: Zur Frage des Nebennierendiabetes S. 36. 

— Talma, S.: Zur Ernährung der Diabetiker S. 36. — Bial u. Blumenthal: Be¬ 
obachtungen und Versuche bei chronischer Pentosurie S. 37. — Kelling, Oeorg 
(Dresden): Ueber Oesophagoskopie, Gastroskopie und Kölioskopie S. 37. — 
Robin, Albert: La phosphaturie tenreuse des dyspeptiques. — Emissions d’urine 
laiteuse. Cystite, pyälite et hdmaturie d’origine gastrioue. — Diagnostic et traite- 
ment S. 38. — Maitan: Les vomissements avec acätonemie chez les enfants S. 39. 

— Stiller: Noch ein Wort über Magenatonie S. 39. — Kuttner: Plätschergeräusch, 

Atonie und Gastroptose S. 40 — Schütz, R.: Ueber chronische dyspeptische 
Diarrhoeen und ihre Behandlung S. 40. — Lancereaux: HSmorragies ndvropathiques 
des voies digestives (stomatorragies, hömatdmfeses, entdrorragies) S. 41. — 

Rotschild D.: Ueber die Anwendbarkeit des Fortoin als Antidiarrhoicum 
S. 42. — Laquer, B.: Ueber Bismutose, eine Wismut - ProteTnyerbindung 

S. 42. — Schüller: Zur Kasuistik und Chirurgie des primären Carcinoms der 
Papilla Vateri S. 42. — Albu: Ueber die Grenzen der Zulässigkeit ausgedehnter 
Darmresektionen S. 43. — Schloffen Zur operativen Ausschaltung entzündlicher 
Mastdarmstrikturen S. 43. — Hawkins, Francis: On mucous diseases of the intestines 
S, 44. — Perondi: Ricerche anatomiche sul cieco e sulla sua appendice. (Ana¬ 
tomische Untersuchungen am Blinddärme und seinem Appendix) 5. 44. — Ford, 
Willi: Medical aspects of appendicitis S. 44. — Benedict, A. L (Buffalo): The 
differential diagnosis of appendicitis (scolecitis) S. 45. — Ochsner, A. T. (Chicago): 
Sorae practica! points in tne treatment of appendicitis S. 45. — Unger, E.: Beitrag 
zu den posttyphösen Knodieneiterungen S. 45. — Ooldscheider, A.: Zur Chinin¬ 
behandlung des Unterleibstyphus S. 45. — Roberts, Frederick T.: The rational 
and comprehensive study of the hepatic System S.46. — Eggel: Ueber das primäre 
Cardnom der Leber S. 46. — Waldvogel: Klinisches und Experimentelles zur 
Nierendiagnostik S. 46. — Rotschild, A.: Beitrag zur Kenntnis gerinnselartiger Ge- 
büde imurin S. 47. — Blum, F.: Ueber Nierenveränderungen bei Ausfall der 
Schilddrüsenthätigkeit (Nephritis interstitialis auto-intoxicatoria) S. 48. — Cautru: 


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Du role de l’additl urinaire en pathologie. Traitement de l’hypoadditä par l’adde 
phosphorique S. 48. — Tschirjew: Zur Behandlung der Basedow’schen Krankheit 
S. 49. — Senator, H.: lieber Anämia spienica mit Asdtes (Banti’sche Krankheit) 
S. 50. — Lintwarew, 1. 1.: Ueber den Zustand des Eiweissferments im Pankreas¬ 
safte unter verschiedenen physiologischen Verhältnissen S. 51. — Rosenberg: Eine 
Methode zur Anlegung einer selbstschliessenden Darmfistel S. 51. — Samojloff: 
Einige Bemerkungen zu der Methode von Mett S. 51. — Schilling, F.: Die Ver¬ 
daulichkeit der Speisen S. 51. — Jolles: Einiges über die Eiweisskörper S. 52. — 
Schaefer, Friedrich: Weitere Versuche über Furo, angestellt in der Spitalabteilung 
des Zuchthauses München S. 53. — Rosenfeld, Georg (Breslau): Die Biologie des 
Fettes S. 53. — v. Hösslin, H. (Bergzabern): Das Isodynamiegesetz S. 53. — 
Zuntz, N.: Sind kalorisch äquivalente Mengen von Kohlenhydraten und Fetten für 
Mast und Entfettung gleichwertig? S. 53. — Klemperer. Q.: Lösung und Zer¬ 
störung der Harnsäure im Blute Oesunder und Gichtkranker S. 54. — Kassowitz, 
Max: Alkoholismus im Kindesalter S. 54. — Wetzel: Ueber Veränderungen des 
Blutes durch Muskel thätigkeit, ein Beitrag zu Studien an überlebenden Organen 
S. 54. — Bokelmann, W.: Wie weit können wir durch spezielle Ernährung wäh¬ 
rend der Schwangerschaft zur Erleichterung der Geburt beitragen? S. 55. — Be¬ 
sprechungen: Kahane, Max (Wien): Grundriss der inneren Medizin für Stu¬ 
dierende und praktische Aerzte S. 55. — Arndt, Johannes: Das Verhalten der 
Kalksalze in den Fäces und im Harn von Säuglingen bei Darreichung gekochter 
und ungekochter Milch S. 56. — Spillmann, Louis: Le rachitisme S. 56. — Schle¬ 
singer: Wie ernähren wir am besten den Säugling mit der Flasche? S. 56. — 
Degenhardt, Carl: Lipämie bei Diabetes mellitus S. 57. — Angas-Johnson, E.: 
Ein Beitrag zu den klinischen und therapeutischen Erfahrungen über die multiple 
tuberkulöse Darmstriktur S. 57. — Kempf, Fr.: Zur traumatischen Aetiologie 
maligner Tumoren S. 57. — Queirolo: Lezioni diniche e lavori sperimentali S. 57. 
— Li Clinica Medica Italiana per il giubileo dinico del prof. E. Galvagni S. 58. 


Hlpbabettfd» geordnetes JnbaltsrerfeUmis. 

Acetonämie S. 39. — Alkoholismus im Kindesalter S. 54. — Appendidtis 
S. 44. 45. — Appendix, Bau des S. 44. — Banti’sche Krankheit S. 50. — Base- 
dow’sche Krankheit S. 49. — Bismutose S. 42. — Blutalkalescenz S. 34. — Blutun¬ 
gen des Digestionstraktus S. 41. — Blutveränderungen und'Muskelthätigkeit S. 54. 
—• Bronzediabetes S. 35 —- Colitis mucosa S. 44. — Darmfistel S. 51. — Darm- 
resektionen S. 43. — Diabetes S. 35—37. — Diabetikeremährung S. 36. - Diarrhoe, 
dyspeptische S. 40. — Dyspepsie S. 38. 40. — Eiweisskörper S. 52. — Entfettung 
S. 53. — Erbrechen S. 39. — Ernährung in der Schwangerschaft S. 55. - Fett, 
Biologie desselben S. 53. — FortoTn S. 42. — Gastroptose S. 40. — Gastroskopie 
S. 37. — Hamaddität, Bedeutung derselben S. 48. — Ham, Gerinnsel im S. 47. 

— Hamsäurezerstörung S. 54. — Isodynamie S. 53. — Knocheneiterungen, post- 
typhöse S. 45. — Kolioskopie S. 37. — Leberkrankheiten S. 46. — Leberkrebs 
S. 46. — Magenatonie S. 39. — Mast S. 53. — Mastdarmstrikturen S. 43. — Mett’- 
sche Probe S. 51. — Nebennierendiabetes S. 36. — Nierendiagnostik S. 46. — 
Nierenveränderungen S. 48. — Oesophagoskopie S. 37. — Pankreasferment S. 51. 

— Papilla Vateri. Cardnom derselben S. 42. — Pentosurie S. 37. — Phosphaturie 
S. 38. — Plitschergeräusch S. 40. — Puro S. 53. — Schilddrüsenexstirpaüon und 
Nierenveränderungen S. 48. — Speisen, Verdaulichkeit derselben S. 51. - Typhus 


Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen, Alleestr. 6, einsenden. 


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Nr. 3. 


Breies Februar-Heft 1902. 


3. Jahrgang. 


Crnfralblaff 

Mp 

Stoffwechsel- & Vertauungs-Kranltheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Oöttingen. 
Verlag von Vandenhoedc ft Ruprecht in Oöttingen. 


Moudfch 2 Nrn. von lVt—2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjähriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Postansfaüten des ln- und Auslandes, Nr. 1489 der Zeitungs-Preisliste f. d. Deutsche Reich. (Postbezug 
in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausserhalb Europas 1 Mark 20 Pf. jihriieh mehr.) 


Original-Hrtihel. 

Aus der inneren Klinik der JagelL-Universität Krakau. 

(Direktor: K. K. Hofrat Prof. Dr. Eduard Ritter v. Korczynski.) 

Zwei Stoffa*d>stlvtrstid>* bat Osteomalacl«. 

(Vorläufige Mitteilung.) 

Von 

Doz. Dr. L Ritter v. Korczynski. 

Die rege Bewegung auf dem Gebiete der Stoffwechsellehre, wie sie 
sich immer deutlicher geltend macht, hat schon eine stattliche Anzahl von 
Arbeiten gefördert, die in gar mancher Richtung zur genaueren Erkenntnis ge¬ 
wisser pathologischer Vorgänge und zur richtigeren Auffassung einzelner 
Krankheitsbilder beigetragen haben. Es darf ja wohl behauptet werden, dass 
die einschlägigen Untersuchungen der Richtung klinischer Forschungen der 
Gegenwart einen deutlich ausgeprägten Stempel verliehen haben. Ohne 
weiteres ist es leicht einzusehen, dass unser klinisches Interesse vor allem 
anderen ganz besonders für die Fragen der Stoffwechselvorgänge bei chro¬ 
nischen Erkrankungen, vorzüglich aber für die bei Stoffwechselkrankheiten ein¬ 
genommen werden musste. Das ist eben ein Gebiet der Pathologie, wo die 
Stoffwechseluntersuchungen das meiste zu leisten versprechen dürfen. 

Mit vollem Rechte gehört hierher eine Krankheitsform, die unter dem 
Namen Osteomalacie klinisch wohl charakterisiert und genau erkannt 
wurde. 

Noch im Jahre 1803 sind unsere Kenntnisse über die Stoffwechsel- 

Nr. 3. 


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Vorgänge bei Knochenerweichung derart knapp und unsicher gewesen, dass 
dieselben in dem damals erschienenen allgemein bekannten Lehrbuche der 
Pathologie des Stoffwechsels von v. Noorden unberücksichtigt bleiben 
mussten. Die Arbeiten folgender Jahre haben zwar versucht, einiges Licht 
in dieser Hinsicht zu verschaffen, es darf aber nicht verschwiegen werden, 
dass die gewonnenen Ergebnisse als endgiltig and entscheidend nicht be¬ 
ansprucht werden können. Es sind darin ganz bedeutende Unterschiede, ja 
sogar Widersprüche zu bemerken, die etwa dadurch zu erklären wären, dass 
die Untersuchungen unter ungleichen, durch verschiedene Kostanordnung, 
den momentanen Krankheitszustand und den allgemeinen Krankeitsverlauf 
bedingten Verhältnissen ausgeführt worden sind. Soll eine klare Einsicht 
bezüglich des Stoffwechsels bei Osteomalacie ermöglicht werden, so müssen 
die einschlägigen Untersuchungen periodenweise und durch längere Zeit, 
jedenfalls auch bei Berücksichtigung des jeweiligen Zustandes des Kranken 
und des allgemeinen Charakters des Krankheitsveriaufes ausgeführt werden. 
— Es soll dabei auch dem mutmasslichen Einflüsse der Kost selbst Rech¬ 
nung getragen werden. 

Jene Erwägungen sind mir nun zur Leitschnur bei meinen an zwei 
Osteomalaciekranken der Krakauer inneren Klinik vorgenommenen Stoff¬ 
wechseluntersuchungen gewesen. 

Näheres über die Anordnung und den Gang der Arbeit soll anderorts 
weitläufiger erörtert werden: eine eingehende Besprechung der gewonnenen 
Eigebnisse wird dort entsprechenden Platz finden. Einstweilen will ich mich 
nur mit blosser Registrierung der durchschnittlichen in einzelnen Perioden 
erhaltenen Zahlen begnügen. 

Bei der einen Kranken verteilt sich die ganze Versuchszeit auf fünf 
Perioden. Vier umfassen einen Zeitraum von je fünf, eine, die letzte, von 
vier Tagen. Bei der anderen sind vier periodische Bestimmungen ausgeführt 
worden. Die drei ersten dauerten je fünf, die letzte vier Tage. Während der' 
vierten, resp. der fünften Periode erhielten die Kranken je 6 englische Ovarial- 
tabletten. Die Zusammensetzung und der Nährwert der Kost sind folgende 
gewesen: • 


Periode 

Versuch 

Eiweiss g 

Fett g 

Kohlenhydrate g 

Kal. 

1 . 

I. 

124,23 

67,18 

140,70 

1711,069 

11. 

114,684 

90,20 

40,56 

1475,160 

11 . 

I. 

55,321 

32,40 

236,61 

1473,641 

11 . 

101,968 

51,45 

158,30 

1519,557 

111. 

I. 

103,016 

51,76 

177,80 

1617,068 

II. 

101,968 

51,45 

158,30 

1519,557 

IV. 

I. 

103,016 

51,76 

177,80 

1617,068 

11 . 

101,968 

51,45 

158,30 

1519,557 

V. 

I. 

103,016 

51,76 

177,80 

1617,068 


Jeden Tag wurden zum Salzen der Speisen gleiche Na Q-Mengen 
verwendet Die Kranken erhielten immer gleiches Mass Trinkwasser. 


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(28./11.—2./12.) (8./12.—12./12.) (15./12.—19./12.) (5./1.-3./1.) (14./1.—17./1.) 


63 



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1) Trotz mehrere Tage dauernder Abwartung liess sich das N-Oleichgewicht nicht erreichen. 



N + 0,3058 ■+■ 0,0140 | - 0,0674 — 0,3976 

PjOj + 03» + 0,1393 | + 0,9513 + 0,8282 

CaO — 0,2248 — 0,4298 | + 0,0578 — 0,0917 


64 



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11. Versuch. 





65 


Die eben niedergelegten durchschnittlichen Ergebnisse erfordern noch 
insofern einer ergänzenden Erläuterung, nachdem bemerkt werden muss, 
dass die Zahlen sowohl für die Stickstoff- wie auch für die Phosphorsäure- 
und Kalkmengen an einzelnen Tagen merklichen Schwankungen ausgesetzt 
waten. Bezüglich des Sticktoffes sind jene täglichen Schwankungen inner¬ 
halb zwei erster Perioden, während deren die Kost der Kranken ziemlich 
eiweissreich war, die bedeutendsten gewesen. 

Ausser dem fast konstant festzustellenden ungleichmässigen Gange der 
Ausfuhr dürfte noch ganz besonders unsere Aufmerksamkeit der Umstand in 
Anspruch nehmen, dass die Phosphorsäureausfuhr während der ganzen Ver¬ 
suchszeit in beiden Fällen hinter der Einfuhr geblieben ist, dass somit eine 
dauernde positive Bilanz erzielt wurde. Das wechselseitige Verhältnis zwischen 
der im Harne und in den Fäces ausgeschiedenen Phosphorsäure ist auch 
kein normales gewesen. Im Kot wurden entschieden zu hohe, im Harne 
zu niedrige Werte getroffen. Besonders augenschlagend ist jene Zunahme der 
Phosphorsäuremenge in den Fäces während' der II. Periode des II. Ver¬ 
suches zu Tage getreten. 

Die Kalkausfuhr war in jedem der untersuchten Fälle quantitativ etwas 
verschieden. Während im ersten derselben, mit Ausnahme der letzten Periode, 
durchweg eine positive CaO-Bilanz zu konstatieren war, ist im zweiten Ver¬ 
suche die ausgeführte Kalkmenge grösser wie die eingeführte gewesen. Eine 
Ausnahme bildete in dieser Hinsicht nur die III. Periode, die eine unbe¬ 
deutende positive Bilanz von 0,05 g CaO aufzuweisen hatte. Worin aber 
eine gewisse Aehnlichkeit der Kalkausscheidung in beiden Versuchen zu er¬ 
blicken wäre, ist der Umstand, dass in einzelnen Perioden, wie auch, und 
das noch deutlicher, an einzelnen Tagen die Verhältniszahlen zwischen der 
Ham- und Kot-Kalkmenge recht unbeständig gewesen sind. 

Zwischen Kalk- und Phosphorsäureausscheidung dürfen insofern ge- 
gewisse Beziehungen erblickt werden, nachdem beim Steigen des Kalkgehaltes 
der Fäces auch die Phosphorsäureausfuhr, sowohl die durch den Intestinal- 
traktus, wie auch die gesamte, eine grössere wurde. 


6iit*rltis membranacva and Colitis mucosa. 

Sammelreferat 

von 

Spezialarzt Dr. F. Schilling-Leipzig. 

Es ist eine in der Medizin jeder Zeit zu beobachtende Erscheinung, 
dass von den Aerzten um so heftiger über eine Krankheit diskutiert wird, 
je geringer die pathologisch-anatomischen Unterlagen an Zahl und Wert 
sind. Fehlt gar ein Obduktionsbefund oder wird nur ein Symptom als 
Ausgangspunkt und Bezeichnung einer Krankheit gewählt, so gelingt es am 


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66 


schwersten, Einigkeit und Klarheit in den einzelnen Ansdrenungen zu er¬ 
zielen. 

Ein hierher gehöriges Beispiel liefert die Colica mucosa. Die Streit¬ 
frage blieb bisher unerledigt, ob es eine reine Sekretionsneurose des Darms 
oder richtiger gesagt, eine funktionelle Darmneurose mit Hypersekretion und 
Spasmus giebt (Siredey, Da Costa, Potain, Vanini, Olänard, Frank), 
oder ob es sich in Fällen spastischer Schleimentieerung um Enteritis resp. 
Colitis catarrhalis mit gesteigerter Schleimproduktion handelt (Krysinski, 
Kitawaga, Hirsch, Brunner). Dass die Schleimmengen in Gestalt von 
Fetzen, Membranen oder tubulösen Gebilden oder gar in Gestalt einer Mole 
abgehen und paroxysmenweise ausgestossen werden, ist kein Unterscheidungs¬ 
merkmal; auch das gleichzeitige Bestehen mehr oder weniger intensiver 
Schmerzen differenziert nichts. Zum Ueberfluss bildet sich neuerdings eine 
dritte Gruppe von Aerzten, welche Uebergänge zwischen beiden Typen be¬ 
obachtet haben wollen (Ewald, Boas, Pariser, Schmidt). 

Werfen wir einen kurzen Rückblick nach Vorausschicken dieser we¬ 
nigen zur Orientierung dienenden Worte auf die betreffende Litteratur der 
letzten beiden Jahre über dies Thema, so finden wir zwar keine Lösung der 
Frage, doch begegnen wir einigen wertvollen Arbeiten, welche der Meinung 
zuneigen, dass die reine Neurose — wenn überhaupt — sehr selten vor¬ 
kommt, dagegen Enteritis auf dem Hintergründe einer allgemeinen Neurose 
(Hysterie, Hypochondrie, Neurasthenie) oder bei komplizierenden Krank¬ 
heiten von Hypersekretion begleitet werden kann. 

Sehen wir von einer Mitteilung Hartmann’s über Enteritis mein- 
branacea des Dünndarms (1899) und Einhorn’s 1 ) Angabe gleichzeitig« 
Vorkommens von Achylia gastrica mit Schleimabgängen und Froussard’s*) 
Behauptung, dass Colitis membranacea auch Appendicitis mit Follikulitis und 
Narbenbildung verschulde, ab, so liegt von Schütz 8 ) eine wichtige Be¬ 
obachtung vor. Er sah zwei Patienten mit Enteritis membranacea und 2 
Fälle von Colica mucosa längere Zeit hindurch. Bei den letzten beiden 
Kranken traten die schleimigen Entleerungen anfallsweise in da- Anstalt 
nach psychischer Erregung plötzlich auf, ohne dass vorher irgend welche 
Symptome von Colitis bestanden hatten. Die Perioden der Schleimkolik 
dauerten 4 Wochen lang, während v. Nothnagel nur solche von 1 Woche 
beobachtete. Allgemeine neurotische Erscheinungen traten in den Vorder¬ 
grund, und Koliken stellten sich auch ohne Schleimabgang ein. Der 
Schleim des Katarrhs und der Kolik Hessen sich weder makro- noch mikro¬ 
skopisch unterscheiden, auch in der Quantität bestand keine Differenz. 

Ferner beschäftigte sich mit diesem Gegenstände der 13. internationale 
ärztliche Kongress zu Paris. Boas 4 ) hält an der Unterscheidung beider 
Formen keineswegs fest, die Colica mucosa als Krankheit sui generis sei 
selten und ihr Vorkommen noch zu erweisen; jedenfalls müssten Entzündungs¬ 
erscheinungen fehlen. Nur längere Beobachtung des Kranken und Probe¬ 
spülungen in den Pausen der Anfälle dürften der Auffassung einer blossen 
Schleimkolik Glauben verschaffen. Bei Katarrh bestehe Druckempfindlich¬ 
keit der betroffenen Darmpartieen; Neurasthenie oder Hysterie, Essfurcht und 


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67 


Appetitlosigkeit fehlten selten. Koliken könnten dauernd fehlen. Die Schwere 
der Colitis membranacea hänge von der Atonie und Obstipation ab, mit 
der letzteren schwinde die Schleimausstossung mehr und mehr. Artefidell 
werde Col. membran. hervorgerufen durch Anwendung adstringierender Me¬ 
dikation, besonders durch Tannineinläufe. 

Mannaberg 5 ) nimmt an, dass es sich um ätiologisch und patholo¬ 
gisch-anatomisch weit auseinandeigehende Prozesse handelt, wenn man den 
Abgang von Schleim als Ausgangspunkt der Betrachtung wählt Darm- 
erkrankungen wie Colitis, Obstipation, Dysenterie, Proktitis, Darmtuberkulose, 
Dannverengerung, Enteroptose und Hämorrhoiden gehen damit einher, un¬ 
zweckmässige Ernährung, drastische Abführmittel, reizende Klystiere, Er¬ 
krankungen der Genitalien, Arthritis, Lithiasis in den Intestinis und Erkältun¬ 
gen sind davon begleitet Reiche Leute erkranken öfter als arme an Schleim¬ 
ausscheidungen. Reine Fälle von Colica mucosa sind selten zu beobachten, 
die blosse Neurose fällt mit Hysterie und Neurasthenie, seltener mit Epilepsie 
und Chorea zusammen. Aber thatsächlich bildet der Schleim kein Kriterium. 
Bei Enterokatarrh findet man Eiter mit Hypersekretion und Schleim, bei der 
Neurose nur eine Hypersekretion von Schleim. Von hohem Werte ist sein 
Hinweis auf die im Gegensätze zu v. Nothnagel’s Anschauung neuerdings 
ermittelten Untersuchungsresultate über die Schleimbestandteile: Nur der 
reichliche Oehalt an Rundzellen liefert den Beweis für den entzündlichen 
Prozess, nicht die verschonten, in regressiver Metamorphose begriffenen Epithel¬ 
zellen. Nach Schmidt sind diese Zellen aber nicht nekrotisch oder degene¬ 
riert, sondern Verschollung heisst seifige Imbibition des Protoplasma, wäh¬ 
rend die Zellkerne gut sicht- und färbbar sind, sobald die Seifengranulationen 
durch Erwärmen des Objektträgers eliminiert sind. Schmidt fand viel Fett 
hn Schleim, 9,5—19,07% * n der Trockensubstanz; Ref. sah grösstenteils aus 
Fett bestehende Schleimfäden und Fetzen in den Fällen, in welchen Oel- 
einlänfe gemacht waren. Das zufällige Quantum von Schleim involviert 
keinen Katarrh, sondern die Quantität hängt von Nervenreizen auf die Schleim¬ 
drüsen ab, geradeso wie wir den Vorgang bei dem Asthma bronchiale längst 
kennen. Warum indessen die Sekretionsnerven zu Zeiten abnorm erregt 
sind, hat die Physiologie uns bisher nicht gelehrt Die Zahl der Bakterien 
schwankt Für den infektiösen Charakter des Leidens, wie ihn Froussard 6 ) 
amrimmt, fehlt jeder Anhalt 

Bei Colica mucosa fehlt jede bekannte Ursache wie Hämorrhoiden, 
Stenose, Tumoren und reizende Klystiere. Die blosse Kotstase bei schwerer 
Obstipation erzeugt keine Schleimmembranen und kann ebensowenig wie 
die gleichzeitig häufig beobachtete Enteroptose Ursache sein für die Krank¬ 
heit Der Spasmus des Darmes konfiguriert nach Marchand den Schleim 
und bedingt die verschiedenen Formen. Mannaberg lässt die Frage offen, 
ob Enteritis mit Colica mucosa gemeinsam vorkommt; er verlangt genaue 
Anamnese, wiederholte und dauernde Untersuchung eines Patienten, auch in 
den paroxysmenfreien Intervallen, und genaue Exploration des Stuhls im An- 
hdle und vor dem Anfalle, wenn ein Beweis für Neurose erbracht werden 
sott. 

Der dritte Redner Mathieu 7 ) definiert die Colite membraneuse als 


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68 


sekretorische Reizung der Darmschleimhaut, die häufig spastischen Ursprunges 
sei. Die lokale und allgemeine Neurose fallen oft zusammen und be¬ 
einflussen sich. 

Von den andern Rednern, die sich an der Debatte auf dem Kongresse 
beteiligten, sei noch kurz erwähnt, dass Langenhagen häufiger bei Ente¬ 
ritis membran. Darmsteine, Dieulafoy keine Appendidtis gefunden haben 
und Ewald Fälle beobachtete, bei denen Obstipation und Diarrhoe bestanden. 
Nach Ewald’s Ansicht kommen Uebergänge von Colica muc. zu der Enterit 
membr. vor, so dass es sich wahrscheinlich dann um verschiedene Symptome 
einer Krankheit handelt 

Westphalen 8 ) vereint die ätiologisch und klinisch von v. Noth¬ 
nagel geschiedenen Gruppen, konstatierte im Schleim keine Differenzen und 
behauptet, dass beide Formen bei einem Patienten Vorkommen können. 
Nur sollen die Membranen bei dem Katarrh schmerzlos und bei der Neurose 
unter wehenartigen Schmerzen ausgestossen werden. Sämtliche Fälle von 
Schleimabgang seien als Neurose zu bezeichnen. Der Schleim sei amorph 
und reichlich bei unkomplizierter Enteritis und geformt oder strangförmig 
bei spastischen Zuständen. Würden die Massen unter Schmerzen entleert, 
so dürfe man nach Rosen heim eine Sensibilitätsneurose annehmen. 

Zum Schluss seien noch einzelne Angaben zitiert, deren Wert sich 
zum Teil nicht prüfen lässt Eichhorst 9 ) beschrieb 2 Fälle von Enteritis 
membranaceamit Darmgries. Froussard 10 ) will Appendidtis, Follikulitisund 
Narbenbildung des Wurmfortsatzes nach Enterit membran. gesehen haben; 
auch unterscheidet er 11 ) latente und chronische Formen, die sekundär nach 
Typhus, Nephritis und Hepatitis auftreten und selbst das Kindesalter behüten, 
für letzteres sei die infektiöse Form öfter tödlich, erst in der Pubertät ändere sie 
ihren Charakter. Isaak 12 ) spricht ebenhüls von den Beziehungen zwischen 
Colitis und Appendidtis, indem sich der katarrhalische Prozess auf die 
Schleimhaut des Appendix fortsetze. Diese Art der Appendidtis membranacea 
soll stürmische Erscheinungen machen, Lithiasis finde sich öfter zugleich 
(Kalk- und Magnesiakonkremente). Nach Kittsteiner 18 ) soll der mangel¬ 
hafte Zutritt der Galle in den Darm die Membranbildung hervorrufen und 
die Colica mucosa einen höheren Grad der Colitis membranacea auf neu¬ 
rotischer Basis sein. Pariser färbte den Schleim mit Ehrlich’s Triadd 
nach Behandlung mit Alkohol; ich konnte mit Pappenheim’scher Lösung 
schon nach 10—15 Minuten Grünfärbung direkt konstatieren, besonders 
deutlich traten die Sternchen hervor. Dass auch die Veterinärmedizin 
Schleimabgänge ex ano der Tiere kennt, möge noch hier angefügt sdn. 

Die Therapie erfuhr keine Aenderung. Bei Enteritis sorge der Arzt 
für Diät und Regulierung des Stuhles. Tritt die Neurose in den Vordergrund, 
so muss die Behandlung eine antineurotische in erster Linie sein. Mast¬ 
kuren, Hydrotherapie, warme Bäder und warme Abreibungen und meist 
blande, nicht reine vegetarische Diät sind erforderlich. Spülungen von 40° C 
mindern den Darmreiz und den Enterospasmus, entleeren den angehäuften 
Schleim und wirken antitoxisch. Drastica, Adstringenden und Darmmassage 
sind zu meiden. Rizinus nützt in kleinen Dosen gegen die Obstipation. — 


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69 


Operative Eingriffe, wie sie Franke durch Anlegen einer Kolonfistel machte, 
unterblieben. 

Jedenfalls muss die Zukunft eine definitive Entscheidung über die 
schwebende Frage bringen, wenn es möglich ist, pathologisch-anatomische 
Befunde vorzulegen und sobald die normale Physiologie die Innervation 
der Sekretionsnerven des Darmes genauer studiert hat Die bisher bekannten 
Falle von M. und O. Roth mann geben für Enteritis membranacea und 
Colica mucosa Anhalt, doch sind sie an Zahl zu gering. Papillöse Eruptionen 
im unteren Ileum nach W right, festhaftende Schleimmassen mit gesunder 
Mucosa und Cystenbildung nach Angabe anderer Autoren dürften zu un¬ 
wesentlich erscheinen, als dass ihnen ätiologische Bedeutung beigelegt wer¬ 
den könnte. 


Litteratur. 

1) Archiv f. Verdauungskrankheiten, 1899. 

2) Appendidte et entlrocolite mucomembran., Oaz. des h6p., 1900. 

3) Münchener med. Wochenschr., 1900, Nr. 17. 

4) Deutsche med. Wochenschr., 1900, Nr. 33. 

5) Wiener med. Wochenschr., 1900, Nr. 43. 

6) La presse m£d., 1901. 

7) Archiv f. Verdauungskrankheiten, 1900. 

8) Berliner klin. Wochenschr., 1901. 

9) Deutsches Archiv f. klin. Med., 1900. 

10) 1. c. 

11) 1. c. 

12) De la colite mucomembraneuse, 1900. 

13) Der praktische Arzt, 1901. 


Referate. 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1901 zu ergänzen.) 

Bouloumiä, P.: Inflnence de la grippe sur les manifestations arthritiques. (Bull. 
g£n. de thlr., 1900, tome 140, p. 5.) 

Verf. gelangt auf Grund seiner Beobachtungen, die er als Badearzt in 
Vittel zu machen Gelegenheit hatte, zu folgenden Schlössen: 

Die Influenza scheint auf die Gelenk- und Nierenerscheinungen des 
Arthritismus keinen nennenswerten Einfluss auszuuben; dagegen lässt sich ein 
Einfluss auf die Gallensteinbildung nicht verkennen. Verf. zitiert mehrere Falle 
von Gallenstein- und Leberkoliken, die im Anschluss an eine Influenzaattacke zum 
ersten Male auftraten; in anderen Fällen wiederholten sich die schon früher be¬ 
obachteten Anfälle nach der Influenza. Ob hier die Erkrankung der Gallenwege 
nnd der Leber als direkter Ausdruck des Arthritismus und die Influenza nur als eine 
Gelegenheitsursache anzusehen ist, oder ob sie in einem kausalen Zusammenhänge 
mit der Influenza steht, insofern eine Infektion der Gallenwege und der Leber 
durch den Pfeifferschen Bacillus vom Darm aus stattgefunden haben könnte, 

Nr. 3. 


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7Ö 


lasst B. dahingestellt. Ferner beobachtet man nach der Influenza nicht selten eine 
vermehrte Hamsäureausscheidung und Albuminurie. Aus alledem ergiebt sich 
für den Arzt die Aufgabe, bei Influenzakranken auch den Zustand der Leber und 
der Nieren sorgsam zu überwachen und durch Anregung der Sekretionen dieser 
Organe die Elimination der Toxine zu begünstigen. Dieser Indikation wird Ge¬ 
nüge geleistet durch Verordnung einer reichlichen Milchdiät und diuretischer pur¬ 
gierender Mineralwässer. Schade (Göttingen). 


His d. J., W.: Die harnsauren Ablagerungen des Körpers und die Mittel zu ihrer 
Lösung. (Therapie der Gegenwart, Nr. 10.) 

Die modernen Gichtheilmittel (Sidonal, Urosin, Uricedin u. s. w.), soweit 
sie das Bestreben haben, die Harnsäure und die harnsauren Ablagerungen in den 
Geweben in Lösung zu bringen, sind als untauglich zu betrachten. Nach den 
Gesetzen der physikalischen Chemie fällt beim Zusammenbringen einer Säure mit 
mehreren Basen immer dasjenige Salz zuerst aus, dessen Löslichkeitsprodukt am 
geringsten ist Es lösen diese Mittel Harnsäure wohl in reinem Wasser auf, 
lassen sie aber sofort fallen, sobald z. B. Natronsalze zugegen sind. 

Der Weg, den die Therapie einzuschlagen hat, ist der, dass man die Harn¬ 
säure durch Verbindung mit anderen Substanzen in Körper überzuführen sucht, 
aus denen das Harnsäure-Ion C 5 H # N 4 0 3 nicht wieder im Körper abgespalten 
wird, d. h. dass sie in Lösung bleiben, den Körper passieren und unzersetzt im 
Urin erscheinen. Solche Verbindungen geht die Harnsäure mit der Nukleinsäure 
und dem Formaldehyd ein (Diformaldehydhamsäure). Auf diesem Wege lässt 
sich am ersten in Zukunft etwas erreichen. Vorläufig wissen wir allerdings noch 
nicht, in welcher Form die Harnsäure im Blute kreist. 

Für die Behandlung der fertigen gichtischen Ablagerungen, die aus harn- 
sauren Salzen bestehen, haben chemische Mittel als Lösungsmittel keinen Wert; 
auch die Anwendung der Nukleinsäure und des Formaldehyds erscheint hier aus¬ 
sichtslos. Empfehlenswert ist die lokale Applikation von Wärme, um die Blut¬ 
zufuhr und den Lymphstrom anzuregen, wodurch eine Phagocytose ermöglicht 
wird. 

Die Lösung von Harnkonkrementen ist erreichbar durch Mittel, welche im 
Harn mit der Harnsäure eine Verbindung eingehen. Zu diesen Mitteln gehört 
das Urotropin, welches sich im Harn in Ammoniak und Formaldehyd spaltet Die 
Harnsäure des Harnes wird dadurch in eine Verbindung übergeführt, deren Lös¬ 
lichkeit weit grösser als die der Harnsäure und ihrer Salze ist. Die Acidität des 
Urins hat darauf keinen Einfluss. Da aber z. B. 6 g Urotropin noch nicht die 
gesamte Harnsäure des täglichen Harnes zu lösen vermögen, also auch nicht dje 
Harnsäure eines Steines lösen werden, so ist die Anwendung des Urotropins für 
praktische Zwecke zu gering. Doch dem Problem der Steinlösung sind wir näher 
gerückt. 

Die Harnsäure ist im Ham in übersättigter Lösung, beim Ansäuern fällt sie 
unvollständig aus, weil sie in übersättigter Lösung bleibt. Dies lässt sich durch 
Hinzufügen eines Keimsalzes (1 mg Harnsäure) in fein verteilter Form vermeiden. 
Der so angesäuerte und mit einem Keimsalz versehene Ham ist 48 Stunden in 
rotierender Bewegung zu halten. Die Werte nach dieser Methode stimmen mit 
den nach der Lud wig-Salkowski’schen Methode gefundenen innerhalb gewisser 
Grenzen überein. Hagenberg (Göttingen). 

Schmidt, M. B.: (Jeher die Beziehung der Langertians’schen Inseln des Pankreas nun 
Diabetes mellitus. Aus d. pathol. Institut zu Strassburg. Nach einem am 6. Dez. 
im naturwissenschaftlich-med. Verein gehaltenen Vortrag. (Münchener med. 

Wochenschr., 1902, Nr. 2.) 

Die bisher gemachten Beobachtungen von Veränderungen des Pankreas 


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71 


beim Diabetes meRttus sind so wenig einheitlich, dass sidi aus ihnen sichere 
Schlüsse auf die Bedeutung dieses Organs für die Glykolyse nicht ziehen lassen. 
Dazu tragen auch die Mitteilungen Sch.’s wenig bei, der in 23 Fällen von Diabetes 
das Pankreas einer eingehenden mikroskopischen Prüfung unterzog; er wandte 
dabei besonders den Langerhans’schen Inseln seine Aufmerksamkeit zu, die 
wiederholt mit der glykolytischen Funktion des Pankreas in Zusammenhang ge¬ 
bracht sind. In 8 von diesen 23 Fällen erwies sich das Pankreas als völlig normal, 
ein Beweis dafür, dass man den Diabetes ätiologisch nicht als eine einheitliche 
Erkrankung anzusehen hat; in einem Falle bestand eine einfache Atrophie des 
Organs, in 7 anderen geringfügige und lokal beschränkte Veränderungen des 
Parenchyms: herdförmige Entzündungen, kleinzellige Infiltrationen, wie sie sich auch, 
allerdings weit weniger häufig, bei nicht diabetischen Individuen finden. Es 
folgen nun 4 Fälle, die insofern eine grössere Bedeutung beanspruchen, als bei 
ihnen die Veränderungen, meist schwerer Natur, vorzugsweise oder ausschliesslich 
die Langerhans’schen Inseln betrafen, teils in Form einer hyalinen Degeneration, 
teils einer interstitiellen Entzündung. Gänzliches Fehlen der Langerhans’schen 
Inseln (Dieckhoff, Ssobolew) hatVerf. niemals beobachtet. So sehrauch diese 
Befunde für eine Beziehung der Langerhans’schen Inseln zur Glykolyse und 
zum Diabetes sprechen, so hat man sie doch nur mit grosser Vorsicht zu deuten, 
da ihnen Verf. fast ebensoviele (3) Fälle von Diabetes gegenüberstellt, bei denen 
im Gegensatz zu jenen die Langerhans’schen Inseln den überwiegenden Teil 
des bis auf geringe Reste zu Grunde gegangenen Parenchyms ausmachten. 

Schade (Göttingen). 


Dtochmann: Experimentelle Glykosurie. Nach einem Vortrage von F. W. Pavy. 

(Deutsche med. Wochenschr., Nr. 51.) 

P. unterscheidet 4 Formen der Olykosurie je nach den Quellen, aus welchen 
der Zucker herrührt. Der Zucker kann stammen: 

1. von nicht assimilierten, ins Blut und in den Urin übergetretenen Kohlenhydraten. 
Die Assimilationskraft des Körpers ist keine beschränkte, und was nicht zum 
Aufbau von Fett, Proteinsubstanzen oder von Glykogen verwandt wird, 
geht als Zucker in den Kreislauf und ruft so Olykosurie hervor; 

2. von aufgespeichertem Olykogen, also von schon assimilierten Kohlenhydraten, 
in dem wahrscheinlich beim Glykogen die kohlenhydrathaltige Gruppe von 
einem N-haltigen Kern durch Oxydation abgespalten wird; 

3. durch Zerfall von Proteinsubstanzen unter Freiwerden von Zucker, was nur 
bei gänzlichem Zerfalle des Proteinmoleküls eintreten kann, so dass eine 
entsprechende N-Ausscheidung damit einhergehen muss (beim Pankreas- 
und Phloridzindiabetes rührt der Zucker stets vom Eiweiss her); 

4. von Fett, doch liegen hierüber noch keine sicheren Beobachtungen vor. 

Hagenberg (Göttingen). 


Hinchfeld, F.: Die Behandlung der leichten Formen von Glykosurie. (Therapie der 

Gegenwart, Nr. 5.) 

Bei der Behandlung der leichteren Formen der Olykosurie geben uns die 
therapeutischen Erfahrungen bei der Fettleibigkeit und dem Diabetes wegen der 
nahen Beziehungen dieser Zustände zu einander sehr wichtige Fingerzeige. Die 
Thatsache, dass Muskelthätigkeit auf die Grösse der physiologischen Zucker¬ 
ausscheidung einen herabsetzenden Einfluss ausübt, stellt eine gesteigerte Muskel- 
isatigkeit, die sich durch Spazierengehen, Turnen, Radfahren u. s. w. erreichen 
lässt, als ein wichtiges Moment für die Behandlung hin. Da für die leichteren Formen 
des Diabetes in den wohlhabenden Klassen eine stärkere geistige Thätigkeit und 

Nr. 3*. 


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72 


die Eigenart der Diät vielfach als Ursachen angesprochen werden, so ist sowohl auf 
zeitweise eintretende geistige Ruhe wie auch besonders auf die Regelung der 
Diät Wert zu legen. Wir finden in den wohlhabenden Kreisen einen reichlicheren 
Zuckerkonsum, eine grossere Verdaulichkeit der Kost, die sehr wenig kotbildend 
ist, und schliesslich einen allzu hohen Nährwert derselben. Die Folge der ge¬ 
ringen Entleerung von Kot giebt eine Ursache für die Stuhlverstopfung ab, welche 
gerade bei Personen mit geringer Olykosurie die Toleranz gegen die Kohlen¬ 
hydrate herabsetzt. Durch die Zuführung von Speisen mit hohem Nährwert be¬ 
sonders in Verbindung mit geringer Muskelthätigkeit wird ebenfalls dem Zustande¬ 
kommen der Olykosurie vorgearbeitet 

Aus diesen Thatsachen lassen sich dann auch die Forderungen für die Er¬ 
nährung bei der Olykosurie herleiten. Möglichst wenig Zucker, reichlich grünes 
Oemüse, Salatarten, rohes Obst, kleienreiches Roggenbrot; die Fleischnahrung ist 
nicht zu steigern, dagegen ist Fett reichlich zuzuführen. Nach H.’s Erfahrung soll 
die Kost etwa betragen: 

110-130 g Eiweiss, 80-140 g Fett, 180-260 g Kohlenhydrate. 

Was die Badekuren anbelangt, so sind, besonders bei starker Stuhl Verstopfung, 
Marienbad, Tarasp, Kissingen und Homburg zu empfehlen; auch von hydrothera¬ 
peutischer Behandlung hat man Nutzen gesehen. Hagenberg (Oöttingen). 


Kuhn, Ph.: (Jeher den Zusammenhang von Diabetes insipidus und mellitus. Aus d. 
Krankenhaus d. jüdischen Oemeinde in Berlin. Innere Abteilung (Prof. Dr. 
Lazarus). (Münchener med. Wochenschr., 1902, Nr. 3.) 

Verf. teilt einen Fall von Diabetes insipidus bei einer 58jährigen Frau mit, 
der 8 Tage ante mortem in einen Diabetes mellitus überging. Die Ursache der 
Erkrankung sowie die Art des Zusammenhangs des Diabes insipidus und mellitus 
blieb unklar. Schade (Oöttingen). 


Borszäky: Diabetes insipidus nach Basisfraktur und Commotio cerebri. (Beiträge zur 

klin. Chir., Bd. 31, H. 3.) 

Einem 31jährigen Tagelöhner war ein Balken auf den Kopf gefallen, 
wonach er sofort bewusstlos zusammenbrach. Es stellten sich die Zeichen der 
Commotio cerebri (Erbrechen, Pulsverlangsamung, oberflächliche Atmung) und 
später eine Schädelbasisfraktur (Blutung aus den Ohren, der Nase und in die Kon¬ 
junktiven, rechtsseitige Ptosis und Ophthalmoplegie, linksseitige Abducenslähmung) 
ein. Nach 14 Tagen trat plötzlich ein hochgradiger Diabetes insipidus auf, der bei 
der Entlassung des Patienten noch andauerte; die Urinmenge war in dieser Zeit 
von 7 1 /« Liter langsam auf 3 Liter gefallen. 

Verf. nimmt an, dass dieser Diabetes als ein Zeichen von Oehimverletzung 
zu betrachten ist und der Ort derselben höchstwahrscheinlich dem von Kahler 
und Claude Bernard festgesetzten Punkte in der Rautengrube entspricht 

B. Oppler (Breslau). 


Oottstein: Technik und Klinik der Oesophagoskopie. II. Spezieller Teil: Klinik der 
Oesophagoskopie. (Schluss). (Mitteilungen aus den Orenzgebieten der Med. und 

Chir., Bd. 8, H. 4. 5.) 

O. bringt nunmehr den Schluss seiner umfangreichen Abhandlung (s. die 
früheren Referate an dieser Stelle), die Klinik der Stenosen, Dilatationen und Di¬ 
vertikel des Oesophagus. 

Die Verengerungen der Speiseröhre sind unter allen ihren Erkrankun¬ 
gen die bei weitem häufigsten. Angeborene Stenosen sind bisher oesophagoskopisch 


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nicht beobachtet, spastische und Obturationsstenosen bereits in früheren Kapiteln 
abgehandelt. Narbenstenosen durch mechanische Insulte sind bisher nicht 
beobachtet, durch thermische nur selten. Dagegen sind solche durch chemische 
Ursachen recht häufig. Zur Diagnose ist das Oesophagoskop hier wohl meist 
überflüssig, da Anamnese und Sondenuntersuchung fast stets genügen werden, 
doch scheint es für die Therapie, das Aufsuchen des Lumens der Striktur und die 
Dilatation eine grosse Zukunft zu haben. 

Sehr häufig sind die Verengerungen der Speiseröhre infolge von 
Neubildungen derselben. Outartige sind sehr seiten und erst in einem Falle 
oesophagoskopisch beobachtet, die bösartigen Neubildungen sind bis auf ver¬ 
schwindende Ausnahmen Carcinome. DasCarcinom erscheint gewöhnlich zuerst 
als inselförmige, verhärtete Stelle der Schleimhaut, welche nach und nach unver¬ 
schieblich wird; damit setzen häufig schon die Beschwerden der Patienten ein. 
Im weiteren Verlaufe wird dann entweder die Muskularis infiltriert, oder der Tumor 
buchtet die Schleimhaut in das Lumen vor, und man erhält je nachdem ver¬ 
schiedene charakteristische Bilder. Ulcerationen und Blutspuren finden sich dann 
bald im weiteren Verlaufe. Die Infiltration wird nun zumeist eine ringförmige, 
wenn auch mitunter eine kleine Stelle der Wand freibleibt, das Lumen der Speise¬ 
röhre stellt sich als Spalt- oder halbmondförmig dar. ln diesem Stadium des 
Tumors beobachtet man stets mehr und weniger ausgedehnte Ulcerationen 
und am Tupfer fast immer Blut Ab und zu bietet die Stenose im Oesophagoskop 
den Anblick eines tiefen Trichters, mitunter zeigt der Tumor einen papillomatösen 
Charakter, und sehr häufig trifft man die bekannten blumenkohlartigen, stark oder 
schwach ulcerierten Wucherungen an. Alle diese verschiedenen Typen belegt Verf. 
mit dem ungemein reichen kasuistischen Material der Breslauer Klinik, und es sei 
an dieser Stelle ganz besonders auf die äusserst lehrreichen Krankheitsgeschichten 
hingewiesen. — Das Carcinom der Kardia wird von O. zu denen des Oesophagus 
gerechnet, weil es sich in seinen klinischen Symptomen eng an sie anschliesst 
Das oesophagoskopische Bild zeigt nicht den normalen Rosettenverschluss, son¬ 
dern einen starren Ring, bietet aber im übrigen nichts Abweichendes. Wesentlich 
anders verhält sich das Carcinom der pars cardiaca des Magens, welches, ob¬ 
wohl ganz dem Magen angehörend, doch hauptsächlich Oesophagussymptome 
darbietet und daher ebenfalls abgehandelt wird. Die eigenartige anatomische 
Konfiguration bedingt auch hier häufig Stenosenerscheinungen und Regurgitation, 
nicht echtes Erbrechen. Das Oesophagoskop zeigt die normale Kardia, aber bei 
Oeffnung derselben nicht die normale hochrote Magenschleimhaut, sondern einen 
ins Lumen vorragenden Pfropf, mitunter auch nach Passieren der Kardia den 
ganzen Tumor. Die Diagnose wird durch den nicht selten vorhandenen Kardio- 
spasmus häufig ungemein erschwert und kann überhaupt bei komplizierteren Ver¬ 
hältnissen fast unmöglich werden. Die äusserst interessanten Einzelheiten und 
illustrierenden Krankheitsgeschichten mögen im Original nachgelesen werden. 

Aus den Ausführungen des Verf.’s geht hervor, dass in vielen Fällen die 
Diagnose erst durch das Oesophagoskop ermöglicht wurde. Einmal nämlich 
können alle anamnestischen Angaben (plötzliche Entstehung, langdauernder Ver¬ 
lauf etc. etc.) im Stiche lassen und ferner auch die Sondierungen ein eindeutiges 
Resultat nicht ergeben. Es ist das besonders da der Fall, wo die Sonde infolge 
zu geringer Stenosenbildung oder starker Exulceration das Hindernis passiert, 
oder ein Wechsel der Durchgängigkeit, ähnlich wie beim Kardiospasmus, be¬ 
obachtet wird. In vielen Fällen konnte erst die durch passende lnstmmente aus¬ 
geführte Probeexdsion die Natur des Leidens sicherstellen und in einigen 
Fallen durch Entfernung obturierender Tumorenmassen mittels Exdsion die 
Passage für die Ingesta wieder eröffnet werden. Zwei chirurgische Eingriffe, eine 
Resektion der Kardia und eine solche des Oesophagus hatten leider den Exitus 
letalis zur Folge. 

Kompressionsstenosen der Speiseröhre sind verhältnismässig häufig 
im Oesophagoskop beobachtet worden, doch ist die Differentialdiagnose sehr 


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schwierig. Die Schleimhaut bleibt zumeist über den von aussen her ins Lumen 
der Speiseröhre hineinragenden Tumoren verschieblich, doch lässt auch dieses 
Zeichen häufig im Stich, insbesondere auch den Gaumen und der Speiseröhre gegen¬ 
über. Ob sich ein Cardnom der Schilddrüse in den Oesophagus hinein entwickelt hat, 
wird nur durch den äusseren Befund und eine Probeexdsion zu entscheiden sein. Tiefer 
sitzende Mediastinaltumoren und insbesondere komprimierende Aortenaneuiysmen 
sind leichter zu differenzieren, letztere vornehmlich durch die starke Pulsation des 
Tumors. Im allgemeinen ist zu sagen, dass fast alle anderen Untersuchungs¬ 
methoden für sich allein im Stiche lassen bei diesen Affektionen, und welch grosse 
Schwierigkeiten die Diagnose selbst bei Zuhülfenahme des Oesophagoskops häufig 
bietet, ist aus den instruktiven Krankheitsgeschichten des Verfassers zu ersehen. 

Die totalen und partiellen Dilatationen der Speiseröhre sind von G. in 
den Kapiteln über Kardiospasmus, Atonie und Strikturen abgehandelt. Trak¬ 
tionsdivertikel sind im Oesophagoskop bisher nicht beobachtet, Pulsonsdiver- 
tikel in 5 Fällen. Wenn auch in vielen Fällen diese Diagnose auf Grund anderer 
Zeichen mit Sicherheit gestellt werden kann, und anderseits selbst die Oesophago- 
skopie mitunter im Stiche lässt, so ist doch in einer gewissen Anzahl von Fällen 
diese Untersuchungsmethode geradezu entscheidend. Es gelingt nämlich zumeist, 
eine stark gewulstete Schleimhautfalte am Uebergang der Speiseröhre in das Di¬ 
vertikel zu Oesicht zu bringen und mitunter noch daneben das bei einer Schluck¬ 
bewegung klaffende Lumen des Oesophus zu sehen. 

Verf. giebt zum Schlüsse seiner Arbeit noch eine kurze Zusammenfassung 
der in derselben niedergelegten oesophagoskopischen Beobachtungen und erwähnt 
in einem Nachtrage, dass ausser den verwerteten 100 Fällen in den letzten U/s 
Jahren in der Breslauer Klinik etwa 120 weitere Fälle zur Beobachtung kamen. 
Es handelte sich dabei um Cardnome in 54 Fällen, Verletzungen 2 mal, Fremd¬ 
körper 4 mal, chronische Entzündungen 2 mal. Ferner kamen zur Untersuchung 
7 Fälle von Spasmus, 3 Fälle von Atonie, 2 von Hyperästhesie, 2 Aortenaneurysmen 
und 1 Divertikel. Mit einigen Angaben über die Untersuchungstechnik schliesst 
Verf. seine lesenswerte Arbeit. 

Es sei ausserdem an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Abhandlung, 
als Monographie gedruckt, mit einem Vorworte von v. Mikulicz und einer An¬ 
zahl instruktiver Abbildungen und vorzüglich gelungener Tafeln im Verlage von 
G. Fischer in Jena unter dem Titel »Technik und Klinik der Oesophaskopie« er¬ 
schienen ist B. Oppler (Breslau). 


Labbä: Corps ätranger de l’oesophage. (Deutler.) Oesophagotomie externe, guärison. 

(Gazette des höpitaux, Nr. 144.) 

Bei einem Pat, der ein Oebiss verschluckt hatte, wird nach Misslingen 
von Extraktionsversuchen die Oesophagotomie gemacht, und es gelingt nach Er¬ 
weiterung der gesetzten Oesophagus wunde bis auf 4 cm, den Fremdkörper zu ent¬ 
fernen. Naht mit Catgut; die Hautwunde wird durch Drainage offengehalten. 
Am 4. und 6. Tage nach der Operation geht etwas von der per os eingegebenen 
Milch durch die Wunde ab, trotzdem komplete Heilung. 

Der Verf. leitet aus diesem Falle den Rat ab, bei verschluckten Fremd¬ 
körpern keine Brechmittel zu verabreichen, da durch solche eine Kontraktion des 
Oesophagus und eine derart feste Umklammerung des betr. Körpers eintreten 
kann, dass eine Perforation der Speiseröhre die Folge ist. Oelingen die ersten 
Extraktionsversuche nicht, so soll man sofort zur Oesophagotomie schreiten. Die 
Wunde ist zu drainieren, um eine event. Phlegmone bei Nichthalten der Oeso- 
phagusnähte zu vermeiden. M. Cohn (Kattowitz). 


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I. Främoiv t (Vichy): Classification des dyspepsies. (Bull. gdn. de thdr, 1900, tome 139, 

p. 826.) 

II. Le Oeodre, P.: Valeur restreinte des dassffieations et des thdories patiiogdnlqncs 

pour le tndtement des dyspepsies. (Ibid., p. 933.) 

F. eifert gegen die vonHayem vorgenommene Einteilung der Dyspepsieen, 
der er die chemische Beschaffenheit des Magensaftes, insbesondere mit Bezug auf 
das gegenseitige Mengenverhältnis der gebundenen und der freien Salzsäure, zu 
Grunde gelegt hat. Das Ergebnis der chemischen Analyse des Magensaftes kann 
nur dann die Basis zu einer Einteilung der dyspeptischen Zustände bilden, wenn 
sie Werte aufweist, die hinter den Normalwerten entweder weit Zurückbleiben 
oder sie erheblich übersteigen. In diesem Sinne will F. nur 2 grosse Klassen 
von Dyspepsieen gelten lassen: Die Hyperchlorhydrie und die Hypochlor- 
hydrie. Eine exakte chemische Analyse des Magensaftes ist nach ihm aus ver¬ 
schiedenen Gründen nicht möglich: einmal ist der Magen nie ganz leer, sodann 
wechselt die Intensität der Sekretion, als von zahlreichen Faktoren abhängig, von 
einem Moment zum anderen; während der Verdauung der Probemahlzeit entleert 
auch der Magen von seinem Inhalt immer etwas in den Darm, und endlich wird, 
während die Probemahlzeit eingenommen wird und im Magen verweilt, Mund¬ 
speichel in wechselnden und unbekannten Quantitäten verschluckt. 

Im Anschluss hieran führt Le Gendre aus, dass alle Klassifikationen der 
Dyspepsieen in therapeutischer Hinsicht wertlos seien; ihm habe für die Be¬ 
handlung dyspeptischer Zustände die aufmerksame Beobachtung und Prüfung der 
Symptome des Einzelfalles als Richtschnur gedient. Wolle man die Dyspepsieen 
mit Rücksicht auf die therapeutischen Indikationen in 2 Gruppen trennen, so em¬ 
pfehle es sich, dieser Einteilung die beiden praktisch wichtigsten Phänomene zu 
Grunde zu legen: Die Stagnation des Mageninhalts, die schliesslich zur Auto¬ 
intoxikation fuhrt, und die Hyperästhesie der Schleimhaut, die reflektorisch die 
verschiedensten dyspeptischen Erscheinungen hervorrufen kann: Schmerzen, Er¬ 
brechen, mangelhafte oder gesteigerte Thätigkeit der sekretorischen Elemente etc. 
Auf diese beiden Phänomene habe die Behandlung der Dyspepsieen ganz be¬ 
sondere Rücksicht zu nehmen. Schade (Göttingen). 

Memmi, Gttglielmo: Note di Semeiologia gastrica. (Semiotik der Magenkrankheiten.) 

(Riforma Medica, Anno XVII, Nr. 112—116.) 

M. hat die Magensaftsekretion bei einem und demselben Individuum nach 
Einnahme des Probefrühstückes nach Ewald-Boas, Ferranini, A. (100 g ge¬ 
bratenes mageres Fleisch und 150gH a O), Sde, Talma-Troller(200g mitLiebig’s 
Fleischextrakt zubereiteter Suppe) geprüft und ist zu folgender Schlussfolgerung 
gekommen: Das Filtrat nach dem Probefrühstück Talma-Troller bietet die 
kleinsten, nach jenem von Ewald-Boas die mittleren und nach den anderen die 
höchsten Werte an Oesamt-HCl. — M. glaubt, dass es zur genauen Kenntnis der 
sekretorischen Thätigkeit des Magens notwendig ist, verschiedene Probemahlzeiten 
zu verabfolgen und Vergleiche anzustellen. 

Weiter befasst sich M. mit dem Vorkommen der Fadenbacillen im Magen¬ 
inhalte bei Cardnom des Magens und ihrem Verhalten zur Sardna ventriculi: 
letztere kann beim Magencarcinom und zwar bei reichlicher Milchsäure und ent¬ 
sprechendem HCl-Mangel ebenso mit den Fadenbacillen zusammen vorgefunden 
werden, welch letzteren keine diagnostische Bedeutung beim Magencarcinom zu¬ 
kommt — Zum Schlüsse untersuchte M., inwieweit das Orthoform als differential¬ 
diagnostisches Agens zwischen Ulcus ventriculi und einfacher Oastralgie heran¬ 
gezogen werden könne. Er fand, dass bei durch Hyperchlorhydrie oder einfacher 
Gastritis bedingter Oastralgie das Orthoform auf den Schmerz wirkungslos bleibt, 
während es bei Ulc. ventr. fast immer den Schmerzanfall nach ca. 2ff post in- 
gestionem zu koupieren im stände ist 


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Die analgetische Wirkung erstreckt sidi nicht über die ersten 3—4 Stunden 
hinaus. — Eventuell könnte damit auch der Sitz des Magengesdiwürs erkannt 
werden, wenn bei Lagewechsel (Rücken-, Seiten- event. Ellbogenlage) bei einer 
bestimmten Lage die schmerzstillende Wirkung des Mittels zum Ausdrucke kommt 

Plitek (Triest). 


Heiner, W.: Die Wismntbehandlung des Magengeschwürs. (Therapie der Gegen¬ 
wart, Nr. 11.) 

Indikationen der Wismutbehandlung des Magengeschwürs und deren Aus¬ 
führung sind folgende: 

1. Tritt beim frischen Ulcus stärkere Säurebildung auf, die sich durch ein 
alkalisches Wasser nicht beseitigen lässt, so ist Wismut am Platze. Nüchtern 
sind früh 100—150 ccm warmes Karlsbader (Mühlbrunnen) Wasser zu trinken 
und ca. 1 Stunde darauf 5—10 g mit Wasser verrührtes Bism. subnitric zu 
verabfolgen. Diese Dosen können ruhig bis zur vollen Genesung weiter 
verabreicht werden. 

2. Bei allen Magengeschwüren mit starrem schwieligen Grunde, der wenig 
kontrahierbar ist und auf dem durch Liegenbleiben von Speisen leicht Reiz¬ 
erscheinungen ausgelöst werden, ist nach Entfernung der Speisereste mittels 
Magenspülung die Wismuttherapie angezeigt. Die Dosen können bis 
20 g gegeben werden, natürlich ist durch Klystiere dafür zu sorgen, dass 
das Wismut wieder vollständig mit den Fäces ausgeschieden wird. 

3. Bei den mit Pylorusstenose komplizierten Ulcera lassen sich durch Ruhe, 
Magenausspülungen und Wismutgaben die Beschwerden zwar erleichtern, 
aber die indizierte Therapie besteht hier in der Gastroenterostomie. 

Kontraindiziert ist das Wismut in den Fällen, in welchen die Magen¬ 
geschwüre zu divertikelähnlichen Ausstülpungen der Magenwand, Verwachsungen 
mit Nachbarorganen, Durchbruch und Höhlenbildungen in denselben geführt 
haben, da das Wismut hier zurückbleibt und Konkremente bildet Ob derartige 
Verhältnisse vorliegen, lässt sich schwer entscheiden, doch liefert die Magen¬ 
spülung nach vorheriger Wismuthgabe vielleicht insofern, wie F. es in einem Falle 
beobachten konnte, einen diagnostischen Fingerzeig, als beim Vorhandensein einer 
solchen Höhle das mit dem Magenspülwasser herausbeförderte Bismut subnitric 
nicht als solches, sondern als schwarzes Wismutoxydul erschien. Es war also in 
dem Hohlraume eine Reduktion des Bismut subnitric erfolgt 

Hagenberg (Göttingen). 


Maihieu et Laboulais: Traitement de le stase gastrique avec hypersdcrdtion par k 
tube dvacuateur, sans lavage, suivi dlqjection de poudre de viande. Soc de thdrap. 

(Gazette des höpitaux, Nr. 136.) 

Für die Behandlung der Supersekretion wird die allmorgendliche Ent¬ 
leerung des Magens durch die Sonde empfohlen. Nur bei Vorhandensein eines 
sehr dicken Speisebreies hat sich daran eine Auswaschung des Magens mit höch¬ 
stens 1 Liter Wasser, bei Gärungsprozessen mit 3 %iger Lösung von salicylsaurera 
Natron anzuschliessen. Unmittelbar nach dieser Evakuierung führen M. u. L. 
Fleischpulver in den Magen ein, und zwar am ersten Tage der Behandlung 60 g 
davon in ca. 300 ccm Milch, später bis 100 g Fleischpulver auf 600 ccm Milch. 
Daneben haben die Patienten eine strenge Milch-Eier-Diät einzuhalten. Wenn 
nötig, werden gegen die Schmerzen Alkalien gereicht 

Der Erfolg dieser Behandlungsweise ist ein Schwinden der nüchternen 
Sekretion und der Schmerzen und eine Hebung des Ernährungszustandes. 

M. Cohn (Kattowitz). 


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Boas, J.: (Jeher Indikationen und Kontraindikationen der Magenausspülungen. (Therapie 

der Gegenwart, Nr. 12.) 

B. erkennt für die Anwendung der Magenausspülung den von Kuss maul 
vertretenen Standpunkt, welcher dieselbe fast ausschliesslich bei Fallen von hoch¬ 
gradiger Dilatation anwandte, als den richtigen an. Die Ausspülungen beiMagen- 
atonie mit oder ohne Gastroptose, bei chronischer Gastritis, Ulcus ventriculi und 
den funktionellen Erkrankungen sind zu verwerfen; besonders in den erst aufge¬ 
zählten Krankheitsprozessen hat eine gute Diät das Ihrige zu leisten. Beim Car- 
cinom des Magens sind die Fälle mit mässiger Retention von denen mit schwerer 
Stauung (Typus: das Pyloruscardnom) zu trennen. Bei der erstgenannten Gruppe 
ist die Ausspülung angebracht, dagegen bei der letzteren, besonders wenn viel 
kaffeesatzartiges Erbrechen besteht, ist vor derselben zu warnen, da solche Kranke 
leicht nach diesen Spülungen kollabieren. Hagenberg (Göttingen). 


Bahamern: Le lavage de l’estomac chez Tenfant (Gazette des höpitaux, 1902, Nr. 5.) 

Bespricht die Indikationen und die Technik der Magenspülung bei Kindern. 
Bei Koilapszuständen rät der Verf. nur auf Körpertemperatur erwärmtes, bei 
Fieber dagegen kaltes Wasser zu verwenden. 

Während der akuten Phase der Gastroenteritis wendet B. die Magen¬ 
spülung täglich an, und zwar 2 1 /*—3 Stunden nach der Mahlzeit Zu lange fort¬ 
gesetzte Spülungen bringen nach Marfan die Gefahr der Tetanie. 

Die Wirkung der Magenausspülung ist neben der evakuierenden eine re¬ 
flektorische; sie bewirkt eine Kontraktion der Intestina und der Bauchmuskulatur, 
sowie eine Hypersekretion aller Verdauungsdrüsen. 

Indiziert ist die Magenausspülung bei akuter Gastroenteritis, wenn die 
Magensymptome im Vordergrund stehen (anhaltendes Erbrechen), ferner bei Di¬ 
latationszuständen des Magens. Bei starkem Kollaps hält Verf. die Spülung für 
kontraindiziert. M. Cohn (Kattowitz). 

Baadschiih: Zur Pathologie and Therapie der Brucheinklemmung. (Beiträge zur klin. 

Chir., Bd. 31, H. 2.) 

Verf. verwertet das Material der Heidelberger Klinik von 1889—1901, im 
ganzen 231 Fälle, und zwar 112 Leistenhernien (48,5 %), 109 Schenkelhernien 
(47,2%), 9 Nabelhemien (3,9%), 1 Bauchhemie (0,4%). Die Lebensalter jenseits 
der 50er Jahre sind ungleich schwerer betroffen. 

B. bespricht Aetiologie, Dauer, Diagnose und Differentialdiagnose der Ein¬ 
klemmung, die Brucksackbildung, das Verhalten des Brucksackwassers, überhaupt 
die gesamte Pathologie der Incarceration. Einzelne Krankheitsgeschichten be¬ 
weisen, wie gefährlich die Taxis unter Umständen werden kann. Verf. möchte 
dieses zweifelhafte und gefährliche Verfahren nach Möglichkeit für die chirurgische 
Praxis ausmerzen, besonders für Schenkelbrüche, und höchstens in der Landpraxis 
und bei alten schon sehr lange vorhandenen Brüchen in gewisser Ausdehnung 
zulassen. 

Von den sämtlichen Fällen wurden 10 durch Taxis reponiert, 222 hemio- 
tomiert In 9 Fällen trat der Exitus als direkte Folge der Reposition ein. Die 
brandigen Hernien und ihre Behandlung werden ebenfalls besprochen (24 Re¬ 
sektionen, 14Colostomieen). Die Radikaloperation wurde meist nach Czerny, doch 
auch nach Bassini, Kocher, Mac Ewen ausgeführt und als Kontraindikation 
nur Phlegmone des Bruchsackes, vorher ausgeführte Resektion und peritonitische 
Symptome angesehen. Die Mortalität war durchschnittlich 16%. 

Den Schluss der lesenswerten Arbeit bilden die 231 kurzen Krankheits¬ 
geschichten, B. Oppler (Breslau), 


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Bonzäky: Ileus durch EmboHe der Arteria mesenteriea superior. (Beitrage zur klin. 

Chir., Bd. 31, H. 3.) 

B. publiziert einen der seltenen Fälle von Embolie der Arteria mesenteriea 
superior (beschrieben bisher 46), welcher erst durch die Sektion seine Aufklärung 
fand. Intra vitam hatte der Pat. ganz das Bild der inneren Einklemmung dargeboten, 
und die Diagnose hatte mit Rücksicht auf die blutigen Stühle auf Invagination ge¬ 
lautet ; die Ursache der ausgedehnten Darmgangrän konnte auch bei der Laparo¬ 
tomie nicht gefunden werden. 

Die Differentialdiagnose der Affektion ist sehr schwierig und wird immer 
unsicher bleiben. Am ehesten kann man an eine solche Embolie denken, wenn bei 
einem Kranken plötzlich blutige Stuhlentleerungen auftreten, von heftigen kolik¬ 
artigen Schmerzen begleitet, denen Obstruktionen, Erbrechen und Meteorismus folgen, 
und wenn bei dem Patienten etwa nebenbei noch ein unkompensierter Herzfehler 
zu finden ist. 

Man wird in jedem Falle gut thun, die Laparotomie zu machen, da die 
Erkrankung sonst fast stets tödlich verläuft, und dann entweder eine Resektion des 
gangränösen Darmes vornehmen oder einen Anus praeternaturalis anlegen. 

B. Oppler (Breslau). 

Proust, R.: Les rteidives de la fitvre typhoide. (Thfese de Paris. Gazette des hop., 

Nr. 137.) 

Statistische Angaben über mehrmalige Typhus-Infektion. Die klinischen 
Erscheinungen bei wiederholter Infektion sind gewöhnlich geringer. 

M. Cohn (Kattowitz). 

Lieblein: Zur retrograden Bougierung der entzündlichen Mastdarmverengerungen. (Bei¬ 
träge zur klin. Chir., Bd. 31, H. 3.) 

Zu den sehr schwer zu behandelnden Affektionen gehören die Mastdarm¬ 
verengerungen. Die Bougierung vom After aus leidet an dem Uebelstande der 
Dehnung des Sphinkters und ist wegen der Perforationsgefahr nicht ungefährlich. 
Die operativen Eingriffe sind nicht immer ausführbar, gefährlich und zudem in 
ihrer Wirkung durchaus nicht absolut sicher. Verf. empfiehlt daher die retrograde 
Bougierung der Striktur vermittelst konischer Schläuche von einer Colostomie- 
wunde aus und teilt einen dementsprechend behandelten und geheilten Fall mit 

Die Technik ist relativ einfach. Mittels Schrotkom, Seidenfaden und Bänd¬ 
chen wird ein entsprechend langes konisches Drain durch die Striktur geleitet, 
welches nun viele Stunden liegen bleiben und dementsprechend energisch erweitern 
kann. Nachdem nach und nach stärkere Schläuche verwendet sind, wird es in 
den meisten Fällen gelingen, die Bougierung mit weichen Drains vom After her 
fortzusetzen und schliesslich den Anus praeternaturalis zu schliessen. 

Die Methode verdient in den verzweifelten Fällen, um die es sich hier 
zumeist handelt, jedenfalls versucht zu werden, um so eher als die Anlage des 
Anus praeternaturalis ja auch den betreffenden Operationen vorausgehen muss 
und also in keinem Falle überflüsig sein wird. B. Oppler (Breslau). 

Jodin: Contribution k l’&ude des adtnomes du rectum. (These de Paris. Gazette 

des höp., Nr. 144.) 

Die bei Kindern vorkommenden Adenome des Rektums sind gewöhnlich 
weich und gestielt, bei Erwachsenen grösser, härter und breiter aufsitzend. Manch¬ 
mal findet sich Polyposis des ganzen Rektum und S Romanum, ja auch des 
ganzen Dickdarms. Die aus dem Vorhandensein von Adenomen entspringenden 
Beschwerden bestehen in mechanischen Störungen und Blutungen. Recidive nach 
Exstirpation der Adenome kommen vor und gehen stets von Stielresten aus. 


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Die Prognose ist bei Erwachsenen immer zweifelhaft, da hier relativ oft 
maligne Degeneration der Adenome eintritt. M. Cohn (Kattowitz). 


Ewald, C. A.: Das Purgatol, ein neues Abführmittel. (Therapie der Gegenwart, 

Nr. 5.) 

Purgatol (Purgatin) ist ein synthetisch dargestellter Diacetylester des 
Trioxyanthracbinons. Die Di- und Trioxyanthrachinone wirken wie das Emodin 
stark abführend, sind aber wegen der Kolikschmerzen unbrauchbar, und daher ist 
der Ester dargestellt, welcher sich im Darm, nachdem er unzersetzt den Magen 
— ohne seine Funktion zu stören — passiert hat, durch Fermentwirkung spaltet. 
Ein Teil des in Lösung rot gefärbten Oxyanthrachinons geht in den Ham über 
und färbt ihn blutrot. Um abführende Wirkung zu erzielen, genügen Dosen von 
0,5—1,0. Das Mittel wirkt langsam, macht keine Leibschmerzen, keinen Tenesmus 
und bedingt einen reichlichen, weichen, breiigen Stuhl. Dabei ist es geschmacklos 
und ruft keine Störungen des Magens und Darmes hervor. Als Nachteil tritt auch 
bei diesem Mittel eine gewisse Darmschwäche mit dem Aussetzen des Mittels ein. 

Hagenberg (Göttingen). 

Ebstein, W.: lieber das Emodin und das Pnrgatin als Abführmittel. (Therapie der 

Gegenwart, 1902, Nr. 1.) 

E. hat die abführende Wirkung des Emodins und des Purgatins an 
einer grösseren Reihe von Kranken erprobt. Handelte es sich darum, bei 
einer einfachen chronischen Stuhlverstopfung oder einer vorübergehenden Stuhl¬ 
trägheit Defäkation zu erzielen, so reichten beim Emodin Gaben von 0,1 und beim 
Puigatin solche von 0,5—1,0 aus. Der Stuhlgang war reichlich und breiig, die 
Schmerzen, welche gelegentlich auftraten, waren geringfügig. Bei der chronischen 
Koprostase dagegen, d. h. derjenigen Form der chronischen Stuhlverstopfung, bei 
der es möglich ist, durch die Untersuchung des Bauches die Anwesenheit harter 
fester Kotknoten im Dickdarm festzustellen, genügten neben einer gleichzeitig ein¬ 
hergehenden Oelklysmenbehandlung diese Mittel, als »Schiebemittel« angewandt, 
in den oben genannten Dosen nicht. 

Purgatin wirkte erst in Gaben'von 2,0, hier war allerdings die Wirkung 
eine ausgiebige. Da Emodin nur in ganz geringer Menge zur Verfügung stand, 
konnte nach dieser Richtung kein abschliessendes Urteil gefällt werden. 

Während beim Purgatin der Urin rot gefärbt wird, tritt nach Emodin keine 
Veränderung seiner Farbe auf. Zu achten ist darauf, dass manche Farbenreaktionen 
des Urins durch diese Färbung einen ungewöhnlichen Verlauf nehmen, so wird 
z. B. bei Anstellung der Heller’schen Blutprobe der Farbstoff durch die Phos¬ 
phate raitgerissen und kann Blut Vortäuschen. Ebenso tritt bei Anstellung der 
Diazoreaktion durch diesen Farbstoff eine Rotfärbung des Schaumes auf. 

Hagenberg (Göttingen). 

Bfirker: Studien über die Leber. I. Experimentelle Untersuchungen über den Ort 

der Resorption in der Leber. (Pflüger’s Archiv, Bd. 83, S. 241.) 

In einem einleitenden Teil bespricht Verf. die den gen. Gegenstand be¬ 
handelnde Litteratur (Ref. vermisst die ausgedehnten Untersuchungen von Bro- 
wicz sowie seine eigene Arbeit über das gleiche Thema), um dann auf’s ein¬ 
gehendste seine eigenen Druck- und Resorptionsversuche mit angeschlossener 
histologischer Betrachtung zu beleuchten. Auf feinere Verhältnisse, die Leberzelle 
betreffend, nimmt die Arbeit keine Rücksicht, sondern beschränkt sich auf die 
gröberen Veränderungen in den Läppchen. Um so sorgfältigere Behandlung 
wurde den sehr zahlreichen, am Kaninchen gemachten Versuchen zu teil, ln 
meinen Gesamtergebnissen betont Verf. folgendes; 


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1. Die Heidenhain’sche Theorie der interiobulären Resorption kann nicht 
richtig sein; die Resorption erfolgt vielmehr innerhalb der Leberläppchen, 
und zwar in der Peripherie derselben. 

2. Die lebhafte Anteilnahme der Lymphgefässe an der Resorption in der 
Leber kann durch Injektion von Milch in den Ductus choledochus demon¬ 
striert werden: in kurzer Zeit erscheinen die aus der Porta hepatis aus¬ 
tretenden Lymphgefässe und die perihepatischen Lymphdrüsen intensiv 
weiss gefärbt. 

3. Der Gallenausfluss variiert in ziemlich regelmässigen Perioden von 20—30 
Minuten. 

4. Die Gallensekretion sinkt viel rascher beim Hungertier als beim Fresstier. 

5. Der normale Druck in den grossen Gallenwegen beträgt nur 75 -80 mm 
Galle. 

6. Die Heidenhain’sche Behauptung, dass der Gallendruck den Pfortader- 
druck stets um ein Erhebliches übertrifft, gilt nidit für normale Verhältnisse. 

7. Der pathologische Druck in den grossen Gallen wegen, d. h. der Druck, 
unter dem die Galle bei Behinderung des Abflusses steht, erreicht den 
Wert von etwa 200 mm Oalle, gemessen in einer mit dem Ductus chole¬ 
dochus verbundenen Steigrohre. Bei plötzlichem totalen Verschluss erreicht 
der Druck geringere Werte. 

8. Der pathologische Oallendruck variiert in Perioden, die kleiner sind als die 
bei freiem Gallenausfluss konstatierten. 

9. Der pathologische Oallendruck sinkt viel rascher beim Hungertier als beim 
Fresstier. 

10. Nach zeitweiligem Verschluss des Ductus choledochus ist die Sekretions- 
thätigkeit in der Leber herabgesetzt. 

11. Die nekrotischen Herde in der Leber nach totalem Verschluss des Ductus 
choledochus entstehen in der durch die Oalle geschädigten Peripherie der 
Läppchen und zwar durch Berstung von Oallenkapillaren mit konsekutiver 
Schädigung des Leberparenchyms durch ausgetretene Galle; dort trifft auch 
der Sekretionsstrom vom Zentrum der Läppchen auf die gestaute Galle. 

12. Bei Einführung von physiologischer Kochsalzlösung in den Ductus chole¬ 
dochus erfolgt ein im Vergleich zum Resorptionsdrucke ganz unverhältnis¬ 
mässiges Wachsen der Resorptionsmengen, so dass beim l,5fachen Drucke 
die Resorptionsmenge auf das 40fache steigen kann gegenüber einfachem 
Drucke. 

13. Beim Hungertier wird von der Leber aus viel mehr physiologische Koch¬ 
salzlösung resorbiert als beim Fresstier bei gleichem Resorptionsdruck. 

14. Von Blut-, Pepton-, Harnstoff-, glykocholsaurer Natronlösung und ver¬ 
dünnter Rindsgalle werden in der Leber mittlere Mengen, von Bilirubin¬ 
lösung sehr wenig, von Traubenzuckerlösung ausserordentlich viel bei ein 
und demselben Druck resorbiert. 

15. Rindsgalle und Lösung von glykocholsaurem Natron bewirken in der Leber 
bei der Resorption intensive Schädigungen des Leberparenchyms. 

16. Bei Resorption von indigschwefeisaurem Natron werden im Gegensatz zu 

den Beobachtungen R. Heidenhein’s die intralobulären Oallenkapillaren 
mit dem Farbstoff gefüllt. Auch die Resorption dieses Stoffes erfolgt in 
der Peripherie der Leberläppchen. Szubinski (Göttingen). 


Landard: Fistules consäcutives aux suppurations häpatiques (Abscäs, Kystes hydatiques.) 
(Thfese de Paris. Gazette des höp., Nr. 141.) 

Die Ursachen der häufigen Fistelbildung nach Leberabscessen sind nach Verf. 
die Starrheit der Thoraxwandung, die Bewegungen des Zwerchfells, der Fortfall 
jeder möglidien Kompression, eine zu schnelle Hautvernarbung. Die vom Verf. 


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empfohlenen Methoden, um die Fistelheilung zu beschleunigen, bringen nichts 
Neues und decken sich mit den für andere Orte in der Chirurgie üblichen. 

M. Cohn (Kattowitz). 


Hammer: Zar Kasuistik der Leberverietzungen mit Beteiligung grosser Gallenwege. 

(Beiträge zur klin. Chir., Bd. 31, H. 3.) 

H. beschreibt einen Fall von Stichverletzung der Leber, bei dem offenbar 
einer der grossen Gallenwege verletzt war. Man konnte das trotz Fehlens einer 
Ausstichöffnung an der Leberkonkavität aus der massenhaften Gallenabsonderung 
schliessen. Die Wunde wurde tamponiert und der Patient gerettet 

Verf. knüpft daran die Mahnung, bei allen Leberverletzungen die Laparotomie 
zu machen und besonders der Leberunterfläche und dem Hilus besondere Be¬ 
achtung zu schenken, da die Verletzung der grösseren Oallenwege eine keines¬ 
wegs gleichgültige Komplikation darsteile. B. Oppler (Breslau). 


Schöpfer, Ferrucdo: Su alcuni sintomi del cancro primitive della teste del pancreas. 
(Ueber einige Symptome des Primaerkrebses des Pankreaskopfes.) (Riforma Medica, 
Anno XVII, Nr. 99-102.) 

Nach Vorführung mehrerer von S. auf seiner Klinik beobachteten dies¬ 
bezüglichen Fälle kommt Verf. zunächst auf die subjektiven Symptome zu sprechen. 
Bei einigen Patienten waren die Initialerscheinungen so unbedeutend, dass erst 
spät ärztliche Hilfe aufgesucht wurde. — Bei der Differentialdiagnose mit Tumoren 
anderer Organe, namentlich des Magens (Krebs!), will Verf. auf den rasch ein¬ 
setzenden physischen Erschöpfungszustand sein Augenmerk richten, als denjenigen, 
der bei Pankreastumoren maligner Natur beobachtet wird. — In der Mehrzahl 
seiner Fälle konnte Vergrösserung der Leber beobachtet werden; bei einem konnte 
eine merkliche Verkleinerung der ursprünglich hypertrophischen Leber nachge¬ 
wiesen werden. — Die Gallenblase war immer gespannt, glatt, im allgemeinen 
schmerzhaft bei der Palpation und nach aussen verdrängt. — Nach Os er ent¬ 
wickelt sich der Ikterus im Gefolge des Pankreaskrebses gewöhnlich schleichend; 
m zwei Fällen konnte von S. ein fast plötzlich einsetzender Ikterus beobachtet 
werden. — Bei einem anderen ging dem Ikterus ein über den ganzen Bauch aus- 
sfcaWender Schmerz mit nachfolgendem Fieber voraus: bei der Nekroskopie wur¬ 
den keine Gallensteine vorgefunden, bloss eine eitrige Angiocholitis. — Bei diesem 
Kranken färbten sich wieder die anfangs lehmfarbenen Fäces auf einige Tage. — 
ln V« der Fälle konnte S. den Tumor abtasten; in einem Falle entfernte er sich 
von der pulsierenden Hand während der Inspiration. 

Bezüglich der Schwellung der Supraclaviculardrüsen (namentlich links) 
konnte sie bloss in 2 Fällen positiv nachgewiesen werden. — Häufiger wurden die 
Inguinaldrüsen geschwollen vorgefunden, bei einem sogar vor jenen der Fossa 
supradavicularis. — Riedel ist der Ansicht, dass der maligne Pankreastumor im 
Gegensätze zum entzündlichen immer zur Bildung von Ascites führt S. kommt 
auf Grund dieser Beobachtungen zu einer ganz entgegengesetzten Schlussfolge- 
ntng, nachdem er fast nie jm Abdomen eine nachweisbare Flüssigkeitsmenge 
konstatierte. — In einigen Fällen hatte der Schmerz den Charakter einer Kolik; 
im ganzen wurden keine heftigen Schmerzanfälle beobachtet. — Die Temperatur 
war häufig erhöht, wohl infolge der Infektion der Gallenwege und der Peritonitis 
(im 1. Falle). — Subnormale Temperaturen wurden nicht aufgezeichnet. — Bei 
einem Tumor, der bereits die Magenwandungen durchsetzte, wurde der Wert der 
freien HCl normal vorgefunden, ebenso das Peptonisierungsvermögen. Milz¬ 
tumor wurde auch oft beobachtet; nach S. bedingt wahrscheinlich durch den 
passiven Kongestionszustand durch Druck des Neoplasmas auf die V. splenica. Im 
Initialstadium wurde einmal starker Speichelfluss beobachtet. — Glykosurie und 


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Polyurie wurde unter 8 Fällen einmal konstatiert, bei den anderen konnte selbst 
das Einnehmen von 100 g Olykose zu keiner Zuckerausscheidung führen. 

Plitek (Triest). 

Howard, Hoxie: Bericht über die in der Züricher chirurgischen Klinik in den Jahren 
1881—1900 behandelten Fälle von offenen Wunden des Abdomens. (Beiträge zur 

klin. Chir., Bd. 31, H. 2.) 

97 Fälle; 69 penetrierende Wunden mit 27 Todesfällen, 28 nicht penetrierende 
mit 2. 47 Stich-, 8 Quetsch-, 2 Explosionswunden, darunter 30 ohne Organ¬ 
verletzungen (42,4%), besonders bei den Stichverletzungen. 4 Verletzungen, 
sämtlich tödlich, betrafen den Magen, 15 den Dünndarm, 4 den Dick-, 5 den 
Mastdarm, 12 die Leber, 3 die Nieren, 6 die Blase. Die Mortalität ist bei den 
Stichwunden am niedrigsten, bei Schuss- und Explosionswunden am höchsten. 
Von den Leberwunden sind 5 mit Naht behandelte geheilt. 

Die Sterblichkeit ist durch die grössere Aktivität der Behandlung gegen 
früher wesentlich gesunken. Die möglichst frühe Operation ist eine Lebensfrage, 
da die Mortalität von 27,7% (4 Stunden nachher operiert) sich auf 58,3 % (12 
Stunden und später) steigert 

H. bespricht die Diagnose und Prognose der Bauchverletzungen und kommt 
zu dem Resultat, dass man in zweifelhaften Fällen stets operieren muss. Es be¬ 
steht die Hoffnung, dass auch Fälle mit Peritonitis bei häufigerem Eingreifen in 
Zukunft öfter zur Heilung gelangen. 

Den Schluss der ausführlichen Arbeit bilden Ausführungen über die Ope¬ 
rationstechnik, eine Zusammenstellung der Fälle und das Verzeichnis der Litteratur. 

B. Oppler (Breslau). 


Kolomenldn: Ueber einen Fall von akuter gonorrhoischer Peritonitis. (Westnik 

Chirurg», August) 

Die 34jährige Patientin kam in das Krankenhaus wegen Erbrechen und 
heftiger Schmerzen im ganzen Abdomen. Bei der Aufnahme bestand das Bild 
von diffuser Peritonitis. Scheide im Zustande akuter Entzündung. In die vorge¬ 
schlagene Operation wollte die Patientin zunächst nicht einwilligen, gab aber nach 
3 Tagen, als der Allgemeinzustand sich noch mehr verschlimmert hatte, ihre Zu¬ 
stimmung. Bei der Eröffnung der Bauchhöhle fand man eine grössere Quantität 
flüssigen Exsudats, stellenweise auch eitrigen Belag, sowohl auf den Därmen, wie 
auch auf dem Peritoneum parietale. Die Darmschlingen waren mit einander ver¬ 
lötet Im Blinddarm und im Processus vermiformis waren keine Veränderungen 
vorhanden. Im hinteren Douglas’schen Raume fand man die stark vergrösserten, 
akut entzündeten Gebärmutteradnexe, die entfernt wurden. Tamponade der Bauch¬ 
höhle. Tod nach 10 Stunden. — Sektion: Diffuse eitrige Peritonitis, akute eitrige 
Cystitis, Vaginitis, Endometritis, Salpingitis und Oophoritis. Im Inhalte des Ge¬ 
bärmutterhalses, der im Parametrium gefundenen Abscesse, der Ovarien, der 
Tuben, der Harnblase, sowie im Eiter aus der Bauchhöhle fand man nur Gono¬ 
kokken, sonst aber keine anderweitigen Mikroorganismen. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


Mendel, F. (Essen): Thymusdrüse und Rachitis. (Münchener med. Wochenschr., 

Nr. 4.) 

Gegenüber Stoeltzner, der die Entstehung der Rachitis mit Störungen 
der Nebennierenfunktionen in Beziehung gebracht und daraufhin die Nebennieren¬ 
behandlung der Rachitis eingeführt hatte, sieht M., zurückgreifend auf ältere Unter¬ 
suchungen von Friedleben über die Physiologie der Thymusdrüse (1858) und 
gestützt auf eigene Erfahrungen, in der Thymus ein Oigan, dessen »innere Se- 


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kretion« vorwiegend dem normalen Wachstum der Knochen dient und dessen 
Funktionsstörung zur Rachitis in ursächlichem Zusammenhänge steht Zum Be¬ 
weise für die Richtigkeit seiner Auffassung weist er u. a. auf die Erfolge hin, die 
er bei der Behandlung der Rachitis mit Thymus gehabt hat Er hat dieser Be¬ 
handlung über 100 rachitische Kinder unterworfen und, ohne dass wesentliche 
Aenderungen in der vorherigen Lebensweise vorgenommen wurden, eine günstige 
Beeinflussung der Erkrankung konstatieren können, indem zunächst die funktio¬ 
neilen Störungen schwanden, bei länger dauernder Behandlung aber auch die 
rachitischen Knochenveränderungen selbst eine allmähliche Rückbildung erfuhren. 
Anfangs wurde frische Kalbsthymus, in warmer Fleischbrühe fein gehackt, ver¬ 
abreicht (soviel Gramm als das Kind Monate zählt), später Thymustabloids 
(Borroughs Wellcome &Co.), je nach dem Alter 6—12 pro die. Uebie Neben¬ 
wirkungen wurden selbst bei übergrossen Dosen nicht beobachtet 

Schade (Göttingen). 


Peratz, F.: Ein Beitrag zur Behandlung schwerer Anämieen gastrointestinalen Ur¬ 
sprungs. Aus d. St Josephushaus in Heidelberg (Prof. Fleiner). (Münch, med. 

Wochenschr., 1902, Nr. 3.) 

Unter der Bezeichnung: »schwere Anämie« sondert Verf. nach dem Vor¬ 
gänge von v. Li mb eck solche Formen der Anämie von der essentiellen pemi- 
dösen Anämie ab, für welche die klinische und pathologische Untersuchung ein 
anatomisches Substrat ergeben hat; dahin gehören vor allem diejenigen schweren 
Anämieen, die man mit Erkrankungen des Digestionsapparates in ursächlichen 
Zusammenhang gebracht hat Einen derartigen Fall teilt Verf. mit Zur Annahme 
des gastrointestinalen Ursprungs der Blutveränderung drängte 1) der klinische 
Verlauf der Erkrankung, der durch Magendarmsymptome beherrscht wurde (Er¬ 
brechen, Appetitlosigkeit, Durchfälle wechselnd mit Obstipation, Fehlen der Salz¬ 
säure und des Pepsins) und 2) der Erfolg der Therapie. Letztere bestand in 
Magendarmspülungen und diätetischen Massnahmen, denen später, als sich der 
Zustand wesentlich gebessert, noch Arsen und Chinin hinzugefügt wurden; vorher 
vertrug der Patient diese Medikamente schlecht. Mit der Regelung der Magen- 
darmfunktionen stieg der Hämogiobingehalt von 20 auf 80 %» die Poildlocytose 
verschwand, ebenso gingen die hochgradigen Zirkulationsstörungen, die schon zu 
ausgedehnten Oedemen geführt hatten, zurück. Im Hinblick auf die nach Monaten 
noch anhaltende Besserung glaubt Verf. auch die weitere Prognose als günstig 
bezeichnen zu können. Schade (Göttingen). 


L5wit: Die parasitäre Natur der Leukämie. (Centralblatt für allgemeine Pathologie 
und für pathologische Anatomie, 15. November.) 

L. sucht die von Türk an seinen Arbeiten geübte Kritik zu widerlegen 
and geht dabei Punkt für Punkt auf dessen Ausführungen (referiert in diesem 
Centralblatt) ein. Er hält die Beweiskraft seiner mikroskopischen Bilder und 
Uebertragungsversuche auf Tiere im vollen Umfange aufrecht und die parasitäre 
Natur der Leukämie für sicher. B. Oppler (Breslau). 


Kimmioger: Ein Fall von Morbus maculosus durch Gelatine-Behandlung geheilt (Der 
praktische Arzt, 25. December.) 

Bei einem Falle von »Morbus maculosus« erzielte Verf. durch innerliche 
und subkutane Anwendung von Gelatineiösung Aufhören der Blutungen und an¬ 
geblich später auch Genesung. (? Ref.) B. Oppler (Breslau). 


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v. Cyon, L o. Oswald, Ad.: Ucber die physiologische Wirkung einiger aus der Schild¬ 
drüse gewonnener Produkte. (Pfügeris Archiv, Bd. 84, S. 109.) 

Geprüft wurden diese Substanzen auf die von v. Cyon früher genauer 
analysierte Wirkung des Jodothyrins auf Herz und Gefasse, bestehend in Blut¬ 
drucksenkung und Verstärkung und Verlangsamung der Herzschläge durch Reizung 
der intrakardialen Hemmungszentren, wobei die Herzwirkung weder durch Atropin 
noch durch Vagusdurchschneidung aufgehoben werden kann. Als wirksam erwiesen 
sich: 1) Thyreoglobulin vom Schwein und Hammel; 2) das daraus gewonnene Jodo- 
thyrin; 3) durch Trypsinverdauung von menschlichen Schilddrüsen gewonnene jod¬ 
haltige Lösung. Unwirksam waren: 1) Jodfreies Thyreoglobulin vom Kalbe; 2) die 
bei der Jodothyrindarsteiiung gebildeten jodhaltigen, aber jodothyrinfreien Rück¬ 
stände; 3) die jodhaltigen Albumosen und Peptone, welche sich bei der Verdauung 
des Thyreoglobulins mit Pepsin-Chlorwasserstoffsäure bilden. Die Verff. leiten 
daraus folgende Schlüsse ab: 

1) Das Thyreoglobulin muss als die albuminöse Substanz betrachtet werden, 
welche den Jodothyrinkomplex in ihrem Molekül enthält (was Oswald 
schon auf chemischem Wege gezeigt hat). 

2) Der Antagonismus, welcher in den physiologischen Wirkungen des Jodo¬ 
thyrins und denen des Jods auf das Herz- undOefässnervensystem nachge¬ 
wiesen wurde, bezieht sich auf dasjenige Jod, welches in andersartiger Bindung 
als in Form von Jodothyrin aus der Schilddrüse erhalten wild. D. h. die 
übrigen, aus der Schilddrüse gewonnenen Produkte, wenn sie auch Jod ent¬ 
halten, besitzen nicht die physiologischen Eigenschaften des Jodothyrins. 

Szubinski (Göttingen). 

Höher: (Jeher die Hydroxylionen des Blutes. Aus dem physiologischen Institut der 

Universität Zürich. (Pflügeris Archiv, Bd. 81, S. 524.) i 

»Die Alkalescenz des Blutes wird durch seinen Gehalt an Hydroxylionen 
»bestimmt; diese bilden sich durch teilweise hydrolytische Spaltung der im Blut j 
»enthaltenen Alkalisalze schwacher Säuren, vor allem der Kohlensäure. Eine ! 
»Analyse der Gesamtmenge dieser Salze, die im wesentlichen das sogenannte 
»titrierbare Alkali darsteilen, giebt daher keinen Aufschluss über die Alkalescenz 
»des Blutes; für ihre Bestimmung können nur Methoden in Anwendung kommen, 
»die das vorhandene chemische Gleichgewicht nicht alterieren.« Die theoretisch 
genau erörterte Methode, die der Verf. wählte und weiter ausarbeitete, ist die 
Messung auf elektrochemischen Wege. Die zur Messung benutzte Konzentrations¬ 
kette hatte folgende Gestalt: O, [Na OH] Na CI [Blut] O», wobei O s die Sauerstoff¬ 
elektroden, Na OH die Natronlauge von bekannter Konzentration und Na CI eine 
der Natronlauge isohydrische Kochsalzlösung darstellen. Die Kochsalzlösung musste 
eingeführt werden, um ein Uebertreten der Natronlauge ins Blut zu verhindern. 
Bezüglich der Anordnung, der Berechnung nach der Planck’schen Formel und 
des weiteren Ausbaues der Methode muss auf das Original verwiesen werden. 

Es ergab sich, dass die Sauerstoffelektroden grosse Schwankungen bedingten, 
sodass die Berechnung der elektromotorischen Kraft einer Kette aus Hydroxyl¬ 
ionen von der einer Kette für Wasserstoffionen stark von einander abweichende 
Werte ergab. Wasserstoffelektroden erwiesen sich dagegen als brauchbar. Die 
mit ihnen gemessene molekulare Konzentration der Hydroxylionen in defibriniertem 
Rinderblut ist ungefähr gleich 0,1.10- B . Verf. glaubt, dass sich die Methode auch 
für andere Körperflüssigkeiten wie Harn, Milch, Schweiss, Transsudate und Speichel 
verwerten lässt. Szubinski (Oöttingen). 

Weigert: Ueber das Verhalten der in Aether löslichen Substanzen des Blutes. (Pflü¬ 
ge r f s Archiv, Bd. 82, S. 87.) 

Cohnstein und Michaelis machten die Beobachtung, dass der Aether- 


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extrakt des Blutes abnimmt, wenn man das Blut unter Durchleiten von Luft in 
der Warme stehen lässt. Verf. unterzog diese Versuche einer Nachprüfung unter 
Ausschaltung einiger Fehlerquellen (Verdunstung, Bakterieneinwirkung, Verlust 
durch Zersetzung beim Trocknen etc). Thatsächlich zeigten Oesamtblut wie 
abzentrifugierte Körperchen eine Abnahme des Aetherextraktes, nicht aber Plasma. 
Gleichzeitig trat bei ersteren beiden eine Zunahme an ätherlöslichen Säuren auf. 
Da die Blutkörperchen Fett nicht enthalten, kann es sich auch nicht um Fett¬ 
spaltung, wie Cohnstein und Michaelis meinen, handeln. Verf. vermutet, 
dass die zur Spaltung kommende Substanz Lecithin ist Bei einer bestimmten 
Versuchsanordnung trat bei Blutkörperchen und im Plasma eine Zunahme des 
Aetherextraktes auf, und zwar auch hier mit Vermehrung der ätherlöslichen 
Säuren. Ueber diesen Vorgang werden nur Vermutungen ausgesprochen. Die 
Schlusssätze sind: 

1. In den Blutkörperchen sind ätherlösliche Substanzen vorhanden, deren 
Menge sich beim Stehen in der Wärme — auch ohne Durchleiten von 
Luft — vermindert. 

2. Gleichzeitig mit der Abnahme des Aetherextraktes erfolgt eine Zunahme 
der in Aether löslichen Säuren. 

3. Die in Aether lösliche Substanz, welche bei der Digestion abnimmt, ist nicht 
Fett 

4. In den Blutkörperchen sowie im Blutplasma scheint sich auch ein chemi¬ 

scher Prozess abzuspielen, der zu einer Zunahfne des Aetherextraktes führen 
kann. Szubinski (Göttingen). 

Medwcdew: lieber die oxydativen Leistungen der tierischen Gewebe. II. Mitteilung. 
Aus dem physiologischen Laboratorium der K. neurussischen Universität Odessa. 

(Pflügers Archiv, Bd. 81, S. 540.) 

Verf. prüft nach dem in seiner I. Mitteilung besprochenen Verfahren die 
Oxydation des Salicylaldehyds durch ein Extrakt aus tierischer Leber unter ver¬ 
schiedenen Bedingungen und entwickelt im Anschluss daran seine Anschauungen 
über das Wesen und die Thätigkeit der Oxydasen. Der Oedankengang der Arbeit 
ist in kurzen Zügen folgender: 

1. Das Oewebsextrakt, 18 Stunden bis 6 Tage im Thermostaten sich selbst 
überlassen, büsst dadurch an oxydativer Kraft nichts ein. Die oxydative 
Thätigkeit ist somit nicht bedingt durch Bildung reduzierender Substanzen 
infolge von Selbstverdauung, sondern ist als Folge der Wechselwirkung 
zwisdhen irgend welchen aktiven Substanzen des Oewebes und dem zuge- 
geführten Salicylaldehyd aufzufassen. 

2. Wenn die Oxydation in einem neutralen oder schwach alkalischen Medium 
stattfindet, und wenn das Oxydationsgemisch mit einer Menge von Salicyl¬ 
aldehyd versetzt wird, die das Oxydationsvermögen des in der Mischung 
enthaltenen Fermentes bedeutend übersteigt, so hängt die Geschwindigkeit 
der Oxydation von der Menge der zu oxydierenden Substanz ab; sie ist 
gerade proportional der Konzentration des Ferments und gerade proportional 
der Quadratwurzel aus der Konzentration der zu oxydierenden Substanz. 

3. Da die in der Zeiteinheit eingebüsste oxydative Kraft des Oewebes von 
der Grosse der Konzentration des Salicylaldehyds abhängt, während die Ge¬ 
schwindigkeit des Vorgangs nicht der Masse des Aldehyds, sondern der 
Quadratwurzel aus seiner Masse proportional ist, so hängt die Geschwindig¬ 
keit der Reaktion auch nur von einem bestimmten, aktiven Teil der zu oxy¬ 
dierenden Substanz ab, d. h. diese Substanz ist dissoziiert. Die demnach 
zu dem Dissoziationsgrad in einem Abhängigkeitsverhältnis stehende Ge¬ 
schwindigkeit der Reaktion ist der Zahl der ionisierten Moleküle proportional. 

4. Die Wirkung des Fermentes äussert sich in der Erhöhung der Reaktions¬ 
fähigkeit der zu oxydierenden Substanz, Als Angriffspunkt der Einwirkung 


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sind die Hydroxylgruppen des Aldehyds bezw. deren Wasserstoff-Ionen 
aufzufassen, welche normalerweise eine hemmende Wirkung auf das Reaktions¬ 
vermögen der Formylgruppe ausübt Die Wirkung des Ferments besteht 
also in der Beseitigung oder Schwächung dieses hemmenden Einflusses, 
d. h. das Ferment erscheint als ein die innere Festigkeit des Moleküls 
ändernder Faktor. Szubinski (Oöttingen). 

Wlntenritz: Abkühlung, Uchtwirkung und Stoffwechsel beschleunigimg. (Blätter für 
klin. Hydrotherapie, November.) 

Verf. tritt in seinem polemisch gehaltenen Artikel Speck entgegen. An 
der Hand der Litteratur, auf Grund von Krankenbeobachtungen und Versuchen 
begründet und vertritt er seine Behauptung von der stoffwechselbeschleunigenden, 
oxydationssteigemden Wirkung des Lichtes und ganz besonders der abkühlenden 
hydrotherapeutischen Massnahmen. B. Oppler (Breslau). 


Cramer, Heinrich (Bonn a. Rh.): Ueber einen eigentümlichen Urinbefand (Emukions- 
Albuminurie) bei Eklampsie und Urämie. Nach einem Vortrag, gehalten in der 
niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde am 9. Dezember zu Bonn. 

(Münch, med. Wochenschr., 1902, Nr. 3.) 

In 2 Fällen von puerperaler Eklampsie und in 1 Falle von Urämie beob¬ 
achtete Verf. ein eigenartiges, bisher noch nicht beschriebenes Verhalten des 
Urins. Derselbe stellte eine milchig graubraune Emulsion dar, die sich weder 
durch Filtrieren noch durch Zentrifugieren differenzieren üess und sich beim Er¬ 
wärmen oder bei Säurezusatz nicht löste. Die weitere Untersuchung ergab, dass 
die Emulsion durch Eiweisskörper bedingt war; Verf. bezeichnet sie daher als 
»Emulsionsalbuminurie« und stellt sie den beiden bisher bekannten Urinemulsionen, 
der Chylurie und der Lipurie, an die Seite. Das Zustandekommen dieser eigen¬ 
tümlichen Erscheinung erklärt er sich in der Weise, dass in dem schon vorher 
albumenreichen Ham eine Uebersättigung mit Eiweiss eintritt, das nunmehr in 
Form feinster Kügelchen ausfällt. An Wahrscheinlichkeit gewinnt diese Auffassung 
noch durch den Umstand, dass reichlicher Zusatz von Flüssigkeit (Wasser, Säuren 
etc.) die Emulsion zum Verschwinden bringt Ueber die Häufigkeit der Emulsions¬ 
albuminurie sowie über die Bedeutung derselben, besonders in prognostischer Be¬ 
ziehung — in allen 3 vom Verf. mitgeteilten Fällen wurde sie erst kurz vor dem 
Tode beobachtet —, lässt sich auf Grund dieser wenigen Fälle noch kein Urteil 
abgeben. Schade (Göttingen). 


Poüak: Ueber das von Freund und Töpfer angegebene Verfahren zur quantitativen 
Bestimmung des Harnstoffs im Ham. (Pflüger’s Archiv, Bd. 83, S. 232.) 

Das Freund»Töpfer’sche Verfahren besteht dann, die HamproJbe nach 
Alkoholextraktion mit ätherischer Oxalsäurelösung zu versetzen und den Harnstoff 
durch Titrieren der Oxalsäure oder durch Behandlung nach Kjedahl zu be¬ 
stimmen. Ein Vergleich des Verfahrens mit dem Schön dörfischen ergab ganz 
bedeutende Differenzen; bei der Stickstoffbestimmung tritt ein Verlust ein durch 
teilweise Zersetzung des Harnstoffs beim Eindampfen und durch nicht völlige Un¬ 
löslichkeit des oxalsauren Harnstoffs im Aether. Noch grösser ist der Fehler bei 
der Bestimmung des Harnstoffs nach der Menge der titrierten Oxalsäure:. Zu viel 
Oxalsäure wird gefunden bei ungenügendem, zu wenig bei vollständigem Aus¬ 
waschen wegen der Löslichkeit des oxalsauren Harnstoffs. Zudem ist die Titrie¬ 
rung unsicher, weil die Lösung des Niederschlages zuweilen gefärbt ist. 

Szubinski (Göttingen). 


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Fracht (Plauen !. Vogtl.): Soxhlefs Nährzucker. — Ein neues IQndertdUinnHtd. 

(Münch, med. Wochenschr., 1902, Nr. 2.) 

Um einen geeigneten Zusatz zur Kuhmilch bei der Säuglingsemährung zu 
schaffen, durch den das Missverhältnis von Eiweiss zu den übrigen Nährstoffen 
korrigiert und somit .die Kuhmilch in ihrem Nährwerte der Frauenmilch möglichst 
gleichgestellt werden soll, hat Soxhlet ein von der Nährmittelfabrik München, 
0. m. b. H. in Pasing bei München unter der Bezeichnung »Soxhlet’s Nähr» 
zmtor« seit kurzem in den Handel gebrachtes Präparat anfertigen lassen, dass in 
analoger Wem wie die Liebig-Suppe, Mellin’s food etc. aus Weizenmehl und 
Malzstärke hergestellt tmd mit Malzdiastase verzuckert wird, indes die Ver» 
zuckerungsprodukte der Stärke, Maltose und Dextrin, nicht, wie jene Präparate, 
m dem Verhältnis von 1:4, sondern zu gleichen Teilen enthält, ausserdem noch 
frei von Eiweissstoffen ist F. hat Soxhlet’s Nährzucker seit e i niger Zelt in der 
Kinderpraxis angewandt und sowohl bei gesunden wie bei kranken Säuglingen 
recht gute Resultate erzielt Schwächliche Kinder zeigten eine schnelle Gewichts¬ 
zunahme; das Präparat wurde gern genommen und — auch auf die Dauer — gut 
vertragen. Der tägliche Preis beläuft sich bei einem Verbrauch von 70 g auf 
etwa 20 Pf. Schade (Göttingen). 


Besprechungen. 

Schilling: Taschenbuch über die Fortschritte der physikalisch-diätetischen Heilmethoden! 

1. Jahrgang. Leipzig 1901, Bruno Konegen. Klein 8°. 212 S. 3,00 Mk. 

Bei der zunehmenden Wertschätzung, der sich die physikalisch-diätetische 
Therapie in der neuesten Zeit erfreut, und der Hochflut dadurch bedingter 
Lehrbücher, Kompendien und periodischer Litteratur war ein »Jahresbericht« mit 
Naturnotwendigkeit zu erwarten. So finden wir denn auch im Vorwort des vor¬ 
liegenden Büchleins den üblichen Hinweis auf die oben erwähnten Faktoren, ob¬ 
wohl es einer solchen Rechtfertigung an sich kaum bedurfte. Am wenigsten ge¬ 
rechtfertigt erscheint uns noch die vom Verf. gewählte Form des Taschenbuches, 
da bei der Natur der betreffenden Massnahmen nur sehr selten eine augenblick¬ 
liche Entscheidung am Krankenbette, die nur die Fortschritte eines Jahres berück¬ 
sichtigt, in Frage kommen dürfte. 

Ucber Anordnung und Inhalt des Büchleins ist nur rühmliches zu sagen 
und wesentliche Ausstellungen nicht zu machen. Die Litteratur des letzten Jahres 
ist mit ausreichender Vollständigkeit berücksichtigt, und so wird der Arzt, der selbst 
nicht im stände war, alles zu verfolgen, darin einen zuverlässigen und empfehlens¬ 
werten Ratgeber besitzen. B. Oppler (Breslau). 

Boas, I.: Diagnostik und Therapie der Magenkrankheiten. II. Theil. (Thieme.j 

ln vierter Auflage ist der die spezielle Diagnostik und Therapie der 
Magenkrankheiten enthaltende zweite Teil des besonders in den Kreisen der 
praktischen Aerzte geschätzten Buches erschienen. Es ist völlig neubearbeitet 
worden, in fast allen Kapiteln mit Ergänzungen, Aenderungen und Verbesserungen 
versehen und durch Besprechung der Kapitel Pylorospasmus, Sarkome, Syphilis, 
Tuberkulose, Achylia gastrica, Nausea nervosa bereichert Das Buch hat noch 
mehr als In früheren Auflagen ein auf den Erfahrungen des Autors basiertes 
subjektives Gepräge erhalten und wird darum auch denjenigen, welche sich spe- 
aeller mit den Verdauungkrankheiten beschäftigen, in manchen Fragen ein Vade¬ 
mekum sein, Pickardt (Berlin). 


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Strueh: Die Ernährung des gesunden nnd kranken Menschen. Leipzig, Edmund 

Demme. 1,80 Mk. 

Verf. versucht die Lehre von der Ernährung gemeinverständlich darzustellen. 
Neben Thatsachen, die allgemein anerkannt werden, linden sich Anschauungen 
vertreten, welche heute durch wissenschaftliche Forschungen bereits mit Sicherheit 
als unrichtig nachgewiesen sind. Derartige Mängel lassen sich fast in jedem 
Kapitel der Schrift, besonders in den auf Nahrung und Ernährung des Säuglings 
bezüglichen Teilen, konstatieren. Keller (Breslau). 


Einhorn, Max: Die Krankheiten des Darms. Lehrbuch f. Aerzte u. Studierende. Aus 
dem Englischen übersetzt. Berlin, S. Karger. 285 S. 72 Abbildungen. 7,00 Mk. 

Als Fortsetzung seines bekannten Buches über »Magenkrankheiten« ist 
dieses Buch für den praktischen Arzt geschrieben und füllt eine fühlbare Lücke 
in der amerikanischen und englischen Litteratur aus, da ihr bisher Monographien 
über die Erkrankungen des Darms fehlten. Aber auch der deutsche Arzt wird die 
tadellose Uebersetzung des Buches gern zur Hand nehmen wegen ihrer Über¬ 
sichtlichkeit und prägnanten Kürze. Ueberall sind die praktischen Punkte über 
Diagnose und Behandlung in den Vordergrund gestellt, ohne dass die patho¬ 
logische Anatomie, die Aetiologie u. s. w. zu kurz gekommen wären. Oft ist sogar 
eine historische Übersicht eingeflochten, was bei der Kürze des Buches hervor¬ 
gehoben zu werden verdient. 

Die Einleitung bildet ein Kapitel über Anatomie und Physiologie des 
Darmes; dann werden die spezifischen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden 
im Zusammenhang besprochen. Sehr gut gelungen und durch treffliche Abbil¬ 
dungen im Text verdeutlicht ist der Abschnitt über die Untersuchung der Fäces. 

Im speziellen Teile sind mit besonderer Ausführlichkeit die für den prakti¬ 
schen Arzt so wichtigen Abschnitte über Katarrh, Hämorrhoiden, Appendidtis, 
Darmverschluss behandelt. Die »Darmparasiten« füllen das letzte Kapitel aus. 

Ueberall steht Verf. auf dem Boden der deutschen Wissenschaft und 
schliesst sich auch in den lange strittigen Oebieten, so z. B. in der Appendidtis- 
frage, denjenigen Lehrsätzen der deutschen Autoren an, die sich nach langem 
Kampfe als goldener Mittelweg zwischen exklusiv interner und exklusiv chirurgi¬ 
scher Behandlung herausgebildet haben. 

Es hat den Anschein, dass dieser Mittelweg auch in Amerika obsiegen wird. 

Einhorn’s »Darmkrankheiten« verdienen in jeder Hinsicht allen denen 
empfohlen zu werden, die, ohne viel Zeit zur Verfügung zu haben, sich zuver¬ 
lässig über den heutigen Bestand unseres Wissens auf diesem Oebiet orientieren 
wollen. Hesse (Kissingen). 

Ritter, Zahnarzt: Der üble Mundgeruch, seine Ursachen und seine Behandlung. Halle 
Carl Marhold. 12 S. 0,40 Mk. 

Das wohl nur für das Laienpublikum zur Belehrung bestimmte Büchlein 
stellt eine kurze Zusammenstellung der Ursachen des Foetor ex ore dar. 

O. Zuelzer (Berlin). 


Schmidt, Hermann: Znr Kasuistik der Hernia obturatoria. (Inaugural-Disserftation, 

Göttingen 1900.) 

Verf. bringt die Krankengeschichten von 4 Fällen dieser seltenen Bruch¬ 
form, die von Oeh. Rat Braun in Jena und Königsberg beobachtet worden sind. 

Die Diagnose wurde in diesen Fällen vor der Operation nicht gestellt, 
ebenso wenig wie in den meisten der aus der Litteratur aufgefundenen Fälle. 
Das findet seine Erklärung darin, dass die drei für diese Bruchform angegebenen 
Kardinalsymptome, — nämlich ein an der Innenseite des Oberschenkels bis zum 


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- 80 - 

Knie ausstrahlender Schmerz; die in der Regio obturatoria sichtbare Bruch- 
geschwulst und der durch vaginale oder rectale Untersuchung konstatierte Befund 
einer elastischen druckempfindlichen Anschwellung in der Oegend des Hüftbein- 
locfaes — nur in der Minderzahl der Falle gleichzeitig vorhanden sind und ausser¬ 
dem auch durch andere eitrige Prozesse dieser Oegend veranlasst sein können. 

Verf. ist jedoch der Meinung, dass auch nur eins der eben genannten 
Symptome zusammen mit den Zeichen des Dannverschlusses zur Annahme einer 
Hernia obturatoria berechtige. In diesen Fallen solle man aber nicht sofort die 
Laparotomie vornehmen, sondern vielmehr zuerst den Femoralschnitt machen. 
Manchmal wird es sogar gelingen, vom Femoralschnitt aus die Darmschlinge zu 
reponieren; wenn nicht, muss der Bauchschnitt folgen, ln letzterem Falle hat 
der Femoralschnitt zur Feststellung der Diagnose verholten. 

Hesse (Kissingen). 

Ludwig, Fritz: Ueber Wanderniere mit besonderer Berücksichtigung der Magen- nnd 
DarmverhUtnisse. (Inaugural-Dissertation, Göttingen 1901.) 

Verf. bearbeitete alle Falle von Wanderniere, welche in den Jahren 1877 
bis April 1901 in der Göttinger med. Klinik beobachtet wurden, und welche mehr 
oder weniger heftige Beschwerden machten. Es waren dies im ganzen 71 Falle, 
deren Krankengeschichten im Auszuge wiedergegeben sind. 66 gehörten dem 
weiblichen, die Testierenden 5 dem männlichen Geschlecht an; 67 mal war die 
rechte, 3 mal beide, nur 1 mal die linke Niere allein herabgesunken und beweglich. 

ln der Besprechung der Aetiologie wird als wichtigste Ursache die Er¬ 
schlaffung der Bauchdecken, wie sie besonders durch Geburten zustandekommt, 
beschuldigt 6 mal lag eine traumatische Veranlassung vor. 

Was die Symptome anbetrifft, so bestanden in fast allen Fallen direkt auf 
die Ren mobilis zu beziehende Besdiwerden. Von allen sonstigen subjektiven 
Symptomen traten am meisten die Störungen in der Verdauung hervor; sie fehlten 
nur in 7 Fällen. Der Zusammenhang zwischen Wanderniere und Verdauungs¬ 
störungen erscheint dem Verf. zweifellos, welcher Natur derselbe ist, lässt er 
dahingestellt sein. 

Es werden dann die Komplikationen von beiden der hamableitenden Wege 
besprochen, wie auch einige seltenere Begleiterscheinungen. 

Die Behandlung war eine verschiedene, je nach Lage des Falles; teils An¬ 
legung einer Bandage, teils Nephropexie, daneben symptomatische Behandlung 
der Verdauungsbeschwerden u. s. w. 

In der fleissigen Arbeit wird die bisher über diesen Gegenstand vorhan¬ 
dene Litteratur eingehend gewürdigt Hesse (Kissingen). 


Boaae: Wie ernähre ich mein Kind? Zwölf goldene Regeln für junge Mütter. 

Leipzig 1901, F. Leineweber. 0,10 Mk. 

Nach einem im evangelischen Vereinshause zu Altona gehaltenen Vortrage 
giebt Verf. auf 8 Seiten allgemeine Vorschriften für die Ernährung und Pflege 
des Kindes. Zu bedauern ist, dass in derartigen populären Vorträgen und Schriften 
immer wieder zweistündliche Nahrungspausen für natürliche und künstliche Er¬ 
nährung empfohlen werden, während doch der Arzt stets längere, mindestens 
4 stündliche Intervalle verlangen sollte. Besonders energisch wendet sich Verf. 
gegen den Missbrauch des Alkohols. Keller (Breslau). 

Hofmeister, F.: Die chemische Organisation der Zelle. Braunschweig 1901. 

Nachdem Verf. auf die Grenzen hingewiesen hat, die der Morphologie ge¬ 
steckt sind bei der Erforschung der Zellstruktur, zeigt er unter besonderem Hin- 


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90 


weis au! die Leberzelle, wie es möglich ist, mit Hilfe der Ergebnisse der physio¬ 
logischen Chemie weiter einzudringen in den Aufbau der Zelle und in das Ge¬ 
schehen in ihr, als einem kleinen chemischen Laboratorium. 

Nach Verf. muss man jeder einzelnen Leberzelle die vielfachen Funktionen 
der Qesamtdrüse zusprechen, da die morphologische Forschung eine völlige 
Qieichartigkeit sämtlicher Leberzellen in allen Teilen des Organs eigiebt. 

Die Leber steht nachgewiesenermassen bekanntlich folgenden Funktionen 
vor: sie bildet aus Qlykogen Zucker und umgekehrt; sie erzeugt aus Amidosäuren 
und Ammoniak Harnstoff bez. Harnsäure, sie zerlegt Hämoglobin und führt den 
entstandenen Farbstoff unter Eisenabspaltung in Bilirubin über, sie produziert ans 
einem noch ganz unbekannten Material Cholsäure und paart sie mit Glykokoll 
und Taurin, sie verbindet Phenole mit einem Schwefelsäurerest zu Aetherschwefel- 
säure, sie vermag ihr zugeführtes Gift festzuhalten oder unschädlich zu machen. 
Das sind jedoch wahrscheinlich nur einzelne, mehr zufällig genauer bekannt ge¬ 
wordene Bruchstücke ihrer Gesamtthätigkeit. Es ist nun weiterhin für einen Teil 
dieser physiologisch-chemischen Prozesse bekannt, dass sie durch Fermente aus¬ 
gelöst werden. Hofmeister spricht die Vermutung aus, dass überhaupt die Mehr¬ 
zahl aller physiologisch-chemischen Prozesse durch die Arbeit intracellulärer Fermente 
bedingt sei, und zwar nimmt er für fast jede vitale chemische Reaktion ein ihr zu¬ 
gehöriges, speziell auf sie abgestimmtes Ferment an. Durch diese Annahme, dass 
die Fermente das wesentliche chemische Handwerkszeug der Zelle darstellen, 
schwinden die Schwierigkeiten, die sich der Auffassung entgegenstellen, dass sich so 
viele und mannigfaltige chemische Prozesse auf so begrenztem Raum, wie ihn eine 
Zelle darbietet, abspielen. Hofmeister denkt sich nun weiterhin, dass die ein¬ 
zelnen Fermente und das jeweilige Bereich ihrer Thätigkeit durch Eiweisskörper, 
d. h. colloide Substanzen von einander getrennt sind. Für die Regulation der ver¬ 
schiedenen enzymatischen Prozesse zieht Verf. die uns bei der Verdauung be¬ 
kannten Fermente heran: Zuerst entsteht Ptyalin und dieses wird durch die Magen¬ 
säure unwirksam. Anderseits löst die Magensäure die Wirkung des Pepsins und 
Labs aus, welch letztere wieder durch die alkalische Reaktion des Darmsaftes ge¬ 
hemmt werden, indess die Pankreasfermente ihre Wirksamkeit entfalten. Einen 
ähnlichen gleichmässigen Wechsel von Auslösung und Hemmung nimmt Verf. 
auch für das Zusammenwirken der in der Zelle gegebenen chemisdien Kräfte an. 

A. Bickel (Göttingen). 


*o. Kongress för innere fl)edi;in. 

Man schreibt uns: 

Vom 15.—18. April wird zu Wiesbaden unter dem Vorsitze des Herrn 
Geh. Med.-Rat Professor Dr. Naunyn-Strassburg der 20. Kongress für innere 
Medizin tagen. Die Sitzungen finden im weissen Saale des Kurhauses statt. 
Das Bureau befindet sich neben dem Eingänge des Kurhauses. Als schon länger 
vorbereitete Verhandlungsgenstande, für welche Autoritäten ersten Ranges 
die Referate übernommen haben und welche bedeutendes aktuelles 
Interesse haben, stehen auf dem Programme: Diagnose and Therapie des Magen¬ 
geschwüres (Referenten: die Herren Ewald-Berlin und Fleiner-Heidelberg) und: 
Die Uchttherapfe (Referent: Herr Bie-Kopenhagen). 


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$1 


Ausserdem haben folgende Herren Einzel vorträge angemeldet: Herr 
Kam in er-Berlin: Ueber die Beziehungen zwischen Infektion und der Jodreaktion 
in den Leukocyten; Herr Ziemssen-Wiesbaden: Zwei Aortenaneurysmen; Herr 
Rumpf-Bonn: Zur Entstehung des Coma diabeticum; Herr Paul Lazarus- 
Berlin: Die Bahnungstherapie der Hemiplegie; Herr Manasse-Karlsruhe: Ferra- 
tose und die Jodferratose; Herr KÖpppen-Norden: Die tuberkulöse Peritonitis 
nnd der operative Eingriff; Herr Poe hl-St Petersburg: Öer Ersatz der intrave¬ 
nösen Kochsalzinfusionen durch Klysmen aus künstlicher physiologischer Salz¬ 
lösung; Herr Ad. Schmdt-Bonn: Zur Pathologie des Magengeschwüres; Herr 
Friedei Pick-Prag: Ueber den Einfluss mechanischer und thermischer Ein¬ 
wirkungen auf Blutstrom und Gefasstonus. 


7nbaltsvtr?ticbnis. 

Original-Artikel: L. Ritter v. Korczynski: Zwei Stoffwechselversuche 
bei Osteomalade S. 61. — F. Schilling-Leipzig: Enteritis membranacea und Colitis 
mucosa S. 65. — Referate: Bouloumiö, P.: Influence de la grippe sur les 
manifestations arthritiques S. 69. — His d. J„ W.: Die hamsauren Ablagerungen 
des Körpers und die Mittel zu ihrer Lösung S. 70. — Schmidt, M. B.: lieber die 
Beziehungen der Langerhans’schen Inseln des Pankreas zum Diabetes mellitus 
S. 70. — Dünschmann: Experimentelle Olykosurie S. 71. — Hirschfeld, F.: Die 
Behandlung der leichten Formen von Olykosurie S. 71. — Kuhn, Ph.: Ueber den 
Zusammenhang von Diabetes insipidus und mellitus S. 72. — Borszöky: Diabetes 
inupidus nach Basisfraktur und Commotio cerebri S. 72. — Gottstein: Technik 
und Klinik der Oesophagoskopie. II. Spezieller Teil: Klinik der Oesophagoskopie 
S. 72. — Labbö: Corps ötranger de l’oesophage. (Dentier.) Oesophagotomie 
externe, gu£rison S. 74. — I. Frömont (Vichy): Classification des idyspepsies. 
H. LeGendre, P.: Valeur restreinte des dassificafions et des thöories pathogöniques 
pour le traitement des dyspepsies S. 75. — Memmi, Guglielmo: Note dieSemeio- 
»ogia gastrica. (Semiotik aer Magenkrankheiten) S. 75. — Fleiner, W.: Die Wis- 
mutbenandlung des Magengeschwürs S. 76. — Mathieu et Laboulais: Traitement 
de le stase gastrique avec hypersöcrötion par le tube övacuateur, sans lavage. 
suivi d’injection de poudre de viande S. 76. — Boas, J.: Ueber Indikationen una 
Kontrainmkationen aer Magenausspülungen S. 77. — Babanneux: Le lavage de 
l’estomac chez l’enfant S. 77. — Bundschuh: Zur Pathologie und Therapie der 
Brucheinklemmung S. 77. — Borszöky: Ileus durch Embolie der Arteria mesen- 
terica superior S. 78. — Proust, R.: Les röddives de la fiövre typhoide S. 78. — 
Lieblein: Zur retrograden Bougierung der entzündlichen Mastdarmverengerungen 
S. 78. — Jodin: Contribution ä l’ötude des adönomes du rectum S. 78. — Ewald, 
C A.: Das Purgatol, ein neues Abführmittel S. 79. — Ebstein, W.: Ueber das 
Emodin und das Purgatin als Abführmittel S. 79. — Bürker: Studien über die 
Leber. I. Experimentelle Untersuchungen über den Ort der Resorption in der 
Leber S. 79. — Landard: Fistules consöcutives aux suppurations hipatiques. 
(Abscfcs, Kystes hydatiques) S.80. — Hammer: Zur Kasuistik der Leberverletzungen 
nüt Beteiligung grosser Oallenwege S. 81. — Schupfer, Ferrucdo: Su Miami 
sintomi de! cancro primitivo della testa del pancreas. (Ueber einige Symptome 
des Primaerkrebses aes Pankreaskopfes) S. 81. — Howard, Hoxie: Bericht über 
die in der Züricher chirurgischen Klinik in den Jahren 1881—1900 behandelten 


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92 


Fälle von offenen Wunden des Abdomens S. 82. — Kolomenldn: Ueber einen 
Fall von akuter gonorrhoischer Peritonitis S. 82. — Mendel, F. (Essen): Thymus- 
drfise und Rachitis S. 82. — Perutz, F.: Ein Beitrag zur Behandlung schwerer 
Anämieen gastrointestinalen Ursprungs S. 83. — Löwit: Die parasitäre Natur der 
Leukämie S. 83. — Kimminger: Ein Fall von Morbus maculosus durch Oelatine- 
Behandlung geheilt S. 83. — v. Cvon E. u. Oswald, Ad.: Ueber die physikalische 
Wirkung einiger aus der Schilddrüse gewonnener Produkte S. 84. — Höher: 
Ueber Hyclroxylionen des Blutes S. 84. — Weigert: Ueber das Verhalten der in 
Aether löslichen Substanzen des Blutes S. 84. — Medwedew: Ueber die oxyda¬ 
tiven Leistungen der tierischen Gewebe. II. Mitteilung S. 85. — Wintemitz: Ab¬ 
kühlung, Uditwirkung und Stoffwechselbeschleunigung S. 86. — Gramer, Hein¬ 
rich (Bonn a. Rh.): ueber einen eigentümlichen Orinbefund (Emulsions-Albumin¬ 
urie) bei Eklampsie und Urämie S. 86. — Poliak: Ueber das von Freund und 
Töpfer angegebene Verfahren zur quantitativen Bestimmung des Harnstoffs im 
Harn S. 80. — Frucht (Plauen i. Vogtl.): Soxhlefs Nährzucker. Ein neues 
Kindernährmittel S. 87. — Besprechungen: Schilling: Taschenbuch über die 
Fortschritte der physikalisch-diätetischen Heilmethoden S. 87. — Boas, 1.: 
Diagnostik und Therapie der Magenkrankheiten. II. Teil S. 87. — Strueh: Die 
Ernährung des gesunden und Kranken Menschen S. 88. — Einhorn, Max: 
Die Kränkelten des Darms S. 88. — Ritter: Der üble Mundgeruch, seine 
Ursachen und seine Behandlung S. 88. — Schmidt, Hermann: Zur Kasuistik der 
Hemia obturatoria S. 88. — Ludwig, Fritz: Ueber Wanderniere mit besonderer 
Berücksichtigung der Magen- und Darmverhältnisse S. 89. — Bonne: Wie ernähre 
ich mein Kind? S. 89. — Hofmeister F.: Die chemische Organisation der Zelle 
S. 89. — 20. Kongress für innere Medizin S. 90. 


HlphabetlTcb geordnete* 3nhalt*vei^eidmi*. 

Anämie S. 83. — Arthritismus S. 69. — Bauchwunden S. 82. — Blut, 
Chemie desselben S. 84. — Colitis mucosa S. 65. — Diabetes mellitus S. 70—72. 
— Diabetes insipidus S. 72. — Dyspepsie S. 75. — Eklampsie S. 86. — Emodin 
S. 79. — Enteritis membranacea S. 65. — Gewebe, Oxydationsleistung desselben 
S. 85. — Giykosurie S. 71. — Harnsäure Ablagerungen S. 70. — Hamstoffbestim- 
mung S. 87. — Ileus S. 77. 78. — Leberabscess S. 80. — Leberresorption S. 79. — 
Leberverletzungen S. 81. — Leukämie S. 83. — Magenausspülungen S. 77. — 
Magengeschwür S. 76. — Magenkrankheiten S. 75—77. — Mastdarmverengerung 
S. 78. — Morbus maculosus S. 83. — Nährzucker S. 87. — Oesophagoskopie 
S. 72. — Oesophagotomie S. 74. — Oesophagus, Fremdkörper im S. 74. — 
Osteomalacie S. 61. — Pankreaskrebs S. 81. — Peritonitis gonorrhoica S. 82. — 
Puigatin S. 79. — Purgatol S. 79. — Rachitis S. 82. — Rektumadenom S. 78. - 
Stoffwechsel bei Abkühlung und Lichtwirkung S. 86. — Thymus S. 82. — 
Thyreoidea S. 84. — Typhus S. 78. — Urämie S. 86. 


Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen, Alleestr. 6, einsenden. 


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Nr. 4. 


Zweites Februar-Heft 1002. 3. Jahrgang. 


Cenfralblaff 

Mp 

Stoffwechsel- & Verdauungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vaadenhoeck ft Ruprecht in Oöttingen. 


Mouffich 2 Nrn. von lVt—2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjihriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Postanstalten des In- und Auslandes, Nr. 1489 der Zeitungs-Preisliste f. d. Deutsche Reich. (Postbezug 
in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausserhalb Europas 1 Mark 20 Pf. jährlich mehr.) 


Original-Hrtikel« 

Roh* (Bilch als Säuglingsnahrung. 

Von 

Ad. Czerny in Breslau. 

Im vorigen Jahre referierte Jaffa in der Deutschen Aerzte-Zeitung 
über Versuche von Palmer in Chicago. Dieser will 700 Kinder im Hoch¬ 
sommer mit roher Kuhmilch ernährt und dabei nur 3 Todesfälle erlebt 
haben. Jaffa referierte diese Angabe mit dem Hinweis, dass dieselbe bei 
jedem ein ungläubiges Lächeln erregen werde. 

Glaubwürdigere Erfahrungen über den Gebrauch von roher Kuhmilch 
zur Ernährung von Säuglingen berichtet in jüngster Zeit Monrad 1 ) aus Kopen¬ 
hagen. Seine Beobachtungen beziehen sich auf 5 Kinder und veranlassen 
ihn zu der Meinung, dass rohe Kuhmilch in gewissen Fällen im stände ist, 
Kinder, die bei der Ernährung mit gekochter oder sterilisierter Milch atrophisch 
geworden sind, zu heilen. 

Unabhängig von diesen Litteraturangaben sind im letzten Sommer 
von Dr. Bartenstein an der Breslauer Kinderklinik Versuche gemacht 
worden, atrophische Säuglinge mit roher Milch zu ernähren. Der Ge¬ 
danke, der zu diesen Versuchen Veranlassung gab, war der, ob man bei 
einer solchen Ernährung ein gleiches Reparationsstadium beobachten könne, 
wie es bei der Ernährung kranker Säuglinge mit Frauenmilch gewöhnlich 


1) Jahrb. I. Kinderheilk., Bd. 55, S. 62. 


Nr. 4. 


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04 


eintritt Die Erfolge mit Frauenmilch lassen sich nicht aus der bisher be¬ 
kannten Zusammensetzung derselben erklären. Es liegt nahe, die besonders 
günstigen Resultate bei Ernährung mit Frauenmilch auf Substanzen zu be¬ 
ziehen, deren Wirksamkeit sich darum äussert, weil die Milch roh, nicht er¬ 
hitzt verabreicht wird. Diese Vermutung liegt um so näher, als man sich 
in jüngster Zeit mit den Fermentwirkungen roher Milch beschäftigt und 
thatsächlich solche auch nachgewiesen hat 

Zu den Versuchen ergab sich Gelegenheit durch einen besonderen 
Umstand. In Breslau ist es ebenso schwer wie in jeder anderen grossen 
Stadt, während der warmen Jahreszeit eine für die Säuglingsemährung ge¬ 
eignete und stets zuverlässige Kuhmilch zu erhalten. Alle unsere Bestrebun¬ 
gen durch Kühlen der Milch auf dem Transport, durch sorgfältige Kontrolle, 
Sterilisation derselben u. s. w. waren nicht im stände, zu verhüten, dass bei 
den kranken Säuglingen, die auf der Klinik mit Kuhmilch ernährt werden 
mussten, hier und da akute Magendarmerscheinungen auftraten, welche die 
Unzulänglichkeit aller Vorsichtsmassregeln verrieten. Seit 2 Jahren werden 
nun auf der Klinik Ziegen als Milchtiere gehalten, um sich von diesen Ein¬ 
flüssen unabhängig zu machen. Dies geschieht nicht in der Meinung, dass 
die Ziegenmilch die best geeignete für die Ernährung kranker Säuglinge ist, 
sondern nur deshalb, weil die Ziegen die einzigen Milchtiere sind, welche 
sich in den zur Verfügung stehenden Räumen unterbringen lassen und mH 
den disponiblen Mitteln gehalten werden können. Die Ziegen werden vor 
jeder einzelnen Mahlzeit der Säuglinge von einer Wärterin nach vorausge¬ 
gangener sorgfältiger Reinigung des Euters gemolken und die Milch sofort 
als Nahrung an die Kinder verabreicht Dieses Verfahren hat sich insofern 
gut bewährt, als seit dessen Einführung akute Magendarmerscheinungen 
auch während der heissen Sommermonate auf der Klinik vollständig ver¬ 
mieden wurden. Die geschilderte Art der Milchgewinnung liess einen Ver¬ 
such mit Verabreichung roher, ungekochter Milch gerechtfertigt erscheinen. 
In der That gelang es auf diese Weise, im Sommer 1901 15 atrophische 
Säuglinge längere Zeit hindurch zu ernähren. Nur ein einziges Mal zeigten 
2 Kinder vorübergehend akute Darmerscheinungen. Als Ursache dafür ergab 
sich eine Darmkolik (nach tierärztlichem Gutachten) bei der einen Ziege, 
welche die Milch für diese beiden Säuglinge lieferte. Da die Krankheit bei 
dem Tiere akut einsetzte, so war es möglich, weitere Erkrankungen der 
Säuglinge durch Ausschalten dieser Ziege zu verhüten. 

Die Kinder standen im Alter von 2—18 Monaten und befänden sich 
alle im mehr oder minder vorgeschrittenem Stadium der Atrophie. Die 
Ziegenmilch wurde denselben mit Wasser, Schleim oder Mehlabkochungen 
in gleicher Weise verabfolgt, wie wir sonst unter denselben Verhältnissen 
die gekochte Milch verdünnt hätten. In einzelnen Fällen wurden die Ver¬ 
sucht nach kurzer Zeit abgebrochen, mehrere Kinder erhielten die rohe Milch 
Wochen, selbst Monate lang. 

Das Eigebnis der Versuche lässt sich dahin zusammenfassen, dass 
wir einen Vorteil gegenüber einer Ernährung mit gekochter Ziegenmilch 
an den Kindern nicht beobachten konnten. 


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95 


Die Erfolge mit roher Ziegenmilch und die mit Frauenmilch lassen 
überhaupt keinen Vergleich zu, und erstere sind so wenig befriedigend, dass 
wir nicht beabsichtigen, noch einmal die Versuche aufzunehmen. 

Zunächst ist erwähnenswert, dass an den Kindern nichts von jenem 
günstigen Einflüsse auf das Allgemeinbefinden zu bemerken war, wie man 
es meist schon kurze Zeit nach Anlegen gleich schwer kranker Kinder an die 
Brust beobachtet. Monradgiebt an, dass aus allen seinen Krankengeschichten 
hervorgeht, »dass elende, apathische und atrophische Geschöpfe zu leben 
anfangen und zwar so zu sagen von demselben Tage an, als die Behandlung 
mit roher Milch eingeleitet wird«. Offenbar versteht Monrad darunter jene 
Besserung des Allgemeinzustandes, welche wir nach unseren Erfahrungen 
über den Einfluss der Frauenmilch auch bei der Ernährung mit roher Milch 
erwartet haben. Demnach befinden sich unsere Beobachtungen mit den Mit¬ 
teilungen von Monrad im Gegensatz. Auch in Bezug auf die Körper¬ 
gewichtszunahme haben wir nicht so günstige Erfolge gesehen, wie sie 
Monrad berichtet Nur in 4 von 15 Fällen wurde überhaupt eine Körper¬ 
gewichtszunahmeerzielt, und auch in diesen Fällen blieb sie eine sehr mässige. 
In den übrigen Fällen waren teils Gewichts-Stillstand, teils sogar -Abnahme 
zu beobachten. 

Die den atrophischen Kindern eigentümliche Blässe der Hautdecken 
wurde in fast allen Fällen gar nicht oder sogar ungünstig beeinflusst 

Was die Faeces anbelangt, so fiel an denselben auf, dass sie zumeist 
sehr wenig von Gallenfarbstoff gefärbt waren, ein graues, manchmal fast 
weisses Aussehen zeigten, im allgemeinen sehr trocken und in einzelnen 
Fällen so fest waren, dass sie wie kleine Steinchen von der Windel herunter¬ 
fielen. Letztere Erscheinung sowie der andauernde Bestand der Hautblässe 
sind Symptome, welche wiederholt als Folgen des langen Kochens der Milch 
aufgefasst worden sind. Wir waren deshalb sehr überrascht, als wir bei der 
Ernährung mit roher Milch eine derartige Obstipation auftreten sahen, wie 
wir sie bei gekochter Milch nur selten zu beobachten Gelegenheit hatten. Die 
Obstipation besserte sich manchmal bei fortgesetztem Gebrauche der rohen 
Milch, auch wenn nichts zu ihrer Beseitigung durch veränderte Zusammen¬ 
setzung der Nahrung gethan wurde. 

Fragen wir uns, weshalb die Ergebnisse unserer Beobachtungen mit 
denen von Monrad so wenig übereinstimmen, so liesse sich zunächst be¬ 
merken, dass wir Ziegenmilch verwendeten, während Monrad Kuhmilch zu 
seinen Versuchen benutzte. Dies scheint uns nicht allein ausreichend zur 
Erklärung unserer Misserfolge, da wir keine wesentlichen Unterschiede an 
den kranken Säuglingen beobachten konnten, wenn wir sie mit gekochter 
Kuhmilch oder mit gekochter Ziegenmilch ernährten. Wir sind vielmehr 
geneigt, die Erfolge Monrad’s darauf zurückzuführen, dass seine Fälle vor 
der Ernährung mit roher Milch eine durch langes Kochen denaturierte Nahrung 
erhielten. Aus seinen Angaben geht hervor, dass die Kinder 20—40 Minuten 
bei 100° C sterilisierte Nahrung bekommen hatten. Bei Säuglingen mit Er¬ 
nährungsstörungen führt eine Nahrungsänderung um so sicherer eine Besse¬ 
rung oder Heilung herbei, je genauer durch die neue Nahrung die Mängel 

Nr. 4* 


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06 


und Schädlichkeiten* welche der früheren anhafteten, ausgeglichen werden. 
In Monrad’s Fällen wirkte die rohe Milch in derselben Weise wie wir dies 
von der Möller-Barlow’schen Krankheit her kennen. Da die in unserer 
Behandlung stehenden Kinder vorher entweder Frauenmilch oder nur kurz 
abgekochte Kuhmilch mit irgend welchen Zusätzen erhalten hatten, so blieb 
der Effekt bei der Ernährung mit »roher« Milch aus. 


Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1901 zu ergänzen.) 

Gilbert, A. et Lereboullet, P.: Les opothärapics daas le diab&e sncrd. (Gaz. hebd. 
de mdd. et de chir., Nr. 81.) 

Die von den Verfassern auf die Rolle der Leber beim Diabetes und auf 
die Wirkungen von Leber- und Pankreasextrakten gerichteten Studien haben zu 
praktischen Schlössen hinsichtlich der Diagnose und der Therapie der verschiedenen 
Formen des Diabetes mellitus geführt. Sie gestatten eine Erklärung der kontra¬ 
diktorischen Ergebnisse, welche der Gebrauch der Opotherapie bei Diabetes zeigte. 
Verff. haben zwei Diabetesvarietäten unterscheiden können, je nach der Störung 
der Leberfunktion: Diabäte par anhdpatie als Folge der chronischen Leberinsuffizienz 
und Diabfete par hyperhlpatie als Folge gesteigerter Leberthätigkeit. Daraus 
schon geht die Nützlichkeit oder Schädlichkeit gewisser therapeutischer Methoden, 
der Diät und mancher Mittel hervor. Ebenso steht es mit der Leber- und Pan¬ 
kreas-Opotherapie. Sie können deshalb zur Diagnose dienen. Verff. erörtern 
zunächst die unterscheidenden Merkmale beider Diabetesformen. 

Bei der ersten Form ist die Leber dauernd unfähig, den ingerierten oder 
im Digestionstraktus gebildeten Zucker zurückzuhalten. In leichten Fällen zeigt 
sich die Glykosurie nur nach der Abendmahlzeit, weiterhin nach jeder und be¬ 
sonders nach dem Mittagessen, in einem höheren Orade wird sie kontinuierlich 
mit zwei Maxima je 2 oder 3 Stunden nach dem Frühstück oder Mittagessen. 
Die Gesamtmenge des ausgeschiedenen Zuckers beträgt selten mehr als 40—50 g. 
Die Hamstoffausscheidung ist mässig, Polyurie nur wenig ausgesprochen. Schwere 
diabetische Symptome stellen sich selten ein, manchmal bezeugt die Oesamtheit 
der Komplikationen, dass es sich um Diabetes, nicht um einfache alimentäre Gly¬ 
kosurie handelt Leichte Volumen- und Konsistenzveränderungen der Leber kommen 
vor, der Allgemeinzustand ist arthritisch. Der Diabetes ist heilbar, selten spontan, 
nicht aber immer durch Behandlung. Die schweren Folgen des Diabetes: Gan¬ 
grän, Koma bleiben meist aus. Beobachtet wird diese Form zumeist bei älteren 
Männern häufig nach einer anderen Krankheit: Leberkolik, Influenza, Typhus, 
Pneumonie, Erysipel. 

Bei der zweiten Form ist die Glykosurie sehr stark (bis 600 g pro die und 
mehr), die Maxima der Ausscheidung liegen weit hinter den Mahlzeiten. Gleich¬ 
zeitig besteht oft ein bemerkenswerter Orad von Azoturie. Es fehlen die Zeichen 
der Leberinsuffizienz. Das Lebervolum ist oft vergrössert, Konsistenz und Form 
aber nicht verändert. Dazu kommen andere objektive Symptome, bedingt durch 
die Hyperhepatie. Diese Form entwickelt sich viel schneller als die erste. Als 
konstitutioneller, oft hereditärer Diabetes findet sie ihr Ende im Koma, durch kon¬ 
sekutive Lungentuberkulose oder Kachexie. 


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97 


Das Leberextrakt nun wirkt wie ein Exdtans auf alle Leberfunktionen. 
Es kann also günstigen Einfluss nur in Fällen von Diabetes äussem, in welchen 
Leberinsuffizienz vorliegt Thatsächlich haben Verff. die Wirksamkeit bei dem Diabfete 
par anhepatie konstatiert, und diese selbst wieder ist der Beweis für die Leber¬ 
insuffizienz. Im allgemeinen genügen einige Dosen von 12 g des Extraktes, deren 
jede den Wert von 100 g frischer Leber repräsentiert, um die Glykosurie ver¬ 
schwinden zu lassen oder wenigstens beträchtlich herabzusetzen, den Harnstoff¬ 
gehalt zu vermehren und den Allgemeinzustand zu heben. Aehnliches beobachtet 
man in den den obigen naheverwandten Hillen, in welchen der Zucker nur inter¬ 
mittierend auftritt, wo die Leberinsuffizienz gegenüber Kohlenhydrate einfach als 
alimentäre Glykosurie sich zeigt — Dagegen giebt es eine ganze Reihe von Fällen, 
in welchen die Glykosurie nicht schwindet, sondern gesteigert wild. Hier handelt 
es sich um Diabfete par hyperhlpatie. Bei der Leberinsuffizienz tonisiert das Extrakt 
die Zelle und gestattet ihr, eine grössere Quantität alimentärer Kohlenhydrate auf- 
zunebmen oder umzuwandeln. Dagegen steigert bei der aus der vermehrten 
Leberfunktion resultierenden Glykosurie dies spezifische Exdtans noch die Funk¬ 
tion, die krankhafte Störung. 

Das Pankreasextrakt haben Verff. per os, unmittelbar vor dem Essen in 
Kapsdn oder Pillen von 25 cg, bei welchem das Extrakt erst im Darm frei 
wurde oder per rectum in Form von Suppositorien ä 0,5—1,0 g 1 Stunde 
vor dem Essen angewandt Dabei erwies sich das Pankreasextrakt wirk¬ 
sam, während das Leberextrakt unwirksam blieb und umgekehrt Diese 
antagonistische Wirkung findet ihre Erklärung in der obigen Annahme des 
versdiiedenen Ursprungs des Diabetes. Alle durch Pankreasextrakt gebesserten 
Fälle entsprechen dem Typus des Diabfete par hyperhäpatie, mag nun eine Pankreas- 
lasion vorliegen oder nicht Die pankreatische Opotherapie wirkt vermindernd 
auf die übermässige Leberfunktion. Umgekehrt muss sie die Glykosurie erhöhen, 
weil sie die Insuffizienz der Funktion der Glykogenbildung steigert Pankreas¬ 
extrakt ist demnach nur bei Diabäte par hyperhlpatie indiziert, dagegen bei Diabfete 
par anhäpatie kontraindiziert; dieser gehört in den Bereich des Leberextraktes. 

Hieraus eigiebt sich auch der diagnostische Wert der Extrakte. 

Weiterhin hat sich ergeben, dass Diät und Milchkur in beiden Fällen die 
Behandlung unterstützen kann, aber viel wirksamer beim Diabäte par anhäpatie 
als beim Diabäte par hyperhlpatie. Bei ersterem geben auch alkalische Wässer 
und direkte Lebermassage gute Resultate. Opiate, Brompräparate, Antipyrin u. s. w. 
sind neben Pankreasextrakt zu vermeiden, sind aber indiziert bei Diabfcte par 
hyperhlpatie, welcher durch Alkalien erschwert wird. Man muss überhaupt alle 
therapeutischen Agentien darnach einteilen, ob sie die Leberfunktionen zu steigern 
oder einzuschränken vermögen. v. Boltenstern (Leipzig). 

Brissaud, E. et Bräcy, M.: Sialorrhoe hystärique monosymptomatique. (Qaz. hebd. 
de med. et de chir., Nr. 91.) 

Verff. beschreiben einen Fall von anhaltendem Schluchzen und reichlicher 
Salivation bei einem Menschen von 32 Jahren, bei welchem die Anamnese und 
die Untersuchung für die Erscheinung keinen Anhalt boten. Vor allem waren 
Mercurialismus oder Saturnismus ebenso wie Syphilis auszuschliessen. Verff. 
nehmen keinen Anstand, die Diagnose hysterische Sialorrhoe zu stellen, wiewohl 
nur höchst selten bei Hysterischen nur ein Symptom sich geltend macht Bestärkt 
werden Verff. in der Diagnose durch den Verlauf des Leidens, welches den Pa¬ 
tienten in grosse Aufregung und Unruhe versetzte. Innerhalb fünf Tagen des 
Krankenhausaufenthaltes nahm die Salivation progressiv ab, das Schluchzen be¬ 
ruhigte sich, die gelegentlichen Anfälle von Erbrechen schwanden. Nach weiteren 
3 Tagen hätten die Erscheinungen völlig aufgehört, ohne dass hierbei die medika¬ 
mentöse Behandlung (ut aliquid fieri videatur) als Unterstützung in Betracht 
kommen konnte. v. Boltenstern (Leipzig). 


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98 


Gzygan, P.: Spindelförmige Erweiterung der Speiseröhre infolge von Pylorusstenose. 

(Archiv f. Verdauungskrankheiten, Bd. 7, H. 1. 2.) 

Cz. berichtet über einen Fall von spindelförmiger Erweiterung der Speise¬ 
röhre, deren Zustandekommen er auf kompensatorische im Verlaufe einer gut¬ 
artigen Pylorusstenose am Oesophagus sich ausbiidende Veränderungen zurück¬ 
fuhrt Aus den durch genauere Beobachtung des Falles gewonnenen Erfahrungen 
ergeben sich dem Verf. folgende Schlussfolgerungen: 

1. Der Rumpel’sche Löcherschlauchversuch ist zur Feststellung, ob Dilatation 
oder Divertikel des Oesophagus voriiegt, unter Umstanden infolge ein¬ 
tretenden Kardiakrampfs unzuverlässig. 

2. Bei spindelförmiger Speiseröhrenerweiterung kann im Magen unverdauter 
Inhalt gefunden werden, im Oesophagus angedauter. Es ist daher nicht 
ohne weiteres der Schluss erlaubt, dass eine Sonde im Magen liegt, wenn 
aus ihr angedauter Inhalt aspiriert werden kann. 

3. Auch bei der Dilatation der Speiseröhre können sich alte Speisereste finden, 
während später genossene in den Magen gelangt sind. Die unbedingte 
diagnostische Verwertung dieses Verhaltens ist daher anfechtbar. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Einhorn, M.: AchyHa gastrica, Hyperchlorhydrie vortänschend. (Archiv f. Verdauungs¬ 
krankheiten, Bd. 7, H. 1. 2.) 

E. berichtet über 6 Fälle von Achylia gastrica, die in ihrem Verlauf in 
typischer Weise die subjektiven Symptome der Hyperchlorhydrie darboten. In 
sämtlichen Fällen verschwanden das Unbehagen, das Brennen, die Schmerzen 
sofort nach Einführung von Speisen. Als besonders rationell für die Behandlung 
der Fälle bewährte sich das Trinken eines halben oder ganzen Olases Wasser 
ungefähr eine oder 2 Stunden nach der Mahlzeit, das offenbar durch Verdünnung 
des Mageninhalts die mechanische Irritation durch grobe Speiseteile herabsetzte. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Qnintard, E.: Einige Fälle von Magenerosionen (Einhorn). (Archiv f. Verdauungs¬ 
krankheiten, Bd. 7, H. 1. 2.) 

Verf. kommt an der Hand von 3 eigenen Beobachtungen zu folgenden 
Schlussfolgerungen: Für die Diagnose der Magenerosionen ist unerlässlich der 
Nachweis des wiederholten Vorkommens kleiner Fragmente der Magenschleimhaut 
im Magenwaschwasser. Die funktionellen Symptome der Magenerosionen sind 
verschieden, da sich Magenerosionen bei verschiedenen pathologischen Zuständen 
finden. Die Aetiologie und Pathologie der Magenerosionen ist noch nicht genauer 
festgestellt, doch ist in der Mehrzahl der Fälle das klinische Bild ein wohl¬ 
charakterisiertes, dass von dem des runden Magengeschwürs oder dem der Ex- 
ulceratio Simplex verschieden ist. Aus diesem Grunde sind die Fälle klinisch 
gesondert zu rubrizieren. J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Robin, W.: Ueber einen Fall von Gastritis toxica and Verengerung des Pyloras infolge 
von Salpetersäure - Vergiftung. Gastroenterostomie. Heilung. (Qazeta Lekarska, 44.) 

Der 16jährige Patient trank aus Versehen ein Weinglas 47 %iger Salpeter¬ 
säure. Es stellte sich sofort Bluterbrechen ein. 4 Wochen später kam er in die 
Behandlung des Verf.’s; es bestanden Erbrechen und allgemeine Schwäche. 
Untere Magengrenze in der Höhe des Nabels. Im Mageninhalt keine freie Salz¬ 
säure. — Qastroenteroanastomose nach Hacker. Der Magen war bedeutend er¬ 
weitert und wies auf seiner vorderen Wand 2 Längsnarben auf: die eine, die 
grössere, war 12 cm lang und verlief in schräger Richtung vom Pylorus nach 
links zur grossen Kurvatur; die kleine, 4 cm lang, verlief fast parallel der ersteren. 


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99 


Die Magenwände waren stark verdickt Im Oebiete des Pylorus befand sich eine 
deutliche Verdickung. Postoperatorischer Verlauf regelmässig. Heilung der Wunde 
per primam in 10 Tagen. 3 Wochen nach der Operation wurde der Inhalt des 
nüchternen Magens herausgehebert, wobei eine geringe Quantität grünlich-gelber 
Flüssigkeit ohne Speisereste zu Tage gefördert wurde. Die Untersuchung des 
Mageninhalts nach Ewald’schem Probefrühstück ergab das Fehlen von freier Salz¬ 
säure. Es hat sich also nach der Operation nur die motorische Funktion, nicht 
aber die sekretorische wieder hergestellt; trotzdem begann der Patient nach der 
Operation sich rasch zu erholen; es stellte sich Esslust ein, das Erbrechen Hess 
nach, das Körpergewicht nahm zu. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Tttow, J.: Zur Kasuistik der syphilitischen Magengeschwüre. (Chirurgija, Peters¬ 
burger med. Wochenschr., Nr. 43.) 

In dem betreffenden Falle war der Magen annähernd von normaler Orösse. 
Die Wände waren leicht verdickt An der vorderen Magenwand nahe der kleinen 
Kurvatur etwa 6 cm vom Pylorus entfernt fand sich ein Ulcus von ovaler Gestalt 
(6 und 8 cm im Durchmesser). Die mikroskopische Untersuchung ergab eine 
ausgedehnte Endarteritis in der Umgebung des Geschwürs, die stellenweise zu 
vollständigem Verschluss des Gefässlumens geführt hatte. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Watanabc, R.: (Jeher gutartige papilläre Geschwülste der Magenschleimhaut (Archiv 
f. Verdauungskrankheiten, Bd. 7, H. 1. 2.) 

Veit berichtet über 2 anatomisch untersuchte Fälle von gutartiger Ge¬ 
schwulstbildung der Magenschleimhaut. In dem ersten Falle handelt es sich um 
den Befund zweier apfelgrosser blumenkohlartiger Geschwülste, die jederseits 
dicht neben der grossen Kurvatur 3 Finger oberhalb des Pylorus ihren Ursprung 
nahmen und sich nach der kleinen Kurvatur so ausdehnten, dass sie an dieser 
um 3 cm von einander entfernt blieben. Ohne Zusammenhang mit diesen Tumoren 
fand sich am übrigen Magen, besonders in der Nachbarschaft der grossen Kur¬ 
vatur, eine Reihe von erbsengrossen bis haselnussgrossen Geschwülsten. Klinisch 
wurden heftige Magenschmerzen angegeben, die sich von der Nahrungsaufnahme 
unabhängig zeigten, die Untersuchung des Mageninhalts ergab keine Anomalieen. In 
dem zweiten Fall, in dem keine Magensymptome bestanden, fand sich an der grossen 
Kurvatur, etwa 7 cm oberhalb des Pylorus beginnend und bis in die Kardiagegend 
sich fortsetzend, eine grosse Anzahl dicht nebeneinander stehender polypöser Wucher¬ 
ungen. Der| gutartige Charakter der Geschwülste konnte daraus erschlossen 
werden, dass der Wucherungsprozess sich als auf die Schleimhaut beschränkt er¬ 
wies. In dem ersten Falle beteiligte sich das Drüsengewebe mehr als das klein¬ 
zellige Zwischengewebe an der Geschwulstbildung, in dem anderen Falle bildete 
das Zwischengewebe den Hauptbestandteil des Tumors. Beide Geschwulstformen 
konnten als papilläre Fibroadenome angesprochen werden. In dem ersten Falle 
zeigte die geschwulstfreie Magenschleimhaut Zeichen eines entzündlichen Pro¬ 
zesses in Form von Vermehrung des Zwischengewebes, Erweiterung der Drüsen 
und mässiger Infiltration und auch in der Geschwulst selbst konnten Spuren der 
Entzündung nachgewiesen werden. Verf. fasst jedoch die Entzündungserscheinungen 
in der Pathogenese dieses Falles nicht als das Primäre auf, sondern als eine von 
der Geschwulstbildung abhängige sekundäre oder als eine zufällige selbständige 
Komplikation. J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Rfitimeyer, L: Ein Fall von Gastrospasmus chronicus bei Magencardnom. (Archiv 
f. Verdauungskrankheiten, Bd. 7, H. 1. 2.) 

R. berichtet über einen Fall, der in unzweideutiger Weise das Vorkommen 
schmerzloser tonischer Magenkrämpfe und die Vortäuschung eines Magentumors 




100 


illustriert. Es handelte sich um ein dem Pylorusteil des Magens angehörendes 
massig stenosierendes Cardnom, mit dem ein eigentümlicher Zustand von dauern¬ 
dem Spasmus der Muskulatur dieser ganzen Magenpartie, die als brettharter Tumor 
zu tasten war, sich vergesellschaftete. Im Bereiche des Tumors, der eine nieren¬ 
förmige Gestalt darbot und sich an Stelle des gastroptotischen Magens vorfand, 
zeigten sich kleine wurmförmige Kontraktionen. Die Resistenz der Geschwulst 
verhielt sich unter der palpierenden Hand bei längere Zeit fortgesetzter Untersuchung 
verschieden. Bei Untersuchung in Narkose verschwand der Tumor in toto. Die 
Autopsia in vivo bestätigte die Diagnose und ergab, dass die Dimensionen der 
Geschwulst genau demjenigen Teil des Magens entsprachen, dessen Mucosa von 
der cardnomatösen Infiltration eingenommen und dessen Muscularis verdickt war. 
Im Anschluss an die Gastroenterostomie konnte der »Tumor« ebenso wie in 
Narkose nicht mehr gefühlt werden. Verf. nimmt an, dass nervöse Einflüsse im 
Verein mit mechanisdien Ursachen bei der schon vor Beginn ihres Magenleidens 
nervösen Frau die hypertrophische Muskulatur des Pylorusteils des Magens im 
Zustand einer tonischen Kontraktion, in einem Gastrospasmus chronicus erhielten. 
Der Fall unterscheidet sich von ähnlichen in der Litteratur bekannten Beobachtun¬ 
gen dadurch, dass nicht bloss der Pylorusteil des Magens, sondern ein volles 
Drittel des Magens von dem Krampfzustand befallen war und dadurch, dass der 
»Krampftumor« nicht zeitweilig auftrat, sondern Monate lang bestehen blieb. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 


König: lieber einen Fall von Kardiacardnon. Altonaer ärztl. Verein. Sitzung vom 
23. Okt. (Münch, med. Wochenschr., 1902, Nr. 4.) 

Bei dem 50jährigen Kranken hatten sich vor 1 7a Jahren die ersten Magen¬ 
erscheinungen, vor V* Jahren die ersten Schluckbeschwerden eingestellt. Die Son¬ 
dierung gelang bald, bald stiess die Sonde in der Höhe der Kardia auf ein Hinder¬ 
nis. Bei der Laparotomie fand sich ein hoch hinter dem Rippenbogen gelegener, 
fast handtellergrosser Tumor im oberen Teil des Magens. Wegen der Ver¬ 
wachsungen und der Drüsenmetastasen Radikaloperation aussichtslos, daher An¬ 
legung einer schrägen Magenfistel nach v. Bergmann. Jetzt, nach V 4 Jahren, ist 
die Passage durch die Kardia noch frei geblieben und die Fistel ausser Funktion 
gesetzt. Patient ist frei von wesentlichen Beschwerden und befindet sich in recht 
gutem Ernährungszustände. Schade (Göttingen). 

Camlniti, R.: Un cas de myome de pyiore. (Oaz. hebd de mdd. et de chir., Nr. 89.) 

Pylorusstenosen infolge nicht carcinomatöser Tumoren sind im ganzen 
selten. In der Litteratur hat Verfasser unter 23 Fällen von Magenmyomen nur 
einen Fall gefunden, in welchem das Myom nahe am Pylorus seinen Sitz hatte. 
Die vorliegende Beobachtung, deren histologische Einzelheiten wiedergegeben 
werden, betrifft ein reines Myom, ausgehend von dem Pylorusring. In dem Falle 
war ausser der Natur der Läsion, welche zur Pylorusstenose führte, die enorme 
Magendilatation und Atrophie der Magenwand bemerkenswert im Gegensatz zu 
Ewald’s Ansicht, welcher meint, dass bei Gastrektasie infolge Pylorusstenose 
die Muskelfasern vorzugsweise hypertrophieren. 

Man muss nicht nur die gewönlichen Ursachen der Stenose (mechanisches 
Hindernis für die regelmässige Entleerung des Organs, lokale oder allgemeine 
Krankheiten, physikalische Ursachen) bei der Erklärung der Thatsachen heran¬ 
ziehen, sondern auch den ganzen organischen Zustand. In dem berichteten Falle 
muss in höherem Qrade als der Pylorusstenose der Lungentuberkulose ein Anteil 
an dem allgemeinen Verfall in den Organen und Geweben zugewiesen werden. 

v. Boltenstern (Leipzig). 



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101 


Weyuriaow: Gastrostomie nach Marwedel. (Wratsch, Nr. 44.) 

Verf. bezeichnet das Marwedel’sche Verfahren als das vollkommenste 
der Oegenwart Er selbst hat nach diesem Verfahren einen 40jähr., arbeitsfähigen, 
noch ziemlich gut genährten Patienten mit vollständiger Impermeabilität des 
Pylorus infolge cardnomatöser Geschwulst operiert. Prima intentio, Haut um 
die Fistel herum normal. Der Kranke vermag sich selbst in die Fistel ein Glas¬ 
rohr, das mittels Gummischlauchs mit einem Glastrichter kommuniziert, und auf 
diese Weise 700 g Flüssigkeit in den Magen einzuführen. Nach Entfernung des 
Glasrohres fliesst beim Husten oder tiefer Inspiration die Flüssigkeit durch die 
Fistel nicht heraus. Um die äussere Oeffnung der Fistel vor Beschmutzung zu 
schützen, trägt der Patient einen leichten Verband. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Penjo: Beiträge zur Diagnose des Ulcus duodeni. (Aus dem Spanischen.) (t\ 

Siglo mddico, September.) 

Verf. hält im Frühstadium der Erkrankung, wo die noch nicht bettlägerigen 
Pat von der Blutbeimengung zum Stuhl nichts wissen, einen leichten Ikterus, 
der sich bei fast allen Fällen fand, für ein wertvolles diagnostisches Merkmal. 
Derselbe wird fälschlich oft auf eine Leberkolik bezogen. Hochgradiges anämi¬ 
sches Aussehen zusammen mit der Angabe des Kranken, dass bei leidlichem 
Appetit heftige Magenschmerzen erst 2—3 Stunden nach dem Essen auftreten, 
sind gleichfalls für Duodenalgeschwür verdächtig. Bei Neurosen des Magens 
finden sich länger dauernde, schmerzfreie Intervalle, beim Magen-Ulcus treten 
die Beschwerden unmittelbar nach den Mahlzeiten auf. Bei vorgeschrittenen 
Fällen hat man immer mit der Möglichkeit chirurgischer Komplikationen, wie Per¬ 
foration in die Bauchhöhle, Darmabknickung nach Verlötung mit Dünndarm¬ 
schlingen, lokaler Abscess-Bildung zu rechnen; daher ist eine Frühdiagnose von 
grosser Bedeutung. A. Berliner (Berlin). 

SoHan, Fenwick W.: Primary cardnome of the duodenum. (Edinburgh Medical 

Journal, Sept) 

Der Krebs des Duodenums ist 20 mal so selten als der Magenkrebs. 
S. bringt 3 Fälle mit Obduktionsbefund. Die Symptome werden verschieden aus- 
fallen, je nachdem der Tumor oberhalb, in der nächsten Nähe oder unterhalb der 
Papilla Vateri sitzt Hesse (Kissingen). 

Promt, R.; Les rdddfves de la fifcvre typhoide. (Oaz. des höpitaux, Nr. 137.) 

Ueberstehen des Typhus macht im allgemeinen immun. Indessen kommt 
es vor, dass die Immunität nicht besonders dauerhaft ist In gewissen Fällen er¬ 
wirbt ein Individuum zum zweiten Male Typhus. Derartige Reddive treten ge¬ 
wöhnlich während der Epidemieen ein und beziehen sich auf direkte Contagion. 
Ebenso kann das Trinkwasser die Ursache sein. In anderen Fällen nimmt man 
eine Uebertragung durch die Luft an. In allen Fällen begünstigen Ueberanstren- 
gung, allgemeine Schwäche die Re-lnfection. Das männliche Geschlecht soll be¬ 
sonders bevorzugt werden. Ueber Alter und Anzahl der wiederholten Infektion 
lässt sich Sicheres nicht sagen. Die Symptome unterscheiden sich in nichts von 
der primären Infektion. Allerdings pflegt die zweite Erkrankung meist einen 
milderen Charakter anzunehmen sowohl in bezug auf die Schwere der Er¬ 
scheinungen als auf den Krankheitsverlauf. Häufig sind abortive, ambulatorische 
und leichteste Fälle. Meist bietet die Diagnose keine Schwierigkeit, in anderen 
Fällen kann sie nur mit Unterstützung aller Hilfsmittel, insbesondere der Serum¬ 
reaktion gestellt werden. Die Prognose ist im allgemeinen gut, wenn auch die 
Krankheitsdauer nicht kürzer ist. Hyperthymie bildet nicht die Regel, und die 

Nr. 4. 


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nervösen Symptome fehlen ganz. Auch die Rekonvaiescenz geht schnell vor sich. 
Die Therapie ist die gleiche, wie bei den ersten Erkrankungen, hat dieselben In¬ 
dikationen. v. Boltenstern (Leipzig). 

Rogaz: Taitement de la dysenterie alguC des enfants par les lavements d’ean oxygMe. 

(Oaz. hebd. des Sciences med., Nr. 50.) 

Bei dysenteriekranken Kindern lasst Verf. zwei bis dreimal täglich Klystiere 
mit Sauerstoffwasser (10 T. verdünnt mit 6 T. sterilisierten warmen Wassers) 
machen. Möglichst wird ein Entleerungsklystier vorausgeschickt Die in das 
Rektum eingebrachte Flüssigkeitsmenge variiert nach dem Alter der Patienten und 
nach der Toleranz des Dickdarms. Um wirksam zu sein, muss das Klystier lange 
behalten werden, weit Vordringen. Dazu ist eine längere, aber sehr biegsame 
Sonde zu verwenden. Man darf nie vergessen, dass die dysenterischen Läsionen 
in der Hauptsache im Rektum ihren Sitz haben. Jede Verletzung dieser Gegend 
ist nicht nur sehr schmerzhaft, sondern auch gefährlich. Nach dem Klystier ist 
ein häufiger Lagerungswechsel empfehlenswert Unter diesen Vorsichtsmassregeln 
werden die Klystiere sehr gut vertragen, rufen keinen Schmerz hervor. Verf. hat 
so 10 sehr beträchtliche Dysenterieen bei Kindern von 2—12 Jahren behandelt 
und sehr schnell günstig beeinflusst Der Erfolg macht sich schon in den ersten 
2—3 Tagen bemerkbar. Die Stühle verändern sdinell ihr Aussehen, sie enthalten 
weniger Eiter und Blut werden weniger häufig. Der Sphinkter gewinnt seinen 
Tonus wieder. Der Tenesmus bessert sich. Die Abdominalschmerzen schwinden. 
Damit zugleich erfolgt eine Hebung des Allgemeinbefindens, ln febrilen Fällen 
schwindet das Fieber. Das Aussehen wird besser, ln 8—10 Tagen ist völlige Heilung 
erzielt Um aber sicher zu sein, dass die Heilung wirklich eintritt, muss man die 
Medikation einige Tage nach dem Verschwinden der Erscheinungen fortsetzen, 
selbst wenn die Stühle nach Quantität und Qualität bereits die Norm erreicht 
haben. Vorzeitiges Aufhören giebt zu Rückfällen Anlass. 

v. Boltenstern (Leipzig). 

Nehrkom, A.: Temporäre Kolostomie bei chronischer Dysenterie. Aus d. chir. Univ.- 
Klinik in Heidelberg. (Deutsche med. Wochenschr., 1902, Nr. 1.) 

Bei einem 19jährigen Manne, welcher an chronischer Dysenterie litt 
wurde, da die internen Mittel versagten und der Patient stark verfiel, zur Ruhig¬ 
stellung der erkrankten Dickdarmpartie die Kolostomie an der Flexur ausgeführt. 
Der Erfolg war ein vorzüglicher. 37s Monate nach dieser ersten Operation wurde 
der Anus praeternaturalis wieder geschlossen. 

Dieser chirurgische Eingriff ist indiziert, wenn trotz Anwendung interner 
Mittel die Blutungen und Diarrhoeen nicht stehen und schneller Verfall des Pat 
eintritt, zweitens wenn die Anwendung interner Massnahmen aufhört, weil der 
Kranke die Medikamente nicht verträgt, besonders, wenn der Darm genügend 
grosse Eingiessungen zu halten nicht fähig ist 

Je nach dem Sitze der Erkrankung ist der Ort des operativen Eingriffes 
zu wählen: die rechtsseitige Kolostomie resp. Coecostomie, wenn der ganze Dick¬ 
darm erkrankt ist; bei Affektion der mittleren Kolonpartieen Enteroanastomose; 
die linksseitige Kolostomie ist besonders dann anzuwenden, wenn weniger ein 
Darmabschnitt ausgeschaltet, als vielmehr auf die erkrankte Schleimhaut örtlich 
eingewirkt werden soll. Hagenberg (Qöttingen). 


Shukovski, A.: Beitrag zur Behandlung der akuten Dannimpermeabilität mit Atropin. 
(Bolnitschnaja Gazetta Botidna, 31. Okt) 

Wiederum ein Fall von erfolgreicher Anwendung der Batsch’schen Methode. 
Vollständige Darmimpermeabilität bei einer 40jährigen Patientin. Abführmittel, 


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103 


Dannausspülungen ohne Wirkung. Injektion einer Pravaz’schen Spritze voll 
Atropinum sulfuricum 0,06:12,0 destillierten Wassers. 7t Stunde nach der Injektion 
stellten sich bei der Patientin Trockenheit im Munde, Schwindel, Rötung des Ge¬ 
sichts, Erweiterung der Pupillen und kleiner beschleunigter Puls ein; dann ge¬ 
sellten sich Krampfe, Delirien, sowie] Oehör- und Gesichtshallucinationen hinzu. 
Sämtliche Erscheinungen verschwanden innerhalb 5 Stunden. Zugleich ver¬ 
schwanden aber auch die Bauchschmerzen und das Erbrechen; dann gingen 
zunächst Flatus ab, und diesen folgte bald reichlicher, etwas blutiger Stuhl. Am 
folgenden Tage fühlte sich die Patientin vollkommen wohl. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Rotanow, W. N.: Beitrag zur Frage der Komplikation der Hernien durch Epityphlitis. 

(Wratsch, Nr. 48.) 

Der 52jährige Patient wurde am 9. März mit kokosnussgrossem rechts¬ 
seitigen eingeldemmten Bruch aufgenommen. Der Bruch besteht seit 6 Jahren; 
er wurde mehrmals eingeklemmt, aber stets reponiert. Die gegenwärtige Ein¬ 
klemmung besteht seit 4 Tagen. Hemiotomie. Es gelingt leicht, den dicken Sack 
von den Verwachsungen abzupräparieren. Es fliesst aus demselben ca. 1 Liter 
flüssigen Eiters heraus. Auf der in demselben befindlichen stark hyperämierten 
Dünndarmschlinge, sowie auch an der Bruchpforte, die 2 Finger durchlässt, 
befinden sich Fibrinmembranen. Die Verwachsungen wurden durch leichten Zug 
am Darm zerstört Bei Druck auf die rechte Bauchseite unten entleerte sich aus 
der Bauchhöhle viel Eiter. Man vermutete Epityphlitis. Fortsetzung der Inzision 
nach oben rechts. Der Blinddarm und der Wurmfortsatz lagen unten und aussen 
in einer besonderen Höhle, die von der übrigen Peritonealhöhle durch derbe Ad¬ 
häsionen isoliert war. Auf dem Blinddarm und dem umgebenden Peritoneum be¬ 
fand sich Fibrinbelag. Der 7 cm lange Wurmfortsatz war fast vollständig ne¬ 
krotisch und an drei Stellen perforiert; er wurde von den Verwachsungen befreit 
und entfernt; desgleichen der Bruchsack. Die Bauchhöhle wurde mittels 4 Nähte 
von der Skrotalhöhle getrennt. Inguinalkanal verringert Skrotalwunde vernäht 
bis auf den unteren Winkel, in den ein Jodoformtampon eingeführt wurde. Die 
Bauchwunde wurde offen belassen und zweimal tamponiert, und zwar einmal 
unten mit Jodoformgaze und dann oberhalb des Blinddarms mit steriler Gaze. 
Verband. Am 9. Tage Entfernung der Nähte. Prima intentio. Aus der Bauch¬ 
höhle entleert sich Eiter, der Darm stülpt sich vor. Die Wunde füllte sich all¬ 
mählich aus, und nach 20 Tagen wurden die Wundränder mittels Naht einander 
genähert Wegen unvollständiger Verklebung wurden nach 8 Tagen in Kokain¬ 
anästhesie nach Anfrischung der Wundränder noch 4 Nähte angelegt, worauf 
vollständige Verklebung eingetreten ist. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


Gilbert, A. et Lereboullet, P.: Le massage direct du foie. (Gaz. hebd. de mdd. et 

de chir., Nr. 77.) 

Nicht allgemeine Bauchmassage, sondern direkte Lebermassage empfehlen 
die Verfasser. Sie besprechen zunächst die Technik. Natürlich erfordert die 
Massage der Leber und der Gallenwege ein schonendes, zartes Voigehen. Die 
direkte Lebermassage vermag auf die Leberzirkulation, auf das Herz und die all¬ 
gemeine Zirkulation einzuwirken. Verfasser haben nun diese Verhältnisse bei 
verschiedenen Leberaffektionen studiert und auf Qrund der Resultate die Indi¬ 
kationen und Kontraindikationen aufgestellt. Gute Erfolge erzielt man in allen 
Fällen, in welchen der Portalkreislauf behindert ist Man kann sie demnach an¬ 
wenden bei passiven Leberkongestionen abhängig von Herzleiden, bei venösen 
Cirrhosen mit oder ohne Ascites, bei biliären und selbst pigmentären Cirrhosen. 
Man wird einen bemerkenswerten Rückgang aller Erscheinungen und ebenso eine 
Verminderung des Volums und ein Verschwinden der Polyurie erwarten können. 

Nr. 4*. 


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104 


Qallensteinerkrankung, gewisse Fälle von katarrhalischem Ikterus* scheinen bis¬ 
weilen günstig für die direkte Lebermassage. Sie erleichtert den Abfluss der 
Galle, verringert die Symptome und begünstigt die Heilung. Hierzu kommt noch 
die einfache Cholämie, in Fällen, welche von Leberhypertrophie begleitet sind. 
In gewissen Krankheiten, bei denen man eine funktionelle Leberstörung voraus¬ 
setzen kann, und besonders beim Diabetes ist die direkte Lebermassage oft indi- 
zirt. Vielleicht anwendbar ist sie auch bei Gicht Kontraindikationen sind unbe¬ 
dingt: Leberechinokokkus, Leberabscess, Leberkrebs, Fetteirrhosen u. a. Hier 
kann sie direkt gefährlich werden (Asystolie, Gastrointestinalblutungen u. s. w.) 

v. Boltenstern (Leipzig). 

Schilowzew, 1. 1.: Ueber einen Fall von Uberdislokation. (Wratsch, Nr. 47.) 

Der 23jährige Patient klagt über Erbrechen und Schmerzen im Epigastrium. 
Er giebt zu, seit dem 18. Lebensjahre dem Trünke ergeben zu sein und vor 
5 Jahren einen Anfall von Delirium tremens durchgemacht zu haben. Früher be¬ 
stand Erbrechen galliger Massen. Kompression des Brustkorbes von vorn nach 
hinten im Gebiete der falschen Rippen, rechts besonders deutlich ausgesprochen. 
Die rechte Seite bleibt bei der Atmung gegenüber der linken zurück. Rechts vom 
der Mamillarlinie entlang Lungenschall bis zur 7. Rippe, unter welcher ungefähr in 
einer Entfernung von 4 cm Dämpfung beginnt, die unmittelbar in das Gebiet des 
tympanischen Schalles übergeht Ungefähr 4 Querfingerbreiten tiefer wiederum 
Dämpfung, die nach unten die untere Nabelgegend erreichen. Es wird eine Ge¬ 
schwulst palpiert, die beweglich ist und anscheinend von der dislozierten Leber 
herrührt Die Untersuchung mittels Röntgenstrahlen ergab regelmässige Be¬ 
wegungen des in der Höhe der 7. Rippe abgeflachten Diaphragmas. Die Ur¬ 
sachen der Senkung der Leber waren Schwäche der Ligamenta suspensoria, allge¬ 
meine Schlaffheit des Darmes und der übrigen Oigane der Bauchhöhle. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Alezeew, M. T.: Ueber einen Fall von akuter gelber Leberatrophie. (Wratschebnaja 

Oazetta, Nr. 42-43.) 

Der betreffende Patient, ein 22jähriger Soldat, wurde in das Militärhospital 
mit Kopfschmerzen, Schmerzen im Epigastrium, allgemeiner Schwäche und 
Schwindel eingeliefert Status praesens: Der Patient ist von mittlerer Statur und 
regelmässigem Körperbau. Skleren und Hautdecken stark ikterisch. Temperatur 
35,5. Obere Lebergrenze in der Mamillarlinie am unteren Ende der 6., in der 
vorderen Axillarlinie am unteren Ende der 7. Rippe. Der untere Leberrand ist 
rund, ziemlich weich. Am folgenden Tage zeigte der Puls hochgradigen Auf¬ 
regungszustand. Obere Lebergrenze sank um eine Rippe. Harn stark ikterisch. 
Die mikroskopische Untersuchung ergab in demselben Nierenepithel, körnige 
Cylinder, Leucin- und Tyrosinkristalle und weisse und rote Blutkörperchen. Bald 
verlor der Patient das Bewusstsein und verfiel allmählich. Am 4. Tage nach der 
Aufnahme Tod. — Die Sektion ergab auffallende Verringerung des Leberumfanges. 
Die Leber war in ihrem mittleren Teile weich, am rechten und linken Ende von 
knotigen Verhärtungen von homogener hautartiger Konsistenz durchsetzt Am 
Querdurchschnitt boten die weichen Partieen auf der Oberfläche eines allgemeinen 
roten Hintergrund ikterische gelbe Knötchenanhäufungen; die Grenzen der Lo- 
buli waren schwach ausgesprochen. Beim Durchschneiden des Gewebes konnte 
man ein deutliches Knistern vernehmen. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


Caubet, H. etjndet, H.: Deuz cas de kystes hydatiques du foie. (Gaz. des höpit., Nr. 105.) 

In beiden Fällen lag ein Echinokokkussack mit demselben Sitz und den¬ 
selben Eigenschaften vor, und doch zeigte sich nur in dem einen die Erscheinung 


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des Hydatidenschwirrens. Verfasser glauben, dass nicht allein die Spannung der 
Flüssigkeit für das Auftreten des Symptoms verantwortlich zu machen ist In 
beiden Fallen waren die Cysten ausserordentlich voll gespannt. Die Palpation 
konnte sie schon vor der Punktion feststellen, ln dem einen Falle, wo allein das 
Schwirren auftrat, enthielt die Blase l 1 /* Liter, im zweiten kaum 800 ccm Flüssig¬ 
keit Daraus entnahmen die Verfasser, dass das Zeichen vorzugsweise bei Cysten 
von grossem Volumen beobachtet wird. Durch Leichenversuche haben Verfasser 
ferner festgestellt, dass das Hydatidenschwirren klinisch immer dann eintritt, wenn 
ein dünner voluminöser Sack mit mittlerer Spannung in Kontakt mit einer weniger 
dicken, massig gespannten Wand kommt. Alle diese Bedingungen erklären zur 
Genüge die Seltenheit des Hydatidenschwirrens. Sie fanden sich bei der einen 
Patientin, einem schwachen jungen Mädchen mit dünner, fester Bauchwand. Im 
anderen Falle gab die Cyste das Schwirren durch direkte Perkussion. Aber die 
dicke, muskulöse Bauchwand verhinderte ohne Zweifel die Uebertragung. 

v. Boltenstern (Leipzig). 

Panchet: Chirurgie du pancräas. Hämatome rätro-päritonäal guäri par la laparotomie 
suhrie d’une incMou inter-gastro-colique. (Gazette des höpitaux, 1902, Nr. 3.) 

Bei einer fettleibigen Frau von 51 Jahren bildete sich rasch unter Fieber¬ 
erscheinungen und Schmerzen ein fühlbarer Tumor im linken Hypochondrium aus. 
Der Magen lag vor der Geschwulst. Besondere Anzeichen einer Pankreas- 
Affektion (Glykosurie, Steatorrhoe) fehlten. Bei der Laparotomie fand sich nach 
Inzision des Ligamentum gastrocolicum ein vor dem Pankreas gelegenes, abge¬ 
kapseltes Hämatom vor. Bei der Entleerung der Blutkoagula erfolgte eine Nach¬ 
blutung aus der Tiefe, die durch Tamponade gestillt werden konnte. Nach Schluss 
der Inzision im Lig. gastro-colicum und der Bauchwand erfolgte ungestörte 
Heilung. 

Nach dem Verf. müssen folgende Symptome neben dem epigastrischen 
Schmerz und der subikterischen Hautverfärbung besonders das Augenmerk auf 
eine Affektion des Pankreas lenken: Sialorrhoe, Fett-Diarrhoe, Verminderung des 
Indikans, der Ausfall der Salolprobe, Glykosurie. 

Für die Entstehung der Pankreatitis kommt ätiologisch in Betracht eine 
Infektion der Drüse auf dem Wege des Ductus Wirsungianus vom Darm her 
oder die Läsion durch benachbarte Organerkrankungen (Ulcus ventriculi) oder 
schliesslich eine Entzündung des Drüsengewebes infolge von Allgemeininfektion. 
Der Ausgang des Prozesses ist der in Resolution oder Abscedierung, bei chro¬ 
nischem Verlaufe auch in Cirrhose des Oigans. Ferner findet sich am Pankreas 
ein ähnlicher Prozess wie beim Ulcus ventriculi: Gefässthrombose, Nekrose, Auto¬ 
digestion, Hämorrhagieen je nach dem Kaliber des eröffneten Qefässes. Die 
Diagnose gegenüber Gallensteinkolik und Appendicitis stösst oft auf Schwierig¬ 
keiten. M. Cohn (Kattowitz). 

Vailtement, A.: De Fanärrysme de l’aorte abdominale. (Gaz. hebd. des scienc. 

mäd., Nr. 45.) 

Verf. berichtet über die erfolgreiche Behandlung eines Aortenaneuiysmas 
mit subkutanen Gelatineinjektionen. Im ganzen wurden drei Injektionen gemacht 
(1—1,2 %) mit je 8tägigen Intervallen und zwar in der fossa iliaca. Die Injektionen 
führten jedesmal zu sehr heftigen febrilen Reaktionen. Ihre Heftigkeit stieg am 
folgenden Tage. Immer bestanden Schmerzen im Unterleibe und in den unteren 
Extremitäten. Die fast nicht fühlbaren Pulsschläge der Aorta wurden nur noch 
bei aufmerksamster Betrachtung sichtbar, während früher nicht einmal die Ent- 
blössung der regio epigastrica notwendig war. Bei Beginn der Behandlung 
fühlte man die Schläge in einem Raum von 16 cm Länge und 9 cm Breite, einen 
Monat später nur noch von 3 cm Länge und 2 cm Breite. Das Katzenschnurren 


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war faat ganz verschwunden. Am Tage der dritten Injektion war das Geräusch 
sehr viel weniger stark, beschränkter und nur in dem Verlauf der Arterie ver¬ 
breitet, ungefähr 2 cm unterhalb des Proc. xiphoid. Acht Tage später fand man 
es nur nodi an der Stelle des Aneurysmas. Das Körpeigewicht hatte keinerlei 
Schwankungen aufzuweisen. Innerlich waren dem Patienten Brom- und Jodsalze 
verabreicht in schwachen Dosen. v. Boltenstern (Leipzig). 

Burow: Beitrag zur Kasuistik der tuberkulösen Ptenro-Perftonitiden. (Wratschebnaja 

Gazette, 42.) 

Verf. schildet 7 Fälle von reiner bezw. komplizierter tuberkulöser Peritonitis, 
die folgende charakteristische Eigentümlichkeiten darboten: 1) Fehlen von auf¬ 
fallenden subjektiven Erscheinungen (Schmerzen, Brustschmerzen, Husten); 2) voll¬ 
ständig latente Entstehung des Peritoneal- bezw. Pleuralexsudate: das bedeutende 
Exsudat, das sich im Peritonealraume vorfand, schien nicht im mindesten un¬ 
günstig auf den Allgemeinzustand des Kranken einzuwirken; in dem einen Falle, 
der mit auffallend beschleunigter Pulsfrequenz einherging, wurde der Puls bald 
nach der Bildung des Exsudate bedeutend seltener, und zwar betrug er 100-95-90 
Schläge in der Minute statt 110—120—130; diese interessante Erscheinung erklärt 
Verf. durch Reflex auf die Herzäste des Nervus vagus von Seiten des durch das 
Exsudat gedehnten Peritoneums; infolgedessen wurde der Puls wieder frequent, 
sobald das Exsudat zu verschwinden begonnen hatte; 3) Neigung des Pleural¬ 
und Peritonealexsudate zur Resorption trotz zunehmender Verschlimmerung des 
Allgemeinzustandes des Kranken. Die Neigung zur Resorption ist also für die 
Prognose keineswegs ais ein gutes Zeichen aufzufassen. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Pernot, L: Sur le traftement de la päritonMe tuberculeuse chroniqne. Laparotomie! 
rdpdtdes. (Thlse de Paris. Gazette des höpitaux, Nr. 138.) 

Merkt man, dass bei einer tuberkulösen Peritonitis die Erscheinungen auf 
interne Behandlung hin nicht rasch zurückgehen, so soll man mit einem chirur¬ 
gischen Eingriff nicht zögern. 

Die Laparotomie erzielt glänzende Resultate bei der asdtischen Form der 
Peritonitis tuberc., weniger günstige bei der fibrösen und käsigen Form. Genügt 
die erste Laparotomie nicht, um den Fortschritt der Krankheit aufzuhalten, so 
schreite man ruhig zur Wiedereröffnung des Peritoneums, so oft dies der Fall 
erfordert. Besonders bei der käsigen Form der Peritonitis sind wiederholte Peri¬ 
tonealeröffnungen nötig. 

Weiterhin wird die Wirkungsweise der Laparotomie besprochen, wobei 
nach Verf. die Entleerung des Ascites »und der in ihm gelösten Gifte« von 
Wichtigkeit ist M. Cohn (Kattowitz). 

Pallaske: Zur Therapie der Nephritis acuta. (Therapie der Oegenwart, Nr. 12.) 

Bei der Behandlung der Nephritis acuta kommt es darauf an, durch hydro¬ 
therapeutische Massnahmen (heisse feuchte Packungen, heisse Bäder) einen starken 
Schweissausbrauch zu erreichen suchen. Gelingt dies nicht, so ist der chi¬ 
rurgische Eingriff, welcher in Punktion des Hydrops und des Anasarka besteht, indi¬ 
ziert Die Nierenthätigkeit steht in einem bestimmten Verhältnis zu dem jeweiligen 
im Abdomen herrschenden Drucke, und so ist in der Punktion des Hydrops 
geradezu das beste Diuretikum zu sehen. Die Punktion des Ascites ist nicht 
so lange aufzuschieben, bis sie unumgängliche Notwendigkeit wird, sondern 
sobald der Erguss in halbliegender Stellung bis an den Nabel reicht Nach der 
Punktion wirkt eine einige Tage lang eingeleitete Digitalistherapie vorzügliche 
Dienste. Bei Beobachtung dieses Heilverfahrens sah P. schon von anderer Seite 
aufgegebene Fälle genesen, Hagenberg (Qöttingen). 


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Siafowjerow, 0. F.s (Jeher die Harnausscheidung bei hereditär-syphilitischen Kindern. 

(Petersburger Dissertation. Wratsch, Nr. 49.) 

Verf. hat bei 11 hereditär-syphilitischen Kindern quantitative Untersuchungen 
des Harns vorgenommen und ist zu folgenden Schlüssen gelangt: Die tägliche 
Harnquantität ist geringer als in der Norm, nimmt aber während der Behandlung 
allmählich zu, wobei die Harnquantität rascher zunimmt als das spezifische Ge¬ 
wicht des Harns. Letzteres ist bei hereditär-syphilitischen Kindern verhältnis¬ 
mässig hoch und nimmt unter dem Einflüsse der Behandlung ab. Vor der Be¬ 
handlung ist der Harn stets intensiver gefärbt als während der Behandlung. Die 
Ausscheidung des Harnstoffs ist gesteigert, nähert sich aber unter dem Einfluss 
der Behandlung der Norm; die gesteigerte Ausscheidung des Harnstoffs wird 
nach dem Autor durch eine gewisse innere Ursache, welche weder mit dem 
Alter noch mit der Ernährung in Zusammenhänge steht, bedingt. Die Harnsäure 
wird in viel grösserer Quantität als im Harn normaler Kinder ausgeschieden, 
nimmt aber bei spezifischer Behandlung rasch ab. Die Oesamtstickstoffmenge, 
die mit dem Harn zur Ausscheidung kommt, ist vergrössert, nimmt aber bei der 
Behandlung ab. Die CI- und P,0 5 -Mengen übersteigen die Norm gewöhnlich 
nicht, während die SOj-Menge häufig vor der Behandlung höher ist als in der 
Norm und während der Behandlung abnimmt. Es folgt aus diesem Ergebnis, 
dass bei hereditär-syphilitischen Kindern nicht nur die Oxydation innerhalb des 
Oewebes gesteigert, sondern dass der Zerfall der Gewebszellen sehr stark ist, 
wobei letzterer Prozess energischer vor sich geht als der erstere. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Lereboullet, P.: De l’ätat du särum et des urines dans Hetäre simple du nouveau-nä. 

(Gaz. hebd. de m£d. et de chir., Nr. 93.) 

Bei Neugeborenen mit einfachem Ikterus ergiebt die Serumuntersuchung 
immer die Anwesenheit von Gallenpigmenten in beträchtlicher Menge. Es handelt 
sich also um hepatogenen Ikterus. Die Forschung nach Gallenpigmenten im Urin 
giebt nichtsdestoweniger auch bei Anwendung der Salkowski’schen Reaktion 
sehr oft negative Resultate. Die Haycraft’sche Reaktion ist mitunter leicht 
positiv, verrät wahrscheinlich den Uebergang von Oallensäuren. Dieselbe Er¬ 
scheinung aber beobachtet man bei Neugeborenen unter dem Einfluss sehr ver¬ 
schiedener, oft geringster, pathologischer Ursachen. Die fast konstante Acholurie 
erklärt sich wahrscheinlich durch eine Zurückhaltung von Gallenpigmenten im 
Niveau der Niere, ohne Zweifel abhängig von noch unvollständiger Funktion der 
Niere bei Neugeborenen, die genaue Art dieser aber ist gegenwärtig noch nicht 
bekannt v. Boltenstern (Leipzig). 

Guedea y Calvo: Milz-Exstirpation bei Malaria. (Aus dem Spanischen.) (fl Siglo 

mddico, Oktober.) 

Eine gut genährte 26 jährige Frau mit ständigem Wohnsitz in einer Fieber¬ 
gegend bemerkte seit 2 Jahren eine Geschwulst im Leibe, welche sie arbeits¬ 
unfähig machte. Es handelte sich um die kolossal vergrösserte Milz, welche die 
ganze linke Abdominalhälfte einnahm und in der Nabelgegend noch handbreit die 
Mittellinie überragte. Die Geschwulst war hart und noch gut beweglich. Im 
Urin fand sich kein Eiweiss, auch die Leber war nicht vergrössert. Da auch im 
Blut keine Leukocytämie gefunden wurde, hielt Verf. die Exstirpation der Milz 
für indiziert Nur die Lösungen von Adhäsionen an der Zwerchfellfläche, sowie 
die Unterbindung des Stieles machten Schwierigkeiten. Das entfernte Organ wog 
37t Pfund. Der Wundverlauf war glatt; die Kranke wurde wieder arbeitsfähig, 
bekam jedoch in gleichen Perioden wie früher ihre Fieberanfälle. 

Die Operation ist nur erlaubt, wenn Malaria-Kachexie fehlt, wenn Amyloid 
der Leber und Nieren ausgeschlossen werden kann und keine hochgradige 


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Leukocytose besteht Die Ausserachtlassung der letzten Regel hat manchem 
Kranken infolge unstillbarer Blutung bei der Operation das Leben gekostet 
Hochgradige Verwachsungen mit den Dünndarmschlingen machen die Exstirpation 
unmöglich. 

Die Mortalitätsziffer ist seit 1896 von 28% &uf 11% gesunken; zu fürchten 
sind noch immer, mit der Orösse des Tumors zunehmend, Schock und hyposta¬ 
tische Pneumonie. Die Empfänglichkeit für die Malaria-Parasiten wird durch die 
Entfernung der Milz in keiner Weise verändert A. Berliner (Berlin). 


Körmöczi, F.: Kann die Diagnose der Anämia perniciosa ans dem hiraatologischefi 
Bilde festgestellt werden? Aus d. VII. ärztlichen Abteilung des Stephansspitals 
in Budapest (Primarius: Doz. Dr. Karl Hoch halt). (Deutsdie med. Wochenschr., 

1902, Nr. 1.) 

Nach Ehrlich kann man aus dem hämatologischen Bilde die Diagnose 
der pemidösen Anämie stellen und zwar aus dem megaloblastischen und dem 
makrocytischen Typus des Blutes. K.’s hämatologische Studien bei 14 Fällen von 
pemiciöser Anämie, von denen 5 zur Autopsie gelangten, führen zu einem nicht 
ganz mit der Ehrlich’schen Lehre übereinstimmenden Resultate. 

Der hämatologische Befund weicht in manchen Fallen von Anämia perniciosa 
nicht von dem der sekundären Anämie ab, doch zeigt das Knochenmark bei post¬ 
mortaler Untersuchung auch in solchen Fällen reichlich Megaloblasten. 

Megalocyten wie Makrocyten finden sich oft bei pemiciöser Anämie, doch 
kommt ihnen eine beweisende Kraft erst dann zu, wenn der übrige klinische Be¬ 
fund ebenfalls darauf hinweist. Hagenberg (Göttingen). 

Rost, L: Ueber Eisentherapie, mit Bemerkungen über die »Eiseneier«. (Therapie der 

Gegenwart, Nr. 8.) 

R. hat die mit grosser Reklame auf den medizinischen Markt gebrachten 
»Eiseneier«, d. h. eisenhaltige Eier, welche durch zweckentsprechende Fütterung 
der Hühner gegenüber den gewöhnlichen Eiern eine vermehrte Menge Eisen ent¬ 
halten sollten, auf ihren Wert geprüft und konnte dabei feststellen, dass die An¬ 
gaben des betreffenden Fabrikanten betreffs des vermehrten Eisengehaltes nicht 
stimmten. Hagenberg (Oöttingen). 

Adler, 0.: Weitere Mitteilang über biologische Untersuchungen von natürlichem Eisesi- 
wasser. (Deutsche med. Wochenschrift, Nr. 52.)] 

Die Arbeit bringt eine Fortsetzung der in Nr. 26, 1901 der Deutschen med. 
Wochenschrift mitgeteilten Untersuchungen über die biologischen Eigenschaften 
von natürlichem Eisenwasser, dass nämlich eisenspeichemde Organismen an der 
mangelnden Haltbarkeit der Eisenwässer einen wesentlichen Anteil haben. Eine 
weitere Reihe von Untersuchungen, die sich auf die verschiedensten Eisenwässer 
Europas erstreckt, bringt eine Bestätigung dieser Thatsache. Als wirksames Mittel 
zur Verhinderung der Bakterienentwicklung hat sich eine Sterilisation des Eisen¬ 
wassers bei einer Temperatur bis zu 60° erwiesen. Hagenberg (Göttingen). 

Werigo u. Jegunow: Das Knochenmark als Bildungsort der weissen Blutkörperchen. 
Mit einer Einleitung von Werigo. Aus dem physiolog. Laboratorium der Univ. 

Odessa. (Pflügeris Archiv, Bd. 84, S. 451.) 

In der Einleitung stellt Werigo den Inhalt seiner früheren Arbeiten zu¬ 
sammen ; welche die vorliegende Untersuchung veranlassten und welche kurz zu¬ 
sammengefasst folgendes Ergebnis zeitigten: Auf Einspritzung von bakteriellen 
Kulturen (Kulturen und abfiltrierte Kulturflüssigkeit) in die Blutbahn folgt eine 


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durch Wanderung der Leukocyten in die Organe veranlasste Abnahme der Leuko- 
cytenzahl mit einer sekundären Vermehrung derselben im Blute, also eine Be¬ 
einflussung der Leukocyten nach zwei Richtungen. Bei Verwendung von Hühner¬ 
cholerakulturen beim Kaninchen fällt die sekundäre Vermehrung der Blutkörperchen 
fort durch zunehmende Ansammlung derselben in den Organen. Die Riesenzellen 
des Knochenmarkes lassen dabei Erscheinungen beobachten, welche darauf deuten, 
dass sie durch Knospung die Neubildung der Leukocyten bewirken. W. glaubte 
die Erscheinung so erklären zu können, dass die Leukocyten in den Organen als 
den Stätten verlangsamter Blutströmung einen erfolgreicheren Kampf (durch Phago- 
cytose) gegen die Eindringlinge führen können und dass gleichzeitig das schäd¬ 
liche Agens einen chemisdien Reiz auf das Knochenmark ausübt, durch welchen 
dasselbe zur vermehrten Herausbeförderung von Leukocyten angeregt wird. Die 
Klarstellung der Frage, ob das Knochenmark als Stätte der Herkunft der Leuko- 
cyten anzusehen ist, hat die vorliegende Untersuchung von W. und J. veranlasst 
Es wurde hier nur die physiologische Seite der Frage geprüft indem durch Zäh¬ 
lung ein methodischer Vergleich der Leukocyten von arteriellem und Knochen- 
maricvenenblut angestellt wurde. Die Untersuchung förderte ein für die ge¬ 
schilderte Annahme W.’s positives Ergebnis, d. h. die intravenöse Einverleibung 
von Bakterien oder Toxinen regt das Knochenmark zu einer erhöhten und darin 
sich äussemden Thätigkeit an, dass die polymorphkernigen Leukocyten »anfalls¬ 
weise«, in grosser Zahl herausbefördert werden. Im Maximum kann ihre Zahl in 
den Knochenmarkvenen das 20— 50fache der Zahl im arteriellen Blut betragen. 
Ungleich weniger hoch ist die Zahl der mononukleären Leukocyten, weiche in 
ihrem Auftreten gegenüber den polymorphkernigen eine gleichmässigere Kurve er¬ 
geben. Einen geringen und ungleichmässig verlaufenden Aufstieg hat auch die 
mechanische Knochenmarksreizung durch Durchtrennung des Knochens zur Folge. 
— Die histologische Seite der Frage soll in einer in Aussicht gestellten Arbeit be¬ 
handelt werden. Szubinski (Göttingen). 


Bruno, J. (Heidelberg): Ueber Morbus Addisonli. (Münch, med. Wochenschr., 1902, 

Nr. 4.) 

B. teilt 2 von ihm beobachtete Fälle von Addison’scher Krankheit mit, 
deren Erscheinungsweise und Verlauf keinerlei Abweichungen von dem typischen 
Verhalten zeigten. In beiden Fällen bestand gleichzeitig Lungentuberkulose. Bei 
dem zweiten Patienten prüfte Verf., einer von Neusser gegebenen Anregung 
folgend, die Giftwirkung des Blutserums auf Frösche, denen die Nebennieren ex- 
stirpiert waren, ohne jedoch gegenüber der des normalen Blutserums wesentliche 
Differenzen zu erhalten; vielleicht ist dieses negative Resultat aber darauf 
zurückzuführen, dass die Erkrankung keinen schweren Verlauf nahm und Zeichen 
einer schweren Autointoxikation nicht vorhanden waren. 

Schade (Göttingen). 

Viollet: L’extrait de capsule surrdnale et ses däriväs; leur emploi et leurs eff cts. 

(Gazette des höpitaux, 1902, Nr. 4.) 

Uebersicht über die praktischen Anwendungsformen des Extraktes der 
Nebenniere. (Adrenalin.) M. Cohn (Kattowitz). 


Leo, H.: Zur Phosphorbehandlung der Rachitis. Aus der med. Poliklinik der Univ. 
Bonn. (Therapie der Gegenwart, Nr. 12.) 

Bei zwei rachitischen Kindern der poliklinischen Praxis traten nach Phosphor¬ 
gaben (0,1:10,0 2 mal tägl. 10 Tropfen) Vergiftungserscheinungen auf, die zum 
Tode führten. In dem einen Falle wurde die Diagnose Phosphorvergiftung durch 
die Sektion bestätigt, bei dem zweiten Kinde wurde die Autopsie verweigert. 


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Diese traurigen Erfahrungen sowie die Beobachtung, dass der Heilerfolg der 
Phosphorbehandlung bei der Rachitis durchaus kein glänzender ist, haben L zu 
einem Qegner einer ausgiebigen Phosphorbehandiung gemacht. Bei der Rachitis 
sind die bekannten diätetisch-hygienischen Massnahmen in den Vordergrund zu 
stellen, welche auch meistenteils schon genügen. Tritt hierbei keine Besserung 
ein, so ist ein Versuch mit Phosphor indiziert, welcher dann aber in ge¬ 
ringerer Dosis, etwa in einer 0,001 %ig*n Lösung (2 mal tägl. 10 Tropfen) zu 
reidien ist. Hagenberg (Göttingen). 


Singer, H. (Elberfeld): Ueber Aspirin. Beitrag znr Kenntnis der Salicylwirkung. 

(Pflügeris Archiv, Bd. 84, S. 527.) 

In mehreren Versuchsreihen (4 am Menschen, die übrigen am Hund und 
Kaninchen) prüfte Verf. den Einfluss des Salicyls auf die Urinausscheidung und -Zu¬ 
sammensetzung. Im einzelnen kommt er zu folgenden Ergebnissen: 

a) Die Urin menge erfährt keine Steigerung. Der von anderen Autoren be¬ 
obachtete diuretische Effekt wäre also mit Aufrecht als ein sekundärer 
durch Einleitung der Resorption von Exsudaten aufzufassen. 

b) Die Gesamtmenge der Trockensubstanz erfährt eine Zunahme. Der 
Aufstieg der Kurve ist ein bezüglich der Steilheit wechselnder und wahr¬ 
scheinlich infolge individueller Verschiedenheit schwankender. Der Abfall 
geht nur langsam vor sich. Die Höhe des Wertes ist abhängig von der 
gereichten Nahrung und erreicht das Maximum bei vorwiegender Fleischkost. 

c) Bezüglich des Eiweissumsatzes glaubt Verf. schliessen zu können, dass 
toxische Gaben die inneren Oxydationsvorgänge anwachsen lassen, arznei¬ 
liche Gaben jedoch den Oesamtstoffwechsel trotz einer eventuell erhöhten 
Eiweissumsetzung nicht über die Norm vergrössem. Denn Versuche am 
Reignault-Reiset’schen Apparat ergaben eine Abnahme des O-Umsatzes 
durch arzneiliche, eine Steigerung durch toxische Gaben. Jedenfalls ist die 
beobachtete Mehrausscheidung an N nur zu Vf erklärt durch die Salicyl- 
Stickstoffverbindung (Salicylursäure) und den Hamsäure-N. 

d) Vermehrung erfahren die Leukocyten und die Harnsäureausschei¬ 
dung. Die zu der gereichten Kost in einem Abhängigkeitsverhältnis stehende 
Harnsäureausscheidung erreicht um so höhere Werte, je niedriger sich der 
Normalwert der Vorperiode stellt. Während der Nachperiode fällt die Ham- 
säureausscheidung um ein Bedeutendes herab. Die Xanthinbasen bleiben 
nach den Ergebnissen des Verf.’s durch das Salicyl unbeeinflusst, und zwar 
ist ihr Wert auch in der mit beträchtlichem Absinken der Hamsäureziffer 
verbundenen Nachperiode nicht verändert, sodass Verf. der von anderer 
Seite aufgestellten Annahme einer vikariierenden Stellvertretung nicht bei¬ 
stimmen kann. 

e) Unbeeinflusst bleibt endlich die Ausscheidung des Urobilins, der Phosphate 

und der Aetherschwefelsäuren. Szubinski (Göttingen). 


Newton Heinemann, H. (New-York): Experimentelle Untersuchung am Menschen über 
den Einfluss der Muskelarbeit auf den Stoffverbrauch und die Bedeutung der einzelnen 
Nährstoffe als Quelle der Muskelkraft Aus dem tierphysiol. Institut der Kgl. land- 
wirtschaftl. Hochschule zu Berlin. (Pflügeris Archiv, Bd. 83, S. 441.) 

Die Untersuchungen bezwecken die Vervollständigung der bekannten 
Zuntz’schen Arbeiten, durch welche unter Berücksichtigung der Stickstoff- 
ausscheidung Sauerstoffaufnahme und Kohlensäureausscheidung ruhender und 
arbeitender Tiere gemessen wurde, und aus welchen hervorging, dass die frei¬ 
wordene Energiemenge von der Art der dargereichten Nahrung unabhängig ist, 
dass — hierauf kam es an — die Annahme Chanocau’s, das Fett werde zu 


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KohJenhydrat umgewandelt, ehe es für die Muskelthätigkeit zur Verwendung 
komme, nicht haltbar 9ei. Verf. untersuchte also nach dem Zuntz’schen Prinzip 
den respiratorischen Oaswechsel eines Arbeiters unter verschiedener Ernährungs¬ 
weise sowohl in der Ruhe wie bei gemessener Arbeit am Ergostaten unter Be¬ 
rücksichtigung des N-Umsatzes (von dem Fäces-N wurde abgesehen). Für jeden 
Versuch wurde diejenige Wärmemenge berechnet, welche der Menge des für 
1 mkg Arbeit gebrauchten Sauerstoffes entsprach. Das Fett erwies sich in Ueberein- 
stimmung mit früheren Arbeiten aus dem Zuntz’schen Laboratorium als die beste 
Kraftquelle des thätigen Muskels. Eine Bestätigung der Chanocau’schen Hypo¬ 
these liess sich nicht finden. Szubinski (Döttingen). 


Dräne, C F. u. Price, T. M.: Die Verdaulichkeit roher, pasteurisierter und gekochter 
Milch. (Landwirtschaftliche Versuchsstation Maryland, Augustheft, nach Referat in 

der Milchzeitung, S. 711.) 

ln sehr eingehenden Versuchen weisen die Verff. nach, dass für Kälber 
rohe Milch leichter verdaulich ist als pasteurisierte oder gekochte, dass gekochte 
Milch oft Verdauungsstörungen und Durchfall erzeugt. Diese Beobachtung stimmt 
mit der Ansicht der Mehrzahl der amerikanischen Kinderärzte überein, die für 
Säuglinge rohe Milch empfehlen, sobald sie in tadetloser Form geliefert werden 
kann, und vom dauernden Genuss gekochter oder sterilisierter Milch entschieden 
abraten. Ist Milch nicht ganz einwandsfrei, so soll sie nur pasteurisiert werden. 

Cronheim (Berlin). 


Speck, C: Ueber die Beziehungen des Sauerstoffs zum gesunden und kranken Organis¬ 
mus. (Therapie der Gegenwart, Nr. 9.) 

Gegen die noch vielfach vertretene und manchem Heilverfahren zu Grunde 
gelegte Ansicht, dass man im stände sei, durch Nahrungszufuhr oder durch eine 
veränderte Lungenventilation unseren Stoffwechsel zu ändern, wendet sich Sp. 
auf Grund seiner seit Jahrzehnten angestellten gasanalytischen Untersuchungen 
und stellt den Satz auf, dass man dem lebenden Körper den Sauerstoff in jeder 
Menge, in jeder Konzentration bieten kann, dass aber dadurch an seinen Oxy¬ 
dationsvorgängen nichts geändert wird. Durch eine veränderte Lungenventilation, 
sei sie verstärict, sei sie vermindert, lässt sich wohl auf einige Minuten in dem 
Vorrat des Körpers an gelösten Gasen eine Aenderung, aber ohne Beeinflussung 
der Oxydationsvorgänge hervorbringen. Erst bei einem Gehalt an Sauerstoff der 
Luft unter 10% sinkt die Sauerstoffaufnahme; die Kohlensäureproduktion wird 
dadurch aber nicht beschränkt, so dass ein Teil dieser Kohlensäure auf Kosten 
des fest gebundenen Sauerstoffs der Gewebe gebildet sein muss. 

Die Beobachtung, dass bei Sauerstoffmangel ein gesteigerter Zerfall von 
N-haltigem Material eintritt, ist richtig, aber die Bedingungen, unter denen man 
sie beobachtete, waren künstlich geschaffene und würden eventuell bei Luft¬ 
schiffern und dergl. Personen in Betracht kommen können. Ueberdies sind die 
Vorrichtungen zur Sauerstoffversorgung von der Natur so reich getroffen, dass 
nur unter ganz ungewöhnlichen Umständen ein solcher eintreten kann. Durch 
Ueberanstrengung einer einzelnen Muskelgruppe lässt sich zwar eine lokale Sauer¬ 
stoffart hervorrufen. Der bei einer Kraftleistung zuerst im Organismus eintretende 
Vorgang ist eine Abspaltung fertiger Kohlensäure und darauf weitere Oxydation 
des Spaltrestes. Wenn nun hierzu der nötige Sauerstoff fehlt, so wird von dem 
wasserstoffreichen Rest als reduzierendem Körper dem organisierten lebenden Ge¬ 
webe Sauerstoff entzogen und zerstört so dieses. Dieser Zerfall des organisierten Ei- 
weisses, der sich als vermehrte N-Ausscheidung kundgiebt, folgt anderen Qesetzen, 
als denen, nach welchen sich die Vorgänge bei der Verbrennung des zur Funktion 
dienenden, nicht organisierten Eiweissmoleküls abspielen, 


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Wie unter physiologischen Bedingungen, so auch unter pathologischen 
Verhältnissen. Der Sauerstoffapparat reicht für die Sauerstoffversorgung des 
Körpers vollkommen aus, und Sauerstoffmangel und die Hemmung von Oxydations¬ 
vorgängen dürfen daher nicht als Ursache solcher Zustande angesehen werden. 
Was durch die Funktion des Muskels als Heizmaterial gebraucht wird, zerfallt in 
seine vollständigen Endprodukte. Für die Entstehung der Harnsäure, Oxalsäure 
u. s. w. müssen wir eine andere Art der Entstehung annehmen, jedenfalls aber 
nicht durch eine gesteigerte oder mangelhafte Oxydation. Daher ist es auch falsch, 
dass man gewisse Krankheitsprozesse, die man auf die Anhäufung von 
dem Emährungsstoffwechsel entstammenden Produkten zurückführt, durch einen 
gesteigerten Stoffwechsel, durch Zufuhr leicht brennbaren Materials therapeutisch 
beeinflussen will. Hagenberg (Göttingen). 


Oker-Blom, M.: Tierische Säfte und Gewebe in physikalisch-chemischer Beziehung. 

III. Mitteilung: Die Durchlässigkeit der roten Blutkörperchen für verschiedene Stoffe, 
beurteilt nach der elektrischen Leitfähigkeit. (Pflügeris Archiv, Bd. 81, S. 167.) 

In früheren Untersuchungen hatte Verf. nachgewiesen, dass das elektrische 
Leitungsvermögen des Blutes nur dem Serum bezw. dessen Elektrolyten zukommt 
Es würde also bei Vermehrung der Zahl der Serum-Elektrolyte die Leitfähigkeit 
sich erhöhen, bei Verminderung derselben sinken. Fremde, dem Blut zugesetzte 
Elektrolyte müssten sich also der Beteiligung an der Stromleitung entziehen, 
sobald sie in die Blutkörperchen eindringen. Es ist daher möglich, durch Bestim¬ 
mung der Quotienten zwischen gefundenem und berechnetem Leitfähigkeitswert 
einen Anhalt zu gewinnen, ob die zugeführten Elektrolyte bezw. wie viel von ihnen 
in die Körperchen eingedrungen sind. Die in Betracht kommenden Stoffe wurden 
einmal im Serum, dann auch in Wasser gelöst dem Blute zugesetzt und zwar 
jedesmal in verschiedenen Konzentrationen. Hinsichtlich der Nichtleiter (geprüft 
wurden Harnstoff und Mannit) ergab sich, dass die Unterschiede im allgemeinen 
zu unbedeutend ausfielen, um bestimmte Schlussfolgerungen ziehen zu lassen. 
Bezüglich der Leiter stehen die Ergebnisse im Einklang mit denen von Hldin 
durch Gefrierpunktsbestimmungen gefundenen. Die wichtigsten dieser Resultate 
sind folgende: 

1. Kaliumchlorid, Kaliumsulfat und Magnesiumsulfat, in Serum aufgelöst und 
dem Blute zugesetzt, dringen unbedeutend in die Blutkörperchen ein. Am¬ 
moniumchlorid und Ammoniumsulfat dringen in grösserer Menge ein. 

2. Die drei ersteren Salze in Wasser gelöst dringen nur ein, wenn der osmo¬ 
tische Druck ihrer Lösung den des Serums übersteigt. Die beiden Ammonium- I 
salze in wässriger Lösung dringen dagen jedesmal in beträchtlichem Masse 
ein, ob sie sich in hyper- oder hypotonischer Lösung befinden. 

3. Die Sulfate dringen in kleinen Mengen rasch ein, zeigen aber eine Ab¬ 
nahme dieser Fähigkeit bei Erhöhung der Konzentration. Die Chloride 
zeigen dagegen ein gleichmässiges, mit der Konzentration in Parallelismus 
stehendes Eindringungsvermögen. 

4. Bei den Ammoniumsalzen in wässriger Lösung macht sich eine Einwirkung 
der Volumenzunahme der roten Blutkörperchen auf die Leitfähigkeit geltend, 
indem in den Leitfähigkeitskurven »Krümmungen« auftreten, deren Kuppe 
mit dem Lackfarbigweiden des Gemisches zusammenfällt. Das zeitliche Auf¬ 
treten derselben hängt in gewissem Grade von der Konzentration der Lö¬ 
sung ab, was nach der Ansicht des Verf.’s auf einen Widerstand gegen 
das Eindringen der fremden Elektrolyte deutet 

5. Bei den Salzen der ersten Gruppe kommt es zu einer Gleichgewichts¬ 
einstellung hinsichtlich der Leitfähigkeit erst nach 2—3 Minuten, während 


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nach Mischung mit Ammonhimchlorid in Wasser gelöst der Ausgleich sehr 
rasch einsetzt und nach 7t Minute beendigt ist. 

Szubinski (Göttingen). 


Qrawitz, L: Klinische Beobachtungen Aber plasmotrope Giftbildungen im Organismus. 
Aus der inneren Abi d. stadt Krankenhauses in Charlottenbuig. (Deutsche med. 

Wochenschr., Nr. 52.) 

Bei der Hämocytolyse sind 2 Vorgänge zu unterscheiden: 

1. Die Giftstoffe lassen die roten Blutkörperchen in der Blutbahn intakt, ver¬ 
nichten sie aber in der Leber, Milz und dem Knochenmarke, doch so, dass es 
nicht zu einer direkten Lysis mit Austritt von Hämoglobin in das Plasma 
kommt (körnige Degeneration der Erythrocyten). Diesen Prozess nennt G. 
»plasmatrope« Wirkung. 

2. Die Giftstoffe rufen eine direkte Auflösung der roten Blutkörperchen in der 
Zirkulation hervor =* Plasmolysis. 

Diese plasmotrope Wirkung ist typisch für die Bleivergiftung, ist aber von 
G. ferner bei Patienten beobachtet, welche an Blutungen im lntestinaltraktus 
litten (Ulcus ventric., Cardnom. u. s. w.). Diese Beobachtungen weisen darauf 
(rin, dass bei der Passage des Blutes durch den Verdauungskanal Giftstoffe sich 
bilden können, welche diese plasmotropische Wirkung ausüben. Zur Nachprüfung 
wurden daher Patienten Hämoglobinpräparate (Hämoglobineiweisszeltchen von 
Pfeuffer, Sanguinalpillen von Krewel, Hämol) gegeben, und es zeigte sich nach 
der Einnahme derselben eine deutliche körnige Degeneration der roten Blut¬ 
körperchen, die wieder mit dem Aussetzen der Präparate schwanden. 

Es ist anzunehmen, dass durch die Einwirkung der Faulnisbakterien sich 
aus dem Blute resp. den Blutpräparaten Stoffe mit giftigen Eigenschaften entwickeln. 
Der Wert dieser Mittel ist daher nach diesen Untersuchungen zum mindesten ein 
sehr zweifelhafter. Hagenberg (Göttingen). 


Nerkiig: Quantitative Bestimmungen über das Verhältnis des mit siedendem Wasser 
edrahierbaren Glykogens zum Gesamtglykogen der Organe. Aus dem physiol. 

Institut der Universität Bonn. (Pfüger’s Archiv, Bd. 85, S. 313.) 

Verf. erweiterte seine früheren, sich nur auf die Leber erstreckenden Ver¬ 
suche (im Centralblatt referiert) auf die Muskulatur und untersuchte Kalbfleisch 
und Hammelherz auf den nach Heiss wasserextraktion verbleibenden und durch 
Behandlung mit siedender Kalilauge aufschliessbaren Glykogenrest. Von dem 
Gesamtglykogen blieben nach Heisswasserextraktion zurück, waren also noch mit 
KOH zu gewinnen, vom Kalbfleisch 27,5 bezw. 33 %, von Herzmuskulatur 16,6 %. 

Szubinski (Göttingen). 


Nerting: Ueber die elementare Zusammensetzung und das Invertierungsvermögen des 
Glykogens. (Pfügeris Archiv, Bd. 65, S. 330.) 

Als Ausgangsmaterial diente aus frischem Pferdefleisch nach der von 
Pflüger und Nerking ausgearbeiteten Methode dargestelltes Glykogen, welches 
aschefrei war und einen Stickstoffgehalt von nur 0,026% besass. Nach drei gut 
übereinstimmenden Analysen glaubt Verf. mit Kekuld die Formel (C 6 H 10 O 6 )n 
für Glykogen aufstellen zu müssen. — Bezüglich des Invertierungsvermögens 
prüfte Verf. den Einfluss verschiedener unter einander äquivalenter Säuren wäh¬ 
rend verschiedener Wirkungsdauer und kam zu dem Schluss, dass die günstigsten 
Bedingungen für die Inversion in der Verwendung einer 2—2,2%igen Salzsäure 
bei einer Kochzeit von 3—5 Stunden bestehen. Aber auch hiermit können nur 


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95% des angewandten Glykogens invertiert werden; für das Defizit glaubt Verf. 
jedoch nicht, wie gewöhnlich angenommen wird, eine neben der Inversion einher¬ 
gehende Reversion anschuldigen zu müssen, sondern glaubt es als eine Folge der 
Zerstörung von Zucker durch die kochende Säure auffassen zu dürfen. 

Szubinski (Göttingen). 


Bendix, E. u. Bickel, A.: Kritischer Beitrag zur Lehre von der Glykolyse. Aus der 
med. Univ.-Klinik in Göttingen (Dir.: Geh. Med.-Rat Prof. Dr. W. Ebstein). 

(Deutsche med. Wochenschr., 1902, Nr. 1.) 

Bei den Versuchen über Glykose ist bislang eine Fehlerquelle nicht be¬ 
rücksichtigt worden, nämlich die Zerstörung bezw. Nachweisentziehung des Zuckers 
durch rein chemische (nicht fermentative) Prozesse. Der Alkalescenzgrad des 
Blutes bei Bruttemperatur genügt schon, eine Zerstörung des Zuckers herbeizu- 
zuführen. 0,2—0,5 wässrige Sodalösungen wirken in derselben Weise. Durch 
diese Thatsache wird besonders die Lehre Ldpine’s von der Olykolyse als eines 
enzymatischen Prozesses stark angezweifelt werden müssen. 

Hagenberg (Göttingen). 


Sabraz&s, J. et Bourret: Hdmaties k granulations basophiles dans r&npofeofuiement 
par l’extrait de Satnrne. (Gaz. hebd. des scienc. m£d., Nr. 39.) 

In einem Selbstmordversuche mit Bleiessiglösung, in welchem mit Arsen 
vergifteter Weizen geweicht war, erbrach der Patient alsbald nach dem Trinken 
einen grossen Teil der aufgenommenen Menge. Die alsbald herangezogene ärzt¬ 
liche Hilfe trug dazu bei, einen grossen Teil des im Magen gebliebenen Giftes 
zu neutralisieren und die Ausscheidung zu erleichtern. Die resorbierte Bleimenge j 
war ohne Zweifel nur unbedeutend. Jedenfalls genügt sie, Erscheinungen von ! 
Bleiintoxikation: Bleisaum, -koliken, Kopfschmerz hervorzurufen und namentlich 
das Auftreten von Normoblasten, basophilen, granulierten und polychromatischen 
Zellen im Blute. Gleichzeitig zeigte sich neutrophile polynukleäre Leukocytose. 

Die Erscheinung begann am 2. Tage. Die Vermehrung an Zahl hielt gleichen 
Schritt mit der Versdilimmerung der toxischen Erscheinungen, am 5. und 6. Tage. 
Dann nahm die Zahl progressiv ab, als schon die andern Bleisymptome ver¬ 
schwunden waren, ohne durch die Entwickelung von interkurrenten Masern beein¬ 
flusst zu werden. Die letztere rief eine beträchtliche Vermehrung der Zahl der 
neutrophilen polynukleären Zellen hervor. Die geringe Arsenmenge hat sicher 
keinen Einfluss auf dies Auftreten der granulierten Blutkörperchen gehabt. In 
zahlreichen Fällen einer intensiven Arsen- oder Kakodylsäuremedikation konnte 
eine derartige Erscheinung nicht konstatiert werden. 

Aus der Beobachtung geht einmal die elektive Rolle des Bleies für die 
Erzeugung basophiler granulierter roter Blutkörperchen hervor. Dann aber resul¬ 
tiert daraus, dass man, wenn man eine Bleivergiftung vermutet, nicht unterlassen 
darf, im Blut nach basophilen granulierten Blutzellen zu forschen. Ihre Anwesen¬ 
heit kann manchmal ein Symptom sein, welches die Bleiintoxikation offenbart 

v. Boltenstern (Leipzig). 


Variot, G.: Banger des gobelets d’ftain plombiftre. (Gazette des höpitaux, Nr. 126.) 

Verfasser macht auf die Gefahren aufmerksam, welche aus dem Gebrauch 
sog. Zinnbecher insbesondere bei Kindern entspringen. Er hat einen 4Vtjährigen 
Knaben in Behandlung, welcher ungewöhnliche paralytische Störungen aufweist 
Es handelte sich ohne Zweifel um eine toxische Polyneuritis. Der vorhandene 
Bleisaum liess eine Bleivergiftung vermuten. Als Ursache kam der ständige Ge¬ 
brauch eines Zinnbechers in Verdacht. Diesen bestätigte die Analyse des corpus 
delicti. Es fanden sich 14,8 % Zinn, 8,73 Antimon, 0,79 Kupfer und 75,68 % 


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Blei. Angestellte Versuche mit Weinsäurelösung ergaben einen 6 %igen Blei¬ 
gehalt der in dem Becher aufbewahrten Flüssigkeit. Es kann nicht zweifelhaft 
sein, dass saure Getränke, Limonaden u. a. eine beträchtliche Menge Blei auf- 
aefaraen können. Ausserdem haben Kinder die Gewohnheit, auf den Becherrand 
beim Trinken zu beissen. Jedenfalls werden grosse Bleimengen eingeführt und 
können zu schweren Vergiftungen führen. v. Boltenstern (Leipzig). 


Besprechungen. 

Mitteflangen ans den Hamburgiscfaen Staatskrankenanstalten. Bd. 3, H. 3, September. 

Kümmel bespricht in diesem Heft in Gemeinschaft mit früheren und 
jetzigen Assistenten das die Bauchchirurgie betreffende Krankenmaterial, welches 
in den letzten 57t Jahren im Eppendorfer Krankenhaus auf der chirurgischen 
Station in Behandlung kam. Es sind das weit über 1000 Bauchschnitte, an die sich 
194 mal Operationen am Magen, 528 mal solche am Darm, 182 mal an der Leber 
und den Gallen wegen, 2 mal solche der Milz, 8 mal des Pankreas anschlossen. 
127 mal wurde die Probelaparotomie ausgeführt, 60 mal wegen tuberkulöser, 27 
mal wegen eitriger Peritonitis operiert. Die noch übrigen Laparotomieen betrafen 
das gynäkologische Gebiet 

Nach einigen einleitenden Bemerkungen Kümmel’s bespricht Ringel die 
Chirurgie des Magens. Wegen Carcinoms wurde sehr oft die Resektion ausge- 
ffihrt, und die Operateure hatten die Freude, in 3 Fällen Dauererfolge von 2 Jahr 
5 Monat, 4 Jahren und 6 Jahren zu beobachten. Alle 3 sind noch am Leben. Die 
Gastroenterostomie wurde nur da angewandt, wo die Resektion aus irgend welchen 
Gründen unausführbar schien. Ringel spricht sich gegen die Ansicht Steudel’s 
aus, dass schon die Laparotomie an und für sich einen günstigen Einfluss auf 
intraabdominelle Carrinome ausübe. — Bezüglich der Diagnostik der Magen- 
carrinome meint Verf., dass wir uns meist in der Lage befinden, entweder mit 
einer Vermutungsdiagnose rechtzeitig zu operieren oder mit einer sicheren 
Diagnose den Augenblick der Operation zu verpassen. Die chemische Unter¬ 
suchung, die stets berücksichtigt wurde, ist oft sehr unzuverlässig; 18 von den 
58 an Magencarrinom Leidenden hatten noch nicht das Alter von 40 Jahren er¬ 
reicht »Bei dem heutigen Stande unseres diagnostischen Könnens muss der 
dringende Verdacht auf das Bestehen eines Magencardnoms die Indikation bilden 
zum operativen Eingreifen, zumal wenn organische Veränderungen — Stenose, 
Dilatation — vorhanden sind«. 

Wegen Ulcus ventriculi wurde 36 mal operiert. 11 mal sass das Ulcus an 
der Kurvatur, 6 mal war es perforiert, der Rest sind Pylorusgeschwüre. — Hierauf 
erwähnt R. noch kurz die wegen Oesophagusstenose ausgeführten Gastrotomieen. 
Wann dieselbe bei Oesophagnscardnom indiziert ist, darüber kann kein Schema 
aufgestellt werden, das muss vielmehr nach Lage jedes Einzelfalles bestimmt 
werden. Die Operation bezweckt nur die Linderung der Leiden dem Tode ge¬ 
weihter Menschen. 

Das Kapitel des Coecum-Cardnoms ist von Aichel bearbeitet. Dasselbe 
repräsentiert etwa ein Drittel aller Dickdarmkrebse. Aetiologie, pathol. Anatomie 
und Verlauf werden eingehend besprochen. Dass leider auch bei dieser Krankheit 
die Diagnose meist viel zu spät gestellt wird, dass eine sorgfältige Anamnese 
und Untersuchung bei anscheinend leichten Verdauungsstörungen auch hier 


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manches Menschenleben erretten könnte, beweisen die Krankengeschichten Ai che Ts 
auf das Eklatanteste. — Der Autor fügt ein grösseres Utteraturverzeichnis an. 

Hildebrand widmet einen besonderen Abschnitt des Buches dem ring¬ 
förmigen Cardnom des Dickdarms. Durch sein physikalisches Verhalten und die 
dadurch bewirkten Folgezustande verursacht es ein ziemlich charakteristisches 
Krankheitsbild. Seine Entstehung ist vermutlich auf die zirkuläre Anordnung der 
Lymphgefässe und die Neigung der Krebse, auf dem Lymphwege sich zu ver- 
grössem, zurückzuführen. Der Ringkrebs führt zu Stenoseerscheinungen schon 
zu einer Zeit, in welcher die eigentliche Geschwulstbildung nur wenig fortge¬ 
schritten ist Auffallenderweise kann H. über 15 Fälle bei Frauen gegen nur 
3 Fälle bei Männern berichten. Bei keinem Cardnom sind die Operationsresultate 
so günstig wie beim Ringcardnom. Die Hamburger hatten 6 mal Erfolg, wovon 
3 mal einen dauernden. 

Wieting schliesst hieran eine kurze Besprechung der sonstigen zur chro¬ 
nischen Stenose führenden Erkrankungen des Darmes, darunter je eine syphi¬ 
litische Stenose des ileum und des Jejunum. 

Der nächste grosse Abschnitt behandelt die chirurgischen Erkrankungen 
der Leber und der Gallen wege und hat Sud eck zum Verfasser. Von den 102 
Krankengeschichten betreffen 10 die Leber, 92 die Oallenwege. Das weibliche 
Geschlecht überwiegt enorm und unter ihnen stehen 69 Frauen nur 12 Jungfrauen 
gegenüber. Unter den Frauen ist eine ganze Anzahl, die zahlreiche Geburten 
durchgemacht haben. Dreimal lag Cholecystitis ohne Steinbildung vor. Die Hälfte 
der Fälle von Oallenblasen- und Cysticuserkrankung hatte niemals Ikterus gehabt. 
— S. giebt keine genaue Formel für die Indikation zur Operation; er steht im 
allgemeinen auf dem Standpunkt von Kehr, man solle nicht zu lange mit Operieren 
warten, da die Gefahren der Cholecystitis nicht zu unterschätzen seien. 

Tschirschwitz bringt Beiträge zur Chirurgie der Pankreaserkrankungen 
und Fettgewebsnekrose. Die besonders in Hambuig viel umstrittene Frage nach 
dem Zusammenhang der Fettgewebsnekrose mit einer Pankreasaffektion wird auch 
von ihm nicht endgültig beantwortet Die Bedeutung der Lösung dieser Frage 
für die Chirurgie schlägt er nur gering an. 

Thoenes kommt in der Besprechung der Dauerresultate der operativen 
Behandlung der tuberkulösen Peritonitis zu dem Schluss, dass für die Mehrzahl 
der trockenen Formen die Laparotomie als ein das Leben in hohem Grade ge¬ 
fährdender und meist nicht von Erfolg begleiteter Eingriff bezeichnet werden muss, 
günstiger sind ihre Aussichten bei der serösen Form. 

Im letzten hier interessierenden Abschnitt über Perityphlitis legt Scholz 
das Material der inneren Abteilung seit 1888 und das der chirurgischen seit 1895 
zu Grunde, im ganzen 850 Fälle von Appendicitis. Auf diese Weise erreicht er 
eine gute Mischung von leichten und schweren Fällen. Die Gesamtmortalitat be¬ 
trug 4,7 °/ # , die der Operierten 11,5 °f„. Sch. verwirft die Einteilung von Sonnen¬ 
burg nach den pathologischen Veränderungen, möchte .vielmehr auf Grund der 
klinischen Beobachtungen leichte, mittelschwere und schwere Fälle auseinander¬ 
halten. Das Gros der ersteren sind die, bei denen es sich um katarrhalische 
Veränderungen der Schleimhaut handelt; die grösste Anzahl der mittelschweren 
akuten Anfälle bilden die, welche mit Abscessbildung einheigehen; die schwerste 
Form endlich ist die, welche gleich im Beginne des Anfalls oder doch wenige 
Stunden hinterher mit den Zeichen schwerster septischer Intoxikation oder allge¬ 
meiner Peritonitis einhergeht. — Die weiteren eingehenden Darlegungen werden 
durch zwei vorzügliche Tafeln illustriert, die dem Ende des Bandes angefügt sind. 
Sie betreffen die pathologische Anatomie des Proc. vermif. 

Es war nicht leicht, im Rahmen eines Referates einen Begriff zu geben 
von der Fülle des Materials, das sich in diesem unter KümmeTs Leitung ent¬ 
standenen, für Chirurgen und Internisten gleich wichtigen Buche findet 

Hesse (Kissingen). 


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Straus und Rofanstefa: Die Blutzusammensetzung bei den verschiedenen Anlmieen. 
Morphologische Studien mit besonderer Berücksichtigung der Leukocyten. Berlin, 

Hirschwald 1901. 

In dieser Monographie besprechen die genannten Autoren den Unter¬ 
suchungsbefund von 141 Fällen von Anämie, wobei sie ihr besonderes Augenmerk 
auf das Studium der Leukocyten in Bezug auf deren Zahl und Form und daraus 
etwa zu ziehende diagnostische Schlüsse richteten. Der reiche Inhalt der Schrift 
erfordert eine genauere Besprechung. 

Was die Untersuchungsmethodik anbetrifft, so bedienten sich die 
Verff. der Färbung mit einem Gemisch von Rubin und Eosin mit Nachfärbung 
in Methylenblau. Für den Färbe-lndex wurde als Normalzahl 1,04 (Schwan¬ 
kungen von 0,96—1,17) gefunden. Die Leukocyten-Mischung war beim Ge¬ 
sunden eine derartige, dass 75,8 % auf die multinukleären, 24,5 % auf die uni- 
nukleären Formen entfielen. Bei den Erythrocyten beobachteten die Verff. zu¬ 
weilen Grössenunterschiede, unabhängig von Formveränderungen, ein Verhalten, 
das sie mit dem Namen »Anisocytose« belegen; diese betragt beim Normalblut 
nur etwa 1:1,3. 

Bei 23 Fällen von perniciöser Anämie ergab sich ein durchschnittlicher 
Hämoglobingehalt von 25 %, bei einem Färbeindex von 1,08, ein Zeichen, dass 
also die einzelne Blutscheibe nicht hämoglobinärmer geworden, sondern die 
niedrige Zahl für den Hämoglobingehalt lediglich der Ausdruck der Verarmung 
der Blutflüssigkeit an Blutkörpem ist. Die Zahl der letzteren belief sich im Mittel 
auf 1240000, in 3 Fällen betrug sie unter 500000. Die Leukocytenmenge war 
durchschnittlich gering, ihre Zusammensetzung im Mittel 52,5% multinukleäre, 
45,1 % uninukleäre. Poikilo- und Makrocyten fanden sich in jedem Falle, 
Erythroblasten waren nicht konstant; Myelocyten fanden sich in 4 Fällen. 

3 Fälle von Bothriocephalus-Anämie ergaben keine verwendbaren 
konstanten Befunde bezüglich der Leukocyten-Zusammensetzung; bemerkenswert 
war hier nur die reiche Zahl der kernhaltigen Erythrocyten. 

Bei sekundärer Anämie infolge Carcinoms ist Leukocytose keine 
konstante Erscheinung und ihr eventuelles Auftreten jedenfalls unabhängig vom 
Sitze des Cardnoms. Für die Leukocytenmischung fanden sich als Durchschnitts¬ 
werte: multinukleäre Formen 83,9%» uninukleäre 15 %. Mit Zunahme 
der Anämie und Kachexie steigt die Zahl der multinukleären. Poikilocytose war 
gering, dagegen ging die Anisocytose der Schwere des Falles parallel. In 2 Fällen 
(Care, ventric. resp. oesophagi) fanden sich Megaloblasten, bei der Obduktion 
fand sich rotes Knochenmark. Der Färbeindex betrug im Mittel 0,74; diese Oli- 
gochromämie tritt meist frühzeitiger und stärker zu Tage als die Verminderung 
der roten Blutkörper, deren Zahl durchschnittlich 2932000 betrug. 

Von sekundärer Anämie bei septischer Infektion wurden 10 Fälle 
untersucht. Charakteristisch ist hier eine meist vorhandene Vermehrung der multi- 
nukleären Leukocyten. ln 3 Fällen fanden sich kernhaltige rote Blutkörper, in je 
zweien Megaloblasten und Myelocyten. Anisocytose im Verhältnis von 1:3 fand 
sich in 9 Fällen. Der Hämoglobingehalt schwankte von 20—60 %. 

Bei sekundärer Anämie infolge chron. Tuberkulose ergab sich in 
einzelnen Fällen eine Leukocytose, die aber nicht an das Vorhandensein von Ca- 
vernen und hektischem Fieber gebunden ist. Die Mittelwerte der Leukocyten be¬ 
trugen für die multinukleären 80,8 %> für die uninukleären 17,2 %. Die Anzahl 
der roten Blutkörper schwankte zwischen 2200000—4800000; eine Beziehung 
zwischen der Zahl der Eiythrocyten und dem Stadium der Erkrankung besteht 
nicht Der Färbeindex war stark herabgesetzt. Anisocytose fand sich 6 mal, 
1 mal im Verhältnis von 1:4,2. 

Bei Anämie infolge von Lebererkrankungen notierten die Verff, 


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keine einheitlichen, bemerkenswerten Befunde bezüglich der Leukocyten. Der 
Färbeindex war auf 0,87—0,93 herabgesetzt. Anisocytose war besonders deutlich 
in einem Falle von cholämischen Coma (1:4); hier fanden sich auch Normo- 
blasten. 

Bei der Banti’schen Krankheit (primäre Splenomegalie, sekundäre 
Leberdrrhose, hochgradige Blässe, Neigung zu Blutungen) sahen St. und R. 
eine hochgradige Verminderung der Leukocyten bei prozentualer Vermehrung der 
Lymphocyten (— 59,5 %)• Ferner fanden sie hochgradige Anisocytose (1:4,6) 
und geringe Poikilocytose. Der Hämoglobingehalt betrug 35 bis 50 °/o, der 
Färbe-lndex war reduziert 

Posthämorrhagische Anämieen Hessen nur 2 mal Leukocytenver- 
mehrung, ebenso keinen einheitlichen Einfluss auf die Leukocyten-Zusammen¬ 
setzung erkennen. Die Anzahl der roten Blutzellen war grossen Schwankungen 
unterworfen; Anisocytose fand sich stets vor, in 4 Fällen auch geringgradige Poi- 
kilocytose. 4 mal zeigten sich Erythroblasten. Eine Herabsetzung des Hämo¬ 
globingehaltes (—20 %) Ist die Folge der eintretenden Verwässerung der Blut¬ 
flüssigkeit 

Versuche über die hier interessierenden Verhältnisse bei Pyrodin-Anämie 
stellten die Verff. an 2 Kaninchen an. Die Tiere erhielten 2 mal täglich 0,03 
Pyrodin subkutan. Schon nach 24 Stunden trat eine Vermehrung der Leukocyten 
auf, die 6—20 Tage dauerte und dann absank. Vermehrt waren die multinukleären 
Formen. Die Zahl der roten Blutkörperchen sank bis auf 1432000, um alsdann 
wieder anzusteigen. Anisocytose war beträchtlich; dagegen fanden sich nur spär¬ 
liche Poikilocyten und von kernhaltigen nur Normoblasten. Der Hämoglobin¬ 
gehalt und ebenso der Färbe-lndex waren herabgesetzt 

Für die Chlorose ist die hochgradige Herabsetzung des Färbe-lndex bis 
auf durchschnittlich 0,59 charakteristisch. Die Leukocyten waren nur in 1 Falle 
mässig vermehrt, Anisocytose war stets vorhanden. 

Von den Befunden bei sekundärer Anämie im Oefolge verschie¬ 
dener Krankheiten (Nephritis, Malaria etc.) möchte ich nur als interessant den 
bei einem Falle von Atropin-Vergiftung hervorheben; hier betrug der Färbe-lndex 
1,82, d. h. es fand sich ein abnormer Hämoglobin-Reichtum im Verhältnis zur 
Zahl der Blutkörper. 

Für die Diagnostik ergaben die erwähnten Untersuchungen das Resultat, 
dass sich idiopathische pemiciöse Anämieen von solchen infolge eines latenten 
Cardnoms durch die Durchmusterung der Leukocyten unterscheiden lassen; denn 
während bei ersteren sich die uninukleären Elemente vermehrt zeigen, sind es bei 
letzteren die multinukleären. Besonders Magencardnome lassen sich so diagnostisch 
von Achylia gastrica mit begleitender pemiciöser Anämie abgrenzen. Diese kon¬ 
stante Vermehrung der uninukleären Leukocyten bei pemiciöser Anämie erscheint 
auch deshalb wichtig, weil sich in der Litteratur mehrere Fälle von Uebergang 
einer pemidösen Anämie in lymphatische Leukämie beschrieben finden. Die Verff. 
stellen den Satz auf, dass bei der pemidösen Anämie ein formativer Reiz auf das 
cytogene Gewebe stattfindet, der sich zunächst allein oder am stärksten am lym¬ 
phatischen Gewebe des Knochenmarks, dann auch demjenigen des Darms und 
Magens und schliesslich, wenn auch weniger häufig und intensiv, an den Lymph- 
drüsen und der Milz bemerkbar macht; die lymphatische Leukämie ist also 
gewissermassen nur ein Excess dieses Prozesses. Wenn die von manchen Autoren 
vertretene Ansicht von der Entstehung der Erythrocyten aus uninukleären Leu¬ 
kocyten zu Recht besteht, so ist für die pemiciöse Anämie eine Hemmung dieser 
Umbildung anzunehmen; dafür später auch, dass sich zur Zeit von eintretenden 
Blutkrisen die Menge der einzelligen Leukocyten als verringert erwies. 

Es ergiebt sich ferner aus den beschriebenen Resultaten, dass sich Me- 
galoblasten nicht nur bei pemiciöser Anämie vorfinden, sondern auch bei 


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anderen schweren Anämieen auftreten können (Carcinom-Anämie, Coma cholae- 
micum, je 1 Fall von septischer und posthämorrhagischer Anämie). 

Bemerkenswert ist noch, dass die Verff. mit dem Serum eines an pemi- 
döser Anämie leidenden Patienten bei einem Kaninchen eine Vermehrung der 
uninuldeären von 29—45 °/ 0 , sowie einen Abfall der multinukleären Leukocyten 
von 71—55 •/• hervorrufen konnten. 

Anhangsweise werden noch die basophilen Körnungen in den Eiy- 
throcyten besprodien. Sie können durch Kemzerfall entstehen, indes ist ihr ge¬ 
häuftes Auftreten das Zeichen einer Degeneration der Blutscheiben. In 2 Fällen 
von pemidöser Anämie beobachteten die Verff. das Auftreten von diffus ge¬ 
färbten oxyphilen Leukocyten, eine Anomalie, die vielleicht auf Imbibition 
dieser Elemente mit Hämoglobin zurückzuführen ist M. Cohn (Kattowitz). 


Stranss: Die chronischen Nierenentzündungen in ihrer Einwirkung auf die Blutflüssig¬ 
keit und deren Behandlung. Nach eigenen Untersuchungen am Blutserum und an 
Transsudaten. Berlin, Aug. Hirschwald, 1902. 

Die Frage nach der Art und Menge der Retentionsprodukte im Blute bei 
Nephritis und Urämie besitzt ein weitgehendes Interesse, das zumal durch die 
Beobachtungen der letzten Jahre über den erhöhten osmotischen Druck im 
nephritischen Blutserum noch gestiegen ist; es dürfte daher die vorliegende Mono¬ 
graphie von Strauss, welche sich auf zahlreichen Untersuchungen über diesen 
Gegenstand am Blutserum und an Transsudaten von Nephritiskranken aufbaut, 
einer grossen Leserzahl gewiss sein. 

Strauss konnte zu seinen Untersuchungen das grosse Material der 
III. Charite-Klinik verwenden. Er beschreibt am Eingänge seiner Arbeit seine 
Methode, welche darin bestand, dass das durch Venaepunktion gewonnene Blut 
auf Eis gestellt wurde, bis sich die Trennung des Blutlmdiens von dem Serum 
vollzogen hatte; in letzterem wurde alsdann das spezifische Gewicht, der N-Ge¬ 
halt, der Retentions-N, der Harnsäure- und Ammoniakgehalt, /f, der NaCl-Gehalt, 
die Toxidtät und in einzelnen Fällen auch der Zuckergehalt bestimmt. 

Die Bestimmung der N-haltigen Retentionsstoffe geschah nach Ent- 
eiweissung des Serums durch den Kjeldahl’schen Apparat. Die Ergebnisse 
dieser Untersuchungen waren die folgenden: 

Die Menge des Retentions-N betrug bei chron. interstit Nephritis 
im Blute im Mittel 82,2 mg (auf 100 ccm Serum), bei Urämie 129,7 mg, in Trans¬ 
sudaten im Mittel 84,8 mg. Bei chron. parenchymat. Nephritis war als Mittel¬ 
zahl für das Blut 39,7 mg, bei vorhandenen urämischen Erscheinungen 62,3 mg 
Retentions-N zu verzeichnen, in Transsudaten 27,5, resp. bei Urämie 52,5 mg. Bei 
Uebergangsformen von Nephritis enthielt das Serum im Durchschnitt 51,0 mg, 
bei Urämie 120,3 mg, die Transsudate 47,5 mg Retentions-N. 

Es ergiebt sich somit, dass bei interstitieller Nephritis etwa das Doppelte 
an Retentions-N gefunden wird als bei parenchymatöser, während die Uebergangs¬ 
formen in der Mitte stehen. Bemerkenswert ist ferner bei allen Formen die sehr 
erhebliche Vermehrung der N-haltigen Retentionsstoffe bei Urämie. Die 
Zahlen für die parenchym. Nephritis differieren nur wenig von den auch bei Ge¬ 
sunden gefundenen. 

Was die einzelnen Komponenten dieses Retentionsstickstoffs aniangt, so 
fand der Verf. für die Harnsäure bei Patienten mit gesunden Nieren in Trans¬ 
sudaten im Mittel 0,59 mg Hamsäure-N, bei Herzfehlern mit gestörter Kompen¬ 
sation 1,07, bei interstit. Nephritis 2,09, bei parench. Nephritis 0,92, bei Ueber- 
gangsformen 1,59 mg Hamsäure-N, also auch hier wieder eine Prävalenz der 
Werte bei interstitieller Nephritis. 

Dieselben Verhältnisse ergaben sich für den Ammoniak-Gehalt. Bei 


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Leberkranken fand S. durchschnittlich 1,4 mg, bei interstitieller Nephritis 5,2 mg, 
bei parench. Nephritis 2,5, bei Uebergangsformen 3,6 mg, bei Herzkranken 2,8 mg 
NH a -N in Transsudaten. Bei einem Falle von Coma cholaemicum und schwerer 
parench. Nephritis fanden sich 7,0 mg NH a -N. Besonders hohe Werte konnten 
auch hier für den NH a -Oehalt in Transsudaten und im Serum bei vorhandener 
Urämie konstatiert werden. 

Die Mischung der einzelnen Bestandteile des Retentions-N im Blut¬ 
serum konnte dahin bestimmt werden, dass ca. 75 % auf Harnstoff-N, 2,4 ®/o auf 
Hamsäure-N, 5 % auf NH a -N und der Rest auf Alloxurbasen und andere N- 
haltige Körper entfallen. Dieses prozentuale Mischverhältnis ähnelt dem dieser 
Stoffe im Urin und spricht nach dem Verf. für die Bedeutung der transsudativen 
Vorgänge bei der Urinsekretion im Gegensätze zu den aktiv-sekretorischen. 

Für den Gehalt an Trockensubstanz fand Verf. des öfteren hohe Werte 
bei interstitieller Nephritis, doch nicht gesetzmässig; dagegen erwies sich der 
Zuckergehalt des Serums als normal. 

Der Gefrierpunkt (z/) des Serums liegt bei parendiym. Nephritis in 
normaler Höhe, ebenso bei interst Nephritis; nur. 1 mal fand sich hier ein Wert 
für 4 von 0,60. Bei Urämie liegt <4 in der Regel über 0,60, doch nicht konstant, 
jedenfalls besteht kein Parallelismus zwischen der Orösse von J und der Inten¬ 
sität der urämischen Erscheinungen. Die Erhöhung von d ist also als Begleit¬ 
erscheinung, nicht als Ursache der Urämie anzusprechen. Auch zwischen der 
Menge der N-haltigen Retenta und zf besteht kein Parallelismus; für die Urämie 
ist ein hoher Wert der ersteren charakteristischer als die ^-Erhöhung. 

Einige Versuche, die S. über die Toxicität des Blutserums anstellte, 
legten dar, dass die Serotoxicität bei interstitieller Nephritis grösser ist als bei 
parenchymatöser. 

Von Urinbefunden, welche für die Frage der Retentionen bei Nephritis 
wichtig erscheinen, wird zunächst die Methylenblauprobe besprochen, welche 
bei interstitieller Nephritis eine Verzögerung in der Ausscheidung des Farb¬ 
körpers zeigte. Es kann infolgedessen diese Probe zur Aufdeckung latenter an- 
albuminurischer Fälle von chronischer interst Nephritis empfohlen werden. Die 
molekulare Konzentration des Urins ist bei Nephritis meist herabgesetzt; 
für die parench. Form ist noch charakteristisch eine geringere Wassersekretion, 
welche im Verein mit der Erniedrigung von A des Urins für eine verminderte 
Ausfuhr der gelösten Moleküle bei parench. Nephritis zu sprechen scheint. Blut¬ 
serum und Transsudate weisen bei interstitieller Nephritis im allgemeinen ein 
höheres spezifisches Gewicht auf als bei parenchymatöser; damit stimmt 
ein wesentlich höherer Ausfall der Eiweisswerte des Serums bei der ersteren 
Form überein, und auch hier wieder halten die Uebergangsformen die Mitte 
zwischen den beiden vorerwähnten Formen. 

Eine Schädigung des Organismus durch die Retentionsprodukte sucht 
der Körper bei der parenchymatösen Nephritis zu verhüten durch Diluierung dieser 
Produkte innerhalb der Blutbahn und Wasserretention. Bei der interstitiellen Ne¬ 
phritis wird dieser Versuch seitens des Körpers gleichfalls gemacht; indessen 
kommt es hier zu keinem Anwachsen der Blut- resp. Serummenge, weil die kom¬ 
pensatorisch gesteigerte Herzkraft (wahrscheinlich infolge Drucksteigerung durch 
toxische Oefässkontraktion) den Flüssigkeitszuwachs stets sofort wieder entfernt. 

Für die Therapie ergeben sich einige Grundsätze aus den vorstehenden 
Ausführungen. Zur Verhütung der Retentionen empfiehlt sich eine kohlenhydrat¬ 
reiche, an Eiweiss möglichst arme Kost. Auch die Zufuhr grösserer Salzmengen 
und von viel Wasser ist besonders bei parenchymatöser Nephritis zu widerraten 
Entstehender Hydrops ist frühzeitig auf mechanischem Wege zu behandeln 
(Punktionen, Inzisionen). Durch kleine Digitalisdosen suche man bei inter¬ 
stitieller Nephritis die Herzkraft zu erhalten, welche die Retentionen durch Stei¬ 
gerung der Eliminierung unschädlich macht. 

Von den sonstigen Methoden zur direkten Entfernung der retinierten Stoffe 


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121 


kommt zunächst die Anregung der Sch weisssekretion in Betracht. DerSchweiss 
enthält nun bedeutend mehr Wasser als das Blut; Verf. rät daher, Schwitzkuren 
bei parench. Nephritis nur mit Vorsicht vorzunehmen, da durch grössere Wasser- 
entferaung die vom Körper angestrebte Diluierung der N- haltigen Stoffe gestört 
wird. Eher ist Schwitzen bei .Urämie anzuraten, um das die Toleranzschwelle 
des Körpers überschreitende Plus an Gift zu entfernen. Ableitung auf den Darm 
(bes. Mittelsalze) und Anregung der Speichelsekretion können gleichfalls zur 
Eliminierung der Retentionsstoffe beitragen. 

Was den Aderlass anbetrifft, so schafft dieser bei vielen Urämie-Fallen 
fast momentane Besserung, trotzdem die molekulare Konzentration sich danach 
selbst bei nachgeschickter Injektion von hypotonischer NaCI-Lösung nicht ändert 
Verf. empfiehlt den Aderlass schon bei geringen Intoxikationssymptomen und rät 
zur eventuellen prophylaktischen Wiederholung desselben. 

M. Cohn (Kattowitz). 


Inhaltsverzeichnis. 

Original-Artikel: Czerny, Ad.: Rohe Milch als Säuglingsnahrung 
S. 93. — Referate: Oilbert, A. et Lereboullet, P.: Les opothörapies dans le 
diabfete sucrö S. 96. — Brissaud, E. et Br 6cy, M.: Sialorrhoe hystörique mono- 
symptomatique S. 97. — Czygan, P.: Spindelförmige Erweiterung der Speiseröhre 
infolge von Pylorusstenose S. 98. — Einhorn, M.: Achylia gastrica, Hyperchlor- 
hydne vortäuschend S. 98. — Quintard, E.: Einige Fälle von Magenerosionen 
(Einhorn) S. 98. — Robin, W.: Ueber einen Fall von Gastritis toxica und Ver¬ 
engerung des Pylorus infolge von Salpetersäure-Vergiftung. Gastroenterostomie. 
Heilung S. 98. — Titow, j.: Zur Kasuistik der syphilitischen Magengeschwüre 
S. 99. — Watanabe, R.: Ueber gutartige papilläre Geschwülste der Magenschleim¬ 
haut S. 99. — Rütimeyer, L.: Ein Fall von Gastrospasmus chronicus bei Magen- 
carrinom S. 99. — König: Ueber einen Fall von Kardiacarcinom S. 100. — 
Caminiti, R.: Un cas de myome de pylore S. 100. — Weljaminow: Gastrostomie 
nach Marwedel S. 101. — Perujo: Beiträge zur Diagnose des Ulcus duodeni 
S. 101. — Soltau. Fenwick W.: Primaiy cardnome of the duodenum S. 101. — 
Proust, R.: Les reddives de la fiövre typhoide S. 101. — Rogaz: Traitement de la 
dysenterie aigue des enfants par les Iavements d’eau oxygönöe S. 102. — Nehr- 
kom, A.: Temporäre Kolostomie bei chronischer Dysenterie S. 102. — Shukovski, A.: 
Beitrag zur Behandlung der akuten Darmimpermeabilität mit Atropin S. 102. — 
Rosanow, W. N.: Beitrag zur Frage der Komplikation der Hernien durch Epi- 
typhlitis S. 103. — Gilbert, A. et Lereboullet, P.: Le massage direct du foie 
5. 103. — Schilowzew, I. I.: Ueber einen Fall von Leberdislokation S. 104. — 
Alexeew, M. T.: Ueber einen Fall von akuter gelber Leberatrophie S. 104. — 
Caubet, H. et Judet, H.: Deux cas de kystes hydatiques du foie S. 104. — 
Pauchet: Chirurgie du pancröas. Hömatome rötro-peritonöal guöri par la laparo- 
tomie suivie d’une indsion inter-gastro-colique S. 105. — Vaillement, A.: De 
l’anöviysme de l’aorte abdominale S. 105. — Burow: Beitrag zur Kasuistik der 
tuberkulösen Pleuro-Peritonitiden S. 106. — Pernot, E.: Sur le traitement de la 
pfritonite tuberculeuse chronique. Laparotomies repötöes S. 106. — Pallaske: 
Zur Therapie der Nephritis acuta S. 106. — Slatowjerow, G. F.: Ueber die Harn¬ 
ausscheidung bei hereditär-syphilitischen Kindern S. 107. — Lereboullet, P.: De 
Pftat du sörum et des unnes dans I’ictfere simple du nouveau-nö S. 107. — 
Ouedea y Calvo: Milz-Exstirpation bei Malaria S. 107. — Körmöczi, F.: Kann die 
Diagnose der Anämia perniciosa aus dem hämatologischen Bilde festgestellt 
werden? S. 108. — Rost, E.: Ueber Eisentherapie, mit Bemerkungen über die 
»Eiseneier« S. 108. — Adler, O.: Weitere Mitteilung über biologische Unter¬ 
suchungen von natürlichem Eisenwasser S. 108. — werigo u. Jegunow: Das 


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122 


Knochenmark als Bildungsort der weissen Blutkörperchen S. 106. — Bruno, I. 
(Heidelberg): Ueber Morbus Addisonii S. 109. — Viollet: L’extrait de capsufe 
surrdnaie et ses ddrivds; leur emploi et leurs effets S. 109. — Leo, H.: Zur 
Phosphorbehandlung der Rachitis 5. 109. — Singer, H. (Elberfeld): Ueber Aspirin. 
Beitrag zur Kenntnis der Salicylwirkung S. 110. — Newton Heinemann, H. (New- 
York): Experimentelle Untersuchung am Menschen über den Einfluss der Muskel¬ 
arbeit auf den Stoffverbrauch und die Bedeutung der einzelnen Nährstoffe als 
Quelle der Muskelkraft S. 110. — Dräne, C. F. u. Price, T. M.: Die Verdaulich¬ 
keit roher, pasteurisierter und gekochter Milch S. 111. — Speck, C.: Ueber die 
Beziehungen des Sauerstoffs zum gesunden und kranken Organismus S. 111. — 
Oker-Blom, M.: Tierische Säfte und Gewebe in physikalisch-chemischer Beziehung. 
111. Mitteilung: Die Durchlässigkeit der roten Blutkörperchen für verschiedene 
Stoffe, beurteilt nach der elektrischen Leitfähigkeit S. 112. — Grawitz, E.: Klinische 
Beobachtungen über plasmotrope Giftbildungen im Organismus S. 113. — Neriring: 
Quantitative Bestimmungen über das Verhältnis des mit siedendem Wasser extrahier¬ 
baren Glykogens zum Gesamtglytogen der Organe S. 113. — Neridng: Ueber die 
elementare Zusammensetzung und das Invertierungsvermögen des Glykogens 
S. 113. — Bendix, E. u. Bickel. A.: Kritischer Beitrag zur Lehre von der Glykolyse 
S. 114. — Sabraz&s, J. et Bourret: Hdmaties ä granulations basophiles dans 
l’dmpoisonnemenf par l’extrait de Satume S. 114. — Variot. G.: Danger des 
gobelets d’dtain plombiffere S. 114. — Besprechungen: Mitteilungen aus den 
Hamburgischen Staatskrankenanstalten S. 115. — Strangs u. Rohnstein: Die Blut¬ 
zusammensetzung bei den verschiedenen Anämieen S. 117. — Strauss: Die chro¬ 
nischen Nierenentzündungen in ihrer Einwirkung auf die Blutflüssigkeit und deren 
Behandlung. Nach eigenen Untersuchungen am Blutserum und an Transsudaten 
S. 119. 


HlpbabetiTcb geordnetes JnbaltsverfeldmU. 

Achylia gastrica S. 98. — Addison’sclie Krankheit S. 109. — Anämia per¬ 
niciosa S. 106. — Aneurysma der Aorta abdominalis S. 105. — Aspirin S. 110. — 
Bleivergiftung S. 114. — Blutkörperchen, Bildungsstätte der weissen S. 108. — 
Blutköiperchen, Durchlässigkeit der roten S. 112. — Blutserum bei Ikterus neona¬ 
torum S. 107. —■ Darmverschluss und Atropin S. 102. — Diabetes S. 96. — Duo¬ 
denalgeschwür S. 101. — Duodenumkrebs S. 101. — Dysenterie S. 102. — Eisen¬ 
eier S. 106. — Eisentherapie S. 108. — Eisenwasser S. 106. — Gastritis toxica 
S.98. — Gastrospasmus S.99. — Gastrostomie S. 101. — Giftbildung, plasmotrope 
S. 113. — Glykogen S. 113. — Glykolyse S. 114. — Hämatom, retroperitoneales 
S. 105. — Harn bei Ikterus neonatorum S. 107. — Harn der hereditär-syphilitischen 
Kinder S. 107. — Hernien und Epityphlitis S. 103. — Kardiacardnom S. 100. — 
Kolostomie S. 102. — Leberatrophie S. 104. — Leberdislokation S. 104. — Leber¬ 
echinococcus S. 104. — Lebermassage S. 103. — Magencardnom S. 99. 100. — 
Magenerosion S. 98. — Magengeschwülste S. 99. — Magengeschwüre S. 99. — 
Malaria S. 107. — Milch S. 93. 111. — Muskelarbeit und Stoffwechsel S. 110. — 
Nebennierenextrakt S. 109. — Nephritis acuta S. 106. — Oesophagusdilatation S.98. 
— Pankreaschiruigie S. 105. — Peritonitis tuberculosa S. 106. — Pylorusmyom 
S. 100. — Pylorusstenose S. 98. — Rachitis S. 109. — Salpetersäurevergiftung 
S. 98. — Sauertoffwirkung S. 111. — Sialorrhoe S. 97. — Typhus S. 101. 


Der Lehrkörper der medizinischen Fakultät der Universität Oreifswald 
wird auch in diesem Jahre und zwar im Oktober wieder Fortbildungskurse 
für praktische Aerzte veranstalten. Mit Rücksicht auf die Neubesetzung der 
Stelle des inneren Klinikers ist der Termin noch nicht genauer festgelegt, doch 
wird dies im Beginn des Sommersemesters geschehen. 


Original-Mitteilungen, Monographieen und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen, AUeestr. 6, einsenden. 


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Luisenheim St Blasien 


Badischer 
Schwarzwald 
772 m üb. d. M. 


| Sanatorium für Erkrankungen des Stoffwechsels, 
Ka gflnHarmifanaia und Nervensystems. — Diätkuren, 

Hydrotherapie, Elektrotherapie etc. 

— Longen- und Geisteskranke ausgeschlossen. — 

Dr. Determann und Dr. van Oordt, leitende Ärzte. 


Da» ganze Jahr geofmet. 



mol I 

= ehinasaurer Harnstoff = 1 


D. B. PATENT. 

Tages-Dosis nach Professor v. Noorden 2—6 Gramm, 
in Wasser zu nehmen gegen Gicht, Harn- und Nierengries 
(hamsaure Diathese). 

Das Urol kommt in Glasröhren k 10,0 g in den Handel. 
Fünf dieser Glasröhren befinden sich in einer Schachtel. Eine 
solche Schachtel mit 50,0 Gramm Urol kostet 12.50 Mk., die 
einzelne Olasröhre — 10,0 Gramm = 2.50 Mk. in den Apotheken 
und Drogenhandlungen. 

Dr. Schütz & Dalimann 


I 


chemische Fabrik 

Schierstein a. Rhein 

bei Wiesbaden. 


_l 


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Kürzlich ist erschienen: 

Universal - Pharmakopoe. 

Eine vergleichende Zusammenstellung der zur Zeit ln Europa, 
Nordamerika und Japan gültigen Ph&rm&kopöen. 

Von 

Dr. Bruno Hirtoh. 

Zweite, völlig neo bearbeitete Auflage. 

Erster Band (A—L). 

Preis geh. 18 Mk., in solidem Leinenband 19 Mk. 40 Pfg. 

Die neue Anflage ist eia Tdlllg leies Werk, da die zur Zeit 
gütigen Pharmakopoen fast ausnahmslos stark verändert sind. Der zweite 
und letzte Band liegt im Manuskript vollständig vor und wird In kurzer Zeit 
ersohelnen. 

PBT* Die Anschaffung der neuen, mehr kondensierten Auflage wird 
etwa 10 Mark billiger als die der ersten zu stehen kommen. '“WM 


Bei dem gesteigerten internationalen Verkehr werden jedem Arzt, 
jedem Apotheker Recepte aus fremden Ländern zur Beurtheilong oder 
zur Anfertigung und Wiederholung übergeben. Welchen misslieben 
Folgen ist er aber ausgesetzt, wenn er die verordneten Mittel nicht kennt 
oder nicht weise, wie sie im Ursprungolande gesetzlich beschaffen sind. 
Die „Untvertal-Phannakop5e“ apart dem Apotheker viel Zeit und Geld und 
eohützt Ihn vor Missverständnissen und Fehlern. 

Das Erscheinen einer neuen Auflage des umfangreichen Werkes 
beweist, dass die ihm beim ersten Erscheinen zu Teil gewordene An¬ 
erkennung berechtigt war. Hier seien nur einige kurze wörtliche Aus¬ 
züge aus hervorragenden Blättern verschiedener Länder wieder¬ 
gegeben : 

„Eines Nachschlagewerkes dieser Gattung dürfte sich die Pharmade keines 
zweiten Landes rühmen können.“ (Archiv der Pharmaole.) 

„The author presents a work which isa monument to his knowledge and 
zeal, and of inestimable value to the pharmacists of all dvilized 
oountries “ (American Journal of Pharmaoy 1889.) 

„Dieses für den praktischen Apotheker geradezu unentbehr¬ 
liche Werk . . . sollte auch in den Vereinigten Staaten eine weite Verbrei¬ 
tung finden.“ (Pharmaceutgsehe Rundschau, New-York.) 

„Das ausgezeichnete Werk, auf das die deutsche Litteratur stolz sein kann, 
sollte in keiner Apotheke fehlen. Die Anschaffungskosten stehen in 
gar keinem Verhältnisse zu seinem eminent praktischen Werthe.“ 

(Rundeohau der pharm. Presse, Wien. 1891.) 

„Dit standaardwerk, dat onontbeerlijk moet genoemd worden voor iederen 
apotheker die recepten uit vreemde landen gereed maakt, en in geene pharma- 
ceutisehe bibliotheek mag ontbreken,...“ (Pharmaoeut Weekblad 1891, Nr. 10.) 

„Die Anschaffung und Benutzung sei allen Apothekern ebenso warm em¬ 
pfohlen, wie allen denen, welche dnstig berufen sind, an der Ausarbeitung 
neuer Pharmakopöen sieb zu betheüigen.“ 

(Jahresbericht Sb. d. Forteehr. der Pharmaoognosle etc.) 

MT Ausführlicher Prospekt kostenfrei. 

Göttingen. Vandeitboedt ä Ruprecht. 


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Nr. 5. 


Erstes Mfirz-Heft 1902. 


3. Jahrgang. 


Central bl aff 

töp 

Stoffwechsel- & Verdauungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck & Ruprecht in Oöttingen. 


MoutHcfa 2 Nm. von lVt—2 Bogen Umfang. Preis des ganzen |shrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjähriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Poctanstalten des In- und Auslandes, Nr. 1489 der Zeitungs-Preisliste f. d. Deutsche Reich. (Postbezug 
in Frankreich, England, Spanien, Portugal and ausserhalb Europas 1 Mark 20 Pf. jährlich mehr.) 


Original-Hrtikel* 

Aus dem Laboratorium der I. therapeut Klinik der Militär-med. Akademie 
zu St Petersburg (Direktor: Prof. Dr. Pasternatzky). 

Heber di« Hutointoxihation des Organismus mit Säuren, 
als ätiologisches Moment in der Pathologie der inneren 
Kranhheiten, mit besonderer Berücksichtigung der Urämie. 

Von 

Dr. med. Witold Orlowski, Ordinator der Klinik. 

1 . 

Trotz vieler Untersuchungen, die zur Aufklärung der Entstehungs- 
ursachen der Urämie unternommen wurden, sind sie uns bisher noch unklar 
geblieben. In Hinblick darauf muss uns ein jeder Versuch, diese Frage 
näher zu beleuchten, wünschenswert erscheinen, nicht etwa nur in dem Fall, 
wenn er uns ein positives Resultat ergiebt, sondern auch wenn die Ergeb¬ 
nisse des Versuches die Haltlosigkeit der herrschenden Theorieen erweisen. 

Schon im Jahre 1900 habe ich in einer meiner Arbeiten, in der ich 
die gegenwärtigen Theorieen über die Entstehung der Urämie behandelte, 
darauf hingewiesen, dass die Ansicht, die Urämie entstehe durch die Auto¬ 
intoxikation des Organismus mit Säuren, nicht viel Wahrscheinlichkeit für 
sich habe (1). Doch vollständig konnte ich diese Theorie nicht widerlegen, 
da augenscheinlich einige Thatsachen zu ihren gunsten sprachen. Bekannt¬ 
lich wurde sie zuerst von v. Jaksch (2) geäussert, nachdem er sich davon 
überzeugt hatte, dass die Alkalescenz des Blutes bei Urämischen bedeutend 

Nr. 5. 


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124 


niedriger ist, was auch bald Peiper (3), v. Limbeck (4) und andere be¬ 
stätigten. Der Meinung von v.Jaksch schlossen sich später Hahn, Massen, 
Nencki und Pawlow (5) an, indem sie sich auf die Aehnlichkeit des 
klinischen Bildes der Urämie mit der Vergiftung mitCarbaminsäure stützten. 
Die klassischen Untersuchungen von Löwy (6), weiche die Ungenauigkeit 
der v. Jaksch’schen Methode zeigten, haböi jedoch diese Lehre schwanken 
gemacht Doch wurde bald darauf die Thatsache, dass die Blutalkalescenz 
bei Urämie vermindert ist, auch von anderen Forschern bekräftigt, wie von 
Biernacki (7) und Brandenburg (8), die zur Untersuchung die exakte 
Methode von Löwy anwandten. Den Angaben von v. Jaksch darf daher 
eine gewisse Bedeutung nicht abgesprochen werden. Doch gesetzt der Fall, 
dass bei der Urämie immer eine Verminderung der Alkalescenz des Blutes 
konstatiert werden kann, wäre es doch etwas verfrüht, daraus den Schluss 
zu ziehen, dass auch gerade die Verminderung der Alkalescenz die urämi¬ 
schen Erscheinungen bedingt Die Herabsetzung der Alkalescenz des Blutes 
kann nämlich von 3 Faktoren herrühren: 1. von einer Verdünnung des 
Blutes; Z von einer Verminderung der Zahl der roten Blutkörperchen, in 
welchen ja ein Hauptanteil an Alkalien des Blutes enthalten ist, wie es von 
Löwy bewiesen und unlängst von mir (9) bestätigt wurde, indem ich näm¬ 
lich die Abhängigkeit der Alkalescenz des Blutes von ihrem Reichtum an 
roten Blutkörperdien und von der Resistenz der Erythrocyten bestimmte; 
3. von einer Anhäufung von Säuren im Blut, die die Alkalien binden und 
zuletzt 4. von einer Kombination dieser drei Bedingungen. Welche nun von 
diesen Ursachen die Herabsetzung der Alkalescenz des Blutes bei der Urämie 
hervorruft, ist unbekannt, da nähere Untersuchungen auf diesem Gebiete 
fehlen. Meine Versuche habe ich nun gerade der näheren Erklärung dieser 
Frage gewidmet 


Z 

Vor allem hidt ich es für notwendig, mich davon zu überzeugen, ob 
wirklich bei der Urämie immer eine Herabsetzung des Alkaligehalts im Blut 
vorhanden ist, da die Untersuchungen, die nach der exakten Methode von Löwy 
ausgeführt wurden, zu gering an Zahl sind. Die Versuche, die nach dieser 
Richtung hin angestellt wurden und zwar an Hunden, bei denen ich künst¬ 
lich durch Ligatur beider Ureteren Urämie hervorrief, ei wiesen, dass der 
Alkaligehalt des Blutes bei Urämie in der That herabgesetzt ist und zwar 
um 40—50%. Dassdbe Resultat erhidt ich auch bei meinen Untersuchungen 
an urämischen Patienten. 1 

Darauf ging ich zur Aufklärung der Ursache dieser Erschdnung über. 
Die Versuche in dieser Richtung wurden von mir an Hunden in folgender 
Weise ausgeführt: Vor allem bestimmte ich nach der üblichen Methode den 
Gehalt des Blutes an roten Blutkörperchen, indem ich sie regdmässig in 16 
grossen Quadraten der Thoma-Zeiss’schen Zählkammer zählte, also bis 
ungefähr 2500 an der Zahl, so dass der dabei etwa mögliche Fehler 
bis 1,2% betragen konnte (Abb6, 10); darauf bestimmte ich nach der 
Löwy’schen Methode die Alkalescenz des Blutes, dass direkt der art femoralis 
entnommen wurde, und unterband dann unter Morphiumnarkose beide Ureteren. 


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125 


Die Ligatur der Ureteren wurde extraperitoneal und zwar folgendermassen 
ausgeführt: nach der üblichen Vorbereitung des Operationsfeldes führte ich 
einen Schnitt lateral von den Querfortsätzen der Lendenwirbel durch Haut 
und Unterhautbindegewebe; darauf wurden die Bauchmuskeln und das Peri¬ 
toneum stumpf von den Muskeln, die vor der Wirbelsäule liegen, abgetrennt; 
auf solche Weise drang ich bis zum Ureter vor und unterband ihn hart an 
der Niere mit drei Ligaturen; die Wunde wurde vernäht Die ganze Ope¬ 
ration wurde unter strenger Antisepsis und ohne Blutverlust ausgeführt 
Darauf verfolgte ich genau das Allgemeinbefinden der Tiere als auch die 
Veränderungen, die die Alkalescenz des Blutes, als auch die Zahl der roten 
Blutkörperchen im Blut betrafen. 

Versuch I. 25.1. 1901. Hund 6 kg. In 1 mm 8 Blut sind 6240000 
rote Blutkörperchen erhalten. Die Alkalescenz des Blutes entspricht 220,4 mg 
NaOH auf 100 ccm 8 . In die vena femoralis wurde 0,1 g Morph, muriatici 
in 10%iger wässeriger Lösung injiziert, bald darauf trat völlige Narkose ein. 
Ligatur beider Ureteren. Die Operation wurde um 6 Uhr abends beendet 

27.1. Um 10 Uhr morgens, d. h. 40 Stunden nach der Ligatur der 
Ureteren, betrug die Alkalescenz des Blutes bei völlig ausgesprochener Urämie 
196^2 mg NaOH (%), d. h. war um 24,2 mg oder um 11 % geringer als 
vor der Operation. Die Zahl der roten Blutkörperchen in 1 mm 8 betrug 
5990400, d. h. um 249600 oder um 4 % weniger, als vor der Operation. 
Um 10 Uhr abends, als 52 Stunden nach der Operation, wurde in anbetracht 
des stark ausgesprochenen Asthma uraemicum und des komatösen Zustandes 
wiederum die Alkalescenz des Blutes und auch die Zahl der roten Blut¬ 
körperchen bestimmt Die Zahl der Erythrocyten in 1 mm 8 Blut betrug 
5335200, war daher um 904800, oder um 14,5% geringer; die Alkalescenz 
des Blutes betrug 132,6 mg NaOH, war daher um 87,8 mg oder um 39,8 % 
weniger, als vor der Urämie. 

28.1. Um 8 Uhr morgens exitus letalis. Bei der Autopsie fand ich 
folgendes: beide Ureteren und Nierenbecken sind oberhalb der Ligatur aus¬ 
gedehnt; die Nieren sind bedeutend vergrössert im Umfang, mit Blut über¬ 
füllt; auf der Schleimhaut des Beckens und auf der Nierenoberfläche sind 
Ecchymosen sichtbar. — Dasselbe pathologisch-anatomische Bild erhielt ich 
auch bei den übrigen Versuchen. 

Versuch II. Hund 9420 g. 1. III. 1901. Zahl der roten Blutkörper¬ 
chen in 1 mm 3 Blut 9212400. Die Alkalescenz des Blutes ist gleich 266 mg 
NaOH auf 100 ccm 8 Blut Ligatur der beiden Ureteren unter Morphium¬ 
narkose (0,1 g Morph, muriatici wurde in 10%iger wässeriger Lösung in 
die vena femoralis injiziert). Die Operation wurde um 2 Uhr nachmittags 
beendet 

3. III. Deutlich ausgesprochenes Bild der Urämie Um 2 Uhr (48 
Stunden nach Unterbindung der Ureteren) ist die Alkalescenz des Blutes 
gleich 225 mg, d. h. um 41 mg oder um 15,4 % geringer als vor der Ope¬ 
ration. Die Zahl der roten Blutkörperchen in 1 mm 8 Blut betrug 8725000, 
war daher um 487400, also um 5,3 % geringer. 

4. III. Um 2 Uhr, also 72 Stunden nach der Operation (3 Stunden 
vor dem exitus letalis) betrug dieBlutalkalescenz 133 mg, d. h. war um 50% 


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126 


geringer. Die Zahl der roten Blutkörpen in 1 mm 8 war gleich 7500000, 
d. h. um 18,6 % geringer als vor der Urämie. Um 5 Uhr nachmittags er¬ 
folgte der Exitus letalis. 

Versuch III. Hund 7640 g. 14. III. 1901. In 1 mm 3 Blut sind 
7425000 rote Blutkörperchen vorhanden. Die Alkalescenz des Blutes betrug 
228 mg NaOH (%). Ligatur beider Uteren unter Morphiumnaricose (In¬ 
jektion von 0,1 Morph, muriatici in 10 %iger Lösung). Eine sofort nach 
Anlegung der Ligaturen nochmals ausgeführte Bestimmung der Alkalescenz 
ergab dasselbe Resultat — 228 mg. Also hat die Injektion von Morph, muriatid 
auf die Blutalkalescenz nicht eingewirkt. Ende der Operation um l 1 /» Uhr 
nachmittags. 

16. III. Deutliches Bild der Urämie. Um 1V* Uhr nachmittags, also 
48 Stunden nach der Operation, betrug die Alkalescenz des Blutes 200,6 mg, 
also um 27,4 mg oder 12 % geringer als vor der Urämie. Die Anzahl der 
roten Blutkörperchen in 1 mm 3 betrug 7187400, hat sich also um 237600 
= 3,2 % verringert 

17. III. Um U/s Uhr nachmittags, d. h. 72 Stunden nach der Ligatur 
(2 Stunden vor Exitus letalis) betrug die Alkalescenz des Blutes 119 mg, war 
also um 109 mg geringer (= 47,8 %) als vor der Urämie. Die Zahl der 
roten Blutkörperchen betrug 5940000 in 1 mm 8 , hatte sich also um 148500 
= 20 % verringert. 

Versuch IV (Kontrollversuch). 8. IV. 1901. Hund 5480 g. Die 
Zahl der roten Blutkörperchen in 1 mm 3 des Blutes ist gleich 5120000. Die 
Alkalescenz des Blutes entspricht 200 mg NaOH auf 100 ccm Blut Unter 
Morphiumnarkose (Injektion von 0,15 Morph, muriatici in 10 %iger wässe¬ 
riger Lösung in vena femoralis) drang ich bis zu den Ureteren vor, ebenso 
wie in den früheren Versuchen, löste sie von dem umgebenden Gewebe, 
Hess sie aber ohne Ligatur zurück und vernähte darauf die Wunde. Die 
Operation wurde um 4 Uhr nachmittags beendet 

10. IV. 48 Stunden nach der Operation ist der Hund gesund, die 
Alkalescenz seines Blutes ist unverändert, die Zahl der roten Blutkörperchen 
in 1 mm 3 = 5075200. 11. IV. 72 Stunden nach der Operation: die Zahl 
der roten Blutkörperchen beträgt 5097000 in 1 mm 8 , die Alkalescenz des 
Blutes enspricht, wie früher, 200 mg NaOH. 

Also wirkt die Operation selbst auf die Alkalescenz des Blutes 
nicht ein. 

Diese Versuche beweisen, dass diese bedeutende Herabsetzung 
der Alkalescenz des Blutes bei Urämie hauptsächlich durch die An¬ 
häufung von Säuren bedingt wird, da sie bei weitem diejenige Herab¬ 
setzung der Blutalkalescenz übertrifft, die von einer Verminderung der Zahl 
der roten Blutkörperchen herrühren könnte; diese Abnahme der Zahl 
der roten Blutkörperchen ist einerseits die Folge der Verdünnung des 
Blutes (Brunner, 11), anderseits mag sie von der Zerstörung der roten Blut¬ 
körperchen herrühren. Eine bedeutende Herabsetzung der Alkalescenz des 
Blutes tritt jedoch nicht sofort auf, sondern erst vor dem Eintritt des Exitus 
letalis; am Anfang weicht die Alkalescenz des Blutes trotz der deutlich aus¬ 
gesprochenen Urämie nur wenig vom normalen ab. Dieser Umstand giebt 


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127 


uns ein Recht darauf, zu behaupten, dass die Anhäufung von sauren 
Produkten im Blut nicht die Ursache ist, welche die Urämie her¬ 
vorruft, sondern sie als Begleiterscheinung zu betrachten, hervor- 
gerufen durch die Störung des normalen Stoffwechsels. 

3. 

Abgesehen von den Versuchen an Hunden führte ich auch Unter¬ 
suchungen an 3 urämischen Patienten aus. Zwei von ihnen traten in die Klinik 
mit den Erscheinungen der chronischen Nephritis ein und bekamen Urämie 
erst nach einiger Zeit in der Klinik, der dritte wurde mit urämischen Er¬ 
scheinungen auf Grund einer chronischen interstitiellen Nephritis aufge- 
nommen. Bei all diesen Patienten untersuchte ich das Blut bald nach dem 
Eintritt in die Klinik und ausserdem bei den beiden ersten während der 
Urämie und bei dem dritten nach dem urämischen Anfall. Auf solche Weise 
suchte ich mir einen wahren Begriff von der Abweichung der Alkalescenz 
des Blutes von der Norm während der Urämie in allen 3 Fällen zu ver¬ 
schaffen. 

Den Gehalt des Blutes an Hämoglobin bestimmte ich nach Gowers, 
die weissen und roten Blutkörperchen zählte ich nach der üblichen Methode; 
die Alkalescenz des Blutes bestimmte ich mit dem Engel’schen Alkalimeter, 
wobei ich von der erhaltenen Zahl jedesmal 106,6 mg abzog, da das Resultat, 
das man mit diesem Apparat erhält, die wirkliche Blutalkalescenz gerade 
um diese Grösse übertrifft, wie meine Untersuchungen gezeigt haben. 

Fall I. P-w. Diagnose: Eitrige Cystitis, chronische Nephritis, 
Aiteriosderosis. 3. III.—4. III. 1901. Hämoglobingehalt im Blut = 65 %» 
die Zahl der roten Blutkörperchen im mm 3 Blut betrifft 3282500, die der 
weissen 6540. Die Alkalescenz des Blutes entspricht 200 mg NaOH auf 
100 ccm Blut 14. III. Vom Morgen an urämische Symptome (Anurie, starke 
Dyspnoe, soporöser Zustand etc.) 15. III. Der Hämoglobingehalt des Blutes 
ist gleich 60 %, die Zahl der roten Blutkörperchen betrifft 3075000, ist also 
um 207500 = 6,32 % geringer; die Zahl der weissen 6100, die Alkalescenz 
des Blutes ist gleich 107 mg, also um 93 mg = 46,5 % geringer als bei der 
ersten Untersuchung. 2 Stunden nach der Untersuchung trat der Exitus 
letalis ein. Sektionsbefund: Cystitis, eitrige Ureteritis, Pyelitis und Nephritis; 
die Todesursache ist Urämie. 

Fall II. K. Diagnose: Interstitielle Nephritis, Urämie. 4. II. 1901. 
Der Hämoglobingehalt ist gleich 60 °/ 0 . Die Zahl der roten Blutkörperchen 
in nun 8 betrifft 3875000, die der weissen 5940. Die Blutalkalescenz ent¬ 
spricht 160 mg NaOH auf 100 ccm Blut Unter dem Einfluss der Behand¬ 
lung (Digitalis, heisse Bäder etc) kam der Kranke am Morgen 6. II. zu sich, 
und es trat eine Besserung ein. 27. II. wurde nochmals eine Untersuchung 
des Blutes vorgenommen. Der Hämoglobingehalt war gleich 65 %, die 
Zahl der roten Blutkörperchen im mm 8 = 4213000, hat sich also um 338000 
vermehrt, also um 8,72 %, die Zahl der weissen = 5948, die Blutalkalescenz 
entspricht 227 mg NaOH (%)> ist also um 67 mg erhöht = 42 % 

Fall III. Tsch-n. Diagnose: Interstitielle Nephritis. 28. II.—1. III. 1901. 
Der Hämoglobingehalt des Blutes=64,5 °/ 0 , die Zahl der roten Blutkörperchen 


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128 


betrifft 3647550, die der weissen 5340 in 1 mm®. Die Blutalkalescenz ent¬ 
spricht 213 mg NaOH auf 100 ccm Blut 16. III. Urämische Symptome 
(starke Oligurie, Diarrhoea, Asthma uraemicum). 17. III. Die Urämie 
dauert fort (geringe Harnabsonderung, fast Anurie, Durchfälle, soporöser Zu¬ 
stand, Asthma uraemicum). Hämoglobingehalt des Blutes = 63 %. Die Zahl 
der roten Blutkörperchen in 1 mm® beträgt 3499200, ist also um 148350 
= 4,07 % geringer als vor der Urämie; die der weissen 5600. Die Blut¬ 
alkalescenz entspricht 187 mg, ist also um 26 mg = 12£ % niedriger als 
vorher. Um 10 Uhr morgens Injektion von 0,015 Pilocarpini muriatid. 
Starke Speichel- und Schweissabsonderung, der Kranke kam zum Bewusst¬ 
sein. Nach dem Schwitzen um 12 Uhr betrug die Alkalescenz des Blutes 
200 mg, die Zahl der roten Blutkörperchen in 1 mm® 4374000. Auf solche 
Weise ist im Vergleich zum Blut während der Urämie vor der Pilocarpin¬ 
injektion die Zahl der roten Blutkörperchen von 874800 = 25 % gewachsen; 
die Alkalescenz des Blutes aber nur um 13 mg = 6,95 % gestiegen, im Ver¬ 
gleich aber zum Blut während der ersten Untersuchung vor der Urämie 
(28. II.—1. III.) ist die Zahl der roten Blutkörperchen um 726450 = 19,9 °/ 0 
gewachsen, die Alkalescenz des Blutes erwies sich aber niedriger um 13 mg 
= 6,1 °/ 0 . — 18. III. Der Zustand des Kranken verschlimmert sich, das Be¬ 
wusstsein ist getrübt, die Pupillen sind bis Stecknadelknopfgrösse verengt, 
Asthma urämicum, Anurie. Der Hämoglobingehalt des Blutes ist gleich 62 % 
Die Zahl der roten Blutkörperchen in 1 mm® beträgt 3570000, die der 
weissen 5420, die Blutalkalescenz entspricht 120 mg NaOH. Auf solche 
Weise ist im Vergleich zum Blut vor der Urämie die Zahl der roten Blut¬ 
körperchen um 77550 = 2,13% gesunken, die Alkalescenz des Blutes um 
93 mg = 43,66 %. Nach einer um 10 Uhr morgens vorgenommenen In¬ 
jektion von 0,015 Pilocarpini muriatici erfolgte reichliche Schweiss- und 
Speichelabsonderung; das Bewusstsein kehrte zurück, doch die Dypnoe 
dauerte fort Nach dem Schwitzen um 10 Uhr beträgt die Blutalkalescenz 
133 mg, die Zahl der roten Blutkörperchen in 1 mm® 4284000. Auf solche 
Weise ist im Vergleich zum Blut vom 18. III. vor der Pilocarpininjektion 
die Alkalescenz des Blutes um 13 mg = 10,8 % gestiegen, die Zahl der 
roten Blutköperchen um 714000 = 20 %. Im Vergleich aber mit dem Blut 
vor der Urämie ist die Zahl der Erythrocyten um 636450 in 1 mm® = 17,4% 
gestiegen, die Blutalkalescenz dagegen ist um 80 mg = 37,56% gesunken. 
Um 5 Uhr abends desselben Tages (18. III.) trat Exitus letalis ein. Sektions¬ 
befund: Degeneratio amyloldea renum, lienis, hepatis (in hepate incipiens). 
Todesursache: Urämie. 

Hieraus ersieht man, dass auch bei den urämischen Kranken gleich 
wie bei der künstlich erzeugten Urämie bei den Hunden eine Herabsetzung 
der Alkalescenz des Blutes eintritt, die hauptsächlich auf der Anhäufung von 
sauren Produkten im Blut beruht; die Verdünnung des Blutes und die Ver¬ 
minderung der Zahl der roten Blutkörperchen spielt nur eine geringfügige 
Rolle. Doch auch hier dürfen wir nicht die Anhäufung von sauren Pro¬ 
dukten im Blut als Ursache der Urämie annehmen, da sie erst im weiteren 
Verlauf der Urämie in hohem Grade auftritt; im Beginn jedoch ist die 
Herabsetzung der Blutalkalescenz nur eine geringe, trotzdem das Bild der 


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129 


Uiimie deutlich ausgesprochen ist Dazu kommt noch, dass die subkutane 
Injektion von Pilocarpin, die bei einem Kranken den Zustand bedeutend 
verbesserte, nur sehr wenig die Blutalkalescenz erhöhte, was man erwarten 
müsste, falls die Urämie auf einer Autointoxikation des Organismus mit 
Säuren beruhen sollte. Daher müssen wir die Verminderung der Blut¬ 
alkalescenz bei Urämie als Folge einer hochgradigen Störung des Stoff¬ 
wechsels im Organismus betrachten, hervorgerufen durch uns noch unbe¬ 
kannte Ursachen: sie ist daher eine Begleiterscheinung der Urämie, 
steht aber nicht mit derselben im ursächlichen Zusammenhang. 


4. 

Zu gunsten einer solchen Ansicht sprechen auch noch andere An¬ 
zeichen. Indem ich die Alkalescenz des Blutes bei verschiedenartigen Er¬ 
krankungen untersuchte, fand ich, dass die Alkalescenz des Plasmas resp. 
Blutserums sich immer auf derselben Höhe hält, wahrscheinlich dank der 
Anwesenheit eines besonderen Apparates im Organismus, der dieselbe regu¬ 
liert Nur bei schwerem Diabetes mellitus, bei Krebskachexie und auch, wie 
wir aus obigem ersehen, bei Urämie ist sie bedeutend herabgesetzt Von 
anderen pathologischen Zuständen fand ich einmal bei kroupöser Pneumonie 
mit tödlichem Ausgang eine Herabsetzung der Blutalkalescenz resp. der Al¬ 
kalescenz des Blutplasmas, obgleich ich ein bedeutendes klinisches Material 
untersuchte. Wie gross die Herabsetzung der Blutalkalescenz bei diesen 
Krankheiten ist, ist aus der Tabelle auf S. 130 ersichtlich. 

Aus dieser Tabelle ersehen wir, dass bei einigen der oben angeführten 
Fälle die Anhäufung von sauren Produkten im Blut einen so hohen Grad 
erreichte, dass die Alkalescenz des Blutes sich um 67 % verminderte, d. h. 
bedeutend mehr, als bei den drei von mir beobachteten Fällen von Urämie. 
Trotzdem beobachtete ich bei keinem von diesen Krebskranken oder Diabe¬ 
tikern auch nur die geringsten Symptome der Urämie trotz des so auffallen¬ 
den Sinkens der Blutalkalescenz. Dieser Umstand bringt uns wiederum auf den 
Gedanken, dass sowohl bei der Urämie als bei Diabetes mellitus und Krebs¬ 
kachexie die Anhäufung von sauren Produkten im Blut nur als Begleit¬ 
erscheinung dieser Zustände zu betrachten ist, nicht aber mit ihnen im ur¬ 
sächlichen Zusammenhang steht 

Die Anhänger der entgegengesetzten Meinung könnten dagegen ein¬ 
wenden, dass die Säure, die die Ursache der Urämie ist > n einer so geringen 
Menge sie schon hervorzurufen vermag, die viel zu unbedeutend ist, dass 
sie mehr oder weniger merkbar die Alkalescenz des Blutes beeinflussen 
könnte: die stärkere Herabsetzung der Alkalescenz im weiteren Verlauf könnte 
sowohl von der Vermehrung dieses Stoffes im Blut abhängig sein, als auch 
von der Anhäufung von anderen sauren Produkten. Eine solche Voraus¬ 
setzung ist höchst unwahrscheinlich, auch sprechen klinische Beobachtungen 
nicht zu ihren gunsten. So erweist sich z. B. bei der Urämie die Behand¬ 
lung mit Alkalien in dieser oder jener Form als völlig nutzlos. Die In¬ 
jektion von Pilocarpin, die fast gar nicht auf die Alkalescenz des Blutes ein¬ 
wirkt, bessert bedeutend den Zustand der urämischen Kranken. Infolgedessen 

Nr. 5. 


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130 


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Diabetes mellitus 16. i. 

26.1. 
i 5. II. 

22. III. 

Diabetes mellitus 

| Cancer hepatis 

Carrinomatosis gl. 
mesenter. post can- 
cer. uteri 

Cancer pylori 

Cancer cardiae (Stric- 
tura oesophagi) 

Cancer ventriculi 

Tumor duct chole- 
dochi et pancreatis 

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Klinische Diagnose 

11.1. 
23.1. 

2. II. 

| 23. III. 

29.—30. III. 

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Im November 1899 wurde im 
Marienhospital die vaginale 
Exstirpation des Uterus wegen 
Krebs dess. vorgenommen 

22. III. Exitus letalis. 
Sektion: Cancer pylori. Peri¬ 
gastritis circumscripta 

1 


25.1. Exitus letalis. Sektions¬ 
befund: Cancer capitis pan¬ 
creatis et duodeni 

Bemerkungen 


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131 


müssen wir, wenn wir als Ursache der Urämie die Intoxikation mit irgend 
einem Stoff annehmen, anerkennen, dass dieser Stoff keinerlei oder nur sehr 
schwach ausgeprägte Eigenschaften einer Säure besitzt 

5. 

Auf solche Weise hat die Thatsache, dass bei der Urämie eine An¬ 
häufung von sauren Produkten im Blut stattfindet eine falsche Deutung er¬ 
fahren. Leider bildet eine solche falsche Erklärung einer Thatsache nicht 
den einzigen Fehler der Anhänger der Theorie, dass viele pathologische Er¬ 
scheinungen im Organismus durch Autointoxikation mit Säuren entstehen. Im 
Gegenteil, die ganze Lehre beruht auf schwanken Grundlagen. Um in irgend 
einem Fall die Autointoxikation des Organismus mitSäuren annehmenzu können, 
verlangen die Anhänger dieser Theorie, dass folgende Bedingungen erfüllt 
sind: 1. Herabsetzung der Blutalkalescenz; 2. Erhöhung des Gehalts an Ammo¬ 
niumsalzen im Blut und Urin; 3. erhöhte Ausscheidung von KO H undNaOH; 
4. Erhöhung der Acidität des Harns, hervorgerufen durch einen vermehrten Ge¬ 
halt an Phosphor-, Schwefel- und Salzsäure; 5. Vermehrung der Stickstoff¬ 
ausscheidung durch den Ham; 6. Auftreten von Aceton, Acetessigsäure und ß- 
Oxybuttersäure im Ham; 7. eine günstige Einwirkung durch die Behandlung 
mit Alkalien. Nun beanspruchen die meisten Autoren durchaus nicht die 
Erfüllung aller dieser Bedingungen, um die Autointoxikation des Oiganismus 
mit Säuren annehmen zu können. Am anspruchvollsten von den Anhängern 
dieser Lehre erscheint schon v. Limbeck (12), der die Autointoxikation des 
Oiganismus mit Säuren dann für erwiesen hält, wenn ein erhöhter Gehalt 
des Harns an Ammoniumsalzen, sowie an KOH und NaOH und an Stick¬ 
stoff vorhanden ist Dass dieses die Anzeichen der Autointoxikation des 
Oiganismus mitSäuren sind, folgert er aus seinen Untersuchungen über den 
Stoffumsatz nach Einführung von grossen Mengen von Milchsäure einerseits 
und Salzsäure anderseits. Wenn man auch die Exaktheit seiner Beobachtun¬ 
gen anerkennen muss, so muss man doch bemerken, dass die Schlüsse, die 
er aus ihnen gezogen hat, den Thatsachen nicht völlig entsprechen, ln der 
That sind die Erscheinungen, die v. Limbeck und seine Vorgänger be¬ 
obachtet haben, durchaus nicht die Folge der Autointoxikation des Oiganis¬ 
mus mit Säuren, sondern sind als Aeusserung der normalen Funktion der 
Apparate zu betrachten, deren Aufgabe darin besteht, eine Anhäufung von 
Säuren im Oiganismus zu verhindern. Die Funktion dieser Apparate über¬ 
nehmen beinahe ausschliesslich die Ammoniumsalze (Walter (13), Cd- 
randa (14), Hallervorden (15), v. Limbeck (12) und andere) und nur 
teilweise die Alkalien KOH und NaOH (Gäthgens (16), Dunlop (17), 
Biernacki (7), v. Limbeck (12) u. &.). Daher ist es durchaus nicht zu ver¬ 
wundern, wenn nach dem Einführen von Säuren in den Oiganismus v. Limbeck 
und andere einen erhöhten Gehalt des Harns an Ammonium-, K- und Na- 
Salzen fanden. Das musste man schon a priori erwarten. Dass man diese 
Erscheinungen nicht als Anzeichen einer Autointoxikation des Oiganismus 
mit Säuren auffassen darf, sieht man auch daraus, dass trotz der Anwesen¬ 
heit dieser Erscheinungen die Personen, an denen v. Limbeck seine Ver¬ 
suche anstellte, sich durchaus nicht von normalen unterschieden, während 

Nr. 5* 


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132 


Walter (13) in seinen Versuchen, in denen er die Tiere bis zur völligen Ver¬ 
giftung mit Säuren brachte, auffallende Symptome beobachtete, die Aehnlich- 
keit mit Coma diabeticum aufwiesen. Daher geben uns die von v. Limbeck 
aufgestellten Bedingungen noch nicht das Recht, von einer Autointoxikation 
des Organismus mit Säuren zu sprechen. In Anlass dessen müssen uns auch die 
Versuche, die Frage über die Entstehung der Urämie durch Autointoxikation 
mit Säuren durch Bestimmung des Oehalts des Blutes an Ammoniak zu 
lösen (Winterberg (18)), als erfolglos und ohne Bedeutung erscheinen, da 
sie sich auf eine falsche Auffassung der oben angeführten Thatsachen stützen. 

Was die übrigen Anzeichen der Autointoxikation des Organismus 
mit Säuren anbetrifft, so kann die Herabsetzung der Aikalescenz des Blutes 
resp. des Plasmas, wie ich oben gezeigt habe, auch nicht als Beweis der¬ 
selben dienen. Das Auftreten von Aceton und Acetessigsäure bildet erst eine 
sekundäre Erscheinung, hervorgerufen durch eine Störung des Stoffwechsels, 
da sie bei dar verschiedensten Erkrankungen beobachtet werden. Nur das 
Auftreten der /r-Oxybuttersäure könnte man vidieicht in Zusammenhang 
mit der Autointoxikation des Organismus mit Säuren bringen. In der That 
trifft man sie im Blut und im Harn beinahe ausschliesslich in den schwersten 
Fällen von Diabetes mdlitus und beim Coma diabeticum; bei anderen patho¬ 
logischen Zuständen fand man sie bisher recht sdten. Ihre Menge im Ham 
kann bei Diabetes mdlitus bis auf 20—30,0, sogar 60,0 täglich steigen 
(Magnus-Levy). Bd Eintreten des Coma nimmt die Ausschddung der¬ 
selben ab infolge dessen, dass sie in den inneren Organen und Geweben 
zurückgehalten wird, wo sie sich in einer Menge anhäuft, die zur Erzeugung 
von Vergiftungserscheinungen genügend ist Wenigstens fand Magnus- 
Levy (20) bd denjenigen, bd welchen das Coma zum Exitus letalis 
führte, i-Oxybuttersäure in den Organen in einer Menge von 100—200 g, 
d. h. 2,0—4,5 g auf das Kilo. Zwar hat Waldvogel (20) durch srine Ver¬ 
suche an Kaninchen bewiesen, dass die in den Organismus angeführte, optisch 
thätige AOxybuttersäure keine Vergiftungssymptome hervorruft, sondern dass 
sie in höhere Oxydationsstufen übergeht, doch die Mengen, mit denen er 
sdne Versuche anstellte, sind vid zu gering, wie es aus seiner vorläufigen 
Mitteilung zu ersehen ist Daher können seine Versuche auch nicht als be¬ 
weiskräftig gelten. Die Annahme, dass das Coma diabeticum durch Auto¬ 
intoxikation des Organismus mit Säuren entstehe, wird auch bestätigt durch 
die Resultate der Behandlung desselben mit Alkalien (Roget et Balvay (21), 
Löpine (22), Herzog (23) und andere). 

Auf solche Weise kann man gegenwärtig von dner Autointoxikation 
des Organismus mit Säuren nur bei Vorhandensein von den folgenden 
beiden Erscheinungen sprechen: 1. Bd Anwesenheit von grossen Mengen 
von l-Oxybuttersäure im Blut und Ham und 2. bd dner auffallenden Besse¬ 
rung der Erkrankung unter dem Einfluss von Alkalien, wie wir es bei Coma 
diabeticum, aber auch in den Versuchen von Walter sehen, der an Tieren 
dne wahre Säureintoxikation hervorrief. Die Anwesenhdt beider Symptome 
sind so lange nur sichergestdlt bd Coma diabeticum, was uns das Recht 
giebt, sie als Folge der Autointoxikation des Organismus mit Säuren zu be¬ 
trachten. Was all die übrigen Prozesse anbetrifft, bd denen die Auto- 


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133 


intoxikation mit Säuren nach den Anhängern dieser Lehre die Hauptursache 
(Urämie) oder die Nebensache darstellt (fieberhafte Zustände, Kachexie, Anämie 
v.Jaksch, Müller (24), Klemperer, Kraus (25); einige Formen von Magen- 
Darmkatarrhen bei Brustkindern, Czerny (26)), so muss man bis auf weiteres 
diese Ansicht aufgeben. 


Litteratur-Verzeichnis. 

1) W. Orlowski: Gazeta lekarska, 1900, Nr. 22 und Przeglad lekarski, 
1900, Nr. 29 (polnisch). 

2) v. Jaksch: Zeitschrift für ldin. Med., 1887, Bd. 13. 

3) Peiper: Virchow’s Archiv, 1889, Bd. 116. 

4) v. Limbeck: Archiv f. exper. Pathol. u. Pharm., Bd. 30. 

5) Hahn, Massen, Nencki und Pawlow: Arch. des Sciences biol. 
1892, t 1. 

6) Löwy: Pflüger’s Archiv, Bd. 58. 

7) Biernacki: Münchener med. Wochenschr., 1896, Nr. 28—29. 

8) Brandenburg: Zeitschr. f. ldin. Med., Bd. 36. 

9) Orlowski: Dies Centralblatt 1902, Nr. 2. 

10) Abb6: Sitzungsberichte der Oeselisch, f. Med. u. Naturwissensch. in 
Jena, 1878. 

11) Bruner: Centralbl. f. innere Med., 1896, Nr. 18. 

12) v. Limbeck: Zeitschr. f. ldin. Med., Bd. 34. 

13) Walter: Archiv f. exper. Pathol. u. Pharm., 1877, Bd. 7. 

14) Coranda: Ibid., 1880, Bd. 12. 

15) Hallervorden: Ibid., Bd. 10 u. 12. 

16) Oäthgens: Zeitschr. f. physiol. Chem., Bd. 4. 

17) Dunlop: Joum. of Phys., t 14. 

18) Winterberg: Zeitschr. f. klin. Med., Bd. 35. 

19) Magnus-Levy: Arch. f. exper. Pathol. u. Pharm., Bd. 42. 

20) Waldvogel: Centralblatt f. innere Med., 1898, Nr. 33. 

21) Roget et Balvay: Lyon m£d., 1899, Nr. 2 (die ganze entsprechende 
Utteratur bis zum Jahre 1899). 

22) Löpine: Ibid., 1897, Nr. 15. 

23) Herzog: Berliner klin. Wochenschr., 1899, Nr. 14. 

24) Müller: Zit nach Archiv f. Verdauungskrankheiten, 1898. 

25) Kraus: Pathologie der Autointoxikation. Lubarsch -Ostertag’s 
Ergebnisse d. allg. path. Morph, u. Phys. d. Mensch, u. Tiere. Wiesbaden 1895. 

26) Centralbl. f. innere Med. utid Archiv f. Kinderheilkunde, 1896—1900. 


Referate. 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1902 zu ergänzen.) 

Herman, Ernest 0.: Diabetes and pregnancy. (Edinburgh med. joum., February.) 

Ueber das Auftreten des Diabetes während der Schwangerschaft und über 
das Gravidwerden Diabetischer hatKleinwächter 1898 in derZtschr. f.Oeburtsh. 
u. Gynäk. eine Arbeit veröffentlicht — Es handelt sich um ein immerhin seltenes 
Vorkommnis, sodass Verf. einen wertvollen kasuistischen Beitrag liefert 


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134 


Da doch meist Früh- oder Totgeburt erfolgt und da der Diabetes durch die 
Gravidität sehr verschlimmert wird, rät Verf. zur Einleitung der künstlichen Früh¬ 
geburt Hesse (Kissingen). 


Umber, F.s Das Verhältnis von Zucker- und Stickstoffausscheidung beim Eiweisszerfall 
im Diabetes. (Therapie der Gegenwart, 1901, Nr. 10.) 

Während darüber, dass der Oiganismus aus Eiweiss Zucker bilden kann, 
keine Meinungsverschiedenheit mehr besteht, wird die Frage, in welchem Um¬ 
fange der diabetische Körper bei der Eiweisszersetzung Zucker bilden kann, noch 
sehr verschieden beantwortet Der Zuckerstickstoffquotient (D: N) schwankt bei 
den verschiedenen Autoren in sehr grossen Grenzen. Aus dem ausgeschiedenen 
N lässt sich aber kein Rückschluss auf die Eiweissmengen ziehen, die ihre Zucker 
bildenden Gruppen abgegeben haben. Diese Eiweissmengen sind jedenfalls viel 
grösser als die, welche man, von falscher Voraussetzung ausgehend, angenommen 
hat Die vom Diabetiker aus Eiweiss gebildete und ausgeschiedene Hexose ent¬ 
steht durch eine Synthese. Physiologischer Weise wird das Eiweissmolekul gleich 
beim Eintreten in den Stoffwechsel in verschiedene Gruppen zerlegt. Die kohlen¬ 
stoffhaltigen Gruppen sind nicht gleichmässig zerstreut, sondern sind auf bestimmte 
Gruppen beschränkt Vom schweren Diabetiker werden diese Oruppen, welche 
das Material für den Eiweisszucker liefern, ausgeschieden, während der proteosen¬ 
haltige Rest zum Eiweissaufbau verwandt wird. Hagenberg (Göttingen). 


Pick: Psoriasis und Giykosurie. (Bert klin. Wochenschr., Nr. 3.) 

Auf Veranlassung von Neisser stellte P. eine Nachprüfung der Nagel- 
schmidt’sehen Angaben (Bert klin. Wochenschr., 1900, S. 31) über das Verhalten 
von Psoriatikem gegen einmalige grössere (100 g) Dosen von Taubenzucker an 
und fand im Gegensatz zu jenem die alimentäre Giykosurie als seltenes Vorkomm¬ 
nis, als ebenso seltenes jedenfalls wie bei andern Hauterkrankungen, so dass sich 
irgend welche Beziehung zu Stoffwechselanomalieen daraus nicht konstruieren 
lässt. Pickardt (Berlin). 


Epstein, D. (Kiew): Ein Fali von Speichelgangfistel. (Fistula ductus Stenoniani. — 
Operation. Heilung.) (Wiener klin. Rundschau, Nr. 2.) 

Die Operation bestand in folgendem: Nach entsprechender Vorbereitung 
des Operationsfeldes suchte man mittels einer feinen Hohlsonde durch die äussere 
Oeffnung in den Ductus Stenonianus zu gelangen. Nach einigen vergeblichen 
Bemühungen gelang dies auch. Hierbei erwies sich das innere Ende des Ductus 
Stenonianus verdickt, in Form einer kleinen Papille und vollständig obliteriert. 
Durch leichte Gewaltanwendung des Sondenknopfes gelang es, das innere Ende 
des Ganges durchzustossen und so die Passage für den natürlichen Abfluss des 
Sekrets frei zu machen. Nun entschloss man sich zur zweizeitigen Operation, ge¬ 
leitet von folgender Erwägung: Bleibt das innere Ende des Oanges frei, dann 
muss das Sekret sich nadi dem Orte des geringsten Widerstandes, d. h. nach 
innen eigiessen, wenn nicht, so findet dasAussickem von Flüssigkeit nach aussen 
weiter statt. Es wurde daher, um die innere Oeffnung des Ausführungsganges 
frei zu halten, ein Faden an die im Duct. Stenonianus liegende Hohlsonde be¬ 
festigt und von innen nach aussen durchgezogen. 2 Tage später wurden unter 
Lokalanästhesie nach Schleich die Ränder der Fistelöffnung mittels ovalen 
Schnittes angefrischt, die kallösen Teile exddieri Ebenso wurde der im Gebiete 
der Fistelöffnung liegende Teil des Ductus Stenonianus exstirpiert. Blutstillung. 
Naht. Heilung, Bezüglich der Aetiologie nimmt Verf. eine überstandene Parotitis 
epidemica an. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


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Staaibaiigh, George L: On sarcoma of the radix Ungute wiih report of a case. 
(Amer. journ. of med. sdences, January.) 

Den nur neun Fallen von Sarkom der Zungenwurzel, über die bisher die Litte- 
ratur berichtete, fugt Verf. einen weiteren hinzu. Histologische Bearbeitung. 

Hesse (Kissingen). 


Siarek, H.: Ueber die Beziehung vom Oesophagusdivertikel zu Empyem und Lungen¬ 
brand. (Archiv für Verdauungskrankheiten, Bd. 7, H. 1. 2.) 

St beschreibt nach eingehender Besprechung des über die Beziehungen zwischen 
Traktionsdivertikel einerseits, Empyem und Lungengangrän anderseits vorliegenden 
anatomischen und klinischen Materials einen Fall von Empyem und Lungengangrän, 
der eine Reihe von klinischen Besonderheiten unbestimmter Deutung darbot und 
in dem das Krankheitsbild erst durch den bei der Sektion erhobenen Befund eines 
Traktionsdivertikels eine Klärung erfuhr. Der Fall giebt St. Veranlassung zu einer 
Reihe spezieller Ueberlegungen: Die Vermutung, dass es sich in einem bestimmten 
Falle um Divertikelbildung handle, kann nach St. angeregt werden durch anam¬ 
nestische Angaben über die Aneinanderreihung bestimmter Symptome: Monate 
lang andauernde Schmerzen zwischen den Schulterblättern, quälender Husten ohne 
Auswurf, allgemeines Krankheitsgefühl, Appetitverlust etc ohne objektiven Be¬ 
fund. Die Diagnose eines Traktionsdivertikels könnte nach St unter Umständen 
erwiesen werden dadurch, dass es einer geübten Hand gelingt, unter der Leitung 
des Oesophagoskops ein Divertikel zu sondieren. Von Wichtigkeit für die Aus¬ 
führung einer derartigen Sondierung wäre die Kenntnis der Thatsadie, dass so 
ziemlich alle Traktionsdivertikel in der vorderen oder seitlichen Wand des Oeso¬ 
phagus sitzen und dass hier wieder der grosse Prozentsatz etwas unterhalb der 
Bifurkation und zwar meistens in der rechten Wand lokalisiert ist Therapeutisch 
könnte die vorsichtige Sondierung eines Divertikels den Zweck haben, eine mit 
dem Divertikel kommunizierende Drüsenhöhle auszuspülen und so eine Zersetzung 
zu verhüten. In allen unklaren Fällen von Lungengangrän ist nach St. an das 
Bestehen eines Traktionsdivertikels zu denken, besonders dann, wenn der Herd 
nahe der Wirbelsäule im unteren rechten Lungenabschnitt beginnt Ist es be¬ 
reits zu einer mit dem Divertikel kommunizierenden Oangränhöhle gekommen, so 
ist eine Therapie nur vom Divertikel aus — durch Ausspülung der Höhle — mög¬ 
lich. Unter Vermeidung der nicht ganz ungefährlichen Sondierung könnte die 
Ausspülung etwa in der Weise voigenommen werden, dass der Oesophagus 
unterhalb der Bifurkation mittels eines aufblähbaren Gummiballons abgesperrt und 
der darüber befindliche Abschnitt ausgespült wird. Ist Verdacht, (hiss das Di¬ 
vertikel in ein Empyem mündet, so ist ein Abfluss nach aussen ev. durch Lage- 
änderung des Pat zu erreichen (Bauchlage), eine solche Lageänderung mag auch 
einem Ausspülungsversuch zu statten kommen. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Bolton, M.: Ueber idiopathische Oesophagusdilatation. (Archiv für Verdauungs¬ 
krankheiten, Bd. 7, H. 4. 5.) 

Verf. berichtet über die stattliche Zahl von 10 selbst beobachteten Fällen von 
idiopathischer Oesophagusdilatation und giebt auf Grund seiner eigenen Kasuistik 
(2 bereits früher von E. mitgeteilte Falle kommen noch hinzu) einen Abriss der 
Pathologie und Therapie der genannten Krankheit. Nur in 2 Fällen Einhorn’s 
war ein deutlicher ätiologischer Faktor für die Entstehung der Krankheit aufzu- 
fmden: In dem einen Falle ein Trauma, in dem zweiten Falle eine gutartige 
Striktur, nach deren Beseitigung die Oesophagusdilatation bestehen blieb. In allen 
Fallen war weder das erste noch das zweite Schluckgeräusch am Schwertfortsatz 
hörbar. Zwecks Nachweises zweier getrennter Hohlräume, in denen sich Flüssig¬ 
keit ansammelt, ohne sich zu mischen, bedient sich E. des von ihm angegebenen 


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»Kaffeeexperimentes«. Dieses besteht darin, dass der Pat angewiesen wird, 
eine Stunde vor der Untersuchung eine Tasse schwanen Kaffee zu 
trinken, den Kaffee vermittelst tiefer Inspirationen und Kompression des 
Thorax aus der Speiseröhre in den Magen zu befördern und eine Stunde 
später ein Glas Wasser zu trinken. Das dem Oesophagus zu entnehmende 
neutral reagierende Wasser und der die Eigenschaften des Magensaftes auf¬ 
weisende aus den Magen zu entnehmende Kaffee können dann getrennt zu Tage 
gefördert werden. Für die Differentialdiagnose gegenüber dem tief sitzenden Di¬ 
vertikel ist nach E. die Heranziehung der Rumpel’schen Methode nur in den 
Fällen notwendig, in denen häufig vergebliche Versuche gemacht werden, die 
Sonde in den Magen einzuführen. Ein Antrum Cardiae ist nach E. dann auszu- 
schliessen, wenn der über dem Magen gelegene Hohlraum 200 ccm oder mehr 
fasst Die Diät bei der idiopathischen Oesophagusdilatation soll aus flüssigen, 
halbflüssigen und festen Speisen bestehen, die reich an Nährwert sind. Nach 
jeder Mahlzeit soll der Patient Uebungen machen, indem er einige Minuten lang 
Kompression des Thorax nach tiefen Inspirationen ausübt Jeden Abend vor dem 
Schlafengehen soll der Oesophagus ausgewaschen werden. — In einem Falle 
machte E. von der endoösophagealen Anwendung des faradischen und galvani¬ 
schen Stroms Gebrauch, ohne den geringsten Erfolg zu erzielen. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Herschell, George: On the treatment of nervous Indigestion on gastric neurasthenia. 

(The Edinburgh med. joum., January.) 

In Bezug auf Definition und Diagnose der nervösen Dyspepsie deckt sich 
der Standpunkt des Verf.’s mit dem deutschen. 

Interessant schien mir nur folgende Vorstellung: Ein normaler Magen ist 
immer voll, d. h. er zieht sich fest um seinen Inhalt zusammen, auch wenn nur 
»eine Unze« Nahrung in ihm ist Beim atonischen Magen mangelt diese Kon¬ 
traktionsfähigkeit, daher der Hohlraum immer grösser als nötig. 

Nervöse Dyspeptiker zeigen oft Magenplätschem während der ganzen 
Digestion. Oft findet sich Gastroptose und Nephroptose als Komplikation. 

In der Besprechung der Behandlung stellt er obenan etwaige Beseitigung 
von kariösen Stellen der Zähne, von Fäkalstauungen und von Enteroptose. Die 
Diät hat sich nach dem HCl-Befund zu richten; als HCl bindende und nicht Se¬ 
kretion anregende Fleischspeisen empfiehlt er Briesen, Hirn, Austern, dann Eiereiweiss, 
Milch und Plasmon. 

Handelt es sich um herabgesetzte Sekretion, dann sind die Amylaceen in 
Gestalt von Toast, Mellin’s food in den Vordergrund zu rücken. Zur Unter¬ 
stützung der Diastase empfiehlt er Malzextrakt 

Im übrigen ist er Anhänger der intragastralen Douchen mit den ver¬ 
schiedensten Ingredienzien und vor allem zur Hebung des allgemeinen Nerven- 
status der statischen Elektrizität Letztere bespricht er eingehend. 

Hesse (Kissingen). 

Zweig, W.: Die Bedeutung der Costa flnctuans derima. (Archiv für Verdauungs¬ 
krankheiten Bd. 7, H. 3.) 

Verf. verweist gegenüber den Angaben Stilleris über die Bedeutung der 
Costa dedma fluctuans als pathognomisches Zeichen auf die von Tandler und 
Meinert erhobenen Leichenbefunde, wonach die 10. Rippe bei einer grossen 
Zahl von Menschen mehr oder minder frei ist Z. bemängelt ferner an den Mit¬ 
teilungen Stiller’s das Fehlen genauerer Notizen über das funktionelle Verhalten 
des Magens, insbesondere über Motilitätsbestimmungen, da sich St. durchweg auf 
die Mitteilung des Befundes von Plätschern im Magen, Schallwechsel bei Lage¬ 
wechsel und Costa dec. flucti beschränke und daraus eine atonische Ektasie, 
Enteroptose und nervöse Dyspepsie ableite. Die klinischen Erfahrungen, die Verf. an 


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100 beliebig herausgegriffenen Kranken der Boa s’schen Klinik unter Anwendung ge¬ 
nauerer Motilitätsbestimmungen des Magens erhob, ergaben folgende Resultate: Eine 
überwiegende Anzahl der untersuchten Kranken (49 %) litt an nervöser Dyspepsie. Nur 
in 16 Fallen konnte eineAtonie des Magens festgestellt werden. Der grössere Teil 
der zur Untersuchung gelangten Enteroptosen (27 von 39) wurde frei von Atonie be¬ 
funden, woraus Verf. folgert, dass die Behauptung Stilleris, die Atonie sei eine 
stete Begleiterin der Enteroptose, zu Unrecht bestehe. In 50% der Falle.war die 
Costa dec. fluct. vorhanden, darunter 27 mal bei Frauen, 23 mal bei Männern. 
Bei 49 Patienten mit nervöser Dyspepsie fand sich die Costa dedma fluctuans 
32 mal, d. h. in 65 % der Falle, unter 32 Enteroptosen war dieselbe 26 mal, d. h. 
in 67 % der Fälle nachzuweisen. Ausserdem wurde die Costa dec fluct. in 17 
FlUen, d. h. bei 34 % aller mit Costa fluct. behafteten Kranken bei Personen an¬ 
getroffen, bei denen sich weder je nervös-dyspeptische Symptome gezeigt hatten 
noch eine Enteroptose bestand. Z. kommt zu folgen Schlusssätzen: 

1. Die Costa dec fluct. kommt bei Männern und Frauen in fast demselben 
Verhältnis vor und wird in der Hälfte der Fälle beobachtet 

2. Die weitaus überwiegende Zahl der mit Costa fluct behafteten Personen 
leidet an nervöser Dyspepsie. 

3. Die Costa dec fluct kann zur Diagnosenstellung eines nervösen Magen¬ 

leidens mit herangezogen werden, ohne ein sicheres Stigma neurasthenicum 
zu bilden. J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Stiller, B.: Die diagnostische Bedeutung der Costa dedma fluctuans. (Archiv für Ver¬ 
dauungskrankheiten, Bd. 7, H. 4. 5.) 

Aus der Mitteilung Stilleris, worin er seine Behauptung über die dia¬ 
gnostische Bedeutung der Costa dedma fluctuans als Stigma enteroptoticum, ato- 
nicum und neurasthenicum in vollem Umfang aufrecht erhält und die eine Polemik 
gegenüber dem Angriffe Zweig’s darstellt, sollen einige Punkte besonders her¬ 
vorgehoben werden: Stiller beruft sich gegenüber den Ausstellungen von Z. 
darauf, dass er zur Erhärtung seiner Thesen von der Mitteilung seines grossen 
Krankengeschichtenmaterials überhaupt Abstand genommen habe, vielmehr habe er 
nur den seltenen Ausnahmefall, dass bei ganz gesunden kräftigen Menschen ein 
unerwarteter digestiver Makel zu Tage trete, der in dem Belastungszeugnis des 
Costalstigmas eine Erklärung finde, an Beispielen kurz illustriert. Seine klinischen Fälle 
seien übrigens alle mit den von Zweig geforderten modernen Untersuchungsmethoden 
untersucht worden. Die physikalische Probe für die reine Atonie des Magens sei 
nicht die Probemahlzeit, sondern die Dehnungs- oder Belastungsprobe von Penzoldt 
oder Dehio oder die von Stiller angewendete klinische natürliche Dehnungs¬ 
probe, die darin besteht, dass bei Vorhandensein einer Atonie in linker Seitenlage 
eine Dämpfung im linken Epi- und Mesogastrium auftritt, die bei Rückenlage 
und rechter Seitenlage verschwindet. Daraus, dass sich der Magen pro tempore 
rechtzeitig entleere, sei ohne genaue Berücksichtigung des gesamten klinischen 
Bildes nicht auf das Fehlen von Atonie zu schlossen. Die Ptose des Magens 
stelle die eigentliche Atonie des Magens dar, denn die Atonie sei die Grundlage 
der Ptose, aus der diese erst hervorgehe. Das Plätschern sei das einfachste und 
beste Reagens auf die Magenatonie. Jeder ptotische oder nervös-dyspeptische 
Magen sei auf Grund einer angeborenen nervös-atonischen Anlage ein myasthe¬ 
nischer. ln einem Teil der Fälle von Enteroptose entwickle sich aus der Atonie, 
bei der sich die Peristaltik nur episodisch beeinträchtigt zeige, eine regelmässige 
Verzögerung der Verdauung — mechanische Insuffizienz —seltener in weiterer 
gradativer Folge eine dauernde Stagnation oder Ektasie. In den Befunden 
Meinert’s, der unter 100 Leichen 88 mal nur eine ligamentöse Verbindung der 
10. Rippe mit dem Rippenbogen feststellte, kann St. aus dem Grunde keinen 
Gegenbeweis gegen seine eigenen Angaben sehen, weil an dem betr. Leichen¬ 
material 80 mal Gastroptose konstatiert wurde. Den Widerspruch zwischen den 


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am Leichenmaterial auch sonst erhobenen Befunden, die in der überwiegenden 
Zahl der Falle eine mobile 10. Rippe als Durchschnittsform eigaben, und den Re¬ 
sultaten der klinischen Untersuchung, wonach bei Oesunden die 10. Rippe an 
den Rippenbogen fixiert ist, erklärt St. gleich Zweig durch den Mangel an Turgor 
an der Leiche, der die straffe fibröse Verbindung zwischen 10. und 9. Rippen¬ 
knorpel als locker erscheinen lasse. Im übrigen werde in vivo die Mobilität der 
10. Rippe ausschliesslich durch den Defekt der 10. Knorpelspange bedingt und 
ferner sei auch die kadaverös gelockerte fibröse Verbindungsbritcke zwischen 
10. Rippe und Rippenbogen bei Enteroptose um 1—2 cm verlängert. — Die von 
Zweig mitgeteilten klinischen Untersuchungsresultate sind für St nur eine Be¬ 
stätigung der von ihm angegebenen Identität der nervösen Dyspepsie und der 
Enteroptose und auch durch die von Zweig angeführten Fälle von Costa dec. 
fluct bei Fehlen von nervöser Dyspepsie und von Enteroptose könne die allgemeine 
Giltigkeit der stigmatischen Bedeutung der Costa dec fluct eine wesentliche Ein¬ 
schränkung nicht erfahren. J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Schfile: Die diagnostische Bedeutung des Magenplätschems. (Archiv für Verdauungs¬ 
krankheiten, Bd. 7, H. 4. 5.) 

Schüle präzisiert seinen Standpunkt in der neuerdings wieder diskutierten 
Frage der diagnostischen Verwertbarkeit des Magenplätschems dahin, dass das 
lebhafte (nach Sahli »oberflächliche«) Plätschergeräusch des Magens als ein ab¬ 
normes, bei den völlig gesunden Menschen nicht zu beobachtendes Phänomen 
aufzufassen ist. Dasselbe spricht nach Schüle für einen Zustand von Atonie der 
Magen wand, wie sie bei der Oastroptosis, Myasthenia gastrica, Neurosen des 
Magens gefunden wird. Schüle erklärt es jedoch für unstatthaft, aus der Leb¬ 
haftigkeit des Plätschergeräuschs einen Rückschluss auf den Grad der Atonie zu 
ziehen, da das Phänomen sich oft schon in ganz leichten Anfangsstadien der 
Magenerschlaffung sehr ausgeprägt vorfinden kann. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Hesse, A. (Kissingen): Magengeschwür oder Gallenblasenleiden? (Archiv für Ver¬ 
dauungskrankheiten, Bd. 7, H. 3.) 

Hesse erörtert unter kritischer Würdigung der gesamten Symptomato¬ 
logie des Ulcus ventriculi und der Cholelithiasis in eingehender und exakterWeise 
die Schwierigkeiten in der Differentialdiagnose zwischen den beiden genannten 
Leiden und fährt zwei hierher gehörige Fälle eigener Beobachtung an, in denen 
bei genauester Untersuchung der Ausgangspunkt des Leidens — ob Gallenblase 
oder Magen — nur vermutungsweise festgestellt werden konnte. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Garda y Hurtado: Ein Fall totaler Exstirpation des Magens. (Aus dem Spanischen.) 

(£l Siglo medico, 1901.) 

Bei einer 41 jährigen Frau, bei welcher, anscheinend seit l 1 /* Jahren, ein 
Pyloruskrebs bestand, stellte sich bei der Laparotomie heraus, dass zwar die 
Oegend des Pförtners in grosser Ausdehnung ergriffen war, jedoch Metastasen 
in Leber und Lymphdrüsen fehlten; infolgedessen wurde die Totalexstirpation des 
Organs vorgenommen. Die schwierige Vereinigung von Oesophagus mit dem 
Duodenum gelang dadurch, dass das letztere durch einen Schrägschnitt von unten 
innen nach oben aussen abgetrennt wurde. Auf diese Weise konnte eine zungen¬ 
förmige Verlängerung des duodenalen Stumpfes erzielt werden, welche ein Herab¬ 
ziehen des Oesophagus unnötig machte. 

Die Operation ist bisher erst zweimal ausgefährt worden (Schiatter, 
Brooks Brigham), beidemal wie auch hier mit glücklichem operativen und 
postoperativen Erfolge. A. Berliner (Berlin). 


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Schmidt, Ad. (Bonn): Beitrice zur Diitotherapie bei Magen- and Darmkr&nkheiten. 
Nadi einem Vortrage in der niederrheinischen Gesellschaft für Natur- u. Heil¬ 
kunde am 28. X. 1901. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 6. 7.) 

Aus der Annahme, dass die Verdauungsarbeit des Magens vielmehr in der 
chemischen Zerkleinerung als in der Lösung der Nahrungsmittel besteht, ergiebt 
sich als oberster Grundsatz für die Diätotherapie der Magenkrankheiten, die Speisen 
in einem möglichst fein verteilten Zustande einzuführen, um den kranken Magen 
zu schonen, dadurch dass man ihm einen Teil seiner Arbeit abnimmt Gegen 
diese Forderung wird in der Praxis vielfach verstossen. Die bei Magenkrankheiten 
so beliebte Verordnung von rohem resp. geräuchertem Fleisch verwirft Sch. ganz, 
da das Fleisch meist nicht, wie es eigentlich geschehen sollte, geschabt, sondern 
gehackt oder fein zerschnitten d. h. mitsamt seinem Bindegewebe verabfolgt wird. 
Die Lösung des Bindewebes fällt normalerweise dem Magen zu, Pankreas- und 
Dannsaft verdauen Bindegewebe überhaupt nicht, können daher nur dann ihre 
verdauende Kraft entfalten, wenn das Bindegewebe vorher im Magen desorgani¬ 
siert ist Um dem kranken Magen diese Arbeit zu ersparen, soll man Fleisch nur 
gekocht oder gut durchgebraten verabreichen, rohes Fleisch jedoch überhaupt 
vermeiden. Sch. bespricht sodann von diesem Gesichtspunkte aus die Behandlung 
der Subacidität resp. Anacidität und der Hyperacidität Die Verordnung 
rohen Fleisches bei ersteren würde sich durch die experimentell erwiesene stark 
safttreibende Wirkung desselben rechtfertigen lassen; indes kann man diese Wir¬ 
kung auch durch die Extraktivstoffe des Reisches (Fleischabkochungen, Liebig’s 
Fleischextrakt etc.) erzielen. Bei Hyperaddität giebt diese Eigenschaft des rohen 
Fleisches sogar eine Kontraindikation gegen dessen Verwendung ab. ln der Be¬ 
handlung der Hyperaddität steht Sch. auf dem Standpunkte, im allgemeinen einer 
kohlenhydratreichen Kost den Vorzug zu geben, vorausgesetzt, dass keine Zer¬ 
setzungsprozesse bestehen, warnt jedoch davor, hier wie überhaupt bei irgend 
einer anderen Magenaffektion eine einseitige Diät zum Prinzip zu erheben. Von 
grosser Wichtigkeit, aber nicht in genügender Weise gewürdigt ist bei Hyper- 
addität auch die Einschaltung einer grösseren Ruhepause für den Magen inner¬ 
halb 24 Stunden, sowie die Verordnung von Bettruhe, die in vielen Fällen von 
ausgezeichneter Wirkung ist 

Audi in der Therapie der Darmkrankheiten, zu deren Kenntnis eine 
sorgsame Untersuchung der Fäces unter Berücksichtigung der von Sch. angegebenen 
Methoden unerlässlich ist, gilt als oberster Grundsatz, die Nahrungsmittel in feinster 
Verteilung zu reichen. Eine Sonderstellung nimmt nur die chronische habi¬ 
tuelle Obstipaton ein, indes giebt es nach Sch. auch hier Fälle, in denen erst 
die Verordnung einer schlackenfreien, reizlosen Diät, verbunden mit Bettruhe, zum 
Ziele führt. Unter den reizlosen und fein verteilten Nahrungsmitteln, die bei ge¬ 
nügendem Nährwert die geringste chemische Verdauungsarbeit erfordern, steht 
die Milch obenan, der Sch., um einer Zersetzung vorzubeugen, die bei manchen 
Individuen zu einer Reizwirkung führt, nötigenfalls geringe Mengen Salicylsäure 
(0,25—0,5 g auf l 1 /*—2 Liter für Erwachsene) zusetzt. Schade (Göttingen). 


lieber den praktischen Wert der Bismntose. (Therapeutische Monatshefte, 
Januarheft, S. 33.) 

Die Bismutose ist ein neues, 21 % Bismut enthaltendes, eine Bi-Eiweiss- 
verbindung darstellendes Darmadstringens, welches, etwas in Wasser löslich, durch 
den Magensaft nicht zersetzt wird. Nach den Erfahrungen von M. wurde das 
Präparat gern genommen, ist kulinarisch gut unterzubringen und sowohl per os 
wie per dysma in grossen Gaben selbst ohne Schaden dosierbar. Es bewahrt 
sich als Adstringens und Darmtonicum, indem es »die Antiperistaltik des Magen- 
darms nach kurzer Zeit aufhebt«, die Sekretion des Darms beschränkt und so ie 
Fäces eindickt. Der Preis ist nicht hoch. Pickardt (Berlin). 


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Wharton, Henry R.: Prolapsus of the rectum. (American joumal of med. Sciences, 

January.) 

Als beste Behandlungsmethode des habituellen Mastdarmvorfalls wird die 
von Allingham empfohlen: Aetzung der Schleimhaut des voigefallenen Darm- 
Stückes mit Add. nitr. Hesse (Kissingen). 


Foster, Michael» 0.: Membranous Colitis. (Edinburgh med. joum., Februaiy.) 

Zur Therapie werden aufsteigende Darmdouchen und die sog. douche 
sons-marin. empfohlen, wie sie besonders in Plombifcres Vosges üblich sind. 

Sonst nichts Neues. Hesse (Kissingen). 


Briggs, C. L: Laparotomy for Perforation in typhoid fever. (American journal of 

med. sdences, Januaiy.) 

Berichtet über 6 Fälle von Typhus, in denen wegen Perforation laparoto- 
miert wurde. 4 mal fand sich die diagnostizierte Perforation, und von diesen 4 
Fällen konnte einer gerettet werden. Hesse (Kissingen). 


Croftan, Alfred C: Some experiments of the intermediary drculation of the bile adds. 
A contrfbution to our knowledge of Icterus. (American jouraal of med. sdences, 

Januaiy.) 

Auf Orund leider wenig zahlreicher Untersuchungen kommt Verf. zu folgenden 
Schlüssen: Im Blut normaler Hunde und Menschen finden sich stets Oallensäuren, 
und zwar sind sie an die korpuskulären Elemente gebunden. Unentschieden lässt 
Verf. vorläufig, ob es sich um die roten oder weissen Blutkörperchen handelt; 
wahrscheinlich aber sind es die letzteren. 

Die Aufgabe der Gallensäuren besteht, abgesehen von ihrer intraintestinalen, 
auf die Verf. nicht eingeht, vermutlich in der Beteiligung an der Zerstörung zelli- 
ger Oebilde, vor allem der roten Blutkörperchen. Dann üben sie einen Einfluss 
auf die Oallenabsonderung aus, helfen bei der Blutkoagulation und beeinflussen 
die Vasodilatation. 

Wegen des Vorkommens der Oallensauren im Blut des Oesunden sind 
alle Theorieen bez. hepatogenen und hämatogenen Ikterus, die wir auf An- oder 
Abwesenheit von Gallensäuren im Blute stützen, anfechtbar. 

Hesse (Kissingen). 


Chassel, L (Wien): Zur Behandlung des Ileus. (Wiener med. Presse, Nr. 4.) 

Verf. empfiehlt die Darmpunktion bei hochgradigem Meteorismus, und 
zwar einmal als temporär wirkendes Mittel, falls man nicht in der Lage ist, 
sofort zu einem radikalen Eingriff zu schreiten, ln seltenen Fällen kann aber die 
Darmpunktion in Verbindung mit anderen Massnahmen auch zur Heilung führen. 
Bezüglich der Technik der Darmpunktion bemerkt Verf. folgendes: Womöglich 
führe man dieselbe in der Linea alba, sonst an einer anderen nicht zu abhängigen 
Stelle aus, an der man sicher keine grösseren Gefässe verletzen kann. Selbst¬ 
verständlich muss an der betreffenden Stelle tympanitischer Schall vorhanden sein. 
Die feine Kanüle wird zunächst ohne Verbindung mit der Spritze senkrecht ein¬ 
gestochen, bis Gas unter einem leicht zischenden Geräusch austritt Manchmal 
verstopft sich die Kanüle während der Einführung durch Gewebsstücke, die sie 
auf dem Wege in das Darmlumen aufgenommen hat oder durch ein Partikelchen 
des flüssigen Darminhalts; das letztere geschieht auch häufig später während des 
Durchgehens der Gase, ln diesem Falle aspiriert man die steckengebliebenen 


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Teile mit der angesetzten Spritze. Lässt die Spannung des Leibes nach, so ent¬ 
wickelt das ausströmende Oas kein hörbares Geräusch mehr, man kontrolliert 
dann das Funktionieren der Kanüle durch eine vorgehaltene kleine Flamme, ln 
der Regel ist das ausströmende Oas durch seinen penetranten Oeruch bemerkbar. 
Die Kanäle bleibt '/ 4 — 7,-1 Stunde lang liegen, so lange das Oas ausströmt, 
dann wird sie mit einem Ruck entfernt Die Punktion kann, wenn der Meteoris- 
mns wiederkehrt, selbstverständlich an derselben, besser jedoch an einer anderen 
Stelle wiederholt werden. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


I. Fdsberg, N. M.: Atropin bei Darmimpermeabilität 

II. Medern, A. S.: Beitrag zur Behandlung der Darmimpermeabilität mittels Atropin- 

htfcktionen nach der Methode von Bätsch. (Wratsch, 1901, Nr. 51.) 

I. Feinberg hat in einem Falle von schwerem Ileus bei einer 67jährigen 
Patientin mittels der in der Ueberschrift bezeichneten Methode einen so augen- 
filligen Erfolg erzielt, dass er die Methode durchaus empfehlen zu müssen 
glaubt, besonders für die Landpraxis, wo von einer Laparotomie nicht die Rede 
sein kann. Bei genauer Dosierung des Mittels sei dasselbe verhältnismässig un¬ 
schädlich. 

II. Die Mitteilung Medem’s, der gleichfalls ein erfolgreich behandelter 
Fall zu Orunde liegt, lautet in gleich günstigem Sinne. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


Ctajftor, Thomas A.: Undnariods (Ankylostomiads). A further report of a case with 
notes upon the antopsy. (American joum. of med. Sciences, Januaiy.) 

Die Infektion mit Anchylostomum duoden. gewinnt in Amerika an Interesse, 
da in der neuesten Zeit sich die Anzahl der Erkrankungen in den verschiedensten 
Stuten der Union häuft 

Die Sektion ergab in diesem Falle keine Hämorrhagieen im Jejunum und 
Duodenum. 

Im Colon fanden sich die solitären Follikel vergrössert. Ausserdem be¬ 
trächtliche Vergrösserung von Leber und Milz. Hesse (Kissingen). 

Cabdiera, Barda: Ein Fall von akuter Manie, hervorgerufen durch eine Taenia solium. 
(£l Siglo mddico, Dezember 1901.) 

Ein kräftiger junger Mann, welcher in einem hochgradigen Excitations- 
stadium eingeliefert wurde, verfiel alsbald unter der Wirkung von Narkoticis in 
eine tiefe Depression, ln diesem Zustande entdeckte man bei ihm, dass er eine 
Taenia solium im Darm beherbeigte: mit einem Schlage hörten nach Abtreibung 
derselben alle Zeichen von Oeisteskrankheit auf, Pat blieb gesund. 

Verf. glaubt, dass wie bei Kindern durch Askariden Krämpfe, so auch durch 
andere Parasiten schwere Oehim-Erscheinungen erzeugt werden könnten. Die 
Annahme einer reflektorischen Reizung seitens des Bauch-Sympathikus genügt 
jedoch zu ihrer Erklärung nicht A. Berliner (Berlin). 

Beraard et Bigart: Ueber embryonale Bindegewebsentwicklung in der Leber bd ge¬ 
wissen Nierenkrankbeften. (Soddtd de biologie, Nr. 1.) 

Sowohl bei chronischer parenchymatöser Nephritis wie bei der Schmmpf- 
aiere finden sich konstant eigenartige Veränderungen in der Leber, welche viel¬ 
leicht in der Pathogenese der Urämie eine Rolle spielen; dieselben sind je 


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nach der Natur der Nierenaffektion mehr epithelialen oder interstitiellen Charakters: 
meistenteils sieht man die Trabekel auseinandergedrängt durch Reihen mono- 
nukleärer Leukocyten, welche erweiterte Kapillaren einschliessen; die Aehnlich- 
keit mit der Stauungsleber ist auffallend, doch fehlen Blutungen völlig, ln anderen 
Fällen haben die Leukocyten vollkommen den Charakter embiyonaler Zellen an¬ 
genommen, gleichzeitig bemerkt man auch eine stärkere intertrabekuläre Bindege- 
websentwicklung. Es sind beide Prozesse als Frühstadien einer Cirrhose aufzufassen, 
welche auf dem Punkte einer »embiyonalen Sklerose« stehen geblieben ist 

Experimentell konnten diese Veränderungen bei Hunden und Kaninchen 
hervorgerufen werden nach Exstirpation einer Niere, nach Ureteren-Unterbindung 
und künstlicher Eizeugung von Hydronephrose. A. Berliner (Berlin). 

Posüdowsld, W. F.: Ueber einen Fall von Lebervergrösserung bei einem 57jährigen 
Kinde. (Wratsch, 1901, Nr. 50.) 

Das 57 t Jahre alte Mädchen wurde wegen Schmerzen in den unteren Ex¬ 
tremitäten und Vergrösserung der Leber aufgenommen. Vor einigen Monaten er¬ 
krankte das Kind an Keuchhusten. Ein paar Monate später fand man im Ham 
Eiweiss und körnige Zylinder. Nach weiteren 2 Monaten gesellten sich Ikterus, 
dann blutunterlaufene Stellen an den Waden und starke Schmerzhaftigkeit der¬ 
selben hinzu. Die Mutter des Kindes hatte in ihrer Kindheit Syphilis überstanden. 
Das eine Kind starb ihr im Alter von 5 Wochen an Pemphigus neonatorum. 
Leber sehr veigrössert, derb, bei Druck nicht schmerzhaft Der untere spitze 
Leberrand reicht bis zum Nabel. Milz vergrössert, derb. Im Harn spärliche 
körnige Zylinder. Permanentes Fieber von unregelmässigem Typus. Bezüglich 
der Pathogenese der Lebervergrösserung konnte an hereditäre Syphilis gedacht 
werden. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Zirulsld, M. D.: Ein Fall von Leber- und Herzsenkung. (Wratsch, 1901, Nr. 51.) 

Aus der Anamnese des 27 jährigen Patienten ergeben sich Rheumatismus 
(zweimal), Sturz, Husten, Asthma, Herzklopfen, Oedeme der unteren Extremitäten, 
welche Erscheinungen bereits einmal versdiwunden waren, jetzt aber wieder auf¬ 
getreten sind. Status: Patient ist mittelmässig gebaut und gut genährt Brust¬ 
korb fassförmig, rechte Seite bleibt bei der Atmung von der linken zurück. Vor 
einiger Zeit bestand Uebelkeit und Erbrechen, die dann verschwanden. Tempe¬ 
ratur anfangs febril, dann normal. Cyanose der Lippen. In der Magengrube 
fühlt man einen harten pulsierenden Körper, dessen Pulsation zeitlich mit der 
Pulsation der Arteria radialis zusammenfällt. Rechts vorn von der 4. Rippe be¬ 
ginnend Dämpfung infolge eines pleuritischen Exsudats, die rechts hinten un¬ 
mittelbar in die Leberdämpfung übergeht; hinten reicht die Dämpfung bis 2 Quer- 
fingerbreiten oberhalb des unteren Schulterblattwinkels, Leber weich, schmerzfrei, 
Leberoberfläche glatt, Leberränder abgerundet. Herzdämpfung beginnt an der 4. 
Rippe, reicht links 2 Querfingerbreiten über die linke Mamillarlinie hinaus, 
rechts über die rechte Parasternallinie, untere Grenze der Dämpfung 1 Quer¬ 
finger unterhalb des Schwertfortsatzes. Herzstoss im 6. Interkostalraum. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Maurel: Note sur lliyperleucocytose dans les affections du fole. (Socidtd de biologie. 

Nr. 1.) 

Verf. hat bei einer Anzahl von Leberaffektionen der heissen Zone eine 
leichte Hyperleukocytose des Blutes finden können, welche zwischen 10000 und 
20000 Leukocyten schwankte, also die Norm um das Doppelte bis Vierfache über¬ 
traf. Von anderer Seite (Bo in et) wurde bei der dysenterischen Form der Hepa¬ 
titis suppurativa eine Vermehrung der weissen Blutkörperchen bis auf das Sechs- 


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und Zehnfache (30000—50000 Leukocyten) konstatiert; es lässt sich daher, falls 
andere Zeidien einer Lebererkrankung vorhanden sind, dieser Befund für die 
Diagnose des Leberabscesses mit verwerten. Bei dem fieberhaften Ikterus sowie 
bei Gallensteinkoliken wurden so hohe Zahlen niemals angetroffen. 

A. Berliner (Berlin). 


Donoghue, Pfands D.: A case of acute Cholecystitis with gangrene; cholecystectomy; 
recovery. (American joum. of med. Sciences, Februaiy.) 

»Die Cholelithiasis bildet eine beständige grosse Gefahr für ihren Träger«; 
diesen Satz illustriert Verf. an einem Fall, bei dem bei der Laparotomie eine 
grosse steingefüllte Gallenblase gefunden wurde, deren Wand an einer Stelle 
gangTänös und dem Durchbruch nahe war. A. Hesse (Kissingen). 

Ehret u. Stolz: Ueber infektiöse Cholangitis autoinfektiösen Ursprungs. (Berliner klin. 

Wochenschr., Nr. 1.) 

Im Verfolg früherer mehrfacher Experimente, in welchen die Verff. zeigen 
konnten, dass das wesentliche Moment zur Etablierung einer infektiös-entzündlichen 
Erkrankung der Oallenblase eine Schädigung der Motilität derselben sei, haben 
sie versucht, auch ohne künstliche Einbringung fremder Keime in die Oallenwege, 
lediglich eben durch motorische Schädigung eine Cholecystitis und Cholangitis, 
also autoinfektiöser Provenienz, zu schaffen. Die Versuchsanordnung war folgende: 
Hunden wurde in der Narkose nach Laparotomie in einer Reihe sterile Qlas- 
kugeln, in einer andern sterile Wattetampons aseptisch in die Oallenblase bis 
zur Ausfüllung derselben versenkt, und ein Teil der Tiere nach einer Zeit, inner¬ 
halb welcher eine etwaige Operationsinfektion hätte auftreten und ablaufen müssen, 
getötet ln der ersten Reihe zeigte sich, besonders bei den Tieren, welche ab¬ 
sichtlich einer schlechteren Ernährung mit konsekutiven Intestinalstörungen ausge¬ 
setzt waren, das Bild einer lokalisierten eitrigen infektiösen Cholecystitis, während 
in der zweiten, bei welcher die Wattekügelchen eine darmwärts gerichtete Wande¬ 
rung antreten konnten und zum Teil audi an traten — die Papille wird nur selten 
überschritten — wie erwartet, eine eitrige, bis in die feinsten Verzweigungen des 
Gallenbaumes reichende Entzündung sich manifestiert hatte, ln einem Falle 
waren in der Leber zahlreiche kleine pericholangitische Abscesse. Die aus den 
infizierten Gallenblasen entnommenen Keime unterschieden sich nicht wesentlich 
von der Flora, welche sich zu den zur Erzeugung einer experimentellen Chole¬ 
cystitis und Cholangitis eingeführten Keimen hinzugesellt; sie gehören zumeist zur 
Coligruppe. Pickardt (Berlin). 

Rfihl, Wilh. (Dillenburg): Ueber steile Becken-Tieflagerung bei Operationen an den 
Gallengängen. (Münchener med. Wochenschr. Nr. 5.) 

Publikation von rein chirurgischem Interesse, in der unter Mitteilung eines 
operativ behandelten Falles von chronischem Choledochusverschluss die steile 
Becken-Tieflagerung zwecks besserer Uebersicht über das Operationsfeld sowie 
ev. Stillung grösserer Blutungen bei Operationen im oberen Bauchraum empfohlen 
wird. Schade (Göttingen). 

Kehr, Hans (Halberstadt): Eine seltene Anomalie der Gallengänge. (Münchener med. 

Wochenschr., Nr. 6.) 

Zur Veröffentlichung der kleinen, eine anatomische Abnormität der Oallen¬ 
blase und Gallengänge erwähnenden Mitteilung scheint nicht am wenigsten der 
glückliche Umstand Veranlassung gegeben zu haben, dass es sich dabei um die 
655. Gallensteinlaparotomie des Verf.’s handelt. Schade (Oöttingen). 


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Salomon: Zar Organotherapie der Fettsffihle bei PankraserkraHkung. (Berliner klin. 

Wochenschr., Nr. 3.) 

Verf. hat an der Abteilung v. Noorden’s die Frage studiert, inwieweit 
man die Fettresorption bei pankreatogener Steatorrhoe durch neuere Pankreatin¬ 
präparate verbessern kann. Bei einer Diabetica mit typischen Fettstühlen (49 bis 
52 °/ 0 Ausfuhr) verringerte Pankreatin der Fabrik Rhenania Aachen den Verlust 
auf 19,7—17,3% des eingeführten Fettes. Ebenso besserte sich* die N-Resorption. 
Pankreatin-Hauswald erwies sich als resultatlos. Siebenmonatlicher Oebrauch des 
gegen Magensaft resistenten Pankreon (Tanninpankreatin)-Rhenania hatte, wie eine 
spätere Stoffwechseluntersuchung lehrte, eine »Erholung der fettverdauenden 
Funktionen« veranlasst. 

ln einem zweiten Falle, in welchem sich der Einfluss der Pankreon- 
darreichung auf die Fettresorption ebenso deutlich dokumentierte, stieg in der 
Pankreonperiode das bis dahin bis zu einem Maximum von 2 dg pro die ausge¬ 
schiedene Aceton bis zu einer Höhe von 2,17 g; es ist also damit ein Wahr¬ 
scheinlichkeitsbeweis gegeben für die neuerdings behauptete Entstehung von 
Aceton aus Fett Pickardt (Berlin). 

Urena: Ein Fall von Spontan-Heilung einer penetrierenden Bauchwunde. (£l Siglo 

mddico, 1901, November.) 

Ein 19jähriger Maurer hatte einen Messerstich in die linke Bauchseite er¬ 
halten; in die Wunde war ein 5 cm langes Stück Netz vorgefallen und blieb dort 
frei beweglich liegen. Der Kranke umsdmürte die Basis des Hemieninhalts mit 
einem Faden, legte etwas Jodoformsalbe auf und wickelte eine schmutzige Leinen¬ 
binde um. Obgleich er dann ruhig weiter arbeitete und weite Wege zurücklegte, 
trat keine Spur entzündlicher Reaktion noch Peritonitis auf. Nach 14 Tagen be¬ 
gann das Netzstück sich nekrotisch abzustossen; es erfolgte spontane Heilung. 

Der Fall mahnt dazu, bei erster Hilfeleistung, wo keine sorgfältige Des¬ 
infektion vorgefallener Organe des Abdomens möglich ist, sich lieber auf ein kon¬ 
servatives Verhalten zu beschränken, als verhängnisvolle Repositionsversuche zu 
machen. A. Berliner (Berlin). 


Mochizucld, J.: Ueber die Resorption der Eiweisskörper von der Schleimhaut des Dick- 
darmes nach Versuchen mit Thymusklystieren. (Archiv für Verdauungskrankheiten, 

Bd. 7, H. 3.) 

M. weist an der Hand von 2 Stoffwechseluntersuchungen — darunter ein 
Selbstversuch — nach, dass die Eiweisskörper der Thymusdrüse vom Mastdarm 
aus gut zur Resorption gelangen. Die Resorption wurde erschlossen aus der 
Steigerung der Harnsäureausscheidung im Urin bei gleichzeitiger Vermehrung der 
N- und P s O fi -Ausfuhr durch den Ham. Die Eiweisskörper der Thymusdrüse 
scheinen sich wegen ihrer guten Resorption (in dem einen Falle 56 %) als Zusatz 
zu Nährklystieren besonders gut zu eignen. Verf. schliesst aus der Thatsache, 
dass das im Mastdarm befindliche NukleoproteTd die Hamsäureausscheidung im 
Urin steigert, in Bestätigung der Angaben Weintraud’s, dass die normaler Weise 
mit dem Verdauungssekrete und -Exkrete, den Epithelien und Wanderzellen, in 
den Darmkanal abgesonderten Kemsubstanzen die Muttersubstanz darstellen für 
einen Teil der im Urin ausgeschiedenen Harnsäure. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Coaldy-Byron: Ueber Kochsalzinjektionen in das Organparenchym. (Sodötö de biologie, 

1901, Nr. 41.) 

Nach Versuchen an Hunden zeigte sich, dass parenchymatöse Organ- 
Injektionen von physiologischer Kochsalzlösung in Milz und Leber ausserordentlich 


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schnell resorbiert werden. Die Wirkung auf das Blut äusserte sich in einer Leukocy- 
tose. In der Milzvene traten Normoblasten und Megaloblasten auf, die Zahl der roten 
Blutkörperchen nahm überhaupt zu. Beim Menschen wurden 60 ccm injiziert: 
bei einem Coma diabeticum mit völliger Anurie trat nach direkter Injektion in die 
Niere reichliche Diurese auf, desgleichen bei einem Typhus-Kranken nach In¬ 
jektion in die Milz Besserung der Herzschwäche. Bei Pneumonie wurde der Ein¬ 
griff mit kleinen Aderlässen kombiniert: als Wirkung wurde das Auftreten feuchten 
Rasseins in den hepatisierten Bezirken konstatiert 

Verf. glaubt auf diese Weise eine intensive Durchwaschung der Oigane 
behufs Elimination von Toxinen erzielen zu können. A. Berliner (Berlin). 

Ackard, Cb.: Les ferments du sang et leur iutärtt dinique. (Gaz. hebd. de m£d. et 

de chir., 1901, Nr. 92.) 

Von den drei Fermenten, welche die Fibringerinnung beeinflussen, 
Plasmose oder Fibrinferment, Thrombase, welche die Gerinnung hindert, und dem 
fibrinolytischen Ferment, hat nur das erstere klinisches Interesse, insofern als es 
wichtig wäre, die verschiedene Wirksamkeit in pathologischen Zuständen, besonders 
bei Kranken, bei welchen an verschiedenen Punkten ihres Oefässapparates Throm¬ 
bosen entstehen, und bei Hämophilie festzustellen. Bis jetzt sind brauchbare Resultate 
nicht erzielt Ein sehr grosses Interesse scheint denOxydasen, von denen man direkte, 
Guajaktinktur blaufärbende, oder indirekte, Sauerstoff zersetzende, annimmt, und 
den ihnen entgegengesetzt wirkenden, Blut und Oewebe reduzierenden Fermenten 
zuzukommen namentlich in Bezug auf den Stoffwechsel. Aber auch hier liegen 
technische Schwierigkeiten für die Erweiterung der Kenntnisse vor. Ueber das 
glykolytische Ferment ist man genauer unterrichtet Vorgeschrittene Diabetiker 
zeigen eine ungenügende Konsumption der zugeführten Olykose, eine glykolytische 
Insuffizienz. Sie trifft man auch bei durch diätetische Behandlung geheilten Dia¬ 
betikern, bei gewissen Individuen, welche einige diabetische Symptome, aber keine 
Glykosurie bieten, aber später vielleicht glykosurisch werden (Diabfcte fruste) und 
in manchen Krankheitszuständen, bei chronischen Affektionen mit Kachexie wie 
Tuberkulose, Krebs, bei akuten Affektionen wie Pneumonie, Gelenkrheumatismus 
u. s. w. als transitorische Erscheinung. Dies gilt nur für Olykose. Andere Zucker¬ 
arten vermögen die Oewebe nicht auszunutzen, sie werden als solche im Urin 
ausgeschieden bei Einführung unter die Haut und im Darm nicht gespalten; 
Saccharose, Laktose. Dagegen sind Lävulose und Oalaktose durch die Oewebe direkt 
assimilierbar, werden hier in mehr weniger grossen Massen zersetzt und zwar un¬ 
abhängig von der glykolytischen Kraft. Olykolytische Insuffizienz ist nicht von 
lävulolytischer Insuffizienz begleitet, ein Faktor, auf welchem sich der Gebrauch 
der Lävulose bei Diabetikern gründet. 

Das klinische Interesse der Lipase, des Fermentes, welches Fette in Oly- 
cerin und Fettsäure spaltet, beschränkt sich auf die Prognose. Verminderte Akti¬ 
vität des Fermentes in beträchtlichem Grade ist ein ernstes Zeichen. Damit ist 
aber nicht gesagt, dass man nicht auch mit einem normalen Wert der Lipase 
sterben kann. So können Kranke an Synkope, Apoplexie, Meningitis zu Orunde 
gehen mit fast normaler Lipase. 

Auch die immer im Digestionstraktus vorhandenen Fermente, Pepsin, 
Tiypsin, Diastase kommen im Blute vor. Sie sind nach verschiedenen Richtungen 
hin untersucht. Die Vergleichung der verschiedenen, dem Kliniker zugänglichen 
Blutfermente ergiebt folgendes: Im psychologischen Zustand zeigen sie einige Ver¬ 
schiedenheiten und einige gemeinsame Punkte. Nahrungszufuhr scheint keinen 
deutlichen Einfluss auf sie auszuüben. Hungern giebt widersprechende Resultate. 
Aber niemals werden die Blutfermente ganz unterdrückt. Pilokarpin vermehrt sie 
im allgemeinen, z. B. Lipase und Amylase. Einige werden experimentell be¬ 
schränkt durch die Injektion von Substanzen, auf welche sie wirken: Antilab¬ 
ferment, Amylase. In Krankheiten ist die Aktivität der Blutfermente bald gesteigert, 


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bald vermindert Im allgemeinen sind diese Schwankungen unabhängig von der 
Natur der Krankheit Sie beziehen sich vielmehr auf das Gesamtverhalten des 
Organismus und die allgemeine Widerstandskraft. So kann die Lipase bei einem 
blühenden Diabetiker gesteigert, bei einem kachektischen herabgesetzt sein. Ander¬ 
seits kann eine und dieselbe Krankheit von entgegengesetztem Verhalten der ver¬ 
schiedenen Fermente begleitet sein. Im Diabetes ist Lipase im allgemeinen ver¬ 
mehrt, während das glykolytische und amylolytische Ferment vermindert sind. 
Besonders wichtig — das betont Verf. am Schluss — ist das Verhalten der 
Fermente in prognostischer Beziehung. Sie und besonders die Lipase geben 
wertvolle Hinweise auf die allgemeine Widerstandsfähigkeit des Organismus 
bei inneren Affektionen. Auch Chiruigen können sich die Untersuchungsresultate 
in bezug auf operative Indikationen nützlich erweisen. 

v. Boltenstern (Leipzig). 

Nasse: lieber die Verwendbarkeit des Mülon’schen Reagens. (Pflüger’s Archiv, 

Bd. 83, 1901, S. 361.) 

Verf. berichtigt und erweitert den früher von ihm ausgesprochenen Satz, 
dass den einfach hydroxylierten aromatischen Körpern die Millon’sche Reaktion 
»sowohl was die Farbe als was die allgemeinen Eigenschaften des Niederschlages 
angeht«, eigen ist. Es zeigt sich nämlich eine Gesetzmässigkeit in der Färbung 

bei allen Derivaten von der Formel Q,H 4 ^^ insofern, als die Ortho-Verbin¬ 
dungen durchgängig braunrot, die Para-Verbindungen blaurot bis blau, bei starker 
Verdünnung rosarot gefärbt werden, während die Färbung der Meta-Verbindungen 
wenig bestimmt ausfällt. Es ermöglicht also die Millon’sche Reaktion ein 
rasches Urteil über die Stellung der Substituenten und stellt ein wesentliches Hilfs¬ 
mittel für das Studium der Hydroxylierung von OH-freien Benzolderivaten dar. 
In beschränkterem Masse ist die Reaktion bezüglich der Farbenunterschiede auch 

verwendbar bei den Phenoläthem von der Formel C„H 4 ^q{^; nur tritt hier, wenn 

das Reagens stark sauer ist, Verseifung ein. Zur Anstellung der Reaktion benutzt 
Verf. eine wässrige Lösung von Quecksilberacetat, welche vor dem Gebrauche 
mit wenigen Tropfen einer l°/ 0 igen Lösung von Natrium- oder Kaliumnitrit ver¬ 
setzt wird. Szubinski (Göttingen). 

Bychowsk, Z.: Eine einfache and empfindliche Eiweissprobe. (Deutsche med. Wochen- 

schr., Nr. 2.) 

In der Kinderpraxis muss man oft mit einigen Tropfen Urin entscheiden, 
ob Eiweiss vorhanden oder nicht. Die üblichen Eiweissproben sind dazu nicht 
anwendbar, bequem gelingt es aber, wenn man einige Tropfen Urin in ein helles 
Glasgefäss mit heissem Wasser bringt, wobei in Gegenwart von Eiweiss eine 
deutlich wahrnehmbare opalesderende Trübung auftritt, die von der durch Phos¬ 
phate bedingten Trübung natürlich durch einen Tropfen Säure ausgeschlossen 
sein muss. Ha genberg (Oöttingen). 

Bradshaw, T. R. (Liverpool): Myelopathische Albumosurie. (Münch, med. Wochen- 

sehr., Nr. 5.) 

Verf. bemerkt bezüglich der Mitteilung von Jochmann und Schümm 
über das Vorkommen von typischer Albumosurie bei echter Osteomalade in 
Nr. 34 der Münch, med. Wochenschr., 1901 (Ref. dies. Centralbl., 1901, S. 514), dass 
es sich seiner Ansicht nach auch in diesem Falle um multiples Myelom, nicht um echte 
Osteomalade gehandelt habe, da der Obduktionsbefund vielmehr der pathologischen 
Anatomie derersteren als der letzteren entspreche. Somit bleibt nach B,’s Meinung 


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die von ihm ausgesprochene Ansicht, dass die myelopathische Albumosurie 
(= Auftreten des Be nce-Jones’schen Ei weisskörpers im Ham) pathognomonisch 
sei für die als multiples Myelom bezeichnete Knochenerkrankung, zu Recht be¬ 
stehen. Nach B.’s Berechnung sind bislang im ganzen 19 Fälle von typischer 
Albumosurie bekannt, die sämtlich tödlich endeten. Schade (Oöttingen). 

I. Rubner: Das Isodynamfegesetz. 

II. Volt, Carl: Das Isodynamiegesetz. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 6.) 

Gegen die gleichnamige in Nr. 53 der Münch, med. Wochenschr., 1901, 
(Ref. dies. Centralbl., S. 53) erschienene Arbeit Hösslin’s gerichtete Erwiderungen, 
welche die von letzterem aufgestellten Behauptungen der Pioritätsansprüche bei 
der Auffindung des Isodynamiegesetzes entkräften. Schade (Oöttingen). 

Friedmann: Die Beurteilung der Qualität der Frauenmilch nach ihrem mikroskopischen 
Bilde. (Deutsche med. Wochenschr., Nr. 4.) 

Bei der mikroskopischen Untersuchung hat man auf die Grössenverhältnisse 
und auf die Zahl der Milchkügelchen zu achten. Der Orösse nach hat man 3 
Gruppen zu unterscheiden: grosse, mittelgrosse und kleine. Die mittelgrossen 
sind am zahlreichsten vorhanden, an Zahl fast gleich sind die kleinen, während 
die grossen spärlich vertreten sind, etwa 10—20 im Gesichtsfeld bei 400-500- 
facher Vergrösserung. Sind die letzteren in grosser Zahl vorhanden, so handelt 
es sich um eine über den Durchschnitt hinausgehende fetthaltige und schwer ver¬ 
dauliche Milch. Von geringerem Wert ist die Milch, wenn die kleinen Fettkügel¬ 
chen das Gesichtsfeld beherrschen. Eine derartige Milch finden wir häufig als 
Grund von chronischen Dyspepsieen der Kinder, welche um so schwerer auftreten, 
je kleiner und zahlreicher die Milchkügelchen sind. Um genauere Zahlen zu ge¬ 
winnen, kann man sich ähnlicher Apparate wie bei der Blutkörperchenzählung 
bedienen, für die Praxis genügt meistens schon die ungefähre Schätzung. 

Hagenberg (Oöttingen). 


ynbattswftidmis. 

Original-Artikel: Orlowski, Witold: Ueber die Autointoxikation 
des Organismus mit Säuren, als ätiologisches Moment in der Pathologie der 
inneren Kranheiten, mit besonderer Berücksichtigung der Urämie S. 123. — 
Referate: Herman, Emest O.: Diabetes and pregnancy S. 133. — Umber, F.: 
Das Verhältnis von Zucker- und Stickstoffausscheidung beim Eiweisszerfall im 
Diabetes S. 134. — Pick: Psoriasis und Olykosurie S. 134. — Epstein, D. (Kiew): 
Ein Fall von Speichelgangfistel. (Fistula ductus Stenoniani — Operation. Hei¬ 
lung) S. 134. — Shambangh, Oeorge E.: On sarcoma of the radix linguae with 
report of a case S. 135. — Starck, H.: Ueber die Beziehung vom öesoptius- 
divertikel zu Empyem und Lungenbrand S. 135. — Einhorn, M.: Ueber idiopathische 
Oesophagusdilatation S. 135. — Herschell, George: On the treatment of nervous 
indigestion on gastric neurasthenia S. 136. — Zweig, W.: Die Bedeutung der 
Costa fluctuans decima S. 136. — Stiller, B.: Die diagnostische Bedeutung der 
Costa decima fluctuans S. 137. — Schüle: Die diagnostische Bedeutung des 
Magenplätschems S. 138. — Hesse, A. (Kissingen): Magengeschwür oder Gallen¬ 
blasenleiden? S. 138. — Oarcia y Hurtado: Ein Fall totaler Exstirpation des 
Magens S.138. — Schmidt, Ad. (Bonn): Beiträge zurDiätotherapie bei Magen- und 


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148 


Darmkrankheiten S. 139. — Manasse: Ueber den praktischen Wert der Bismutose 
S. 139. — Wharton, Heniy R.: Prolapsus of the rectum S. 140. — Fostcr, 
Michael O.: Membranous Colitis S. 140. — Briggs, C. E.: Laparotomy for 
Perforation in typhoid fever S. 140. — Croftan, Alfred C.: Some experiments o! 
the intermediaiy circulation of the bile acids. A contribution to our knowledge 
of icterus S. 140. — Chassel, L (Wien): Zur Behandlung des Ileus S. 140. — 
I. Feinberg, N. M.: Atropin bei Darmimpermeabilität; 11. Medem, A. S.: Beitrag 
zur Behandlung der Darmimpermeabilität mittels Atropininjektionen nach der 
Methode von Bätsch S. 141. — Claytor, Thomas A.: Undnariosis (Ankylostomiasis). 
A further report of a case with notes upon the autopsy S. 141. — Cabellero, 
Burda: Ein Fall von akuter Manie, hervoigerufen durch eine Taenia soliuni 
S. 141. — Bemard et Bigart: Ueber embiyonale Bindegewebsentwlcklung in der 
Leber bei gewissen Nierenkrankheiten S. 141. — Postalowsld, W. F.: Ueber 
einen Fall von Lebervergrösserung bei einem 5 1 /* jährigen Kinde S. 142. — 
Zirulski, M. D.: Ein Fall von Leber- und Heizsenkung S. 142. — Maure!: Note 
sur l’hyperieucocytose dans les affections du foie S. 142. — Donoghue, Frands D.: 
A case of acute Cholecystitis with gangrene; cholecystectomy; recovery S. 143. — 
Ehret u. Stolz: Ueber infektiöse Cholangitis autoinfektiösen Ursprungs S. 143. — 
Rühl, Wilh. (Dillenburg): Ueber steile Becken-Tieflagerung bei Operationen an 
den Oallengangen S. 143. — Kehr: Hans (Halberstadt): eine seltene Anomalie 
der Qallengänge S. 143. — Salomon: Zur Organotherapie der Fettstühle bei 
Pankreaserkrankung S. 144. — Urena: Ein Fall von Spontanheilung einer pene¬ 
trierenden Bauchwunde S. 144. — Mochizucki, J.: Ueber die Resorption der 
Eiweisskörper von der Schleimhaut des Dickdarmes nach Versuchen mit Thymus- 
klystieren S. 144. — Coakly-Byron: Ueber Kochsalzinjektionen in das Organ¬ 
parenchym S. 144. — Achard, Ch.: Les ferments du sang et leur intlret dinique 

S. 145. — Nasse: Ueber die Verwendbarkeit des Millon’schen Reagens S. 146. — 
Bychowsk, Z.: Eine einfache und empfindliche Ei weissprobe S. 146. — Bradshaw, 

T. R. (Liverpool): Myelopathische Albumosurie S. 146. — I. Rubner: Das Iso¬ 
dynamiegesetz; II. Voit, Carl: Das Isodynamiegesetz S. 147. — Friedmann: Die 
Beurteilung der Qualität der Frauenmilch nach ihrem mikroskopischen Bilde S. 147. 


Hlpbabetifch geordnetes Jnhaltsverfeidntl*. 

Albumosurie S. 146. — Ankylostomiasis S. 141. — Autointoxikation S. 123. 

— Bauchwunde, penetrierende S. 144. — Bismutose S. 139. — Blutferment S. 145. 

— Cholangitis S. 143. — Colitis membranosa S. 140. — Costa fluctuans S. 136. — 
Diabetes S. 133. 134. — Dickdarmresorption S. 144. — Dyspepsie, nervöse S. 136. 

— Eiweissprobe S. 146. — Eiweissresorption S. 144. — Fettstühle S. 144. — 
Frauenmilch S. 147. — Gallenblasenleiden S. 138. 143. — Gallengänge, Abnormi¬ 
täten der S. 143. — Gallensäuren S. 140. — Olykosurie S. 134. — Hyperleuko- 
cytose bei Leberleiden S. 142. — Ikterus S. 140. — Ileus S. 140. — Ileus und 
Atropin S. 141. — Isodynamiegesetz S. 147. — Kochsalzinfusion S. 144. — Leber¬ 
krankheit S. 141—143. — Lebersenkung S. 142. — Lebervergrösserung S. 142. — 
Magendarmkrankheiten, Behandlung der S. 139. — Magenexstirpation S. 138. — 
Magengeschwür S. 138. — Magenplätschem S. 138. — Mulon’sches Reagens S. 146. 

— Nierenkrankheiten S. 141. — Oesophagusdilatation S. 135. — Oesophagus- 
divertikel S. 135. — Pankreaserkrankungen S. 144. — Psoriasis und Glykosurie 
S. 134. — Rektumprolaps S. 140. — Säureautointoxikation S. 123. — Speichelgang¬ 
fistel S. 134. — Taenia solium und Manie S. 141. — Typhus S. 140. — Urämie 
S. 123. — Zungensarkom S. 135. 


Berichtigung. 

In Nr. 2 dies. Centralbl. ist auf S. 33 Z. 21 v. u. 245 statt 246 mg, und 
auf S. 35 Z. 8 v. o. 119 statt 19 mg zu lesen. W. Orlowski. 

Original-Mitteilungen, Monographien und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen, Alleestr. 6, einsenden. 


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Das Beste 
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6ine erste Stelle 

6emissmitteln der Gegenwart 

nimmt unbedingt „Maggi zum Würzen“ ein. Suppen, Saucen, Gemüse etc. 
erhalten durch einen geringen Zusatz dieser Würze einen überraschenden, 
kräftigen Wohlgeschmack, wie er so billig durch kein anderes Mittel 
zu erreichen ist. ..Maggi zum Würzen“ ist eine Appetit und Verdauung be¬ 
fördernde reizlose Würze, die keine unangenehmen Nebenwirkungen auf 
Magen oder Darm, auf Nieren oder Blase hervorruft; es leistet deshalb 
in der Krankenernährung hervorragende Dienste. 

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Kindern, alten Lauten, Zuständen erheblicher 8chwiohe und wo Collups zu befürchten Ist 
Mittlere Dosis für Erwachsene: 1,6 gr. als Pulver, 1 oder 2 mal pro die, ohne Zusatz. 

Proben, Litteratur und alle sonstigen Details zu Diensten. 

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Extraete, Jodpr&parate ete. 


mt. * a 


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Nr. 6. 


Zweites März-Heft 1902, 


3. Jahrgang. 


Crnfralblaff 

für 

Stoffwechsel- & VerÖauungs-Kranklitikn 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck ft Raprecht In Oöttingen. 


Mouffich 2 Nrn. von 1 Vs—2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
* halbjähriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Portmstahen des In- und Auslandes, Nr. 1489 der Zeitungs-Preisliste f. d. Deutsche Reich. (Postbezug 
in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausserhalb Europas 1 Mark 20 Pf. jährlich mehr.) 


Original-HrtikeU 

Aus der medizinischen Klinik zu Oöttingen. 

(Direktor: Oeh. Med.-Rat Prof. Dr. Ebstein.) 

(Über alimentäre Glukosurie nach ßarkosen. 

Von 

Dr. Ernst Bendix, 

Assistent an der medizinischen Universitätsklinik. 

Die kleine experimentelle Studie, über die ich hier kurz berichten 
möchte, wurde durch folgende von Ebstein 1 ) neuerdings mitgeteilte Be¬ 
obachtung angeregt: eine 51jährige an einem leichten Diabetes mellitus, 
verbunden mit Fettleibigkeit leidende Frau wird durch entsprechende Diät 
innerhalb verhältnismässig kurzer Zeit auf eine Zuckerausscheidung von 
wenigen Gramm pro die gebracht Sodann unterzieht sich Patientin wegen 
eines iireponiblen, ihr Leben bedrohenden Nabelbruchs einer Operation, 
welche unter Chloroformnarkose ohne weitere Zwischenfälle verlief; auch 
die Wundheilung erfolgte glatt ohne Störung. Von grösstem Interesse war 
der Einfluss der Chloroformnarkose auf den Stoffwechsel der Patientin, in¬ 
dem die Zuckerausscheidung plötzlich bis zu einer beträchtlichen Höhe von 
zeitweilig über 180 g pro die anstieg und längere Zeit hindurch andauerte. 


1) Wilhelm Ebstein: Vererbarecellulare Stoffwechselkrankheiten, 
gart 1902. 


Nr. 6. 


Stutt- 


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150 


Aehnliche — allerdings kaum so instruktive — Fälle finden sich mehr¬ 
fach in der Litteratur. So auch z. B. die Angabe, dass im Anschlüsse an 
eine Chlorormnarkose erst ein echter schwerer Diabetes mellitus zum Aus¬ 
bruche kam, und zwar bei solchen Patienten, bei denen vorher niemals 
Zucker im Urin nachgewiesen werden konnte. 

Es ist auch bekannt, dass in einem, von verschiedenen Autoren 
allerdings sehr verschieden gross angegebenen Teile von chloroformiert 
Gewesenen vorübergehend Olykosurie eintritt Hier ist allerdings zu be¬ 
merken, dass die Diagnose des Zuckers in der Mehrzahl der Fälle durchaus 
nicht als gesichert angesehen werden darf, indem Verwechselungen mit anderen 
reduzierenden Substanzen keineswegs ausgeschlossen erscheinen. Hier 
kommt vor allem die in neuerer Zeit erst recht in ihrer Bedeutung ge¬ 
würdigte Glykuronsäure (bezw. ein Glykuronsäure-Ester) in Frage, welche 
mit dem Zucker chemisch nahe verwandt ist und infolgedessen viele Re¬ 
aktionen mit ihm teilt 

Jedenfalls schien es geboten, der Frage nochmals experimentell näher 
zu treten. Zu diesem Zwecke wurden Hunde während längerer Zeit (Vj—1 St) 
im tiefen Chloroformschlafe gehalten, doch gelang es mir hierdurch allein 
niemals Zuckerharn zu erzeugen; wohl jedoch traten zeitweilig schwach 
reduzierende, aber gärungsunfähige Körper', wie oft auch unter normalen 
Verhältnissen, im Harne auf, auf deren genauere Präzisierung verzichtet wurde 
Jedenfalls aber Hess sich mit Sicherheit die Anwesenheit von Traubenzucker 
ausschliessen. 

Wenn es auf diese einfachste Weise nicht gelang, eine Verminderung 
der Zuckerassimilationsfähigkeit im tierischen Organismus nachzuweisen, so 
lag es nahe, jene Methode anzuwenden, deren wir uns in der Klinik allge¬ 
mein bedienen, um Störungen in der Zuckerassimilation bei Nichtdiabetikem 
nachzuweisen: ich meine den Nachweis einer »alimentären Glykosurie«, d. h. 
einer Glykosurie nach Darreichung einer bestimmten Menge von Trauben¬ 
zucker. Die Versuchsanordnung war also folgende: ein Hund, bei dem 
durch einfache Chloroformnarkose keine Glykosurie zu erzielen war, er¬ 
hielt eine bestimmte Menge Traubenzucker, wurde dann im Verlauf der 
nächsten 8—12 Stunden in mehrstündlichen Zwischenräumen katheterisiert 
und so auf alimentäre Glykosurie untersucht Wenn nachgewiesen war, dass 
auch diese Zuckermenge allein nicht im stände war, den Hund glykosurisch 
zu machen, so wurde er am nächsten Tage kurze Zeit nach Einverleibung 
einer gleich grossen Zuckermenge vermittels Chloroform narkotisiert und 
Vs—1 Stunde in tiefem Chloroformschlafe gehalten. Nach Verlauf von 
einigen Stunden wurde dann sein Urin wieder auf Zucker untersucht und 
zwar, wie ich gleich hier hervorheben möchte, immer mit positivem Erfolge. 

Ein Versuchsprotokoll mag zur Illustration angeführt werden: Ein 
mittelgrosser Dachshund von etwa 3 kg Gewicht, der einige Tage vorher, 
ohne glykosurisch zu werden, 1 Stunde lang narkotisiert worden war, erhält 
30 g Traubenzucker, in etwa 100 g Wasser gelöst, vermittels Schlundsonde 
eingegossen. Von 3 zu 3 Stunden wird er katheterisiert, ohne dass der 
Zuckemachweis gelingt Nach Verlauf von 2 Tagen erhält derselbe Hund, 


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151 


der immer unter gleichen Bedingungen gehalten wird, wieder auf die gleiche 
Axt 30 g Zucker beigebracht und wird darauf eine halbe Stunde lang in 
tiefer Chloroformnarkose gehalten. Nach 2 Stunden werden etwa 30 ccm 
Lirin mittels Katheter entnommen, und schon in diesem Ham gelingt 
leicht der Nachweis von 1,2% Zucker. Der Nachweis wurde durch Re¬ 
duktion, Polarisation, Gärung und Darstellung des charakteristischen Osazons 
erbracht 

Bei dieser Versuchsanordnung, d. h. also durch Darreichung von 
einer verhältnismässig kleinen Menge von Zucker und anschliessender Chloro- 
formiemng gelang es mir in allen Fällen, die Hunde glykosurisch zu machen. 

Nicht ganz so konstant fiel der Versuch aus bei Anwendung eines 
anderen Narkotikums — des Morphiums. Aber auch hier wurden in den 
meisten Fällen bei dieser Versuchsanordnung die Tiere glykosurisch, wenn 
die Narkose nur genügend tief war: neben der Morphium-Glykuronsäure 
Hess sich dann auch durch Gärung und Polarisation Traubenzucker nach- 
weisen, z. B. 0,8 % Traubenzucker in einem Falle. 

Fragt man nun, wie diese verminderte Assimilationsfähigkeit gegen¬ 
über dem Traubenzucker bei den durch Chloroform geschädigten Tieren zu 
erklären ist, so giebt dafür Ebstein in seinem oben zitierten Buche die Er¬ 
klärung: Ebstein nimmt als Grundursache eine durch das Chloroform be¬ 
dingte Schädigung des Protoplasmas — oder, um den von Verworn einge¬ 
führten kürzeren, prägnanten Ausdruck zu gebrauchen, der »Biogene« — an. 
Durch diese Chloroform-Vergiftung der Biogene kommt es nach Ebstein 
zu einer mangelhaften inneren Atmung, d. h. einer ungenügenden O s -Auf- 
nahme und CO*-Bildung — zu einer ungenügenden Verbrennung des 
Traubenzuckers. Diese Anschauungen finden eine experimentelle Stütze in 
dem von Winterstein 1 ) erbrachten Nachweis, dass chloroformierte Tiere eine 
Verminderung der O x -Aufnahme gegen die Norm zeigen. 

Vielleicht lässt sich diese der Klinik entlehnte Methode der Erzeugung 
von »alimentärer Glykosurie« noch weiter für.das Tier-Experiment nutzbar 
machen. So darf ich z. B. vielleicht zum Schluss noch erwähnen, dass Herr Dr. 
Bickel und ich diese Methode bei einem Hunde anwandten, dem wir einen 
Teil des Pankreas exstirpiert hatten, und der nach Darreichung von 30 g 
Zucker eine starke Glykosurie zeigte, während er vor diesem Eingriffe die 
doppelte Menge von Zucker anstandslos verbrannt hatte. Dieser letzte Ver¬ 
such kann wohl als Beweis dafür angesehen werden, wie nahe manche 
Formen der alimentären Glykosurie dem Diabetes stehen und gewissermassen 
nur als eine Vorstufe desselben angesehen werden dürfen 2 ). 


1) Zitiert nach Ebstein. 

2) Vgl. Minkowski: Berliner Idin. Wochenschr. 1892. 


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152 


Referate. 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1902 zu ergänzen.) 

Condamln, M. R.: Un noavean traitement des vomissemeats incotrdbles de la grossesse. 

(Gazette des höpitaux, Nr. 17.) 

Von der Voraussetzung ausgehend, dass es sich bei dem unstillbaren Er¬ 
brechen der Schwangeren um eine Intoxikation handele, und dass es demgemäss 
die Aufgabe des Arztes sei, den Körper von den angesammelten Toxinen zu be¬ 
freien, rät Verf., von einer Nahrungszufuhr während der Dauer von 6—10 (!) Tagen 
Abstand zu nehmen und durch eine Injektion von täglich 3—4 Litern physiologi¬ 
scher Kodisalzlösung auf subkutanem oder besser rektalem Wege eine Durch¬ 
spülung und Auswaschung des Organismus zu veranlassen. Vom 7.—11. Tage 
ab erst ist flüssige Nahrung per os zu gestatten, dann allmählicher Uebergang zu 
fester Nahrung. M. Cohn (Kattowitz). 


Meinei, Arthur: Ein Fall von Cardnom des Magens mit starker Entwicklung des elasti¬ 
schen Gewebes und über das Verhalten dieses Gewebes Im Magen bei verschiedenem 
Alter. Aus dem pathol. Institut zu Genf. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 9.) 

Der eine 70jährige Frau betreffende Fall ist dadurch bemerkenswert, dass 
das mikroskopische Bild des diffus über den ganzen Magen verbreiteten Cartinoms 
eine ausserordentlich starke Entwicklung des elastischen Oewebes aufwies. Wie 
die darauf gerichteten Untersuchungen des Verf.’s ergaben, steht letztere in keinem 
direkten Zusammenhang mit der cardnomatösen Neubildung, sondern muss als 
eine physiologische Altersveränderung angesehen werden, da auch normalerweise mit 
zunehmendem Alter die elastischen Elemente der Magenwandung eine Vermehrung 
erfahren. Schade (Oöttingen). 

Rencki, R.: Die diagnostische Bedeutung der mikroskopischen Blutuntersuchnng bei 
Carcinoma und Ulcus ventriculi rotundum mit besonderer Berücksichtigung der Ver- 
dauungsleukocytose. (Archiv für Verdauungskrankheiten, Bd. 7, H. 3. 4. 5.) 

Unter 15 Fällen von Neubildungen zeigten 13 eine grössere oder geringere 
Abnahme der Zahl der roten Blutkörperchen. Gewöhnlich waren im Blutbilde zahl¬ 
reiche Mikro- und Poikilocyten sowie polychromatophile Zellen und in schweren 
Fällen kernhaltige rote Blutkörperchen anzutreffen. Die Verminderung des Hämo¬ 
globins war gewöhnlich beträchtlicher, als der Abnahme der Zahl der roten Blut¬ 
körperchen entsprach. Die Zahl der roten Blutkörperchen sank im Gegensatz zu 
den bei pemidöser Anämie zu erhebenden Befunden nie unter 2 Millionen im 
Cubikmillimeter. Bei den Magengeschwüren (14 Fälle) weist die Menge der roten 
Blutkörperchen viel häufiger normale oder selbst grössere Zahlen auf. Die Ge 
stalt der roten Blutkörperchen war in 9 Fällen von Magengeschwür normal, in der 
kleineren Hälfte der Fälle fanden sich mehr oder weniger zahlreiche Mikro- und Poikilo¬ 
cyten, 3 mal war das Vorhandensein von kernhaltigen roten Blutkörperchen zu 
konstatieren, in einem Falle sank unter heftigen Blutungen die Zahl der roten 
Blutkörperchen bis auf 1,3 Millionen, der Hämoglobingehalt bis auf 19 %t und in 
den letzten Lebenstagen war eine reichliche Anzahl von Megaloblasten mit mehr¬ 
fachen Formen von Kernen im Blute nachzu weisen. Die Veränderungen der roten 
Blutkörperchen in Fällen von Neubildungen und Geschwüren des Magens zeigen 
demnach keine charakteristischen Verschiedenheiten. Es giebt weder das Sinken 
des Hämoglobingehalts unter 60 %> wie dies von einigen Autoren angegeben 
wird, irgend welche diagnostischen Anhaltspunkte für Cardnom, noch ist in der 
Gegenwart kernhaltiger roter Blutkörperchen ein Ausschliessungsgrund für ein 


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153 


rundes Magengeschwür zu sehen. Allenfalls könnte die Bestimmung des gegen¬ 
seitigen Verältnisses zwischen der Zahl der fbten Blutkörperchen und dem Hämo- 
globingehalt zur Differenzierung einer Neubildung des Magens von einer schweren 
Form von Blutarmut auf Grund anderer Krankheiten der Schleimhaut des Magens 
und Darmes dienen. Eine Menge roter Blutkörperchen von über 2 Millionen bei 
einem niedrigen Hämoglobingehalt würde eher gegen Formen anderweitig be¬ 
dingter Blutarmut sprechen, ohne dass jedoch dieser Unterschied ein durch¬ 
greifender ist 

Hinsichtlich der weissen Blutkörperchen kommt Verf. auf Qrund seiner 
Untersuchungen zu dem Schluss, dass deren Prozentverhältnis für die Entscheidung 
zwischen maligner Neubildung des Magens und Magenschwür keine Bedeutung 
besitzt Bezüglich des diagnostischen Wertes der Verdauungsleukocytose wurden 
an 11 Fällen von Magencarcinom und 10 Fällen von Ulcus ventriculi, von welch 
letzteren 8 mit Stenoseerscheinungen kombiniert waren, Untersuchungen angestellt, 
die eine Eigänzung fanden in Untersuchungen über das Verhalten der Verdauungs- 
leukocjrtose in Fällen von Carcinoma und Ulcus ventriculi vor und nach Ausführung 
der Resectio pylori resp. Gastroenterostomie und über den Eintritt von Verdauungs¬ 
leukocytose bei Applikation von Nährklystieren. Es zeigte sich, dass das Auftreten 
der Verdauungsleukocytose an die normale Funktion des Pylorus und des Darmes 
gebunden und von der Art der Magenerkrankung, ob Neubildung oder Qeschwür, 
unabhängig ist Das Fehlen oder Auftreten der Verdauungsleukocytose ist dem¬ 
nach für die Differentialdiagnose des Carcinoma ventriculi nicht zu verwerten. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Kathien et Roux: Sur un cas d’ulcärations urlmiques de l’estomac et de l’intestin 
gräle. (Archives gdnerales de m€d., Janv.) 

Die Verff. haben bei einem jungen Mädchen, welches nur kurze Zeit 
wegen einer schweren Nephritis mit Urämie in Beobachtung war, bei der Ob¬ 
duktion eine grosse Anzahl Qeschwüre des Dünndarms und 5 Magengeschwüre 
gefunden, welche sie als urämische ansprechen. 

Derartige Fälle sind im allgemeinen sehr selten und bieten während des 
Lebens nur wenig charakteristische Symptome, wie Durchfälle, Schmerzen, Er¬ 
brechen (im vorliegenden Falle Verstopfung) dar. Der Verlauf beträgt vom Auf¬ 
treten der Geschwüre an bis zum Exitus letalis gewöhnlich 2—4 Wochen. Die 
Entstehungsweise der Qeschwüre ist vermutlich auf toxischer Basis zu denken. 

Im Anschlüsse erörtern die Verff. noch des genaueren die pathologische 
Anatomie dieser Ulcera. B. Oppler (Breslau). 

Brunner: Klinische Beobachtungen über Aetiologie und chirurgische Therapie der 
Magen-Duodenumperforation und Magenperitonitis. (Beiträge zur klin. Chir., 

Bd. 31, H. 3.) 

Verf. teilt die Krankheitsgeschichten von 4 Fällen von Magen-Duodenum- 
perforation mit, die er operativ behandelt hat. In einem Falle handelte es sich 
um eine Stichverletzung, im zweiten um ein durchgebrochenes Ulcus ventriculi. 
Beide kamen 16 Stunden nach der Perforation zur Operation und wurden ge¬ 
rettet, obwohl im zweiten Falle eine lokale Peritonitis und ein subphrenischer 
Abscess aufgetreten waren. Die beiden anderen Fälle waren perforierte Ulcera 
duodeni, welche erst erheblich später zur Operation kamen und beide an Peri¬ 
tonitis zu Grunde gingen, ln dem einen war überdies die Perforationsstelle nicht 
gefunden, sondern der fixierte Appendix für die Ursache der Peritonitis gehalten 
worden. 

Die Ausführungen des Verf.’s über Aetiologie, Diagnose und Verlauf der 
Perforationsperitonitis enthalten nichts wesentlich Neues, die Bemerkungen zur 
Bakteriologie des Exsudats interessieren an dieser Stelle nicht 

Nr. 6. 


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154 


Die Therapie kann natürlich nur eine chirurgische sein; das Vorgehen des 
Verf.’s weicht nicht wesentlich von dkm üblichen ab; er ist ein Anhänger der Aus¬ 
spülung und Drainage der Bauchhöhle. Die Erfolge werden wohl in der Haupt¬ 
sache durch die Schnelligkeit bestimmt, mit der der Kranke zur chirurgischen Be¬ 
handlung kommt B. Oppler (Breslau). 

Poiges, R.: Beitrag zur operativen Behandlung der Magengeschwüre. (Wiener Min. 

Rundschau, Nr. 2.) 

Verf. publiziert einen von Höchen egg operierten Fall von Magengeschwür 
mit nicht typischem Verlauf, der besonderes Interesse beansprucht Nach Er¬ 
öffnung der Bauchhöhle durch einen vom Processus xiphoideus bis zum Nabe! 
reichenden Schnitt stellt sich der kontrahierte, tief liegende Magen ein, dessen 
grosse Kurvatur vollkommen normale Verhältnisse zeigt, während die kleine Kur¬ 
vatur von dem darüber liegenden Leberlappen vollkommen verdeckt wird. Bei 
dem Versuch der Inspektion dieser Magenpartie zeigt es sich, dass dieselbe mit 
dem darüber liegenden Leberlappen fest verwachsen ist, die angrenzende frei sicht¬ 
bare Magenpartie erscheint entzündlich infiltriert Um einen genaueren Einblick 
in die Verhältnisse zu gewinnen, versucht der Operateur die Lösung der Ver¬ 
wachsungen, wobei trotz grösster Vorsicht ein mehr als thalergrosser Substanz¬ 
verlust in der Magen wand zur Ansicht kommt, der bisher durch den darüber 
fixierten Leberlappen verschlossen war. Die Ränder dieses Substanzverlustes sind 
infiltriert, leicht zerreisslich, so dass der Versuch, den Defekt durch Naht zu ver- 
schliessen, sofort aufgegeben werden musste. Da der Magen leer und kontrahiert 
war, ist während dieses Operationspunktes eine Verunreinigung der Bauchhöhle 
durch den Mageninhalt leicht zu vermeiden gewesen. Da erfahrungsgemäss die 
Deckung eines Magendefektes durch das darüber genähte Netz ungünstige Re¬ 
sultate ergiebt, entschloss sich Hochenegg zur offenen Behandlung und führte 
einen Jodoformstreifen und ein Drainrohr in die Tasche zwischen Leberlappen 
und kleiner Kurvatur ein. Um jedoch während der Nachbehandlung dem Magen¬ 
inhalt einen leichten Abfluss zu verschaffen und die obere Magenpartie womöglich 
auszuschalten, wurde eine Qastroenterostomie nach v. Hacker in der typischen 
Weise ausgeführt Hierauf wurde die Bauchwand in dem unteren Anteil ver¬ 
schlossen und durch die ungefähr 6 cm lange Testierende Lücke in den Bauchdecken 
der Jodoformstreifen und das Drainrohr herausgeleitet Der Wundverlauf war ein 
absolut reaktionsloser. Obwohl vom ersten Tage der Operation an flüssige Nah- 
rting gegeben und die Streifen am vierten Tage entfernt wurden. Im weiteren Ver¬ 
laufe schloss sich die Wundhöhle durch Qranulationsbildung. Bald darauf wurde 
die Patientin geheilt entlassen und ist von allen ihren Beschwerden verschont ge¬ 
blieben. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Schloffen Die an der Wölfler’schen Klinik seit 1895 operierten Fälle von gutartiger 
Magenerkrankung. (Beiträge zur klin. Chir., Bd. 32, H. 2.) 

Dem Berichte liegen 24 operierte Fälle von gutartigen Magenerkrankungen 
zu Grunde, 1 nicht operierter Fall; davon waren 2 schwere Magenblutungen, 2 
Ulcusperforationen und 20 unkomplizierte Fälle von Ulcus ventriculi oder seinen 
Folgeerscheinungen. Die Fälle werden gruppenweise nach ihrer Zusammen¬ 
gehörigkeit besprochen und sämtliche Krankheitsgeschichten auszugsweise mifge- 
teilt. Die Schlussfolgerungen, die Verf. aus der Verwertung seines Materials ab¬ 
leitet, sind etwa die folgenden: 

Beim Ulcus ventriculi chron. mit häufig wiederkehrenden Blutungen soll 
die Operation, wenn die interne Therapie erfolglos ist, möglichst früh ausgefuhrt 
werden. Bei einmaliger schwerer Blutung jedoch kann weder die absolute Not¬ 
wendigkeit der Operation noch ihr Gelingen mit Sicherheit vorausgesehen werden. 
Daher ist die Indikation zur Operation stets mit grösster Vorsicht zu stellen, na- 


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155 


mentlich dann, wenn der Kranke durch die Blutung bereits sehr herunterge¬ 
kommen ist 

Bei den unkomplizierten, gutartigen Erkrankungen des Magens (Ulcus ven- 
trieuli, narbige Pylorusstenose, entzündlicher Pylorustumor) ist die Gastroenterostomie 
als operatives Normalverfahren zu betrachten. Die Pylorusresektion soll, sobald 
die Gutartigkeit des Leidens ausser Frage steht, unbedingt vermieden werden, ln 
Ausnahmeflllen kann die Pyloroplastik an die Stelle der Gastroenterostomie treten. 

Ist die Pylorusstenose mit Sanduhrmagen kombiniert, so müssen beide 
Magensäcke mit dem Darme entweder direkt oder indirekt in Kommunikation ge¬ 
bracht werden. 

Die Gastroenterostomie ist unbedingt indiziert bei Narbenstenosen und 
entzündlichen stenosierenden Tumoren des Pylorus; sie soll jedoch auch bei allen 
Fallen von offenem Ulcus ventriculi in Anwendung kommen, welche einer sach- 
gemässen internen Therapie nicht gewichen sind. Aber nicht nur bei Oeschwüren 
am Pylorus oder solchen, welche Stenosenerscheinungen verursachen, sondern auch 
bei denen, die an anderen Stellen des Magens sich befinden, wird eine Heilung 
durch die Gastroenterostomie (resp. Pyloroplastik) begünstigt. Es soll infolge¬ 
dessen bei allen hartnäckigen Magengeschwüren die Operation ausgeführt werden. 

Die unmittelbaren Erfolge der Operation sind nicht ungünstig, in der vor¬ 
liegenden Statistik ist die Mortalität der operierten unkomplizierten Fälle überhaupt 
10 7„ der Gastroenterostomie 6,6 %. 

In bezug auf die Technik der Gastroenterostomie empfiehlt Verf. die O. 
antecolica anterior, mittels Naht ausgeführt und kombiniert mit der Braun’schen 
Enteroanastomose. Falls die Pyloroplastik gewählt wird, muss sie jedenfalls durch 
eine möglichst lange Längeninzision ausgeführt werden, vielleicht noch länger als 
die von v. Mikulicz empfohlenen 4—6 cm. Wo das unmöglich ist, sollte die 
Pyloroplastik lieber unterbleiben. B. Oppler (Breslau). 

v. Hacker: Zur Frage des zweckmässigsten Verfahrens, um Fremdkörper aus dem 
unteren Teile der Speiseröhre vom Magen aus zu entfernen. (Beiträge zur klin.Chir., 

Bd. 33, H. 2.) 

Es ist mitunter sehr schwierig, Fremdkörper aus dem unteren Oesophagus- 
abschnitte vom Magen aus zu entfernen, die Gründe dafür sind folgende: 1. Bei 
voigezogen gehaltenem Magen kann von einer kleinen Oeffnung aus die Kardia mit 
dem Finger überhaupt nicht erreicht werden. 2. Sowohl bei Einstülpung des 
Magens durch den von einer kleinen Oeffnung eingeführten Finger (Wilms), als 
bei Einführung der ganzen Hand in den vorgezogen gehaltenen eröffneten Magen 
kann durch Faltenbildung der Eingang zur Kardia so verlegt werden, dass man ihn 
mitunter nicht findet, namentlich bei ersterem Verfahren. 3. Bei höher über der 
Kardia steckenden oder bei fest eingekeilten Fremdkörpern genügt ein Finger 
häufig überhaupt nicht, um den Fremdkörper zu befreien und zu entfernen; in 
solchen Fällen muss entweder primär oder sekundär nach weiterer Oeffnung des 
Magens mit der ganzen Hand in denselben eingegangen werden. 

Es wäre also in den betr. Fällen der Reihe nach zu versuchen: 1. Das 
Verfahren des Fingereinbindens nach Wilms. 2. Instrumenteinführung durch eine 
kleine Oeffnung des vorgezogenen Magens. 3. Handeinführung in den vorge¬ 
zogenen, geöffneten Magen. 4. Handeinführung in den provisorisch herausge¬ 
nähten und eröffneten Magen. B. Oppler (Breslau). 

Czerny u. Petersen: Jahresbericht der Heidelberger chirurgischen Klinik für das Jahr 
1900. (Beiträge zur klin. Chir., Bd. 31, Supplement-Heft) 

Wiederum, wie alljährlich, ist der ausgezeichnete und umfangreiche Jahres¬ 
bericht der unter Czerny's Leitung stehenden Heidelberger chirurgischen Klinik 
erschienen. Hat er auch in erster Reihe für den Chirurgen Interesse, so wird 

Nr. 6\ 

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doch auch der Interne sich mit 'grossem Nutzen in das ungemein reiche und 
wissenschaftlich verwertete Material, wie es namentlich die Krankengeschichten 
darbieten, vertiefen. 

Von den an dieser Stelle haupsächlich interessierenden Operationen (238 La- 
parotomieen) seien erwähnt 14 Gastroenterostomieen wegen Narbenstenosen, 30 
wegen Magenkrebs, 6 Magenresektionen, 23 Operationen wegen Magengeschwür, 
33 wegen Epityphlitis, 84 Bruchoperationen (11 bei Einklemmung), 6 Choledocho- 
tomieen, 4 Cystektomieen, 4 Cystikotomieen, 22 Cystotomieen etc. etc 

Die zum Teil höchst interessanten Einzelheiten sind im Original nachzu¬ 
lesen. B. Oppler (Breslau). 


Bychowsk, Z.: Eine kleine Verbenerung der Magensonde. (Deutsche med. Wochen- 

schr., Nr. 2.) 

B. regt an, die Magensonden mit einer Centimeterskala zu versehen, um 
sogleich bequem den Sitz einer Stenose im Oesophagus ablesen zu können, ohne 
sich der unsauberen und unangenehmen Manipulation des Messens der be¬ 
schmutzten Sonde unterziehen zu brauchen. Hagenberg (Göttingen). 

Nagano: Beobachtangen an einer Thiry’schen Fistel beim Menschen. (Mitteilungen 
aus d. Grenzgebieten d. Med. u. Chir., Bd. 9, H. 3.) 

Ein ausgeschaltetes und nach Art einer Thiry’schen Fistel in die Bauch¬ 
wand eingepflanztes Stück des untersten Dünndarms (behufs Verschluss einer 
Blasenspalte) bot dem Verf. Gelegenheit zu mancherlei Beobachtungen über Tem¬ 
peratur, motorisches Verhalten etc. etc und vor allem über das Sekret. 

Der Darmsaft wirkte nicht auf Eiweiss, Milchzucher und Fett und nur in 
sehr geringem Masse auf Starke, Maltose und Rohrzucker. Die Resorption von 
Wasser, Rohrzucker, Maltose, Chlomatrium war gut, diejenige von Milchzucker 
wesentlich geringer. Neben der Resorption geht stets eine Sekretion von Darm¬ 
saft einher. 

Im ganzen fanden sich also dieselben Verhältnisse, wie sie bei ähnlichen 
Fisteln am Hunde bereits konstatiert sind. B. Oppler (Breslau). 


Schimann: 7 Fälle von Darmverschlingung. Aus der Klinik des Prof. Zöge von 
Manteuffel. (Westnik Chirurg». Wratsch, 1901, Nr. 50.) 

1. Die Patientin, ein 17 jähriges Mädchen, wurde mit Erscheinungen von Darm¬ 
impermeabilität am 3. Tage der Erkrankung in das Krankenhaus aufge¬ 
nommen. Links unterhalb des Nabels befindet sich eine rundliche ela¬ 
stische Geschwulst, an der Darmbewegungen nicht zu sehen sind. Laparo¬ 
tomie. Blinddarm an vielen Stellen nekrotisch, mit Belag bedeckt und mit 
der vorderen Bauchwand verwachsen. Exzision des mit dem Blinddarm 
verwachsenen Omentum; darauf Extraktion des Blinddarms, der mit dem 
hinten liegenden Dünndarm ein gemeinsames Mesenterium hatte und um 180° 
von rechts nach links gedreht war. Entfernung des nekrotischen Dannteiles. 
Vollständige Vemähung des freien Endes des Colon ascendens und Ein- 
nähung des Ueumendes in das Quercolon an der Flexura renalis. Glatte 
Heilung in 16 Tagen 

2. Bei der schwangeren 35 Jahre alten Frau hatten sich 5 Tage vor der Auf¬ 
nahme in das Krankenhaus Erbrechen, Schmerzen und Diarrhoen, vor 3 Tagen 
Erscheinungen von vollständiger Darmimpermeabilität eingestellt. Bei der 
Aufnahme waren Konturen einer querliegenden, sich aufblähenden Darm- 
schlinge zu sehen. Laparotomie. Inzision vom Schwertfortsatz bis 4Quer- 


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fingerbreiten oberhalb der Symphyse. In der Bauchhöhle fand man eine 
Menge blutiger Flüssigkeit Der unblutige Blinddarm lag unter dem linken 
Rippenbogen. Das gemeinsame Mesenterium des Ileum und des Blind¬ 
darms, sowie des Colon ascendens war blutig rot, ödematös und mit ge¬ 
schwollenen Drüsen bedeckt Reposition des Blinddarms, Bildung eines 
Anus praeternaturalis. Tod am 4. Tage infolge von Peritonitis. 

3. 19jähriger Patient. Seit 24 Stunden Erscheinungen von vollständiger Darm- 
imperraeabilität. Laparotomie. Inzision vom Schwertfortsatz bis zur Sym¬ 
physe. In der Bauchhöhle fand man eine Menge blutigen trüben Serums. 
Entsprechend der Stelle der grössten Vorstülpung des Abdomens fand man 
den Blinddarm und das Colon ascendens, die mit dem Ileum ein gemein¬ 
sames Mesenterium hatten und über den Leberrand geschleudert waren. Der 
Blinddarm komprimierte das Duodenum vollständig. Zu der zuvor ange¬ 
legten Inzision in der Mittellinie wurde eine Querinzision bis zum Petif- 
schen Dreieck angelegt. Der nekrotische Blinddarm wurde vorsichtig her¬ 
vorgezogen, die Nekrose ging bis zur Flexura renalis; Exzision desselben. 
Vollständige Vemähung der freien Enden und Bildung einer lateralen Ana- 
stomose zwischen dem Quercolon und dem Ileum. Der postoperatorische 
Verlauf wurde durch hinzugetretene rechtsseitige Peritonitis und durch 
Thrombose der Vena femoralis verzögert Nach 2 Monaten bildete sich ein 
intraperitonealer Abscess, der spontan in den Mastdarm durchbrach. 

4. Der 21 jährige Patient wurde mit seit 4 Tagen bestehenden Erscheinungen 
von Dannimperraeabilität aufgenommen. Bei der Aufnahme galliges Er¬ 
brechen. Laparotomie. Dünndarm im kleinen Becken. Blinddarm mit 
langem Mesenterium nach oben derart verschoben, dass er das Quercolon 
berührte. Mesenterium des Dünndarms um 90° gedreht, so dass es samt 
dem Blinddarm über das Duodenum hinwegging und letzteres an die 
hintere Bauchwand drückte. Das Duodenum hatte sein eigenes Mesenterium. 
Reposition der verschiedenen Darmabschnitte. Naht Tod am 3. Tage. 

5. 17 jähriger Patient. Seit 4 Tagen bestehen Erscheinungen von Darm- 
impermeabilität ln der Höhe des Nabels vorgestülpte querliegende Darm¬ 
schlinge. Laparotomie. Unter den aufgeblähten Dünndarmschlingen be¬ 
fand sich der stark gedehnte Blinddarm, der quer gelagert und nach rechts 
um 100° gedreht war. Reposition des Blinddarms. Einführung eines Darm¬ 
rohrs in den Mastdarm. — Qenesung. 

6. 30jähriger Patient 8 Tage vor der Aufnahme heftige Schmerzen, Re¬ 
tention derFäces und Flatus. Laparotomie. Inzision parallel demPoupart’- 
schen Bande infolge ausserordentlicher Schmerzhaftigkeit im Qebiete des 
Blinddarms, welcher an der normalen Stelle nicht vorhanden war. Die in 
die Bauchhöle eingeführte Hand fühlt einen Strang, der von rechts durch 
den Fundus der Harnblase nach oben und links in der Richtung nach einem 
Organe verläuft, das dem Magen ähnlich ist. Inzision in der Mittellinie. 
Das erwähnte Organ erwies sich als der mit Fäces gefüllte Blinddarm. 
Der dritte Strang war die Torsionsstelle. Exzision des torquierten schlaffen 
Blinddarmteiles. Anastomose. Tod am folgenden Tage infolge von Peri¬ 
tonitis. 

7. 47jähriger Patient. Seit 5 Tagen Darmimpermeabilität Oberhalb des 
Nabels und in der rechten Regio hypogastrica eine stark ausgesprochene 
Vorstülpung. Bei der Operation fand man die von links nach rechts durch 
die Regio umbilicalis verlaufende, stark geblähte, gelb gewordene Schlinge 
der Flexura sigmoidea, die um 180° gedreht war. Als die torquierte Partie 
gerade gerichtet wurde, fand man den nach oben verschobenen geblähten 
parallel mit dem Quercolon gelagerten und mit diesem letzteren ver¬ 
wachsenen Blinddarm. Nach Spaltung der Verwachsungen wurde der Blind¬ 
darm reponiert Der Blinddarm und die Flexura sigmoidea wurden an nor¬ 
maler Stelle mittels Nähten befestigt Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


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Mankowsld, A. F.: Beitrag zur Frage der gleichzeitigen Affektion des Mastdarms mit 
Cardnom nnd Tuberkulose. (Russki Wratsch, Nr. 1.) 

Histologische Untersuchung eines dem Autor eingesandten Präparates. 
Die Hauptmasse des Schnittes in den Teilen, welche die freie Oberfläche der 
Oeschwulst bilden, besteht aus zahlreichen Inselchen, Strängen und einzelner 
Fortsätze hochgradig gewucherten und atypisch-gelagerten Epithels, ln die Unter¬ 
lage eindringend, erscheinen die Epithelstränge stellenweise in Form diffuser 
breiter Massen, die ziemlich dicht aneinander liegen; an anderen Stellen (tiefer) 
stellen die Epithelstränge schmale Streifen dar, die von einander durch Binde¬ 
gewebe abgegrenzt sind. Letzteres befindet sich stellenweise anscheinend in 
ödematösem Zustand, da einzelne bindegewebige Fasern deutlich von einander 
verschoben, während die Lymphspalten erweitert sind. In den Zwischenräumen 
zwischen den Fasern befinden sich Leukocyten und reihenweise liegende Plasma¬ 
zellen. In der Tiefe werden die Stränge der cardnomatösen Oeschwulst schmäler, 
und die dieselben bildenden Zellen sind in einzelnen oder Doppelreihen gelagert 
Das interstitielle Bindegewebe hat hier ein derberes Aussehen. In den tiefsten 
Schichten, in den Spalten zwischen den bindegewebigen Fasern findet man 1—2 
Epithelzellen. Was die Beschaffenheit des Epithels selbst betrifft, so erinnert es 
in der Nähe der freien Geschwulstoberfläche an Zellen des Deckepithels der Haut. 
Diese Aehnlichkeit wird durch die Anwesenheit von »Perlen« in den äusseren 
Schichten dieses Epithels gesteigert, welche mit epidermisartig verflachten Zellen 
umgeben sind. Im Körper mancher Zellen ist Körnung zu sehen, welche bei Fär¬ 
bung mit Hämatoxylin zu diesem letzteren eine ebensolche Affinität zeigt, wie 
das Keratohyalin der Hornschicht des Hautepithels. Etwas weiter von der freien 
Oberfläche erscheinen die Zellen der Oeschwulst saftig, polygonal, sie sind von 
verschiedener Orösse, haben einen grossen Kern und liegen dicht ohne Zwischen¬ 
substanz einander an. Während in den oberflächlichen Schichten der Oeschwulst 
in den Zellkernen nicht besonders viele karyokinetische Figuren vorhanden sind, 
werden diese letzteren in den tiefen Schichten häufig angetroffen. Je nachdem 
die cardnomatösen Stränge in den tieferen Schichten der Oeschwulst immer 
dünner und von einander durch grössere Quantitäten von Bindegewebe getrennt 
werden, zeigt letzteres Erscheinungen von Reizung und Wachstum: man trifft in 
demselben häufig Herde kleinzelliger Infiltration und häufig junge Fibroblasten 
an. An den Schnitten, welche am entferntesten von der freien Oeschwulstober- 
fläche liegen, beobachtet man nur breite mächtige Lagen faserigen Bindegewebes, 
in dem Epithelialelemente nicht mehr zu sehen sind. An manchen Präparaten 
jedoch bemerkt man inmitten des Bindegewebes, das sich auf dem Schnitt unter 
einer Schicht gewucherten Epithels befindet, breite Herde, welche aus Oranu- 
lationsgewebe bestehen, das schon beim ersten Anblick typische Anzeichen von 
tuberkulösem Prozess darbietet: man bemerkt bald auf der einen, bald auf 
der anderen Stelle Riesenzellen von ungeheurer Orösse, die von epithelioiden 
Zellen umgeben sind. In den zentralen Teilen mancher Tuberkel bemerkt 
man die Anfangsstadien von kaseöser Erweichung und Zerfall. Diejenigen 
Teile des Präparats, in denen tuberkulöser Prozess wahrgenommen wird, sind 
nicht überall durch eine mächtige Schicht Bindegewebe von Ausläufern der card¬ 
nomatösen Oeschwulst abgegrenzt. An einer Stelle liegt die tuberkulös affizierte 
Partie unmittelbar der cardnomatösen Neubildung an und vermengt sich mit 
letzterer derart, dass die Orenze zwischen beiden Oeschwulstarten verschwindet. 
Man konnte auch Partieen finden, wo zwischen den Ausläufern des Epithels Rie¬ 
senzellen angetroffen wurden. Bei der Färtmng nach Ziehl-Neelsen auf Tu- 
berkelbadllen konnte man in den Riesenzellen mancher Präparate ganz deutlich 
Koch’sche Bacillen und auf diese Weise mit absoluter Sicherheit den tuberkulösen 
Charakter dieser Qranulationswucherungen feststellen. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 


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Westphalen, H.: Uebcr die chronische Obstipation. 11. Die chronische spastische 
Obstipation. (Archiv für Verdauungskrankheiten, Bd. 7, H. 1. 2.) 

In einem Teil der Falle von spastischer Obstipation ist ein lokaler Meteo¬ 
rismus festzustellen, insofern als einzelne Abschnitte des Darmrohrs sich in Kon¬ 
traktionszustand befinden und oberhalb derselben infolge einer leichten Atonie 
eine Stagnation der lngesta mit sekundärer Ausdehnung der betreffenden Darm¬ 
partie vorübergehend statthat. Durch Palpation gelingt es, Darmschlingen als 
in Kontraktion befindlich zu erkennen. Besonders häufig findet man das Colon 
descendens und das S. romanum zu einem unter dem Finger rollenden Strang 
zusammengezogen. In der Coecalregion ist mitunter ein sehr charakteristischer 
Palpationsbefund zu erheben, derart, dass im Bereich des Coecums ein eigentüm¬ 
licher weich-elastischer Wulst gefühlt wird, der durch leichtes Streichen unter 
Auftreten gurrender Geräusche zum Verschwinden zu bringen ist, um nach einigen 
Minuten wieder zu erscheinen. Wenig charakteristische Resultate giebt die 
Perkussion, welche eine lokale Tympanie anzeigen kann. Für die Diagnose der 
spastischen Obstipation ist nach Verf. die Feststellung einer Druckempfindlichkeit 
links vom Nabel wichtig, die vermutlich auf das Qanglion aorticum zu beziehen 
ist Die an spastischer Obstipation leidenden Kranken zeigen in der Regel die 
bekannten objektiven neurasthenischen resp. hysterischen Kennzeichen. Die spasti¬ 
sche Obstipation ist als ein Sympton meist funktioneller Neurosen, in seltenen 
Fallen auch einer organischen Affektion des Nervensystems aufzufassen. Sie muss 
auf eine gesteigerte Erregbarkeit der sensibeln Darmnerven zurückgeführt werden, 
welche reflektorisch einen tonischen Kontraktionszustand der Darmmuskulatur 
hervorruft und dadurch die Fortschaffung des Danninhalts nicht fordert, sondern 
hemmt Die gesteigerte Erregbarkeit selbst dürfte stets als eine Aeusserung des 
nervösen oder funktionellen Grundleidens anzusehen sein. Zur Diagnose der 
spastischen Obstipation gehört der Nachweis einer funktionellen Neurose, seltener 
eines organischen Nervenleidens. Gelegentlich kann sich eine spastische Obsti¬ 
pation mit einer richtigen atonischen, meist alimentären Obstipation kombinieren. 
Die Therapie hat rationeller Weise gegen das Grundleiden, am häufigsten gegen 
die funktionelle Neurose, anzukämpfen. Zu warnen ist vor der Ordination ener¬ 
gischer Mineralwasserkuren. Die Hydrotherapie der spastischen Obstipation 
bewährte sich nach W. am besten in Form von warmen unter schwachem Wasser¬ 
druck applizierten Wechseldouchen ad Abdomen, zu deren Unterstützung zweck¬ 
mässiger Weise allnächtlich anzuwendende warme Dunstumschläge herangezogen 
werden. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist nach W. für viele Fälle 
von spastischer Obstipation die Durchführung einer cellulosereichen vegetarischen 
Kost. Empfohlen wird die Anwendung von Oelklysmen und das regelmässige 
Trinken kleiner Oelmengen. Abführmittel sind stets kontraindiziert, zur gelegent¬ 
lichen Anwendung eignen sich Belladonnapräparate und Opium, mit gutem Erfolge 
bediente sich Verf. der Bromsalze, besonders in Verbindung mit kleinen Gaben 
von Chloralhydrai J. Strauss (Frankfurt a. M.). 


Schätz, R.: Kritischer and experimenteller Beitrag zur Frage gastrointestinaler Des¬ 
infektion. (Archiv für Verdauungskrankheiten, Bd. 7, H. 1. 2.) 

Im Tierexperiment konnte Sch. nachweisen, dass Kulturen des Vibrio 
Metschnikoff, die den Verdauungskanal des normalen Hundes nicht passierten, 
such bei Absperrung des Magens vom Darm zu Grunde gingen. Der vor dem Tode 
des Versuchshundes entleerte Kot enthielt keinen Metschnikoff, auf den direkt 
d. h. ohne Anreicherung, mit dem Darminhalt des frisch getöteten Tieres ge¬ 
impften Qelatineplatten war aus keinem einzigen Darmabschnitt Metschnikoff 
zu bekommen, wohl aber und zwar reichlich aus dem ganzen Dünndarm nach 
Peptonwasseranreicherung. Aus dem oberen Kolon wuchsen auch dann nur einige 
wenige Kolonieen Metschnikoff, während unteres Kolon und Rektum Rein- 


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kulturen von B. coli lieferten. Damit wird bewiesen, dass der Vibrio Metschnikoff 
im Darm eines Hundes zu Qrunde geht, ohne der Wirkung der Magensalzsäure 
ausgesetzt gewesen zu sein. Den Nachweis dafür, dass die Salzsäure des Magen¬ 
safts für den Vibrio Metschnikoff kein absolutes Hindernis bildet, vom Magen 
in den Darm zu gelangen, erbringt Sch. weiter durch Feststellung der Thatsache, 
dass sich zwischen Verabreichung von Kulturen des V. Metschnikoff auf vollen 
und auf leeren Magen ein wesentlicher Unterschied nicht ergab. Im ersteren Falle 
— bei Verabreichung mit dem Fressen — war Metschnikoff aus dem ganzen 
Dünn- und Dickdarm ohne Anreicherung nicht zu erhalten, mit dieser massenhaft 
aus dem ganzen Dünndarm, eine einzige Kultur aus Coecum und Appendix, keine 
aus dem übrigen Dickdarm und Mastdarm. Im letzteren Falle, bei Einführung des 
Vibrio Metschnikoff mit etwas Wasser in den leeren Magen, war das Re¬ 
sultat nur insofern etwas abweichend, als der Vibrio auch bei Anreicherung auf¬ 
fällig spärlich wuchs. Nach Abführmitteln (Ridnusöl, Kalomel) war der Erfolg 
der, dass die dünnen Stuhlgänge Metschnikoff enthielten. Für die Frage der 
Darmfäulnis beim Menschen schliesst Verf., dass es wesentlich 2 Momente sind, 
welche die Desinfektionskraft der Magensalzsäure für den Darm nicht nutzbar 
werden lassen: 1. Der Umstand, dass der Transport des Mageninhalts nach dem 
Darm während der Magenverdauung schon zu einer Zeit beginnt, in der die Des¬ 
infektion des Chymus noch nicht beendigt ist resp. noch gar nicht begonnen hat, 
2. die Thatsache, dass die Bakterien naturgemäss auch mit solchen Vehikeln in 
den Magen gelangen, die, wie Wasser oder andere Flüssigkeiten, keine oder nur 
geringe HCl-Absonderung hervorrufen. Verf. folgert aus seinen Versuchen, dass 
der Darm selbst unabhängig von der Salzsäure des Magensafts über bakterien¬ 
tötende Kräfte irgend welcher Art verfügt, ähnlich der Scheide. Das Ergebnis der 
beiden Diarrhoeversuche, in denen sich keine irgend erkennbare Darmdesinfektion 
herausstellte, sieht Sch. als einen Beweis dafür an, wie wenig begründet und voll 
von Widersprüchen die Bedeutung der Darmdesinfektionsmittel und speziell des 
»souveränen« unter ihnen, des Kalomel, erscheint 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 


v. Mieczkowski: Desinfektionsversuche am menschlichen Dünndärme. (Mitteilungen 
aus d. Qrenzgebieten d. Med. u. Chir., Bd. 9, H. 3.) 

Verf. hat bei Versuchen an Darmfisteln folgende Resultate erhalten: 

Dem reinen menschlichen Dünndarmsafte kommt keine baktericide Kraft 
zu, er muss vielmehr als guter Nährboden bezeichnet werden (einen Schluss auf 
die komplizierten Verhältnisse im speisengefüllten Darm lässt das nicht zu). 

Von den geprüften Mitteln Itrol, Wismut, Tannopin und Menthol, zeigten 
die ersten beiden gar keine Wirkung, während Tannopin (allerdings nur in einem 
Versuche) und Menthol (bei zahlreichen Versuchen) am unteren Ende des Dünn¬ 
darms immerhin eine stark entwicklungshemmende Wirkung hervorriefen. Das 
Menthol wurde in Dosen von 17s--6 g pro die gegeben. 

B. Oppler (Breslau). 


Simonin: Manifestation appendiculaires au cours de quelques maladies infectieuses. 

(Sociätä mädicale des höpitaux, 27. däcembre 1901.) 

Die Häufigkeit appendicitischer Erscheinungen bei manchen Infektions¬ 
krankheiten führte dazu, den Wurmfortsatz vermöge seiner lymphoTden Struktur, 
die besonders im Kindesalter ausgeprägt ist, als intestinales Reagens bei All¬ 
gemeininfektionen'-anzusehen. Sahli bezeichnete ihn als »intestinale Mandel«; 
die Anatomen verglichen ihn mit einem Payer’schen Haufen, der die Schichten 
des Dickdarms mit sich nach aussen evaginiert habe. 

Der Verf. lenkte nun bei Beobachtung eines grossen Krankenmaterials 


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sein Augenmerk auf das Hervortreten appendidtischer Erscheinungen bei Infek¬ 
tionskrankheiten. Er sah 

1. Bei Angina unter 294 Fällen 7 mal appendidtische Manifestationen (2,37%). 

2. Bd Scharlach unter 79 Fällen 5 mal solche (6,33%). Diese Zahl ist bei 
Scharlach auffallend gering, da hier gerade die Bedingungen für das Zu¬ 
standekommen der Appendidtis sehr günstig liegen. (Coinddenz der All- 
gemeininfektion (wahrscheinlich durch Streptokokken) und der Milchdiät, die 
den Stuhlgang retardiert) 

3. Von 54 Fällen von Erysipel zeigten 2 (3,7%) und 

4. von 79 Fällen von Parotitis 4 (5%) appendidtische Erscheinungen. 

Im allgemeinen ist die Reaktion des Appendix um so intensiver, je heftiger 
die Allgemeininfektion des Organismus ist. Von den beobachteten Fällen waren 
8 als latente katarrhalische Appendidtis, klinisch gekennzeichnet durch circum- 
scripte Druckschmerzhaftigkeit am Mac Burney’schen Punkt, Konstipation, höch¬ 
stens geringes Fieber und normalen Puls, zu bezeichnen, während in den übrigen 
10 Fallen der bekannte appendidtische Anfall mit Koliken, Spontanschmerz, 
biliösem Erbrechen und Fieber hervortrat, alles der Ausdruck einer »Perifolli¬ 
culitis« mit Peritonealreizung. Milz und Leber waren oft vergrössert und druck¬ 
empfindlich ; im Ham fanden sich Urobilin und Albumen, gelegentlich Qallensäuren. 

Als die häufigsten Erreger einer Appendidtis sind nach des Verf.’s Beob¬ 
achtungen Streptokokken anzusehen, nächst diesen Staphylokokken und Coli- 
badllen. M. Cohn (Kattowitz). 


Ochsner, A. J. (Chicago): Vermeidbare Appendidtiskomplikatioiien. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 8.) 

O. wiederholt seine schon früher ausgesprochene (vgl. Ref. dies. Centralbl. 
1000, S. 232) Empfehlung, jeden Fall von akuter Appendidtis bei dem die Zeit zur 
Frühoperation (die ersten 36 Stunden nach Beginn des Anfalls) verstrichen ist, 
mit ausschliesslicher Rektalemährung zu behandeln. Per os wird nur etwas heisses 
Wasser in kurzen Intervallen gereicht, bei vorhandenem Brechreiz werden regel¬ 
massig Magenspülungen gemacht Ö. glaubt auf diese Weise die Entzündung 
auf den Appendix lokalisieren und allen Komplikationen, die direkt von dem 
erkrankten Wurmfortsatz ausgehen, Vorbeugen zu können. Eine Reihe Kranken¬ 
geschichten wird als Beleg angeführt. 

Bezüglich der Frühoperation teilt O. den Standpunkt der meisten ameri¬ 
kanischen Chiruigen, d. h. er hält sie in allen Fällen, in denen sie noch möglich 
ist, für unbedingt indiziert Schade (Qöttingen). 

Souques et Ribierre: Iddes mdlancoliques et suicide dans un cas de fifcvre typhoide. 

(Socidtd mödicale des höpitaux, 13. Dez. 1901.) 

Besprechung eines Falles von Verfolgungswahn bei einer am Typhus er¬ 
krankten, neuropathisch belasteten Patientin, die sich in einem Wahnanfalle aus 
dem Fenster stürzte. M. Cohn (Kattowitz). 

Benuron et Phillbert: Infection k bacilles d’Eberth, sans fitvre typhoide, ddcelöe par 
le sdro-diagnostic de Widal, choldcystite. (Socidtd mddicale des höpitaux, 29. Nov. 

1901.) 

Bei einer 28jährigen Frau, welche vor 3 Tagen an Diarrhoe ohne Leib¬ 
schmerzen gelitten zu haben angab, konnten bei der klinischen Untersuchung trotz 
des hohen Fiebers keinerlei bestimmte diagnostische Anzeichen gewonnen werden. 
Am nächsten Tage sank die Temperatur auf 37,8°, um tags darauf unter Schüttel¬ 
frösten erneut anzusteigen. Trotz des Fehlens von Milzvergrösserung und Ro¬ 
seolen wurde an Typhus gedacht und die Widal’sche Probe vorgenommen; die- 


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selbe üel positiv aus (1:40), ebenso die Diazoreaktion; damit war die Typhus¬ 
diagnose gesichert 

5 Tage spater fühlte man unter der Leber einen bimförmigen Tumor, der 
offenbar der Gallenblase angehörte und nach 4 tägigem Bestehen nicht mehr 
palpabel war. 

Bei einem 8 tägigen Fieber-Reddiv trat indes dieser Tumor wieder in die 
Erscheinung. 

B. und Ph. glauben, dass es sich hier um eine extraintestinale Lokali¬ 
sation des Typhusbadllus gehandelt habe. M. Cohn (Kattowitz). 

Le Gendre: Infection dberthienne ä localisationcholäcystiquetardive, sans autre Symp¬ 
tome typhoide que la fiävre, avec sdro-diagnostic posltif. (Sotieie mddicale des 

höpitaux, 6. Dez. 1901.) 

Ein 19 jähriges Mädchen hatte während zweier Wochen Fieber von 38—40°; 
das Fehlen sonstiger irgendwie charakteristischer Erscheinungen gestattete keine 
Diagnose, zumal die Widal’sche Probe am 9. und 20. Tage der Erkrankung 
negativ ausfiel. 15 Tage nach der Entfieberung kam die Pat wieder in das 
Krankenhaus mit Fieber von 40°, Kopfschmerzen und Erbrechen; am Abdomen 
fanden sich 2 roseolaverdächtige Stellen. 3 Tage darauf stellte sich eine Schmerz¬ 
haftigkeit in der Qegend der Qallenblase ein, und nach weiteren 5 Tagen fiel 
jetzt die Widal’sche Reaktion positiv aus. M. Cohn (Kattowitz). 


Lommd, Felix: Eine Fehldiagnose auf Grund der Gruber-WidaTschen Reaktion (bei 
Puerperalfieber). Aus der med. Klinik in Jena (Prof. Dr. Stintzing). (Münch. 

med. Wochenschr., Nr. 8.) 

ln dem mitgeteilten Falle lautete die klinische Diagnose auf Orond der 
Gruber-Widal’schen Reaktion, die noch bei einer Verdünnung von 1:80 stark 
positiv ausfiel, auf Typhus, während die Autopsie puerperale Sepsis, keinerlei 
typhöse Veränderungen im Darm ergab. Verf. giebt der Vermutung Raum, dass 
es sich um eine reine oder auch durch andere Mikroorganismen komplizierte 
Coliinfektion gehandelt haben könnte, und dass sich das Agglutinationsphänomen 
durch die von Pfaundler so genannte »Gruppenagglutination« erklären Hesse, 
wonach das Blutserum des infizierten Individuums nicht nur auf den eigentlichen 
Infektionserreger, sondern auch auf ihm nahestehende Arten, wenngleich in ge¬ 
ringerem Grade, agglutinierend einwirkt. Schade (Göttingen). 


Berndt, Fritz: Zur Lagerung des Patienten bei Operationen an den Gallengingen. 
Aus der Chirurg. Abt. d. stadt. Krankenhauses in Stralsund. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 8.) 

Im Anschluss an die Bemerkung von Rühl (Münch, med. Wochenschr., 
Nr. 5. Ref. dies. Centralbl., S. 143) teilt B. mit, welchen Verfahrens er sich zur 
Lagerung seiner Patienten bei Operationen an den Gallengängen bedient hat. 
Dass Verf. seine so simple Methode in der Litteratur nirgends erwähnt gefunden 
hat, liegt wohl lediglich daran, dass es bisher noch niemand für nötig gehalten 
hat, so triviale und selbstverständliche Dinge zum Gegenstand besonderer Publi¬ 
kationen zu machen. Schade (Göttingen). 

Dufour: Du rythme couple du eoeur avec pouls bigemine au cours de Hetäre. Con- 
siddrations de Physiologie pathologique sur les modifications du rythme cardiaque 
provoqudes par la bile. (Societd mddicale des höpitaux, 18. Okt. 1901.) 

2 Fälle von Icterus catarrhalis, wobei während dessen Dauer Pulsus bige- 
minus beobachtet wurde. Offenbar ist dieser bewirkt durch die in der Zirku- 


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laiion befindliche Galle, welche auf das Myocard im Sinne einer Verdoppelung 
der Kontraktionen einwirkt Diese Einwirkung ist besonders dann zu beobachten, 
wenn das Myocard durch vorangegangene Krankheiten bereits geschwächt ist; in 
den beiden hier beschriebenen lallen war Rheumatismus bezw. Variola voran¬ 
gegangen. M. Cohn (Kattowitz). 


Köttner: Durch Naht gehellte Stichverletzung des Pankreas. (Beiträge zur klin. Chir., 

Bd. 32, H. 1.) 

Die durch einen mit grosser Kraft von unten nach oben geführten Dolch- 
stoss verursachte Verletzung kam bereits y 4 Stunde später zur chirurgischen Be¬ 
handlung. Dies rettete den Patienten, der sonst sicher der ungeheueren Blutung 
erlegen wäre. Durch die in weiter Ausdehnung eröffnete Abdominalwand waren 
die Eingeweide vorgefallen und infolge einer 9 cm langen Wunde der vorderen 
Magenwand vollkommen mit Speiseresten besudelt Der Dolch hatte dann weiter¬ 
hin den Leberrand verletzt und das Pankreas fast ganz durchtrennt Nach exakter 
Blutstillung, Naht des Pankreas und der Magen wunde wurde das Abdomen ge¬ 
reinigt und bis auf einige tamponierte Stellen geschlossen. Nach anfänglich 
schwerem durch einen subphrenischen Abscess kompliziertem Krankenlager trat 
völlige Genesung ein. 

Es ist der erste Fall von Naht einer Verletzung des Pankreas. Bemerkens¬ 
wert ist noch, dass Zucker im Urin während der ganzen Zeit nicht nachgewfesen 
werden konnte. B. Oppler (Breslau). 


Smoler: Zur Kasuistik der mesenterialen Lymphcysten. (Beiträge zur klin. Chir., 

Bd. 32, H. 2.) 

S. publiziert die Krankengeschichte eines Falles von mesenterialer Lymph- 
cyste, bei dem im Anschlüsse an die glücklich ausgeführte Enukleation genaue 
pathologisch-anatomische Untersuchungen ausgeführt wurden. 

Verf. giebt dann einen Ueberblick über die Symptomatologie und Diagnose 
der immerhin seltenen Affektion und geht des näheren auf Beschaffenheit, 
Inhalt und namentlich die Aetiologie der Cysten ein, ohne sich für eine bestimmte 
Theorie allein zu entscheiden. 

Die Behandlung kann natürlich nur eine chirurgische sein und wird in der 
Enuldeation der Cyste, oder, wenn diese besonders schwierig sein sollte, in In¬ 
zision und Drainage derselben bestehen. B. Oppler (Breslau). 


Hoffmann, F. A.: (Jeher hypophrenische Schmerzen und Neurose des Plexus coeliacus. 
Nach einem in der med. Gesellschaft zu Leipzig am 14. Jan. gehaltenen Vortrage. 

(Münch, med. Wochenschr., Nr. 7.) 

Die verschiedenen bisher bekannten Ursachen der hypophrenischen, d. h. 
von dem zunächst unter dem Zwerchfell gelegenen Organen ausgehenden 
Schmerzen reichen zur Erklärung mancher Krankheitsbilder nicht aus. ln solchen 
Fallen, von denen Verf. 2 aus eigener Beobachtung zitiert, liegt es nahe, an eine 
Neurose des Plexus coeliacus zu denken. Die Schmerzen sind dadurch charakte¬ 
risiert, dass sie vom Oberbauch in den Unterbauch und nach hinten in die Sakral¬ 
gegend und in die Glutäen, aber nicht nach oben ausstrahlen. Gleichzeitiges Auf¬ 
treten gewisser Darm- und Urinstörungen (Schafkot und Polyurie) berechtigt 
nach Verf. zur Annahme einer Neurose des Plexus coeliacus. 

Schade (Göttingen), 


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Le Noir et Coarcoux: Observation d’albnminurie ortfaostatiqae. (Socidtö mädicale 
des höpitaux, 18. octobre 1901.) 

Bei einem 16jährigen Mädchen, das seit 4 Wochen an Oedemen und 
Kopfschmerzen erkrankt war, schwand die Albuminurie nach eintägiger Bettruhe, 
um beim Aufstehen der Pai sofort wieder zu erscheinen. Die Diät ist anschei¬ 
nend ohne Einfluss auf die Eiweissausscheidung. Im Blutserum findet sich kein 
Qallenpigment, die Methylenblauprobe ergiebt eine Verzögerung und Verlängerung 
der Ausscheidung; nach 3 Wochen ist indes die Permeabilität wieder normal. 
Auffällig ist eine nächtliche Polyurie bei der Pat Die Verff. nehmen für den 
vorliegenden Fall das Bestehen einer geringgradigen Nephritis an. 

M. Cohn (Kattowitz). 

Hirte et Salomon: Deux cas d’albaminurie ortfaostatiqae. (Socidtd mddicale des 

höpitaux, 23. octobre 1901.) 

1. Ein 23jähriger Mann fiberstand eine Scarlatina mit Albuminurie, welch’ 
letztere nach zweiwöchentlicher Milchdiät schwand. Es blieben indes Lum¬ 
balschmerzen zurfick, und nach einigen Wochen erschien die Albuminurie 
wieder. Die Harnausscheidung war dabei reichlich. Bettruhe brachte das 
Eiweiss zum Verschwinden, während diätetische Massregeln ohne Einfluss 
waren. Bei aufrechter Stellung des Körpers tritt wieder Albuminurie ein. 

2. Bei einer 27 jährigen Hysterica, die an Konstipation und Colitis mem- 
branacea leidet, wird in dem an Menge reichlichen Urin (27 a —3 Liter pro 
Tag) Eiweiss gefunden, das bei Bettruhe der Pat. wieder verschwindet 

Hirtz nimmt für beide vorliegende Fälle das Bestehen partieller Nieren¬ 
läsionen an; er glaubt im übrigen, dass eine Eiweissausscheidung auch durch 
vasomotorische Veränderungen der Nierengefässe Zustandekommen kann. Auch 
bei der echten Nephritis ist die Körperstellung von Einfluss auf die Eiweiss¬ 
ausscheidung. M. Cohn (Kattowitz). 

Ferrier et Dopten Plric&rdite aiguä d’origine brightiqne. (Soci6t€ m€dicale des 
höpitaux, 22. novembre 1901.) 

Akuter Verlauf einer Perikarditis infolge von Nephritis ist selten. Bei einem 
Patienten von F. und D., der an den Erscheinungen chronischer Urämie litt, 
führte eine Perikarditis binnen 3 Tagen zum Tode. Bei der Autopsie fand sich 
eine frische fibrinöse Perikarditis mit Exsudat neben den Zeichen der Nieren¬ 
schrumpfung und alter verkalkter Tuberkelherde der Lungen. 

Die Perikarditis bei Nephritis ist nach Banti und B€co als toxisch be¬ 
dingte, aseptische Entzündung aufzufassen. B6co konnte sie bei Hunden durch 
doppelseitige Ureteren-Unterbindung im Experiment herbeiführen. Zu erwähnen 
ist noch, dass nach Renaut die Herzserosa bei Veränderungen des Myocards 
weniger widerstandsfähig ist; auch hier waren myocarditische Veränderungen 
zu konstatieren. M. Cohn (Kattowitz). 


Coville: Rnptare traamatiqae de la rate avec hämorragie lente. Splänectomie tardive; 
guärison. (Oazette des höpitaux, Nr. 11.) 

Eine 65jährige Pat. stürzte vor 2 Wochen hin, zog sich indes dabei 
anscheinend nur leichte Kontusionen am Rücken zu. 2 Tage darauf verspürte sie 
heftige Schmerzen im linken Hypochondrium; es bildete sich daselbst allmählich 
eine immer zunehmende Anschwellung aus. 

Klinisch stellte man einen von den linken falschen Rippen bis 3 Quer¬ 
finger unterhalb des Nabels reichenden, nicht schmerzhaften, unbeweglichen, tief¬ 
liegenden Tumor fest, der bei Umgreifung von der Lendengegend aus das Gefühl 
der Fluktuation darbot Bei der Punktion gewann man eine blutig fingierte 


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Flüssigkeit mit einem Harnstoffgehalt von 1,90%«. Der Verf. stellte daraufhin 
die Dügnose auf eine »Hydronephrose mit traumatischer Blutung«. 

Bei der Operation fand man von einem Lumbalschnitt aus, dass die Niere 
von normaler Grösse und an rechter Stelle war. Es wurde daher die Laparotomie 
vorgenommen; es ergab sich eine Ruptur an der Konkavität der Milz, welch’ letztere 
stark veigrössert war. Die Blutmassen waren in eine von der konkaven Milz- 
flache, den Därmen und dem Netz gebildeten Tasche eingeschlossen. Tamponade 
der Tasche, Exstirpation der Milz, Heilung. 

Es handelte sich also offenbar um eine langsam erfolgte, durch Ver¬ 
klebung des Peritoneums abgekapselte Blutung. Das Blut der Pat enthielt am 
Tage der Operation 4123000 rote und 19460 weisse Blutkörperchen, 5 Wochen 
spater 4743000 rote und 10330 weisse. 

Das normale Blut kann 0,20—1,80 g Harnstoff im Liter enthalten; es klärt 
sich so der Irrtum bezüglich der Diagnose einer »Hydronephrose mit Blutung« 
ans dem Punktionsbefund auf. M. Cohn (Kattowitz). 


Triboolet et Uppmann: Deux cas de leuc&nie myllogtne. Socidtl mddicale des 

höpitaux, 6. ddcembre.) 

Im 1. Fall wurden gezählt 3028000 rote, 268000 weisse Blutzellen (1:11). 
Von den Leukocyten waren 51% polynukleäre Formen, 42% Myelocyten, 3% 
Eosinophile und 1,7% Lymphocyten. Im 2. Falle kamen auf 3408000 rote 365000 
weisse Blutkörper (1:9); von den letzteren waren 57% polynukleäre Neutrophile, 
1,28% Eosinophile, 1 % Lymphocyten und 42% Myelocyten. 

Bei beiden Patienten gingen dem Auftreten des Milztumors gastrointesti¬ 
nale Erscheinungen (Diarrhoe, Koliken, Erbrechen) voraus, welche vielleicht in 
ätiologische Beziehung zu der Milzschwellung, die alsdann als toxische aufzufassen 
wäre, zu setzen sind. M. Cohn (Kattowitz). 


Abramowitsch: Ueber den Einfluss der Schilddrüsenexstirpation anf die Leukocytose. 

(Petersburger Dissertation. Russki Wratsch, Nr. 7.) 

Seine experimentellen Untersuchungen hat Verf. im klinischen Laboratorium 
des Prof. S. S. Botkin an 23 Hunden ausgeführt. Bei jungen Versuchstieren 
wurde zuvor durch mehrere Tage fortgesetzte Beobachtung unter gleichen Ver¬ 
hältnissen sowohl in bezug auf die Fütterung wie auch auf die sonstige Pflege 
die für dasselbe normale Quantität der im Blut enthaltenen weissen Körperchen 
mit einer Genauigkeit bis 100—200 pro mm 8 festgestellt Hierauf wurden dem 
Versuchstiere subkutan 10 ccm 5 %feer oder 5 mm 8 10%iger Peptonlösung inji¬ 
ziert und nach verschiedenen Zeiträumen Blutquanta behufs Zählung der weissen 
Blutkörperchen entnommen. Sobald der Qehalt an weissen Blutkörperchen wieder 
konstant wurde, wurde bei dem Tiere unter allen erforderlichen Kautelen die 
Schilddrüse exstirpiert und am Tage nach der Operation wieder eine Zählung 
der Blutkörperchen vorgenommen, um, sobald deren Quantität konstant geworden 
ist, wiederum Pepton zu injizieren u. s. w. ln 3 Fällen wurde die Operation von 
einer ziemlich bedeutenden Blutung begleitet, in 3 Fällen kam es zur Vereiterung 
der Wunde. Nach der Operation lebten die Hunde 28—70 Tage. Die Zählung 
der weissen Blutkörperchen geschah nach der Methode von Thoma-Zeiss, 
wobei das Blut im Potain’schen Apparat mit %%iger Essigsäurelösung ver¬ 
dünnt wurde. Ausserdem bestimmte Verf. auch die Zahl der einzelnen Arten 
der weissen Blutkörperchen nach der bekannten Klassifikation Uskow’s, wobei 
er sieh trockener, nach der Methode von Ehrlich-Egorowski gefärbter Blut- 
präparate bediente. Das Endergebnis obiger Untersuchungen geht nun dahin, 
dass die Entfernung der Schilddrüse resp. Beseitigung der Funktion derselben den 
Eintritt der Hyperleukocyten nach der Peptoninjektion bedeutend verlangsamt; 


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Bei einem gesunden Tiere tritt an Stelle der bei solchen Injektionen gewöhnlidi 
eintretenden primären Hypoleukocytose schon nach ’/« Stunde Hyperleukocytose 
ein, während bei Tieren mit entfernter Schilddrüse noch an dem der Operation 
folgenden Tage Hypoleukocytose besteht. Wodurch diese Verlangsamung bedingt 
wird, vermag Verf. nicht anzugeben; er nimmt aber an, dass die Schilddrüse in 
irgend einer Weise die Energie der blutbildenden Organe steigert, so dass mit 
dem Fortfall dieser Funktion der Schilddrüse das Vermögen, weisse Blutkörperchen 
zu produzieren, in den blutbildenden Organen abnimml 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Ledere: Du syndrome de Basedow. (Socidtd mddicale des höpitaux, 13. Dez. 1901.) 

L. hat schon früher bei Morbus Basedowii ausgesprochenen Dermo¬ 
graphismus beobachtet Dasselbe Phänomen sah er neuerdings bei einem 
21jährigen Mädchen, das an Herzklopfen, Kurzatmigkeit, Insomnie und Neigung 
zu Schweissen litt. Die Pulsfrequenz betrug 120; es bestand jedoch weder Kropf, 
noch Exophthalmus oder Tremor. Der Verf. verordnete kalte Douchen, Tinct 
Strophanti, später Eigotin und Digitalis. Nach zweimonatlicher Behandlung war 
kein Dermographismus mehr zu konstatieren, das Allgemeinbefinden der Pat war 
besser geworden. 

Ledere ist geneigt, den beschriebenen Fall als eine forme fruste von Ba¬ 
sedow-Erkrankung anzusehen; indessen ist diese Auffassung nicht einwandsfrei, 
da man derartige Tachykardie und auch Dermographismus oft genug bei einfacher 
Hystero-Neurasthenie zur Beobachtung bekommt. M. Cohn (Kattowitz). 


Tallquist, F. W.: Zur Frage des Einflusses von Fett und Kohlenhydrat auf den Eiweiss- 
unssatz des Menschen. (Arch. f. Hygiene, Bd. 41, H. 3.) 

Aus einem an sich selbst ausgeführten Stoffwechselversuche zieht Verf. 
folgende Schlussfolgerungen: 

Bereits die praktischen Schwankungen des Fett- und Kohlenhydratgehaltes 
der Kost entsprechen einem verschiedenen Bedarf an Fett und Kohlenhydrate 
und sparen dabei thatsächlich mehr an Eiweiss als das Fett. 

Die Beigabe von Fett oder Kohlenhydraten ist innerhalb gewisser Grenzen 
von Belang für die gleichzeitig zu reichende Eiweissmenge. Jedoch sind die Ver¬ 
änderungen in ihrer Oesamtwirkung auf den N-Bestand des Körpers nicht von er- 
erheblichem Einflüsse. B. Oppler (Breslau). 


Loew: (Jeher die Zuckerbildung aus ProteTnstoffen. (Beiträge z. ehern. Phys. u. Path., 

H. 10-12.) 

Längst war es bekannt, dass bei blosser Fleischfütterung die Qlykogen- 
bildung in der Leber, die Milchzuckerbildung in der Milchdrüse säugender 
Camivoren und die Zuckerbildung der Diabetiker andauert in solcher Stärke, dass 
die geringe Olykogenmenge der Leber und des Fleisches dafür nicht in die Wag¬ 
schale Milt Neuere Versuche scheinen Licht über die Zuckerproduktion aus 
ProteTnstoffen zu bringen: Abspalten einer Kohlenhydratgruppe durch verdünnte 
Salzsäure bei dem Kaltblüter, Glykogenbildung aus Ovalbumin durch Behandlung 
mit verdünnten Säuren. Da fand Bend ix bei dem Warmblüter, dass Kasein und 
Leim Zucker liefern, obschon sich mittels verdünnter Salzsäure keine Kohlen¬ 
hydratgruppe abspalten lässt. Blumenthal und Mayer fanden, dass die ab¬ 
spaltbare Kohlenhydratgruppe nur glykoseartig gebunden ist und nicht aus Zer¬ 
trümmerung des Proteinkomplexes stammt Cohn, Müller und Seemann ver¬ 
muten, dass Leucin, aus ProteTnstoffen durch HCl erhalten, in Zucker umge- 
wandelt werden kann; Bend ix bestreitet diesen Vorgang bei dem Warmblüter. 


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Loew Mit bei dem Warmblüter folgenden Modus der Zuckerbildung aus 
Proteinen für wahrscheinlich: Die Qruppe CH OH wird aus dem Proteinmolekül 
abgespalten und im stat. nascent. zu Qlykose kondensiert (Synthese), oder Atom- 
grappen des Protelnkomplexes werden ohne weitere synthetische Operation zu 
Glykose umgewandelt, wobei der Stickstoff in Form sehr stickstoffreicher Körper 
(NH* Kreatin, Purinbasen) abgespalten wird. Schilling (Leipzig). 


Müller, Paul Theodor: Vergleichende Studien über die Gerinnung des KaseTns durch 
Lab und Laktoserum. Vorläufige Mitteilung. Aus dem hyg. Institut der Univer- 
versität Graz. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 7.) 

M. teilt die Ergebnisse einer Reihe von Untersuchungen mit, über die an 
andererstelle ausführlich berichtet werden solL Zu kurzem Referat nicht geeignet. 

Schade (Göttingen). 


Knüpfehnacher: Die Anwendung von Nührprftparaten im SäugUngsalter. (Centralblatt 
f. d. gesamte Therapie, Januar.) 

Künstliche Eiweisspräparate sind für die Säuglingsernährung vollkommen 
überflüssig. Abgesehen davon, dass eine Eiweissanreicherung der Nahrung über¬ 
haupt fast nie in Frage kommt, würde sich dieselbe auch durch natürliche Präpa¬ 
rate wie Hühnereiweiss oder Molken weit bequemer und angenehmer erreichen 
lassen. Anders liegt es mit dem Kohlenhydratpräparaten. Dieselben können, sei 
es in Form aufgeschlossener, gemälzter oder feinverteilter Mehle, sei es in Form 
fertiger Präparate zur Herstellung der bekannten Malzsuppen häufig mit Vorteil 
Verwendung finden. B. Oppler (Breslau). 


Brat, H.: Ueber die Bedeutung des Leimes als Nährmittel und ein neues Nährpräparat 
»Gluton«. Aus der I. medizin. Univ.-Klinik in Berlin (Dir.: Geh. Med. Rat Prof. 

Dr. v. Leyden). (Deutsche med. Wochenschr., Nr. 2.) 

Gluton entsteht durch mehrere Stunden lange Einwirkung von Säuren auf 
Gelatine bei höherer Temperatur und nachheriger Neutralisation der Säure. Es 
stellt gemahlen ein weissgelbes Pulver dar und hat den Vorzug, dass es selbst 
in konzentrierten Lösungen nicht mehr gelatiniert Mit diesem Präparat stellte B. 
Stoffwechselversuche an, indem er das Nahrungseiweiss zum Teil durch dasselbe 
ersetzte, wobei sich feststellen liess, dass in der Glutonperiode eine vermehrte 
N-Retention stattfand. Gegenüber anderen Nährpräparaten wie Somatose, Plasmon 
hat es den Vorzug, dass es bei geringerer Quantität dasselbe leistet wie diese, 
was durch seinen höchsten N-Gehalt unter allen modernen Nährpräparaten be¬ 
dingt ist Der Gelatine gegenüber hat es wieder den Vorzug, dass es bei 
gleichem Nährwert in grösseren Dosen, als es bei der Qelatine möglich ist, 
gegeben werden kann. Sehr vollkommen ist die Ausnutzung, wie sie sich bei 
keinem anderen Nährpräparat findet 

Auch der Ersatz der Kohlenhydrate in beträchtlichem Grade durch Gluton 
führt zum Fleischansatz und der Gedanke, dass sich Oluton in Krankheitszu¬ 
ständen, wo die Zufuhr von Kohlenhydraten vermieden werden muss (Fettsucht, 
Diabetes), als Nähr- und Ersatzpräparat verwenden lässt, hat seine Berechtigung. 

Die Untersuchungen über die Hamsäureausscheidung zeigt, dass dieselbe 
bei Oluton geringer als bei Plasmon, Somatose und Fleischzufuhr ist 

Hagenberg (Göttingen). 


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Weissbein, S.: Ueber einige neuere Nährpräparate. Aus dem Lab. des russischen 
Instituts für mediz. Konsultat. von Dr. S. Lipliawsky in Berlin. (Deutsche med. 

Wochenschr., Nr. 2.) 

Die von Posner zuerst angewandte farbenanalytische Untersuchungs¬ 
methode zur Erforschung der künstlichen Nährmittel auf ihre Bestandteile ist von 
W. bei den modernen Nährpräparaten angewandt worden und wird von ihm als 
eine wichtige Ergänzung der chemischen Untersuchung und des klinischen Ver¬ 
suchs hingestellt. 

Die Albumine, Albuminate, Peptone verhalten sich wie Basen, verbinden 
sich daher mit sauren Farbstoffen; die Nukleoalbumine, Kaserne und die Cellu¬ 
lose wirken als Säuren, verbinden sich daher mit basischen Anilinfarben. Stärke 
und Fett werden durch Anilinfarben nicht gefärbt, über die erstere giebt die Jod¬ 
reaktion, über das letztere Osmiumsäure Aufschluss. W. verwandte anstatt des 
meist gebräuchlichen Ehrlich’schen Triadds die panoptische Triaddlösung von 
Pappenheim. In ein Zentrifugierglas wird eine Messerspitze des Präparats 
gebracht, darauf dasselbe bis zur Mitte mit destilliertem Wasser angefüllt und 
dann werden 10 Tropfen der Triaddlösung hinzugefügt Nachdem ordenüich 
durchgeschüttelt ist, wird zentrifugiert und das gefärbte Pulver, welches beim 
Auswaschen das Wasser nicht mehr färben darf, mikroskopiert. Betreffs der ein¬ 
zelnen Untersuchungsresultate bei den einzelnen Nährmitteln muss auf das Ori¬ 
ginal verwiesen wenlen. Hagenberg (Göttingen). 


Warda: Ueber deu Alkoholgenuss bei Neurosen. (Zeitschrift für Krankenpflege, 

December, 1901.) 

Die Gefahr des Alkoholmissbrauches ist bei den sogenannten Nerven¬ 
kranken eine besonders grosse. Sie finden oft im Alkohol eine scheinbare Hilfe, 
erkaufen aber die flüchtige Erleichterung durch neue Schäden. Für alle trinkenden 
Nervenkranken liegt unbedingt die Wahrscheinlichkeit vor, dass sie in chronischen 
Alkoholismus verfallen. — Also ist in jedem Falle, wo der Nervenkranke Befrei¬ 
ung von seinen Beschwerden im Alkoholgenusse zu finden glaubt, dieser gänzlich 
zu untersagen, gerade wegen der scheinbaren Hilfe, die er zu gewähren scheint 
Eine fernere Kontraindikation bildet die Steigerung gewisser Symptome durch 
den Alkohol. 

Nur sehr wenige Nervenkranke werden nicht zu einer dieser beiden Kate- 
gorieen gehören, und diesen darf man sehr geringe Mengen Alkohol gestatten, 
aber auch nur dann, wenn sie sich schon in vorgerückteren Jahren befinden, 
keinesfalls im jugendlichen Alter. B. Oppler (Breslau). 


Blad und Videbeck: Ueber die Diazoreaktion, besonders Ihr Auftreten bei der Lungen¬ 
tuberkulose. (Zeitschrift für Tuberkulose und Heilstättenwesen, Bd. 2, H. 5. 6.) 

In Uebereinstimmung mit früheren Untersuchem haben die Verff. festge¬ 
stellt, dass die Diazoreaktion, von seltenen Ausnahmen abgesehen, kräftig und 
regelmässig nur in den Fällen von Lungentuberkulose mit zweifelhafter oder 
schlechter Prognose auftritt 

Es konnte ein Einfluss auf die Reaktion weder von seiten der Körper¬ 
temperatur noch durch komplizierende Erkrankungen von Niere, Leber, Milz, Darm 
und Drüsen festgestellt werden. B. Oppler (Breslau). 


Ruhemann: Eine einfache Methode zur sofortigen quantitativen Bestimmung der Harn¬ 
säure im Urin. (Berliner klin. Wochenschr., Nr. 2.) 

Die Methode ist eine Modifikation des früher vielfach geübten Verfahrens 
der Titration mit Jodlösung, das nach Ansicht des Verf.’s die alten Fehlerquellen 


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ausschliesst, indem es nur das Bindungsvermögen der Harnsäure berücksichtigt; 
die Bindungswerte der anderen in Betracht kommenden Substanzen werden prin¬ 
zipiell rechnerisch eliminiert, indem eine Zahl vom Titrationswert des Gesamt- 
urins abgezogen wird, welche dem Titrationswert des »Resturins« entspricht, d. h. 
des von Harnsäure (aber nur durch Zusatz von Salzsäure, und darin liegt ein 
prinzipieller Fehler. Ref.) »befreiten« Urins. 

Die in 35—40 Minuten zu bewerkstelligende Ausführung ist folgende: 
Man lässt einer bekannten Jodlösung so lange Harn (eiweissfrei!) zufliessen, bis 
erstere der Nuance des Urins näher kommt, und versetzt die Mischung mit 
Schwefelkohlenstoff; das Ende der Titration ist erreicht, sobald letzterer sich nicht 
mehr färbt. 

Für die Praxis hält Verf. die Jodzahl des »Resturins« für irrelevant und 
sieht von ihr ganz ab. Aus einer grossen Menge von Bestimmungen hat sich 
eine Skala ergeben, welche gestattet, aus der Anzahl der zur Jodbindung (Jod. 
pur., Kal. jod. aa 1,5, 200 g Wasser) verbrauchten Gramme Urin sofort den 
Harnsäurewert des Urins zu erkennen. Ein mit einer Einteilung versehenes, 
vom Verf. angegebenes Messinstrument: »Uricometer« mit dieser Skala (Berlin, 
bei Bandagist H. Löwy käuflich) erleichtert die Ausführung der Bestimmung für 
den täglichen Gebrauch. Pickardt (Berlin). 


7nbalt$v*r?*icbnls. 

Original-Artikel: Bendix, Ernst: Ueber alimentäre Glykosurie nach 
Narkosen S. 149. — Referate: Condamin, M. R.: Un nouveau traitement des 
vomissements incoercibles de la grossesse S. 152. — Meinel, Arthur: Ein Fall von 
Carrinom des Magens mit starker Entwicklung des elastischen Gewebes und über 
das Verhalten dieses Gewebes im Magen bei verschiedenem Alter S. 152. — 
Rendd, R.: Die diagnostische Bedeutung der mikroskopischen Blutuntersuchung 
bei Carcinoma und Ulcus ventriculi rotundum mit besonderer Berücksichtigung 
der Verdauungsleukocytose S. 152. — Mathieu et Roux: Sur un cas d’ulcdrations 
ur&niques de l’estomac et de l’intestin grele S. 153. — Brunner: Klinische Be¬ 
obachtungen über Aetiologie und chirurgische Therapie der Magen-Duodenum- 
perforation und Magenperitonitis S. 153. — Porges, R.: Beitrag zur operativen 
Behandlung der Magengeschwüre S. 154. — Schloffer: Die an der Wömerischen 
Klinik seit 1895 operierten Fälle von gutartiger Magenerkrankung S. 154. — 
v. Hacker: Zur Frage des zweckmässigsten Verfahrens, um Fremdkörper aus dem 
unteren Teile der Speiseröhre vom Magen aus zu entfernen S. 155. — Czerny 
u. Petersen: Jahresbericht der Heidelberger chirurgischen Klinik für das Jahr 1900 
S. 155. — Bychowsk, Z.: Eine kleine Verbesserung der Magensonde 5. 156. — 
Nagano: Beobachtungen an einer Thiiy’schen Fistel beim Menschen S. 156. — 
Schimann: 7 Fälle von Darmverschlingung S. 156. — Mankowski, A. F.: Beitrag 
ziu Frage der gleichzeitigen Affektion des Mastdarms mit Carcinom und Tuber¬ 
kulose S. 158. — Westphalen, H.: Ueber die chronische Obstipation. II. Die 
chronische spastische Obstipation S. 159. — Schütz. R.: Kritischer und experimen¬ 
teller Beitrag zur Frage gastrointestinaler Desinfektion S. 159. — v. Mierzkowski: 
Desinfektionsversuche am menschlichen Dünndarme S. 160. — Simonin: Mani¬ 
festation appendiculaires au cours de quelques maladies infectieuses S. 160. — 
Ochsner, A. J. (Chicago): Vermeidbare Appendicitiskomplikationen S. 161. — 
Souaues et Ribierre: Idees mdlancoliques et suicide dans un cas de fifevre typhoide 
S. 161. — Bezancon etPhilibert: lnfection ä bacilles d’Eberth, sans fifevre typhoide, 
deceläe par le sero-diagnostic de Widal, choldcystite S. 161. — Le Gendre: In- 
fection eberthienne ä localisation cholecystique tardive, sans autre Symptome 


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102 


S£roth£rapie de la fifcvre typhoide S. 181. — Courmont: Sur la pr&ence du badlle 
d’Eberth dans le sang des typhiques. Application au diagnostic precoce de la fievre 
typhoide S. 182. — Bios: lieber die Entzündungen des Wurmfortsatzes S. 18Z 

— Oroth, Alfred: Ueber einen Fall von eigenartiger Stenosenbildung im Dünn¬ 
darm S. 183. — Kukula, O.: 2 Fälle von Rektumoperationen S. 183. — Henle: 
Zur Technik der Resektion des Mastdarmvorfalles S. 184. — Talke: lieber End¬ 
resultate der v. Langenbeck’schen Hämorrhoidenoperation S. 184. — Rothe: Ein 
nach Leberresektion geheilter Fall .von gangränösem Nabelschnurbruch S. 184. — 
Marie et Guillain: Ladrerie gdndralisde S. 184. — Gribinjuk, E. S.: lieber die 
Wechselbeziehungen zwischen dem lebenden Epithel und den Gallenfarbstoffen 
S. 184. — Gilbert et Lereboullet: Note additionelle sur la cholemie familiale ä 
forme hdmorragique S. 185. — Bloch: lieber die Löwit’schen Parasiten der 
lymphatischen Leukämie und ihre Beziehungen zu den Kernen der Lymphocyten 
S. 185. — Brandenburg: Ueber Alkalescenz und Alkalispannung des Blutes in 
Krankheiten S. 186. — Kostin (Charkow): Ueber den Nachweis minimaler Mengen 
Kohlenoxyd in Blut und Luft S. 186. — Schottellus: Die Bedeutung der Dann¬ 
bakterien für die Ernährung S. 187. — Glaessner: Ueber die örtliche Verbreitung 
der Profermente in der Magenschleimhaut S. 187. — Mochizuki: Zur Kenntnis 
der tryptischen Eiweissspaltung S. 187. — Glaessner: Ueber die Vorstufen der 
Magenfermente S. 187. — Laquerriere et Delhelm: Die Einwirkung elektrischer 
Ströme auf den Dickdarm S. 188. — Lintwarow, 1. 1.: Ueber den Einfluss der 
verschiedenen physiologischen Verhältnisse auf den Zustand und die Anzahl der 
Fermente im Pankreassaft S. 188. — Cnopf: Ueber Säuglingsemährung S. 189. 

— Boetzelen, E. (Berlin): Ueber das Jolles’sche klinische Ferrometer S. 189. — 
Heidenhain, Martin: Die Anilinfarben als Ei weissfällungsmittel S. 189. — Schulz: 
Ueber den Kieselsäuregehalt menschlicher und tierischer Gewebe S. 190. — Be¬ 
sprechungen: Tallquist: Ueber experimentelle Blutgift-Anämieen S. 190. 


Hlpbabetifcb geordnetes Jnbaltsverfeicbnis. 


Anämie, experimentelle S. 190. — Anilinfarben, Eiweissfällung durch S. 189. 

— Appendidtis S. 182. — Blut, Alkalescenz des S. 186. — Blut, elektrische Leit¬ 
fähigkeit des S. 171. — Cholämie S. 185. — Cysticerkosis S. 185. — Diät, Wasser¬ 
zufuhr in der S. 179. — Dickdarm, Wirkung elektrischer Ströme auf den S. 188. 

— Dünndarmstenose S. 183. — Eiweissfällung durch Anilinfarben S. 189. — 
Emetin S. 181. — Ernährung und Darmbakterien S. 187. — Ferrometer S. 189. — 
Gallenfarbstoff S. 184. — Hämorrhoiden S. 184. — Kardiospasmus S. 178. — 
Kieselsäuregehalt der Gewebe S. 189. — Kohlenoxydnachweis 5.186. — Leukämie 
S. 185. — Magenatonie S. 179. — Magenchirurgie S. 179. — Magenfermente 
S. 187. — Mastdarmvorfall S. 184. — Milchsäurebestimmung S. 179. — Nabel¬ 
schnurbruch S. 184. — Oesophagusstriktur S. 178. — Pankreasfermente S. 188. 

— Rektumoperationen S. 183. 184. — Rektumstriktur S. 183. — Säuglingser¬ 
nährung S. 189. — Typhus S. 181. 182. — Verdauung S. 187. 188. 


Original-Mitteilungen, Monographieen und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Ernst Schreiber in Göttingen, Alleestr. 6, einsenden. 


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Nr. 8. 


Zweites April-Heft 1902. 


3. Jahrgang, 


frttfralblaff 

ffip 

Stoffwechsel- & Ver^auungs-KronKheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. CARL VON Noorden in Frankfurt a. M. 
redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck ft Ruprecht in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nrn. von 1*M—2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, lan.—Dez., 20 Marie be 
halbjähriger Vorattsbezahltmg. Einzelne Nr. 1 Marie. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Postanstatten des In- und Auslandes, Nr. 1489 der Zeitungs-Preisliste f. d. Deutsche Reich. (Postbezug 
in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausserhalb Europas 1 Marie 20 Pf. jährlich mehr.) 


Original-Hrtikel. 

Aus der inneren Abteilung des städt. Krankenhauses in Frankfurt a. M. 

Oberarzt Prof. v. Noorden. 

Beiträge |ur frage der diabetischen Heidosts. 

Von 

Dr. L. Mohr, Assistenzarzt und Dr. A. Loeb. 

A. Die Beeinflussung der diabetischen Addose durch glykonsauren Kßlk. 

Die Auffassung des Coma diabeticum als Folge einer Vergiftung des 
Organismus durch i-Oxybuttersäure und ihrer Abkömmlinge, der Acetessig- 
säure und des Acetons, brachte in logischer Weiterführung des Gedankens 
die Anwendung von Alkalien in der Behandlung dieser Krankheit So gut 
begründet theoretischerseits diese Behandlungsweise, insbesondere durch die 
Studien von Magnus-Levy 1 ), ist, so häufig versagt sie doch in der Praxis. 
Daher war es willkommen, als aus den Arbeiten von Schwarz 2 ) die Mög¬ 
lichkeit hervorzugehen schien, durch Darreichung von Kohlenhydratsäuren, 
Giykonsäure und Zuckersäure, die diabetische Acetonurie zu vermindern 
und mithin auch die Acidose günstig zu beeinflussen. Er konnte feststellen, 
dass nach Genuss von 20 bis 100 g neutralisierter Giykonsäure die Aus¬ 
scheidung von Aceton in Atemluft und Urin beim Diabetiker stärker herab¬ 
gedrückt wurde als durch erheblich grössere Gewichtsmengen Traubenzucker. 
Er berichtet ausserdem über einen Fall von Diabetes, bei dem 2 Coma-An¬ 
fälle durch Verabreichung von 70 g mit Natron neutralisierter Giykonsäure 

Nr. a 


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194 


»geheilt« wurden. Allerdings wurden ausserdem noch grosse Mengen von 
Natr. bicarb. gegeben. 

Wir haben in 5 Fällen von schwerem Diabetes die Olykonsäure in 
Form ihres Kalksalzes zum Studium der Acidosis an gewendet*). Um Ver¬ 
gleichswerte für ihre Wirkung zu haben, stellten wir bei einem Kranken (V) 
noch Beobachtungen über den Einfluss des Natr. bicarb., der Livulose 
und Xylose an, bei zweien (IV und V) gaben wir dem Kalkgehalt des 
Glykonsfiure-Präparats äquivalente Mengen Kreide. Wir begnügten uns 
dabei nicht mit der Feststellung der Acetonausscheidung, sondern bestimmten 
mit Ausnahme der I. Beobachtung auch die Menge der A-Oxybuttersäure. 
Wir bedienten uns dazu der von Magnus-Le vy angegebenen Methode 500ccm 
Urin wurden mit ca. 20 g Ammonsulfat auf dem Wasserbad auf ca. 100 ccm 
eingedampft, der Rückstand abfiltriert, aliquote Teile des Filtrats mit 20 ccm 
SO* H 8 versetzt, und im Aetherextraktionsapparat 12—24 Stunden extrahiert 
Im Aetherextrakt wurde die Linksdrehung bestimmt Anfangs benutzten wir 
auch eine von Bergeil angegebene Methode; Kontrollanalysen mit der oben 
geschilderten ergaben uns öfter zu niedrige Werte für die Bergell’sche 9 ) 
Methode, die ausserdem umständlicher als die oben geschilderte ist**); die 
Methoden für die anderen aus der Tabelle ersichtlichen Bestimmungen waren 
die üblichen; Aceton in der Atemluft bestimmten wir in der von J. Müller 
angegebenen Weise. Meist wurden 3—4 Bestimmungen im Tage', jedesmal 
10—15 Minuten gemacht Bezüglich der Einzelheiten verweisen wir auf die 
Tabellen, die wir in gekürzter in Perioden zusammen gefasster Form wieder¬ 
geben. Zu bemerken ist noch, dass die Kost während der verschiedenen 
Perioden bei den einzelnen Patienten stets gleich blieb. 


I. N, 18 Jahre alt, schwerer Diabetes. 




N 

NH» 


i § 

/»-Oxy- 


1 “ 
N ~ 



1 1 

butter- 


g 



o < 

säure 

Vorperiode (4 Tage) . . 
Hauptperiode (3 Tage je 

60,51 

19,68 

4,46 

0,77 

3,26 

4,03 


60 g glykons. Kalk; am 

3. Tageeinmal Erbrechen) 

33,00 

12^8 

2,68 

0,38 

2^0 

2£8 

. 


NB. Am 2. Tage der Darreichung von glykonsaurem Kalk stieg das 
Atem-Aceton auf 1,107 g; am 3. Tage betrug es nur 0,292. 


*) Das Präparat wurde uns in liebenswürdigster Weise zu grossen Quan¬ 
titäten von den »Vereinigten Chininfabriken, vorm. Zimmer fr Co. in Frank¬ 
furt a. M.«, zur Verfügung gestellt 

**) Schwierigkeiten bereitete uns vor allem die Gewinnung einer gut ge¬ 
trockneten Pulvermasse des zu verarbeitenden Urins. 


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II. F, 38 Jahre alt, 
schwerer Diabetes. 


195 



Ö ka 



Aceton 

l 

-g 5 

ß-Oxy- 


4 “ 

3 .5 
N 


Atem- 

Urin 

i 1 

butter- 




luft 

ö < 

säure 

Vorperiode (6 Tage) . . 
Hauptperiode (2 Tage je 

56,9 

17,43 

3,19 

2^7 

237 

4,94 

21,0 

30,0 g glykons. Kalk) . 

62,5 

133 

2,49 

1,92 

1,81 

3,73 

12,7 

Nachperiode. 

62,0 

13,5 

1,98 

1,75 

1,93 

3,68 

>10,0 


IIL P, 50 Jahre alt, 
schwerer Diabetes. 


Vorperiode (4 Tage) . . 
Hauptperiode (4 Tage im 

98,6 

15,07 

1,26 


1,96 

— 

ganzen 102 g glykons. 
Kalk). 

104,4 

17,17 

1,02 

_ 

1,92 

_ 

Nachperiode. 

99,0 

17,30 

1,13 

— 

1,93 

— 


IV. H., 42 Jahre alt, 
schwerer Diabetes 

Vorperiode (2Tage je 10g 

Kreide). 

Hauptperiode (3 Tage je 
30 g glykons. Kalk). . 
Nachperiode(2 Tage je 10g 
Kreide). 

V. D, 19 Jahre alt, 
schwerer Diabetes. 

Vorperiode (3 Tage je 7 g 

Kreide). 

Hauptperiode (7 Tage je 
40 g glykons. Kalk). . 
Nachperiode (3 Tage) . . 
m 2 Tagen 300 g Lävulose 
Nachperiode (3 Tage) . . 
in 2 Tagen 96 g Xylose . 
Nachperiode (2 Tage) . . 
in 4 Tagen 37 g Kreide . 
Nach periode (3 Tage) . . 


118,0 

27,9 

432 

— 

234 

— 

938 

121,9 

22,62 

4,19 

— 

3,00 

— 

11,08 

121,4 

20,56 

3,91 

— 

3,90 

— 

9,99 

46,9 

20,46 

135 

0,67 

1,92 

234 

7,0 

38,4 

15,24 

13 

0,98 

1,62 

2,6 

5,7 

37,6 

15,96 

132 

0,9 

1,96 

236 

73 

123,0 

17,47 

1,02 

0,48 

138 

1,76 

2,45 

53/) 

1332 

0,70 

0,95 

1,72 

2,67 

4,7 

41,3 

1734 

134 

0,72 

1,78 

23 

4,0 

41,1 

17,91 

1,40 

134 

23 

3,64 

103 

393 

1932 

1,68 

0,68 

1,85 

2,53 

6,8 

233 

17,6 

136 

0,64 

1,70 

234 

6,1 


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196 


Fassen wir zunächst die Tabelle zu Fall V ins Auge, so sehen wir 
das stärkste Sinken der Acetonkörper unter dem Einfluss der Lävulose. 
Der Durchschnittswert für Aceton und Oxybuttersäure ist der niedrigste der 
ganzen Reihe; er ist am 2. Tage der Lävuloseperiode für Oxybuttersäure nur 
1 g. Dieses günstige Resultat war von vornherein zu erwarten; es ist bekannt, 
dass, solange der Diabetiker Kohlenhydrate verwertet, die Aceton-Ausschei¬ 
dung gering bleibt Die Lävulose dauernd bei Diabetikern zur Vermeidung 
einer stärkeren Addose zu geben, verbietet die dadurch hervorgerufene 
stärkere Glykosurie. Immerhin empfiehlt es sich, nicht nur im Coma-Anfall, 
sondern auch in Perioden steigender Addosis Lävulose zu verordnen (ca. 
SO g täglich). 

Von Interesse erschien uns die Prüfung der Xylose, da über die Ver¬ 
wertbarkeit der Pentosen für den menschlichen Organismus überhaupt und 
für den Diabetiker insbesondere der Streit der Meinungen noch andauert 
Cremer 4 ) hat sich neuerdings wieder für ihren Wert ausgesprochen im 
Gegensatz zu v. Jaksch, der sogar toxische Wirkungen der Arabinose, 
Xylose und Rhamnose für den Eiweissstoffwechsel des Diabetikers annimmt 
Der eine von uns (M.) konnte in noch nicht publizierten Versuchen, die er 
vor 3 Jahren zusammen mit Dr. Off er aus Wien angestellt hat, für Arabinose 
und Xylose die Angaben von v. jaksch nicht bestätigen. Weder war eine 
Steigerung des Eiweisszerfalls zu konstatieren, noch war die Ausnützung von 
Arabinose so schlecht, wie bei den Diabetikern, die v. Jaksch 5 ) untersuchte 
Allerdings litten unsere Kranken an der leichten Diabetesform. In Ueber- 
einstimmung mit unseren Resultaten sehen wir auch hier bei schwerem 
Diabetes eine deutliche Herabsetzung der Acetonkörperausscheidung bei 
Genuss von 89 g Xylose. Dies geht besonders aus dem Kontrast mit der 
Nachperiode hervor. 

Wir kommen nun zur Betrachtung der Glykonsäure-Wirkung. 
Im voraus sei bemerkt, dass wir in einem Fall (hier nicht verwertet) nach 30 g 
glykonsauren Kalks Durchfälle beobachteten; bei allen anderen konntenjvir 
ein derartiges Vorrkommnis vermeiden, wenn wir das Präparat in Einzelgaben 
von 5 g verabreichten. Eine Aenderung der Acetonkörper-Ausscheidung 
während der Dauer der Glykonsäure-Daireichung tritt deutlich nur im 1. und 
2. Fall zu Tage. Im Falle 1 vermindern sich die Werte für NH S und Ge¬ 
samt-Aceton fast um die Hälfte. Auflallend ist ferner das Ansteigen des 
Atemwerts für Aceton am 2. Tage; es stieg von 0,77 auf 1,1. Falls dieses 
nicht eine der unberechenbaren, sowohl von Schwarz wie auch von uns 
beobachteten natürlichen Schwankungen darstellt, wäre es möglich, dass hier 
unter dem Einfluss des glykonsauren Kalks eine stärkere Oxydation der/»-Oxy- 
butter- resp. Acetessigsäure stattgefunden hat, und das testierende Aceton in 
grösserer Menge in die Atemluft ging. In gleichem Masse, wie im I. Falle, 
sanken NH g und Acetonkörper im II. Fall. In den übrigen Beobachtungen 
fehlt ein derartiger scharfer Einfluss des gy Ikonsauren Kalks. Im Fall III ist über¬ 
haupt keine Aenderung in den Acetonkörperwerten zu verzeichnen; im Fall IV 
geht die Oxybuttersäure deutlich in die Höhe. Nur im Falle V sehen wir 
wiederum eine geringe Tendenz zum Sinken. Der glykonsaure Kalk scheint 
uns nicht energischer die Acetonkörper beeinflusst zu haben als äquivalente 


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197 


Mengen kohlensauren Kalkes. Dies steht in gewissem Gegensatz zu der ge¬ 
wöhnlichen Annahme, dass Alkali die Ausscheidung der Acetonkörper be¬ 
günstige; ein Beispiel hierfür ist folgender Fall von geheiltem Coma diabeticum 
bei einem 10jährigen Jungen, der vom 20. VIII. bis 1. IX. 1901 in unserer Be¬ 
obachtung war. Der 25 kg schwere Patient schied 2 Tage vor dem Coma 
(21. und 22. VIII.) 55,4 bezw. 50,3 g /S-Oxybuttersäure aus bei einer täglichen 
Natronzufuhr von 10 g Natr. bicarb. und 10 g Calc. carb. Während des 
Comatages am 23. VIII. bekam er eine Lösung von 45 g Natr. bicarb. in die 
rechte Armvene injiziert und nahm ausserdem 15 g Natr. bicarb. per os. 
Die Menge der ausgeschiedenen /S-Oxybuttersäure betrug 98,6 g; am folgen¬ 
den Tage bei 30 g Natr. bicarb. 70,4 g; am nächstfolgenden unter gleichen 
Verhältnissen 48,7 g. Am Abend des 24. war das Kind munter, klagte über 
viel Durst, zeigte aber keine schweren Störungen. 

Auch ausserhalb des Comas kann man den ausschwemmenden Ein¬ 
fluss der Alkalien beobachten; z. B. betend sich ein Patient mit schwerem 
Diabetes auf der Abteilung, der 6 Wochen hindurch täglich zwischen 16 und 
22 g Aceton ausschied, während er täglich 75 g Natr. bicarb. zu sich nahm. 
Ohne das Alkali wäre eine so enorme Elimination von Acetonkörpern kaum 
möglich gewesen, der Kranke wäre durch Autointoxikation zu Grunde ge¬ 
gangen. 

Doch giebt es Fälle, wo unter Alkalidarreichung die Acetonkörper 
sich vermindern, wie schon Weintraud**), Gerhardt und Schlesinger 7 ) 
beschrieben haben. Auch in unserem Falle V zeigte sich bei Verab¬ 
reichung von täglich 20,0 Natr. bicarb. ein Sinken sämtlicher Aceton¬ 
körper. Nachstehend geben wir die aus den Perioden vom 28. XII bis 
1. L und 2.—4.1. auf den Durchschnittstag berechneten Werte; die Tages¬ 
ausscheidungen wollen in der späteren grossen Tabelle (Arbeit von Loeb) 
nachgesehen werden. 


Tabelle. 



Atem- 

Urin- 

Oxybutter- 

Gesamtacetonkörper als 


aceton 

aceton 

säure 

Oxybuttersäure berechnet 

Vorperiode 

1,08 

1,98 

.*?. 

14,7 

Natronperiode 

0,48 

1,55 

4,9 

8,6 


Aehnlich wie im Weintraud'schen Falle war das Verhalten unseres 
Falles aber nicht konstant Als 4 Wochen später Herr Kollege Dengler zu 
anderen Zwecken die Oxybuttersäureaus6cheidung unter Natronwirkung 
studierte, stellte sich heraus, dass diesmal eine deutliche Steigerung einge¬ 
treten war. Zu dieser Zeit war aber das Allgemeinbefinden des Patienten, 
der häufig über Müdigkeit klagte, bedeutend schlechter, die Zuckerausschei¬ 
dung eine weit höhere. 

Soviel geht jedenfalls aus dieser Beobachtung hervor, dass es auch 
Fälle von Diabetes giebt, in denen — wenigstens in einzelnen Stadien des 
Verlaufs — Alkali die Acetonkörperausscheidung nicht erhöht sondern herab- 

Nr. 8. 


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198 


setzt Hier überwiegt die Hemmung der Acetonkörperbildung über die Be¬ 
günstigung der Elimination. 

Angesichts dieser Thatsachen verliert die Beobachtung und Schluss¬ 
folgerung von Schwarz an Beweiskraft Er hatte das Coma durch Ein¬ 
verleibung von 70 g neutralisierter Glykonsäure und 140 g Natr. bicarb. ge¬ 
heilt Der Schluss, dass der Erfolg nicht auf das Alkali zu beziehen sei, 
weil dann die Acetonausfuhr hätte steigen müssen, während sie thatsächlich 
absank, ist jetzt nicht mehr bindend — abgesehen davon, dass das Aceton 
allein kein brauchbarer Massstab für die Acidose ist; denn es giebt Fälle von 
Coma, wo das Aceton quantitativ gegen die Oxybuttersäure stark zurücktritt, 
so dass man ohne Bestimmung der letzteren kan richtiges Urteil gewinnen 
kann. 

In anbetracht der Mängel der Schwarz’schen Beobachtung und in 
anbetracht unserer eigenen Fälle können wir die Lehre von der günstigen 
und spezifischen Wirkung der Glykonsäure auf die diabetische Autointoxi¬ 
kation noch nicht für bewiesen halten; wir meinen, dass da, wo Erfolge er¬ 
zielt wurden, dies vorzugsweise dem gleichzeitig dargereichten Alkali zu ver¬ 
danken war. 


B. Die Beeinflussung der diabetischen Acidose durch das Nahrungsfett. 

Von 

Dr. med. Adam Loeb. 

Geelmuyden 8 ), Magnus-Levy 9 ), Waldvogel und Hagen- 
berg 10 ) u. a. haben die Entstehung der Oxybuttersäure und ihrer Abkömmlinge 
aus Fett wahrscheinlich gemacht Schwarz 4 ) hat in Verfolgung der Ideen des 
erstgenannten Autors nachzuweisen gesucht, dass die flüchtigen Säuren der 
Butter, insbesondere die Buttersäure, die Muttersubstanz der Oxybuttersäure 
abgeben. Da meines Wissens Untersuchungen über die Summe der Aceton¬ 
körper (worunter mit Geelmuyden Aceton, Acetessigsäure und /»-Oxy¬ 
buttersäure verstanden sein sollen) und ihre Beeinflussbarkeit durch Fett¬ 
nahrung noch nicht vorliegen, dürften nachstehende Analysenwerte ein ge¬ 
wisses Interesse verdienen, wenn auch die Zahl der untersuchten Fälle nur 
gering ist; eine Weiterausdehnung der Versuche war mir aus äusseren Gründen 
vorläufig nicht möglich, doch ist eine Fortsetzung der Untersuchungen bereits 
im Gange. 

Da es heute fast über jeden Zweifel erhaben ist, dass Aceton und 
Acetessigsäure Abkömmlinge der Oxybuttersäure sind, muss es eigentlich 
Wunder nehmen, dass so zahlreiche Untersuchungen über das Verhalten des 
Acetons bei Gesunden und Kranken und seine Beeinflussung durch die 
Ernährung vorliegen, während die Oxybuttersäure, auf die es, wie auch 
unsere Zahlen lehren, wesentlich ankommt, dabei zu kurz gekommen ist 
Nichtsdestoweniger hielt ich, um die relative Belanglosigkeit der Aceton¬ 
ausscheidung gegenüber der Oxybuttersäureausfuhr nachweisen zu können, 
auch eine Bestimmung der durch die Lunge den Otganismus verlassenden 
Acetonmengen für wünschenswert 


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199 


Nachfolgende Tabelle giebt die Acetonkörperausscheidung zweier 
Fälle: des Falles Dr. in der Zeit vom 16. XII bis 1.1 und des (schwereren) 
Falles Fu. vom 1. bis 5. XI. Um die Acetonmengen mit der Oxybutter- 
säure vergleichen zu können, wurden die zu ihrer Bildung nötigen Oxybutter- 
säurequanti täten berechnet 


Tabelle I. 



1 






Summe der 


Atemaceton 

Urinaceton 

Oxybutter- 

Acetonkörper als 






säure 

Oxybuttersäure 








berechnet 


Dr. 

Fu. 

Dr. 

Fu. 

Dr. 

Fu. 

Dr. 

Fu. 

gefundene 
Werte in g 

14,6 

11,8 

29,2 

13,0 

116ß 

105,3 

— 

— 

auf Oxybutter¬ 
säure umge¬ 

26£ 

21,2 

52^ 

23,3 

116,3 

105,3 

194,8 

149,8 

rechnet 









in Prozenten d. 
Acetonkörper¬ 

13,5 

14,2 

26,8 

15,6 

59,7 

70,2 

100 

100 

summe 










Diese Zusammenstellung lehrt erstens, dass in beiden Fällen nur die 
relativ geringe Menge von 13,5 bezw. 14,2% der Gesamtacetonkörper durch 
die Atemluft ausgeschieden wurde, zweitens dass die Hauptmenge der Aceton- 
köiper als Oxybuttersäure den Organismus durch die Nieren verliess: im 
Falle Dr.: 59,7%, in dem schwereren Falle Fu.: 70,2%. Auch in manchen 
Fällen von Magnus-Levy lag zweifellos ein derartiges — oder noch 
stärkeres — Überwiegen des Oxybuttersäureanteils vor. 

Berechnet man das Verhältnis^ der Atemacetonwerte zu denen des 
Urins, so findet sich beidemale ein Überwiegen des Urinacetons, ein Ver¬ 
halten, das nach Schwarz beim schweren Diabetes die Regel bildet 

Patient Dr., 19 Jahre alt, leidet seit etwa % Jahren an Diabetes. Er war 
früher stets gesund, ist: hereditär angeblich nicht belastet Beginn der 
Erkrankung mit recidivierenden Anginen; damals wegen des starken Durstes 
Urinuntersuchung, die Zucker ergab. Wegen grosser Müdigkeit \yurde P. 
arbeitsunfähig und suchte das Krankenhaus auf. Hier gelang es trotz kohlen¬ 
hydratfreier Kost nicht, den P. völlig zu entzückern. Während des Ver¬ 
suches fühlt er sich völlig wohl, abgesehen von gelegentlichen Klagen über 
Müdigkeit Die Kost des P. während des Versuches bestand aus 500 g Filet, 
4 nur! täglich Gemüse, Kaffee, Thee, Bouillon, 1 Flasche Offenbacher Wasser 
und Fettzulage. 


Nr. 8*. 


I 


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- 200 - 


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28. 

29. 

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31. 

1. Jan. 02 


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Datum 

2130 

2510 

1760 

2000 

1810 

1700 

1460 

1770 


II 

Ms 

ooo 

o§ls 

88s 

ooS 

Urinmenge ; 

1027 

1028 

1028 

1025 

1030 

1032 

1092 

1030 

1032 

1036 

1030 

1026 

1023 


1022 

1019 

1018 

1021 

1024 

1021 

1023 

1024 

1020 

1024 

Spez. Gewicht ' 

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14,97 

14,70 

16,21 

cnoo 

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18»56 

16,20 

17,53 

17,46 

19,04 

15,85 

17,90 

^ 1 

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pp 

PPP 
—©io 

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öl ^oo 

's'sVfSiU 

1,64 

1,45 

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1,30 

1,42 

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Uh 

0,44 

0,72 

0,03 

OOP 

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SSisfi 

0,66 

0,74 

0,79 

1,26 

1,95 

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856 

0,78 

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> 

SS 

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SSS 

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SS 

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0-Oxybuttersäure 

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Acetonkörpersuramc 1 
als Oxybutterslnre j 

berechnet J 

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300 g Sesam öl 
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ft 

) 100 g Butter, 

1 300 ccm Rahm 
( 70 g Butter. 

) 300 ccm Rahm 

) 200 g Butter, 

( 300 ccm Rahm 

Fettnahrung 

20,0 Natr. bicarb. 

» » » 

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*P ¥ *0 

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20,0 Natr. bicarb. 

» » » 

» » » 

| Diätfehler, hat Obst u. Weih- 
\ nachtslconfekt gegessen 




Butter enthielt 81 %, 

Rahm » 30-33% Fett 

i 

1 

i i 
i 


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20 ! 


Ein Blick auf die Tabelle ergiebtdie enorme Abhängigkeit der Oxy- 
buttersäureausscheidung von der Fettzufuhr, sodass man geradezu berechtigt 
ist, von einem Parallelismus zu sprechen; ein analoges, mir weniger prägnantes 
Verhalten zeigen die Urinacetonwerte. Auch die Verminderung des Atem¬ 
acetons ist deutlich. — Als Butter und Rahm gegen äquivalente Mengen von 
Sesamöl, das höchstens Spuren niederer Fettsäuren enthielt, vertauscht wurden, 
ergab sich keine wesentliche Aenderung der Oxybuttersäureausscheidung; eher 
darf man von einer Zunahme reden. Die Oesamtacetonausscheidung ging 
auf Kosten des Atemacetons unbedeutend herunter; dieses stieg dann bei der 
Rückkehr zur Butterkost prompt wieder an. Es liegt nahe, dieses Verhalten 
mit dem Fehlen niederer Fettsäuren im Sesamöl in Zusammenhang zu 
bringen; indes wage ich nicht, auf einen Versuch eine Hypothese zu bauen. 

Weitere Zahlen über die Beeinflussung der Acetonkörper bei wechseln- 
der Fettzufuhr verdanke ich Herrn Kollegen Mohr, der bei dem Patienten 
H. Untersuchungen über den Einfluss von Kalk und Glykonsäure auf die 
Acetonausscheidung vorausgeschickt hatte und nunmehr im Interesse meiner 
Arbeit eine kleine Beobachtungsperiode über den Einfluss des Nahrungsfetts 
anfügte: 

Tabelle III (^all H.). 


Datum 

Urin¬ 

menge 

N 

nh 8 

Urin- 
1 aceton 

Oxy¬ 

butter¬ 

säure 

Fettgehalt der 
sonst gleichen 
Kost 

2—9.1. 

Tagesdurchschnitt 

3250 

24,3 

4,1 

3,2 

8,4 

250 g 

10. 

2700 

17,4 

3,3 

2fi 

3,2 

100 > 

11. 

2800 

18,8 

3,4 

2,4 

2,7 

70 » 

12 

3800 

21,6 

3,2 

2,4 

3,1 

70 « 

13. 

3500 

21,8 


2fi 

8,7 

170 » 


Bei unsem beiden Diabetikern konnte man, «de die Tabellen zeigen, 
durch Vermehrung und Verminderung des Nahrungsfettes Auf- und Absteigen 
der Oxybuttersäureausscheidung hervorrufen, das dem schon öfter studierten 
Verhalten des Acetons ziemlich parallel geht Bei der Erörterung, welcher 
Butter- bezw. Fettbestandteil diese Acetonkörperausscheidung verursacht, fällt 
von vornherein das Glycerin weg, da es sicher acetonvermindemd wirkt, und 
wir das Gleiche in bezug auf die Oxybuttersäure von ihm annehmen müssen. 
Um so wichtiger sind die Fettsäuren. Schon vor Schwarz hat Rumpf 11 ) 
versucht, durch grosse Gaben buttersauren Natrons bei Diabetikern Oxy¬ 
buttersäureausscheidung zu erzielen; er erreichte eine Steigerung der Links¬ 
drehung von 0,08 und 0,1 auf 0,2 und 0,24 bei qualitativ sichergestelltem 
Nachweis der Oxy säure. Wenn es statthaft ist, einen Rückschluss auf die 
Menge der ausgeschiedenen Säure zu machen, so lassen sich aus Rumpfs 
Zahlen mehrere Gramme der Oxybuttersäure berechnen. Indessen hatte ich 


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202 


weder diesen Versuch noch die von Schwarz fflr beweisend, weil in ihrer 
Versuchsanordnung in der gleichzeitigen Natronzufuhr ein Faktor eintritt, 
von dem bekannt ist (Weintraud, [L c] eigene Versuche), dass er tief¬ 
greifende Aenderungen der Acetonkörperbilanz im Gefolge hat Das Gleiche 
gilt von dem einen Versuch von Strauss und Philippsohn u ), die nach 
Eingabe von 20,0 buttersauren Natrons ebenfalls Zunahme der Acetonurie 
konstatierten. Weil ich bei Schwarz (1. c.) eine Angabe vermisste ob er 
während der Vergleichsperioden äquivalente Natronmengen verabreicht hatte, 
muss ich annehmen, dass das nicht geschehen ist, und ging daran, an 
unserem Patienten den Versuch nach Ausscheidung dieser Fehlerquelle zu 
wiederholen, da vielleicht die Resultate von Schwarz und Rumpf durch 
eine Alkali Wirkung zustandegekommen waren; ich verabfolgte daher meinem 
Patienten in den Vergleichsperioden als Natron bicarbonicum die gleichen 
Natronmengen, die er in der Buttersäureperiode erhielt 


Tabelle IV. 







Aceton¬ 

körper¬ 

summe 

Buttersäureperiode, Tages¬ 
mittel . 

0,70 

1,82 

2J52 

11,6 

16,8 

Normalperioden, Tagesmittel 

0,43 

1,62 

2,05 

5,1 

8,8 

Differenz pro die ... . 

0,27 

0,20 

0,47 

6,5 

Iß 

Differenz für 3 Tage. . . 

0,81 

0,60 

1,41 

19,5 

21,9 


Wegen der Werte der einzelnen Tage verweise ich auf Tabelle II. 

P. hat also auf die Einführung von etwa 56,0 wasserfreier Buttersäure 
(mit Natronlauge neutralisiert) mit einer Mehrausscheidung von 19,5 Oxy¬ 
buttersäure und 1,4 Aceton, in summa 21,9 Gesamtacetonkörper (entsprechend 
18,5 Buttersäure), geantwortet Ich glaube, bei diesen Zahlen wird man an 
einer unmittelbaren Entstehung der Oxybuttersäure aus der präformiert ein¬ 
geführten Buttersäure nicht zweifeln können. Eine andere Frage ist, ob die 
Buttersäure der Nahrung die einzige Quelle der Oxybuttersäure ist, was schon 
Magnus-Levy verneint hat; ich schliesse mich ihm an unter Hinweis auf 
die sehr hohen Werte, die sich bei den Versuchen mit dem an niederen Fett¬ 
säuren sehr armen Sesamöl eigeben haben. Leider ist die Sesamölperiode 
zu kurz; man könnte daher einwenden, dass die hohen Oxybuttersäurewerte 
dieser Periode einer verspäteten Ausscheidung früher gebildeter Säure (aus der 
Butterperiode) ihre Entstehung verdanken. Wir halten das für unwahrscheinlich 
und erinnern an den von Schwarz neuerdings erbrachten Nachweis, dass 
die höheren Fettsäuren acetonvermehrend wirken. 

Steht nun fest, dass der Diabetiker die Oxybuttersäure einerseits aus 
der Buttersäure, anderseits aber auch aus höheren Fettsäuren bilden kann, 
so wirft das auf den Abbau des Fettsäuremoleküls ein Licht; es scheint 


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203 


unter Zerreissung der langen Kohlenstoffkette intermediär Buttersäure zu ent¬ 
stehen*). Ob hierbei aus einem Fettsäuremolekül mehrere Moleküle Butter¬ 
säure gebildet werden oder nur eines — diese von Magnus-Levy auf¬ 
geworfene Frage lässt sich aus den vorliegenden Zahlen nicht beantworten. 
Dagegen spricht die Möglichkeit der alimentären Steigerung der Aceton¬ 
körperausscheidung sehr gegen die von Magnus-Levy ernstlich erwogene 
synthetische Entstehung der Oxybuttersäure, da eine ungezwungene Erklärung 
nur die unmittelbare Entstehung der Oxybuttersäure aus Buttersäure bezw. 
Fett annehmen kann. 


Litteratur-Verzeichnis. 

1) Arch. f. exp. Path. u. Pharm. Bd. 42 u. 45. 

2) Verhandl. des Kongresses f. inn. Med. 1900. Prager med. Wochenschrift, 
1901, Nr. 30-31. 

3) Ztschr. f. phys. Chemie 1901, Bd. 33, H. 3. 4. 

4) Ztschr. f. Biologie; Jubelband f. Carl v. Voit 

5) Arch. f. klin. Med. Bd. 63. 

6) Arch. f. exp. Path. u. Pharm. Bd. 34. 

7) Arch. f. exp. Path. u. Pharm. Bd. 42. 

8) Ztschr. f. phys. Chemie, Bd. 23 u. 24 u. Skand. Arch. f. phys. 1901. 

9) 1. c. 

10) Ztschr. f. klin. Med. Bd. 42. 

11) Kuelz, Beitrage zum Diabetes mell. 

12) Ztschr. für klin. Med. Bd. 40. 


Referate. 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1902 zu ergänzen.) 

Bf an, F.: Ueber Nebennierendiabetes. (Deutsches Archiv für klinische Medizin, 

Bd. 71, H. 2. 3.) 

Verf. kommt auf Grund seiner an 21 Hunden und 2 Hasen angestellten 
Stoffwechseluntersuchungen zu dem Schlüsse, dass in den Nebennieren eine Sub¬ 
stanz enthalten sei, welche, in den Kreislauf gelangt, Glykosurie zu erzeugen ver¬ 
mag. Den Nebennierensaft, welchen er seinen Versuchstieren subkutan oder auch 
intravenös zur Erzeugung der Glykosurie beibrachte, gewann er aus den Neben¬ 
nieren von Hammeln, Kälbern, Hunden und auch Menschen auf folgende Weise: 
die zerkleinerte Nebennierensubstanz wurde in der Kälte mit Wasser mehrere Stunden 
lang extrahiert und das Extrakt, um es keimfrei zu erhalten, durch Reichel’sche 
Thonfilter durchgesaugt Solche Arten Nebennierenextrakte zeigten sich wirksamer 
als die vermöge fraktionierter Sterilisation durch Erwärmen keimfrei gemachten 
Präparate. 

In allen Fällen konnte bei Anwendung einer genügenden Dosis des Neben¬ 
nierensaftes bei den Versuchstieren Glykosurie erzeugt werden, gleichgültig ob die 
verwendeten Nebennieren der dem Versuchstiere gleichen Tiergattung entnommen 
sind oder nicht Die Glykosurie zeigte sich auch von der Nahrungsaufnahme un¬ 
abhängig, indem auch ein Versuchstier, welches 17 Tage lang keine Nahrung er- 

*) Fettvergärende Bakterien können, wie Schreiber im letzten Hefte des 
Archivs für Hygiene nachweist, ebenfalls aus höheren Fettsäuren Buttersaure bilden. 


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204 


hielt, noch am 15. Tage 0,4% Dextrose im Urin ausschied. Die durch die Neben¬ 
nierensubstanz erzeugte Blutdruckerhöhung kann nach Verf. nicht für die Ent¬ 
stehung der Glykosurie verantwortlich gemacht weiden, indem die Zuckeraus¬ 
scheidung ihr Maximum zeigt zu einer Zeit, wo jene Druckveränderung schon 
langst verklungen ist Die Glykosurie muss offenbar durch eine toxische Ein¬ 
wirkung auf ein oder mehrere dem Kohlenhydratstoffwechsel vorstehende Organe 
.bedingt sein. Die Beobachtung, dass bei den Versuchstieren häufig Gallenbe¬ 
standteile im Urin nachweisbar waren, legt Verf. die Vermutung nahe, dass diese 
seine Experimente für die Erklärung des sogenannten Bronzediabetes von grossem 
Interesse sind. E. Bendix (Göttingen). 

Metzger, L: Zur Lehre vom Nebennierendiabetes. Aus dem med. Laboral von 

F. Blum zu Frankfurt a. M. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 12.) 

Verf. fand nach Injektion von Nebennierensaft bei Hunden und Kaninchen 
in allen Fällen (Injektion mit und ohne Ausschaltung beider Nieren) eine aus¬ 
gesprochene Hyperglykämie, deren Grad die von Zuelzer gefundenen Werte 
noch übersteigt, in einem Falle — beim Kaninchen — sogar über 1 % betrug. 
Damit ist der Beweis geliefert, dass der Nebenierendiabetes nicht, wie der Phlo¬ 
ridzindiabetes, renalen Ursprungs ist; der Angriffspunkt der in den Nebennieren 
enthaltenen zuckertreibenden Substanz ist vielmehr in der Leber oder im Pankreas 
zu suchen, nach Mutmassung M.’s in letzterem, da nach Blum auch bei glykogen¬ 
freier Leber eine erhebliche Zuckerausscheidung stattfand. 

Schade (Göttingen). 

Breuer, R.: Achylia gastrica mit tuberkulösen Darmgeschwüren und eigentümlichem 
durch Resorption vom Magen aus bedingten Fieber. Vortrag in der Gesellschaft 
f. innere Medizin in Wien. (Wiener klin. Rundschau, 5.) 

Die 23 jährige, etwas schwächliche und nervöse Patientin erkrankte im 
Anschluss an ein psychisches Trauma an Erbrechen, welches 8 Tage anhielt Die 
Untersuchung ergab eine mässige motorische Insuffizienz des Magens und voll¬ 
ständige Achylie, es war im Mageninhalt keine Spur von Salzsäure oder Fermenten 
nachzuweisen. Im Verlaufe des Krankenhausaufenthalts steigerte sich die motori¬ 
sche Insuffizienz immer mehr. Der Ernährungszustand musste durch Nährklysmen 
aufrecht erhalten werden, und erst nach einem Jahr war die Patientin so weit 
hergestellt dass sie leicht verdauliche Speisen zu sich nehmen und das Kranken¬ 
haus verlassen konnte. Der Zustand der Patientin verschlimmerte sich jedoch, 
und sie wurde wegen eines Sanduhrmagens operiert; bei der Operation fand sich, 
dass dieser Zustand durch einen zipfelförmigen Vorsprung des linken Leberlappens 
vorgetäuscht war. Zwei Tage nach der Operation ging die Patientin an Er¬ 
schöpfung zu Orunde. — Die Obduktion eigab ausser den diagnostizierten Ver¬ 
änderungen, nämlich chronischer Tuberkulose der linken Spitze und Resten einer 
tuberkulösen Perikarditis mit Concretio pericardii im Magen eine Reihe von 
tuberkulösen Geschwüren. 

Tuberkulöse Geschwüre im Magen sind relativ selten und meist nur bei hoch¬ 
gradiger Phthise zu finden, trotzdem nach dem Ergebnisse grosser Untersuchungs¬ 
reihen im Magen von Phthisikern keine freie und nur wenig gebundene Salzsäure vor¬ 
handen ist Es scheint daher die Disposition zu Magentuberkulose eher in dem 
Fehlen von Trypsin gegeben zu sein. Denn man hat sogar Magencarcinom mit 
tuberkulösen Geschwüren vergesellschaftet gefunden. Auch im vorliegenden Falle 
dürfte die Achylie die Ansiedlung der Tuberkelbadllen im Magen begünstigt 
haben. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Hemmeter, J. C. u. Stokes, W. R.: Chronische hypertrophische Gastritis syphilitischen 
Ursprungs. (Archiv für Verdauungskrankheiten, Bd. 7, H. 4. 5.) 

Unter kritischer Würdigung des in der Litteratur über Magensyphilis vor- 


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205 


handenen Materials berichten die Verff. über einen Fall eigener Beobachtung, in 
dem bei einem eingestandenermassen Syphilitischen intra vham die Diagnose auf 
chronische hypertrophische Gastritis mit hyperplastischer Pylorusstenose gestellt 
wurde und in dem die Operation einen sehr kleinen Magen mit verdickten 
Wänden ergab, der in der Gegend des Pylorus einen harten als Cardnom impo¬ 
nierenden Tumor aufwies. Der Fall endete letal. Die anatomische Untersuchung 
ergab, dass die ganze Grösse des Magens nur 9 mal 6 cm betrug. Die Magenwand 
fand sich stark verdickt (durchschnittliche Dicke 6 mm), die Verdickung der Magen¬ 
wand erreichte ihr Maximum in der Pylorusgegend, die Pylorusöffnung liess über 
bleistiftdicke Sonden nicht passieren. Die genauere histologische Untersuchung 
des Falles und der Vergleich mit dem histologischen Bilde der in der Litteratur 
beschriebenen Falle von sicherer Magensyphilis ergab den spezifisch luetischen 
Charakter des Erkrankungsprozesses. J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Boas, J.: Beiträge zur Kenntnis des Magencardnoms. (Archiv für Verdauungskrank¬ 
heiten, Bd. 7, H. 4. 5.) 

Boas stützt sich in seiner Mitteilung, in der er sich auf die den Fundus 
oder Pylorus beteiligenden Magencardnome beschränkt, auf das immense Material 
von 141 Fällen, die Verf. im Laufe der letzten 5 Jahre zu beobachten Gelegenheit 
hatte. Bezüglich des Beginns der Magencardnome ist bemerkenswert, dass B. 
einen jäh hereinbrechenden Anfang in 39 Fällen feststellen konnte. In der Mehr¬ 
zahl der Fälle handelte es sich um Individuen, die seit längerer oder kürzerer Zeit 
an Verdauungsbeschwerden geringer Art litten und nun unter dem Einfluss einer 
nicht immer erkennbaren Gelegenheitsursache plötzlich an schweren dyspeptischen 
Symptomen erkrankten, ln selteneren Fällen kam es gänzlich unvermittelt oder 
im Anschluss an einen »Diätfehler« zu denselben Erscheinungen. In 4 Fällen der 
Boas’schen Kasuistik dokumentierte sich der Beginn der Krankheit durch heftige 
plötzlich in scheinbar volle Oesundheit einsetzende Blutungen per os resp. anum. 
Unter 105 Fällen zeigten 72 die Angabe schlechten oder allmählich verringerten 
Appetits, in den 33 anderen Fällen war der Appetit erhalten oder sogar gegen 
die Norm gesteigert Das Verhalten der Zunge fand B. in seinen Fälle gar nicht 
selten normal. Fehlen von Stenoseerscheinungen bei Pyloruscarcinom mit ausge¬ 
sprochenem Tumor wurde in einem Falle festgestellt Umgekehrt kam bei dem 
Funduscardnom Mageninhaltsstauung durchaus nicht selten zur Beobachtung. 3 
Kranke wiesen bei mehrfacher in kurzen Zwischenräumen erfolgter Ausführung 
der Motilitätsbestimmung abwechselnd Fehlen und Bestehen von Stagnation auf. 
Kaffeesatzartiges Erbrechen und kaffeesatzartiger Mageninhalt fand sich vorzugs¬ 
weise bei starker Stagnation und Gegenwart von Milchsäure. In 2 Fällen von 
Magencardnom — ohne Stagnation — konnten die Kranken bis in ihre letzten 
Lebenstage schwere Arbeiten verrichten. Unter 53 Fällen fand sich 34 Mal mehr 
oder weniger hochgradige Obstipation, Diarrhöen bestanden in wenigen Fällen. 
Knöcheloedeme traten im Beginn der Krankheit in 6 Fällen in Erscheinung, im 
weiteren Verlauf der Krankheit in 8 Fällen. 5 Fälle von vorgeschrittenem Magen¬ 
cardnom waren mit Ascites verknüpft. Eine Schwellung der linksseitigen Supra- 
daviculardrüsen als Frühsymptom des Magencardnoms hat B. nie beobachtet, und 
in Fallen von vorgeschrittenem Magencardnom konnte nur 2 Mal eine Schwellung 
der linksseitigen Supradaviculardrüsen konstatiert werden. In einem Falle kam es 
zum Auftreten eines sekundären Nabelcardnoms in Form einer kompakten stein- 
harten Infiltration der gesamten Nabelpartie. Schwellung der Umbilicaldrüsen be¬ 
stand in 2 Fällen von vorgeschrittenem Magencardnom. Lebermetastasen waren 
unter den 141 Fällen 21 Mal nachzuweisen. In 5 Fällen der Boas’schen Statistik 
fand sich eine Kombination des Magencardnoms mit Lungentuberkulose, welch 
letztere B. als das Primäre den Widerstand gegen die Krebsinfektion herab¬ 
setzende Leiden auffasst Für die Annahme eines Ulcus cardnomatosum me et 
nach den Erfahrungen von B. den einzigen einigermassen zuverlässigen Annaits- 


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206 


punkt die Anamnese, im übrigen erklärt B. die Diagnose des Ulcus carcinoma- 
tosum bei dem jetzigen Stande unserer Kenntnisse lediglich für eine Sektions¬ 
diagnose. J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Kukula, 0.: 3 Fälle von Pylorektomie. Vortrag im Verein böhmischer Aeizte in 
Prag. (Wiener klin. Rundschau, Nr. 6.) 

Die ersten zwei Falle bieten nichts Besonderes. Der dritte Fall endete 
letal. Bei demselben hatte May dl vor einem Jahre wegen narbiger Striktur des 
Pylorus die Operation nach Heineke-Mikulicz ausgeführt; 8 Monate später 
stellten sich die Strikturerscheinungen wieder ein. ln der Pylorusgegend war ein 
Tumor zu tasten, der offenbar auf dem Boden eines Geschwürs entstanden sein 
dürfte. Die Drüsen im Lig. gastrohepaticum waren vergrössert, aber scheinbar 
nur infolge entzündlicher Infiltration; ferner bestanden Verwachsungen mit dem 
Colon transversum und dem Pankreaskopfe. Drüsen- und Pankreaskopf wurden 
reseziert Der Patient starb an einem intraperitonealen Abscess, der sich zwischen 
Leber, Magen, Colon transversum und vorderer Bauchwand entwickelt hatte. 
Auch eine Duodenalfistel hatte sich gebildet, so dass dem Eiter Oalle beigemengt 
war. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Wiesinger, E.: Ein Fall von Magenperforation mR allgemeiner Peritonitis; Operation 
4 Tage nach Beginn des Leidens; Heilung. Aus d. alten allgem. Krankenhause in 
Hamburg St Georg. (Deutsche med. Wochenschrift, Nr. 5.) 

W. teilt den seltenen Fall mit, dass es bei einer allgemeinen eitrigen Peri¬ 
tonitis, welche erst nach Verlauf von 4 Tagen zur Operation gelangte, und in 
deren Heilungsverlaufe es zu den gefährlichsten Komplikationen kam (Platzen der 
Naht mit Vorfall der Därme; Bildung eines intraabdominalen Abscesses, welcher 
zu Ileuserscheinungen führte; subphrenischer Abscess, welcher eine Rippenresek¬ 
tion erforderte), zur Heilung kam. Einen ähnlichen, aber nicht durch solche 
Komplikationen gefährdeten Fall von Perforationsperitonitis beobachtete W. schon 
früher; hier bestand die Peritonitis mit Remissionen und Exacerbationen schon 
6 Wochen lang und konnte trotzdem durch eine Operation geheilt werden. 

Hagenberg (Göttingen). 

Widal et Sicard: Collections sous-cntanfes purulentes on hailenses k badlle d’Eberth, 
ddveloppdes k la suite d’ipjections m&ticamenteuses an cours de la ffevre typhoide. 

(Gazette des höpitaux, Nr. 9.) 

Während der Konvalescenz nach einem Typhus traten bei einem Mädchen 
ein Abscess und drei ölige Infiltrationen subkutan genau an den Stellen auf, wo 
hypodermatische Einspritzungen gemacht worden waren. 

Aus allen konnte der Bac. typhi isoliert werden, der sich in dem geschä¬ 
digten Gewebe festgesetzt hatte, in analoger Weise wie man bei Pneumonie an 
Injektionsstellen Pneumokokken-Abscessen begegnet 

Der Abscess enthielt übrigens ausserdem noch Staphylokokken. 

Diese öligen Hautinfiltrationen sind sehr selten; bei Rotz sind ähnliche 
Bildungen beschrieben. Der Inhalt hat ganz die chemischen Eigenschaften eines 
Oels (Abspaltung eines TrioleTns unter dem Einflüsse des Bac. typhi?). 

M. Cohn (Kattowitz). 

Bonjour: Des addnopathies pdri-appendiculaires dans Fappendicfte. (Thfese de Paris, 
1901. Gazette des höpitaux, Nr. 10.) 

Periappendikuläre Drüsenschwellungen sind bei Appendicitis sehr häufig. 
Die geschwollenen Drüsen sitzen meist im Mesoappendix oder hinter dem Ileo- 
coecalwinkel. Weitere Drüsenschwellungen finden sich gelegentlich über diesem 
Winkel und im Mesenterium um den Stamm der A. mesent sup. Sehr selten 
sind Drüsenschwellungen an der Vorderfläche des Coequms, 


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— 207 


Die entzündeten Drüsen sind gewöhnlich weder sehr gross noch zahlreich. 
In seltenen Fallen können sie zu fühlbaren Tumoren anwachsen. Nur selten ist 
bei der Operation ihre Exstirpation nötig. M. Cohn (Kattowitz). 

Umher: Heber Blinddarmentzündung. Gesellschaft f. Natur- u. Heilkunde zu Dresden. 

Sitzung vom 25. Jan. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 12.) 

Vortr. geht zunächst auf die Einteilung der vom Wurmfortsatz ausgehen¬ 
den Entzündungsprozesse ein (Endoappendidtis, parenchymatöse Appendicitis, 
Periappendidtis und Paraappendidtis) und giebt dann einige für die Diagnose und 
Differentialdiagnose wichtige Winke. Betreffs der Behandlung nimmt er gegen¬ 
über den Vertretern der Frühoperation den Standpunkt ein, erst dann zu operieren, 
wenn durch die interne Medizin das Versagen der natürlichen Hilfskräfte des 
Peritoneums konstatiert sei; eine Ausnahme bildet die diffuse Peritonitis infolge 
von Perforation oder Gangrän des Appendix. Zum Schluss macht L. über die von 
ihm vorgenommenen operativen Eingriffe Mitteilung, der sich eine längere Debatte, 
insbesondere über noch strittige Fragen bezüglich der operativen Therapie, an- 
scbliesst Schade (Göttingen). 

Manoaberg, J.: Toxischer Ileus bei Pleuritis. Vortrag im Wiener medizinischen 
Doktoren-Kollegium. (Wiener klin. Rundschau, 4.) 

Verf. beschreibt einen Fall, der einen älteren Patienten betrifft, welcher 
unter geringer nach dem Bauche ausstrahlender Schmerzhaftigkeit der linken Brust¬ 
seite erkrankte. Bald aber traten Meteorismus und zuerst häufiges Erbrechen und 
dann fäkaler Ileus so sehr in den Vordergrund, dass ein Chirurg an einen mecha¬ 
nisch bedingten Ileus dachte und zur Kolostomie schreiten wollte. Die Unter¬ 
suchung des Patienten nach dem infolge des enormen Meteorismus schwierigen 
Aufrichten desselben liess ein mächtiges pleuritisches Exsudat nachweisen. In 
einem anderen analogen Falle wurde vom Chirurgen bei Punktion der Pleura ein 
eitrig-jauchiges Exsudat entleert und wegen Annahme eines gleichzeitigen dyna¬ 
mischen Ileus auch Kolostomie ausgeführt Bei der Obduktion fanden sich im 
Abdomen keine mechanischen und entzündlichen Veränderungen, der Ileus war 
also ein toxischer. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

äabonaeux: Les lavages de l’intestin chez l’enfant (Gazette des höpitaux, Nr. 11.) 

Zusätze von Antiseptids sind zu Darmspülungen, weil sie die Darmwand 
reizen, zu vermeiden. Gudrin empfiehlt zu Darmspülungen die Mudlaginosa, 
gewöhnlich genügen indes reines Wasser oder Kochsalzlösung. Bei Hypoüiermie 
des Kindes sind 38° heisse, bei Fieber kalte Ausspülungen zu empfehlen. 

Von üblen Zufällen ist bei dieser Prozedur Erbrechen der Flüssigkeit 
nur bei zuviel angewandtem Flüssigkeitsquantum und zu starkem Druck gemeldet 
Kolikschmerzen sind gewöhnlich durch zu raschen Einlauf und dadurch bewirkte 
Dehnung des Darms bedingt. Bei protrahierter Anwendung der Lavements kann 
es zu einer Atonie der Darmmuskulatur kommen. 

Effekte der Darmspülung sind: Reinigung der Mucosa, Stimulation der 
Peristaltik, Anregung der Sekretionen der Drüsen, bes. der Leber. 

Indikationen: Gastroenterit. acuta und chron., ferner bei älteren Kindern 
Erbrechen infolge Obstipation; bei Darmocclusion ist ein höherer Druck gestattet 
Bei Cholera infantum empfehlen die meisten Autoren die Darmspülung, Marfan 
verwirft sie, weil sie Kollaps hervorrufe. M. Cohn (Kattowitz). 

Widal, Sicard et Ravod: lieber Pigment-Befunde in der Cerebro-Spinalflüssigkeit bei 
chronischem Ikterus. (Comptes rendus de la sociötö de biologie, Nr. 5.) 

Eigentümliche Befunde machten die Verf. an der Lumbalflüssigkeit bei 
Ikterus-Kranken verschiedenster Provenienz; der durchsichtige Liquor war gelblich 


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bis braungelb gefärbt; der Farbstoff zersetzte sich jedoch sehr rasch unter dem 
Einfluss des Tageslichtes. Man nahm zunächst an, dass es sich um Gallenbestand- 
teile handelte, jedoch weder spektroskopisch noch chemisch gelang der Nachweis 
von Bilirubin oder Gallensalzen. Die Verf. schliessen aus diesem negativen Aus¬ 
fall, dass es sich um ein beim Ikterus auftretendes Abspaltungsprodukt des Hämo¬ 
globins handelt, welches wahrscheinlich auch in andere Sekrete übergeht, jedoch 
unserem Auge bei ihrer gleichzeitigen ikterischen Färbung nicht sichtbar ist 

A. Berliner (Berlin). 

Eppinger: Beiträge zur normalen und pathologischen Histologie der menschlichen 
Gallenkapillaren mit bes. Berücksichtigung der Pathogenese des Ikterus. (Ziegler’s 

Beitrage, Bd. 31, H. 2.) 

Von den ausführlichen Untersuchungen des Verf.’s interessieren an dieser 
Stelle lediglich die zur Pathogenese des Ikterus. E. fand dabei die folgenden 
Thatsachen: 

Nach mechanischer Absperrung der äusseren Gallenwege kommt es zu 
einer sich bis in die Gallenkapillaren fortsetzenden Stauung der Galle, dann zu 
Dilatation und Verlängerung variköser und ampullärer Anschwellung sämtlicher 
Gallenkapillaren, dann zum Riss ampullärer distaler Enden des intercellulären, 
alsbald auch der trabekulären Oallenkapillaren; die Folge ist Erguss freier Galle 
in die Gewebs- resp. perivaskulären Lymphspalten, alsbaldiges Auftreten von 
Ikterus; als weitere Folge des Risses zeigen sich: Abgrenzung, Abspaltung, Isoli- 
rung und Nekrose der nächst betroffenen Leberzellen und dadurch Entstehung 
winziger Nekrosen des Parenchyms: vielfache Wiederholung und Häufung dieses 
Prozesses, sowie Kumulierung der Nekrosen, die selbst einen ganzen Adnus 
substituieren können, in dessen Mitte Oallenklumpen sich bilden; fortschreitender 
Schwund des Leberparenchyms mit Kollaps des interstitiellen Bindegewebes 
unter dem Bilde scheinbarer Verdickung der Septa; trotzdem Möglichkeit der 
Regeneration des geschwundenen Leberparenchyms von den präkapillären Oallen- 
gängen aus, allerdings nur, wenn die Gallenstauung noch nicht zu lange gedauert 
hat (etwa bis 8 Wochen); nach längerer Dauer (6 Monate) Verringerung bis Unter¬ 
bleiben der Regeneration des geschwundenen Leberparenchyms; bei fortgesetzter 
Nekrose und Regenerationsschwäche Steigerung des Kollapses des interstitiellen 
Bindegewebes bis zur Herstellung einer echten ikterischen Atrophie. 

Verf. nimmt also den Uebergang der Galle ins Blut durch Vermittlung der 
Lymphbahnen beim mechanischen Ikterus an und leugnet das Vorkommen einer 
Bindegewebswucherung im Verlaufe des reinen mechanischen Stauungsikterus. Er 
glaubt jedoch, dass eine solche aus anderen den Fall begleitenden Gründen even¬ 
tuell gelegentlich auftreten könnte. B. Oppler (Breslau). 

Wilms: Exstirpation der Milz wegen Milzraptur. Med. Gesellschaft zu Leipzig. 

Sitzung am 28. Jan. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 12.) 

Es handelte sich um eine 30jährige Frau, die von einer Leiter herab auf 
die linke Seite fiel. Der sofortige starke Kollaps, der kleine Puls, die Spannung 
des Leibes und eine Dämpfung in der linken Lumbalgegend Hessen an eine Milz- 
zerreissung denken. Bestätigung der Diagnose durch die 47* Stunden nach dem 
Fall vorgenommene Laparotomie. Exstirpation der Milz, die ausser mehreren 
kleinen einen durch das ganze Organ bis zum Hilus durchgehenden Riss zeigte. 
Heilung. Schade (Göttingen). 

Lazarus, P.: Zur Pathogenese der Pankreascysten. (Zeitschr. f. Heilkunde, Bd. 22, 

H. 9. 10.) 

Die Ergebnisse seiner experimentellen und anatomischen Untersuchungen 
fasst Verf. folgendennassen zusammen; Unterbindungen des Ductus Wirsungianus 


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oder seiner Ramifikationen führten niemals zu einer erheblichen Ektasierung des 
Gangsystems. Lobuläre Sekretstauung hat eine drcumscripte, interstitielle Binde- 
gewebsproliferation zur Folge, welche sich vorzugsweise in der Wandung der 
Drüsengänge lokalisiert. Abschnürung eines Drusenteils bewirkt eine periduktuläre 
Cirrhose mit Atrophie des sezemierenden Parenchyms, mit geringer Dilatation und 
Neubildung von Drüsengängen. Durch komplete Sekretsperre kommt es unter 
dem Einflüsse der Pankrcasfermente zu einer hämorrhagischen Pankreatitis mit 
Nekrotisierung der Drüsenzellen und des interstitiellen Fettgewebes. Durch Zer¬ 
fall und Verflüssigung der Nekroseherde erfolgte die Bildung von Erweichungs¬ 
cysten. Durch Injektion von Pankreassaft oder von entzündungserregenden Stoffen 
und durch Verletzungen der Drüsensubstanz liess sich gleichfalls Fettgewebs- 
nekrose erzeugen. Traumen führen in Folge der Vaskularisation des Organs und 
seiner Armut an Stützgewebe leicht zu endopankreatischen Hämorrhagieen, welche 
in der Regel rasch resorbiert werden. Pankreasverletzungen können noch andere 
Ausgänge haben. Es kamt erstens zu einer auf den Ort der Läsion beschränkten 
Bindegewebsproliferation kommen, welche sich im subkapsulären, inter- und intra- 
acmösen, sowie periduktulären Gewebe ausbreitet Die Lokalisation der produk¬ 
tiven Bindegewebsprozesse in der Wandung der Gänge kann zu drcumscripten 
Stenosienmgen führen, von welchen auf dem Wege der Saftstauung Dilatation 
und Cystenbildung erfolgen können. Der Sekretausfluss aus dem verletzten 
Drüsenparenchym kann zweitens eine Nekrose des interstitiellen Fettgewebes be¬ 
wirken ; Erweichungsprozesse im Zentrum nekrotischer Herde führen zur Bildung 
cystoider Hohlräume. Drittens können Pankreastraumen zur Cystenbüdung führen, 
wenn das angesammelte Sekret Digestion des Hämatoms, der Oewebstrümmer 
und des angrenzenden Parenchyms bewirkt, während in der Peripherie die reaktive 
Entzündung die Ausbildung der Cystenkapsel zur Folge hat Die Pankreascysten 
sind somit ihrer pathogenetischen Natur nach in zwei Hauptgruppen einzureihen. 
Zur ersten Kategorie gehören diejenigen Cystenbildungen, welche aus Drüsen¬ 
gängen oder Drüsenbläschen hervorgehen; sie können auf dreierlei Weise ent¬ 
stehen: 

1. Durch Proliferation: Das Cystoma glanduläre proliferum stellt nach den 
anatomischen Untersuchungen operierter Fälle die häufigste Form dar. 

2. Durch Retention: Die Stauungscyste, welche aus dem Hauptgang oder 
seinen Ramifikationen wie aus den Drüsenbläschen durch mechanische Be¬ 
hinderung der Sekretentleerung hervorgehen kann; deren häufigste Ursache 
bildet die Pancreatitis chronica interstitialis; dieser genetische Zusammen¬ 
hang bewirkt auch die ätiologische Identität beider Prozesse. 

3. Durch Degeneration: Die lobuläre Erweichungscyste, welche im Qefolge 
akuter Infektionskrankheiten auf dem Boden einer akuten Pankreatitis ent¬ 
stehen kann. 

Zur zweiten Kategorie gehören die Cystoide, welche einer epithelialen Aus¬ 
kleidung entbehren; ihre Ausbildung kann gleichfalls auf dreierlei Weise erfolgen: 

1. Durch Erweichung in Folge regressiver Metamorphosen in Tumoren oder 
durch Colliquation im Innern von Fettnekroseherden. 

2. Durch Autodigestion: Hierher gehören jene Cysten auf traumatischer 
Basis, bei welchen es in Folge indurativer Prozesse in der Umgebung der 
Hämatome zur Behinderung der Resorption und zur Sekretretention ge¬ 
kommen war. 

3. Durch Erguss von Blut und Drüsensaft in die Bursa omentalis im Gefolge 
von Pankreasrupturen mit relativer entzündlicher Abkapselung: Haematoma 
pancreatis et bursae omentalis. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

(Haessuer: Uebcr die Umwandlung der Albumosen durch die Magenschleimhaut (Bei¬ 
trage zur dient. Phys. u. Pathol., H. 7—9.) 

So bekannt die proteolytischen Vorgänge im Darme sind, so wenig 
Kenntnisse besitzen wir über den Ort der Rückverwandlung der Verdauungspro- 


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dukte zu Körpereiweiss und die Art der Synthese; es ist dies nicht wunderbar, weil 
der Vorgang in vivo nicht zu verfolgen ist und sich proteosynthetische Fermente 
nicht aus zertrümmerten Organen gewinnen lassen. Hoppe-Seyler, Heiden¬ 
hain und andere, besonders Hofmeister, verlegten die Proteosynthese in das 
Epithel der Magen- und Darmmukosa. 

Hofmeisters Beweis stützte sich bekanntlich auf das Schwinden des 
Peptons in der Magen- und Darmschleimhaut, wenn sie längere Zeit bei Brat- 
wärme sich selbst überlassen blieb, bei dem Darme zog er noch die Leukocyten 
heran als Vermittler der Albumoseassimilation. Der Quantitätsverlust des Peptons 
war kalorimetrisch erbracht Neuerdings hat man gegen dies Verfahren Einwürfe 
erhoben, weil die Beobachtungen über Autolyse der Organe beweisen, dass über¬ 
lebendes oder abgestorbenes Gewebe das Eiweiss zu nicht mehr die Biuretreaktion 
gebenden Produkten, also über das Stadium der Peptone hinaus, zersetzen kann; 
danach fände nicht Regeneration zu coagulierbarem Eiweiss, sondern ein Zerfall 
zu anderen Körpern statt in der Magen- oder Darmwand. 

Glaessner stellte neue Versuche in dieser Richtung an und fand, dass 
in der Magenschleimhaut eine Rückverwandlung der Spaltungsprodukte des Ei- 
weisses stattfindet, aber sich lediglich auf die Albumosen bezieht Ob ein pro- 
teosynthetisches Ferment in der Magenschleimhaut vorkommt, steht dahin; das 
von russischen Autoren als solches angesehene Labferment kommt sicherlich 
ausser Frage, da in den Zellen der Magenschleimhaut kein Lab, sondern nur 
Prochymosin vorhanden ist und auch in der Darmmukosa derselbe assimilativ- 
synthetische Vorgang stattfindet, obschon dort Lab fehlt 

Schilling (Leipzig). 

Briot: Der Einfluss des Blutserums auf die Pepsin-Wirkung. (Comptes rendus de 
la sodltl de Biologie, Nr. 4.) 

Camus und Gley haben nachgewiesen, dass Blutserum die verdauende 
Thätigkeit des Pepsins aufzuheben vermag: Verf. konnte nun als Ursache der 
Erscheinung die Alkalescenz des Serums resp. die Anwesenheit der Salze des¬ 
selben feststellen, jedoch nicht die Gegenwart eines antidiastatischen Stoffes; er 
setzte nämlich dem Blutserum, nachdem es lange Zeit erhitzt war, nach seiner 
Neutralisierung durch Salzsäure etwas Fibrin sowie Pepsin hinzu, es trat keine 
Verdauung des Fibrins ein, erst bei einem minimalem Ueberschuss von HCl 
erfolgte dieselbe. A. Berliner (Berlin). 

Simon, 0. u. Zerner, Th.: Untersuchungen über die digestiven Fähigkeiten des Dfinn- 
darmsaftes. (Archiv f. Verdauungskrankheiten, Bd. 7, H. 3.) 

Versuche, welche die Verfasser mit Schweinspankreas anstellten (Glyzerin¬ 
auszug aus der Drüse), konnten die Thatsache erhärten, dass ein mittlerer Gehalt 
an freier fetter Säure die diastatische Wirkung nach Zeit und Intensität wesentlich 
zu erhöhen im stände ist Die bezüglich der tiypüschen Verdauung angestellten 
Versuche ergaben, dass dieselbe schon bei neutraler Reaktion äusserst langsam vor 
sich ging, aber vollständig sistierte, sobald Essigsäure bis 0,09%, Milchsäure bis 
0,03% im Verdauungsgemisch vorhanden waren. Genau dieselben Ergebnisse 
konnten die Verff. in Verdauungsversuchen erzielen, welche sie mit Dünndarm¬ 
inhalt anstellten, der frischen Leichen entnommen worden war. Der Dünndarm- 
inhalt reagierte im Duodenum und obersten Jejunum stets alkalisch, im unteren 
Jejunum und Ileum stets sauer. Nur in Fällen von intestinalem Cardnom und 
Diabetes fand sich auch im obersten Dünndarm saure Reaktion. Dieser saure 
Darmsaft wirkte auf Fibrin erst dann ein, wenn Na*CO a bis zur alkalischen 
Reaktion zugesetzt wurde. Der alkalisch gemachte Dünndarminhalt büsste zu¬ 
gleich sein vorher starkes diastatisches Vermögen ein. Die umgekehrten Verhält¬ 
nisse bot der normalerweise alkalisch reagierende Inhalt des obersten Dünndarms. 
Durchaus analoge Resultate konnten durch Untersuchungen mit reinem aus einer 
Jejunumfistel gewonnenen Dünndarmsafte erhoben werden. Der Darmsaft reagierte 


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gegen Lakmus alkalisch, gegen Phenolphtalein sauer. In den mit dem nativen 
Dannsaft angestellten Versuchen zeigte sich prompte Verdauung der Starke, 
Fibrinverdauung wurde erst nach vorangegangener künstlicher Alkalisierung erzielt 
— Ans diesen Thatsachen kann gefolgert werden, dass im Darme Eiweiss und 
Starke nicht gleichzeitig am selben Orte gespalten werden können. Man darf an¬ 
nehmen, dass normalerweise im obersten Dünndarm die Verdauung vorwiegend 
der Eiweisskörper, im mittleren und unteren Dünndarm die der Kohlenhydrate 
vor sich geht Es ist weiterhin der Schluss gerechtfertigt, dass unter pathologi¬ 
schen Veränderungen der Alkalesdenz des Dünndarminhalts wesentliche Abände¬ 
rungen im Ablauf der Verdauung eintreten können. Bei zu geringer Alkalescenz 
des Dünndarminhalts (Cardnom, Diabetes) kann die Einwirkung des Pankreas- 
safts auf die Eiweisskörper unzureichend sein, anderseits ist bei zu starker 
Alkalescenz des Duodenalsafts die Möglichkeit einer ungenügenden Saccharifikation 
der Stärke und damit das Substrat zu abnormen Gärungsvorgängen gegeben. 

J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Glaesner: Ueber die Funktion der Brunner’schen Drüsen. (Beiträge zur ehern. Phys. 
u. Pathol., Bd. 1, H. 3-4.) 

In den Brunne rischen Drüsen sieht man eine Fortsetzung des Drüsen- 
stratum des Pylorus. Schiefferdecker fand, dass dort, wo die Brunnerischen 
Drüsen ausmünden, Magenepithel und dort, wo die Lieberkühn’schen Drüsen 
ihre Ausmündung haben, dagegen Darmepithel vorhanden ist. Die morpholo¬ 
gische Verwandtschaft lässt auf eine ähnliche physiologische Wirkung schliessen. 

Die Versuche über die physiologische Wirkung ergab, dass der Auszug 
der Drüsen am besten in schwachsaurer Lösung wirkt; wurde zu dem alkalischen 
oder neutralen Extrakt Saure hinzugefügt, so verdaute es bedeutend besser. 
Stärke, Rohrzucker und Fett wurden nicht angegriffen. Da das eiweissverdauende 
Ferment in saurer, neutraler und schwach alkalischer Reaktion verdauend eintritt, so 
kann es sich nicht um das gewöhnliche Pepsin handeln noch um Trypsin. Das 
vorliegende Ferment zeigt dasselbe Verhalten wie das Pseudopepsin des Magens, 
speziell des Pylorus. 

Das Pseudopepsin hat sicherlich in den Zellen der Brunner’schen Drüsen 
eine Vorstufe, ein Proferment, da die Wirksamkeit durch Säurebehandlung er¬ 
höbt wird. Schilling (Leipzig). 

Feroet: Amaigrissement extr&me et mort par inanition. Präsentation de photogra- 
phies. (Soci6t6 medicale des höpitaux, 20. Dez. 1901.) 

Eine 72jährige Frau magerte aus Nahrungsmangel seit l 1 /* Jahren ab; 
beim Eintritt in das Krankenhaus betrug das Körpergewicht nur noch 25 Kilo. 
Täglich wurden nur 10 g Harnstoff ausgeschieden. Zeichen von Erkrankung 
innerer Organe konnten nicht nachgewiesen werden. Trotz guter Ernährung und 
subkutaner Injektionen von Kochsalzlösung zur Aufbesserung des kaum fühlbaren 
Pulses erfolgte der Tod. Bei der Obduktion fand sich lediglich eine Atrophie 
aller Organe. M. Cohn (Kattowitz). 

Freatzd u. Reach: Untersuchungen zur Frage nach der Quelle der Muskelkraft. Aus 
dem tierphysiolog. Institut der Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin. 

(Pflügeris Arch., Bd. 83, S. 477.) 

Die Versuche — Selbstversuche der Verff. — lehnen sich eng an diejenigen von 
Newton Heinemann [cf.Ref.d. Centralbl.Nr.4, S.lOOd.J.J an und unterscheiden sich 
von ihnen dadurch, dass die nötige Arbeit statt am Ergostaten auf einer schon mehr¬ 
fach beschriebenen Tretbahn geleistet wurde. Das Prinzip ist das aus den früheren Ar¬ 
beiten aus dem Zuntz’schen Laboratorium bekannte, bei verschiedener Ernährungs¬ 
weise aus dem verbrauchten Sauerstoff, der gebildeten Kohlensäure sowie dem 
Ham-N. die in der Zeiteinheit entwickelte Energie zu finden und zu untersuchen* 


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ob die verschiedenen Nährstoffe sich im Verhältnis ihrer Verbrenntmgswarme 
vertreten. Während für Eiweisskost ein eindeutiges Ergebnis nicht erzielt werden 
konnte, kommen die Verff. für Fett und Kohlenhydrat zu dem Schluss, dass sie 
bei ihrer Oxydation im Tierkörper in nahezu gleich ökonomischer Weise ent¬ 
sprechend ihren kalorischen Werten kinetische Energie zu liefern im stände seien. 

Szubinski (Göttingen). 

Bornstein: Eiweitsmast und Muskelarbeit Aus dem tierphysiolog. Institut der Kgl. 
landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin. (Pflügeris Arch., Bd. 83, S. 541.) 

Die praktische Erfahrung, dass im Uebermass gereichtes Eiweiss zu einem 
Eiweissansatz führt, hat Verf. in einer früheren Arbeit (Bert klin. Wochenschr., 
1898, Nr. 36) bereits experimentell zu begründen versucht; eine Prüfung und 
Erweiterung der damaligen Ergebnisse ist die Aufgabe der vorliegenden Unter¬ 
suchung. Vom 8.-25. Tage eines Stoffwechselsversuchs wurden zu der genau 
bemessenen Nahrung [Hackfleisch, Zwieback, Butter, Zucker] täglich 50 g Kaseln- 
natriurn [Nutrose] zugefügt und täglich eine Arbeit von 17000 mkg am Ergometer 
verrichtet. Während in den ersten Tagen die N-Ausfuhr über die N-Einnahme 
hinausging, trat bald N-Ansatz auf, während das Köpergewicht um 800 g wuchs. 
Mit dieser Gewichtszunahme fast übereinstimmend ist die durch die Stoffwechsel¬ 
bilanz gewonnene Zahl [Respirationsversuch]. Verf. glaubt durch diese Eiweiss¬ 
mast eine wahre Zellhypertrophie im Sinne Virchow’s, eine »Eutrophie«, erzielen 
zu können; nach seiner Ueberzeugung ist durch die Arbeitsleistung »in der 
N-Ausscheidung ein Plus von den vom Organismus gelieferten Bestandteilen, ein 
Minus von den von der Nahrung gelieferten, sodass das ersparte Nahrungseiweiss 
als Zellverjüngung an die Stelle des abgetretenen Plus tritt«. 

Szubinski (Oöttingen). 

Zuntz: lieber die Bedeutung der verschiedenen Nährstoffe als Erzeuger der Muskel¬ 
kraft Aus dem tierphysiolog. Institut der Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule 
zu Berlin. (Pflügeris Arch., Bd. 83, S. 557.) 

Bemerkungen zu den Einzelheiten in den vorstehend referierten Arbeiten, 
in welchen Z. die Ergebnisse von Heinemann und Frentzel u. Reach nach 
den neuerdings von Pflüger geforderten kalorischen Werten der Nahrungsmittel 
umrechnet, und in denen er den Einfluss der Uebung und Oewöhnung auf das 
ökonomische Arbeiten sowie die Beeinflussung des Sauerstoffverbrauchs durch 
die geringfügigsten Muskelkontraktionen betont . Szubinski (Oöttingen). 

Langstein: Die Kohlenhydrate des kristallisierten Serumalbumins. (Beiträge zur chem. 

Phys. u. Pathol., H. 5. 6.) 

Für den Kohlenhydratstoffwechsel im Organismus ist das Vorhandensein 
einer Zuckergruppe in den Proteiden des Blutserums von hohem Interesse. Für 
Globulin ist die glykoside Natur bereits sichergestellt', da sich daraus Osazon 
darstellen Hess. 

Ueber Serumalbumin als Kohlenhydratträger gingen die Ansichten bisher aus¬ 
einander. Langstein erhielt bei seinen Versuchen mit kristallisiertem Serumal¬ 
bumin 1—1 V^ 0 / a Zucker; ausserdem konstatierte er experimentell, dass sich aus 
dem Eieralbumin ein Kohlenhydrat abspalten lässt, das auch im Serumalbumin 
präformiert ist (Amidohexose, Qlykosamin). Schilling (Leipzig). 

Nerkiog: Ueber Fetteiwefesverbtadtmgen. Aus dem phys. Institut der Universität 
Bonn. (Pflügeris Arch., Bd. 85, S. 330.) 

Schliesst man Organpulver nach erschöpfender Aetherextraktiqn im Soxhlet- 
apparat durch peptische Verdauung auf, so lässt sich eine reichliche Menge Aether- 
extrakt gewinnen. Dasselbe gelingt bei Verwendung von Blutserum. Verf. schliesst 
daraus, dass es sich nicht um ein rein mechanisches Hindernis bei der Extraktion 


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der pulverisierten Organmassen handelt, sondern dass das nach der Verdauung 
gewonnene Fett aus chemischen Verbindungen mit dem Eiweiss stammt, welche 
ihr Fett erst nach der Zerlegung durch den Verdauungsvorgang hergeben. Zur 
Aufklärung solcher Fetteiweissverbindungen untersuchte Verf. verschiedene tierische 
und pflanzliche, von ihm selbst dargestellte Eiweisskörper, indem er sie nach er¬ 
schöpfender Aetherbehandlung der künstlichen Verdauung unterwarf und nochmals 
mit Aether extrahierte. Von den zur Untersuchung herangezogenen Körpern lieferten 
nach der Digestion konstant: Paraglobulin aus Pferdeblutserum 1,5% (Serumalbumin 
gab kein Extrakt), Stromasubstanz aus Pferdefleisch 3,5%, Mudn aus der Süb- 
maxillaris des Rindes 3,3%» Weizenkleber 10%. Kein Extrakt lieferten ausser 
dem schon genannten Serumalbumin: Casein und Lactalbumin, Oxyhämoglobin, 
Ovalbumin und OvomucoTd, Musculin, Myosin und Myoglobulin aus Pferdefleisch, 
ferner die Pflanzeneiweisskörper aus Hafer, Erbsen, Linsen und Bohnen sowie das 
Maisfibrin. Den Beweis für die Annahme, dass das nach der Digestion gewonnene 
Fett aus chemischen Verbindungen stammt, bleibt Verf. schuldig. 

Szubinski (Oöttingen). 

Wibbens und Huizenga: Untersuchungen über die Verdaulichkeit der Butter und 
einiger Surrogate derselben. Aus dem tierphysiolog. Institut der Kgl. landwirthsch. 

Hochschule zu Berlin. (Pflüger’s Arch., Bd. 83. S. 609.) 

Verff. stellten vergleichende Ausnutzungsversuche mit Butter, Margarine 
und Sana am Hunde und an sich selbst an. Es zeigten sich im ganzen überein¬ 
stimmende Werte hinsichtlich der Ausnutzung der 3 Substanzen. Beim Hunde 
wurde Sana um ein geringes besser ausgenutzt, als die beiden anderen, beim 
Menschen um ein geringes schlechter. Wenn Butter also um so viel teurer be¬ 
zahlt wird, so hat dies nicht seinen Grund in einem höheren Nährwert, sondern 
in dem Aroma und dem besseren Geschmack. Szubinski (Göttingen). 

Hoppe, J.: Ueber Roborat und andere Eiweisspräparate ln ihrer Verwendung bei der 
Krukenernährung. Aus der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Uchtspringe (Dir.: 

Dr. Alt). (Münch, med. Wochenschr., Nr. 12.) 

Bei ausschliesslicher Ernährung mit Roborat betrug die Ausnutzung des¬ 
selben im Darm 92- 95%; ähnliche Werte ergaben sich für Tropon und Plasmon. 
Für die künstliche — rektale und subkutane — Ernährung erwies sich Tropon 
als ganz ungeeignet, dagegen lassen sich vom Plasmon — und auch vom Ro¬ 
borat — nach Zusatz von CI Na durch langsame Erwärmung bis zur Körper¬ 
temperatur homogene Mischungen herstellen, aus denen nicht unbeträchtliche 
Quantitäten der Nährpräparate im Rektum sowie unter der Haut resorbiert werden. 
Die subkutane Applikation hat Verf. zunächst nur an einem Hunde geprüft, dem 
10 g Plasmon injiziert wurden, ohne dass sich Störungen irgend welcher Art 
(Albuminurie etc) danach bemerkbar machten. Der vielfach gerühmte Vorzug 
des Roborats, die Hamsäureausscheidung herabzusetzen, wird auch von H. be¬ 
stätigt, der daher Veranlassung nahm, das Roborat in grösserem Masstabe bei 
einer Erkrankung in Anwendung zu bringen, die man wiederholt zu dem Ham- 
säurestoffwechsel in Beziehung gesetzt hat, der Epilepsie. Ausser dem Ham- 
säurestoffwechsel zeigte bei Roboratemährung auch der Umsatz der Chloride eine 
konstante Veränderung im Sinne einer Verringerung des Ham-CINa, ein Moment, 
das ebenfalls (mit Rücksicht auf das von Toulouse und Riebet empfohlene 
diätetische Verfahren) einen Versuch mit Roboratemährung bei der Epilepsie 
gerechtfertigt erscheinen lässt Ueber die Ergebnisse dieser Versuche will Verf. 
demnächst berichten. Schade (Göttingen). 

Stolz: Die Acetonurie in. der Schwangerschaft, Gebart and im Wochenbette, als Bei¬ 
trag zar physiologischen Acetonarie. (Arch. f. Oynaekolog., Bd. 65, H. 3.) 

Die Hauptursache der Acetonurie ist der Zerfall des Oiganeiweiss oder 


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Inanition nach v. Jaksch, wenn auch durch Garung des Traubenzuckers im 
Darme Aceton entstehen kann. Rosenfeld führt Aceton auf Zersetzung des 
Nahrungseiweiss zurück und nur bei Inanition auf Körpereiweiss. Neuerdings 
machten Untersuchungen von Schwarz, Geelmuyden und Boy die Fett- 
nahrung, sogar bei Diabetikern, als Quelle dafür verantwortlich und Schumann- 
Lecberg ebenso das Körperfett. 

Auch bei Geburten, im Wochenbett und bei Schwängern wird Acetonurie 
beobachtet und obwohl Inanition nicht ausgeschlossen ist, gesteigerter Fettstoff- 
weclisel durch Milchstauung und stärkere Fettaufsaugung in den Mammae als Ur¬ 
sache angesehn. 

Als Nachweismethode erwies sich die Ldgal’sche Probe als unzuverlässig 
und oft positiv, während die Proben nach Lieben, Reynold und Gumring 
negativ ausfielen. Exhalation und Urin gingen in der Exkretion des Aceton nicht 
parallel. Ausscheidungen über 0,017 g pro Liter sind pathologisch. 

Die Schlusssätze der ausgedehnten Untersuchungsreihe lauten: 

1. Eine leidite Acetonurie besteht bei Kreissenden und Entbundenen, wechselt 
aber häufig. 

2. Vermehrte Acetonurie findet sich während der Schwangerschaft 1—3 Tage 
lang, ohne Symptome zu machen. 

3. In der Geburt mehrt sich die Acetonurie. 

4. Je länger die Qeburtsarbeit dauert, desto häufiger und reichlicher tritt 
Aceton auf, besonders bei Erst- und Zweitgebärenden. 

5. Im Wochenbette ist in den ersten 3—4 Tagen die Acetonurie häufig vermehrt 

6. Ein Zeichen für Fruchttod ist sie nicht 

7. Sie ist eine physiologische Erscheinung und ohne pathologische Bedeutung 
und lässt sich während der Schwangerschaft, Geburt und des Wochenbettes 
durch Alteration des Fettstoffwedisels erklären. Schilling (Leipzig). 

Wiener: Ueber synthetische Bildung der Harnsäure Im Tierkörper. (Beiträge zur 
ehern. Phys. u. Pathol., Bd. 2, H. 1—3.) 

Nach unsem bisherigen Auffassungen wird Harnsäure bei den Vögeln 
durch Synthese stickstoffhaltiger Substanzen (Ammonlaktat, Amidosäuren, Harn¬ 
stoff) und bei den Säugetieren nach Horbaczewski durch Oxydation der Xan¬ 
thinbasen und Nuklelne der Nahrung gebildet; indessen ist dieser Unterschied 
heute nicht mehr so streng gültig. Bei Vögeln lässt sich Harnsäure auch auf 
oxydativem Wege gewinnen und Leukocyten sind bei den Säugetieren durch 
ihren Zerfall eine zweite Quelle für die Harnsäure. Purinkörper geben allein 
Harnsäure her. 

Wiener stellte, um zu erweisen, dass auch der Körper der Säugetiere 
durch Synthese neben Oxydation Harnsäure produziere, Versuche an isolierten 
Rindslebem an und fand, dass manche Organe, z. B. Thymus, Vorstufen der 
Harnsäure enthalten, welche die Leber in Harnsäure überführen könne. Bei Vö¬ 
geln ergaben seine Experimente mit stickstofffreien Substanzen, dass nur drei¬ 
gliedrige Kohlenstoffketten bei gleichzeitiger Hamstoffinjektion und zwar Glyzerin, 
Oxy-, Keton- und zweibasische Säuren und l-Oxybuttersäure ein Plus von Harn¬ 
säure hervorzubringen im stände sind, unter Umständen aber auch Fett oder 
Kohlenhydrate die zur Hamsäuresynthese notwendigen stickstofffreien Atomkom- 
plexe liefern können. Bei dem Fett ist sicherlich Olyzerin, nicht Fettsäure die 
betreffende Substanz. Versuche der Synthese mit Fleischmilchsäure und Harnstoff 
fielen negativ aus. 

Glyzeringaben vermehren auch beim Menschen die Hamsäureausscheidung. 
Nach Orgler sank bei Zufuhr von Butter oder Rohrzucker die Harnstoffmenge 
im Urin, da jene Stoffe die Eiweisszersetzung hemmen, es stieg aber die Ham- 
säuremenge. Da nach Wiener auch bei dem Menschen Gaben von Dialursäure 
eine Hamsäurevermehrung hervorbrachten, so hält er den Nachweis einer Ham¬ 
säuresynthese hier ebenfalls für erwiesen. 


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Es gestaltet sich unter Berücksichtigung dieser Resultate der Oang der 
Harosäurebüdung in der Weise, dass die Eiweisszersetzung bei Vögeln und Säuge¬ 
tieren zur Bildung von Harnstoff dient, doch geht bei Vögeln nur ein geringerer 
Teil als Harnstoff ab, während der grössere eine Synthese zur Harnsäure eingeht; 
dagegen gelangt bei den Säugetieren der grösste Teil zur Ausscheidung und nur 
ein Bruchteil wird Harnsäure auf synthetischem Wege. Auch entsteht bei Vögeln 
nnd Säugetieren Harnsäure durch Oxydation von Xanthinbasen; bei Vögeln ist 
dieser Teil klein, bei Säugetieren der grösste der ausgeschiedenen Harnsäure. 

Schilling (Leipzig). 

Eiden u. Glaessner: lieber den Ort der Aetfaerschwefdsfturebildung im Tierkörper. 

(Beiträge zur ehern. Phys. u. Pathol., Bd. 2, H. 1—3.) 

Schon Bau mann hatte nach seiner Entdeckung der Aetherschwefeisäuren 
gefunden, dass bei mit Phenol vergifteten Hunden vorübergehend eine erhebliche 
Anhäufung phenolbildender Substanz in der Leber stattfindet. Später verlegte er 
und Christiani die Bildungsstätte noch in die Nieren. Koch ermittelte noch 
ausser Leber und Niere das Pankreas und die Muskeln als Bildungsherd, Versuche 
mit der Thymusdrüse waren indessen negativ. 

Die Autoren untersuchten ausser der Leber, Niere, den Muskel und der Lunge 
noch den Darm und glauben aussprechen zu können, dass die Leber das bei der 
Bildung bei weitem in erster Linie in Frage kommende Organ ist und nur 
geringe Mengen von Aetherschwefelsäure auch in der Niere und in der Lunge 
gebildet werden. Schilling (Leipzig). 

Scholz, Hugo: Einige Bemerkungen über Kieselsäure. Aus dem pharmakol. Institut 
der Universität Oreifswald. (Münch, med. Wochenschr„ Nr. 11.) 

Auf Grund eigener Untersuchungen sieht Sch. das Vorkommen des Sili¬ 
cium im Tierkörper als kein zufälliges, sondern als ganz bestimmten Zwecken 
dienend an. Die von ihm angestellten Analysen der verschiedensten Organe 
ergeben die bemerkenswerte Thatsache, dass von allen Geweben des Körpers 
das Bindegewebe den relativ höchsten Gehalt an Kieselsäure aufweist Ueber 
die nähere Art dieses unverkennbaren Zusammenhangs sowie über die Form, in 
der sich die Kieselsäure im Bindegewebe findet ist noch nichts Sicheres bekannt 
Sch. spricht die Vermutung aus, dass der Organismus auf eine bestimmte Menge 
Kieselsäure eingestellt ist und dass Störungen dieser Kieselsäurebilanz sich durch 
gewisse krankhafte Erscheinungen geltend machen (Gicht? Cholelithiasis?). Er rät 
daher, in »geeignet scheinenden Fällen« auch wenigstens einen therapeutischen 
Versuch mit Kieselsäure (entweder in Form der löslichen Kieselsäure selbst oder 
in Verreibungen mit Milchzucker oder in Gestalt der von der Homöopathie vor¬ 
geschriebenen aq. silicata) zu machen. Schade (Göttingen). 


ynbaUswiticbni*. 

Original-Artikel: Mohr, L. u. Loeb, A.: Beitrage zur Frage der dia¬ 
betischen Addosis S. 193. — Referate: Blum, F.: Ueber Nebennierendiabetes 
S. 203. — Metzger: Zur Lehre vom Nebennierendiabetes S. 204. — Breuer. R.: 
Achylia gastrica mit tuberkulösen Darmgeschwüren und eigentümlichem durch Re- 


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Sorption vom Magen aus bedingten Fieber S. 204. — Hemmeter, J. C. u. Stokes, 
W. R.: Chronische hypertrophische Oastritis syphilitischen Ursprungs S. 204. - 
Boas, J.: Beitrage zur Kenntnis des Magencardnoms S. 205. — Kukula, O.: 
3 Fälle von Pylorektomie S. 206. — Wiesinger, E.: Ein Fall von Magenperforation 
mit allgemeiner Peritonitis; Operation 4 Tage nach Beginn des Leidens; Heilung 
S. 206. — Widal et Sicard: Collections sous-cutan£es purulentes ou huileuses I 
badlle d’Eberth däveloppdes ä la suite d’injections m^dicamenteuses au cours de 
la filvre typhoide S. 206. — Bonjour: Des addnopathies p£ri-appendiculaires dans 
l’appendiate S. 206. — Undner: Ueber Blinddarmentzündung S. 207. — Manna- 
berg, J.: Toxischer Heus bei Pleuritis S. 207. — Babonneux: Les lavages de 
l’intestm chez l’enfant S. 207. — Widal. Sicard et Ravod: Ueber Pigment- 
Befunde in der Cerebro-Spinalflüssigkeit bei chronischem Ikterus S. 207. — 
Eppinger: Beitrage zur normalen und pathologischen Histologie der mensch¬ 
lichen Oallenkspilaren mit bes. Berücksichtigung der Pathogenese des Ikterus 
S. 208. — Wilms: Exstirpation der Milz wegen Milzruptur S. 206. — Lazarus, 
P.: Zur Pathogenese der Pankreascysten S. 208. — Olaessner: Ueber die Um¬ 
wandlung der Albumosen durch die Magenschleimhaut S. 209. — Briot: Der 
Einfluss des Blutserums auf die Pepsin-Wirkung S. 210. — Simon, O. u. Zemer, 
Th.: Untersuchungen über die digestiven rähigkeiten des Dünndarmsaftes 
S. 210. — Olaessner: Ueber die Funktion der Brunner’schen Drusen S. 211. 

— Femet: Amaigrissement extreme et mort par inanition S. 211. — Frentzel u. 
Reach: Untersuchungen zur Frage nach der Quelle der Muskelkraft S. 212. — 
Bornstein: Eiweissmast und Muskelarbeit S. 212. — Zuntz: Ueber die Bedeutung 
der verschiedenen Nährstoffe als Erzeuger der Muskelkraft S. 212. — Langstein: 
Die Kohlenhydrate des kristallinischen Serumalbumins S. 212. — Nerking: Ueber 
Fetteiweissverbindungen S. 212. — Wibbens u. Huizenga: Untersuchungen über 
die Verdaulichkeit der Butter und einiger Surrogate derselben S. 213. — Hoppe, I.: 
Ueber Roborat und andere Eiweisspräparate in ihrer Verwendung bei der 
Krankenernährung S. 213. — Stolz: Die Acetonurie in der Schwangerschaft, 
Geburt und im Wochenbette, als Beitrag zur physiologischen Acetonurie S. 213. 

— Wiener: Ueber synthetische Bildung der Harnsäure im Tierkörper S. 214. 

— Emden u. Olaessner: Ueber den Ort der AetherschwefelsäureMldiing im 
Tierkörper S. 215. — Schulz, Hugo: Einige Bemerkungen über Kieselsäure 
S. 215. 


Hlpbabetifcb geordnetes JnhaltsverjeiduiU. 

Acetonurie S. 213. — Achylia gastrica S. 204. — Addosis, diabetische S. 193. 
— Aetherschwefelsäurebildung S. 215. — Albumosen S. 209. — Appendidtis 
S. 206. 207. — Brunnerische Drüsen 211. — Butter, Verdaulichkeit der 213. — 
Darmgeschwüre, tuberkulöse S. 204. — Darmspülungen S. 207. — Diabetes 
S. 193— 7X34. — Dünnadrmsaft S. 210. — Eiweisspräparate S. 213. — Fetteiweiss¬ 
verbindungen S. 212. — Qallenkapillaren, Histologie der S. 208. — Oastritis 
syphilitica S. 204. — Harnsäurebildung S. 214. — Ikterus, Cerebrospinalflüssigkeit 
bei 207. — Ileus, toxischer S. 207. — Inanition S. 211. — Kieselsäure in den Oe- 
weben S. 215. — Magencardnom S. 206. — Magenperforation S. 206. — Margarine, 
Verdaulichkeit der S. 213. — Milzexstirpation S. 206. — Muskelkraft S. 212. — 
Nebennierendiabetes S. 203. 204. — Pankreascysten S. 208. — Pepsin S. 210. — 
Pylorektomie S. 206. — Roborat S. 213. — Sana, Verdaulichkeit der S. 213. — 
Serumalbumin, Kohlenhydrate des S. 212. — Typhus S. 206. — Verdauung 
S. 209-211. 


Original-Mitteilungen, Monographieen und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Ernst Schreiber in Oöttingen, Alleestr. 6, einsenden. 


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Nr. 9 . 


Erstes Mal-Heft 1902. 


3. Jahrgang. 


Centralblaff 

ffir 

Stoffwechsel- & Vcröauungs-Ki’anHhriten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck ft Ruprecht in Oöttingen. 


Monatlich 2 Nrn. von l'/t—2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjähriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark. Zn beziehen durch alle Buchhandlnngen und 
PDfhmstaltsn des ln- und Auslandes, Nr. 1489 der Zeitungs-Preisliste f. d. Deutsche Reich. (Postbezug 
in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausserhalb Europas 1 Mark 20 Pf. jährlich mehr.) 


Original-Hrtihel. 

Aus dem Maria’schen Krankenhause zu Moskau. 

Qtbtr Bluterbrecbtn bei Hppendicitis. 

Von 

Dr. S. M. Zypkin. 

Das Bluterbrechen als eines der Symptome der Appendicitis hat die 
Aufmerksamkeit der Aerzte in den letzten 2 Jahren auf sich zu lenken be¬ 
gonnen. Zuerst haben auf diese Erscheinung Guyot und Carles 1 ) hinge¬ 
wiesen. Bald darauf wurde ein Fall von Kirmisson 2 ) veröffentlicht; dieser 
Publikation folgten unmittelbar 3 Fälle von Charlot 3 ). Besondere Auf¬ 
merksamkeit brachte diesem Symptom Dieulafoy 4 ) entgegen. In seinem 
Aufsatze: »Vomito negro appendiculaire. Gastrite ulcöreuse hemorrhagique 
appendiculaire« berichtet er über 6 Fälle aus seiner eigenen Privatpraxis, die 
er innerhalb 9 Monaten gesammelt hat, und in denen das Erbrechen nicht nur 
die Appendicitis begleitet, sondern in manchen Fällen auch die unmittelbare 
Todesursache abgegeben hat Diese Fälle sind dermassen belehrend, dass 
ich es für notwendig erachte, dieselben wenigstens kurz wiederzugeben. 

1. Fall. Der 68jährige Patient litt 3 1 /, Jahre an periodischen Appen- 
dicitisanfällen. Der letzte Anfell begann mit hartnäckigem Erbrechen und 
Schmerzen im Abdomen. Unbedeutendes Fieber, vollständige Obstipation, 
Ikterus, Urobilinurie. Bei der ersten Untersuchung fühlte sich der Patient 
nicht besonders schlecht Es wurde unbedeutender Meteorismus vermerkt Bei 
Druck auf das Gebiet der Fossa ileocoecalis stellte sich ein heftiger Schmerz 

Nr. 9. 


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218 


ein. Der Puls war beschleunigt, mit einem Wort, es handelte sich um einen, 
nach dem Ausdruck Dieuiafoy’s, Appendicitis-Fall von mittlerer Intensität 
Gefahrdrohend war der bestehende Ikterus — »dieser Anzeiger der 
appendiculären Intoxikation«. Der Patient wurde operiert - Bei der Ope¬ 
ration fand man den Wurmfortsatz vergrössert, mit Adhäsionen bedeckt und 
gespannt Eiter fand sich in der Peritonealhöhle nicht Am Tage 
nach der Operation stellte sich bei dem Patienten plötzlich Er¬ 
brechen ein, wobei die erbrochenen Massen aus schwarzem Blut 
bestanden. Nach 2 Tagen wiederholte sich das Erbrechen in sehr hohem 
Grade. Ungeheure Mengen schwarzen Blutes wurden mit solcher Vehemenz 
herausgeschleudert, dass sie selbst in die Bronchien und in die Luftröhre 
eindrangen. Der Kranke ging an Asphyxie zu Grunde. — In diesem Falle 
war das Bluterbrechen nach dem Ausdrucke Dieuiafoy’s ein foudroyantes. 

2. Fall. Die Patientin, ein junges Mädchen, erkrankte zum eisten 
Male an Appendicitis. Die Temperatur war nicht gesteigert Die Operation 
wurde am 3. Krankheitstage ausgeführt Der Wurmfortsatz erwies sich als 
vergrössert, in Form eines Jigerhoms gebogen und durch Verwachsungen 
hinter dem Blinddarm immobilisiert Seine Oberfläche war etwas ekchymo- 
siert, die Höhle mit Massen gefüllt, die an Eiter erinnerten. 3 Tage nach 
der Operation verspürte die Patientin allgemeine Schwäche, und es stellte 
sich Status typhosus ein. Puls 140. Dann trat Erbrechen mit schwarzem 
Blute auf. In den folgenden Tagen war der Zustand der Kranken zwar 
ernst, aber das Erbrechen kam nicht mehr wieder. Dieser Fall ging in Ge¬ 
nesung über. 

3. Fall. Die Patientin, eine junge Amerikanerin, erkrankte an Appen¬ 
dicitis. Die ersten Krankheitserscheinungen bestanden in Erbrechen und 
Bauchschmerzen. Die Temperatur stieg bis 39,0°; subikterische Verfärbung 
der Konjunktiven. Iui Gebiet des Wurmfortsatzes wurde bedeutende Schmerz¬ 
haftigkeit konstatiert Die am 4. Krankheitstage ausgeführte Operation er¬ 
gab diffuse Peritonitis. Der Wurmfortsatz erwies sich als vergrössert, von 
dunkelroter Farbe und perforiert Sein Kanal war mit Eiter gefüllt Die 
Temperatur stieg nach der Operation immerfort Am folgenden Tage Zu¬ 
nahme des Ikterus, Anurie und Bluterbrechen. Die Kranke begann zu 
delirieren. Am nächstfolgenden Tage sank die Temperatur plötzlich um 3,0°. 
Das Bluterbrechen wiederholte sich aber mit starker Intensität Das Blut 
drang in die Trachea und in die Bronchien ein, die Patientin ging zu Grunde. 

4. Fall. Die Patientin, ein lOjähriges Mädchen, erkrankte an Appen¬ 
dicitis. Die ersten Krankheitserscheinungen waren Erbrechen und Bauch¬ 
schmerzen. Nach einer eintägigen Remission (gutes subjektives Betinden, 
Puls 80) begannen die Schmerzen zuzunehmen, die Temperatur stieg auf 
40,0°, der Puls betrug 140 Schläge in der Minute. Ausserdem stellte sich 
Anurie ein. Die Vornahme der Operation ergab diffuse Peritonitis. Der 
Processus vermiformis wurde hinter dem Blinddarm gefunden, das freie 
Ende desselben erwies sich gangränös. Nach der Operation trat im Zustand 
der Patientin eine Besserung nicht ein. Die Temperatur sank nicht unter 
40,0°, der Puls blieb bei 130. Bald stellte sich reichliches Erbrechen 
mit schwarzem Blut ein, und die Patientin starb. 


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219 


5. Fall. Der Kranke hat 3 Appendicitisanfälle fiberstanden. Der 
dritte Anfall war ein sehr schwerer und wurde von mehrmaligem Blut¬ 
erbrechen begleitet Nach diesem Anfalle erholte sich der Patient recht lang¬ 
sam. Dieulafoy konstatierte Schmerzhaftigkeit und Verdichtung im Gebiet 
des Processus vermiformis. Der Patient wurde wegen eines neuen Appen- 
diritisanfalles, der sich zwei Tage nach dem Besuche Dieulafoy’s einge¬ 
stellt hatte, operiert Der Wurmfortsatz erwies sich als leicht gangränös und 
verwachsen. Ueber das weitere Schicksal dieses Patienten berichtet Dieu¬ 
lafoy leider nicht 

6. Fall. Der Patient, ein 18jähriger junger Mann, erkrankte anAppen¬ 
dicitis. Zunächst trat Diarrhoe auf, zu der sich dann Erbrechen und Bauch¬ 
schmerzen hinzugesellten. Die Temperatur schwankte zwischen 38,5° und 
39,5°. Nach vorübergehender Besserung trat rasch Verschlimmerung des 
Allgemeinzustandes ein. Das Gesicht des Kranken entstellte sich, die Ge¬ 
sichtsfarbe wurde erdfohl und subikterisch. Foetor ex ore; kurz, man hatte 
es mit einem Zustand von allgemeiner Intoxikation zu thun. Der Patient 
wurde operiert, wobei die Operation diffuse Peritonitis und perforative 
Appendicitis ergab. Der Processus vermiformis erwies sich als vergrössert, 
schwarz und gangränös. Am Tage nach der.Operation stellte sich 
reichlich Erbrechen mit schwarzem Blute ein; bald darauf folgte 
Stupor, Bewusstlosigkeit und Tod. 

Fall von Kirmisson 6 ). Ein 7jähriges Mädchen erkrankte an Appen¬ 
dicitis. Nach der Operation, welche am 7. Krankheitstage ausgeführt worden 
war (es wurde ein Abscess in der rechten Fossa iliaca eröffnet) fühlte sich 
die Patientin einige Stunden wohl. Um 5 1 /* Uhr desselben Tages wurde 
sie plötzlich asphyktisch. Bald stellte sich reichliches Erbrechen mit 
schwarzem Blute ein, und um 9 Uhr abends verschied die Kranke. 

• « 

Die mitgeteilten Fälle legen ein beredtes Zeugnis davon ab, welch 
ernste Komplikation das Bluterbrechen bei Appendicitis ist Von dem hohen 
praktischen Interesse, das diese Erscheinung darbietet, abgesehen, bringt sie, 
wie wir später sehen werden, ein gewisses Licht über die Pathogenese der 
Appendicitis selbst Von den 7 oben mitgeteilten Fällen endeten 5 letal. 
Desgleichen starben die Patienten von Charlot, Guyot und Carles, von 
denen im nachstehenden noch die Rede sein wird. 

Das Bluterbrechen stellte sich fast in sämtlichen Fällen plötzlich ein 
und gab bisweilen sogar die unmittelbare Todesursache ab, indem sie Asphyxie 
infolge Hineingelangens von Blut in die Atmungswege bewirkte. 

Die Patienten von Dieulafoy und Kirmisson wurden, wie wir ge¬ 
sehen haben, operiert, was die Möglichkeit gewährte, eine genaue Diagnose 
zu stellen. Leider sind wir infolge der unterbliebenen Autopsie nicht in der 
Lage, dieses Material behufs Aufklärung der anatomischen Ursache des Blut¬ 
erbrechens zu utilisieren, wenn auch diese Lücke bis zu einem gewissen 
Grade von Charlot, Guyot und Carles ausgefüllt ist 

Die Fälle von Charlot 6 ) (3 an der Zahl) betreffen Kinder im Alter 
von 8—9 Jahren, die sämtlich wegen Appendicitis operiert worden waren. 

Nr. 9*. 


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220 


Bei sämtlichen Kranken stellte sich bald nach der Operation, ebenso wie in 
den Fällen von Dieulafoy und Kirmisson, Bluterbrechen ein, das in 
weniger als 24 Stunden nach der operativen Intervention zum Tode führte. 
Was diesen Fällen besonderen Wert verleiht, ist der Umstand, dass sie 
seziert wurden. In 2 Fällen ergab die Autopsie punktförmige Hä- 
morrhagieen auf der Magenschleimhaut Im dritten Falle wurden auf 
der Magenschleimhaut zwei breite rote Flecken gefunden. 

Im Falle von Guyot und Carles 4 ) handelte es sich um einen 14- 
jährigen an Appendicitis erkrankten Knaben, der am 6. Krankheitstage operiert 
wurde. Unmittelbar nach der Operation fühlte sich der Patient wohl, am 
Abend desselben Tages stellte sich jedoch profuses Bluterbrechen ein, und 
innerhalb einiger Stunden ging der Patient zu Grunde 

Die Autopsie ergab perforative Appendicitis. Der Magen erwies sich 
durch schwarze Blutmassen gedehnt Die Magenschleimhaut war mit 
Ecchymosen bedeckt Eine histologische Untersuchung der affizierten 
Parti een der Magenschleimhaut wurde weder in den Fällen von Chariot 
noch in dem Falle von Ouyot vorgenommen. 

Dieulafoy betrachtet die Veränderungen der Magenschleimhaut bei 
mit Bluterbrechen komplizierter Appendicitis als mit denjenigen identisch, ' 
welche bei eingeklemmten Brüchen beobachtet werden. In einem Falle von 
eingeklemmtem Bruch, der mit Bluterbrechen einherging, 'fand er Nekrose 
einer grossen Partie der Magenschleimhaut in Form eines Schorfs, der in 
der Drüsenschicht lag und die Muscularis mucosae, sowie den oberfläch- | 
liehen Teil der Submucosa, desgleichen die oberen Wandungen der kleinen 
unter der Muscularis mucosae liegenden Arterien ergriffen hatte. In Ueber- 
einstimmung mit diesen klinischen Beobachtungen stehen die entsprechen¬ 
den experimentellen Befunde So hat Talma behufs Aufklärung der in der 
Magenschleimhaut bei Darmeinklemmung vor sich gehenden Veränderungen 
bei seinen Versuchstieren eine Darmschlinge unterbunden und dabei stets 
Ulcerationen an der Magenschleimhaut konstatieren können. Gleichartige 
Veränderungen feind Dieulafoy bei Pneumokokkeninfektion des Organismus. 
Bei Appendicitis handelt es sich nach der Ansicht Dieulafoy’s gleichfalls 
um ein Element allgemeiner Infektion, so dass man die Appendicitis keines¬ 
wegs als eine ausschliesslich lokale Erkrankung betrachten kann, da sie 
meistenteils die Quelle einer allgemeinen Intoxikation des Organismus ab- 
giebt Letztere äussert sich durch Veränderungen in den verschiedensten 
parenchymatösen Organen: in der Leber (Ikterus, Urobilinurie), in den 
Nieren (Anurie, Albuminurie) etc. Unter dem Einfluss derselben Toxine 
kommt eine akute hämorrhagische Nekrose einzelner Parti een der Magen¬ 
schleimhaut zustande. Der ulcerative Prozess reicht bis in die Muscularis 
mucosae, eigreift die kleinen Arterien und ruft auf diese Weise profuse 
Blutungen hervor. 

In den oben angeführten Fällen war das Bluterbrechen plötzlich ent¬ 
standen. Es wiederholte sich 6—8 mal innerhalb eines kurzen Zeitraumes. 
Bisweilen war die Blutung so profus, dass der Kranke nach dem ersten 
Anfall zu Grunde ging. Hier hängt aller Wahrscheinlichkeit nach alles von 
der Intensität der Autointoxikation und eo ipso von dem Grade der Ent- 


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Wickelung der anatomischen Veränderungen in der Magenschleimhaut ab. 
Infolgedessen kann man a priori annehmen, dass auch solche Fälle Vor¬ 
kommen können, in denen bei verhältnismässig schwerer Intoxikation das 
Bluterbrechen sich innerhalb eines grösseren Zeitraumes wiederholen und in 
denen dasselbe auf diese Weise nicht den infausten Charakter wie in den 
oben geschilderten Fällen annehmen würde. Zu diesen Fällen gehört zweifel¬ 
los der Fall, den ich im Maria’sehen Krankenhause zu Moskau beobachtete, 
und zu dessen Schilderung ich nun übergehe. 


Die Patientin ist 61 Jahre alt, Bäuerin, Köchin. Sie wurde am 22. 
Februar 1901 in das Krankenhaus aufgenommen, lieber die Todesursache 
der Eltern vermag die Patientin keine Angaben zu machen. Auch kann sie sich 
nicht erinnern, früher einmal ernstlich krank gewesen zu sein, und giebt an, nur 
vor 8 Jahren einmal im Krankenhaus einige Wochen wegen Kreuzschmerzen 
gelegen zu haben. An der gegenwärtigen Krankheit leidet die Patientin seit 
ca. 2 Jahren. Dieselbe äussert sich durch dyspeptische Störungen: Uebel- 
Iceit, Sodbrennen und Aufstossen nach der Nahrungsaufnahme Ausserdem 
treten bei der Patientin periodische Schmerzen im Epigastrium, die nach 
dem Rücken ausstrahlen, und Bluterbrechen auf. Seit 7 Tagen vor der 
Aufnahme in das Krankenhaus hatte die Patientin keinen Stuhl. Zugleich 
traten dyspeptische Störungen (Sodbrennen, Uebelkeit, Aufstossen), sowie 
Schmerzen im Epigastrium und in anderen Abteilungen des Abdomens ein. 
Ausserdem stellte sich das Bluterbrechen wieder ein. In den ersten Tagen 
war das Blut hell, in den folgenden bestand das Erbrechen aus dunklen 
Blutmassen. 

Status praesens: Die Patientin ist gut gebaut, Haut und sichtbare 
Schleimhäute etwas blass. Zunge belegt Abdomen etwas aufgetrieben und 
bei der Untersuchung in allen Abteilungen empfindlich, besonders aber in 
der Magengrube. Appetit mangelhaft Häufige Anfälle von Schmerzen in 
der Magengrube, die nach dem Rücken ausstrahlen. Seit 7 Tagen kein Stuhl. 

Im allgemeinen besteht bei der Patientin seit jeher Neigung zu Ver¬ 
stopfungen. Leber nicht vergrössert, Milz desgleichen. Harnentleerung zeit¬ 
weise erschwert 

Spezifisches Gewicht des Harns 1012, Reaktion des Harns sauer, 
Farbe gelb. Abnorme Formelemente nicht vorhanden. Die chemische Un¬ 
tersuchung des Harns ergab eine geringe Menge Eiweiss und reichliche 
Indikanquantitäten. 

Atmungsorgane bieten nichts Abnormes. 

Herzdimensionen normal, Herzstoss lässt sich nicht bestimmen, Herz¬ 
töne rein. An der Spitze zweiter Ton accentuiert 

Von seiten des Nervensystems besteht nur Kopfschmerz. Tempe¬ 
ratur bei der Aufnahme in das Krankenhaus 36,9° G, Puls 120, gut gefüllt, 
von regelmässigem Rythmus. Am 25. Februar Puls 132 Schläge in der 
Minute. 

Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass die Kranke seit 2 Jahren 
an dyspeptischen Erscheinungen litt, die mit periodischem Erbrechen und 


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222 


mit nach dem Röcken ausstrahlenden Schmerzen im Epigastrium kompliziert 
waren, dachten wir zunächst an Ulcus rotundum ventricuii. 

Das Bluterbrechen kehrte am 3. Tage uach der Aufnahme in das 
Krankenhaus wieder; ausserdem Hessen die Schmerzen im Epigastrium auf¬ 
fallend nach. 

Die Temperatur zeigte in den ersten 3 Tagen folgende Masse: mor¬ 
gens: 36,9°, 37,0°, 36,8°; abends: 37,0°, 36,8°, 37,9°. Vom 4. Tage begann 
die Temperatur zu steigen. 

26. Februar. Temperatur morgens 37ß°, abends 38,3°. 

27. Februar. Temperatur morgens 36,0°, abends 39,0°. In der Fossa 
ileocoecalis fühlt man eine wurstförmige Geschwulst Die Leber ist bei der 
Untersuchung empfindlich. Unterhalb des Angulus scapulae inferior ergiebt 
die Perkussion gedämpften Schall, die Auskultation abgeschwächtes At- 
mungsgeräuch. Vom 28. Februar bis zum 1. April zeigte die Krankheit 
einen mehr oder minder einförmigen Verlauf. In der ganzen Zeit trat Blut¬ 
erbrechen auch nicht ein einziges Mal auf. Dreimal erbrach zwar die Pa¬ 
tientin, die erbrochenen Massen bestanden aber teilweise aus Galle, teilweise 
aus Nahrungsteilen; die dyspeptischen Erscheinungen verschwanden voll¬ 
kommen. Die Darmentleerung geschah hauptsächlich mittels Klysmen, die 
Schmerzhaftigkeit war in sämtlichen Abteilungen des Abdomens sehr unbe¬ 
deutend. Sehr häufig bekam die Patientin Schüttelfrost Schweisse stellten 
sich alle Tage ein. 

Der Puls war die ganze Zeit gut gefüllt, zeigte regelmässigen Rhyth¬ 
mus und betrug meistenteils 120 Schläge in der Minute, am 17. März 132. 

Die Temperatur zeigte in dieser Zeit folgende Bewegungen: Moigen- 
temperatur, vom 28. Februar bis zum 31. März: 37,9°, 38,4°, 38,2°, 28,1°, 
38,2°, 38,4°, 38,1°, 38,0°, 37,7°, 38,0°, 37,6°, 37,0°, 37,7°, 37,7°, 37,7°, 383°, 

37,7°, 38,5°, 37,7°, 37,7°, 37,7°, 37,2°, 37,2°, 37,4°, 37,2°, 37,4°, 37,9°, 363°. 

36,9°, 37,4°, 37,9°, 37,0°; Abendtemperatur vom 28. Februar bis zum 31. 
März: 39,1°, 39,1°, 39,1°, 39,1°, 39,8°, 39,7°, 39,8°, 39,5°, 393°, 39,0°, 39,0°, 

39,4°, 39,0°, 39,5°, 39,5°, 39,7°, 39,4°, 39,0°, 38,7°, 39,0°, 39,6°, 38,4°, 39,4°, 

38,5°, 38,1°, 38,8°, 39,1°, 38,8°, 39,0°, 38,0°, 38,4°, 38,1°. 

Das subjektive Befinden der Patientin war zeitweise sehr gut Kräfte¬ 
verfall wurde nicht beobachtet Auch der Appetit war bisweilen befriedigend. 
Was das Exsudat in der Fossa ileocoecalis betrifft, so nahm es in der ersten 
Zeit rasch zu und erreichte schliesslich die Grösse eines Kindskopfes. Des¬ 
gleichen nahm das Dämpfungsgebiet im hinteren Teile der rechten Hälfte 
des Brustkorbs zu. 

Die Probepunktion förderte aus der rechten Pleurahöhle nichts zu 
Tage. Am 4. März wurde in der Axilla dextra zwischen der 6. und 7. Rippe 
bei der Auskultation Krepitation konstatiert Etwas unterhalb dieser Stelle 
ergab die Perkussion einen stark ausgesprochenen tympanitischen Schall mit 
deutlichem metallischen Klang. Am folgenden Tage verschwand übrigens 
diese Erscheinung. Vom 10. März begann das Exsudat abzunehmen, des¬ 
gleichen verringerte sich das Dämpfungsgebiet unterhalb des rechten Schul¬ 
terblattes. Das Exsudat in der Fossa ileocoecalis konnte in der letzten Zeit 
nur mit Mühe palpiert werden. Vom 1. April begann der Zustand der Pa- 


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tientin sich zu verschlimmern. Letzterer wurde, wenn man so sagen darf, 
adynamisch. Die Patientin zeigte allgemeine Schwäche, während die Tem¬ 
peratur im Vergleich zu der früheren bedeutend niedriger stand: die Morgen- 
teroperatur betrug vom 1. bis zum 9. April: 36,9°, 37,8°, 37,8°, 37,3°, 37,5°, 
37,2°, 37,4°, 38,6°, 37,8°; am 10. April 37,3°. Abendtemperatur vom 1. bis 
9. April: 38,6°, 38,2°, 38,1°, 38,0°, 37,7°, 37,5°, 37,6°, 38,1°, am 10. April 
37,4°. 

Während dieser 10 Tage wurde Ikterus der Skleren wahlgenommen. 
Der Ham war dunkel gefärbt und enthielt reichliche Quantitäten von Uro¬ 
bilin, Indikan und Aetherschwefelsäure. 

Ausserdem stellte sich Erbrechen mit dunklen Blutmassen wieder ein. 
Bisweilen verbreiteten die erbrochenen Massen einen fäkulenten Qeruch. 
Als das Erbrechen sehr profus war, wurde auch in den Fäces Blut gefunden, 
so dass die erbrochenen und Fäkalmassen in solchen Fällen grosse Aehnlich- 
keit unter einander darboten. Besonders profus und häufig war das Er¬ 
brechen am 10. April. An diesem Tage starb die Patientin um 5 1 /» Uhr 
nachmittags. 

Die von Rachmaninow ausgeführte Sektion ergab: Pleuritis 
exsudativa dextra lateralis septica. Appendicitis perforativa. 
Phlegmone septicum retroperitoneale. Arteriosclerosis. Degene- 
ratio parenchymatosa myocardii, hepatis et renum. Hyperplasia 
acuta lienis. Septicaemia. Magen und Darm boten keine Ab¬ 
weichungen von der Norm dar. 


Unser Fall ist also den oben angeführten Fällen von Appendicitis 
mH Bluterbrechen ähnlich. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die übrigen 
Anfälle von Bluterbrechen, welche innerhalb der letzten 2 Lebensjahre der 
Patientin auftraten, gleichhüls auf Rechnung wiederholter Appendicitisanfälle 
zu setzen sind und nicht auf rundes Magengeschwür, wie wir anfänglich 
anzunehmen geneigt waren. Als Beweis dafür kann der Umstand dienen, 
dass die Autopsie auf der Magenschleimhaut keine Narben aufgedeckt hat 
Allerdings hat die Sektion diejenigen Ulcerationen, welche in den Fällen 
von Charlot, Quyot und Carles gefunden worden waren, nicht ergeben. 
Aber dieser Umstand spricht nur dafür, dass es sich in unserem Falle nur 
um parenchymatöse Blutungen gehandelt hatte; dass solche Blutungen mög¬ 
lich sind, beweisen die unlängst von Reichard 8 ) veröffentlichten 3 Fälle 
von tödlicher Parenchymblutung aus dem Magen. 

Der von uns geschilderte Fall unterscheidet sich von den Fällen von 
Dieulafoy, Charlot etc. durch den langwierigen Verlauf des Krankheits¬ 
prozesses. Die Kranke hat im Krankenhause 49 Tage verbracht In den 
Fällen der oben erwähnten Autoren war der Krankheitsverlauf ein sehr 
kurzer; in manchen Fällen wirkte das Bluterbrechen direkt mit blitzartiger 
Schnelligkeit 

Die Komplikation der Appendicitis mit Bluterbrechen ist ein sehr 
wichtiger Umstand, der in radikaler Weise die gegenwärtige Auffassung von 
der Pathogenese der Appendicitis zu ändern vermag. In der That ist es 


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heute noch allgemein üblich, in jedem einzelnen Falle von Appendidtis vor 
allem mit dem Entwicklungsgrade der lokalen Veränderungen zu rechnen, 
sowie auch damit, inwiefern diese Veränderungen das Peritoneum bedrohen. 
Dem entsprechend werden gewöhnlich die Indikationen zur operativen Inter¬ 
vention festgesetzt Nun lässt das Bluterbrechen als Begleiter und Vorbote 
einer allgemeinen Infektion des Organismus annehmen, dass es doch nicht 
genügend ist, sich ausschliesslich von diesen Betrachtungen leiten zu lassen. 
Die Intensität der allgemeinen Infektion wird bei Appendidtis augenschein¬ 
lich keineswegs durch den Grad des lokalen Prozesses bestimmt Darauf 
weist wenigstens der erste Fall von Dieulafoy hin. In diesem letal ver¬ 
laufenen Falle ergab die Operation, wie wir gesehen haben, verhältnismässig 
unbedeutende Veränderungen im Gebiete des Wurmfortsatzes, wobei im 
Peritoneum Eiter nicht immer gefunden wurde. 

Nun fragt es sich, welche Ursachen liegen der allgemeinen 
Infektion des Organismus bei Appendicitis zu Grunde? Noth¬ 
nagel 9 ) sagt in seinem Lehrbuche, dass es sich in den meisten Fällen von 
Appendidtis nicht um eine einfache, sondern um eine multiple Infektion 
handelt, bei der der Badllus coli die erste Stelle einnimmt 

Zu den übrigen Mikroorganismen, die bei Appendicitis gefunden 
werden, gehören unter anderem Staphylokokkus citreus und Streptokokkus. 
Die Rolle dieser letzteren ist vollkommen klar. Durch diese Mikrokokken 
wird augenscheinlich eine Eiterung im Gebiete des Wurmfortsatzes hervor¬ 
gerufen, welche einerseits das Peritoneum bedroht, anderseits stets Neigung 
zeigt, sich dem transperitonealen Zellgewebe entlang auszubreiten. Durch 
diese Mikroorganismen wird auch der wohl bekannte septische Zustand 
bewirkt, der eitrige Prozesse, die sich in den inneren Organen abspielen, 
begleitet 

Was den Bacillus coli communis betrifft, so ist es sehr wahrschein¬ 
lich, dass er eben der spezifische Mikroorganismus der Appendicitis ist 
und dass durch denselben die Allgemeininfektion des Organismus bei der 
Entzündung des Wurmfortsatzes und eo ipso das Bluterbrechen hervor¬ 
gerufen wird. 

Sollte es sicht hatsächlich so verhalten, so muss man die Appendicitis 
als eine infektiöse Erkrankung des Follikelapparates des Processus vermi- 
cularis mit konsekutiver Allgemeininfektion des Organismus betrachten. Der 
infektiöse Charakter der Appendicitis findet eine gewisse Bestätigung in der 
von Prof. Golubow 10 ) abgegebenen Erklärung, dass er in Moskau in den 
Jahren 1895—1896 eine Appendicitis-Epidemie beobachtet hat Von dem¬ 
selben Gesichtspunkte ausgehend, verrieben wir Sahli vollkommen, wenn 
er es möglich findet, von der Entzündung des Wurmfortsatzes als von einer 
Angina zu sprechen. Der Processus vermiformis ist bekanntlich überreich 
mit adenoidem Gewebe versehen, welches bei der Entzündung desselben 
das Objekt des pathologischen Prozesses abgiebt Damit stimmt die That- 
sache überein, dass die grösste Zahl der Erkrankungen des Wurmfortsatzes 
auf das Lebensalter bis zu 30 Jahren entfällt Nach 30 Jahren, d. h. zu der 
Zeit, zu der die Follikel nach den Beobachtungen von Ribbert 11 ) zu atro- 
phieren beginnen, nimmt die Anzahl der Erkrankungen an Appendidtis 


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auffallend ab. Unter 130 von Nothnagel beobachteten Fällen befinden 
sich 44 Patienten im Alter von 11—20 Jahren, 57 im Alter zwischen 21 und 
30 und nur 14 Patienten im Alter von 31—40 Jahren. 

Zwischen der Pathogenese der Diphtherie und der Appendicitis be¬ 
steht eine vollständige Analogie Während aber bei Diphtherie die allge¬ 
meine Infektion ausschliesslich durch Toxine bedingt wird, bleibt für die 
Appendicitis die Frage noch offen, ob wir es hier mit einer Bakteriämie 
oder Toxinämie zu thun haben. 

Dieulafoy spricht sich, wie wir gesehen haben, zu gunsten der 
Intoxikation aus. Betrachtet man den Bacillus coli communis als ätiologi¬ 
sches Agens der Appendicitis, so sind die Beobachtungen von Seitz-Zfirich 
für die Lösung der vorerwähnten Frage von gewisser Bedeutung. Dieser 
Autor hat einige Fälle 11 ) von verschiedenen Magendarmstörungen beobachtet, 
die von schweren Gehimsymptomen begleitet waren und letal endeten. Die 
Sektion hat keine anatomischen Veränderungen im Oehim ergeben, jedoch 
gelang es, aus dem Blute der Gehimarterien und anderer Organe den 
Badllus coli communis in Reinkultur zu züchten. 

Es ist zu bedauern, dass in den Fällen von Charlot, Quyot und 
Carl es eine bakteriologische Untersuchung der ulcerierten Stellen der Magen¬ 
schleimhaut nicht stattgefunden hat 

Von dem Standpunkte ausgehend, dass die Appendicitis eine zur 
allgemeinen Intoxikation des Organismus führende Krankheit ist, empfiehlt 
Dieulafoy, die Kranken möglichst frühzeitig zu operieren, um zu verhindern, 
dass sich im Wurmfortsätze Toxine bilden und eine allgemeine Intoxikation 
des Organismus stattfinde. Es kommt sehr häufig vor, dass nach einem 
stürmischen Anteil die Appendicitiserscheinungen gleichsam nachlassen; man 
darf aber nach der Ansicht Dieulafoy’s dieser scheinbaren Besserung nicht 
vertrauen, da trotz derselben Erscheinungen von allgemeiner Intoxikation 
mit Bluterbrechen eintreten und die Kranken rasch zu Grunde gehen können. 

Bezüglich der Prognose bemerkt Dieulafoy, dass die mit Blut¬ 
erbrechen komplizierten Fälle von Appendicitis eine unbedingt ungünstige 
Prognose darbieten. Fälle von Genesung sind äusserst selten. 

Man muss den Schlussfolgerungen Dieulafoy’s zweifellos nachsagen, 
dass sie logisch und konsequent sind. Anderseits ist es aber, wenn man 
Schlussfolgerungen auf Grund eines so unbedeutenden Materials aufstellen 
darf, nicht schwer zu bemerken, dass dasselbe Material eine gewisse Berech¬ 
tigung auch für Schlussfolgerungen entgegengesetzter Natur giebt In der 
That ist unter den 11 veröffentlichten Fällen nur ein einziger mit Ausgang 
in Genesung vorhanden (der zweite Fall von Dieulafoy). Bezüglich des 
5. Falles macht der Autor keine bestimmten Angaben. Sämtliche Fälle 
wurden operiert Ausserdem ist darauf hinzuweisen, dass das Bluterbrechen 
und der schwere Allgemeinzustand bei sämtlichen Kranken nur nach und 
sogar unmittelbar nach der Operation eingetreten waren, mit Ausnahme des 
5. Falles von Dieulafoy. 

Wäre man nun in anbetracht dieses Umstandes nicht berechtigt, zu 
vermuten, dass hier vielleicht das mit der chirurgischen Intervention ver¬ 
bundene Trauma eine traurige Rolle gespielt hat? Mit anderen Worten, wir 

Nr. 9. 


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stehen hier vor der Frage, ob wir in den angeführten Fällen nicht mit einer 
Erscheinung zu thun haben, welche mit derjenigen identisch ist, die nach 
Operationen an tuberkulös affizierten Geweben beobachtet wird. Die Chi¬ 
rurgen haben, wie Eichhorst 18 ) sagt, mehrfach behauptet, dass es nach 
Operationen an tuberkulös affizierten Knochen und Gelenken zur allge¬ 
meinen Miliartuberkulose kommt, und dass dieselbe Folgeerscheinung auch 
nach operativer Beseitigung von tuberkulösen Fisteln des Mastdarms beob¬ 
achtet worden sein soll. Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch in den oben 
mitgeteilten Fällen das mit der Operation unvermeidlich verknüpfte Trauma 
dazu beigetrage n hat, dass sich das infektiöse Agens dem ganzen Orga¬ 
nismus mitgeteilt und zu Verschlimmerung des Allgemeinzustandes und zu 
Bluterbrechen geführt hat 

Ich muss hinzufügen, dass dies unsererseits nur eine Hypothese ist, 
zu deren Bestätigung Beobachtungen an einer grösseren Anzahl von Kranken 
in demselben Masse erforderlich sind, wie zur Bestätigung der von Dieu- 
lafoy aufgestellten Schlussfolgerung, dass bei Appendicitis zur Vermeidung 
einer allgemeinen Intoxikation des Organismus und des Bluterbrechens 
unverzüglich zur Operation geschritten werden muss. 

Was unsere Patientin betrifft, so hat dieselbe bis zur letzten Er¬ 
krankung zweifellos mehrere Anfälle von Appendicitis durchgemacht, die 
mit Bluterbrechen kompliziert waren, welches jedesmal einen günstigen Aus¬ 
gang nahm. Das klinische Bild des ausserordentlich langwierigen letzten 
Anfalles setzte sich aus zwei Momenten zusammen: einerseits fand hier eine 
allgemeine Infektion des Organismus mit dem spezifischen Agens da- Ap¬ 
pendicitis statt (Intoxikation im Sinne Dieulafoy's oder Bakteriämie oder 
das eine oder das andere zusammen); darauf weist das Bluterbrechen hin, 
welches zu Beginn der Erkrankung und in den letzten dem Tode voran¬ 
gegangenen Stunden bestand. Im Anfangsstadium der Krankheit herrschte 
dieses Moment augenscheinlich vor, da das Bluterbrechen bereits dann auf¬ 
trat, als in der Fossa ileocoecalis ein Exsudat noch nicht vorhanden war. 
Anderseits war der Verlauf der Krankheit durch die bei der Sektion 
konstatierte diffuse Eiterung gekennzeichnet Permanente Schüttelfröste und 
Schweisse bestanden längere Zeit bei verhältnismässig befriedigendem All¬ 
gemeinzustand. Nur in den letzten 10 Tagen hat sich der Allgemeinzustand 
bedeutend verschlimmert, und zwar infolge der durch die vorerwähnte 
Eiterung bedingten Sepsis. 

Es unterliegt keinem Zweifel, dass das erste Moment in unserem 
Falle eine weniger intensive Rolle gespielt hat, als in den Fällen von Char- 
lot, Ouyot etc. Die allgemeine Intoxikation im Sinne Dieulafoy’s war 
in unserem Falle verhältnismässig keine schwere, da es zur Bildung cha¬ 
rakteristischer nekrotischer Ulcerationen auf der Magenschleimhaut nicht 
gekommen, sondern der Prozess auf parenchymatöse Blutungen beschränkt 
geblieben ist Wenn also in unserem Falle eine möglichst frühzeitige Ope¬ 
ration nötig war, so kam nicht die Verhütung der Allgemeinintoxikation 
und des Bluterbrechens, welches innerhalb der dem Anfangsstadium der 
Erkrankung folgenden 39 Tage bestand, in Betracht, sondern die Verhin¬ 
derung des suppurativen Prozesses, dem die Patientin erlag. Leider setzte 


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die Patientin unseren dringlichsten Anratungen einer Operation hartnäckigen 
Widerstand entgegen. 


Litteratur-Verzeichnis. 

1) Appendicite et gastrorragie. Sodltl d’anatomie et de Physiologie de Bor¬ 
deaux, slance du 20. novembre 1899. 

2) Appendicite et gastrorragie. Gazette hlbdomadaire, 1900, 1 tevrier. 

3) Les h£mat£meses dans l’appendidte. Thfese, Paris 1900, juillet. 

4) Bulletin de I’Acadlmie de mldedne, 1901, Nr. 6. 

5) Zitiert nach Dieulafoy. 

6) Ibidem. 

7) Ibidem. 

8) Deutsche medidn. Wochenschrift, 1900, Nr. 20. 

9) Nothnagel: Die Erkrankungen des Darmes und des Peritoneums. 

10) Berliner klin. Wochenschrift, 1897, Nr. 1. 

11) Zitiert nach Dieulafoy. 

12) Darmbakterien und Darmbakteriengifte im Gehirn. Correspondenzblatt für 
Schweizer Aerzte, 1900, Nr. 4. 5. 

13) Lehrbuch der speziellen Pathologie und Therapie, Bd. 5. 


Referate. 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1902 zu ergänzen.) 

Croftan, C: On experimental Investigation into the causes and the treatment of Dia¬ 
betes mellitus. (Amer. journ. of med. sdenc, April.) 

Sehr fleissige experimentelle Arbeit, in der die Versuche von Lupine, 
Arthus, Krauss Aber die Existenz eines zuckerspaltenden Fermentes im Blute 
wiederholt und erweitert worden sind. 

Verf. kommt zu folgenden hauptsächlichen Schlüssen: 

1. Blut und Lymphe enthalten ein Agens, welches Zucker zerstören kann. 

2. Das Agens ist in den Blutkörperchen, nicht im Serum enthalten. Es löst 
sich in physiologischer Kochsalzlösung, ist nicht organisiert und nicht ab¬ 
hängig vom Leben der Zelle. Die Glykolyse ist kein vitaler, sondern ein 
chemischer Vorgang. 

3. Das Agens ist gebunden an die weissen Blutkörperchen. 

4. Die Entfernung des Pankreas vermindert die glykolytische Kraft des Blutes. 

5. Lösungen des glykolytischen Ferments und Lösungen von Trypsin sind, 
wenn nicht identisch, so doch so ähnlich, dass sie durch die uns zu Ge¬ 
bote stehenden Methoden nicht unterschieden werden können. Bis das 
Oegenteil bewiesen wird, sind wir zu der Annahme berechtigt, dass das 
glykolytische Ferment des Blutes und der Gewebe nichts anderes als 
Trypsin ist 

Beide können Fibrin in alkalischen Lösungen verdauen; beide können ge¬ 
wisse koagulierbare Lösungen koagulieren; beide können Thrombose verursachen, 
geben gewisse Proteid-Reaktionen, sind durch verdünnte Essigsäure fällbar, durch 
Alkohol fällbar. Beide sind nach Zusammenbringen mit Alkohol in Wasser lös¬ 
lich. Beide können Gallenfarbstoff und Gallensäuren aus Hämoglobin bilden in 
Oegenwart kleiner Mengen von Dextrose; diese Eigenschaft geht beiden verloren, 


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wenn keine Dextrose zugegen ist Beide haben glykolytische Wirkung in Oegen- 
wart von Hämoglobin und verlieren dieselbe, wenn Hämoglobin fehlt Beide 
Substanzen endlich werden durch Berührung mit Urin inaktiv, so dass keine 
derselben normalerweise durch die Nieren in aktiver Form sezemiert wird. 

Den Schluss der Arbeit bildet die Aufstellung therapeutischer Gesichts¬ 
punkte. Unser therapeutisches Streben muss, allgemein gesprochen, dahin gehen, 
die Glykolyse zu vermehren. Diesbezügliche Versuche wurden gemacht und 
ergaben: 

1. Injektionen von Leukocyten-Extrakt und von Tiypsin wirkten so schädlich 
auf Tiere, dass Versuche beim Menschen nicht gemacht werden konnten. 

2. Nach weiteren Tierversuchen erscheint es rationell, die Infusion von Lymphe 
* und die Transfusion von Blut bei Diabetes mellitus zu versuchen. 

Hesse (Kissingen). 

Robin, Albert et Bardet, 0.: Un mddicament aromatique exdtateur des dchanges or- 
ganiques. Pyramidon et antipyrine. Communicat du congrfes de med. (Bull. gdn. 
de thdr., 1900, vol. 140, p. 113.) 

Im Gegensatz zum Antipyrin wirkt das Derivat desselben, das Pyramidon (Di- 
methylamidoantipyrin), anregend auf den Stoffwechsel; es ist daher, wie die Verff. 
auch in einem Falle nach weisen konnten, speziell für die Behandlung des Diabetes 
nicht geeignet; die Zuckerausscheidung nahm bei Verabreichung von tägl. 0,4—1,0g 
Pyramidon während 10 Tagen erheblich zu und sank sofort beim Aussetzen des 
Mittels; das gleiche Verhalten zeigte die Hamstoffausscheidung. Antipyrin dagegen 
setzte die Zuckerausscheidung noch weiter herab. Schade (Göttingen). 

Fischer, Louis: A case of Stomatitis gangrenosa (Noma). (Amer. joum. of med. 

sdenc., April.) 

Bakteriologische Untersuchung eines Falles von Noma. Ein spezifisches 
Bakterium wurde nicht entdeckt. Hesse (Kissingen). 

Robin, Albert: I. Traitement hydrologique des dyspepsies. II. Le traitement hydro- 
minfaü dans les dyspepsies. (Bull. g6n. de thär., 1900, tome 140, p. 277 ff.) 

Die vorliegende Abhandlung ist dem Buche R.’s: Les maladies de 
l’estomac entnommen und betrifft die Anwendung von Bade- und Trinkkuren in 
der Therapie der Dyspepsieen. Drei Punkte sind es, welche eine wirksame Wasser¬ 
behandlung der dyspeptischen Erkrankungen zur Voraussetzung hat Erstens be¬ 
darf es einer genauen Feststellung der therapeutischen Indikationen, wie sie sich 
aus der Erkennung der Krankheit ergeben; zweitens gilt es, die Wirkungen der ver¬ 
schiedenen Wässer und ihrer Bestandteile auf die Magenthätigkeit und den Stoff¬ 
wechsel im allgemeinen zu erforschen; erst an dritter Stelle kommt dann die Aus¬ 
wahl einer für die betreffende Erkrankung passenden Kur. Die zahlreichen Miss¬ 
erfolge bei der Behandlung der Dyspepsieen mit Mineralwasserkuren erklären sich 
teils aus der Nichtbeachtung dieser unerlässlichen Vorbedingungen, teils aber auch 
dadurch, dass unsere Kenntnisse über die Wirkung der Mineralwässer zur Zeit noch 
recht lückenhaft sind. Ein anderer Teil der Misserfolge ist schliesslich dem Umstande 
zuzuschreiben, dass viele Patienten in dem unruhigen und üppigen Leben mancher 
Badeorte die nötigen hygienischen und diätetischen Vorschriften ausser acht lassen; 
die Bade resp. Trinkkur ist eben nur einer der zahlreichen Heilfaktoren, deren 
Zusammenwirken zur Heilung des Leidens unerlässlich ist. 

Der Mineralwasserbehandlung der Dyspepsieen legtR. die von ihm vorge¬ 
nommene Einteilung in eine hypersthenische und eine hyposthenische Dys¬ 
pepsie zu Grunde. Die hypersthenische Form ist, welche Aetiologie sie auch 
haben mag, im allgemeinen charakterisiert durch eine Steigerung aller Magenfunk¬ 
tionen (Hyperchlorhydrie, spastische Kontraktionen der Muskulatur etc.), die hypo¬ 
sthenische Form dagegen durch eine Herabsetzung der Magenthätigkeit (Hypo- 


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chJorbydrie, Atonie). Diese beiden sich einander diametral gegenüberstehenden 
Formen verlangen natürlich auch eine verschiedene Behandlungsweise. Für die 
hypersthenische Dyspepsie stellt R. den durch wissenschaftliche Untersuchungen 
wie ganz besonders durch die praktische Erfahrung begründeten Satz auf, dass 
für dieselbe im allgemeinen — von einzelnen Ausnahmen abgesehen — die 
salz- und kohlensäurearmen Thermen mit sedativer Wirkung angezeigt sind, 
und zwar vorzugsweise in Gestalt von Badekuren. Wegen ihrer erregenden 
Wirkung sind Seebäder bei der hypersthenischen Dyspepsie nicht geeignet, 
jedenfalls würden dann nur die südlich gelegenen Küstenorte in Frage 
kommen. Höhenkuren, Trauben- und Molkenkuren sind dagegen zuweilen 
von gutem Erfolg. Kontraindiziert sind die stark mineralhaltigen Wässer; 
diese bilden, vorzugsweise in Form von Trinkkuren, die geeignete Behandlung 
der hyposthenischen Form der Dyspepsie; unter ihnen nimmt Vichy den ersten 
Rang ein. Die hyposthenische Dyspepsie wird auch durch Seebäder im allge¬ 
meinen günstig beeinflusst; Höhenkuren empfiehlt R. als Nachkur. Bei der Wahl 
des einzelnen Kurortes hat man nicht nur auf die Ursache, die Form und das 
Stadium der Krankheit, sondern auch auf einzelne im Vordergrund stehende 
Symptome, etwaige Komplikationen sowie auf die Oesamtkonstitution des Patienten 
und das Verhalten des Stoffwechsels Rücksicht zu nehmen. Auf die Indikationen 
der einzelnen von R. aufgezählten, vorzugsweise französischen Bäder kann hier 
nicht näher eingegangen werden. Schade (Oöttingen). 

Dakhö: Troubles gastriques de la m&iopause et leur traitement Soc. de th€r. 

Seance du 1er aoüt 1900. (Bull. g6n. de th£r., 1900, tome 140, p. 411.) 

Störungen der Magenthätigkeit während der Menopause sind ausserordent¬ 
lich häufig. Sie treten entweder zuerst mit dem Beginn des Klimakteriums auf 
oder bestanden schon vorher und erfahren in letzterem Falle nur eine Steigerung. 
Ihre Ursache kann in zwei dem Klimakterium eigenen Momenten gesucht werden: 
in dem Nachlassen der inneren Sekretion der Ovarien oder in Zirkulations¬ 
störungen in Gestalt von Fluxionen, wie sie nach den verschiedensten Organen hin 
schon bei der gewöhnlichen Menstruation, in verstärktem Masse aber während 
der Menopause stattfinden. Die Bedeutung des ersten Momentes, des Versiegens 
der inneren Sekretion der Ovarien, für die Entstehung der klimakterischen Be¬ 
schwerden ist noch nicht genügend geklärt, dagegen muss dem zweiten eine 
wichtige ätiologische Rolle zugesprochen werden. 

Die Magenstörungen des Klimakteriums entstehen nun entweder direkt 
auf dem Boden der erwähnten Zirkulationsstörungen, oder sie hängen von anderen 
das Klimakterium häufig begleitenden krankhaften Erscheinungen (Oenitalerkran- 
kungen, Neurasthenie etc.) ab. Die Form, in der sie auftreten, ist nach D.’s 
Meinung amhäufigsten die Hyperchlorhydrie, weniger die kontinuierliche als;die 
intermittierende, zur Zeit der nachlassenden oder schon ganz fehlenden Menses 
in Form von Anfällen auftretende Hyperchlorhydrie. Vikariierende Blutungen hält 
D. auch bei intakter Magenschleimhaut nicht für unmöglich. 

Die Behandlung hat zunächst prophylaktisch durch eine zweckentsprechende 
Hygiene und Diätetik während der Menopause die Verhütung dieser Störungen 
zu erstreben. Die Anfälle selbst verlangen eine derivierende Behandlung (Senf¬ 
bäder, heisse Sitzbäder, Blutentziehungen etc.), in den Intervallen kommt die ge¬ 
wöhnliche Behandlung der Dyspepsie in Verbindung mit hydrotherapeutischen 
Massnahmen in Frage. Trotz des noch nicht aufgeklärten Zusammenhangs 
zwischen der mangelhaften inneren Sekretion der Ovarien und den krankhaften 
Störungen während der Menopause erscheint es angesichts der zuweilen erzielten 
guten Resultate gerechtfertigt, einen therapeutischen Versuch mit Ovarialsubstanz 
auch bei den dyspeptischen Erkrankungen des Klimakteriums zu machen. D. rät, 
das Präparat in den freien Intervallen zu geben, da es während der Anfälle 
häufig nicht gut vertragen wird, Schade (Göttingen), 


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Benderaky, J. (Kiew): Du vomissement nerveuz et son traitement (Bull. g6n. de 
th6r., 1900, tome 140, p. 517.) 

Die gleiche noch anderen Orts erschienene Arbeit ist bereits in Nr. 19 
dieses Centralblatts, 1900, S. 504 referiert. Schade (Göttingen). 

Bemert: Uebcr Acetonarie bei Typhus abdominalis. (Ztschr. f. Heilkunde, Bd. 23, H. 2.) 

Gewöhnlich fehlt im Fieberurin und Urin Typhöser Aceton als Ausscheidungs¬ 
produkt. Bemert verfolgte deshalb eine grössere Zahl von Patienten, um irgend 
eine Oesetzmässigkeit für das Auftreten zu suchen. Seine Untersuchungen ergaben, 
das keinem Krankheitssymptom mit Recht das Kriterium vindiziert werden darf, 
dass es die Acetonurie, welche von Diaceturie nicht zu trennen ist, erzeuge oder 
beeinflusse. Die Unterernährung, bedingt durch das Fieber und die mangelnde 
Appetenz, blieb allein als ätiologisches Moment übrig, und der Fettstoffwechsel bedingt 
Acetonbildung; ausser der Inanition sprechen aber wahrscheinlich Individualität 
des Krankheitserregers und des Patienten mit, da nicht bei allen Patienten Aceton¬ 
urie auftritt. Ferner kann Acetonurie noch im postfebrilen Stadium andauem, da 
die Unterernährung noch fortbesteht. Auch lässt sich die Menge des ausgeschiedenen 
Acetons durch Zufuhr verschiedener Nährstoffe in deutlich nachweisbarem Grade 
beeinflussen; 100 g Dextrose erniedrigten die Menge von 0,68 g auf 0,06 g inner¬ 
halb 24 Stunden, nicht aber 50 g Dextrose, das Eiweisspräparat Carnigen reduzierte 
bei Zufuhr von 38 g die Acetonmenge von 0,64 auf 0,258 g. 

Eiweiss kann heute nicht mehr als Quelle des Acetons angesehen werden, 
wie es von den Kohlenhydraten längst erwiesen ist Auch ein einfacher Abbau 
von Fett wird nicht /J-Oxybuttersäure, Acetessigsäure und Aceton erzeugen, sondern 
wahrscheinlich entstehen sie auf synthetischem Wege. Wenn das Eiweiss zur 
Bildung beiträgt, so liefert es zur Synthese nur einen Teil des nötigen Materiales. 

Schilling (Leipzig). 

Baylac, J. (Toulouse): Del’utilfte des lavements de sdrum artifldel dans le trahement 
de la fttvre typhoide. Soc. de th6r. Sdance du 1 er aoüt 1900. (Bull. g6n. de 
thdr., 1900, tome 140, p. 443.) 

B. rühmt den Kochsalzklysmen in der Behandlung des Typhus eine aus¬ 
gezeichnete Wirkung nach. Die Einläufe — morgens und abends */*—1 Liter 
0,5%iger Kochsalzlösung von 15° — hatten in allen Fällen eine starke Diurese 
und ein Sinken der Fieberkurve um durchschnittlich 0,5—0,6° zur Folge; auch 
machte sich ein günstiger Einfluss auf die nervösen Störungen sowie auf die Er¬ 
scheinungen von seiten des Digestionsapparates bemerkbar. 

Schade (Göttingen). 

Frank, Louis: Primary tuberculosis of the liver. (Amer. joum. of med. scienc., 

April.) 

Verf. beschreibt einen Fall von primärer Tuberkulose der Leber bei einem 
41jährigen Manne und bespricht diese sehr seltene Erkrankungsform. Die In¬ 
fektion der Leber erfolgte vom Darm her auf dem Wege des Portalkreislaufs. 
Eingangspforte für die Tuberkelbacillen bildet ein Darmgeschwür. Von der Leber 
aus können dann sekundär andere Abdominalorgane und das Peritoneum infiziert 
werden. Die Tuberkulose der Leber führt zu interstitieller Hepatitis und verlief 
innerhalb von 12 Monaten tödlich. Hesse (Kissingen). 

Kakels, M. S.: A contribution to the study of primary sarcoma of the tail of the 
pancreas. (Amer. journ. of med. scienc., März.) 

Nach Angabe des Verf.’s sind bisher 21 Fälle vom Pankreas-Carcinom in 
der Litteratur beschrieben und hiervon nur 3 im Schwanzteil des Pankreas. Diesen 
letzteren fügt Verf. einen neuen Fall hinzu, den er bei einer Frau von 51 Jahren 
beobachtete. Er bespricht die oft so wenig charakteristische Symptomatik und 


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erwähnt hierbei auch, dass derartige Tumoren oft durch Druck auf den Plexus 
solaris äusserst heftige Schmerzen verursachen. Ref. möchte nach eigenen Er¬ 
fahrungen auf die gewiss auch sonst schon gemachte Beobachtung wieder auf¬ 
merksam machen, nach der Tumoren des Pankreas diese heftigen Schmerzen be¬ 
sonders im Liegen verursachen, während der Patient, solange er steht oder sitzt, 
weniger oder gar nicht geplagt ist. 

Der vorliegende Fall ist histologisch untersucht, und ein Litteraturverzeich- 
nis ist angefügt. Hesse (Kissingen). 

Murray, Ledie: Chylous ascites due to peritoneal cardnoma. (Edinburgh med. joum., 

April.) 

Cardnom des Peritoneums mit chylösem Ascites. Kasuistische Mitteilung. 

Hesse (Kissingen). 

Saqaet (Nantes): Action trophique locale du massage abdominal !£ger. (Bull. g6n. 
de thta, 1900, tome 140, p. 644.) 

S. glaubt, dass man bisher nur die günstige Einwirkung der Bauchmassage 
auf den Allgemeinzustand gewürdigt, den günstigen lokalen Einfluss aber nicht ge¬ 
nügend betont hat Bei denjenigen Patienten, deren Allgemeinbefinden unter dem 
Einflüsse der Bauchmassage sich besserte, beobachtete er meistens auch eine 
auffallend schnelle Veränderung in der Konfiguration des Bauches, der, wie z. B. 
io einem Falle von Enteroptose, vollere Formen annahm, während gleichzeitig die 
Beschwerden schwanden. Was sich durch die Diät im Laufe von Jahre erreichen 
lasst, erzielt man mit der Massage in wenigen Wochen. Die Leibbinde ist zu 
verwerfen, da sie durch Beeinträchtigung der Zirkulation zur allmählichen Atrophie 
der Bauchmuskulatur und der Eingeweide führt. S. betont, dass allein die sanfte 
Massage anzuwenden ist, da die energische Massage des Bauches eine Abnahme 
des Leibesumfangs bewirkt. Die Dauer der täglichen Sitzungen beträgt 10—20 
Minuten. Schade (Oöttingen). 

Detove: Nephrite parenchymateuse avec lactescence du staun. (Gazette des höpitaux, 

Nr. 9.) 

In dieser klinischen Vorlesung stellt Debove zunächst einen Patienten 
mit hochgradiger chron. parenchymatöser Nephritis vor und bespricht im An¬ 
schlüsse daran einige Punkte aus der Pathologie dieser Krankeit. Er erwähnt zu¬ 
nächst, dass anatomisch alle Nephritiden gemischter Natur seien, d. h. sowohl Pa¬ 
renchym wie interstitielles Oewebe betreffen, und dass sehr oft der Obduktions¬ 
befund keinerlei Erklärung für das klinische Verhalten in dem betr. Falle giebt. 
Bezüglich der Pathogenese der chronischen Nephritis nimmt er an, dass nach 
einer Infektion eine Alteration des Blutes zurückbleibt, welche die Nephritis unter¬ 
halt und fortschreiten lässt, dass diese also nicht aus einer akuten Nephritis her- 
voigehe. 

Das Zeichen der bleibenden Modifikation des Blutes ist in dem vorge¬ 
stellten Falle eine Laktescenz des Serums. Achard konnte experimentell durch 
intravenöse Proteus-Injektionen bei Kaninchen Nephritis mit Laktescenz des 
Serums hervorrufen. Castaigne fand, dass diese Laktescenz auch ohne Nephritis 
Vorkommen kann und dass sie sehr selten bei interstitieller, häufig dagegen bei 
parenchymatöser Nephritis gefunden werde. Das anatomische Substrat dieser 
Laktescenz stellen kleine Granula dar, die Widal und Sicard für albuminoide 
hielten; Jousset fand dagegen, dass diese Körnchen in Alkoholäther löslich und 
somit einer fettartige Substanz seien; nach ihm sind sie offenbar die Produkte 
einer fettigen Degeneration der Leukocyten. 

Man findet diese Laktescenz des Serums: 1. Bei Nephritis parenchymatosa, 
und zwar hier bei den meisten Fällen, am ausgeprägtesten bei Amyloidniere. 
2. Bei Infektionen. Fast die Hälfte aller Typhuskranken hat zu Beginn der Krank- 


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heit opalescentes Serum. Offenbar ist dieses Verhalten unabhängig von einer 
gleichzeitigen Nierenalteration, denn es bestehen keine Beziehungen zwischen 
der Albuminurie und Opalescenz. Häufig ist letztere ferner bei Milzbrand, 
Pneumonie, selten bei Miliartuberkulose. 3. Leichte Opalescenz findet sich bei 
*/s aller Herzkranken im letzten asphyktischen Stadium. 

Offenbar ist diese Laktescenz nicht direkt abhängig von der Kost der 
Kranken; Milchregime ist bei Typhus mit Nephritis ohne Einfluss auf den Orad 
derselben. Indes findet man doch bei reichlicher Fettzufuhr bei chronischer Ne¬ 
phritis (150 g Butter pro Tag) eine Zunahme der Laktescenz im Blutserum. 

Debove empfiehlt, zur Diagnose der parenchymatösen Nephritis die Per¬ 
meabilität für Methylenblau und die Laktescenz des Serums heranzuziehen. 

M. Cohn (Kattowitz). 

Marischier, J.: Ueber den Einfluss des Chlornatriums auf die Ausscheidung der kranken 
Niere. (Archiv f. Verdauungskrankheiten, Bd. 7, H. 4. 5.) 

M. kommt auf Orund der Untersuchungen, die er an 7 Nierenkranken über 
den Einfluss der internen Zufuhr von Na CI auf den Oesamtstoffwechsel anstellte, 
zu folgenden Resultaten: 

1. Die parenchymatös erkrankte Niere ist sogar in Fällen von verminderter 
Diurese für Na CI gut durchgängig. 

2. Eine eventuelle Minderausscheidung der Chloride findet ihre Erklärung in 
der Zurückhaltung des Wassers. 

3. Die Diurese nach Kochsalzeinfuhr ist bei parenchymatöser Nephritis, selbst 

bei gleichzeitiger Erhöhnug der Wasserzufuhr, stark beeinträchtigt Bei 
interstitieller Nephritis kann es sogar zum Wasserveriuste des Organismus 
kommen. J. Strauss (Frankfurt a. M.). 

Goetzl (Prag): Untersuchungen über reflektorische Anarie. Aus dem tierphysiolog. 
Institut der Kgl. landwirtschaftl. Hochschule zu Berlin. (Pflügeris Archiv, Bd. 83, 

S. 628.) 

Israel hat einen Fall reflektorischer Anurie beschrieben, in welchem die 
Erhöhung des intrarenalen Druckes in einer Niere durch intermittierende Hydro- 
nephrose Sekretionsstillstand in der anderen Niere bedingte, derart dass die Be¬ 
seitigung der Spannung durch Punktion die Anurie aufhob. Verf. suchte diesen 
Vorgang im Tierexperiment zu wiederholen, indem er durch Injektion von 4%iger 
Kochsalzlösung in eine Niere vom Ureter aus den intrarenalen Druck erhöhte. 
An Hunden wurden in beide Ureteren Kanülen eingebunden und nach Fest¬ 
stellung der normalen Sekretion der eine Ureter mittels T-Rohr mit einer grossen 
Injektionsspritze und einem Manometer verbunden, ln 2 Versuchen (von 10) ge¬ 
lang es, durch die Drucksteigerung eine Sekretionsabnahme der anderen Niere zu 
erzielen; in einem dritten Versuch trat Sekretionsstillstand nicht nur durch Ein¬ 
spritzung von Kochsalzlösung ein, sondern auch durch zeitweiligen Verschluss 
des Ureters. Verf. glaubt somit nicht in der Höhe des Druckes, sondern in einer 
gewissen Stetigkeit desselben das veranlassende Moment zu sehen. 

Szubinski (Göttingen). 

Variot et Roy: Un cas de gehre exophtbmique chez un gargon de quatre ans et demi 
avec la triade symptomatique typique: Exophthalmil, goitre, tachycardie. (Sociltl 
mödicale des höpitaux, 6. Dez. 1901.) 

Vorstellung des vielleicht jüngsten Patienten mit Basedowscher Krank¬ 
heit Es handelt sich um einen 4 1 /,jährigen Knaben, der vor 1V* Jahren Keuch¬ 
husten überstand. Seit dieser Zeit bemerkte die Mutter an ihm, dass er abmagerte 
und die Augen auffällig hervortraten. Der klinische Befund war folgender: Doppel¬ 
seitiger Exophthalmus mit Lagophthalmus bei Lidschluss. Die Schilddrüse ist ver- 
grössert und lässt bei Palpation Oefässschwirren fühlen. Die Pulsfrequenz be- 


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trägt 152—168 und sinkt selbst im Schlaf nie unter 140. Das Herz ist leicht nach 
rechts hin vergrössert; an der Herzspitze ist ein systolisches Geräusch zu hören. 
Milz und Leber sind beträchtlich vergrössert, das Aussehen des Knaben ist das 
eines Anämischen. 

Die Behandlung bestand anfangs in Brom und Strophantus, später wurde 
alle 2 Tage 0,1 g Schilddrüsensubstanz verabreicht. Dabei nahm das Körper¬ 
gewicht zu, der Kropf verkleinerte sich; die Pulsfrequenz beträgt nach jetzt 2mo¬ 
natlicher Behandlung 144. 

Marie weist darauf hin, dass eine primäre echte Basedow-Erkrankung 
durch ThyreoTdin verschlimmert werde, während dieses auf einen Kropf mit se¬ 
kundären Basedow-Symptomen günstig einwirke. 

Rendu hat bei einem jungen Mädchen eine Basedow-Erkrankung im 
direkten Anschlüsse an Scharlach gesehen. Nachdem Brom, Digitalis und Hydro¬ 
therapie umsonst angewendet worden waren, brachte ThyreoTdin wesentliche 
Besserung. M. Cohn (Kattowitz). 

Sambia et Mathis; Blutuntersuchungen bei Syphilis. (Comptes rendus de la sodötö 

de biologie, Nr. 2.) 

Während des Bestandes des syphilitischen Primäraffektes wurde konstatiert: 
Verminderung des Hämoglobin-Gehaltes auf 80%, geringe Verminderung der 
Erythrocyten und mässige Leukocytose. 

Im sekundären Stadium persistierende Anämie, Zunahme der Leukocyten 
von 9000 auf 11200; nach Hg-Behandlung nahmen Zahl und Hämoglobin-Gehalt 
der roten Blutkörperchen wieder zu. 

Im Tertiärstadium bestehen nur minimale Abweichungen von der Norm. 
Bei Lues infantum, angeborener sowohl wie erworbener, findet sich eine beträcht¬ 
liche Abnahme von Zahl und Hämoglobingehalt der roten Blutkörperchen, jedoch 
keine Gestaltsveränderungen, Vermehrung der Leukocyten, besonders der poly¬ 
nukleären Elemente. A. Berliner (Berlin). 

Kns, Georges: Contribution ä l’ätude du chimisme stomacal. (Bull. gen. de thör., 

1900, tome 140, p. 353.) 

Nach Widerlegung der von Frömont (vgl. Ref. S. 75) ausgespro¬ 
chenen Ansicht, dass eine exakte Analyse des Magensaftes aus verschiedenen 
Gründen unmöglich sei, unterzieht K. die gebräuchlichsten Methoden der chemi¬ 
schen Untersuchung des Mageninhalts und zwar 1. der Bestimmung der freien 
Salzsäure (H) und 2. der Bestimmung der freien + organisch gebundenen Salzsäure 
(H + C) einer auf eigene vergleichende Prüfungen sich stützenden Kritik. Die 
freie, d. h. die physiologisch wirksame Salzsäure wird entweder durch das 
Mintz’sche Verfahren mit Hilfe des Günzburg’schen Reagens oder mit der von 
Töpfer angegebenen Methode mittels Dimethylamidoazobenzol bestimmt. Die 
letztere ergiebt, nötigenfalls durch das Mintz’sche Verfahren kontrolliert, die relativ 
genauesten Resultate. Weniger exakt ist die Methode von Hayem-Winter, die, 
auf dem Prinzip der Veraschung beruhend, selbst für ein und denselben Magen¬ 
saft verschiedene Werte ergiebt, je nachdem man die Erhitzungsdauer oder die 
Grösse der Verdunstungsfläche variiert. Im allgemeinen sind die mit ihr ge¬ 
wonnenen Werte niedriger als bei der Töpferischen'Methode, so dass unter Um¬ 
ständen eine ausgesprochene Hyperchlorhydrie verborgen bleiben kann. Die von 
Strauss gegen die Exaktheit der Töpferischen Methode erhobenen Einwände 
sind hinfällig, da sie einer fehlerhaften Versuchsanordnung entsprungen sind. 

Zur Bestimmung von H + C erweist sich die Winter-Hayem’sche Me¬ 
thode, nach einem von K. angegebenen vereinfachten Verfahren ausgeführt, als 
am zweckmässigsten. Zwar zeichnet sich die Töpfer-Robin’sche Methode 
(1. Bestimmung der Gesamtacidität mittels PhenolphtaleTn; 2. Bestimmung der 
freien Salzsäure mittels Dimethylamidoazobenzol; 3. Bestimmung der freien Salz¬ 
säure -f organischen Säuren mittels Hämatoxylinlösung) durch ihre einfache und 


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234 


schnelle Ausführbarkeit vor den übrigen aus, lässt sich jedoch nur für die Falle 
anwenden, in denen freie Salzsäure vorhanden ist Das von Hehn er und See¬ 
mann angegebene und von Braun modifizierte Verfahren (Uebersättigung des 
Magensafts, mit einer bekannten Menge Vio-Normalnatronlauge , Veraschung, Hin- 
zufügung einer der verbrauchten Menge Natronlauge entsprechenden Menge y, 0 - 
Normalschwefelsäure, Bestimmung der Testierenden Acidität (= H + C) mittels 
Phenolphtalelnlösung) kann am wenigsten Anspruch auf Genauigkeit erheben. 

Schade (Göttingen). 

Robin, Albert: I. Etüde cbimique des fonctions de restomac. II. La technique chi- 
mique de l’exploration gastrique. (Bull. g€n. de th€r., 1900, vol. 140, p. 36 ff.) 

Die Ausführungen R.’s, ebenfalls seinem Werk über Magenkrankheiten 
entnommen, geben eine Uebersicht über die praktisch wichtigsten Methoden der Prü¬ 
fung des Magenchemismus. Im folgenden soll nur das in kurzem wieder¬ 
gegeben werden, was, weil von dem allgemein Bekannten abweichend, ein 
spezielles Interesse in Anspruch nimmt. 

Als Probemahlzeit empfiehlt R.: V« hartgekochtes Ei mit Dotter, 60 g 
Weissbrot und 200 g Wasser von Zimmertemperatur; Ausheberung nach 1 Stunde. 
Thee verwirft er, weil die spezifischen Bestandteile desselben die Magensaft¬ 
sekretion beeinflussen; aus dem gleichen Grunde sind zu heisse oder zu kalte 
Ingesta zu meiden. 

Unter den üblen Zufällen bei der Ausheberung des Mageninhalts erwähnt 
R. einen Fall von Tetanie, bei dem er in unmittelbarem Anschluss an die Ein¬ 
führung des Magenschlauchs, wohl infolge eines von der Oesophagus- resp. 
Magenschleimhaut ausgelösten Reflexes, die Krampfanfälle auftreten sah. 

Nach kurzer Besprechung der verschiedenen Methoden der chemischen 
Untersuchung des Mageninhalts geht R. des näheren auf das von ihm und Bour- 
nigault angegebene Verfahren ein. Dasselbe stellt eine Kombination unserer 
bekannten Methoden dar und geht von der Voraussetzung aus, dass in einem 
Gemenge von mehreren Säuren bei Hinzufügung eines Alkali immer diejenige 
zuerst gesättigt wird, welche die stärkste Affinität zum Alkali besitzt. Von den 
4 sauren Komponenten der Magenacidität — freie Salzsäure (H), organische Säuren (F), 
gebundene Salzsäure (C), saure Phosphate (P) — würden demnach bei Alkalizusatz 
zuerst die freie Salzsäure, die übrigen in der angeführten Reihenfolge gesättigt 
Die erforderlichen Reagentien sind: 1. 2%ige alkoholische Phenolphtalelnlösung; 
2. 1 %ige alkoholische Hämatoxylinlösung; 3. das Linossierische Reagens (Di- 
methylamidoazobenzol 0,25, PhenolphtaleTn 2,0, 90 °/ 0 iger Alkohol 100,0); 4. Natron¬ 
lauge (1 ccm = 0,005 g HCl); 5. Salzsäurelösung (0,005 g «» 1 ccm NaOH); 
6. Schwefelsäurelösung, von der 1 ccm der gleichen Quantität obiger Natron¬ 
lösung entspricht. 

Das Robin-Bournigaulfsche Verfahren setzt sich aus 3 Manipulationen 
zusammen. I. Mit Hilfe der ersten werden 1. die Gesamtacidität A, 2. die freie 
Salzsäure H, 3. die organischen , Säuren F und 4. die Summe der Phosphate und 
der gebundenen Salzsäure C + P in folgender Weise bestimmt: Zu 5 ccm Magen¬ 
inhalt fügt man 2 Tropfen des Linossier’schen Reagens. Bei Gegenwart von 
freier Salzsäure färbt sich die Flüssigkeit durch das Dimethyiamidoazobenzol 
johannisbeerrot. Man titriert nun mit der Natronlösung, bis die freie Salzsäure, 
die zuerst gesättigt wird, neutralisiert ist, was durch das Verschwinden der johannis- 
beerroten Farbe angezeigt wird. Bei Gegenwart von organischen Säuren geht 
letztere in eine orangerote Farbe über, da organische Säuren in Lösung mit Di¬ 
methyiamidoazobenzol sich orangerot färben. Das Verschwinden der orangeroten 
Färbung bei weiterem Zusatz von Natronlauge zeigt an, dass auch die organischen 
Säuren gesättigt sind. Den Rest des Aciditätsgrades, den C + P ausmacht, be¬ 
stimmt man, indem man so lange NaOH hinzufügt, bis die durch Phenol- 
phtalein bedingte goldgelbe Färbung auftritt. Die Mengen und Titres der 
Lösungen sind so gewählt, dass die verbrauchte Quantität der Reagentien 


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235 


den Additätsgrad direkt angiebt. Hat man z. B. 1,5 ccm NaOH bis zum Auf¬ 
treten der orangeroten Farbe gebraucht, so enthält 1 Liter Mageninhalt 1,50 g 
freier HCl. Somit kennt man jetzTdurch direkte Bestimmung 1. die Oesamtacidität, 
2. die freie Salzsäure und 3. die organischen Säuren; zieht man H und F von A 
ab, so ergiebt sich C + P als Rest der Oesamtacidität, d. h. die Summe der ge¬ 
bundenen Salzsäure und der sauren Phosphate. 

Für gewöhnliche Zwecke genügt das bisher beschriebene Verfahren; kommt 
es auf genauere Werte an, so fügt man noch die beiden anderen zur Kontrolle 
dienenden Bestimmungen hinzu. 

II. Zu 5 ccm Mageninhalt fügt man 2 Tropfen Hämatoxylinlösung, die 
durch freie Salzsäure (H) und organische Säuren (F) eine gelbe Färbung annimmt; 
aus der bis zum Wiederauftreten der ursprünglichen Farbe verbrauchten Menge 
NaOH erhält man H -f F. Zieht man diesen Wert von der bei der ersten Ma¬ 
nipulation berechneten Oesamtaddität A ab, so erhält man C + P. 

III. Die 3. Manipulation bestimmt auf dem Wege der Caldnation direkt 
H + C + P einerseits und F anderseits. Die bei dem ersten Verfahren unter¬ 
suchte Probe wird verdampft und verascht, dann der Trockenrückstand mit destil¬ 
liertem Wasser aufgenommen. Man fügt nun ebensoviel von der Schwefelsäure¬ 
lösung hinzu, als man vorhin zur Bestimmung der Oesamtaddität NaOH ver¬ 
braucht hatte. Dadurch wird der Orad der ursprünglichen Oesamtaddität wieder 
hergestellt Durch die Caldnierung sind die Natronsalze der organischen Säuren 
in Natriumkarbonat umgewandelt. Die zur Sättigung dieser nötige Schwefelsäure- 
menge entspricht also der Menge der organischen Säuren; der Rest der Schwefel¬ 
säure entspricht der Summe H + C + P. 

Wenn auch das Robin-Bournigault’sche Verfahren nicht frei ist von 
Fehlerquellen, die allen Bestimmungsmethoden anhaften, so gebührt ihm doch 
nach R. vor den übrigen wegen seiner Einfachheit und schnellen Ausführbarkeit 
der Vorzug. Uebrigens ist es R. gelungen, die dem Verfahren anhaftenden ge¬ 
ringen Fehlerquellen zu eruieren und teilweise auszugleichen. Auf diese Einzel¬ 
heiten kann hier nicht näher eingegangen werden, da die Methode, wie sie be¬ 
schrieben, praktischen Zwecken vollkommen Oenüge leistet 

Schade (Göttingen). 

Mfifler, Erich: Ein Beitrag zur Frage der Celluloseverdauung im Darmkanale. Aus dem 
tierphysiolog. Institut der Kgl. landwirtsch. Hochschule zu Berlin. (Pflüger's 

Arch., Bd. 83, S. 619.) 

Eine sorgfältige Nachprüfung der Untersuchungen von Biedermann und 
Moritz ergab das thatsächliche Vorhandensein eines Enzyms in den oberen Dünn¬ 
darmabschnitten von Helix pomatia, welches im stände ist, Cellulose unter Zucker¬ 
bildung aufzulösen. Nicht jedoch gelang der auf verschiedene Weise versuchte 
Nachweis, ein gleich wirksames Enzym im Hepatopankreas des Karpfens zu finden, 
wie dies Knauthe behauptet hat; es zeigte sich vielmehr, dass die beigegebene 
Cellulose nicht angegriffen wird, dass vielmehr eine bestimmte Zuckermenge 
während des Aufenthaltes im Brutschrank völlig unabhängig von der Gegenwart 
von Cellulose gebildet wurde. Weiterhin untersuchte Verf., ob sich beim Pflanzen¬ 
fresser Zucker als intermediäres Stoffwechselprodukt bei der Celluloseverdauung 
finden liesse. Benutzt wurde eine Ziege mit einer Pansenfistel. Der aus der 
Fistel gewonnene Panseninhalt enthielt Zucker oder Stärke weder nach der Probe¬ 
nahme noch nach Verdauung mit Ptyalinum siccum noch nach einer Vergärung in 
einem Apparat, welcher unter Luftabschluss eine der natürlichen Darmresorption 
entsprechende Entfernung des etwa gebildeten Zuckers durch Diffusion gestattet. 
Verf. schliesst sich also der Anschauung Tappeiner’s an, wonach die Cellulose 
beim Pflanzenfresser durch Gärungsvorgänge gelöst wird, als deren Produkte 
Fettsäuren und Qa$e entstehen, Szubinski (Göttingen), 


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236 


Caspari: Ueber Eiwdssomsatz and -Ansatz bei der Muskelarbeit Aus dem der- 
physiolog. Institut der Kgl. landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin. (Pflüger’s 

Arch., Bd. 83, S. 509.) 

Eine grosse, im Stickstoffgleichgewicht befindliche Hündin verrichtete unter 
Darreichung gemischter Nahrung täglich eine bestimmte Arbeit auf der Tretbahn. 
Der Versuch wurde so eingerichtet, dass die für die Muskelarbeit benötigte Kalo- 
rieenzahl durch die mit der N-freien Nahrung gegebenen Kalorieen gedeckt wurde, 
sodass ein durch die Arbeit etwa hervorgerufener Mehrverbrauch an Eiweiss deut¬ 
lich hervorspringen musste. Zu diesem Zweck wurden sehr sorgfältige Stoff¬ 
wechseluntersuchungen nötig. Es zeigte sich, dass in den ersten Tagen der 
Muskelarbeit ein Anstieg der N-Ausscheidung mit einem Herunteigehen der Bilanz 
bis auf —1,39 [am ersten Tage], stattfand, dass aber späterhin bei quantitativ 
nicht geändertem Futter kontinuierlich Stickstoff im Körper zurückbehalten wurde, 
während das Körpergewicht eine deutliche Tendenz zur Abnahme zeigte. Verf. 
glaubt den Vorgang folgendermassen erklären zu können: »Die Arbeit leistet der 
Hund, nachdem erst eine gewisse Qewöhnung an die veränderten Lebensbe¬ 
dingungen eingetreten ist, zum grossen Teil auf Kosten der in dem Futter mit¬ 
gegebenen stickstofffreien Nährkörper. Es wird [aber allein durch die äussere 
Arbeit mehr als ein Viertel der gesamten im täglichen Futter vorhandenen Energie 
verbraucht Der Organismus verwendet nun für den Bedarf während der Ruhe¬ 
zeit etwas von seinem reichlich vorhandenen Körperfette, spart dagegen von seinem 
Nahrungsei weiss« —, und setzt sich mit dieser Annahme ins Einvernehmen mit 
den praktischen Erfahrungen an Jockeys, Ruderern u. s. w. Die Litteratur findet 
in der lesenswerten Arbeit eingehende Würdigung. Szubinski (Göttingen). 

Bldbtreu: Fettmast and respiratorischer Quotient Aus dem physiolog. Institut der 
Universität Bonn. (Pflüger’s Archiv, Bd. 85, S. 345.) 

Bei der Bildung von Fett aus Kohlenhydraten im Organismus wird eine 
reichliche Menge Sauerstoff frei, welcher weiterhin zu Oxydationsvorgängen Ver¬ 
wendung Endet und schliesslich in den Endprodukten der Oxydationsvorgänge, in 
Wasser und Kohlensäure, wiederzufinden sein muss. Von einer Aufspeicherung 
dieses Sauerstoffs in den Geweben, wie dies beim Frosch und beim Murmeltier 
im Winterschlaf nachgewiesenermassen stattfindet, kann insofern hier keine Rede 
sein, als die in Betracht kommenden Mengen viel zu gross sind; laut Berechnung 
entspricht nämlich die Menge des aus den Kohlenhydraten freigewordenen Sauer¬ 
stoffs etwa % der neugebildeten Fettmenge. Wird dieser Sauerstoff also in Form 
von CO a ausgeschieden, so muss sich der ganze Vorgang durch eine Erhöhung 
des respiratorischen Quotienten dokumentieren, da ja die Menge des durch At¬ 
mung aufgenommenen Sauerstoffs eine wesentliche Aenderung nicht erfahren kann; 
mit anderen Worten: bei Fettmast durch Kohlenhydratfütterung muss ein An¬ 
wachsen der Kohlensäureausscheidung eintreten dadurch, dass zu der Kohlensäure 
aus der umgesetzten Nahrung noch die aus der angesetzten Nahrung hinzukommt 
Respirationsversuche an Gänsen während der künstlichen Mästung mit Roggen- 
mehlklössen (»Stopfen«) bestätigten diese Annahme insofern, als die Kohlensäure¬ 
menge während der Mästung um 117%, die Sauerstoffaufnahme infolge unver¬ 
meidlichen Fleischansatzes nur um 28 % wuchs, sodass der respiratorische Quotient 
in einem Falle von 0,728 auf 1,38 stieg. 

Zu den während der Mästung mehrfach unternommenen Respirationsversuchen 
diente ein eigens konstruierter Apparat, welcher schon früher im Pf lüg er 1 sehen 
Laboratorium Verwendung gefunden hatte; die Luft in dem Tierrezipienten 
wurde mit Hilfe eines durch 4 Rohrleitungen mit demselben verbundenen Queck¬ 
silbergebläses in beständiger Zirkulation erhalten, wobei ihre Kohlensäure in ein¬ 
geschalteten Kaliventilen absorbiert wurde; der normale Luftdruck im Rezipienten 
wurde durch selbstthätige Sauerstoffzufuhr aus einem Gasometer aufrecht erhalten, 


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237 


Durch Zuhilfenahme gasanalytischer Untersuchungen von Luftproben Hessen sich 
der O-Verbrauch und die CO*-Abgabe genau feststellen. 

In den »Ergebnissen« betont Verf. folgendes: »Durch Mästen von ausge¬ 
wachsenen, mageren Oänsen mit kohlenhydratreichem Futter in grossem Ueber- 
schuss kann man den respiratorischen Quotienten dieser Tiere dauernd über die 
Einheit beträchtlich hinaustreiben. Dies Anwachsen des respiratorischen Quotienten 
über das bei Verbrennung der Körpersubstanz mögliche Mass (die Einheit) hinaus 
beweist, dass die Umbildung von Kohlenhydrat zu Fett im tierischen Körper mit 
einer Abspaltung von Kohlensäure verbunden ist«. Szubinski (Göttingen). 

Wolpert: Die Wasserdampfabgabe der menschlichen Haut im eingefetteten Zustande. 

(Archiv f. Hygiene, Bd. 41, H. 4.) 

Durch Versuche am Lebenden hat Verf. nachgewiesen, dass bei fehlender 
Schweisssekretion die eingefettete Haut weniger, bei beginnender ebensoviel, 
bei starker Schweissabsonderung mehr Wasser abgiebt als die normale Haut. 
Verstärkt wird durch die Einfettung die Schweissabsonderung und auch die Ver¬ 
dunstung. 

Es erscheint möglich, dass die gefundenen Thatsachen sich auch thera¬ 
peutisch werden verwerten lassen. B. Oppler (Breslau). 


Besprechungen. 

Lnff, Arthur P.: Die Gicht, ihre Pathologie und Therapie. Autorisierte Uebersetzung 
von R. Wichman. Berlin, Otto Salle. 4,00 Mk. 

Ein reichhaltiges Buch, besonders im therapeutischen Teil mit einer Fülle 
eigener mühsamer Untersuchungen. Viel neue Litteratur ist unberücksichtigt, manche 
Jang bestehende gute Theorie wird allzu eilfertig über den Haufen geworfen. 
Nur einige Beispiele: »Bei Gicht wird, glaube ich, alle im Blute vorhandene Harn¬ 
säure von den Nieren resorbiert, weil diese Organe erkrankt sind und deshalb die 
richtige Ausscheidung der in ihnen gebildeten Harnsäure verhindern«. Was ist 
gichtische Lungenkongestion, gelegentlich in der Spitze, gewöhnlich an der Basis 
vorkomntend, mit Hämoptyse einhergehend und mit Phthise zu verwechseln? Inter¬ 
essant war mir, dass bei 26 Sezierten mit Granularatrophie der Nieren 20 mit 
Hamsäureablagerungen in den Gelenken gefunden wurden, wie von Pathologen 
an Londoner Hospitälern festgestellt ist, in der deutschen Litteratur findet sich 
keine derartige Beobachtung. Die 20 Kranken hatten nie an Gicht gelitten. 
Ebstein’s Theorie lässt sich nicht mit dem Satz abthun: »Diese Theorie ist offen¬ 
bar falsch, da das neutrale hamsaure Natron nicht in der Zirkulation existieren 

kann«. Was die Tabelle über 50tägige Ausscheidung von Ur und Ur bei einem 
gesunden Menschen und gemischter Kost soll, ist nicht recht einzusehen. Aber 
alles in allem ein lesenswertes Buch, das uns zeigt, wie viel noch zu thun ist 

Waldvogel (Göttingen). 


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Nr. 10. 


Zweites Mal-Heft 1902. 


3. Jahrgang. 


Crnfralblaff 

Mp 

SloffwechscI- & Vtröauungs - Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 

redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vandenhoeck ft Ruprecht ln Göttingen. 


Monatlich 2 Nra. von Vh—2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
halbjähriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Postanstaiten des In- und Auslandes, Nr. 1489 der Zeitungs-PreisHste f. d. Deutsche Reich. (Postbezug 
in Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausserhalb Europas 1 Mark 20 Pf. jährlich mehr.) 


Original-Hrtihel. 

Aus der inneren Abteilung des städt Krankenhauses zu Frankfurt a. M. 

Oberarzt: Prof. v. Noorden. 

Gin Beitrag ;ur frage der fleiscbmast. 

Von 

Dr. Martin Kaufmann, Assistenzarzt 

Einem Individuum im normalem Ernährungszustand (leichte Neur¬ 
asthenie) legte ich gelegentlich einer zu anderen Zwecken unternommenen 
Versuchsreihe zu einer konstanten Kost grosse Mengen Eiereiweiss zu. Dabei 
fiel mir auf, dass, während der N des Urins stark in die Höhe getrieben 
wurde, die P 2 O s -Ausscheidung beträchtlich geringer wurde, ein Verhalten, 
das auch nach Weglassen der Eiweisszulage noch an dauerte. Vergl. Tabelle I. 

(Tabelle I s. folgende Seite.) 

Dieses Verhalten konnte auf einem Zufall beruhen; ich richtete daher 
bei dem nächsten gleichgearteten Versuche mein Augenmerk wieder auf diesen 
Punkt und fand folgendes: 

(Tabelle II s. folgende Seite.) 

Hier war also dasselbe Verhalten zu beobachten, nur noch deutlicher 
als in dem ersten Versuche, und auch in der Nachperiode blieb die P,O g - 
Ausscheidung niedrig. Ein Zufall war nach diesem zweiten Versuche wohl 
auszuschliessen, und es erübrigte nur noch, festzustellen, ob nicht Ver- 

Nr. 10. 


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240 


Tabelle I. 

G., 22 jähriger Mann. 

Konstante Kost: 2500 ccm Milch, 400 ccm Rahm. 


Datum 

Nahrung 

N 

P 1 O 5 

22.X. 

konstante Kost 

17,2 

4,0 

23. X. 

» » 

19,1 

4,55 

24.X. 

» » 

18,1 

4,16 

25.X. 

» » 

19,7 

335 

26.X. 

konstante Kost und 33 Eiereiweisse *) 

25,3 

4,46 

27.X. 

» » » 30 » 

24,7 

3,42 

2a X. 

» * » 33 * 

263 

237 

29.X. 

» » »39 » 

36,4 

234 

30.X. 

konstante Kost 

20,1 

2,92 

31. X. 

» » 

18,0 

2,96 


Tabelle II. 

T. 23 jähriger Mann. 

Konstante Kost: l 1 /* Liter Milch, 80 g Reis, 4 Eier, 50 g Butter, 250 g Brot, 
15 g Zucker, 400 ccm Sodawasser. 


Datum 

Nahrung 

N 

p,o s 

17. IL 


15,1 

4,14 

l&ll. 

. konstante Kost 

15,6 

4,07 

19.11. 


16,6 

3,95 

20.11. 


17,0 

4,11 

21. II. 


21,4 

3,62 

22.11. 

> konstante Kost und 30 Eiereiweisse 

21,4 

2,99 

23.11. 


22,7 

3,03 

24.11. 


22,1 

235 

25. II. 


193 

3,12 

26. II. 

> konstante Kost 

16,0 

3,12 

27.11. 


14,2 

239 

2 a II. 


15,1 

3,04 


schlechterung der Resorption an der Verminderung der Ham-P, O ä die 
Schuld trug. Zu diesem Zwecke stellte ich an demselben Individuum einige 
Zeit darauf bei genau derselben Kost eine zweite Beobachtung an (Tab. III). 

1) d. h. das Eiweiss von 33 Eiern. 


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241 


Tabelle IIL 


Datum 




Kot-N 

Kot-PjOj 

14. III. 

1 konstante 

13,9 

3,50 

2,44 

3,82 

15. III. 

J Kost 

12,8 

3,50 

2,44 

3,82 

16 IIL 

14,2 

3,24 

2,44 

3,82 

17. IIL 

konstante 

22,1 

3,27 

3,01 

2,79 

i& m. 

1 Kost und 

24,0 

3,02 

3,01 

2,79 

19. IIL 

2 l\VMl UAlii 

| 30 Eier- 

25,3 

3,55 

3,01 

2,79 

20. IIL 

I eiwdsse 

25,7 

3,13 

3,01 

2,79 

21. IIL 

25,2 

3*14 

3,01 

2,79 


PjOj in 
Harn u.Kot 


im Mittel 
7,23 p. <L 


| im Mittel 
lf 6,01 p. d. 


In diesem Falle ging zwar die Harn-P,O fi weniger herunter als im 
Versuche I und II; der Abfall betrug im Mittel nur 0,19 g pro die (3,41 g 
gegen 3,22 g); dagegen sank die Kot-P,0 5 beträchtlich, so dass die Oesamt¬ 
ausscheidung an P t 0 5 in der Eiweissperiode um 1,22 g pro die tiefer steht 
als in der Vorperiode (wobei die geringen im Eiereiweisse zugeführten P,0 6 - 
Mengen nicht einmal mit in Rechnung gezogen sind). Die Zulage von 
Hühnereiweiss hatte die P s 0 6 -Resorption nichts weniger als verschlechtert, 
und wir dürfen annehmen, dass das auch in Beobachtung I und II nicht der 
Fall war. 

Auch im Versuche III hatte der Organismus also jedenfalls das Be¬ 
streben, P s O s zu retinieren. Dass die Retention geringer war als in den 
früheren Beobachtungen, kann nicht verwundern, da ja das gleiche Individuum 
kurz vorher schon bedeutende Mengen P,0 6 retiniert hatte und daher für 
P 2 O s gesättigter war als im Versuch II. 

Es scheint unabweisbar, für unsere Versuche anzunehmen, dass die 
P. 0 5 -Aufspeicherung in direkter Beziehung zu der Aufspeicherung von Stick¬ 
stoff steht, die wir durch die grossen Gaben von Eiereiweiss erzwingen. 

Die mit dem erzwungenen Eiweissansatz gleichzeitig erfolgende frei¬ 
willige P z O s -Retention lässt uns daran denken, dass hier nicht nur Auf¬ 
stapelung von zirkulierendem oder Reserve-Eiweiss erfolgte, sondern dass eine 
wahre Fleischmast stattfand, zu der der Körper natürlich ausser Eiweiss auch 
Mineralstoffe bedurfte (die P z 0 6 u. a. zur Nukleinbildung); bestimmtere 
Schlüsse lassen sich, da wir das Verhalten der P z O s im Körper noch zu 
wenig kennen, nicht daraus ziehen. 

Die Versuche haben eine prinzipielle Bedeutung, da gleichsinnige Be¬ 
obachtungen unter reiner Eiweisszufuhr bisher nicht gemacht worden sind. 
Sie werden ergänzt und bestätigt durch einen Stoffwechselversuch, den Dapper, 
Volontärarzt der Abteilung, demnächst in einer Dissertation veröffentlichen 
wird. 


Nr. 8*. 


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242 


Berichtigung. 

Eine Anregung von höchst sachverständiger Seite veranlasste mich 
zur nochmaligen rechnerischen Revision der auch von mir beargwöhnten 
N-Werte in meiner Arbeit »Der Stoffwechsel im Gichtanfall* (dieses CentralbL, 
1902, Nr. 1). Ich fand, dass alle Zahlen für den Oesamt-N mit 2 zu multi¬ 
plizieren sind. Die N-Werte bleiben für einen normal sich nährenden 
kräftigen Menschen niedrig, erklären sich aber aus der Eigenart des Falles. 
Uebrigens werden durch diese Aenderung die Schlusssätze in keiner Weise 
betroffen. Waldvogel (Göttingen). 


Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1902 zu ergänzen.) 

Raimann: Ueher Glykosurie and alimentäre Glykosnrie bei Geisteskranken. (Zeitschr. 

f. Heilkunde, Bd. 23, H. 2.) 

Jeder Mensch hat seine bestimmte Assimilationsgrenze für Kohlenhydrate 
und insbesondere Traubenzucker. Uebersteigt oder erreicht die Dextroseausschei¬ 
dung 0,2% bei gewöhnlicher Ernährung, so handelt es sich nicht mehr um die 
physiologische, sondern um pathologische Glykosurie; alimentäre Glykosurie 
(Glycos. e saccharo) beginnt oft schon bei weit geringerer Traubenzuckerzufuhr 
als 200 g; Glycosurie e nutrimentis stellt sich bei Assimilationsstörung der Nah¬ 
rungskohlenhydrate ein. Alimentäre und nutrimentäre Formen zeigen zahlreiche 
Uebergänge. 

Verf. unternahm es, in einer ausgedehnten Untersuchungsreihe an Geistes¬ 
kranken, bei denen spontane Glykosurie selten vorkommt, die Zuckerassimilations¬ 
fähigkeit zu studieren. Dabei ging er von der Annahme aus, dass Zucker > 0,2 % 
pathologisch ist, und nahm als Vergleichsmass das dargereichte Zuckerquantum, 
dividiert durch das Körpergewicht des Patienten, mit anderen Worten, er probierte 
jene Dextrosemenge (D) aus, welche nötig ist, um bei einem gewissen Körper¬ 
gewicht (K) 0,2 % Zucker nachweisen zu können. Die Assimilationsgrenze (0,2%) 

ist *= 5. Bei Idiotie war das Verhältnis > als 4,7, bei Melancholie = 1,9, bei 
K 

Manie > 5,2, bei Amentia »1,4, bei Paranoia > 4,5, bei Dement, sec et senil. 
> 2,6, bei progr. Paralyse 0,92 — > 4,8, bei Epilepsie = 3,2 — 6,3. Bei De¬ 
pressionszuständen fanden sich niedrige Werte, da hier die Oxydationsenergie 
verlangsamt ist, bei Erregungsphasen mit Oxydationsbeschleunigung wie Manie 
stieg die Zahl. 

Der Alkoholismus modifiziert die Grenzen der Zuckerassimilation erheblich. 
Nach Bierexcessen, Sektgelagen und im Delirium findet sich Glykosurie öfter. 
Bei Biertrinkern findet sich alimentäre Glykosurie schon bei 100—150 g Zucker. 
Chronische Alkoholintoxikation disponiert nur in geringerem Grade, Delir, acutum 
in höherem Grade zur alimentären Glykosurie. Schilling (Leipzig). 

His: Die Rolle der Harnsäure in der Pathologie and Therapie der Gicht Gesell¬ 
schaft für Natur- u. Heilkunde zu Dresden. Sitzung vom 8. Febr. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 15.) 

Normalerweise wird im Körper ein Teil der Harnsäure zerstört, der nicht 


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243 


zerstörte Rest durch die Nieren ausgeschieden. Bei der Gicht wird die Harnsaure 
weder in vermehrter Menge gebildet, noch ist ihre Ausscheidung durch die Nieren 
erschwert; man hat sich daher die Entstehung der Gicht durch eine Verminderung 
der Harnsäurezerstörung, die eine fermentative Funktion gewisser Organe ist, zu 
erklären. 

Die Therapie der Gicht hat die Aufgabe: 1. Die hamsäurezerstörenden 
Funktionen des Körpers zu schonen (Diätvorschriften); 2. die Hamsäurebildung 
zu vermindern (Vermeidung eines Uebermasses von nuklelnhaltiger Nahrung); 

3. die Zerstörung zu erhöhen (Anregung des Stoffwechsels durch Bewegung etc.); 

4. die Ausscheidung zu vermehren (Salicylsäure etc.); 5. die Löslichkeit der Ab¬ 

lagerungen zu vermehren (durch Medikamente, deren Wirksamkeit indes sehr un¬ 
sicher ist); 6. die Zirkulation in den befallenen Teilen anzuregen (physikalische 
Heilmethoden). Schade (Göttingen). 

de Renzi, L: Die Ernährung bei Arthritikern. Aus der I. med. Universitätsklinik in 
Neapel. (Klinisch-therap. Wochenschr M Nr. 9.) 

Aus den Untersuchungen des Verf.'s ergiebt sich, dass bei Arthritikern 
(vor allem bei diabetischen) grosse, selbst sehr bedeutende Schwankungen des 
Körpergewichts bestehen, und dass bei diesen Arthritikern, sobald sie unter Be¬ 
dingungen gesetzt sind, in denen sie sich den Ursachen des Verfalles, der ihrer 
Erkrankung anhaftet, entziehen, sich sehr leicht bedeutende und oft sehr nahm- 
bafte Erhöhungen des Körpergewichts ergeben. Zunahmen von 400—<600 g im 
Tage sind sehr gewöhnlich. Ferner ist bemerkenswert, dass jene Zunahmen des 
Körpergewichts auch bei Kranken eintreten, denen eine Anzahl vonKalorieen zu¬ 
geführt wurde, die nach den allgemeinen Ansichten als unzureichend betrachtet 
werden muss, also 700, 600 und selbst 500 Kalorieen im Tage. Die erwähnten 
Zunahmen treten bisweilen auch ein, wenn man den Kranken die gewöhnliche 
Spitalkost, bestehend aus Brot, Kuchen, Fleisch u. s. w., im Verhältnisse von 2000 
iödorieen verabreicht, eine Quantität, die für unzureichend angesehen werden muss, 
in anbetracht des Umstandes, dass unter diesen Bedingungen viel wegen der 
Glykosurie verloren geht, aber bei dieser Diät sind die Zunahmen des Körper¬ 
gewichts niemals bedeutend und bilden demnach gewissennassen eine Ausnahme. 
Weit bedeutender und weit häufiger sind dagegen die Körpergewichtszunahmen ; 
sobald eben diese Kranken sich einer spezifischen Diabetesdiät unterziehen, die 
auf der oben bezeichneten Klinik aus 5 Gemüsesuppen, 5 Stück Fleisch, 5 Eiern 
und V, Liter Wein besteht, mit welcher Portion etwa 1104 Kalorieen eingeführt 
werden, welche Ziffer in schweren Fällen reduziert werden kann, entweder durch 
die mit der Glykosurie verloren gehenden Kalorieen oder aber durch weitere Re¬ 
duktion der Nahrung, wenn durch die ungewöhliche Intensität der Glykosurie 
diese ganz unterdrückt werden muss. 

Es ist leicht einzusehen, dass diese so deutlichen Schwankungen des Körper¬ 
gewichts grösstenteils auf Kosten des Wassers im Blute und in den Geweben Zu¬ 
standekommen, ein Faktor, der so häufig bei Diabetikern, namentlich hinsichtlich 
der Polydipsie und Polyurie, im Spiele ist. Dass es sich so verhält, beweisen 
manche Körpergewichtszunahmen, die, paradox zu ihrem Auftreten, auch sonst 
unerklärlich sind, wie jene bei Diabetikern während der Beobachtungszeit bei ge¬ 
wöhnlicher Spitalkost (Fleisch, Brot, Kuchen etc.) beobachteten, bei denen die 
Ziffer der durch Glykosurie verlorenen Kalorieen die mit der Nahrung einge¬ 
führten unter Umständen übertraf. Indessen gestatten die bedeutende Zahl von 
Beobachtungen der Körpergewichtszunahme (namentlich bei spezieller Ernährung 
der Diabetiker) bei einer unzureichenden Ernährung (mit Rücksicht auf den Ver¬ 
brennungswert berechnet), der progressive und ständige Charakter dieser Zu¬ 
nahme, die parallel gehende allgemeine Besserung, die Abwesenheit von Oedemen 
und hydrämischen Erscheinungen, unter diesen Umständen diese Zunahme auf 
eine wirkliche Besserung der Ernährung zu beziehen. Ausser dem Vorwiegen 


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244 


dieser Symptome in den Perioden, in denen die Kranken der spezifischen Diabetes¬ 
diät unterworfen waren, sogar auch wenn sie der gewöhnlichen Spitalsdiät unter¬ 
zogen wurden, ergiebt sich aus den Untersuchungen des Verf/s, dass die be¬ 
deutenden Gewichtszunahmen gewöhnlich in der ersten Periode der spezifischen 
Erkrankung auftreten, welche jener der Beobachtung folgt, in der die Kranken die 
gewöhnliche Diät gemessen. Es treten also die grössten Zunahmen auf, sobald 
die Diabetiker der spezifischen Kost ausgesetzt werden, das ist, sobald sie von 
der Glykosurie, von der Polyurie, der Azoturie u. s. w. befreit sind. Im weiteren 
Verlaufe treten auch noch Zunahmen auf, aber in einem weniger bedeutenden 
Verhältnisse. Bei neun Diabetikern, die nach und nach den verschiedenen Diäten 
und vergleichsweise auch exklusiver Fleischkost unterzogen wurden, mit oder ohne 
Verschwinden der Glykosurie, zeigte sich während dieser Fleischdiät auch nicht 
ein einziges Mal die Zunahme des Körpergewichts, sondern es trat vielmehr kon¬ 
stant zugleich mit einer ausgesprochenen allgemeinen Schwäche eine fortschreitende 
und aussergewöhnliche tägliche Herabsetzung des Körpergewichts im Ausmasse 
von 500—1000 g und mehr auf, und dies ungeachtet dessen, dass die tägliche 
Fleischration bis auf einen Kalorieenwert von 1812 in einem Falle erhöht wurde. 
Auch bei ausschliesslicher Kost von grünen Vegetabilien, die einer schwankenden 
Kalorieenzahl von 600—1000 täglich entspricht, stellen sich manchmal bedeutende 
Zunahmen des Körpergewichts ein. Schliesslich geht aus den Untersuchungen 
hervor, dass im Gegensatz zu den Arthritikern eine üppige Nahrung, 3000—3500 
Kalorieen entsprechend, nicht nur keine Erhöhung des Körpergewichts ergiebt, 
sondern bei Tuberkulösen sogar eine Herabsetzung desselben. Daraus ergeht 
wieder, dass die erwähnten Thatsachen in besonderer Weise an den Arthritismus 
gebunden sind. Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Bardet, 0.: Traitement de la gontte et du rhumafisme gouttenx par le sidonal ou 

qninate de piperazine. (Bull. gln. de thlr., 1901, tome 141, p. 518.) 

In 3 Fällen von Gicht gab Verf. Sidonal in Dosen von 3—5 g pro die und 
sah innerhalb kurzer Zeit eine wesentliche Besserung der Beschwerden, nach 
deren völligem Verschwinden das Präparat noch weiter — im ganzen bis zu 2 
Monaten — genommen wurde. Die quantitativen Harnanalysen — 4 bei jedem 
Patienten: die erste vor Beginn der Medikation, die zweite 3 Tage danach, die 
beiden übrigen nach je 14tägigem Intervalle — ergaben von Anfang an eine deut¬ 
liche Abnahme der Harnsäureausscheidung. Von dem Verhalten der Hippursäure 
ist nichts erwähnt Schade (Oöttingen). 

Simmonds: Ueber Streptokokkenoesophagitis. Biol. Abt d. ärzti. Vereins Hamburg. 

Sitzung vom 25. Febr. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 15.) 

S. berichtet unter Vorlegung der betreffenden durch die Sektion gewonnenen 
Präparate über 4 Fälle von Streptokokkenoesophagitis. 3 davon betrafen Kinder, 
die im frühen Stadium des Scharlachs mit schweren nekrotisierenden Prozessen 
an den Tonsillen und im Pharynx zu Grunde gegangen waren. Im vierten Falle 
handelte es sich um einen atrophischen Säugling mit normalem Rachen; der 
Ausgangspunkt der Oesophaguserkrankung konnte hier nicht festgestellt werden. 
Ausser im Oesophagus fanden sich in den ersten 3 Fallen auch im Blute reichlich 
Streptokokken, doch sprach der Umstand, dass dieselben in den mikroskopischen 
Präparaten von der Innenfläche aus nach den tieferen Schichten der Wandung hin 
an Zahl abnahmen, für die Herkunft der Mikroorganismen aus dem Munde und 
dem Rachen. Schade (Göttingen). 

Främont: Classification des dyspepsies et chimisme de l’estomac. Soc de ther. 

Slance du 28 die. 1900. (Bull. g£n. de thdr., 1901, tome 141, p. 16.) 

F., dessen Auseinandersetzungen an eine frühere, S. 75 referierte Mit- 


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245 


teflung anschliessen, weist den gegen ihn erhobenen Vorwurf zurück, dass er die 
Bedeutung der Kenntnis des Magenchemismus unterschätze, und bemüht sich, unter 
Hinweis auf seine schon seit Jahren gepflegten Bestrebungen, welche auf eine 
Verfeinerung der chemischen Untersuchungsmethoden des Mageninhalts abzielen, 
das Gegenteil zu beweisen. Er eifert nur gegen die verkehrte Einteilung der 
Dyspepsieen, der Hayem als Mass für die verdauende Kraft des Magens die 
Grosse C, d. h. die gebundene Salzsaure, zu Grunde gelegt hat Nach F. ver¬ 
dankt die gebundene Salzsäure einem einfachen chemischen Prozess, nicht etwa 
einem digestiven Vorgänge, ihre Existenz. Dieselbe kann daher nicht zur Be¬ 
urteilung der verdauenden Kraft des Magens herangezogen werden. 

Schade (Göttingen). 

Ehrlich, Franz (Stettin): Ausspülungen des Magens mit Höllensteinlösung — ein thera¬ 
peutisch und diagnostisch wirksames Cholagogum. (Münch, med. Wochenschr., 

Nr. 14.) 

E. rühmt dem Argent nitric eine hervorragende cholagoge Wirkung nach, 
die sich am deutlichsten bei Ausspülungen des Magens mit Höllensteinlösung 
äussert Nach einer Vorspülung mit 40—50° heissem Wasser lässt Verf. V» Liter 
Argent nitric-Lösung (1 : 1000) von gleicher Temperatur in den Magen einlaufen 
und nach 1 / % ~2 Minuten wieder abfliessen. Nach nochmaliger Wiederholung dieser 
Prozedur wird schliesslich wieder so lange mit Wasser nachgespült, bis letzteres 
keine milchige Trübung mehr zeigt Verf. sah von diesem Verfahren bei Chole- 
lithiasis, besonders wenn dieselbe mit Cholangitis oder Cholecystitis kompliziert 
war, sehr gute Erfolge, indem zunächst — nach einigen Spülungen — sich eine 
oft erhebliche Schwellung der Leber einstellte und dann unter Abschwellung der 
Leber und gleichzeitigen Gallendiarrhoeen, zuweilen mit Abgang von Gallensteinen, 
Besserung und schliessliche Heilung eintrat Die Wirkung der Höllensteinspülun¬ 
gen erklärt sich E. durch mechanische, thermische und chemische Einflüsse. Für 
die cholagoge Eigenschaft des Argent nitric. als solchen führt er die Beobachtung 
an, dass es, per os verabreicht (0,2 : 200, 3 mal tägl. 1 Essl.), bei den genannten 
Affektionen einen ähnlichen Effekt entfaltet Irgendwelche Nachteile der Höllen¬ 
steinanwendung beobachtete Verf. nicht, insbesondere auch keine Argyrie. Ausser 
therapeutischen Zwecken kann die Höllensteinspülung auch in manchen Fällen 
der Differentialdiagnose dienen, z. B. bei Carcinoma vesicae felleae, das sich in¬ 
folge starker Leberschwellung dem direkten Nachweis entzieht und erst nach er¬ 
folgter Abschwellung der Leber, wie sie nach der Höllensteinspülung beobachtet 
wird, als solches deutlich hervortritt Zum Schluss weist E. noch auf die Möglich¬ 
keit hin, dass es sich in denjenigen Fällen von Ulcus ventriculi, die auf Höllen¬ 
steinbehandlung reagieren, vielleicht auch um eine nicht erkannte Cholelithiasis 
handle und dass sich das Argent nitric. möglicherweise auch hier differential¬ 
diagnostisch verwerten lasse. Schade (Göttingen). 

Varkvt: Traftement et ätarage d’un enfant atteint d’une Atrophie extröme d’origine 
gastro-hitestinale par Femploi exdusif et m&hodique du lait stärilisä industrieilement 
(Gazette des hopitaux, Nr. 26.) 

Einen 11 monatlichen atrophischen Knaben, der bislang mit Milchsurrogaten 
cfnahrt worden war, gelang es Variot, durch Darreichung von reiner, sterili¬ 
sierter Milch in einen guten Ernährungszustand zu bringen. 

V. hält es für wichtig, Kindern nicht zu viel Milchzucker als Milchzusatz 
zu geben, da dieser Diarrhoeen hervorruft, und ferner alle fabrikartig (durch Zentri¬ 
fugieren etc) hergestellten Milchpräparate zu vermeiden. 

M* Cohn (Kattowitz), 


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— 246 


Wechabeig: Ueber einen Fall von Adisendrehung des Dünndarms. (Zeitschr. für 

Heilkunde, Bd. 23, H. 3.) 

Der Fall, welcher hier zur Beobachtung kam, war dadurch kompliziert, dass 
eine gleichzeitig incarcerierte Hernie das Bild verdeckte. Cs wurde die Hernie 
operiert, doch fiel die geringe Spannung des zuführenden und die Leere des ab¬ 
führenden Schenkels auf. Nach 24 Stunden traten Symptome von Ileus von 
neuem auf, die Laparotomie ergab Torsion einer Dünndarmschlinge um 360°. 
Drehungen um 180° bei sonst nicht verengtem Darme brauchen nicht Stenose 
oder Strangulation hervorzurufen, nur hochgradigster Volvulus begründet ein 
Hindernis in der Passage. Sicherlich bestand die Hernie in diesem Falle zuerst, 
ihre relative Incarceration war jedoch Folge der Dünndarmdrehung. 

Schilling (Leipzig). 

Zahradnicky: Ueber die primlre Resektion bei gangrinösen incarcerierten Hernien. 

(Zeitschr. f. Heilkunde, Bd. 23, H. 3.) 

Ueber das beste Verfahren, welches bei Gangraen incarcerierter Hernien 
einzuschlagen ist, gehen die Ansichten zur Zeit auseinander. Während die einen 
Aerzte sich für die Primärresektion und primäre Enterorrhaphie und die anderen 
für den Anus praeternaturalis und sekundäre Resektion entscheiden, nimmt eine 
dritte Gruppe eine vermittelnde Stellung ein, welche unter Umständen die erster«, 
unter Umständen die letztere Operationsweise wählt 

Die primäre Resektion beseitigt die Incarceration und Gangraen und schafft 
wieder normale Zirkulation; dafür werfen die Anhänger der Methode dem Anus 
praeternaturalis vor, dass er einen abscheulichen Defekt schaffe und bedrohlichen 
Einfluss auf die Ernährung ausübe, indem bei hoher Dünndarmfistel viel Er¬ 
nährungsstoffe unverdaut entweichen. Die Verteidiger des Anus praetemat 
weisen auf die Phlegmone in der Umgebung des Bruchsackes, die leichte In¬ 
fektion des Peritoneum und schnelle Dannentleerung hin und vermissen, wie eine 
Darmnaht in gesunden Wänden zu unternehmen ist Die Primärresektion passt 
nach Ansicht der dritten Partei für kurz dauernde Incarceration, Resektion und 
Enterorrhaphie nach Anus praetemat. für ausgebreitete Stercoralphlegmone. 

Verfasser stellt die Resultate der verschiedenen Methoden aus einem Be¬ 
handlungsmaterial von 76 incarcerierten Fällen der letzten 7 Jahre zusammen. 
10 Fälle mit Primärresektion heilten, 4 Fälle von angelegtem Anus starben. Eine 
Patientin mit sekundärer Resektion starb an Entkräftung. 

Ein Vergleich mit anderen Statistiken ergiebt bei Primärresektion 39,8%, 
bei Anus praei 57,7% und bei Sekundärresektion 23% Mortalität 

Schilling (Leipzig). 

Lävi et Lemierre: Un cas de cystite k badlles d’foerth. (Prophylaxe urinalre de la 
flivre typhoide.) (Bull, et m€m. de la soc. m£d. des hop., 6. Dec. 1901.) 

Trotz der Häufigkeit der Ausscheidung von Typhusbacillen durch den 
Urin sind cystitische Erscheinungen dabei selten. Einen Fall von typhöser Cystitis 
(im Hamsediment Blut und Eiterzellen) beschreiben die Verff. Der Fall war noch 
dadurch ausgezeichnet, dass noch 3 Monate nach dem Aufhören der cystitischen 
Symptome Typhusbacillen im Urin nachweisbar waren, die dann erst nach 6 tägiger 
Urotropin-Medikation verschwanden. 

Die typhöse Cystitis tritt in der Rekonvalescenzperiode auf; die Infektion 
der Blase geschieht von den Nieren her. Die funktionellen Störungen sind bei 
typhöser Cystitis gering. In prophylaktischer Beziehung ist die Kenntnis von der 
langdauemden Ausscheidung von Typhusbacillen durch den Urin von Wichtig¬ 
keit; es wird deshalb die systematische Anwendung von Urotropin bei Typhus¬ 
kranken angeraten, M* Cohn (Kattowitz). 


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247 


Rarhary: Rhino-pharyngHe typhoTdlque. Soc. de thlr. Slance du 13 mars 1901. 
(Bull. gln. de thir., 1901, tome 141, p. 468.) 

B. teilt die Krankengeschichte eines Falles von sicher diagnostiziertem 
Abdominaltyphus mit, dessen erste Erscheinung eine Rhino-Pharyngitis war; erst 
nach mehrtägiger Dauer der letzteren traten die eigentlichen Typhussymptome 
hinzu. Die Erkrankung hatte einen leichten und abgekürzten Verlauf. 

Schade (Göttingen). 

Mathias, Albert: Note mr 1 e traftemeat des hämorrhagica intestinales de la ffövre 
typhoTde par les grands lavements chands et le chlorure de caldnm. Soc. de thlr. 
Slance du 13 mars 1901. (Bull. gln. de thlr., 1901, tome 141, p. 453.) 

Die gleiche in der Gaz. des hop. erschienene Arbeit ist bereits im 2.Jahrg. 
dieses Centralblatts, S. 246, referiert Schade (Göttingen). 

Claade: Dysenterie sporadique. Polyarthrite dysentärlqne. (Bull, et mim. de la soc. 
mld. des höp., 20. Dec. 1901.) 

Während Gelenkerkrankungen im Gefolge von Dysenterie mehrfach be¬ 
schrieben sind, berichtet CI. über einen Fall, wo solche um 2 Wochen dem Auf¬ 
treten der dysenterischen Erscheinungen vorausgingen. Der betr. Patient, der 
in den letzten Tagen gangränöse Fetzen von Darmschleimhaut entleerte, ging 
unter peritonitischen Erscheinungen zu Grunde. 

Bei der Obduktion fanden sich Darmperforationen am Colon transversum 
und descendens neben ausgedehnten Ulcerationen der Schleimhaut; die Milz war 
nicht vergrössert Im Stuhlgang waren nie Amöben nachweisbar. 

Der Verf. nimmt an, dass hier bereits latente Dannprozesse zur Zeit des 
Erscheinens der Gelenkschmerzen bestanden haben. M. Cohn (Kattowitz). 

Deibel: Contusion de l’abdomen. Hlmorragie par dlchirnre indirecte du petit Ipiploon. 

(Qaz. des höp., Nr. 24.) 

In dem von D. beschriebenen Falle handelt es sich um die recht seltene 
Lokalisation einer Blutung im kleinen Netz. 

Der Pat hatte sich durch Sturz eine Vertikalfraktur der linken Beckenhälfte 
zugezogen. Die Bauchdecken waren leicht gespannt, indes nirgends schmerzhaft. 
Einmal erfolgte Erbrechen. 

Tags darauf war das Gesicht verfallen, die Pupillen erweitert, der Puls 
klein und frequent. Beim Palpieren des Abdomens liess sich eine muskuläre 
Kontraktion der Bauchdecken feststellen; an den seitlichen Partieen bestand leichte 
Dämpfung. 

D. vermutete aus diesen Anzeichen eine innere Blutung, und thatsächlich 
fand sich bei der Laparotomie eine blutige Infiltration des kleinen Netzes als 
Quelle einer Blutung. Beim Versuche, das Netz zu fassen, riss dasselbe ein; 
Tamponade, Entfernung des Tampons am 4. Tage, Bauchnaht. 

Infolge eines heftigen Hustenanfalles rissen die Bauchnähte, Darmschlingen 
prolabierten, und es erfolgte der Tod an Peritonitis. 

Der Verf. denkt sich die Blutung durch Riss des kleinen Netzes infolge 
Zuges des gefüllten Magens entstanden. M. Cohn (Kattowitzj. 

Pichler: Die Festigkeit der Bauchdeckennarbe nach Laparotomieen bei der primären 
Naht und bei der Mikulicz-Drainage. (Beiträge zur klin. Chir., Bd. 33, H. 1.) 

Nach der primären Naht ergaben sich etwa in 10°/« der Fälle Bauchbrüche ; 
nach Mikulicz-Drainage waren die Erfahrungen etwa folgende: 

Eine Laparotomiewunde, in welcher ein sämtliche Baudidecken durchsetzendes 
Drain selbst verhältnismässig lange Zeit liegen bleibt, giebt darum noch keine 
ungünstige Prognose bezüglich der Narbenfestigkeit. Diese hängt vielmehr im 

Nr. 10. 


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246 


wesentlichen davon ab, ob dasOperationsterrain von vornherein mehr oder weniger 
entzündlich verändert war oder nicht; die prophylaktisch tamponierten Fälle geben 
doppelt so gute Prognose als die wegen Abscedierung oder behufs Verödung 
cystischer Hohlräume tamponierten Fälle. Während in jenen Fällen nur ein Dritt- 
teil der Operierten später Brüche bekommt, bleibt in den letzteren Fällen höchstens 
ein Drittteil davon frei. Daher sind die Indikationen für die Drainage des Peri¬ 
toneums keinesfalls aus Furcht vor Hernien zu enge zu stecken; denn gerade 
jene Fälle, bei denen man im Zweifel sein kann, ob drainiert oder primär ge¬ 
schlossen werden soll, geben die günstigste Prognose für die Narbenfestigkeit 

B. Oppler (Breslau). 

Wechsberg: Ein Beitrag zur Lehre vom Ikterus. (Zeitschr. f. Heilkunde, Bd. 23, 

H. 3.) 

Wiederholt wurde nach Chloroformnarkosen Ikterus beobachtet Einzelne 
Beobachter bezeichnen das Vorkommen als ein häufiges, andere als ein seltenes. 
Wechsberg fand bei 100 Narkosen nur 16 mal ikterische Verfärbung der Haut 
und der Skleren, meist in geringem Grade und nur einmal bei einem Patienten 
hochgradig; die Ursache schien in der Leber, die sicherlich pathologisch war, zu 
suchen sein. Der Urin zeigte die Trousseau’sche Gallenfarbstoffreaktion (Auf¬ 
schütten von Jodtinktur, lOfach verdünnt mit Alkohol). Die Reaktion auf Chloro¬ 
form ist bei den einzelnen Patienten verschieden, meist dauert der Ikterus 2—3 
Tage und beginnt am 2. oder 3. Tage, selten später. Das Herz und die Unter¬ 
leibsdrüsen erleiden die schwerste Schädigung, so dass eine pathologische Leber 
eine Disposition zu Ikterus bei der Narkose darbietet Schilling (Leipzig). 

Boas, J. (Berlin): Beiträge zur Kenntnis der Cholelithiasis. (Münch, med. Wochen- 

sehr., Nr. 15.) 

Wie Verf. bereits in der 3. Aufl. seiner »Diagnostik und Therapie der 
Magenkrankheiten« (Leipzig, 1894) hervorgehoben, besteht in vielen Fällen von 
Cholelithiasis ein Druckbezirk an der dorsalen Leberfläche, der in der Höhe des 
10.—12. Brustwirbels 2 Finger breit rechts von der Wirbelsäule gelegen ist und 
sich von hier bis zur hinteren Axillarlinie über die ganze hintere Leberfläche er¬ 
strecken kann. Der Nachweis dieser erhöhten Schmerzhaftigkeit geschieht ent¬ 
weder durch die taktile Prüfung mittels der Finger oder, wenn es auf die Fest¬ 
stellung feinerer Unterschiede ankommt, mit dem elektrischen Strom. Am ausge¬ 
sprochensten ist die Erscheinung während der akuten Anfälle von Gallenstein¬ 
koliken, doch wird sie manchmal auch in den Intervallen oder im Latenzstadium 
der Cholelithiasis beobachtet, häufig zu einer Zeit, wo die die dorsale Schmerz¬ 
haftigkeit oft begleitende marginale (am vorderen Leberrande) und vesikale (an 
der Gallenblase) Druckempfindlichkeit schon längst geschwunden sind. Der Nach¬ 
weis dieses dorsalen Druckbezirks, dessen Ursache B. in einer von einer Cholecystitis 
resp. Pericholecystitis ausgehenden Perihepatitis sucht, kann für die Diagnose insofern 
von Bedeutung sein, als das Symptom bei fehlender Schmerzhaftigkeit des vorderen 
Leberrandes und der Gallenblasengegend auf eine Cholecystitis hinweist, besonders 
wenn es sich darum handelt, beim Fehlen anderer differentialdiagnostisch wichtiger 
Momente, zwischen Cholelithiasis einerseits und Ulcus duodeni, Enteroptose mit 
dislozierter rechter Niere, Hyperchlorhydrie und den intestinalen Sensibilitäts¬ 
neurosen anderseits eine Entscheidung zu treffen. 

Von den der Arbeit angefügten therapeutischen Bemerkungen sei erwähnt, 
dass Verf. zur Erzielung eines längeren Latenzstadiums eine monatelange An¬ 
wendung kleiner Dosen Karlsbader Wassers (200—300 g pro die) empfiehlt Die 
mit Rüdesicht auf die begleitende Obstipation empfohlene Bauchmassage ist zu 
unterlassen, da das Latenzstadium dadurch oft in brüsker Weise unterbrochen 
wird. Schade (Göttingen). 


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249 


Wfas, M.: Operative Behandlung multipler, durch Cholangitis und Cholecystitis ent¬ 
standener Leberabscesse. Aus d. chir. Universitätsklinik zu Leipzig (Dir.: Qeh. Rat 

Prof. Dr. Trendelenburg). (Münch, med. Wochenschr., Nr. 13.) 

Von den Leberabscessen sind die — infolge von Cholangitis und Chole¬ 
cystitis, bei Entzündungen im Pfortadergebiet und bei Pyämie — multipel auf-, 
tretenden prognostisch am ungünstigsten. Ausser der von Oeigel 1889 mitge¬ 
teilten Beobachtung von Hepatitis suppurativa nach Gallensteinleiden hat Verf. 
nirgends Angaben über spontane — wie in dem Geigei’schen Falle — oder 
operative Heilung von Leberabscessen im Anschluss an eine Cholangitis in der 
Litteratur auffinden können, teilt dagegen einen Fall aus eigner Beobachtung mit, 
der, eine 43jährige Patientin betreffend, durch Operation — Eröffnung der zahl¬ 
reichen kleinen Abscesse an der Leberoberfläche mit Drainage der eitrig ent¬ 
zündeten Gallenblase und Gallenwege — zur Heilung gebracht wurde. 

Schade (Göttingen). 

Friebeu: Ein Fall von primärem Lebertumor. Biol. Abt. d. ärztl. Vereins Hamburg. 

Sitzung vom 11. Febr. (Münch, med. Wochenschr., Nr. 14.) 

F. demonstriert das durch die Sektion gewonnene Präparat der Leber 
eines 54 jährigen Mannes, deren rechter Lappen Sitz eines kindskopfgrossen, radiär 
gestreiften und hämorrhagisch durchsetzten Tumors war; in der Umgebung des¬ 
selben wie auch im linken Leberlappen fanden sich zahlreiche kleinere Geschwulst¬ 
knoten. An den geschwulstfreien Partieen war das Lebergewebe cirrhotisch ver¬ 
ändert, die Oberfläche grobhöckerig. Die mikroskopische Prüfung ergab als 
Diagnose: multiple Adenombildung mit carcinomatöser Degeneration in einer 
cirrhotisch veränderten Leber. Tumorbildung in anderen Organen war nicht vor¬ 
handen, auch keine Metastasen. Bemerkenswert ist in diesem Falle, dass ein Ge¬ 
schwulstknoten sich zu einer so excessiven Grösse entwickelt hat 

Schade (Göttingen). 

Lippmanu, A.: Ein Fall von vereitertem Leber-Echinokokkus mit anaäroben Bakterien. 

(Comptes rendus de la sod6t6 de biologie, Nr. 7.) 

Bei einer 40jährigen Frau hatte sich im Laufe von 10 Monaten unter Vor¬ 
wölbung des Epigastriums ein bis zum Nabel reichender Tumor gebildet, über welchem 
auf der Höhe sonorer Schall, an den Randpartieen Dämpfung und Fluktuation nach¬ 
zuweisen waren. Temp. 38,4°. Kein Ikterus. Die Operation zeigte eine Hydatiden- 
cyste mit einem Inhalt von 3 Liter nach Schwefelwasserstoff riechendem Eiter. 
Die schon sehr geschwächte Kranke ging an einer Bronchopneumonie zu Grunde. 

Die bakteriologische Untersuchung des Eiters ergab durchwegs anaerob 
wachsende Bakterien: einen sehr kleinen Staphylokokkus, einen sich nach Gram 
färbenden Streptokokkus und zarte, unbewegliche Stäbchen. Der Tierversuch fiel 
negativ aus. Das Vorkommen nur unter Luftabschluss lebender, gasbildender 
Bakterien ist nur selten bei vereiterten Echinokokken beobachtet worden. 

A. Berliner (Berlin). 

Robin, Albert: Considdrations snr le rdgime des albuminuriques. (Bull, gi n. de thdr., 

1901, tome 141, p. 211.) 

Die Frage, welche Diätvorschriften bei Albuminurie zu geben sind, ist von 
Fall zu Fall zu entscheiden, da die gleiche Diät, in identischen Krankheitsfällen 
angewandt, nicht immer den gleichen Einfluss auf die Eiweissausscheidung ausübt. 
R. verfährt in der Regel so, dass er, mit absoluter Milchdiät beginnend, das täg¬ 
liche Quantum allmählich steigert (bis 4—5 Liter pro Tag); dabei stellt sich fast 
in allen Fällen eine vermehrte Eiweissausscheidung ein, die indes nur von vor¬ 
übergehender Dauer ist. Ist sie zu ihrer früheren Höhe zurückgekehrt, so werden 
der Milchdiät unter ständiger Kontrolle der täglichen Ei weissmenge nach und nach 
andere Nahrungsmittel (erst vegetabilische und dann, wenn diese gut vertragen 


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werden, animalische) hinzugefügt und so dasjenige Regime ausfindig gemacht, 
bei dem die minimalste Eiweissausscheidung statthat Aus zahlreichen Beobachtun¬ 
gen ergaben sich dem Verf. folgende Sätze von allgemeiner Gültigkeit: 

Die Eiweissausscheidung ist im allgemeinen am niedrigsten, wenn die 
Milch im Regimen in genügender Menge vertreten ist; ersetzt man die Milch 
durch Wein, so nimmt das Albumen zu; Eier geben weniger Eiweiss als Fleisch¬ 
diät; bei Kombination von Eiern und Milch erzielt man bessere Resultate als bei 
reiner Milchdiät Unter den verschiedenen Fleischsorten sind Huhn- und Hammel¬ 
fleisch vor Kalb- und Ochsenfleisch zu bevorzugen; Fisch scheint immer eine 
Ei Weissvermehrung zur Folge zu haben; unter den Vegetabilien stehen Kartoffeln, 
Blumenkohl und Reis obenan. Zugabe von Brot zu irgend einem Regime be¬ 
wirkt nur in seltenen Fallen eine Mehrausscheidung des Albumens. 

Schade (Göttingen). 

Guih&l: Le rein des tubercnlenx. (Gazette des höpitaux, Nr. 10.) 

Durch Injektion von Tuberkulin lässt sich auf experimentellem Wege eine 
toxische Nephritis erzeugen, beim Kaninchen sogar Nierenblutungen. Audi beim 
Menschen ist Albuminurie nach Tuberkulin-Injektion beobachtet (Chauffard). 
Zum mindesten wird also durch die Toxine des Tuberkelbadllus eine Schädigung 
der Niere und Disposition zu deren Erkrankung geschaffen. 

Es ist demgemäss die Angabe von Le Noir nicht überraschend, wonach 
nur V« der Phthisiker normale Nieren hat Was die Form der Nierenerkrankung 
bei Tuberkulose anlangt, so ist am häufigsten die parenchymatöse Nephritis; 
nächst dieser rangiert eile Amyloidniere. 

Nephritis interstitialis ist nach Angabe der Autoren in 9,8—23% als Ur¬ 
sache vorhandener Albuminurie Tuberkulöser anzusehen, steht aber wahrscheinlich 
nicht in unmittelbarer Beziehung zur Grundkrankheit 

Von den klinischen Angaben des Verf.’s ist hervorzuheben, dass sich oft 
vorübergehende Peptonurie bei Phthise findet, abhängig von gastrischen und 
hepatischen Störungen. Die Angaben über Urobilinurie schwanken; Hanot | 
sah solche in 30—38% aller Fälle von Phthise, Hayem nur in 9%. Ebenso 
widersprechend sind die Angaben bezüglich der Häufigkeit der Indikanurie. 

Die Toxicität des Urins ist bei Tuberkulose vermindert, die Permeabilität der Niere 
für Methylenblau erhalten. Urämische Erscheinungen sind bei Tuberkulose sehr 
selten. M. Cohn (Kattowitz). 

Fenier: La mddication thyreoTdienne dans le goitre aigu. (Bull, et m€m. de la soc. 
medicale des höpitaux, 13. Dez. 1901.) 

Ferrier behandelte 13Soldaten mit akutem Kropf vermittelst ThyreoTdin 
und erzielte damit günstige Erfolge. Ausser Abmagerung bei einigen der Patienten 
wurden dabei keinerlei Zwischenfälle gesehen. 

Dieses Ergebnis spricht dafür, dass die akute Thyreoiditis nicht auf einer 
Hyperaktivität der Schilddrüse beruht, wie die Basedow’sche Krankheit, bei 
welcher Thyreoidin nur schadet. 

Beim akutenKropf findet man mitunter Puls Verlangsamung, Hypothermie, 
Verminderung des Harnstoffs und der Phosphate, also etwa die umgekehrten Symp¬ 
tome wie bei Basedow’scher Krankheit M. Cohn (Kattowitz). 

Dalchä: Dystrophie ovarienne. a) Syndrome Basedowiforme. b) Psendo-Myxoedfcme. 

(Bull, et m6m. de la soc. m£d. des höp., 15. Nov. 1901.) 

Unter den Symptomen der mangelhaften Ovarialfunktion hat Verf. zwei 
Zustände beobachtet, von denen der eine der Basedow’schen Krankheit, der 
andere dem Myxoedem ähnelt. Der erstere ist ausgezeichnet durch Tachykardie, 
nervöse und vasomotorische Störungen (Schweisse etc), dyspeptische Erschei¬ 
nungen, leichte Schwellung der Thyreoidea, geringen Exophthalmus und Pu- 


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pillenerweiterung, der andere durch leichte Oedeme (Oedeme der Chlorotischen!), 
Adiposität und Verdauungsstörungen. 

Beide Symptomenkomplexe werden durch Ovariin günstig beeinflusst. 

Nach dem Verf. spielt die innere Sekretion der Ovarien vielleicht auch 
eine Rolle bei der Entstehung der echten Basedow’schen Krankheit 

M. Cohn (Kattowitz). 

Lgpine: Himodiagnottik bei Edrinokokken-Krankheft. (Comptes rendus de la soddtd 

de biologie.) 

Tuffier und Milian haben behauptet, dass in dem Blute von Echino- 
kokken-Kranken charakteristische Veränderungen in Gestalt einer Vermehrung 
der roten Blutkörperchen, der polynukleären Leukocyten und der eosinophilen 
Elemente anzutreffen seien; bei einem Echinokokkus des linken Leberlappens 
konnte Verf. dies bestätigen; es fanden sich über 5 Millionen Erythrocyten bei 
einem Bestand von 28000 Leukocyten, Verhältniszahlen 1 : 185, die eosinophilen 
Zellen waren bis auf 18% der Leukocyten gestiegen. A. Berliner (Berlin). 

Cenrello (Palermo): Influence des mftaux lourds sur la formation de l’tiänoglobine. 
Soc. de thdr. Seance du 9 janv. 1901. (Bull. g€n. de th€r., 1901, tome 141, p. 92.) 

Die Beobachtungen, die C. und nach ihm eine Reihe anderer italienisdier 
Forscher (Savoca, Scarpinato, Guagenti, Mercadante, Pitini und Messina) 
über den Einfluss verschiedener Schwermetaile (Kupfer, Zink, Quecksilber, Kobalt 
und Nickel) auf die Hämoglobinbildung und die Anzahl der roten Blutkörperchen 
gemacht haben, lassen sich dahin resümieren, dass die genannten Metalle im 
Tierexperimente sowohl wie bei der klinischen Anwendung eine deutliche Ver¬ 
mehrung des Hämoglobins, im Tierexperiment auch vielfach eine Steigerung der 
Zahl der roten Blutkörperchen bewirkten, dass somit nicht ausschliesslich dem 
Eisen blutbildende Eigenschaften zukommen. Schade (Göttingen). 

Loewy, F.: Ueber Blutverinderungen während der Chloroform-Narkose. (Comptes 
rendus de le socidtd de biologie, Nr. 6.) 

Die Untersuchungen wurden während der Operation fieberlos verlaufender 
Geschwülste (Uterus-Myome, Ovarial-Kystome) ausgeführt; als wichtigste That- 
sache wurde zu Beginn der Narkose eine Verminderung der neutrophilen poly¬ 
nukleären Elemente gefunden, welche allmählich in eine beträchtliche Vermehrung 
überging, deren Höhepunkt nach 24 Stunden erreicht war, umgekehrt war das 
Verhalten der eosinophilen Zellen. Analoge Veränderungen zeigte die Milz der 
Versuchstiere nach einstündiger Betäubung: im Maschenwerk der Pulpa grosse 
Rundzellen, welche neben roten Blutkörperchen auch polynukleäre Leukocyten ein¬ 
geschlossen enthielten. Nach alledem sind die Blutveränderungen während der 
Chloroform-Narkose völlig ähnlich denen der toxischen Zustände bei Infektions¬ 
krankheiten. t A. Berliner (Berlin). 

Laumonier, J.: Notice sur le Persan. (Bull. g6n. de thdr., 1900, tome 140, p. 804.) 

Nach einigen Bemerkungen über die chemischen und physiologischen 
Eigenschaften des Fersans berichtet Verf. über eigne Versuche, die er mit Fersan 
an atrophischen Kindern angestellt hat Er erzielte damit eine monatliche durch¬ 
schnittliche Gewichtszunahme von 440—470 g, also etwa 250 g mehr, als die 
monatliche Gewichtszunahme des normalen Kindes beträgt Das Fersan wurde, 
in Milch verabreicht, in allen Fällen gut vertragen und bewirkte eine auffallende 
Besserung des Allgemeinzustandes. Schade (Göttingen). 

de Nettes: La mddication glycogänique. (Comptes rendus de la soddtd de biologie, 

Nr. 11.) 

Qestützt auf die Beobachtung, dass im Blutserum Kachektischer eine Ver- 


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minderung des Glykogens eintritt, eine Anhäufung dagegen in den Randzellen der 
Tuberkel und echten Neubildungen, hat Verf. die innerliche Darreichung des 
Glykogens ersucht: günstige Erfolge wurden bei Unterernährung und Spitzen¬ 
tuberkulose erzielt Bei einer Darreichung von 5—8 cg täglich fand eine Ge¬ 
wichtszunahme von ca. 600 g pro Woche statt; es wurde das Medikament, um 
die Einwirkung der Salzsäure des Magensaftes zu verhindern, entweder als Klysma 
oder in Form keratinierter Pillen gegeben. A. Berliner (Beriin). 

Siegert, P. (Strassburg): Die moderne Sftnglingsheilstätte und ihre Bedeutung für die 
Aerate, Vortrag, gehalten im unterelsässischen Aerzteverein am 25. Jan. (Münch. 

med. Wochenschr., Nr. 14.) 

Beschreibung der am Ende des vorigen Jahres in Strassburg eröffneten 
Säuglingsheilstatte, die nach dem Vorbilde der gleichen von Schloss mann in 
Dresden ins Leben gerufenen Einrichtung angelegt ist Schade (Göttingen). 

Marckwald: Die Verdauung der Milch im Magen junger Hunde. (Comptes rendus 
de la soddtd de biologie, Nr. 6.) 

Ein bemerkenswerter Unterschied besteht in der Verdauung der Fett- und 
der Magermilch: wie bei den künstlichen Verdauungsversuchen im Brutschrank 
bildet auch im Hundemagen das Kasein der Fettmilch nach 5 Stunden fein- 
verteilte Flocken, während das der Magermilch harte klumpige Massen zeigte. 
Bezüglich des Resorption der Bestandteile der Fettmilch nach Unterbindung des 
Pylorus konnte Verf. feststellen, dass Albumine nicht resorbiert waren, dass eine 
Umwandlung derselben in Aibumosen nur in minimaler Menge stattgefunden hatte, 
und dass Peptone gar nicht gebildet wurden. Die Bedeutung des Speichels für 
die Verdauung wurde nachgewiesen dadurch, dass nach Unterbindung des Oeso¬ 
phagus die Fettmilch im Magen nicht mehr zarte Flocken, sondern krümelige 
Klumpen aufwies. Milchzucker wird, wenn überhaupt, nur zur geringsten Menge 
von den Magenwänden aufgesogen. A. Berliner (Berlin). 

Prdmont, V.: Action de Pean, da sei, da boaillon, da bicarbonate de sonde sar l’estomac. 

(Bull. gdn. de thdr., 1901, tome 141, p. 575.) 

Experimentelle Untersuchungen über den Einfluss von Wasser, Kochsalz, 
Bouillon und doppeltkohlensaurem Natron auf die Magensaftsekretion. Nach Ent¬ 
leerung des Magens wurden die genannten Substanzen den Versuchstieren, deren 
Magen vom Oesophagus getrennt war, in bestimmter Menge zugeführt und vorher 
wie nachher der Magensaft analysiert. 

Die Hauptpunkte der in Tabellen zusammengestellten Versuchsergebnisse 
sind folgende: 

1. Destilliertes Wasser — 100 ccm von 50°, 38° resp. 2° — regt die Magen¬ 
saftsekretion an; es zeigen sich alle Elemente des Magensafts, besonders 
aber die freie (nach F. die »schwach gebundene«) Salzsäure und jlie Chloride 
vermehrt. Temperaturdifferenzen machen nur geringe Unterschiede, indes 
erweist sich Wasser von 50° weniger excitierend als von 38° resp. 2°. 

2. Auch Chlornatrium wirkt anregend auf die Magensaftsekretion, jedoch nicht 
intensiver als gewöhnliches Wasser. 

3. Dagegen steigert Bouillon — gewöhnliche Ochsenfleischbouillon, im Liter 
1,2 g organische Säuren und 5,84 g Chloride enthaltend — die Magensaft¬ 
sekretion in ausgesprochenem Masse; sie bewirkt eine starke Vermehrung 
der gebundenen und eine entsprechende Verminderung der freien Salzsäure, 
indem sich letztere mit den in ihr enthaltenen Eiweisssubstanzen kombiniert. 

4. Das Natrium bicarbonicum übt in massigen Mengen einen beruhigenden 
Einfluss auf den Magen aus, indem es die Sekretion noch nicht so intensiv 
anregt wie gewöhnliches Wasser; auch in grösseren Dosen verabfolgt, er¬ 
reicht es kaum die Wirkung des Wassers- Es neutralisiert die Säuren des 


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Magensafts, hemmt die digestive Fähigkeit desselben und fiberzieht, indem 

es eine schleimige Sekretion hervorruft, die Magenwände mit einer schützen¬ 
den Hülle. Schade (Göttingen). 

Wroblewslrf, Bednarski n. Wajczynski: Zar Kenntnis der Einwirkung der Enzyme auf 
einander. (Beitrage zur ehern. Phys. u. Pathol., H. 7—9.) 

Wiederholt sind Untersuchungen darüber angestellt, ob die Enzyme 
einander vernichten und Pepsinsalzsäure Ptyalin, Trypsin, Pepsin schädige. 
Nachprüfungen stellten die 3 Autoren an. Zuerst mischten sie Pepsin mit 
Tiypsin und fanden, dass Salzsäure das Trypsin angreift, wobei kleine 
Salzsäuremengen bis zu 0,14% schwach wirken, aber 0,56% in starkem 
Masse stören oder die Wirkung ganz aufheben. Bei Zusatz von 
Tiypsin zu Pepsin ergab sich, dass Pepsin durch Trypsin geschwächt und die 
schwächende Wirkung durch Alkalienzusatz gesteigert wird. Bei Vermischen des 
proteolytischen Fermentes mit Lab ergab sich, dass Trypsin schon an sich deut¬ 
lich koaguliert, also im Pankreassekret ein Labenzym vorkommi Prüften sie die 
Einwirkung der Enzyme auf Invertin, so war die Invertierung durch gekochte und 
frische Pepsin-Tiypsin-Diastaselösung verstärkt; Lauge und Säure schwächen In¬ 
vertin, dagegen büssen Lauge oder Säure ihren schwächenden Einfluss bei Ver¬ 
mischen mit Pepsin oder Trypsin, weil die Enzyme Phosphate enthalten, welche 
die Inversion fördern. 

Bringt man schliesslich Enzyme mit Diastase zusammen, so wirkt Trypsin 
auf Diastase nicht, wohl aber Pepsin. Auf Emulsin wirkt weder Tiypsin noch 
Pepsin. Schilling (Leipzig). 

Rahner: Ueber die Wirkung der Borsäure auf den Stoffwechsel des Menschen. (Hy¬ 
gienische Rundschau, 15. Febr.) 

R. hat durch sehr sorgfältige Stoffwechselversuche festgestellt, dass durch 
Zugabe von geringen Mengen Borsäure zur Kost sehr erhebliche Aenderungen 
des Stoffwechsels eintreten können. Trotzdem die Mengen so gering waren, dass 
sie in manchen mit Borax konservierten Speisen sicherlich übertroffen werden und 
irgend welches Uebelbefinden von seiten der Versuchspersonen nicht auftrat, 
konnte doch eine verschlechterte Ausnutzung der Nahrungsmittel in Kot, Steige¬ 
rung der Kohlensäure- und Wasserdampfausscheidung, gesteigerter Fett- oder 
Kohlenhydratumsatz, sowie Sinken des Körpergewichts festgestellt werden. 

Vielleicht, so meint R., Hesse sich dieser Einfluss der Borate therapeutisch 
verwerten, vor allem aber mahnt er zur Vorsicht in der Verwendung des Borax als 
Konservierungsmittel. 

Die mitgeteilten Thatsachen sind um so wichtiger, als diese Gesundheits¬ 
schädigungen von den Betroffenen kaum bemerkt werden und vielleicht auch bei 
anderen Chemikalien in ähnlichen Fällen sich derartiges wird nachweisen lassen. 

B. Oppler (Breslau). 

Bertherand, L: Contribntion k Fände dn pyramidon et de ses sels. Soc. de th€r. 

Seance du 13 flvr. 1901. (Bull. gln. de thdr., 1901, tome 141, p. 243.) 

Bestätigung der Beobachtung von Robin und Bardet (Ref. S. 228), dass 
das Pyramidon im Gegensatz zum Antipyrin eine Steigerung der Stoffwechsel¬ 
vorgänge bewirkt Schade (Qöttingen). 

Goarand: IHe Ansscheidungskurven der Phosphate bei Pneumonie nnd Typhös. (Comptes 
rendus de la soci^te de biologie, Nr. 11.) 

Zur Untersuchung wurden Typhen mit mehrtägiger Temperatur von 40°, 
sowie genuine und Influenza-Pneumonieen benutzt; während derAcme des Fiebers 
fanden sich die Phosphate stark vermindert, doch schwankte die Ausscheidungs¬ 
kurve an einzelnen Tagen in geringen Grenzen. In der Rekonvalescenz trat analog 


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dem Verhalten der Chloride eine Krise in der Ausscheidung ein, so dass anstatt 
1 g bis zu 13 g pro Tag Phosphate ausgeschieden wurden; während der Fieber¬ 
periode blieben besonders die Erdphosphate vermindert, so dass der Koeffizient 
Gesamt-Phosphate: Erdphosphate von 30 auf 10 sank. Die Feststellung dieser 
Verringerung der Erdphosphate dürfte bei der Differentialdiagnose zwischen 
Typhus abdom. und tuberkulöser Meningitis von Wert sein, da bei letzterer die 
Erdphosphate vermehrt bleiben. A. Berliner (Berlin). 

Robin, Albert: La phosphaturie terreuse des dyspeptiques. Les ftnissions d’nrine 
laiteuse. La cystite, la pydlite et les hlmaturies d’origine gastrique. Pathogöiie, 
diagiiostic et traftement (Bull. gdn. de thdr., tome 140, p. 915.) 

Die gleiche Arbeit ist bereits S. 38 ds. Jahrgangs referiert 

Schade (Göttingen). 

de Fleury, Maurice: L’excrdtion urinaire chez les neurasthdniques. Soc. de thör. 
Seance du 14 nov. 1900. (Bull. gen. de thdr., 1900, tome 140, p. 724.) 

60 Harnanalysen bei Neurasthenie ergaben folgende bemerkenswerte Be¬ 
funde: 

In 66% der Fälle war die 24stündige Harnmenge vermindert, dem ent¬ 
sprechend in 59% die Dichte vermehrt Einer Zunahme der Ur (in 61 %) ent- 

entsprach eine Abnahme des Ur (in 57 %). Das Verhältnis der Alkaliphospate zu 
den Erdphosphaten war in 81 % im Sinne einer Vermehrung der letzteren ver¬ 
ändert In 56% fand sich eine vermehrte Chlorausscheidung. Der Oxydations¬ 
koeffizient blieb in 55% hinter der Norm zurück. Im Gegensatz zu Cautru (vgl. 
Ref. S. 48), nach dessen Untersuchungen der Ham bei Neurasthenie meist sub- 
acide ist fand de F. in 56 % seiner Fälle Hyperacidität des Harns, eine Differenz, 
die, wie er glaubt vielleicht dadurch zu erklären ist dass er die Addität des ge¬ 
samten 24stündigen Harns bestimmte, während Cautru besonderes Gewicht 
darauf legt, die Addität der durch die Verdauung am wenigsten beeinflussten 
Hamportion, d. h. des ersten Moigenhams, zu bestimmen. Wahre Phosphaturie 
konstatierte de F. nicht so häufig wie andere Beobachter; er ist daher geneigt, 
sie nicht als ein der Neurasthenie eigenes Symptom anzusehen. 

Aus den angeführten Befunden, die von denen anderer Forscher nicht un¬ 
wesentlich abweichen, eine für die Neurasthenie pathognomonische »urologische 
Formel« abzuleiten, wie sie manche Autoren — insbesondere diejenigen, welche 
die Neurasthenie der Gruppe der Stoffwechselkrankheiten einreihen möchten — 
aufzustellen sich bemühen, hält de F. für nicht zulässig, glaubt jedoch aus den 
jeweiligen Eigebnissen der Harnanalyse manche therapeutisch wertvolle Schluss¬ 
folgerungen ziehen zu dürfen. Schade (Göttingen). 

I. Cautru: De l’additd urinaire dans la neurasthftiie. Röle thdrapeutique de l’adde 

phosphorique dans le traitement de cette affecüon. 

II. Linossier, 0. (Vichy): Sur la variabilitd des s&rltions chez les neurastheniques. 
Soc. de thdr. Sdance du 28 nov. 1900. (Bull. gdn. de thdr., 1900, tome 140, 

p. 816.) 

HL Bardet, 0.: Neurasthenie vrale et phdnomfcnes neurasthdniques de cause dys- 
peptique. Imposdbilitd d’&ablir une urologle de la neurasthdnie. Formulaire de 

l’adde phosphorique. 

IV. Linossier, 0.: Remarques sur la mesure de l’additd urinaire. Soc. de ther. 
Seance du 12 et 28 d£c. 1900. (ibid., p. 883 u. Bull. g£n. de th£r., 1901, tome 141, 

p. 4.) 

Die Ausführungen der genannten Autoren schliessen sich an die vorstehend 
referierte Arbeit von de Fleury an. Wie bei zahlreichen anderen Erkrankungen 


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255 


(vgl. Referat S. 48), so sucht Cautru auch bei der Neurasthenie die Reaktion des 
Harns zur Grundlage therapeutischen Handelns zu machen, indem er nachweist, 
dass die Additätsbestimmung der Harne von Neurasthenikern, nach der Joulie’- 
schen Methode ausgeführt, fast durchweg Hypoacidität anzeigen. Da zwischen 
Neurasthenie und Hypoacidität ein kausaler Zusammenhang besteht, so ist der 
Weg, den die Therapie der Neurasthenie einzuschlagen hat, vorgezeichnet: Be¬ 
seitigung der Hypoacidität. Dieses Ziel wird erreicht durch die Phosphor- 
darreichung, die C. ausführlich bespricht. 

In der anschliessenden Diskussion erklärt sichRobin gegen einen direkten 
Zusammenhang zwischen Neurasthenie und Hypoacidität, da viele Fälle von 
Neurasthenie mit Hyperaddität des Harns einhergehen. Er hält daher die Phos¬ 
phorsäurebehandlung der Neurasthenie für nicht genügend begründet. Le Gendre 
will von derselben mehrfache Erfolge gesehen, manchmal aber auch nachteilige 
Wirkungen, insbesondere auf die Leber (Fettleber?), beobachtet haben; er rät 
daher von einer allgemeinen therapeutischen Verwendung der Phosphorsäure ab, 
bevor nicht deren Wirkungen auf den Organismus durch das Tierexperiment ge¬ 
nauer erforscht sind. 

Nach Linossier hängt die Beschaffenheit des Harns bei Neurasthenie 
nicht direkt von dieser ab, sondern vielmehr von dem pathologischen Zustande, 
auf dessen Boden sich die Neurasthenie entwickelt hat. So verschiedenartig die 
Ursachen der Neurasthenie sind, so verschieden ist auch die Beschaffenheit des 
Harns. Aber auch sonst variiert das Harnbild gerade bei Neurasthenikern in 
weiten Grenzen, ebenso wie auch die übrigen Sekretionen — Magensaftsekretion, 
Speichel- und Schweisssekretion — beim Neurastheniker einem ständigen Wechsel 
betreffs Qualität und Quantität unterliegen. Es erklärt sich dieses Verhalten aus 
der leichten Erregbarkeit der Vasomotoren. 

Indem Bardet die Mehrzahl der Neurasthenieen auf gastrische Störungen 
zurückführt, die meist einer Ueberemährung ihre Entstehung verdanken, glaubt er 
viele Neurastheniker einfach durch Regelung der Diät, insbesondere Verringerung 
der Eiweisszufuhr, heilen zu können., Es wird auf diese Weise eine Zunahme 
der Hamaddität erreicht, denn auch er hält die Hypoaddität für das Bindeglied 
zwischen Dyspepsie und Neurasthenie. Mit den diätetischen Massnahmen ver¬ 
bindet man am zweckmässigsten noch die Säuretherapie, und zwar empfiehlt sich 
deswegen am meisten die Darreichung der Phosphorsäure, weil man mit dieser 
zugleich ein lebenswichtiges Element in den Körper einführt, das gerade bei der 
Neurasthenie einem gesteigerten Zerfall unterliegt. 

Mathieu hält das Joulie’sche Verfahren der Additätsbestimmung des 
Harns für unzweckmässig; um die physiologische und pathologische Bedeutung 
der Hamaddität richtig zu würdigen, ist es erforderlich, die Gesamtacidität der 
24stündigen Hammenge zu bestimmen unter Berücksichtigung der oft nicht un¬ 
erheblichen stündlichen Schwankungen. In gleichem Sinne äussem sich Linossier 
und Robin, während am Schlüsse der Diskussion zur Verteidigung der Joulie’- 
sehen Methode nochmals Bardet und Cautru das Wort ergreifen. 

Schade (Göttingen). 

Bardet, 0.: Quelques faits relatifs äl’action de la digestion sur la rlaction des urines. 
Soc. de th€r. Seance du 23 janv. 1901. (Bull. gen. de th6r., 1901, tome 141, p. 183.) 

B. zeigt an einem (!) von ihm beobachteten Krankheitsfalle, dass entgegen 
der Ansicht von Robin, Linossier u. a. auch die Hyperaciditas gastrica mit 
Hypoacidität des Harns (nach der Joulie’schen Methode bestimmt!) einhergeht. 
Dagegen kann es bei gleichzeitigen abnormen Fermentationsprozessen im Magen 
zu einer Steigerung der Hamaddität, selbst bis zu Hyperacidität, kommen. Die 
Zahlenangaben B.’s zeigen auch die Abhängigkeit des Hamariditätsgrades von 
dem Verdauungsprozess: die höchste Hamaddität findet sich morgens nüchtern, 
nach den einzelnen Mahlzeiten erfährt sie jedesmal eine deutliche Abnahme. 

Schade (Göttingen), 


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256 


Bordet, 0.: Des divers proctdds tbärapeotiqaes capables de rftabiir Io normale acide 
des nrines. Soc. de thdr. Sdance du 26 juin 1901. (Bull. g6n. de th6r., 1901, 

tome 142, p. 50.) 

Durch weitere Untersuchungen und Beobachtungen hat B. die Ueber- 
zeugung gewonnen, dass der Joulie’schen Methode der Bestimmung der Ham- 
acidität mancherlei Mängel anhaften, und dass daher die aus den Ergebnissen 
dieser Methode von Joulie gezogenen Schlussfolgerungen, die ihn zu der An¬ 
nahme einer den verschiedensten Erkrankungen zu Grunde liegenden »hypoadden 
Diathese« führten, der Einschränkung bedarf. Die mit so grosser Emphase von 
Joulie und seinen Anhängern empfohlene Phosphorsäuretherapie ist gewiss bei 
vielen Erkrankungen von Nutzen, so z. B. bei dyspeptischen Zuständen, doch ist 
entschieden davor zu warnen, sie überall da in Anwendung zu bringen, wo der 
Joulie’sche Koeffizient, dessen Normalwert zudem noch viel zu hoch ist, Hypo- 
acidität des Harns anzeigt, da die Erfahrung lehrt, dass die Hamaddität, als von 
zahlreichen, z. T. noch gänzlich unbekannten Faktoren abhängig, durch Dar¬ 
reichung von Säuren resp. Alkalien häufig im entgegengesetzten Sinne, als man 
erwarten sollte, beeinflusst wird. Schade (Göttingen). 

Winter, J.: De l’addltd Joulie, dans rurine. (Bull. gdn. de thdr., 1901, tome 142, 

p. 85.) 

Verf. weist nach, dass auch vom chemischen Standpunkte aus gegen die 
Joulie’sche Methode der Hamadditatsbestimmung die grössten Bedenken zu er¬ 
heben sind. Schade (Oöttingen). 

Lewin: Ueber die Bildung von Phenol und Indoxyl im intermediären Stoffwechsel und 
deren Beziehung zur Olykuronsäureausscheidung. (Beiträge z. ehern. Physiol. und 

Pathol., Bd. 1, H. 10-12.) 

Es fiel L bei seinen Versuchen auf, dass bei dem Phloridzindiabetes stets 
Indoxyl und Phenol, letzteres bis zu 26,0 %, vermehrt waren. Da dne vermehrte 
Darmfäulnis ausgeschlossen werden konnte, so lag es offenbar an einer Stoff¬ 
wechselstörung in den Geweben; Phloridzin steigert in abnormer Weise den Ei¬ 
weisszerfall, und dabei entstehen Phenol und Indoxyl. Stets findet sich dabei auch 
vermehrte Glykuronsäureausscheidung, so dass die Annahme nahe liegt, dass 
Glykuronsäure sich mit den selbst produzierten, nicht durch bakterielle Thätigkeit 
hervorgerufenen aromatischen Produkten verbindet Schilling (Leipzig). 

Treupel, 0. u. Edinger, A.: Untersuchungen über Rhodanverbindungen. III. Mitteilung. 
Aus der med. Universitätsklinik zu Freiburg i. B. (Dir.: Geh. Rat Prof. Dr. Chr. 

Bäumler). (Münch, med. Wochenschr., Nr. 14.) 

Wie die Verff. bereits in einer früheren Versuchsreihe (cf. Ref. dies. Ccn- 
tralbl. 1901, S. 568) nach weisen konnten, hat die innerliche Verabreichung von 
Rhodannatrium beim Hunde eine Herabsetzung der Hamaddität zur Folge. Da 
die in dieser Richtung beim Menschen angestellten Versuche damals kein ein¬ 
deutiges Resultat ergeben hatten, so stellten die Verff. eine Wiederholung der¬ 
selben an. Es zeigte sich nun, dass durch fortgesetzte Darreichung von Rhodan¬ 
natrium (0,3—0,5 g pro die) auch beim Menschen die Addität des Harns erheblich 
abgestumpft wird, womit eine Verminderung der Harnsäure- und Phosphorsäure¬ 
ausscheidung Hand in Hand geht. Schade (Göttingen). 

Ddäarde et Haotefenille: Mitteilangen über die Ehrlich’sche Diazo-Reaktion. (Comptes 
rendus de la sod€t€ de biologife, Nr 9.) 

Die Verff. haben die Reaktion in schweren Fällen von Typhus und bei 
hohem Fieber angetroffen, in der Rekonvalescenz sowie bei Zunahme der Ham¬ 
menge verschwand sie. Das von Burghart behauptete Auftreten der Reaktion 
nach Verabreichung von Tannin, Jodtinktur, Kreosot, Guajakol konnten $ie bei 


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257 


Tuberkulösen nicht bestätigen. Dagegen verschwindet die Diazo-Reaktion nach 
Darreichung von Salol und Naphthol, jedoch nicht infolge ihrer antiseptischen 
Eigenschaften gegenüber den Produkten der Darmfäulnis, wie man behauptet hat, 
sondern infolge ihres Oehaltes an Karbolsäure, denn andere Darmantiseptika, wie 
Salicylsaure, Milchsäure, Glaubersalz, blieben ohne Wirkung auf das Bestehen der 
Diazo-Reaktion. Dieselbe ist ausserdem unabhängig von dem grösseren oder ge¬ 
ringeren Indikan-Gehalte des Urins; vielmehr ist es wahrscheinlich, dass das Auf¬ 
treten der Phenole im Ham die Intensität der Diazo-Reaktion beeinflusst, wie sie 
denn auch bei Scharlach, Eiysipel, Diphtherie, alles Krankheiten mit reichlicher 
Phenol-Ausscheidung, meistenteils fehlt A. Berliner (Berlin). 

Sachs: Zur Kenntnis des Kreuzspinnengiftes. (Beiträge zur ehern. Physiologie und 

Pathologie, Bd. 2.) 

Verf. fand in dem Extrakt von Kreuzspinnen mit 10%iger NaCl-Lösung 
eine haemolytisch wirkende Substanz, die er Arachnolysin nennt; dieselbe 
ist durch schnelle und starke Haemolyse ausgezeichnet 

Am empfindlichsten erwiesen sich dagegen die Blutkörper von Ratten und 
Kaninchen, ferner waren stark empfindlich die der Gans, Maus und des Menschen, 
unempfindlich die von Hammel, Meerschweinchen, Hund und Pferd. 

Das Arachnolysin wird erst durch 40 Min. langes Erhitzen auf 70°—72° 
zerstört Durch normale Blutsera wird die Haemolyse nicht gehemmt. 

Es liess sich nachweisen, dass das Lysin von den ihres Farbstoffs befreiten 
Stromata von Blutkörpem einer empfindlichen Blutart gebunden wurde. Ferner 
konnte durch Immunisierung von Meerschweinchen ein antitoxisch wirkendes 
Serum gewonnen werden. 

Das Arachnolysin ist wahrscheinlich indentisch mit dem von Kobert aus 
dem Körper der Kreuzspinne gewonnenen Toxalbumin. M. Cohn (Kattowitz). 


Besprechungen. 

r. Noorden: Ueber die Behandlung der akuten Nierenentzündung und der Schrumpf- 
Biere. Sammlung klin. Abhandlungen über Pathol. und Therapie der Stoffwechsel- 
und Ernährungsstörungen, H. 2. Berlin 1902. 

Das vorliegende Werk ist von grosser Wichtigkeit für den praktischen Arzt, 
den es mit den Grundsätzen der Diätetik bei Nierenkranken, wie sie sich nach 
y. Noorden’s Erfahrung darstellen, bekannt macht Die diätetische Behandlung 
ist zweifellos die wichtigste beim Nephritiker, und gerade bezüglich dieser haben 
Stoffwechselversuche an Nierenleidenden und die praktische Erfahrung am Kranken- 
bettNoorden zu diätetischen Vorschriften geführt, die von den bislang geübten 
mannigfach abweichen. 

Nach einer Besprechung der bisher üblichen Therapie bei Nierenkranken, 
welche das Rögime lactö in den Vordergrund der Behandlung stellte, führt N. aus, 
dass als Gradmesser der therapeutischen Beeinflussung die Höhe der Albuminurie 
nur bei akuter Nephritis in Betracht komme, während dieser Faktor bei den 
chronischen Erkrankungen sehr unzuverlässig sei. Die Jod- und Methylenbau-Probe 
können nicht als Kriterium für die exkretorische Kraft der Nieren gelten, da N. in 
vielen Fällen keinerlei Parallelismus zwischen der Ausscheidung der physiologischen 
Stoffwechselpiodukte und der genannten Stoffe hat feststellen können. Nur eine 


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258 


genaue Analyse der ausgeschiedenen Hamkomponenten, verglichen mit der ein¬ 
geführten Nahrung, kann als Handhabe für die Diätregulierung dienen. 

ln dieser Richtung hat N. gefunden, dass bei akuter Nephritis, frischerer 
chron. parenchym. Nephritis und den akuten Exacerbationen der Schrumpfniere 

a. schlecht ausgeschieden werden: Harnstoff, Kreatinin, Farbstoffe, Hippur¬ 
saure, Phosphate, anoigan. Sulfate und Wasser. 

b. Out werden ausgeschieden: Harnsäure, Xanthinbasen, aromatische Sub¬ 
stanzen, NH„ Amidosäuren, Chloride, kohlensaure Salze. 

Wasser wird im Beginn der Erkrankung retiniert, in späteren Stadien gut 
ausgeschieden. 

Es sind also bei akuter Nephritis im wesentlichen Harnstoff und Kreatinin 
bildende Substanzen Phosphate und ev. Wasser femzuhalten. 

Dazu ist in praktischer Beziehung noch zu bemerken, dass die Milch be¬ 
sonders reich an Phosphaten ist; um bei Genuss dieser eine Ausscheidung der 
Phosphate durch den Ham zu verhüten, lässt N. gleichzeitig messerspitzenweise 
kohlensauren Kalk nehmen, wodurch die Hauptmasse der Phosphate mit den 
Faeces zur Abscheidung gelangt 

Harnstoff und Sulfate entstammen der Zersetzung des Eiweisses; N giebt 
darum selten über l*/s Liter der ei weissreichen Milch pro Tag und deckt die noch 
fehlende Kalorieenmenge der Nahrung durch Zusatz von Rahm; man genügt da¬ 
durch gleichzeitig der Forderung, grössere Flüssigkeitsmengen zu vermeiden. Da 
die Hippursäure-Synthese bei Nephritis erschwert ist, erscheint es angezeigt wenig 
Benzoesäure mit der Nahrung zuzuführen, welche hauptsächlich im grünen Ge¬ 
müse, Steinobst und Preisselbeeren enthalten ist, während das Kernobst nur re¬ 
lativ geringe Mengen davon birgt 

Wegen der guten NH S -Ausscheidung erscheint es therapeutisch vielleicht 
angezeigt durch Zufuhr von Mineralsäuren einen Teil des N, an Sauren gebunden, 
als NH«, aus dem Körper zu entfernen. 

Der Alkohol ist ein der Niere schädliches Reizmittel und deshalb nur bei 
Anfällen von Herzschwäche in kleineren Dosen zu verwenden, ev. noch bei 
manchen Nephritikem als Stomachicum in geringer Menge zu gestatten. Wasser¬ 
zufuhr ist bei vorhandenen Oedemen mögliäst zu vermeiden; versagt bei solchem 
Verhalten die Diurese, so ist, um das Ueberhandnehmen des Hydrops zu verhüten, 
ein Teil der aufgesammelten Flüssigkeit auf diaphoretischem Wege nach aussen 
zu leiten; in den späteren Stadien der ak. Nephritis kann man ruhig mehr Wasser 
reichen. 

Im einzelnen stellt N. folgende Grundsätze für die physikalisch-diätetische 
Behandlung der akuten Nephritis auf: 

1) Bei schweren Fällen mit Oligurie bezw. Anurie: Möglichste Beschränkung 
der Nahrungszufuhr, wenig Flüssigkeit (ca. V* Liter Milch), Eisstückchen 
gegen den Durst, Entfernung des überschüssigen Wassers aus dem Körper 
durch Schwitzen. 

2) Fälle mit beschränkter Wassersekretion und mässigen Oedemen: 1V* Liter 
Milch (mit kohlens. Kalk) und */, Liter Rahm, daneben ev. Reis, Gries, 
Cakes etc. 

3) Abheilungszustand der ak. Nephritis: Reichlichere Nahrungszufuhr, nicht 
über 2 1 /* Liter Milch wegen des vielen darin enthaltenen N; daneben Weiss¬ 
brot, Leguminosen, Cerealien, Früchte, etwas Fleisch. Eiweiss nicht über 
100 g p. die. Die Flüssigkeitszufuhr kann reichlicher sein. Bei persistierenden 
Oedemen empfiehlt sich der Aufenthalt im Wüstenklima, wo sich Oedeme 
rasch verlieren. 

Wesentlich anders gestalten sich die Grundsätze für die Behandlung der 
Patienten mit Schrumpfniere. Im allgemeinen ist jeder Schrumpfnieren¬ 
kranke wie ein Herzkranker zu behandeln. Abgesehen von den schon be¬ 
sprochenen akuten Exacerbationen ist eine besondere Nephritis-Diät nicht nötig, da 
die Ausscheidung der harnfähigen Stoffe hier nicht wesentlich verstört ist Alkohol 


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250 


ist möglichst ganz zu vermeiden und nur bei Störungen der Herzthätigkeit indi¬ 
ziert (Stenokardische Anfälle, urämisches Asthma). Von Würzmitteln sind für 
die Niere schädlich bes. Pfeffer, Paprika, Nelken, Senf, Anis, Kümmel, Knoblauch, 
Sellerie, Rettig, während Spargel z. B. zu gestatten ist. Aus dem gleichen Grunde 
sind scharfe Arzneimittel nicht zu verordnen, die die Niere reizen, bes. Copalva. 
Terpentin, Cantharidin, Salicylsäure, Resordn, Borsäure, Blei-, Kupfer-, Silber- und 
Quecksilbersalze, Theerpräparate. Auch Digitalis- und Sdlla-Präparate werden 
leicht kumuliert und mangelhaft ausgeschieden. 

Von Genussmitteln sind alle das Herz reizenden Stoffe, wie Kaffee, Thee, 
Tabak, zu meiden; ebenso wirken die Extraktivstoffe des Fleisches als Herz¬ 
reize, weshalb der Fleischgenuss einzuschränken ist. Ein Unterschied zwischen 
schwarzem und weissem Fleisch besteht jedoch in dieser Hinsicht nicht Wie 
bei viden Herzkranken schadet eine zu grosse Flüssigkeitszufuhr durch Ueber- 
lastungdes Gefasssystems; v. Noorden fand, dass die Beschränkung der Wasser¬ 
zufuhr keinen hemmenden Einfluss auf die Ausscheidung der hamfähigen Sub¬ 
stanzen in der Regel ausübte; ev. empfiehlt er in bestimmten Intervallen einen 
»Trinktag« einzuschalten, um die etwa retinierten Stoffe zu entfernen. 

Die Kalorieenzufuhr im ganzen sei keine zu grosse, um einen Fettansatz 
zu verhüten, der eine wesentliche Erschwerung der Zirkulation zur Folge hat 

M. Cohn (Kattowitz). 


7« baUsverjeicbnls. 

Original-Artikel: Kaufmann, Martin: Ein Beitrag zur Frage der 
Fleischmast 5. 230. — Waldvogel: Berichtigung S. 242. — Referate: Raimann: 
Ueber Glykosurie und alimentäre Glykosune bei Geisteskranken S. 242. — His: 
Die Rolle der Harnsäure in der Pathologie und Therapie der Gicht S. 242. — 
de Renzi, E.: Die Ernährung bei Arthritikern S. 243. — Barriet, G.: Traitement 
de la goutte et du rhumatisme goutteux par le sidonal ou quinate de piperazine 
S. 244. — Simmonds: Ueber Streptokufeienoesophagitis S. 244. — Fremont: 
Classification des dyspepsies et chimisme de l’estomac S. 244. — Ehrlich, Franz 
(Stettin): Ausspülungen des Magens mit Höllensteinlösung - ein therapeutisch 
und diagnostisch wirksames Cholagogum S. 245. — Variot: Traitement et ölevage 
d'un enfant atteint d’une atrophie extreme d’origine gastro-intestinale par Pemploi 
exdusif et möthodique du lait störilisö industriellement S. 245. — Wechsbeig: 
Ueber einen Fall von Achsendrehung des Dünndarms S. 246. — Zahradnicky: Ueber 
die primäre Resektion bei gangränösen incarcerierten Hernien S. 246. — Lövi et 
Lenuerre: Un cas de cystite ä oadlles d’Eberth. (Prophylaxie urinaire de la fifcvre 
typhoide) S. 246. — Barbary: Rhino-phaiyngite typhoTdique S. 247. — Mathieu, 
Albert: Note sur le traitement des hömorrhagies intestinales de la fifcvre typhoide 
par Ies grands lavements chauds et le chlorure de calcium S. 247. — Claude: 
Dysentöne sporadique. Polyarthrite dysentörique S. 247. — Delbet: Contusion 
de l’abdomen. Hömorrhagie par döchirure inairecte du petit epiploon S. 247. — 
Pichler: Die -Festigkeit der Bauchdeckennarbe nach Laparotomieen bei der pri¬ 
mären Naht und bei der Mikulicz-Drainage S. 247. — Wechsberg: Ein Beitrag 
zur Lehre vom Ikterus S. 248. — Boas, J. (Berlin): Beiträge zur Kenntnis der 
Cholelithiasis S. 248. — Wilms, M.: Operative Behandlung multipler, durch 
Cholangitis und Cholecystitis entstandener Leberabscesse S. 240. — Frieben: Ein 
Fall von p rimär em Lebertumor S. 240. — Lippmann, A.Ein Fall von vereitertem 
Leber-Echinokokkus mit anaeroben Bakterien S. 240. — Robin, Albert: Conside- 
rations sur le rögime des albuminuriques S. 240. — Guihal: Le^ rein des tuber- 
culeux S. 250. — Ferner: La mödication thyroTdienne dans le goitre aigu S. 250. 


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260 


— Dalch£: Dystrophie ovarienne. a) Syndrome Basedowiforme. b) Pseudo- 
Myxoedfeme S. 250. — Ldpine: Hämodiagnostik bei Echinokokken-Krankheit 
S. 251. — Cervello (Palermo): Influence des mätaux lourds sur la formation de 
I’hdmoglobine S. 251. — Loewy, F.: Ueber Blutveränderungen während der 
Chloroform-Narkose S. 251. — Laumonier, I.: Notice sur le rersan S. 251. — 
de Nettes: La mddication glycogdnique S. 251. — Siegert, F. (Strassburg): Die 
moderne Säuglingsheilstätte und ihre Bedeutung für die Aerzte S. 252. — Marek- 
wald: Die Verdauung der Milch im Magen junger Hunde S. 252. — Främont, 
V.: Action de l’eau, du sei, du bouilion, du bicarbonate de soude sur l’estomac 
S. 252. — Wroblewsld, Bednarski u. Wajczynsld: Zur Kenntnis der Einwirkung 
der Enzyme auf einander S. 253. — Rubner: Ueber die Wirkung der Borsäure 
auf den Stoffwechsel des Menschen S. 253. — Bertherand, L.: Contribution ä 
l’dtude du pyramidon et de ses sels S. 253. — Gouraud: Die Aussscheidungs- 
kurven der Phosphate bei Pneumonie und Typhus S. 253. — Robin, Albert: la 

Les emissions d’urine laiteuse. La cystite, 
□ue. Pathogänie, diagnostic et traite- 
uiy. Maurice: L'excretion urinaire chez les neurasthdniques 
S. 254. — I. Cautru: ue l’additd urinaire dans la neurasthdnie. R61e thlra- 
peutique de l’adde phosphorique dans le traitement de cette affection; II. Li- 
nossier, O. (Vichy): Sur la variabilitd des s&rdtions chez les neurasthäniques; 
III. Bardet, G.: Neurasthenie vraie et phlnomfenes neurasth6ni<pies de cause dys- 
peptique. Impossibilitl d’dtablir une Urologie de la neurasthdnie. Formulaire de 
l’adde phosphorique; IV. Ltnossier, G f : Remarques sur la mesure de l’ariditf 
urinaire S. 254. — Bardet, G.: Quelques faits relaüfs ä Paction de la digestion sur 
la rdaction des urines S. 255. — Bardet, G.: Des divers proc6d£s thto- 
peutiques capables de rdtablir la normale acide des urines S. 256. — Winter, 
].: De l’acidite Joulie. dans l’urine S. 256. — Lewin: Ueber die Bil¬ 

dung von Phenol una Indoxyl im intermediären Stoffwechsel und deren 
Beziehung zur Glykuronsäureausscheidung S. 256. — Treupel, G. u. Edinger, A.: 
Untersuchungen über Rhodanverbindungen S. 256. — Ddldarde et Hautefeuille: 
Mitteilungen über die Ehriich’sche Diazo-Realction S. 256. — Sachs: Zur Kenntnis 
des Kreuzspinnengiftes S. 257. — Besprechungen: v. Noorden: Ueber die Be¬ 
handlung der akuten Nierenentzündung und der Schrumpfniere S. 257. 



Hlpbabetifd» geordnete* Jnbaltsverteidmi*. 

Achsendrehung S. 246. — Albuminurie S. 249. — Basedowähnliche Er¬ 
krankung S. 250. — Bauchdeckennarben S. 247. — Bauchkontusion S. 247. — 
Blutveränderungen S. 251. — Borsäure und Stoffwechsel S. 253. — Cholelithiasis 
S. 248. — Diazoreaktion S. 251. — Dysenterie S. 247. — Dyspepsie S. 244. 254. 

— Echinokokken-Krankheit S. 251. — Enzyme S. 253. — Fersan S. 251. — Fleisch¬ 
mast S. 239. — Gicht S. 242. 244. — Olykogentherapie S. 251. — Olykosurie 
S. 242. — Glykuronsäure S. 256. — Hämoglobin, Einfluss der Metalle auf dasselbe 
S. 251. - Harn S. 253-254. - Hamaddität S. 254-256. - Hernien S. 246. - 
Ikterus 248. — Indoxyl S. 256. — Kreuzspinnengift S. 257. — Leberabscess S. 249. 

— Leberechinokokkus S. 249. — Lebertumor S. 249. — Magenspülungen als Chola¬ 
gogum S. 245. — Milchverdauung S. 252. — Neurasthenie, Harn bei S. 254. — Niere 
bei Tuberkulose S. 250. — Nierenerkrankungen S. 257. — Oesophagitis S. 244. — 
Phenol S. 256. — Phosphatausscheidung S. 253. — Phospnaturie S. 254. — 
Pneumonie, Phosphatausscheidung bei S. 253. — Pseudomyxoedem S. 250. — 
Pyramidon S. 253. — Rhodanverbindungen S. 256. — Säuglingsernährung S. 245. 

— Säuglingsheilstätte S. 252. — Sidonal S. 244. — Stoffwechsel, intermediärer 
S. 256. — Thyreoidea-Behandlung S. 250. — Typhus S. 246. 247. 253. — Typhus, 
Phosphatausscheidung bei S. 253. — Verdauung S. 244. 252. 255. 


Original-Mitteilungen, Monographieen und Sonderabdrücke wolle man an den 
Redakteur, Privatdozent Dr. Emst Schreiber in Göttingen, Alleestr. 6, einsenden. 


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Ende 1901 ist erschienen: 

Cln iversal - pharm akopöe. 

Eine verglelehende Zusammenstellung der zar Zeit ln Europa, 
Nordamerika und Japan gültigen Pharmakopüen. 

Von 

Dr. Bruno Hirsoh. 

Zweite, völlig nen bearbeitete Auflage. 

Erster Baad (A-L). 

Preis geh. 18 Mk., in solidem Leinenband 19 Mk. 40 Pfg. 

Die neue Auflage ist da wMlflff memo* Werk, da die anr Zeit 
gütigen Pharmakopoen fast ausnahmslos stark verändert sind. Der zweite 
and letzte Band wird (■ wenigen Woohen eraoheinen. 

MV* Die Anschaffung der neuen, mehr kondensierten Auflage wird 
etwa 10 Mark billiger als die der ersten zu stehen kommen. 


Bei dem gesteigerten internationalen Verkehr werden jedem Arzt, 
jedem Apotheker Becepte aus fremden Ländern zur Beurtheilung oder 
zur Anfertigung und Wiederholung fibergeben. Welchen misslichen 
Folgen ist er aber ausgesetzt, wenn er die verordneten Mittel nicht kennt 
oder nicht weise, wie eie Im Ursprungslands gesetzlich beschälten sind. 
Die „Unlveroal-Pharmakopüe“ spart dem Apotheker viel Zelt und Geld und 
schützt Ihn vor Miseveretindnlesen und Fehlern. 

Das Erscheinen einer neuen Auflage des umfangreichen Werkes 
beweist, dass die ihm beim ersten Erscheinen zu Teil gewordene An¬ 
erkennung berechtigt war. Hier seien nur einige kurze wörtliche Aus¬ 
züge aus hervorragenden Blättern verschiedener Länder wieder¬ 
gegeben: 

„Eines Nachschlagewerkes dieser Gattung dürfte sich die Phannade keines 
zweiten Landes rühmen können/* (Archiv der Pharmade.) 

„The author presents a work which is a monument to bis knowledge and 
zeal, and of inestimable value to the pharmacists of all dvilized 
eountries.“ (American Journal of Pharmaoy 1889.) 

„Dieses für den praktischen Apotheker geradezu unentbehr¬ 
liche Werk . . . sollte auch in den Vereinigten Staaten eine weite Verbrei¬ 
tung finden/* (Pharmaocutlsche Rundschau, New-York.) 

„Das ausgezeichnete Werk, auf das die deutsche Litteratur stolz sein kann, 
sollte in keiner Apotheke fehlen. Die Anachaffungskosten stehen in 
gar keinem Verhältnisse zu seinem eminent praktischen Werthe.“ 

(Rundschau der pharm. Prasse, Wien. 1891.) 

„Dit standaardwerk, dat onontbeerlijk moet genoemd worden voor lederen 
apotheker die reoepten uit vreemde landen gereed maakt, en in geene pharma- 
ceutische bibliotheek mag ontbreken,.. .** (Pharmacsui Weckblad 1891, Nr. 10.) 

„Die Anschaffung und Benutzung sei allen Apothekern ebenso warm em¬ 
pfohlen, wie allen denen, welche einstig berufen sind, an der Ausarbeitung 
neuer Pharmakopöen sich zu betheiligen.** 

(Jahresbericht üb. d. Fortsohr. der Pharmaoognosle etc.) 

MT Ausführlicher Prospekt kostenfrei ~MM| 

Octtingtn. Tasidtnhotdt A Ruprtdd* 


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Elrenthümerin der Quellen: „APENTA“ ACTIEN-GESELLSCHAFT. Budapest 

Bel Apothekern, Drogisten u. Mineralwasser-Händlern, In ganzen und halben Flaschen. 

Analyse and fadnnlnnitdie Bericht* erhältlich In den Blneralwasser-HaadHinfeii etc. 


URO 

= ehinasaurer H; 


»L 

Harnstoff == 


D. R. PATENT. 

Tages-Dosis nach Professor v. Noorden 2—6 Gramm, 
in Wasser zu nehmen gegen Gicht, Harn- und Nierengries 
(hamsaure Diathese). 

Das Urol kommt in Glasröhren ä 10,0 g in den Handel. 
Fünf dieser Olasröhren befinden sich in einer Schachtel. Eine 
solche Schachtel mit 50,0 Gramm Urol kostet 12.50 Mk., die 
einzelne Glasröhre «=* 10,0 Gramm * 2.50 Mk. in den Apotheken 
und Drogenhandlungen. 

Dr. Schütz & Dallmann 

ohexniache Fabrik 

Schierstein a. Rhein 

bei Wiesbaden. 


und Droge 

l_ 


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Nr. 11. 


Erstes Juni-Heft 1902. 


3. Jahrgang. 


Cenfralblaff 

mp 

Stoffwechsel- & Verdauungs-Krankheiten 

herausgegeben von 

Professor Dr. Carl von Noorden in Frankfurt a. M. 


redigiert von Dr. med. Ernst Schreiber, Privatdozent an der Univ. Göttingen. 
Verlag von Vaadenhoeck ft Ruprecht in Oöttingen. 


MonaÜkh 2 Nrn. von 1 Vs—2 Bogen Umfang. Preis des ganzen Jahrgangs, Jan.—Dez., 20 Mark bei 
htlbflhriger Vorausbezahlung. Einzelne Nr. 1 Mark. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen und 
Postnstalten des In- und Anslandes, Nr. 1489 der Zeitungs-Preisliste f. d. Deutsche Reich. (Postbezug 
io Frankreich, England, Spanien, Portugal und ausserhalb Europas 1 Mark 20 Pf. jährlich mehr.) 


Referate« 

(Wo die Jahreszahl fehlt, ist 1902 zu ergänzen.) 

Jardio: lieber harnsaure Diathese bei Kindern. (Russin Wratsch, Nr. 12.) 

J. fuhrt aus, dass die hamsaure Diathese bei Kindern äusserst verschieden¬ 
artig verlauft, und führt als Belege eine Reihe von Fällen an. 1. Ein 8jähriges 
Mädchen leidet in den letzten 2 Jahren an monatlich wiederkehrenden Anfällen 
von heftigen Schmerzen in der rechten Seite und im Unterleib, sowie von Uebel- 
keit und Erbrechen; ausserdem besteht häufiger Harndrang, und der Ham zeigt 
reichliche Blutbeimischung. In 12 Stunden pflegen diese Erscheinungen nach- 
znlassen, und das Kind fühlt sich vollkommen wohl; nur bei Druck auf die rechte 
Niere empfindet es Schmerzen. Mit dem Ham geht nicht selten roter Hamgries 
ab. J. diagnostizierte hamsaure Diathese und verordnete Reduktion der Fleisch- 
nahrang, Aufenthalt auf dem Lande |bis zum späten Herbst und alkalinische 
Mineralwässer. Unter dieser Behandlung wurden die Anfälle seltener und 
schwächer. 2. Ein sehr fettleibiges 7 jähriges Mädchen klagte über Schmerzen 
in den Gelenken. Anschwellungen nicht vorhanden, an den Patellen fühlt man 
aber bei Druck ein Knistern. Mit dem Ham geht Sand ab. Natrium salicylicum 
ohne Erfolg. Dagegen verschwanden die Schmerzen und blieben 7 Monate lang 
fort, nachdem das Kind 6 Wochen lang Vichy und alkalinische Mineralwässer 
genommen hatte. 3. Ein gut genährter 9jähriger Knabe leidet seit 3 Jahren an 
plötzlich auftretenden Anfällen an Kopfschmerzen, Uebelkeit und Erbrechen. Im 
Ham häufig Sand. — Mineralwässer, Reduktion der Nahrungsquantität, hierauf 
Sistieren der Anfälle. Viele aus der Familie des Kindes von seiten der Mutter 
leiden an Migräne und Podagra. 4. 7jähriger Knabe; Schmerzen in den unteren 
Extremitäten, äusserste Furchtsamkeit, häufige Anfälle von Migräne und Pavor 
oocturnus zu bestimmten Nachtstunden. Ham von hohem spezifischen Gewicht, 
enthalt Sand. Das Kind wurde an den Strand des Baltischen Meeres geschickt; 
cs bekam Wannenbäder aus Meersalz und trank Contrexeville. Alle erwähnten 
Erscheinungen von seiten des Nervensystems verschwanden in kurzer Zeit 5. Ein 
5jähriger, gut genährter Knabe leidet an stark ausgesprochenem Pavor diumus 
und noctumus. Im Ham Sand. Behandlung: Ems, Alkalien, Reduktion der 

Nr. 11. 


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262 


Fleischnahrang. Rasche Genesung. 6. Knabe im Alter von 6 Jahren, Pavor 
noctumus, im Harn Sand. Unter Gebrauch von alkalinischen Mineralwässern ver¬ 
schwand der Pavor, dafür stellten sich aber Nierenkoliken ein. Auch die Mutter 
des Kindes leidet an Nierenkoliken. 7. Knabe im Alter von 4 Jahren, sehr ner¬ 
vös, ausserordentlich furchtsam, leidet an Enuresis diuma und nocturna. Im Ham 
Gries. Das Kind geniesst ausschliesslich Fleischnahrang. Behandlung: Mineral¬ 
wässer, Reduktion der Fleischnahrang. — Langsame Besserung. — Die Eltern 
des Kindes leiden an Migräne und Nierenkoliken. 8. 4jähriger Knabe, leidet 
häufig an Fieberzuständen unbestimmten Charakters. Vor kurzem begann er zu 
stottern. Im Harn Gries. — Mineralwässer. — Das Stottern verschwand bald. — 
Der Grossvater des Kindes leidet an hochgradiger Podagra. 9. Ein 7 jähriges 
Mädchen; zunächst Oelenkschmerzen, dann Schmerzen im Unterleib, häufiger 
Harndrang und schliesslich Harnverhaltung. Harn trübe, alkalisch, enthält Schleim¬ 
flocken. Behandlung: Salol und Urotropin. Die Erscheinungen von seiten der 
Harnblase verschwanden innerhalb eines Monats. Die Schmerzen in den unteren 
Extremitäten blieben noch lange bestehen. 10. Mädchen im Alter von 12 Jahren. 
Im 9. Lebensjahre erkrankte das Kind an Schmerzen und Schwellung im linken 
Ellbogen, wobei die zu Rate gezogenen Chiraigen in der Diagnose sehr weit 
auseinander gingen. Die Erkrankung führte zur unvollständigen Verwachsung 
des Oelenks. Dann stellten sich Schmerzen in anderen Oelenken ein, ohne Stei¬ 
gerung der Temperatur. Im Ham Gries. Unter Gebrauch von Alkalien ver¬ 
schwanden die Schmerzen ln den unteren Extremitäten. — J. nimmt an, dass bei 
Kindern die Verhältnisse zur Entwickelung der hamsauren Diathese viel günstiger 
liegen, als bei Erwachsenen, vor allem aus dem Grande, weil der Stoffwechsel 
bei Kindern viel rascher vor sich geht Ausserdem erfordert der reichhaltige 
Eiweissgehalt der Nahrung der Kinder viel mehr Sauerstoff, d. h. einen genü¬ 
genden Aufenthalt in reiner Luft, was aber gerade den Kindern sehr selten zu 
teil wird. Eine nicht geringe Rolle spielt dabei die Heredität. Von Interesse ist, 
dass die Krankheit sich durch Periodizität auszeichnet. Als prophylaktische Mass- 
regel gegen die hamsaure Diathese empfiehlt J. Beschränkung der Fleischnahrung, 
Aufenthalt in frischer Luft und Bewegungsspiele. 

Lubowski (Wilmersdorf b. Berlin). 

Teschemacher (Neuenahr): » Pankreaserkrankung und Diabetes«. (Münch, med. 

Wochenschr., Nr. 16.) 

Kasuistischer Beitrag zum Pankreasdiabetes, dessen erste Symptome bei 
einem 61jährigen Manne etwa 8 Jahre nach der Operation einer Pankreascyste 
auftraten. Der letzteren Erkrankung war ebenfalls 8 Jahre vorher ein schweres 
Trauma, bestehend in einer heftigen Kontusion der Wirbelsäule, voraufgegangen. 
Mit Recht weist Verf. auf die Möglichkeit einer spontanen, d. h. von der weit 
zurüddiegenden Pankreaserkrankung unabhängigen Entstehung des Diabetes hin! 

Schade (Oöttingen). 

Rubin, Albert: La glycosurie et le diab&te d’origine dyspeptique. Symptömes, dia- 

gnostic et tndtement (Bull. gän. de th&v, 1901, tome 141, p. 598.) 

Als dyspeptische Glykosurie und dyspeptischen Diabetes be¬ 
schreibt R. eine spezielle Form der Glykosurie resp. des Diabetes, die gar nicht 
so selten im Verlaufe der sog. hypersthenischen Dyspepsie — unter 1600 
Fällen 83 mal: 5,18% — auftritt Diese Glykosurie gastrischen Ursprungs ist 
nicht zu verwechseln mit der alimentären Glykosurie; im übrigen ganz einer ge¬ 
wöhnlichen Glykosurie gleichend, verrät sie ihren Ursprung einmal dadurch, dass 
nur der Verdauungsham Zucker enthält, während der Morgenham zuckerfrei ist, 
ferner durch die sie begleitenden dyspeptischen Störungen, unter denen drei Symp¬ 
tome der hypersthenischen Dyspepsie am konstantesten sind: mehr oder weniger 
gesteigerter Appetit, vorübeigehende Magendilatation und Lebervergrösserang. 


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Am häufigsten kommt die Giykosurie, zuweilen neben einer transitorisdien Albu¬ 
minurie, bei den akuten Formen der hypersthenischen Dyspepsie vor. Die 
Diagnose bereitet häufig Schwierigkeiten, besonders die des dyspeptischen Dia¬ 
betes, indem es sich häufig nicht entscheiden lässt, ob der Diabetes oder die 
Dyspepsie das primäre Leiden ist Von ausschlaggebender Bedeutung für die 
Feststellung der Aetiologie der dyspeptischen Giykosurie sowohl wie des dys¬ 
peptischen Diabetes ist der Erfolg der gegen die Dyspepsie gerichteten Behand¬ 
lung, die selbst einen vorgerückten Diabetes zum völligen Verschwinden bringen 
kann. 

Zur Herstellung des Zusammenhangs zwischen dyspeptischer Giykosurie resp. 
dyspeptischem Diabetes einerseits und der Dyspepsie anderseits rekurriert R. auf 
die Leber. Zwei Momente sind es, die als Folge der durch die hypersthenische 
Dyspepsie bedingten Störungen der Magenthätigkeit auf die Leberfunktion schädi¬ 
gend einwirken: einmal übt der den Magen verlassende Chymus vermöge seiner 
hyperadden Beschaffenheit eine Reizwirkung auf das Duodenum, die Ausmündung 
der Gallenwege und damit reflektorisch auch auf das Leberparenchym aus, und 
zwdtens findet noch eine direkte Reizwirkung auf die Leber durch den beim Ver¬ 
dauungsprozess entstandenen Zucker statt Durch beide Momente werden die 
Leberzellen zu gesteigerter Thätigkeit veranlasst, und als Ausdruck dieser Hyper¬ 
funktion der Leber finden sich neben Giykosurie Hypertrophie des Organs und 
Azoturie. 

Die Behandlung der dyspeptischen Giykosurie deckt sich mit der Therapie 
der zu Grunde liegenden Dyspepsie; mit dem Schwinden der dyspeptischen Er¬ 
scheinungen geht auch die Zuckerausscheidung zurück. Sollte sie, was jedoch 
nur selten der Fall ist, trotzdem weiterbestehen, so wird man seine Zuflucht zu 
medikamentösen Mitteln nehmen, die, wie z. B. das Antipyrin, auf die Leber¬ 
funktion einen hemmenden Einfluss ausüben. Beim ausgebildeten dyspeptischen 
Diabetes ist die Behandlung des Diabetes mit derjenigen der Dyspepsie in ge¬ 
eigneter Weise zu verbinden. 

Ob man zur Annahme eines dyspeptischen Diabetes in dem R.’schen Sinne 
berechtigt ist, muss doch zum mindesten zweifelhaft erscheinen, zumal R. selbst 
nur eine einzige (!) sichergestellte Beobachtung als Stütze seiner Behauptungen 
anzuführen vermag. Schade (Göttingen). 

Baum: Zur Hydrotherapie der Dlabetesbehandlnng. (Blätter für klinische Hydro¬ 
therapie, März.) 

Verf. empfiehlt warm die hydrotherapeutische Behandlung des Diabetes 
mellitus in allen Fällen. Zwar muss die Einzelprozedur sorgfältig individualisiert 
werden, doch werden die Kranken stets Nutzen davon haben, speziell diejenigen 
Fälle, welche auf neuropathischer Grundlage entstanden sind. Auch die Kompli¬ 
kationen, wie Hämorrhoiden, Verstopfung, Magenbeschwerden, Hautaffektionen, 
sowie insbesondere die Toleranz gegen gemischte Nahrung werden durch Kalt¬ 
wasserbehandlung günstig beeinflusst B. Oppler (Breslau). 

Rosentfaal: Pulsionsdivertikel des Schlundes. (Centralblatt für allgemeine Pathologie 
u. pathologische Anatomie, Nr 5.) 

Verf. kommt auf Grund von 5 eigenen Beobachtungen, von Untersuchungen 
an Leichen und Verwertung von 165 in der Utteratur niedergelegten Fällen zu 
den folgenden Ergebnissen: 

Der Ausdruck Pulsionsdivertikel ist berechtigt und mag daher beibehalten 
werden. Es sind sack- oder kugelabschnittförmige Ausstülpungen der Pharynx- und 
Oesophaguswand, die durch den Druck ihres zeitweisen Inhaltes hervorgetrieben sind. 
Sie entwickeln sich aus vorgebildeten oder auf andere Art entstandenen Ausstülpun¬ 
gen. Selten kommen sie an den Seitenteilen des Pharynx vor, am häufigsten 
an der Rückwand am Uebergang des Pharynx zum Oesophagus, da diese Stelle 


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am meisten disponiert ist Hier kommen seichte Ausbuchtungen auch bei 
Gesunden gelegentlich vor, und auch bei Narbenstenosen des Oesophagus- 
einganges entstehen hier keine Spindel- sondern taschenförmige Dilatationen. Die 
Pulsionsdivertikel dieser Gegend (Grenzdivertikel) sind häufiger als alle anderen 
zusammen genommen und fuhren ohne geeignete Behandlung fast sicher zum 
Tode. Am Oesophagus können sich Pulsionsdivertikel aus Traktionsdivertikeln oder 
in sehr seltenen Fällen aus Dilatationen oberhalb von Stenosen entwickeln. Mög¬ 
licherweise giebt es auch noch zwei Prädilektionsstellen; in der Höhe der Teilung 
der Luftröhre und oberhalb des Zwerchfells. 

Die Wand der Pulsionsdivertikel besteht aus einer im wesentlichen nor¬ 
malen Schleimhaut und einer Bindegewebschicht von wechselnder Dicke. Die 
Muskelhaut ist nie vollständig und fehlt oft ganz wegen des Durchtritts 
der Schleimhaut durch Lücken der auseinandergezerrten Muscularis. Die Wand 
ist, besonders am Fundus, der starken Dehnung entsprechend, meist sehr dünn, 
in anderen Fällen infolge der Hypertrophie des Bindegewebes (nicht der quer¬ 
gestreiften Muskulatur) ziemlich dick. 

Die Pulsionsdivertikel der Phaiynxoesophagusgrenze sind eine Krankheit 
des reifen und hohen Alters und finden sich bei Männern doppelt so häufig als 
bei Frauen. Angeborene Anomalieen und Verletzungen können höchsten bei einem 
sehr kleinen Teile zu den Ursachen gehören. Fast immer scheinen zwei Be¬ 
dingungen Zusammenwirken zu müssen, von denen die eine eine primäre Aus¬ 
stülpung oder Schwächung der Wand bewirkt, die andere eine Stauung der Speisen 
an der betreffenden Stelle. Daher ist keine einzelne Bedingung zu finden, die 
bei allen Pulsionsdivertikeln wirksam gewesen wäre, und ebenfalls keine, die not¬ 
wendig zur Ausbildung eines solchen führen muss. B. Oppler (Breslau). 

Robin, Albert: I. Les gastrites chroniques. (Bull. g€n. de thör., 1901, tome 142, 

p. 116.) II. Le traitement des gastrites chroniques. (lbid., p. 164.) 

R. bringt hier wiederum aus seinem Werk über Magenkrankheiten ein 
wichtiges Kapitel, das uns ein Gesamtbild der chronischen Gastritis entwirft. 
Wenn sich auch der reiche Inhalt in einem Referat nicht wiedeigeben lässt, so 
mögen einige wesentliche Fragen, zumal solche, zu denen Verf. eine Sonderstel¬ 
lung einnimmt, kurz berührt werden. 

In den Vordergrund seiner Betrachtungen stellt R. auch hier wieder die 
vielgenannte »hypersthenische Dyspepsie«. Sie bildet nach ihm die häu¬ 
figste Ursache der chronischen Gastritis, deren Aetiologie daher mit der jener 
zusammenfällt. Der Uebergang von der einer anatomischen Grundlage ent¬ 
behrenden, rein funktionellen hypersthenischen Dyspepsie zu der durch bestimmte 
anatomische Veränderungen ausgezeichneten chronischen Gastritis wird durch die 
von R. sogenannte hyperfunktionelle Periode hergestellt. Die chronische 
Gastritis selbst zerfällt wieder in zwei Hauptabschnitte; der erste umfasst das 
Stadium des sauren und schleimigen Katarrhs, der zweite das der Gastri¬ 
tis mucosa und der Gastritis atrophica. Einer jeden der genannten Pe¬ 
rioden entspricht ein besonderes anatomisches Bild sowie auch eine besondere 
klinische Erscheinungsweise, ohne dass jedoch zwischen den einzelnen eine 
scharfe Orenze besteht Der schliessliche Ausgang der chronischen Gastritis in 
die Gastritis atrophica ist im ganzen nicht sehr häufig; wo aber letztere zur 
Beobachtung kommt, hat sie sidi fast stets aus den genannten Stadien der chro¬ 
nischen Gastritis heraus entwickelt, bildet also nicht, wie die Mehrzahl der deut¬ 
schen Autoren annimmt, die sie mit der unpassenden Bezeichnung »Achylia 
gastrica« belegen, eine nosologische Einheit. 

Der Diagnose der chronischen Gastritis fallen folgende Aufgaben zu: 
1. die Periode der rein funktionellen Störungen von derjenigen der anatomischen 
Läsion zu trennen; 2. das Stadium, in dem sich der Krankheitsprozess befindet, 
festzustellen und 3, die Ursache der Erkrankung zu erforschen. Differential- 


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diagnostisch kommen in Betracht die dyspeptische Form des Ulcus simplex, die 
oft ohne Blutungen verläuft, das Cartinom und die Magenneurasthenie. 

Die Behandlung der chronischen Oastritis variiert je nach dem Stadium, 
in dem sich die Erkrankung befindet Anfangs darauf gerichtet, die funktionelle 
Extitation abzuschwächen, soll sie im 2. Stadium, dem der anatomischen Ver¬ 
änderungen, ein Fortschreiten des Krankheitsprozesses verhindern, während ihr 
im 3. Stadium die erste Aufgabe zufällt, den Kranken, dessen Magenverdauung 
mehr oder weniger ganz daniederliegt, in geeigneter Weise zu ernähren. Gleich¬ 
zeitig hat sie den Indikationen, welche die Aetiologie stellt, Genüge zu leisten. 
Als einleitende Behandlung empfiehlt R. die absolute Milchdiät, mit der man auch 
noch während des grössten Teils der 2. Periode oft recht befriedigende Erfolge 
erzielt Auch in der 3. Periode bleibt die Milch das beste Nahrungsmittel; kontra- 
indiziert ist sie nur, wenn die Untersuchung des Magensafts Abwesenheit von 
Lab ergiebt Als allgemeine Regel gilt die Vorschrift, die Speisen nur in breiiger 
and leicht verdaulicher Form zu verabfolgen. An die Stelle der schematischen 
Diätvorschriften hat man eine jedem Krankheitsfalle angepasste diätetische Be¬ 
handlung zu setzen. Die Zahl der täglichen Mahlzeiten richtet sich ebenfalls 
nach dem jeweiligen Stande der Erkrankung. Im Anfang, wo das Prinzip vor¬ 
herrscht, die gesteigerte Funktion herabzusetzen, empfehlen sich nicht mehr als 
3 Mahlzeiten; die Periode des schleimigen Katarrhs verlangt dagegen schon eine 
Anregung der sekretorischen Thätigkeit des Magens, daher hier 4—5 tägliche 
Mahlzeiten einzunehmen sind; bei der Oastritis atrophica sind, um einer Stag¬ 
nation des Mageninhalts vorzubeugen, 5—6 kleine Mahlzeiten 3 reichlichen vor- 
znziehen. 

Wie die diätetische, so sind auch die physikalische und die medikamen¬ 
töse Behandlung der chronischen Gastritis entsprechend dem Stadium der Krank¬ 
heit auszuwählen. Als allgemeiner Grundsatz ergiebt sich auch hier die For¬ 
derung, anfangs eine sedative, später eine stimulierende Wirkung auszuüben. 

Schade (Oöttingen). 

Mathien, Albert et Laboulais, Alfred: Note sur le traitement de le stase gastrique 
avec hypendcrdtion par le tubage dvacuateur, sans Image, suhri d’iqjections de poudre 
de viande. Soc. de th€r. Söance du 23 oct 1901. (Bull. gdn. de thdr., 1901, 

tome 142, p. 647.) 

Vei^gl. das Ref. dieser Arbeit auf S. 76. Schade (Göttingen). 

Soopanlt, Maurice: Pathogdnie et traitement de la gastrosuceorrhde. Soc. de thdr. 
Söances des 6 nov., 20 nov. et 6 die. 1901. (Bull. g€n. de th£r., 1901, tome 142, 

p. 731 ff.) 

S. vertritt die zuerst von rfayem im Jahre 1897 ausgesprochene Ansicht, 
dass der Magensaftfluss, die sog. Reichmann’sche Krankheit, stets einem Ulcus 
in der Nähe des Pylorus seine Entstehung verdanke. Von der internen Behand¬ 
lung ist nach S. immer nur eine vorübergehende Besserung zu erwarten. Um 
eine definitive Heilung zu erreichen und die ständig drohende Gefahr einer 
grösseren Blutung oder einer Perforation zu beseitigen, soll man die Behandlung 
der Gastrosuccorrhoe dem Chirurgen überlassen. S. verfügt allein über 18 Fälle, 
die er nach dem operativen Eingriff (Gastroenterostomie) als vollkommen geheilt 
ansieht 

Die S.’schen Ausführungen rufen in der nachfolgenden Diskussion leb¬ 
haften Widerspruch hervor, indem sowohl die von ihm aufgestellte Pathogenese 
der Reichmann’schen Krankheit angezweifelt als auch seine Behauptung wider¬ 
legt wird, dass die interne Behandlung zu einer definitiven Heilung des Magen¬ 
saftflusses nicht ausreiche. Schade (Göttingen). 

Nr. 11. 


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Pron: Inflneace de I’estoinat et da rlgime alimentaire snr t*&ai mental ei tes 
fonctions psychiquea. (Thfcse de Paris 1901. Gazette des höpitaux, Nr. 22.) 

Gehirn und Magen stehen durch die enge Verbindung des Plexus solaris 
mit dem Zentralnervensystem in Beziehung zu einander. Veränderungen in der 
Gehimfunktion können daher auf die des Magens einwiricen und umgekehrt; so 
können Erregungen, geistige Ermüdung dyspeptische Erscheinungen verursachen, 
und nicht selten findet man anderseits, dass Magenleidende psychische Störungen 
zeigen, und zwar in Gestalt von Hypochondrie, Reizbarkeit, gelegentlich auch 
schwereren Störungen, wie Amnesie, Verminderung der Intelligenz etc. 

Der Verf. betrachtet die Erklärung dieser psychischen Veränderungen als 
Folge einer AutoTntoxikation für ungenügend und hält dieselben vielmehr für re¬ 
flektorisch vom Magen aus entstanden. In therapeutischer Hinsicht leistet das 
Meiste eine Regulierung der Diät M. Cohn (Kattowitz). 

Meine!: Untersuchungen über die sogenannte gutartige Pyiorashypertrophie and den 
Scirrhas des Magens. (Ziegleris Beiträge zur pathol. Anatomie u. zur allgem. 

Pathologie, Bd. 31, H. 3.) 

Auf Grund der Untersuchung zweier Präparate von »gutartiger Pylorus- 
hypertrophie«, von denen das eine dem bisher am genauesten beschriebenen Falle 
angehört, hält Verf. die genannte Erkrankung durchaus nicht für eine entzündliche 
Hypertrophie, wofür sie bisher gegolten hat, sondern für ein veritables »Lymph- 
epithelcardnom« (im Gegensätze zu den Drüsenepithelcardnomen). 

Auch die Durchsicht der Litteratur hat ihn in der Ansicht bestärkt, dass 
die ganze Annahme von einer sogenannten gutartigen Pyiorashypertrophie auf so 
schwachen Füssen steht, dass sie einer erneuten Stütze bedarf, um nicht gänzlich 
aufgegeben zu werden. 

Die Aetiologie der Tumoren ist wie die der Cardnome überhaupt 
noch unbekannt. Dass eine langdauernde Irritation bei vorgeschrittenem 
Lebensalter nicht genügt, lehren die gutartigen muskulären Verengerungen des 
Pyloras ebenso wie die kongenitalen Stenosen desselben, welche durchaus günstig 
verlaufen können und höchstens eine Prädisposition für eine Gastrektasie oder 
Gastritis schaffen, die durch kräftige Magenmuskulatur und geeignete Lebensweise 
sehr wohl überwunden werden kann, ganz im Gegensatz zu den obigen Fällen. 

B. Oppler